Taufe des Herrn

Da begann Petrus zu reden und sagte: Wahrhaftig, jetzt begreife ich, dass Gott nicht auf die Person sieht, sondern dass ihm in jedem Volk willkommen ist, wer ihn fürchtet und tut, was recht ist. Er hat das Wort den Israeliten gesandt, indem er den Frieden verkündete durch Jesus Christus; dieser ist der Herr aller. (Apg 10,34-36)

Die kurze Predigt des Apostels Petrus, die uns die Apostelgeschichte hier überliefert, findet anlässlich der Taufe des Hauptmanns Kornelius statt. Dieser gehört zu den ersten Heiden, die überhaupt die Taufe empfangen. Daher wird dieses Ereignis in der Apostelgeschichte auch entsprechend entfaltet.

Kornelius war ein Gottesfürchtiger, das bedeutet, dass er der Religion der Juden nahestand. Da aber das Judentum eine Religion ist, die zugleich an die Volkszugehörigkeit gebunden ist, kann man vollwertiger Jude nur durch Geburt werden. So fromm und gesetzestreu Kornelius also auch sein mochte, er konnte nie wirklich ein Jude werden. Es war ihm nicht möglich, das Ziel seiner Sehnsucht durch eigene Anstrengung zu erreichen.

Nun aber lebte er glücklicherweise in einer Zeit, zu welcher der Gott Israels einen neuen Weg aufgetan hat, um die Menschen in die Gemeinschaft mit sich zu rufen. Gott ist gerade dabei, sich ein neues Volk zu schaffen, ein Volk, zu dem man nicht mehr durch Geburt Zutritt hat, sondern allein durch den Glauben. Sichtbares Zeichen des Glaubens und zugleich das Eintrittstor in das neue Volk Gottes ist die Taufe.

Gott sieht die Sehnsucht des Kornelius. Er schickt ihm einen Engel, der ihm zeigt, dass er Petrus zu sich kommen lassen soll, der ihm den neuen Weg zu Gott zeigen wird. Bisher haben sich die ersten Christen nur an Juden gewandt. So wie Jesus waren auch die ersten Christen ausnahmslos Juden. „Gott hat das Wort zu den Israeliten gesandt“, heißt es hier. Das Volk Israel war durch die Propheten auf das Kommen des Messias vorbereitet. Mit Jesus Christus wollte Gott ein neues Zeitalter in der Beziehung mit seinem Volk eröffnen.

Doch die Israeliten haben Jesus nicht als Sohn und Gesandten Gottes angenommen, sie haben ihn vielmehr als Gotteslästerer hinrichten lassen. Aber Gott hat ihn auferweckt und damit begann etwas ganz Neues. Aus den ersten Jüngern Jesu entsteht nach der Auferstehung Jesu ein neues Volk Gottes, das sich über die ganze Erde verbreitet hat. Doch zunächst einmal mussten die Jünger Jesu, die ja streng im jüdischen Glauben erzogen waren, ihre Scheu vor den Heiden verlieren.

Nach Gottes Gesetz galten die Heiden als unrein und den Juden war die Gemeinschaft mit ihnen auf göttliches Gebot hin untersagt. Gott selbst also musste zeigen, dass dieses Gebot keine Gültigkeit mehr hat. Jesus selbst hat zwar bereits immer wieder deutlich gemacht, dass er die strengen Reinheitsvorschriften der Juden als hinfällig ansieht, aber dennoch blieb sein Handeln auf das Land Israel und das Volk der Juden begrenzt.

Nun aber öffnet sich die Kirche, das neue Volk Gottes, zu den Heiden. Petrus selbst, den Jesus zum Anführer der Apostel berufen hat, bekommt von Gott den Auftrag zu den Heiden zu gehen. Nun steht allen Menschen, die an Jesus Christus glauben, der Weg zu Gott offen und die Taufe führt jeden Gläubigen in die Gemeinschaft mit Gott. Für Kornelius gibt es nun  einen Weg, das Ziel seiner Sehnsucht zu erlangen und er steht stellvertretend für die vielen Menschen, die sich nach der Gemeinschaft mit Gott sehnen.

Mit dem Wunsch zur Taufe wendet sich zum einen der Gläubige an die Kirche und damit an Gott selbst. Er bekennt: ich glaube an Gott, den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist, ich glaube an den Gott, der alles geschaffen hat, der die Welt durch seinen Sohn Jesus Christus erlöst hat und der alle Menschen in sein Reich ruft. In der Taufe wird dieser Glaube dann besiegelt, der Mensch wird von seinen Sünden befreit und kann so ein neues Leben beginnen, dessen Mittelpunkt Gott bildet. Und Gott schenkt in der Taufe jedem seinen Heiligen Geist als Beistand.

Wenn auch die meisten von uns bereits als Kinder getauft wurden, sollen wir uns doch stets bewusst machen, welch großes Geschenk die Taufe ist. Durch sie sind wir Kinder Gottes geworden. Gott ist unser liebender Vater, der uns durch unser Leben führen will. Auch wenn wir nicht immer so leben, wie er es von uns will, können wir immer wieder zu ihm zurückkommen in seine liebenden Arme. Durch Gott hat unser Leben einen Sinn, eine Richtung, ein Ziel, und wir dürfen darauf vertrauen, dass Gott immer bei uns ist und nur eines für uns will, dass wir glücklich werden und ein erfülltes Leben haben.

Judas Barsabbas

Von Judas Barsabbas berichtet uns Lukas in der Apostelgeschichte im Zusammenhang mit dem Apostelkonzil in Jerusalem (Apg 15). Paulus hat auf seiner ersten Missionsreise das Evangelium sowohl Juden als auch Heiden verkündet und dabei von den Heiden nicht die für Juden verpflichtende Bescheidung verlangt. Auch die Befolgung der jüdischen Speisevorschriften und anderer jüdischer Gesetze sah er für Heidenchristen nicht als geboten an. Darüber kam es in nahezu allen Städten, in denen Paulus gepredigt hat, zum Streit mit den Juden.

Schon vor Paulus hat sich Petrus in seiner Verkündigung des Evangeliums bereits an Heiden gewandt. In der Jerusalemer Gemeinde, deren Vorsteher wahrscheinlich Jakobus war, herrschte aber noch eine strengere Beachtung jüdischer Gesetze vor, von der sich Petrus und die anderen Jerusalemer Christen nicht in gleicher Weise lösen konnten wie Paulus. In Jerusalem lebte die Kirche inmitten einer jüdischen Welt, während Paulus sich mit seiner Mission vor allem an Menschen in den multikulturell geprägten Großstädten des Römischen Reiches wandte.

Der Streit um die Befolgung jüdischer Gesetze bedurfte also einer gesamtkirchlichen Lösung. Daher bestellte man Paulus und seine Mitarbeiter nach Jerusalem, um diese Frage dort im Kreis der Apostel und anderer führender Männer der christlichen Gemeinde zu diskutieren. Nachdem Petrus als erster der Apostel das Wort ergriffen hat, dürfen Paulus uns Barnabas ihr Anliegen vortragen und anschließend ergreift Jakobus als Leiter der Jerusalemer Gemeinde das Wort. Auch für ihn ist es unstrittig, dass es Gottes Wille ist, den Heiden das Evangelium zu verkünden. Dabei soll von den Heiden nicht die Beachtung aller jüdischen Gesetze gefordert werden, sondern es genügen einige wenige gemeinsame Regeln:

Darum halte ich es für richtig, den Heiden, die sich zu Gott bekehren, keine Lasten aufzubürden; man weise sie nur an, Verunreinigung durch Götzen(opferfleisch) und Unzucht zu meiden und weder Ersticktes noch Blut zu essen. (Apg 15,19-20)

Der Vorschlag des Jakobus wird einstimmig angenommen, worin die Kirche bis heute das Wirken des Heiligen Geistes sieht, der stets in ihr gegenwärtig ist. Um diese Beschlüsse den Gemeinden außerhalb Jerusalems zu überbringen, werden aus der Jerusalemer Gemeinde zwei Männer ausgewählt, die Paulus und Barnabas begleiten sollen und so die Einheit zwischen der Jerusalemer Gemeinde und den beiden Glaubensboten zeigen sollen.

Da beschlossen die Apostel und die Ältesten zusammen mit der ganzen Gemeinde, Männer aus ihrer Mitte auszuwählen und sie zusammen mit Paulus und Barnabas nach Antiochia zu senden, nämlich Judas, genannt Barsabbas, und Silas, führende Männer unter den Brüdern. (Apg 15,22)

Judas Barsabbas und Silas werden als führende Männer aus der Jerusalemer Christengemeinde vorgestellt. In einem der folgenden Verse werden sie zudem als Propheten charakterisiert. Wahrscheinlich gehörten sie bereits vor Jesu Tod zum Kreis der Jünger Jesu. Silas wird auch an anderen Stellen mehrmals erwähnt. Er hat hier seine Berufung gefunden und sich Paulus angeschlossen und ihn auf seinen Missionsreisen begleitet.

Judas Barsabbas aber wird nur hier erwähnt. Zu Beginn der Apostelgeschichte hören wir von einem anderen Barsabbas, Jusef Barsabbas, der zusammen mit Matthias als Kandidat für die Nachwahl in den Kreis der Zwölf aufgestellt war. Das Los fiel auf Matthias, über Josef Barsabbas erfahren wir nichts mehr. Wir wissen aber aus dieser Episode, dass er von der Taufe Jesu an zum Jüngerkreis gehörte, zudem sagt sein Beiname Justus, der Gerechte, mehr als 1000 Worte über sein Leben aus.

Viele Kommentatoren gehen davon aus, dass Josef und Judas Barsabbas Brüder waren. Ähnlich wie die Brüderpaare Petrus und Andreas und Jakobus und Johannes gehörten sie vielleicht beide auch zu den Jüngern, die Jesus gleich nach seiner Taufe im Jordan berufen hat. Sie stammen also wahrscheinlich auch aus Galiläa, möglicherweise waren sie auch Fischer am See Gennesaret. Jesu Auftreten damals hat also nicht nur auf die in den Evangelien erwähnten Fischer eine große Wirkung ausgeübt. Wir können uns gut vorstellen, dass damals viele Fischer unterwegs waren und eine große Anzahl von ihnen von Jesus begeistert war.

In der Heiligen Schrift stehen nur wenige Menschen im Mittelpunkt. Selbst aus dem Kreis der Zwölf werden nur wenige ausführlich erwähnt und nicht von allen Aposteln wird uns ein Wort überliefert. Noch viel weniger wissen wir über die anderen Jünger, die Jesus nachgefolgt sind, etwa den Kreis der 72. Es sind viele Namenlose, die aber dennoch zu dem Kreis der ersten Zeugen von Jesu Leben und Auferstehung gehören. Aus diesem weiteren Kreis der Jünger Jesu werden dann doch einige namentlich erwähnt. Unter ihnen sind Josef und Judas Barsabbas. Damit ragen sie aus der Schar der Namenlosen heraus, werden für uns greifbar, auch wenn wir sonst nichts weiter über ihr Leben erfahren.

Wenn es schon damals, als der Kreis der Jünger noch klein war, so viele Namenlose gab, wieviel mehr dann erst später, als die Kirche sich immer weiter ausgebreitet hat. So ist es bis heute geblieben. Es gibt einige wenige große Heilige, die in der ganzen Kirche bekannt sind. Doch die Zahl der Heiligen ist viel größer. So viele wirken im kleinen Kreis, sind nur wenigen bekannt und doch haben sie eine nicht zu unterschätzende Wirkung für die ganze Kirche. Die Kirche braucht die großen Heiligen als leuchtende Vorbilder für alle, sie braucht aber genauso die die vielen unscheinbaren Heiligen, die mit ihrem Gebet und ihrem Tun Jesus Christus in ihrer Nähe erfahrbar werden lassen.

Jeder von uns kann ein solcher Heiliger sein. Die Heilige Schrift gibt uns die Anleitung zum Leben. Jeder Mensch hat seine Fähigkeiten und mit diesen kann er an seinem Ort den Willen Gottes verwirklichen. Keiner soll sagen, er sei zu unbedeutend, zu unerfahren, zu schwach. Schon eine kleine gute Tat kann eine große Wirkung haben, ein unscheinbares gutes Wort kann für einen anderen Anlass zur Bekehrung sein. Denken wir nicht zu klein von uns. Seien wir Zeugen des Auferstandenen und bringen wir Gottes Liebe und Gottes Licht in diese Welt.

Sie gaben ihnen folgendes Schreiben mit: Die Apostel und die Ältesten, eure Brüder, grüßen die Brüder aus dem Heidentum in Antiochia, in Syrien und Zilizien. Wir haben gehört, dass einige von uns, denen wir keinen Auftrag erteilt haben, euch mit ihren Reden beunruhigt und eure Gemüter erregt haben. Deshalb haben wir uns geeinigt und beschlossen, Männer auszuwählen und zusammen mit unseren lieben Brüdern Barnabas und Paulus zu euch zu schicken, die beide für den Namen Jesu Christi, unseres Herrn, ihr Leben eingesetzt haben. Wir haben Judas und Silas abgesandt, die euch das Gleiche auch mündlich mitteilen sollen.
Denn der Heilige Geist und wir haben beschlossen, euch keine weitere Last aufzuerlegen als diese notwendigen Dinge: Götzenopferfleisch, Blut, Ersticktes und Unzucht zu meiden. Wenn ihr euch davor hütet, handelt ihr richtig. Lebt wohl!

Man verabschiedete die Abgesandten und sie zogen hinab nach Antiochia, riefen die Gemeinde zusammen und übergaben ihr den Brief. Die Brüder lasen ihn und freuten sich über die Ermunterung. Judas und Silas, selbst Propheten, sprachen ihnen mit vielen Worten Mut zu und stärkten sie. Nach einiger Zeit wurden sie von den Brüdern in Frieden wieder zu denen entlassen, die sie abgesandt hatten. Paulus aber und Barnabas blieben in Antiochia und lehrten und verkündeten mit vielen anderen das Wort des Herrn. (Apg 15,22-35)

Silas und Judas Barsabbas hatten eine verantwortungsvolle Aufgabe. Sie sollten zusammen mit Paulus und Barnabas nach Antiochien und weiter nach Syrien und Zilizien reisen, um den Gemeinden die Beschlüsse der Apostel zu überbringen. Das Thema war heikel, die Stimmung aufgeheizt. Sicher gab es viele Judenchristen, die ihre Hoffnung darauf gesetzt hatten, dass die Apostel ihnen Recht geben würden, dass auch von Heiden die Beschneidung und die Einhaltung des gesamten jüdischen Gesetzes gefordert werden muss. Wie werden sie reagieren? Sicher gab es Hardliner, die nach diesem Ereignis auf Distanz zur christlichen Gemeinde gegangen sind.

Der Auftrag von Judas und Silas erforderte viel Fingerspitzengefühl. Lukas berichtet nichts von größeren Streitigkeiten nach dem Apostelkonzil, sicher ein Beweis dafür, dass die beiden ihre Aufgabe vorbildlich erfüllt haben. Doch es bleiben auch Unklarheiten. Paulus erwähnt nur im Galaterbrief das Apostelkonzil und auch dort unter einem etwas anderen Blickwinkel. Er hat in seinen Gemeinden oft mit Streitigkeiten zu tun, die im Zusammenhang mit dem jüdischen Gesetz stehen. Wäre es da nicht einfach gewesen, auf die Beschlüsse des Konzils hinzuweisen, und damit jede Diskussion im Keim zu ersticken?

Paulus hat sich seine eigene Argumentation erdacht, um seine Lehre von der gesetzesfreien Verkündigung des Evangeliums zu rechtfertigen. Er zeigt damit, dass es in der Kirche eben nicht allein darauf ankommt, kirchenintern Beschlüsse zu fassen und diese dann umzusetzen. Die kircheninternen Beschlüsse geben die Linie vor, die der Lehre der Apostel gemäß ist. Es erfordert aber die Kreativität der Verkünder vor Ort, diese Lehre auch so zu vermitteln, dass die Menschen sie verstehen können. Die Verkündigung der katholischen Lehre ist also nicht die Rezitation von Beschlüssen des kirchlichen Lehramtes, sondern die sinngemäße Auslegung und Anwendung dieser Lehrsätze vor Ort. Auch wenn wir nichts darüber wissen, wie genau Judas Barsabbas und Silas vor den Gemeinden aufgetreten sind, so scheinen sie doch gerade diese Anwendung der Beschlüsse beispielhaft vermittelt zu haben und so werden sie zu einem Vorbild für alle Verkünder des Evangeliums bis heute.

Herr Jesus Christus, Heiland und Erlöser,
Haupt deiner Kirche.
Du hast uns versprochen, bei uns zu bleiben
alle Tage bis ans Ende der Zeit.
Wir vertrauen auf deine Zusage.
Wir glauben: Du gehst mit uns, auch durch unsere Zeit.

Erfülle deine Kirche mit Wahrheit und mit Frieden
und bewahre sie vor Irrtum.
Reinige sie, wo sie verdorben ist,
richte sie auf, wo Kleinglauben sie niederdrückt.
Gib deiner Kirche, was ihr fehlt,
und heile den Riss, wo immer sie zerteilt und zerstreut ist.

Schenke uns deinen Heiligen Geist,
damit wir die Zeichen der Zeit erkennen.
Er öffne uns die Augen.
Er nehme weg, was uns voneinander trennt.
Er gebe uns Geduld, aufeinander zu hören,
und den Mut, uns auf Neues einzulassen.

Lass uns eine Gemeinschaft
des geschwisterlichen Miteinanders sein.
Lass uns gemeinsam deine Zeugen zu sein
in diesen unruhigen Zeiten.
Miteinander wollen wir Zeichen und Werkzeug
deiner frohen Botschaft sein.

Apg 2,37-47 Kirche beginnt

Sie hielten an der Lehre der Apostel fest und an der Gemeinschaft, am Brechen des Brotes und an den Gebeten. Alle wurden von Furcht ergriffen; denn durch die Apostel geschahen viele Wunder und Zeichen. Und alle, die gläubig geworden waren, bildeten eine Gemeinschaft und hatten alles gemeinsam. Sie verkauften Hab und Gut und gaben davon allen, jedem so viel, wie er nötig hatte. Tag für Tag verharrten sie einmütig im Tempel, brachen in ihren Häusern das Brot und hielten miteinander Mahl in Freude und Einfalt des Herzens. Sie lobten Gott und waren beim ganzen Volk beliebt. Und der Herr fügte täglich ihrer Gemeinschaft die hinzu, die gerettet werden sollten. (Apg 2,42-47)

Nach der Pfingstpredigt des Petrus kommt es zu vielen Bekehrungen. Die junge Kirche wächst. Lukas zeichnet hier ein Idealbild einer christlichen Gemeinde. Ihre Kennzeichen sind das Festhalten an der Lehre der Apostel, die Gemeinschaft, die gemeinsame Feier des Brotbrechens und das Gebet. Das sind bis heute die Grunddimensionen christlichen Lebens. Kirche bedeutet Einheit in der Lehre und der Hierarchie, Eucharistiegemeinschaft und Gottesbeziehung im Gebet.

Leider zeigen diese Punkte auch die großen Wunden des Christentums. Schon von Anfang an gibt es in der Kirche Irrlehrer, die nicht der Lehre der Apostel folgen, es gibt Machtmenschen, die ihre eigene Herrschaft aufbauen wollen, und aus der auf die Apostel gründenden Hierarchie ausbrechen. All dies führt zunächst zu Streit und wenn dieser nicht beigelegt werden kann zu Spaltungen. Aus der einen Kirche sind heute viele christliche Gemeinschaften geworden, die sich teilweise auch feindlich gegenüberstehen. Die gemeinsame Feier des Brotbrechens, der Eucharistie, ist nicht mehr möglich. Viele Christen pflegen auch nicht das Gebet und entfernen sich so immer mehr von der Gemeinschaft mit Gott.

Lukas zeichnet ein Idealbild, das selbst die ersten Christen nicht einhalten konnten, wie Lukas selbst nur wenige Kapitel weiter schildern wird. Eine Blutspur durchzieht die Kirchengeschichte. Aber dennoch ist das Bild, das Lukas zeichnet, kein Luftschloss. Es ist ein Ideal, an dem sich die Kirche immer wieder orientiert hat, das immer wieder Reformen angestoßen hat, ein Ideal, das auch immer wieder einzelne Menschen begeistert hat, die dann versucht haben, zumindest im Kleinen eine solche Gemeinschaft aufzubauen.

Das Ideal der Gütergemeinschaft scheint für die Vielzahl der Christen nicht praktikabel zu sein. Aber in Klöstern und klosterähnlichen Gemeinschaften wird es bis heute praktiziert. Wenn auch unter der Mehrheit der Christen keine Gütergemeinschaft herrscht, so soll es doch eine Solidarität untereinander geben, einen gewissen Ausgleich zwischen denen, die viel haben, und denen, die Mangel leiden, und das weltweit.

Die frühen Christen versammelten sich sowohl im Tempel als auch in den Häusern. Wir können heute sagen, dass Kirche einerseits die große Gemeinschaft der Pfarrei ist, aber Kirche ist auch Hauskirche. Sie braucht kleine Keimzellen, die der großen Gemeinschaft wertvolle Impulse geben.

Ein wesentliches Charakteristikum der Christen ist die Freude am Glauben. Jesus Christus ist für uns gestorben. Wir sind befreit von all unseren Sünden. Jesus ist aber nicht nur gestorben, sondern er ist auferstanden, er lebt, mitten unter der Gemeinschaft der Gläubigen. Die Freude darüber macht sich auch nach außen hin bemerkbar. Die Christen sind befreit von den Sorgen des Alltags, weil sie wissen, dass Gott für sie sorgt. Christen streiten nicht, sie sind liebevoll auch zu Menschen, die außerhalb ihrer Gemeinschaft stehen. Sie stehen auch bei Außenstehenden in hohem Ansehen, weil sie authentisch leben, weil sie das, wovon sie reden, auch tun.

Herr, schenke uns die Freude an dir und die Einheit in dir, dass durch unsere Freude und unseren Einsatz das Böse geringer werde und das Gute sich umso kräftiger erweist.

Lass durch unsere Freude die Traurigkeit schwinden und gib uns die Kraft und den Mut, einander anzunehmen und einander behilflich zu sein. Gib uns offene Hände, die freigebig schenken, und in die du deinen Segen legen kannst.

Lass uns Lösungen finden, damit die Streitigkeiten und Missverständnisse aufhören und die Enttäuschten Mut gewinnen.

Gib uns die Kraft zu heilen, damit die Kranken Trost finden und die Sterbenden deine Erbarmung. Lass und wohnen können auf Erden und die Ernten gerecht verteilen.

Hilf uns, Menschen zu sein, die deinen Frieden mächtig werden lassen, den Frieden im Herzen – rund um die Erde.

Amen.

Wahl des Matthias zum Apostel

In diesen Tagen erhob sich Petrus im Kreis der Brüder – etwa hundertzwanzig waren zusammengekommen – und sagte: … (Apg 1,15)

Petrus hat nach der Himmelfahrt Jesu die Leitung der kleinen, aber ständig wachsenden Gruppe der Anhänger Jesu übernommen. Waren nach der Rückkehr vom Ort der Himmelfahrt zunächst nur etwa 20 Personen zum gemeinsamen Gebet versammelt, sind nun schon 120 zusammen gekommen. Diese Zahl entspricht dem symbolischen Wert 10×12, was eine Vielzahl von 12 meint. Die Zwölf steht für das Zwölfstämmevolk Israel. Wie die zwölf Söhne Jakobs die Stammväter Israels bilden, so sind die zwölf Apostel das Fundament des neuen Gottesvolkes. Wenn nun die 12 mit der 10 multipliziert wird, so steht dies symbolisch für das Wachstum der Kirche Gottes. Um aber diesen symbolischen Wert beizubehalten, musste der Kreis der Zwölf, der nach dem Verrat und Tod des Judas Iskariot eines seiner Mitglieder verloren hat, wieder zu seiner symbolischen Fülle ergänzt werden. Hierzu ergreift Petrus mit seinen Worten die Initiative:

Brüder! Es musste sich das Schriftwort erfüllen, das der Heilige Geist durch den Mund Davids im Voraus über Judas gesprochen hat. Judas wurde zum Anführer derer, die Jesus gefangen nahmen. Er wurde zu uns gezählt und hatte Anteil am gleichen Dienst. Mit dem Lohn für seine Untat kaufte er sich ein Grundstück. Dann aber stürzte er vornüber zu Boden, sein Leib barst auseinander und alle Eingeweide fielen heraus. Das wurde allen Einwohnern von Jerusalem bekannt; deshalb nannten sie jenes Grundstück in ihrer Sprache Hakeldamach, das heißt Blutacker. Denn es steht im Buch der Psalmen: Sein Gehöft soll veröden, niemand soll darin wohnen! und: Sein Amt soll ein anderer erhalten! (Apg 1,16-20)

Drastisch schildert Petrus hier das Ende des Judas Iskariot. An dem vom Lohn seines Verrats erworbenen Grundstück hatte er keine Freude, vielmehr erleidet er einen qualvollen Tod. Von Selbstmord ist hier nicht die Rede, das Hervorquellen der Eingeweide ist aber ein Bild für ein besonders schmerzhaftes und unrühmliches Lebensende. In allem was geschieht, erfüllt sich, was in den Psalmen verheißen ist. Sowohl der Verrat des Judas als auch sein Ende und die Verdammnis seines Besitzes (die Gegend um das Hakeldamach-Kloster, in der man den Blutacker vermutet, ist bis heute ein ungewöhnlicher Ort in Jerusalem) wird in den Psalmen vorgezeichnet. Der kundige Leser kann die Psalmenstellen (Ps 69,26; 109,8) auf diese Ereignisse deuten.
Aber noch etwas anderes ist in den Psalmen vorausgesagt: dass für das Apostelamt des Judas, das dieser durch sein Tun verloren hat, ein würdiger Nachfolger gefunden werden muss. die Kriterien für einen solchen Nachfolger lauten:

Einer von den Männern, die die ganze Zeit mit uns zusammen waren, als Jesus, der Herr, bei uns ein und aus ging, angefangen von der Taufe durch Johannes bis zu dem Tag, an dem er von uns ging und (in den Himmel) aufgenommen wurde, – einer von diesen muss nun zusammen mit uns Zeuge seiner Auferstehung sein. (Apg 1,21-22)

Der Kreis derer, die Jesus gefolgt sind, ging schon immer über die zwölf Apostel hinaus. So wird beispielsweise von einer Aussendung von zweiundsiebzig Jüngern berichtet (Lk 10,1-16). Auch wenn wir beim Lesen der Evangelien den Eindruck gewinnen, dass allein die Zwölf den harten Kern gebildet haben, der immer bei Jesus war, so wird hier deutlich, dass die Zahl derer, die Jesus vom Beginn seines Auftretens an nachgefolgt sind, weit größer ist. Den zwölf Aposteln kam in diesem Jüngerkreis wohl eine symbolische Bedeutung und eine hierarchische Vorrangstellung zu. Die Abweichungen in den Apostellisten der vier Evangelien, die die Exegese versucht, durch verschiedene Deutungen in Einklang zu bringen, könnten auch ein Hinweis darauf sein, dass es unterschiedliche Überlieferungen gab, wer genau dem Zwölferkreis angehörte. Außerdem müssen wir unterscheiden zwischen dem Begriff Apostel und dem Zwölferkreis. Auch Paulus sieht sich als Apostel, ebenso wie andere Missionare der „ersten Stunde“.
Hier wird auch die wichtigste Aufgabe der Apostel und aller Jünger Jesu genannt: Zeuge der Auferstehung Jesu Christi zu sein, das heißt, der Welt zu verkünden, dass Jesus lebt und das eigene Leben auf diesen Glauben zu bauen, dass Jesus von den Toten auferstanden ist und somit erfahrbar zu machen, dass für alle Menschen der Weg zu Himmel offen steht und Gott mit den Menschen ist und sich um die kümmert, die an seinen Namen glauben.

Und sie stellten zwei Männer auf: Josef, genannt Barsabbas, mit dem Beinamen Justus, und Matthias. Dann beteten sie: Herr, du kennst die Herzen aller; zeige, wen von diesen beiden du erwählt hast, diesen Dienst und dieses Apostelamt zu übernehmen. Denn Judas hat es verlassen und ist an den Ort gegangen, der ihm bestimmt war. Dann gaben sie ihnen Lose; das Los fiel auf Matthias und er wurde den elf Aposteln zugerechnet. (Apg 1,15-26)

Zwei Männer erfüllen diese Voraussetzungen und werden zur Wahl aufgestellt: Josef, genannt Barsabbas und Matthias. Das Los soll entscheiden, aber wichtig ist auch das Gebet. Somit wird deutlich, dass durch den Losentscheid letztlich Gott seinen Willen offenbar werden lässt. Das Los fällt auf Matthias, der von nun an zu den zwölf Aposteln gehört.