Barmherzigkeit

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Verlangt Jesus nicht etwas Unmögliches von uns? Zunächst verlangt er von uns die Feindesliebe. Was uns andere auch antun mögen, wir sollen stets gut zu ihnen sein. Ok, man kann seine Rachegelüste zähmen, versuchen, ruhig zu bleiben. Aber wenn im Herzen der Groll aufsteigt, dann wünscht man dem anderen doch leicht alles Mögliche nicht so gute. Stattdessen nicht nur im Stillen dem anderen nichts Böses wünschen, sondern etwas Gutes tun, übersteigt das nicht alle menschlichen Möglichkeiten? Und: wo kommen wir denn dann selbst hin, wenn alle auf uns rumtrampeln können, ohne dass wir uns wehren.

Genau hier müssen wir einlenken. Den Feinden Gutes tun ist eine aktive Handlung. Sie erfordert Größe. Das ist etwas ganz anderes, als auf sich herumtrampeln zu lassen. Wenn wir statt einem Blick voll Hass ein Geschenk der Liebe machen, dann ist der andere zunächst überrascht und vielleicht denkt er dann darüber nach, was er tut. Wer auf Feindschaft mit Hass antwortet, der vertieft den Graben zwischen den Menschen und wird selbst vom Sog des Hasses in die Tiefe gezogen. Wer aber mit einem Geschenk des Guten antwortet, nimmt dem Hass und der Feindschaft die Kraft und lässt die Möglichkeit des Friedens entstehen.

Jesus begründet seine Forderung nach Nächstenliebe und Feindesliebe mit der Barmherzigkeit des Vaters. Weil Gott an uns barmherzig gehandelt hat, sollen auch wir barmherzig sein. Gottes barmherziges Tun an uns geht all unserem Tun voraus. Gott handelt an uns barmherzig, noch bevor wir selbst etwas getan haben. Um Christ zu werden und das Heil zu empfangen, bedarf es keiner langen Jahre der Askese oder einer Reihe von Wiedergeburten durch mehrere Leben hindurch. Es braucht nur etwas Wasser und einen anderen Menschen, der die Taufformel spricht.

Wir sollen barmherzig sein, weil uns Barmherzigkeit zuteil wurde, nicht damit uns Barmherzigkeit zuteil wird. (Raniero Cantalamessa)

Gott bedarf unserer Barmherzigkeit nicht. Er handelt nicht gut an uns, damit wir uns ihm gegenüber als gut erweisen. Er lenkt unsere Barmherzigkeit hin auf unsere Mitmenschen. Ihnen gegenüber sollen wir das erfahrbar machen, was Gott uns hat erfahren lassen: dass wir bedingungslos geliebt und von Gott unendlich beschenkt sind.

Der Nächste, der Mitmensch, ist für mich das sichtbare Antlitz Gottes. (Raniero Cantalamessa)

Wir vergessen leicht, was Gott für uns getan hat, gerade in der heutigen Zeit, wo die Erlösungsbedürftigkeit des Menschen in den Hintergrund gedrängt wurde. Unsere Leistung steht im Vordergrund und wenn es einer zu etwas bringen will, so muss er sich über andere behaupten, besser sein als andere. Wer sich umwendet, um einem anderen zu helfen, bleibt oft selbst zurück.

Das oberste Ziel unserer kapitalistischen Welt ist der Profit und dabei sind es einige wenige, die wirklich großen Profit machen. Noch hat ein relativ großer Teil unserer Gesellschaft teil an diesem Profit und kann sich mit Konsum und Unterhaltung vergnügen, aber immer deutlicher wird das Ausmaß der Zerstörung, die das kapitalistische Denken anrichtet. Die Menschen, die davon nicht profitieren, drängen sich immer stärker in unser Bewusstsein. Immer deutlicher wird das Ausmaß der Zerstörung der Erde.

Nur die Barmherzigkeit, die Barmherzigkeit Gottes zu den Menschen und der Menschen untereinander, kann die Welt retten.

Himmlischer Vater, durch die Verdienste deines Sohnes, der sich am Kreuz für uns „zur Sünde machte“, lösche aus den Herzen der Menschen, der Familien und der Völker die Rachsucht und gib, dass wir uns in die Barmherzigkeit verlieben. Gib, dass der Absicht des Heiligen Vaters beim Ausrufen dieses Heiligen Jahres der Barmherzigkeit eine konkrete Antwort unserer Herzen folgt, und dass allen die Freude zuteil wird, sich mit dir versöhnen zu lassen. Amen. (Raniero Cantalamessa)

Der Galaterbrief

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Paulus, zum Apostel berufen, nicht von Menschen oder durch einen Menschen, sondern durch Jesus Christus und durch Gott, den Vater, der ihn von den Toten auferweckt hat, und alle Brüder, die bei mir sind, an die Gemeinden in Galatien. (Gal 1,1-2)

Bereits mit dem Eingangsgruß des Galaterbriefes macht Paulus die Autorität deutlich, auf der seine Verkündigung beruht. Er hat den Galatern das Evangelium gebracht, und nun sind diese im Begriff, anderen Missionaren zu folgen, die eine ganz andere Lehre vertreten als die des Paulus. Er aber ist nicht irgendein Missionar unter vielen, sondern von Gott berufener Apostel. Das, was er lehrt, stammt nicht von ihm selbst und er wurde nicht von Menschen in sein Amt eingesetzt. Seine Vollmacht stammt von Gott, von Jesus Christus und dem Vater, der Christus von den Toten auferweckt hat. Die Auferweckung Jesu Christi ist das entscheidende Ereignis, unter dem alles, was nun folgt, zu betrachten ist. Hier hat Gott etwas Neues gewirkt, das alles Vorhergehende in einem neuen Licht erscheinen lässt.

Der Brief an die Galater ist nicht, wie sonst üblich, an die Gemeinde einer bestimmten Stadt adressiert, sondern an eine ganze Region. Galatien ist eine Gegend im Zentrum Kleinasiens und zugleich Name einer römischen Provinz, wobei beide Gebiete nicht deckungsgleich sind. Bei den Galatern handelt es sich um ursprünglich aus Gallien kommende Volksstämme, die auf wechselvolle Weise in diese Gegend gelangt sind und sich dort angesiedelt und mit der einheimischen Bevölkerung vermischt haben.

Die am Rand des galatischen Gebietes gelegenen Städte Lystra und Ikonion hat Paulus bereits bei seiner ersten und zweiten Missionsreise besucht. Auf seiner dritten Missionsreise durchwandert er das Innere des Landes. Hier wird Paulus einem ganz anderen und einfacher gestrickten Menschenschlag begegnet sein, als in den dichtbevölkerten multikulturellen Küstenstädten, in denen er bisher missioniert hat.

Betrachtet man das oft in seinen Briefen zum Ausdruck kommende Selbstverständnis des Paulus als Apostel der Heiden, so kann man verstehen, warum er sich die Mühe machte, diese abgelegene und nur über anstrengende Bergpässe erreichbare Gegend zu besuchen. Irgendwo hier mag ihm auch der Gedanke gekommen sein, dass seine Missionsarbeit in der östlichen Reichshälfte erledigt ist und es an der Zeit war, in den ihm weitgehend unbekannten westlichen Teil des Reiches aufzubrechen, wie er es im Römerbrief deutlich macht.

Paulus hat den Brief an die Galater wahrscheinlich in der Zeit zwischen den Jahren 53 und 55 geschrieben. Anlass ist das dortige Wirken von Missionaren, die entgegen der Lehre des Paulus die Beschneidung der Heidenchristen fordern und diese so enger an das Judentum binden wollen, was auch die Einhaltung der jüdischen Reinheitsvorschriften zur Folge hat. Paulus dagegen vertritt die Eigenständigkeit des Christentums, das zwar seine Wurzeln im Judentum hat – Jesus Christus, die Apostel, die ersten Christen und auch Paulus selbst sind Juden – aber nicht die Übernahme jüdischer Gesetzte für Heidenchristen bedeutet.

Die Streitfrage, wie weit von Heidenchristen die Einhaltung jüdischer Vorschriften gefordert ist, war auf dem Apostelkonzil in Jerusalem dahingehend entschieden worden, dass von den Heidenchristen weder die Beschneidung noch die Einhaltung jüdischer Reinheitsvorschriften gefordert ist. Für die Juden war aber gerade die Beschneidung das Zeichen dafür, dass ein Mensch sich dem Bund anschließt, den Gott mit Abraham geschlossen hat, und die strenge Einhaltung der jüdischen Vorschriften sollte Gottes Reich auf Erden sichtbar werden lassen. Beides war daher aus jüdischer Sicht unabdingbar, um das Heil zu erlangen.

Paulus aber vertritt die Ansicht, dass ein Mensch nicht mehr durch diese äußeren Zeichen Anteil am Heil Gottes erhält, sondern allein durch den Glauben an Jesus Christus, der sichtbar wird in der Taufe und einem Leben nach dem Gebot der Liebe. Sicher hat Paulus, der früher selbst ein eifriger Verfechter des jüdischen Gesetzes war, hier lange um eine schlüssige Erklärung gerungen. Im Galaterbrief und ebenso im Römerbrief macht Paulus deutlich, was es heißt, Anteil zu haben am Heil, das Gott den Menschen durch Jesus Christus geschenkt hat.

Diese Lehre vom Heil und der den Menschen durch Gott geschenkten Freiheit sieht Paulus nun von Irrlehrern bedroht. Es geht nicht um die Auseinandersetzung um irgendwelche Streitfragen, sondern um den Kern des christlichen Glaubens. Daher muss Paulus seine Autorität als Apostel so deutlich herausstellen und seine Lehre, die letztlich von Gott stammt, entschieden gegen die Irrlehrer verteidigen, wobei er sich nicht scheut, seine Gegner aufs Heftigste anzugreifen.

Fronleichnam

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Im Lesejahr C hören wir an Fronleichnam von der Speisung der Fünftausend aus dem Lukasevangelium. Eine große Menschenmenge folgt Jesus und seinen Jüngern. Am Abend sind die Menschen müde und hungrig. Doch Jesus will sie so nicht nach Hause schicken. Nachdem er ihnen durch sein Wort geistige Nahrung gegeben hat, will er sie auch leiblich stärken.

Gebt ihr ihnen zu essen!

So sagt es Jesus deutlich zu seinen Jüngern, aber sie wissen nicht, wie sie Jesu Auftrag umsetzen sollen. Sie haben weder einen ausreichenden Vorrat an Lebensmitteln bei sich, noch genügend Geld, um für alle etwas zu kaufen. Doch Jesus zeigt ihnen, dass es auch anders geht. Aus dem kleinen Vorrat von fünf Broten und zwei Fischen macht er alle satt.

Jesus lässt durch die Jünger die Menschenmenge ordnen, so dass alle in kleinen Gruppen beieinander sitzen. Dann spricht er ein Dankgebet zum Vater und verteilt durch die Jünger das Essen. Obwohl ihnen nur wenig zur Verfügung steht, werden ihre Hände nicht leer und alle werden satt. Und plötzlich leuchtet Gottes Gemeinschaft mit den Menschen auf. Die Fülle wird zum Zeichen des messianischen Mahls am Ende der Zeiten.

„Durch die Hände der Jünger gibt er das Brot. So ehrt er sie und lässt sie die Erinnerung an dieses Wunder besser bewahren. … Für die Kranken tat er ein besonderes Wunder, hier aber tut er eines für alle, indem er auch die, die an keiner Krankheit leiden, speist. Darum heißt es: Und alle aßen und wurden satt.“ (Johannes Chrysostomus)

Die wunderbare Speisung der Volksmenge ist ein Vorausbild der Eucharistie. Die leibliche Sättigung der Menschenmenge durch Jesus weist auf ein tieferes Geheimnis hin. Jesus will ganz bei den Seinen sein und sie mit einer noch viel tieferen Gegenwart erfüllen, als er es durch sein Wort allein vermag. Jesus will sich selbst den Menschen schenken.

In Kapitel 22,14-23 wird Lukas vom letzten Abendmahl berichten. Jesus spricht dabei über Brot und Wein die Worte: Das ist mein Leib, das ist mein Blut. Das Brot als Grundnahrungsmittel des Lebens wird in gewandelter Form zur Speise ewigen Lebens. Brot und Wein werden zum realen Zeichen seiner Gegenwart in dieser Welt.

Jesus verbirgt sich in den Gestalten von Brot und Wein, die in der Feier der Eucharistie in sein Fleisch und Blut gewandelt wurden. Daher gebührt der Eucharistie auch Verehrung und Anbetung. Wenn wir aus dieser Speise leben, können wir heute tun, was Jesus damals seinen Jüngern aufgetragen hat: Gebt ihr ihnen zu essen.

Jesus hat sich selbst zum Brot des Lebens gemacht, um uns Leben zu geben.

Nacht und Tag ist er da. Wenn du wirklich in der Liebe wachsen willst,

kehre zurück zur Eucharistie, kehre zurück zur Anbetung.

Mutter Teresa

Dreifaltigkeitssonntag

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In den Evangelien spricht Jesus von seinem Vater im Himmel und vom Heiligen Geist, den er den Jüngern senden wird. Bei der Taufe im Jordan kommt der Geist auf Jesus herab und die Stimme des Vaters ertönt aus den Wolken. Am Ende des Matthäusevangeliums trägt Jesus den Jüngern auf, in die Welt hinauszugehen und die Menschen zu taufen „auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“ (Mt 28,19).

Die Lehre vom dreifaltigen Gott hat ihre feste Grundlage in der Heiligen Schrift, aber es hat lange gedauert, bis sie auch theologisch ausformuliert wurde. Dies war nötig, nachdem verschiedene Irrlehrer, allen voran Arius, die Auffassung vertreten haben, dass Jesus Christus nicht Gott gleich ist. Wenn Menschen etwas nicht verstehen, dann versuchen sie oft, es verständlich zu machen. Anstatt Gottes Geheimnis stauend zu betrachten, versuchte man, Gott verstehbar zu machen. Gottes Sohn wurde degradiert zu einem Menschen, den Gott in besonderer Weise erwählt hat, sehr verständlich, aber eben total an der Wirklichkeit vorbei.

Die Dreifaltigkeit Gottes ist ein Geheimnis, das menschliches Denken übersteigt und das wir daher nur annähernd erfassen können. Es gibt viele Bilder, die uns helfen wollen zu verstehen, aber wir müssen dabei immer bedenken, dass es Bilder sind, die nicht absolut betrachtet werden dürfen, sondern nur Hinweise sind auf etwas Größeres. So werden vielfältige Dreiheiten genannt, die uns im alltäglichen Leben begegnen, wie die zeitliche Dreiheit von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, oder die Dreifaltigkeit der Liebe in den Gestalten von Liebendem, Geliebten und dem Band der Liebe, das beide verbindet.

Besonders im Mittelalter war der sogenannte Gnadenstuhl eine verbreitete Darstellung der Dreifaltigkeit. Gott Vater thront in der Mitte, vor ihm der Sohn am Kreuz und über beiden schwebt der Heilige Geist in Gestalt einer Taube. Man sieht hier deutlich die drei Personen der göttlichen Dreifaltigkeit, jedoch ist deren Einheit zu wenig erkennbar. Oder man stellt die Dreifaltigkeit dar als einen Kopf mit drei Gesichtern. Hier wird die Einheit deutlicher, aber das Ganze wirkt irgendwie unnatürlich.

Eine geniale Darstellung der Dreifaltigkeit ist die Ikone von Andrej Rublev. Im Besuch Gottes bei Abraham in Gestalt von drei Engeln sieht der christliche Glaube seit jeher ein Vorausbild der Dreifaltigkeit Gottes im Alten Testament. Mehr als bei anderen Darstellungen wird hier deutlich, dass sich das Geheimnis, das sich dahinter verbirgt, nur durch ständige Betrachtung erschließt und letztlich nie ganz ergründet werden kann.

Der Dreifaltigkeitssonntag als eigenständiger Festtag hat sich erst im 14. Jahrhundert durchgesetzt, jedoch ist das Festgeheimnis an sich schon seit frühesten Zeiten tief im Glauben der Kirche verwurzelt. So hat man von päpstlicher Seite her lange die Einführung eines speziellen Dreifaltigkeitssonntages blockiert, da letztlich jeder Sonntag im Zeichen des dreifaltigen Gottes steht. Seine Lage am Sonntag nach Pfingsten kommt nicht von ungefähr. Die Sendung des Geistes an Pfingsten schließt das Heilswerk Christi ab. Wie Christus es verheißen hat, werden die Getauften im Heiligen Geist hinein genommen in die Gemeinschaft des dreifaltigen Gottes.

Wir feiern am heutigen Festtag Gottes Heilswirken an uns Menschen. Die Dreifaltigkeit Gottes erschließt sich uns ja letztlich nur durch Gottes Wirken. Wir preisen Gott Vater, der alles erschaffen hat, wir preisen den Sohn, durch den alles geschaffen wurde und der in seine Schöpfung gekommen ist, um sie zu erlösen, wir preisen den Heiligen Geist, der in uns wirkt und uns hinein nimmt in Gottes Liebe.

Bernhardin von Siena

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Bernhardin von Siena wurde wahrscheinlich am 8. September 1380 in Massa-Marittima in der Toskana als Sohn der adligen Sieneser Familie der Albizzeschi geboren. Als er etwa sechs Jahre alt war, starben seine Eltern und er wurde in die Obhut seiner Verwandten gegeben. Bereits im Alter von elf Jahren begann er das Studium des kanonischen Rechts in Siena, das er jedoch ohne Abschluss abgebrochen hat. Als im Jahr 1397 in Siena die Pest ausbrach, entschloss er sich, in der Stadt zu bleiben und als Mitglied der Marienbruderschaft Kranke und Leidende zu pflegen. Dabei erkrankte er selbst schwer.

Sein ganzes Leben ist bestimmt von der Sorge um die Armen und Kranken. Er hat einmal gesagt:

Wer seine Hände nicht den Armen entgegenstreckt, um ihnen eine Gabe zu reichen, streckt sie umsonst zu Gott aus, um die Verzeihung seiner Sünden zu erlangen.

Im Jahr 1402 trat Bernhardin in den Franziskanerorden ein und schloss sich dem strengeren Ordenszweig der Observanten an. Im Jahr 1404 empfing er die Priesterweihe. Für zehn Jahre zog er sich in eine Einsiedelei zurück, 1413 übernahm er den Pförtnerdienst im Kloster in Fiesole. Ab 1417 zog Bernhardin als Bußprediger durch ganz Italien, verkündete auf öffentlichen Plätzen das Wort Gottes und rief die Menschen zur Umkehr auf. Er wirkte als Friedensstifter in italienischen Städtekriegen und wurde schon zu Lebzeiten als Heiliger verehrt. 1438 wurde er zum Generalvikar seines Ordens ernannt, er legte dieses Amt jedoch schon nach kurzer Zeit wieder nieder.

Bernhardins Predigten, von denen viele bis heute erhalten geblieben sind, zeigen seine große Liebe zu Jesus Christus, der Gottesmutter und dem Hl. Josef. In wenigen Worten macht er deutlich, was Jesus uns in seinen Abschiedsreden an die Jünger, aus denen wir am Ende der Osterzeit immer wieder an den Sonntagen im Evangelium hören, bis heute sagen will:

Freunde hinterlassen ein Zeichen, vielleicht einen Ring, aber Christus hinterlässt uns seinen Leib und sein Blut, seine Seele und seine Gottheit, sich selbst, ohne etwas zurückzubehalten.

Diese Gegenwart Jesu Christi, die zu allen Zeiten und an allen Orten erfahrbar ist, bringt Bernhardin besonders in der Verehrung des Heiligsten Namens Jesus Christus zum Ausdruck. Als Abschluss seiner Predigten pflegte er den Hörern eine Tafel zu zeigen, auf der in goldenen Buchstaben „IHS“ zu lesen war. Diese drei Buchstaben als Abkürzung der griechischen Schreibweise des Namens Jesus Christus können auch als Anfangsbuchstaben des lateinischen Ausdrucks „Jesus Hominum Salvator“, zu Deutsch „Jesus Heiland Seligmacher“ gelesen werden. Das Kürzel IHS wurde später zum Kennzeichen der von Ignatius von Loyola gegründeten Gesellschaft Jesu. Bernhardin sagt:

Der Name Jesus ist der Glanz der Prediger, weil er das Verkündigen und das Hören des Gotteswortes zum hellen Leuchten bringt. Woher, meinst du, kommt auf dem ganzen Erdkreis so schnell und glühend das Licht des Glaubens, wenn nicht dadurch, dass Jesus verkündigt wird? Hat Gott uns nicht durch die Lieblichkeit dieses Namens in sein wunderbares Licht gerufen? Wir sind erleuchtet, wir schauen das Licht in seinem Licht.

Daher muss dieser Name verkündet werden, damit er leuchtet und nicht verschwiegen wird. Aber der Name darf nicht mit einem unreinen und befleckten Mund ausgesprochen werden. Er muss in einem erlesenen Gefäß aufbewahrt und aus ihm heraus verkündet werden.

Manche fanden, dass diese Verehrung des Namens Jesus in Widerspruch zur kirchlichen Lehre steht und daher musste sich Bernhardin wegen des Vorwurfs der Häresie verantworten, wurde jedoch frei gesprochen. Er bekam mehrere hohe Kirchenämter angeboten, die er jedoch ablehnte. Er zog es vor, unermüdlich predigend und lehrend durch das Land zu ziehen. Auf einer seiner Missionsreisen starb er 1444 in L’Aquila. Dort befindet sich bis heute sein Grab in der Kirche San Bernardino.

18.5. Felix von Cantalice (1515-1587)

Felix_1Felix Porro wurde im Jahr 1515 als Sohn armer Bergbauern in dem kleinen umbrischen Dorf Cantalice, etwa 80 Kilometer nordöstlich von Rom, geboren. In den armen Verhältnissen war an eine Schulbildung nicht zu denken. Bereits im Alter von neun Jahren musste er auf einem Bauernhof arbeiten, zunächst als Hütejunge, dann als Landarbeiter. Von den Eltern hatte er eine tiefe Frömmigkeit mitbekommen. Kirchgang, Beichte und Kommunion waren für ihn selbstverständlich und immer wieder fand er trotz der harten Arbeit Zeit für das Gebet.

Besonders faszinierte ihn das Leben der Einsiedler in der Wüste und er trug lange die Frage im Herzen, ob er auch zum Ordensleben berufen war. Im Alter von 30 Jahren trat er schließlich bei den Kapuzinern ein. Den letzten Anstoß dazu hat ein Unfall gegeben, bei dem ihn ein Ochsenkarren überrollte, ohne ihn ernsthaft zu verletzten.

Der Orden sendet ihn nach Rom, um dort als Almosensammler zu arbeiten. Über 40 Jahre lang macht er Tag für Tag bei jedem Wetter seinen Gang durch die Straßen der Ewigen Stadt und erbettelt für seine Mitbrüder den Lebensunterhalt. Dabei traf er mit Menschen aus allen Schichten und Rängen zusammen. Nicht immer wurde er mit Wohlwollen empfangen, auch Spott und Schelte gehörten zum täglichen Brot. Doch Bruder Felix fiel durch seine Liebenswürdigkeit und tiefe Innerlichkeit auf, so dass er bald von vielen sehr geschätzt wurde.

Für alles, was er bekam, war seine Antwort: „Deo Gratias“, und so nannten ihn die Römer bald nicht mehr Bruder Felix, sondern Bruder „Deo Gratias“.

Auch die Kinder liebten ihn sehr. Oft sang er mit ihnen selbstkomponierte Lieder und lehrte sie dabei das rechte Leben und die Liebe zu Gott. Viele Menschen erzählten ihm von ihren Nöten. Bruder Felix verstand es in ausgezeichneter Weise, zuzuhören. Er besaß zudem die Gabe, Krankheiten zu heilen und die Gabe der Prophetie.

Nicht nur das einfache Volk schätzte ihn sehr, auch vornehme Römer, Papst und Kardinäle bewunderten ihn. Große heilige Kirchenmänner Roms wie Karl Borromäus und Philipp Neri gehörten zu seinen Freunden. Obwohl er selbst weder lesen noch schreiben konnte, konsultierten ihn gelehrte Theologen wegen seines Wissens in der Heiligen Schrift und im geistlichen Leben.

Die Nächte verbachte er im stillen Gebet vor dem Allerheiligsten. Er schlief schließlich nur noch zwei Stunden in der Nacht. Aus der innigen Verbindung mit dem leidenden Herrn schöpfte er die Kraft für sein Wirken. Durch Werke der Buße wollte er dem leidenden Christus ähnlich sein und für seine Mitmenschen eintreten.

Eines Nachts sieht er sich während des Gebets plötzlich vor den Altar hingetragen, fällt vor dem Tabernakel nieder und bittet die Heilige Jungfrau Maria, ihm einen Augenblick das Christuskind anzuvertrauen. Und sie erscheint und legt ihm das Kind in die Arme. So sehen wir ihn bis heute auf Bildern meist mit dem Jesuskind in den Armen dargestellt.

Als seine Kräfte zu schwinden begannen und Erkrankungen ihn heimsuchten, nahm er diese mit Gleichmut als Gabe Gottes an und leistete weiter seinen Dienst. Die letzten Tage verbachte er betend in seiner Zelle. Am 18. Mai 1587 stirbt Bruder Felix nach einem erfüllten Leben. Ganz Rom war auf den Beinen, um von ihm Abschied zu nehmen. An seinem Sarg trauerte nicht nur das Volk von Rom, sondern auch Papst und Kardinäle.

Papst Urban II. sprach Felix im Jahre 1625 selig, Papst Clemens XI. im Jahre 1712 heilig. Seine Gebeine und seine Zelle werden bis heute in Rom im Kapuzinerkloster an der Via Veneto verehrt. Die Kapuziner trugen seine Verehrung weit über Rom hinaus in die Welt. In Bayern ist die Kirche St. Felix in Neustadt an der Waldnaab ein bekanntes Zeichen dieser Verehrung.

Pfingsten

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Das Wort „Pfingsten“ kommt vom griechischen Wort „Pentekoste“, was auf Deutsch „der fünfzigste Tag“ bedeutet. Pfingsten wird 50 Tage (7×7+1, was der Zahlensymbolik nach Überfülle bedeutet) nach Ostern gefeiert und bildet den Abschluss der 50-tägigen Osterzeit. Die Juden feiern an diesem Tag, 50 Tage nach dem Pessach-Fest, das Schawuot oder Wochenfest, das ursprünglich ein Erntefest als Dank für die Erstlingsfrüchte war, später aber zu einem Fest des Gedenkens an die Offenbarung der Zehn Gebote Gottes am Sinai wurde.

Die Chronologie von Lukasevangelium und Apostelgeschichte verknüpft die beiden bedeutenden christlichen Heilsgeheimnisse des Todes Jesu Christi und der Geistsendung mit diesen beiden großen jüdischen Wallfahrtsfesten. Am Pessach-Fest wurde Jesus hingerichtet und am Schawuot-Fest kam der Geist auf die Jünger herab.

Die Christen feierten zunächst die heiligen fünfzig Tage der Osterzeit „wie einen einzigen Festtag“. Im 4. Jahrhundert bekam jedoch das Fest Christi Himmelfahrt eine immer eigenständigere Bedeutung, was zur Folge hatte, dass die Einheitlichkeit der fünfzig Tage durchbrochen wurde und auch das Pfingstfest nicht mehr als Abschluss der fünfzig Tage gesehen wurde, sondern zu einem eigenständigen Fest mit eigener Oktav wurde. Nach Wegfall der Pfingstoktav kommen heute wieder die fünfzig Tage der Osterzeit stärker zum Vorschein. Der Pfingstmontag als letzter Rest der Pfingstoktav und zweiter Feiertag des Pfingstfestes ähnlich dem Ostermontag bildet ein gewisses Kuriosum, da er liturgisch schon zur Zeit im Jahreskreis gehört.

Die neun Tage zwischen Christi Himmelfahrt und Pfingsten haben als Pfingstnovene eine besondere Bedeutung. Hier folgt die Kirche dem Vorbild der Apostelgeschichte, die uns die Jünger zusammen mit Maria und den anderen Frauen im Abendmahlssaal zum Gebet versammelt zeigt. Auch die Nachwahl des Matthias zum Apostel als Ersatz für Judas fällt in diese Tage. Wie die Jünger Jesu beten auch wir heute besonders um den Heiligen Geist.

Dann kehrten sie vom Ölberg, der nur einen Sabbatweg von Jerusalem entfernt ist, nach Jerusalem zurück. Als sie in die Stadt kamen, gingen sie in das Obergemach hinauf, wo sie nun ständig blieben: Petrus und Johannes, Jakobus und Andreas, Philippus und Thomas, Bartholomäus und Matthäus, Jakobus, der Sohn des Alphäus, und Simon, der Zelot, sowie Judas, der Sohn des Jakobus. Sie alle verharrten dort einmütig im Gebet, zusammen mit den Frauen und mit Maria, der Mutter Jesu, und mit seinen Brüdern. (Apg 1,12-14)

Wenn wir auf das Johannesevangelium blicken, aus dem der Text des Evangeliums am Pfingstsonntag stammt, so sehen wir hier eine andere Chronologie. Jesus wurde nach Johannes nicht am Pessach-Tag, sondern am Rüsttag vor dem Pessach-Fest gekreuzigt. Die Aussendung des Geistes über die Jünger erfolgte nicht erst nach fünfzig Tagen, sondern bereits am Osterabend mit der ersten Erscheinung des Auferstandenen.

Was uns zunächst widersprüchlich erscheinen mag, wird bei näherem Betrachten verständlich. Blicken wir zunächst auf den Text der Apostelgeschichte, der für uns zum Kerntext des Pfingstfestes geworden ist:

Als der Pfingsttag gekommen war, befanden sich alle am gleichen Ort. Da kam plötzlich vom Himmel her ein Brausen, wie wenn ein heftiger Sturm daher fährt, und erfüllte das ganze Haus, in dem sie waren. Und es erschienen ihnen Zungen wie von Feuer, die sich verteilten; auf jeden von ihnen ließ sich eine nieder. Alle wurden mit dem Heiligen Geist erfüllt und begannen, in fremden Sprachen zu reden, wie es der Geist ihnen eingab. (Apg 2,1-4)

Am Pfingsttag öffnet der Heilige Geist die Tore des Hauses und der Herzen. Nach Tagen des Rückzugs gehen die Apostel auf die Straße hinaus und verkündigen den Auferstandenen Herrn. Der Heilige Geist ist es, der ihnen Wort und Stimme gibt. Zugleich wird der Pfingsttag zum Geburtsfest der Kirche, an dem die Urgemeinde von Jerusalem zum ersten Mal nach dem Tod Jesu öffentlich in Erscheinung tritt und ihre ersten neuen Mitglieder gewinnt.

Lukas, der ein vortrefflicher Schriftsteller war, versteht es, die Ausbreitung der Kirche von der kleinen „Zelle“ der ersten Jünger in Jerusalem über die ganze Welt spannend zu schildern. Wir können bildlich vor uns sehen, wie das kleine Senfkorn aufgeht und zu einem großen Baum heranwächst. Der Pfingsttag ist der Tag, an dem der Keimling aus dem Korn hervorbricht – durch die Kraft des Heiligen Geistes.

Johannes liefert uns keine solche Geschichte der Kirche. Sein Evangelium endet mit der Auferstehung des Herrn. Wie es dann weiter geht, das erleben die Leser seines Evangeliums zu ihrer Zeit. Er will uns mit den Berichten von den Erscheinungen des Auferstandenen etwas Bleibendes vermitteln. Was die Apostel an Ostern erfahren haben, das kann jeder Mensch erfahren, der sich auf Jesus Christus einlässt.

Jesus tritt in die Mitte der versammelten Jünger. Johannes lässt bewusst offen, wer hier genau versammelt ist. Gehören Maria und die anderen Frauen auch dazu? Hier ist jeder versammelt, der an Jesus glaubt. Wichtig ist der Tag, an dem es geschieht. Es ist der achte Tag, der Sonntag. An ihm versammeln sich seither die Christen zum Gottesdienst. Was Johannes hier schildert, ist nichts anderes als der erste Sonntagsgottesdienst, der seit diesem Ostersonntag durch alle Zeiten hindurch gefeiert wird.

Jesus in der Mitte. Seither ist Jesus mitten unter den Gläubigen, die sich zum Gottesdienst versammeln. Der Friedenswunsch ist ein zentrales Element jeder Heiligen Messe. Gehet hin in Frieden! – Ite missa est! – Ich sende euch. Aus jeder Messe werden wir mit dieser Sendung als Boten des göttlichen Friedens entlassen.

Jesus hauchte sie an und sprach zu ihnen: Empfangt den Heiligen Geist! Wem ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben; wem ihr die Vergebung verweigert, dem ist sie verweigert. (Joh 20,22f)

Auch bei Johannes werden die Jünger auf die Straße hinaus gesandt. Wenn auch Johannes nicht so spektakulär wie Lukas in der Apostelgeschichte davon berichtet, welche Scharen von Menschen zu Zeugen des Pfingstwunders wurden, so ist doch das Ergebnis das gleiche. Die Jünger folgen dem Auftrag Jesu. Sie sind nun erfüllt von Gottes Heiligem Geist und wirken Gottes Heil unter den Menschen.

Das Pfingstfest soll uns wieder neu dazu ermuntern, täglich um den Heiligen Geist zu beten und uns auf sein Wirken einzulassen, damit sein Feuer ins uns stets lebendig bleibt. Das folgende Gebet hat Papst Johannes Paul II. täglich gebetet:

O Heiliger Geist, Du Liebe des Vaters und des Sohnes!

Gib mir immer ein, was ich denken soll, gib mir immer ein, was ich sagen soll, und wie ich es sagen soll. Gib mir immer ein, was ich verschweigen soll und wie ich mich dabei verhalten soll. Gib mir ein, was ich zur Ehre Gottes, zum Wohl der Seelen und zu meiner eigenen Heiligung tun soll.

Heiliger Geist, gib mir Verstand, um zu verstehen und zu erkennen, gib mir das Fassungsvermögen, um alles zu behalten. Lehre mich die Methoden und gib mir die Fähigkeit, um immer wieder zu lernen. Gib mir Scharfsinn, um richtig zu deuten und zu unterscheiden, gib mir die Gnade, um wirkungsvoll zu sprechen.

Heiliger Geist, gib mir Zuversicht und Treffsicherheit am Beginn, leite und führe mich bei der Ausführung, und schenke mir Vollkommenheit beim Beenden.

Amen.

13.5. Unsere Liebe Frau von Fatima

Fatima_4Vom 13. Mai bis zum 13. Oktober 1917 ist die Muttergottes bei Fatima in Portugal drei einfachen Hirtenkindern sechs Mal erschienen. Die Botschaften, die Lucia, Francisco und Jacinta damals empfangen haben, sind bis heute von größter Bedeutung für die ganze Welt. Betrachtet man die Marienerscheinungen der vergangenen Jahrzehnte, so nimmt das Geschehen von Fatima darin einen besonderen Rang ein, da das, was die Bedeutung der Marienerscheinungen in der neueren Zeit ausmacht, hier in besonderer Dichte und Prägnanz auftritt:

lebendige Verkündigung der biblischen Botschaft,

konzentrierte Darbietung wesentlicher Glaubenswahrheiten,

ernste Verpflichtung zu einem Leben nach den Geboten Gottes

Erhellung der Krisensituation der Menschheit.

Päpste sind nach Fatima gepilgert, zusammen mit Millionen von Gläubigen. Auf der ganzen Welt haben sich Fatima-Gebetskreise gebildet. Die Rettung der Seelen und der Friede der Welt, dafür zu beten ruft uns Maria in besonderer Weise auf:

Betet, betet viel, und bringt Opfer für die Sünder, denn so viele Seelen kommen in die Hölle, weil sich niemand für sie aufopfert und für sie betet.

Es ist der drängende Ruf Gottes an uns Menschen, den schon Jesus ausgerufen hat:

Kehrt um und glaubt an das Evangelium!

Nur durch die Umkehr können die Menschen gerettet werden. Das ist das Zeugnis der Heiligen Schrift. Ganz besonders in der Offenbarung des Johannes wird uns das Geschehen der Endzeit, die mit dem Kommen Jesu Christi angebrochen ist, als Kampf zwischen Gut und Böse vor Augen gestellt. Wer in der Bedrängnis standhaft bleibt im Glauben, der wird gerettet werden, und ewigen Frieden finden.

Friede entsteht nicht von selbst. Friede kommt allein von Gott, wenn Menschen seinen Willen tun. Fatima ist eine Botschaft des Friedens:

Wenn man tut, was ich euch sage, werden viele Seelen gerettet, und der Friede wird kommen.

Gott will uns seinen Frieden schenken. Jesus sagt zu seinen Jüngern:

Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch. (Joh 14,27)

Das erste Wort des Auferstandenen an die Jünger ist der Wunsch des Friedens. Gott ruft uns zum Frieden, er will der Welt seinen Frieden geben und den Menschen das Heil schenken.

Gott hat aus Liebe diesen drängenden Aufruf seiner Barmherzigkeit an uns gerichtet mit dem Ziel, uns zu helfen auf dem Weg unseres Heils. (Sr. Lucia)

Papst Johannes Paul II. hat es in besonderer Weise dem Schutz Mariens zugeschrieben, dass er das auf ihn verübte Attentat am 13. Mai 1981 überlebt hat. Unter der blauen Weltkugel der Statue der Muttergottes in der Erscheinungskapelle von Fatima wurde bei seinem Besuch am 13. Mai 1982 jene Kugel angebracht, welche nach dem Attentat auf dem Petersplatz aus seinem Körper herausoperiert wurde. Er hat die Botschaft von Fatima ernst genommen und die Weihe der Welt an das Unbefleckte Herz Mariens vollzogen. In einem von ihm verfassten Gebet heißt es:

O Mutter der Menschen und der Völker, Du kennst all ihre Leiden und Hoffnungen, Du fühlst mit mütterlicher Anteilnahme alles Kämpfen zwischen Gut und Böse, zwischen dem Licht und der Dunkelheit, von der die Welt befallen ist – erhöre unseren Ruf, den wir im Heiligen Geist unmittelbar an Dein Herz richten. Umfange mit der Liebe der Mutter und der Magd des Herrn jene, die diese liebende Zuneigung am meisten ersehnen, und zugleich auch diejenigen, auf deren Vertrauen Du besonders wartest! Nimm die ganze Menschheitsfamilie, die wir mit liebender Hingabe Dir, o Mutter, anvertrauen, unter Deinen mütterlichen Schutz. Mögen allen Menschen Zeiten des Friedens und der Freiheit, Zeiten der Wahrheit, der Gerechtigkeit und der Hoffnung beschieden sein!

Gebet um den Heiligen Geist

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Der Heilige Geist ist es, der die Gläubigen Weisheit lehrt. Jesus hat den Jüngern den Heiligen Geist versprochen:

Ich werde den Vater bitten, und er wird euch einen anderen Beistand geben, der für immer bei euch bleiben soll. Es ist der Geist der Wahrheit, den die Welt nicht empfangen kann, weil sie ihn nicht sieht und nicht kennt. Ihr aber kennt ihn, weil er bei euch bleibt und in euch sein wird. (Joh 14,16-17)

In der Kirche hat sich die Lehre von den sieben Gaben des Heiligen Geistes herausgebildet. Hierzu verweise ich auf die Seite zur Pfingstnovene: Die sieben Gaben des Heiligen Geistes. Der Heilige Geist treibt uns dazu an, nach den Gnadengaben Gottes zu streben.

Der Heilige Geist entflammt jeden, den er erfüllt hat, zum Verlangen nach den unsichtbaren Gütern. Und weil die weltlichen Herzen nur die sichtbaren Dinge lieben, daher kann die Welt ihn nicht empfangen. (Gregor der Große)

Wenn der Geist aber als Finger Gottes bezeichnet wird, dann meint dies die Wirkkraft Gottes, die durch ihn zum Ausdruck kommt.

Mit der Bezeichnung Finger Gottes wird die wirkende Kraft des Geistes betont, da auch der Geist, wie der Vater und der Sohn, Urheber der göttlichen Werke ist. (Ambrosius von Mailand)

Vom hl. Ambrosius stammt auch das folgende Gebet zum Heiligen Geist:

O Heiliger Geist,

eins mit dem Vater und dem Sohn,

sei jetzt gerne bereit, in uns Wohnung zu nehmen,

indem du dich ergießt in unser Herz.

Mund, Zunge, Verstand, Sinn und Kraft

mögen dein Lob verkünden,

hell flamme auf die Liebe,

die Glut entzünde die Nächsten.

Verleihe es, gütigster Vater

und du, Eingeborener gleich dem Vater

mit dem Tröster, dem Heiligen Geist

herrschend in alle Ewigkeit. Amen.

Gebet um die Sieben Gaben des Heiligen Geistes

Sieben_Gaben

O Gott, Heiliger Geist, dem ich von den Tagen meiner ersten Jugend an bis zum heutigen Tag so viel Betrübnis und Widerstand bereitet habe, erfülle mich mit Ehrfurcht vor deiner Person, deinem Wesen, deiner Gegenwart, deiner Macht!

Lass mich deine siebenfache Gabe erkennen: die Gabe der Weisheit und der Einsicht, des Rates und der Stärke, der Wissenschaft, der Frömmigkeit und der Gottesfurcht. Du bist die Liebe zwischen Vater und Sohn, du taufst mit Feuer und gießt die Liebe Gottes in die Herzen aus, senke deine Liebe auch in mein Herz!

Nur um eines habe ich Gott gebeten; nicht um Reichtum, Wohlstand, Macht, irdisches Glück und irdische Güter, sondern nur um einen Funken deines heiligen Feuers, damit ich ganz und gar vom Feuer deiner göttlichen Liebe durchglüht werde. Lass dieses heilige Feuer mich reinigen von allen Makeln an Leib und Seele!

Erfülle mich mit deiner siebenfachen Gabe; nimm mich als ein dir wohlgefälliges Opfer an! Entzünde mich mit Eifer, gib mir aufrichtige Reue, damit ich als dein Diener leben und sterben möge! Amen.

Kardinal Manning