Heilige Familie

Am ersten Sonntag nach Weihnachten feiern wir das Fest der Heiligen Familie. Die beiden Evangelisten Matthäus und Lukas schildern uns ihre jeweils eigenen Berichte von der Kindheit Jesu. Sie zeigen, dass Jesus Christus in eine reale Familie hineingeboren wurde und in Nazaret aufgewachsen ist. Der Glaube der Kirche bekräftigt, dass seine Mutter Maria vor, während und nach der Geburt jungfräulich geblieben ist und nicht durch einen Mann, sondern durch das Wirken Gottes schwanger geworden ist. Daher gilt ihr Mann Josef nicht als leiblicher Vater Jesu und die Familie hatte auch keine weiteren Kinder, auch wenn die in der Heiligen Schrift genannten Brüder des Herrn – im Sinne einer verwandtschaftlichen Beziehung – oft fälschlicherweise als leibliche Brüder Jesu angesehen werden.

Josef war Zimmermann und sorgte somit als Handwerker für den Lebensunterhalt der Familie. Der Verdienst eines Handwerkers war sicher besser als der eines Tagelöhners, aber reich war die Heilige Familie nicht, worauf auch das Opfer bei der Darstellung im Tempel hinweist. Hierfür sind ursprünglich ein Schaf und eine Taube vorgesehen, nur bei armen Leuten, die sich kein Schaft leisten können, darf dieses durch eine weitere Taube ersetzt werden (vgl. Lk 2,24 und Lev 12,8).

Die Heilige Familie ist das Urbild der christlichen Familie. Aber hat sie uns heute noch etwas zu sagen? So wirklich traditionell war das Leben der Heiligen Familie damals ja auch nicht. Es gab noch keine frommen Gläubigen, die in der Schwangerschaft Mariens das Wirken Gottes sahen. Doch Josef hat seine Frau angenommen und das Kind, das nicht sein leiblicher Sohn war, wie seinen eigenen Sohn aufgezogen. Das Leben in Nazaret stand sicher nicht unter einem goldenen Schleier, wie es fromme Darstellungen zeigen. Es war eine Familie wie jede andere, die für ihren Lebensunterhalt hart arbeiten musste, die versuchen musste, mit ihren Nachbarn gut auszukommen und Freunde zu finden. Vielleicht kann die Heilige Familie auch heute Vorbild bleiben, wenn wir den Glanz frommer Legende von ihr nehmen und wir sie als ganz normale Familie sehen, zwar aus einer fernen Zeit, aber auch heute noch aktuell, weil sie zusammen gehalten hat, den Widrigkeiten des Schicksals getrotzt hat und gemeinsam ein Kind aufgezogen hat.

Für Charles des Foucauld war die Nachahmung des verborgenen Lebens der Heiligen Familie in Nazaret die Sehnsucht seines Lebens. Es war für ihn Vorbild für ein Leben in Armut, Demut und Gehorsam, für ein bescheidenes Leben von der eigenen Hände Arbeit. Jesus hat dieses Leben für sich gewählt, hat es die meiste Zeit gelebt. Wir dürfen nicht nur auf die kurze Zeit seines öffentlichen Wirkens schauen, wir müssen stets auch die Zeit betrachten, in der Jesus im Verborgenen gelebt hat, ganz als Mensch.

Welch ein Beispiel wollte er uns geben, allen, selbst Königssöhnen, da er selbst König war; uns allen, nicht nur den ehelos Lebenden, sondern auch den Eheleuten, denn in Nazaret lebte er zwischen Maria und Josef; nicht nur den Ordensleuten, sondern auch den in der Welt lebenden, denn in Nazaret lebte er inmitten seiner Gesellschaft. Er wollte das, er hat es sich ausgesucht, „Sohn des Zimmermanns“, „der Zimmermann, der Sohn der Maria“ genannt zu werden. Das ist sein Ort im Leben, der Ort seiner Leute. …

So arm und klein sein wie Jesus es in Nazaret war. …

Wenn ich nicht klar sehe, mich fragen, was Jesus in Nazaret getan hätte und mich danach richten.

(Charles des Foucauld)

Nachfolge Jesu als Wohnen beim Herrn, als menschliches Zusammenleben mit dem Herrn in unserer Mitte. Wenn auch das Bild von Familie sich im Laufe der Zeiten wandelt, so soll christliche Familie doch ein Ort bleiben, an dem die Gegenwart des Herrn erfahrbar wird, ein Ort, an dem Menschen in Frieden zusammen leben, an dem man gerne ist, einladend und Freundlichkeit ausstrahlend.

Vor allem bekleidet euch mit der Liebe, die das Band der Vollkommenheit ist! (Kol 3,14)

So hören wir es in der Lesung aus dem Kolosserbrief, ein Spruch, den auch viele für ihre Hochzeit wählen. Wenn auch das Bild von Familie sich im Laufe der Zeiten wandelt, so soll christliche Familie doch ein Ort bleiben, an dem das Band der Liebe hält und so die Gegenwart des Herrn erfahrbar wird, ein Ort, an dem Menschen in Frieden zusammen leben, an dem man gerne ist, einladend und Freundlichkeit ausstrahlend. Bitten wir Gott heute besonders um dieses Band der Liebe für unsere Familien.

Weihnachten 2019

Ein Licht erstrahlt den Gerechten, und Freude denen, die rechten Herzens sind. (Ps 97,11)

Diesen Vers aus Psalm 97 habe ich zur Überschrift für das Weihnachtsfest 2019 ausgewählt. Seinen weihnachtlichen Charakter hat bereits Ephräm der Syrer (um 306 – 373) in seinen Hymnen entdeckt. Nach dem Zitat dieses Verses schreibt er:

Unser Herr Jesus Christus ging uns aus dem Schoße seines Vaters auf. Er kam und entführte uns aus der Finsternis und erleuchtete uns durch sein herrliches Licht. Der Tag ging über den Menschen auf, und da entfloh die Macht der Finsternis. (Ephräm der Syrer)

Mit der Geburt Jesu Christi ist ein unvergänglicher Welttag angebrochen. Auch wenn die Erde weiterhin um die Sonne kreist und wir täglich den Wechsel von Nacht und Tag erleben, so gibt es doch den einen hellen Tag, der unvergänglich andauert, weil das Licht der Welt gekommen ist. Aber sind das nicht alles nur fromme Sprüche? Ein Kind, das Gottes Sohn sein soll und das Licht der Welt? Läuft da noch alles rund bei denen, die daran glauben?

Wenn wir in die Welt blicken, so erleben wir heute eine Erosion des christlichen Weihnachtsfestes. Diese kommt nicht von Ungefähr. Bereits als Weihnachten im 19. Jahrhundert zu einem bürgerlichen Fest der Behaglichkeit wurde, ging Vieles von seiner ursprünglichen Bedeutung verloren. Die Feier im Kreis der Familie erlangte gegenüber der kirchlichen Feier einen immer höheren Stellenwert. Neue weihnachtliche Symbole wie beispielsweise der Tannenbaum hatten keinen christlichen Hintergrund mehr und halfen dabei, in späteren Zeiten das Fest immer mehr aus dem kirchlichen Bereich herauszulösen.

Eine große Tageszeitung brachte in der Vorweihnachtszeit einen Beitrag darüber, wie ausgelassen in früheren Zeiten Weihnachten gefeiert wurde. Aber was versteht man hier unter Weihnachten? Der Artikel spielt auf die Saturnalien an, ein ausgelassenes Fest im alten Rom, das zur Zeit der Wintersonnenwende gefeiert wurde. Das christliche Weihnachtsfest wurde sicherlich bewusst auf diesen Tag gelegt, aber nicht, um die Orgien der Römer weiterzuführen, sondern um diesem Tag eine neue Prägung zu geben. Der heidnische Festtag wurde zu einem christlichen, an dem die Menschen zur Kirche gingen und natürlich auch zuhause gefeiert haben.

Die Orgien der Saturnalien aber sollten der Vergangenheit angehören. Heute jedoch will man sie wieder neu entstehen lassen. Das christliche Weihnachten, das einst das heidnische Fest verdrängt hat, wird heute wieder neu zu einem heidnischen Festtag, an dem allein das üppige Essen und opulente Geschenke im Mittelpunkt stehen. Ratgeber befassen sich heute hauptsächlich damit, wie man das viele Essen der Weihnachtstage gut verdauen kann, da gibt es beispielsweise Yoga-Übungen, die einem dabei helfen, trotz Festtagsschmaus nicht übermäßig zuzunehmen.

Bisher gab es zumindest noch Relikte aus christlicher Zeit, die dem Namen nach an das christliche Weihnachtsfest erinnert haben. Es setzt aber eine zunehmende Umbenennung aller noch irgendwie an das Christentum erinnernder Begriffe ein. An den Feiertagen des Dezember soll ein Fest um des Festes willen gefeiert werden, ein Fest vielleicht noch der Gemeinschaft, das aber wegen seines hohlen Inhaltes doch eher zu Streit und Unmut als zu einem besseren Miteinander führt.

Was wollen wir da noch mit unserer Botschaft vom Licht? Heute wo es nahezu in der ganzen Welt Strom gibt, braucht man sich sowieso keine Sorgen mehr darüber zu machen, dass es zu dunkel wäre. Wir reden heute eher von Lichtverschmutzung, weil die Lichter der Ballungsräume in den Industrienationen die Nacht gar nicht mehr richtig Nacht sein lassen. Wozu brauchen wir dann noch einen Gott, der ein Licht aufstrahlen lässt?

Wir könnten hier Halt machen und sagen, das mit dem christlichen Weihnachten und dem Kind von Betlehem, das das Licht der Welt sein soll, ist alles ein Relikt aus einer alten Zeit, deren Denken wir heute überwunden haben. Wir feiern einfach ein schönes Fest wie schon im alten Rom, haben Spaß und lassen es uns gut gehen. Heute brauchen wir keine Götter mehr, weil wir die Welt wissenschaftlich erklären können und mit unserer Technik ganz gut ohne Gott zurechtkommen.

Sind die Menschen, die heute noch an die christlichen Inhalte des Weihnachtsfestes glauben, wirklich von gestern? Welche Argumente haben wir für den Glauben an einen Gott, der Mensch geworden ist, um den Menschen das Heil zu schenken? Ich denke, dass der Weg, den Menschen heute diesen Gott zu zeigen, darin besteht, diesen Gott für die Menschen erfahrbar zu machen.

Gerade hierfür bekommt das Wort des Psalms seine Bedeutung. Ich verstehe es dahingehend, dass Gott im Menschen sein Licht entzündet und seine Freude in das Herz hineinlegt. Wenn du etwas von diesem Licht erfahren willst, dann geh zur Krippe und schau dir das Kind an, das darin liegt. Höre dir einfach einmal in Ruhe an, was über dieses Kind gesagt wird. Hier in dem Kind vor dir ist Gott, der so klein geworden ist, um dir nahe zu sein.

Gott wird Mensch, sein Wort wird Fleisch, damit wir ihn mit unseren Augen sehen und mit unseren Ohren hören können. Gott ist uns greifbar nahe gekommen. Er sagt zu dir: Mensch, ich liebe dich, ich will in deinem Leben bei dir sein, ich will dir den Weg zeigen, auf dem du Glück und Freude findest. Ich will nicht, dass du in der Finsternis bist, ich will dir ein Licht sein, das dein Leben hell sein lässt.

Welches Herz könnte so hart sein, dass es dann nichts spürt von diesem Gott? Freilich, der Glaube muss dann noch tiefer gehen, sich im Alltag bewähren. Aber wer gar nicht die Erfahrung gemacht hat, wie nahe Gott ihm gekommen ist, der wird auch mit all dem anderen, dass man ihm von diesem Gott erzählt, nicht viel anfangen können.

Die Krippe von Betlehem kann der Beginn einer tiefen Freundschaft sein zwischen Gott und Mensch. Der Blick des Kindes in der Krippe lässt selbst das härteste Herz nicht unberührt, wie Ephräm an anderer Stelle sagt:

Erzürnte, die dich zu sehen kamen, söhntest du freudig aus. Sie vereinten sich wieder mit gegenseitigem Lachen. Süß besänftigt wurden durch dich die Erbitterten, o Holdseliger! Gepriesen seist du, o Kind, wodurch auch Bittere mit Süßigkeit erfüllt werden! (Ephräm der Syrer)

Wie soll Weihnachten ein Fest der Freude, der Gemeinschaft und des Miteinanders sein, wenn man das Kind, das die Freude und Gemeinschaft unter den Menschen stiftet, von diesem Fest ausschließt?

Ich wünsche Ihnen ein gesegnetes Weihnachtsfest und eine lebendige Begegnung mit dem göttlichen Kind, dessen Geburt wir heute feiern!

Mensch – wo bist du?

Gott, der Herr, rief nach dem Menschen und sprach zu ihm: Wo bist du? (Gen 3,9)

Mensch – wo bist du? Das verzweifelte Suchen Gottes nach dem Menschen durchzieht die gesamte Menschheitsgeschichte. Gott hat den Menschen immer wieder gerufen, das Alte Testament kennt die großen Hörer des Rufes Gottes, Henoch, Noach, Abraham, Mose, Samuel, David, die Propheten, um nur einige von ihnen zu nennen. Der Mensch aber geht immer wieder eigene Wege und missachtet das Gebot Gottes, das ihm das Leben sichern soll. Dafür steht symbolisch der Schöpfungsmythos am Beginn des Buches Genesis.

Das Verhältnis zwischen Gott und Mensch ist in erster Linie ein gestörtes Verhältnis. Das Suchen Gottes nach dem Menschen ist oft einseitig. Gott hat dem Menschen die Erde anvertraut, hat den Menschen daraufhin angelegt, im Einklang mit seiner Umwelt zu leben, der Mensch aber will immer mehr, will seinen Besitz auf Kosten anderer und der Umwelt immer weiter anhäufen und macht damit das kaputt, was Gott so schön und gut gemacht hat.

An Weihnachten findet das Suchen Gottes nach dem Menschen seinen Höhepunkt. Gott selbst wird Mensch und zwar in erschreckend einfachen Verhältnissen. Nicht in einem Haus der großen Religionsführer, etwa in der Familie eines der Hohenpriester oder Schriftgelehrten, die ihre Macht und ihren Reichtum damit rechtfertigen, dass sie ja der Größe des Gottes, dem sie dienen, dadurch Ausdruck verleihen müssen – und damit Gott selbst verhöhnen, der die seligpreist, die arm sind vor Gott.

Gott wird Mensch im Schoß einer Frau, die in den Augen der Welt nicht groß und mächtig ist, die keinen großen materiellen Reichtum besitzt, die aber reich ist vor Gott, weil sie von Kindheit an Gott sucht. Die Größe Mariens besteht darin, dass ihr Herz voll ist von der Liebe zu Gott und dass sie bereit ist, auf Gottes Stimme zu hören. Das ist kein Reichtum, der nur wenigen Privilegierten offen steht und der auf Kosten anderer geht. Diesen Reichtum kann jeder Mensch erwerben. Jesus wird uns in seinem Leben und in seinen Worten zeigen, wie das geht.

Weihnachten zeigt uns, dass es ein Irrweg ist, wenn wir meinen, wir müssten Gott damit dienen, dass wir ihm große Bauten errichten, in denen wir seine Herrlichkeit in goldenen Utensilien anschaulich machen. Ja, Gott ist mächtig und ihm gebührt die Ehre, aber er selbst zeigt uns, wie sich diese Ehre zeigt, im Lächeln des Kindes von Betlehem, dessen Hände offen und leer sind, in dessen Herzen aber die Fülle der Gottheit wohnt.

Mensch – wo bist du? Heute müssen wir uns zunächst einmal damit auseinandersetzen, dass viele gar nicht mehr daran glauben, dass es einen Gott gibt, der diese Frage stellt. Braucht der Mensch einen Gott, der nach ihm sucht? Wir wissen, dass die Geschichte vom Paradies ein Mythos ist. Aber wir glauben, dass Gott irgendwie an der Erschaffung der Welt und des Menschen mitgewirkt hat. Wie, das wissen wir nicht. Wir wissen heute viel über die Jahrmillionen, in denen sich das Universum entwickelt hat, die Erde zu dem Planeten wurde, wie wir sie heute kennen und dann schließlich das Leben hier entstanden ist. Aber doch liegt vieles im Dunkeln. Mit unseren heutigen wissenschaftlichen Methoden kommen wir zwar sehr nahe an den Zeitpunkt heran, als das Universum entstanden ist, aber der Zeitpunkt seines Entstehens bleibt uns unzugänglich. Wir wissen viel über das Leben, aber wie höhere Lebensformen und schließlich auch der Geist des Menschen entstanden sind, können wir nicht mit absoluter Sicherheit sagen.

Es bleibt auch in unserer hochtechnisierten Welt noch Platz für Gott. Zwar gibt es keinen Platz mehr für die Götter, die sich die Menschen gemacht haben, um mit ihnen die Sterne und Planeten zu besetzen oder die Naturgewalten zu erklären. Es gibt auch keinen Platz mehr für die Götter des Schicksals, denen die Menschen die unerklärlichen Ereignisse in ihrem Leben zugeschrieben haben. Aber es gibt einen Platz für einen Gott, der im Herzen des Menschen wohnt, der ihm nahe ist und der das Suchen des Menschen nach Erkenntnis, Liebe und Lebenssinn begleitet.

Jeder Mensch muss selbst herausfinden, ob es in seinem Leben einen Platz gibt für diesen Gott. Wer aber bereit ist, sich auf diesen Gott einzulassen, der wird seinen Ruf nach dem Menschen hören. Und wer dann antwortet: Hier bin ich, Herr!, der wird mehr über diesen Gott erfahren. Er wird verstehen, wie jemand, der sich so klein macht wie ein Kind, doch stärker sein kann als die Mächtigen dieser Welt, er wird verstehen, wie jemand, der schenkt, mehr haben kann, als die Reichen dieser Welt, und er wird eine Liebe erfahren, wie sie die Welt nicht geben kann.

Mensch – wo bist du?

Hier bin ich Herr!

Ich habe dich gesehen

im Stall von Betlehem.

Ich irrte durch die Nacht

und sah ein Licht.

Ich trat hinzu

uns spürte eine Nähe

in den Augen dieses Kindes

das mich anblickte.

Jetzt weiß ich, Gott,

wie sehr du dich nach mir sehnst.

Lass mich den Weg mit dir gehen,

den Weg hinein ins Leben.

Amen.

Das Evangelium des Paulus

Das Evangelium von seinem Sohn, der dem Fleisch nach geboren ist als Nachkomme Davids, der dem Geist der Heiligkeit nach eingesetzt ist als Sohn Gottes in Macht seit der Auferstehung von den Toten, das Evangelium von Jesus Christus, unserem Herrn. (Röm 1,3-4)

Am Beginn des Römerbriefes stellt Paulus sich den Römern als von Jesus Christus selbst berufener Apostel und Verkünder des Evangeliums vor. Dabei kommt es für ihn nicht so sehr darauf an, das Leben Jesu in seinen Einzelheiten zu schildern, wie es die Schriften, die wir heute Evangelien nennen, tun. Anders als die übrigen Apostel hat Paulus Jesus Christus nicht als Mensch gekannt, sondern wurde erst einige Zeit nach Jesu Auferstehung durch ein Ereignis, das für ihn eine persönliche Begegnung mit Jesus Christus bedeutet hat, mit ihm bekannt.

Auf seinem Weg nach Damaskus erkennt in dem, was geschieht, Jesus. Er weiß nun, dass dieser Jesus, der in Jerusalem unter den Augen der jüdischen Obrigkeit von den Römern hingerichtet wurde, nicht tot ist, sondern lebt. Er weiß nun, dass dieser Jesus kein gewöhnlicher Mensch war, sondern der Messias, Gottes Sohn, den Gott gesandt hat, sein Volk und die ganze Welt zu retten.

Das ist von nun an das Evangelium des Paulus, dass Gott seinen Sohn gesandt hat, der Mensch geworden ist, nicht nur zum Schein, sondern wirklicher Mensch mit Fleisch und Blut. Er ist wirklich gestorben am Kreuz, aber Gott hat ihn auferweckt. Gottes Sohn, der tot war, lebt. Das zeigt Gottes Macht deutlicher als alles andere, was Gott bisher in seinem Volk getan hat. Paulus selbst hat die Macht des Auferstandenen in seiner Begegnung mit ihm auf dem Weg nach Damaskus erfahren.

Wirklich auferstanden sein kann Jesus aber nur, wenn er wirklich Mensch geworden ist und als solcher auch wirklich gestorben ist. Es lohnt sich, gerade um Weihnachten herum einmal innezuhalten und sich wieder neu vor Augen zu führen, was damals geschehen ist, in jener Nacht, als Gottes Sohn geboren wurde. Wie nah ist uns Gott hier gekommen, dass er uns gleich geworden ist. Nicht nur zum Schein, sondern wirklich in Fleisch und Blut. Wer schon einmal ein neugeborenes Kind gesehen oder gar in Händen gehalten hat weiß, wie verletzlich und schutzbedürftig so ein Neugeborenes ist. So ist Gott geworden.

Herr Jesus,

lass mich erspüren

wie es damals war,

als du geboren wurdest.

Ich will dich sehen als Gott,

der wahrhaft Mensch geworden ist.

Ich will in tiefem Glauben

niederfallen und anbeten,

aber auch deine Nähe spüren,

dass du als Gott nicht

in fernen Welten geblieben bist,

sondern uns so nahe gekommen bist,

Jesus, du mein Herr und Gott.

Amen.

Warten in Geduld

Darum, Brüder und Schwestern, haltet geduldig aus bis zur Ankunft des Herrn! Siehe, auch der Bauer wartet auf die kostbare Frucht der Erde, er wartet geduldig auf sie, bis Frühregen oder Spätregen fällt. (Jak 5,7)

Geduldiges Warten, das ist eines der Kennzeichen der Adventszeit. Als Symbole dieses Wartens haben wir heute den Adventskranz und den Adventskalender. Wir zählen die letzten Tage und Wochen bis zum Weihnachtsfest. Während draußen die Tage immer kürzer werden, entzünden wir in unseren Wohnungen und Straßen immer mehr Lichter. Unsere Lichter werden so zum Symbol für den, der kommen wird und der das wahre Licht ist, Jesus Christus.

Es gibt Wartezeiten die absehbar sind. Mag gerade für Kinder das Warten auf das Weihnachtsfest und die Geschenke schier endlos erscheinen, ist es doch eine relativ kurze Zeit. Meist sind die Ereignisse, die wir freudig erwarten, irgendwann einmal da. Aber wie sieht es aus mit dem Warten auf das Kommen des Herrn? Wir feiern jedes Jahr am Weihnachtsfest sein Kommen als Mensch in diese Welt. Aber am Ende seines irdischen Lebens hat Jesus gesagt, dass er einmal wiederkommen wird, am Ende der Tage. Auf dieses Kommen des Herrn warten die Christen nun schon seit etwa 2000 Jahren und wir wissen einfach nicht, wann dieses Kommen stattfinden wird.

Die frühen Christen haben noch täglich auf das Kommen des Herrn gewartet. Bald wird es sein, glaubten sie. Aber dann verging immer mehr Zeit. Wenn wir nicht wissen, wie lange wir warten müssen, werden wir leicht ungeduldig und wir wenden uns anderen Dingen zu. Doch auch wenn das Kommen des Herrn so lange auf sich warten lässt, besteht doch die Notwendigkeit, dass wir es nicht aus den Augen verlieren, weil es der entscheidende Moment in unserem Leben ist. Darum müssen wir unser Leben so einrichten, dass wir stets bereit sind, wenn der Herr kommt. Jesus selbst hat uns gesagt, dass wir stets wachsam sein sollen. Ein gelungenes Leben ist ein Leben, das stets vor dem Anblick des Herrn bestand hat und sich nicht vor ihm verstecken muss. Gerade die späteren Texte des Neuen Testamens, zu denen auch der Jakobusbrief gehört, beschäftigen sich damit, wie christliches Leben im Alltag gelingen kann.

Prüfen wir jeden Tag unser Herz. Lebe ich in Frieden mit meinen Mitmenschen? Habe ich durch meine Worte schlecht über andere geredet und so dem Unfrieden Raum geschaffen? Gibt es etwas, worum ich andere um Verzeihung bitten muss? Bin ich selbst bereit, zu verzeihen? Wo kann ich Gutes tun, um wenigstens im Kleinen etwas gegen die Ungerechtigkeit, die in der Welt herrscht, zu tun? Bin ich dankbar? Stehe ich zu meinem Wort? Können andere sich auf mich verlassen?

Solche und ähnliche Fragen sollen wir uns immer wieder stellen und dabei uns vor allem am Beispiel Jesu und der Heiligen orientieren. Kein Mensch ist perfekt, aber wir können jeden Tag lernen, etwas besser zu werden. Tun wir das in der Gewissheit, dass Gott mit uns ist, dass er uns ruft und führt und dass er sich danach sehnt, dass wir einmal ganz mit ihm verbunden sind.

Johannes der Täufer

In jenen Tagen trat Johannes der Täufer auf. Er verkündete in der Wüste von Judäa: Kehrt um! Denn das Himmelreich ist nahe. (Mt 3,1b-2)

Johannes der Täufer ruft mit den gleichen Worten, die der Evangelist auch Jesus in den Mund legt (Mt 4,17). Beide stehen für den Ruf zur Umkehr und für den Anbruch des Reiches Gottes, das bei Matthäus als Himmelreich bezeichnet wird. Matthäus sieht ebenso wie auch die anderen Evangelisten in Johannes die Verheißung des Propheten Jesaja erfüllt:

Er war es, von dem der Prophet Jesaja gesagt hat: Stimme eines Rufers in der Wüste: Bereitet den Weg des Herrn! Macht gerade seine Straßen! (Mt 3,3)

Matthäus zitiert hier wörtlich Jes 40,3. Ursprünglich meint der Prophet damit einen Weg aus der Gefangenschaft in Babylon heim ins Gelobte Land. In einer Zeit, als die Straßen noch holprige Wege waren, die über viele Kurven bergauf und bergab dem Gelände folgten, war eine Straße, die gerade und eben Berge und Täler überwindet, ein Wunder. Doch bereits im alten Persien gab es die Königsstraßen, auf denen ein Kriegsherr schnell in entlegene Provinzen gelangen konnte. Die Römer waren bekanntlich Meister im Straßenbau und Matthäus mag wie viele andere seiner Zeit diese befestigten Straßen bewundert haben.

Auch für Gott entsteht eine Straße, wir würden heute vielleicht sagen eine Autobahn, die sein Kommen zu den Menschen einfach macht. Wenn es einen ebenen und geraden Weg gibt, kann man leicht und schnell auch in entlegene Gegenden kommen. Johannes der Täufer ist so ein Wegbereiter für Gott, aber nicht indem er mit Hacke und Schaufel eine Trasse für eine Straße baut, sondern indem er die Herzen der Menschen vorbereitet.

Harte Herzen sind das größte Hindernis für das Kommen Gottes in diese Welt. Daher müssen die Herzen der Menschen vorbereitet werden. Nicht alle hatten ein offenes Herz für Gott. Einige Verse weiter werden wir sehen, wie der Täufer bereits den Widerstand der Pharisäer und Sadduzäer zu spüren bekommt, die sich später auch Jesus in den Weg stellen und für seine Hinrichtung sorgen. Aber von den einfachen Menschen kommen viele zu Johannes und später zu Jesus. Sie sind bereit zur Umkehr, bereit zu einer ganz neuen Begegnung mit dem Gott Israels, der allen Menschen auf der ganzen Welt das Heil schenken möchte.

Wie sieht es heute aus mit den bereiten Herzen? Bei vielen Menschen findet Gott heute keinen geraden und breiten Weg in die Herzen vor, sondern einen mit vielen Hindernissen, der oft auch noch mit schweren Barrieren verschlossen ist. Die Menschen scheinen Gott heute weniger zu brauchen als eh und je. Viele Mysterien, die Menschen früher auf göttliche Kräfte zurückgeführt haben, lassen sich heute rein wissenschaftlich erklären. Für das geistige Wohlbefinden kann man sich an einen Psychologen wenden. Und mit dem Begriff Heil kann kaum mehr jemand etwas anfangen.

In jenen Tagen …

In jenen Tagen trat Johannes der Täufer auf. (Mt 3,1a)

Matthäus hat sein Evangelium mit der Kindheitsgeschichte Jesu begonnen, die in der Erzählung von den Sterndeutern, dem darauf folgenden Kindermord in Betlehem und der Flucht der Heiligen Familie nach Ägypten ein für die christliche Frömmigkeit bedeutsames und einmaliges Eigengut enthält. Wie bei den anderen Evangelien auch, steht bei Matthäus am Beginn des öffentlichen Auftretens Jesu die Schilderung des Wirkens Johannes des Täufers. Bevor wir dieses näher betrachten, lohnt es sich, bei den ersten Worten dieses Abschnitts zu verweilen.

„In jenen Tagen“, schreibt Matthäus, trat Johannes am Jordan auf. Lukas ist hier sehr präzise und ordnet jene Tage in das Gefüge der Weltgeschichte ein: „Es war im fünfzehnten Jahr der Regierung des Kaisers Tiberius; Pontius Pilatus war Statthalter von Judäa, Herodes Tetrarch von Galiläa, sein Bruder Philippus Tetrarch von Ituräa und der Trachonitis, Lysanias Tetrarch von Abilene.“ (Lk 3,1) Markus schließt das Wirken des Täufers ohne Zeitangabe direkt an die Überschrift zu seinem Evangelium an.

Was aber meint Matthäus mit „jenen Tagen“, von denen er schreibt? Das vorangehende Kapitel endet ja mit dem „Umzug“ der Heiligen Familie nach Nazaret und da war Jesus noch ein Kind und es liegen etwa 30 Jahre zwischen diesen Ereignissen und jenen, die nun geschildert werden. Ich glaube, dass Matthäus hier bewusst auf prophetische Texte anspielt, die von den Tagen des Heils künden. Mit dem Auftreten des Täufers beginnt die Heilszeit, die im Wirken Jesu ihren Höhepunkt und ihre Erfüllung findet.

Einen schönen Beleg für den Charakter jener Tage finden wir in den letzten Worten des Buches Joel, die auch in einer Antiphon zum ersten Adventssonntag eindrucksvoll vertont worden sind:

Und es wird geschehen an jenem Tag: Da triefen die Berge von Wein, die Hügel fließen über von Milch und in allen Bächen Judas strömt Wasser. Eine Quelle entspringt im Haus des Herrn und tränkt das Schittim-Tal. Ägypten wird zur Wüste, Edom wird zur verödeten Steppe, wegen der Gewalttat an den Kindern Judas, in deren Land sie unschuldiges Blut vergossen. Juda aber wird für immer bewohnt sein und Jerusalem von Geschlecht zu Geschlecht, ich erkläre ihr Blut für unschuldig, das ich vorher nicht für unschuldig erklärte, und der Herr wohnt auf dem Zion. (Joel 4,18-21)

Gott wohnt unter seinem Volk und befreit es von seinen Sünden. Das Land wird gesegnet sein und trieft von Wasser, Milch und Honig. Wasser steht für Fruchtbarkeit, Milch und Honig für überfließenden Reichtum, der ein Kennzeichen des Segens Gottes ist. Diese Heilszeit ist nun da, Gott spendet seinen Segen. Johannes der Täufer steht ebenso wie der Prophet Joel für den Ruf zu Umkehr und Buße, die eine entscheidende Voraussetzung für den Anbruch der Heilszeit sind. Anders jedoch als die früheren Propheten schaut Johannes nicht in eine ferne Zukunft, sondern erlebt selbst das Kommen des Messias, des Sohnes Gottes, der das Heil in überfließender Fülle schenkt.

Gott des Friedens (Ps 85)

Ich will hören, was Gott redet: Frieden verkündet der Herr seinem Volk und seinen Frommen, sie sollen sich nicht zur Torheit wenden. [Sela]

Fürwahr, sein Heil ist denen nahe, die ihn fürchten, seine Herrlichkeit wohne in unserm Land. (Ps 85,9-10)

Gott redet vom Frieden. Passen wir einmal auf, wovon die Menschen reden, insbesondere auch dann, wenn sie wirklich die Wahrheit sagen. Wovon reden die Mächtigen hinter verschlossenen Türen, wo keine Presse und keine Öffentlichkeit es hören kann? Auf wen kann ich mich wirklich verlassen, dass er die Wahrheit spricht? Aber auch die Frage: Wovon rede ich?

Der Beter des Psalms lauscht auf Gottes Rede. Gott spricht vom Frieden. Und dabei denkt er nicht insgeheim an Krieg und Unterdrückung, sondern er redet wirklich vom Frieden. Der Friede ist ein Herzensanliegen Gottes und er möchte, dass allen Menschen der Friede genauso am Herzen liegt, wie ihm. Deshalb hat er seine Propheten gesandt, deshalb hat er seinen Sohn gesandt.

Friede ist die Botschaft, die vom Stall in Betlehem ausgeht. Gottes Sohn ist nicht unter den Mächtigen geboren, sondern unter einfachen Hirten. Er ist nicht unter Mächtigen aufgewachsen, sondern in einer ganz normalen Familie in Nazaret. Jesus hat nicht die Mächtigen in seine Nachfolge gerufen, sondern einfache Fischer. Gott baut sein Friedensreich auf nicht mit den Menschen, die groß sind in dieser Welt. Alle Menschen, und wenn sie noch so unbedeutend erscheinen, können am Aufbau des Reiches Gottes mitwirken.

Friede muss das wichtigste Erkennungszeichen der Christen sein. Und doch gab es von Anfang an Streit und Zwietracht in den christlichen Gemeinden. Es fällt den Menschen so schwer, den Frieden zu leben. Wir merken es ja auch an uns selbst, wie leicht wir uns zum Unfrieden hinreißen lassen. Hören wir auf Gott, hören wir auf seine Worte des Friedens, lassen wir sie wirken auf unsere Herzen und werden wir so immer mehr zu Menschen des Friedens.

Es begegnen einander Huld und Treue; Gerechtigkeit und Friede küssen sich.

Treue sprosst aus der Erde hervor; Gerechtigkeit blickt vom Himmel hernieder.

Ja, der Herr gibt Gutes und unser Land gibt seinen Ertrag.

Gerechtigkeit geht vor ihm her und bahnt den Weg seiner Schritte. (Ps 85,11-14)

Der Schluss des Psalms zeichnet ein Bild des Friedens. Huld und Treue, Gerechtigkeit und Friede, diese Tugenden bilden ein vertrautes Team, ja mehr noch, eine innige Gemeinschaft, vereint in gegenseitiger Liebe. Umspannt mit diesem Band der Einmütigkeit haben die Feinde des Friedens keine Chance. Die Tugenden sind stärker als ihre Feinde. Und wo sich die Menschen an diese Tugenden halten, wird der Friede aufblühen und mit ihm das ganze Land. Es bringt reichen Ertrag und Wohlstand für alle Menschen.

Die Menschheit aber verfällt immer wieder dem Wahn, dass reicher Ertrag nur durch Ausbeutung erzielt werden kann. Die Mächtigen raffen den Besitz der einfachen Menschen an sich und bekriegen sich dann gegenseitig, um noch mehr Reichtum zusammen zu raffen und am Ende versinkt die Welt in Krieg und Elend. Wann werden wir begreifen, dass im einmütigen Miteinander mehr Gewinn liegt als im einsamen Kampf um den Reichtum? Wann werden wir erkennen, dass wahrer Reichtum darin besteht, mit allen zu teilen, so dass alle genug haben? Friede ist, wenn Gier und Habsucht verschwinden und die Menschen mehr an das Wohl aller als an das eigene Wohl denken.

Herr,

ich will deine Worte des Friedens hören.

Es sind leise Worte,

die im allgemeinen Geschrei oft untergehen.

Ich will zur Stille kommen,

damit ich besser hören kann.

Gott,

lass mich diese Adventszeit

als Chance ergreifen,

deinen Frieden zu finden.

Amen.

1. Advent

Ein schönes Bild, das Paulus hier gebraucht. Die Zeit zwischen dem Ende der Nacht und dem Anbruch des Morgens ist für viele eine der schönsten Zeiten des Tages. In den letzten Stunden der Nacht ist die Welt um uns herum endlich zur Ruhe gekommen. Es ist still, die Luft ist rein. Die Abgase unserer hektischen Betriebsamkeit sind verflogen. Wenn es dann auch noch ein wolkenloser Morgen ist, können wir beobachten, wie das Licht der Sonne das Dunkel der Nacht zunächst langsam und dann immer schneller vertreibt und dabei den Himmel und die ganze Welt in den schönsten Farben erstrahlen lässt.

Morgenmuffel werden selten diese Stunde erleben, manche erleben sie unfreiwillig, weil ihr Beruf sie dazu zwingt, früh aufzustehen, manche stehen bewusst früh auf, um den Zauber dieser Stunde des Morgens zu erleben und vielleicht auch betend zu verbringen. Das aufgehende Licht wurde schon früh zum Symbol für Jesus Christus, insbesondere für seine Auferstehung, die wir am Ostermorgen feiern.

Die Nacht hat immer etwas Unsicheres und Gefahrvolles an sich. Heute können wir die Dunkelheit mit einem Klick auf den Lichtschalter leicht vertreiben und die bewohnten Gegenden werden die ganze Nacht mit Straßenlampen erleuchtet. Aber doch merken wir besonders in den langen und kalten Nächten im November und Dezember, dass das Leben weniger pulsiert als in den kurzen und warmen Sommernächten.

Der Glaube an Jesus Christus ist wie ein heller Morgen nach einer langen Winternacht. Er vertreibt Ängste der Dunkelheit. Das Licht dieses Morgens gibt uns Kraft und Mut zu neuem Leben. Es hilft uns auch, das zu überwinden, wozu wir vielleicht im Verborgenen der Nacht verführt worden sind. Christliches Leben soll tagestauglich sein, es soll nichts an sich haben, was man lieber vor anderen versteckt hält und von dem man fürchtet, dass es ans Licht kommen könnte. Nehmen wir uns die Stunde des Morgens zum Vorbild für unser Leben, jenen Morgen, der immer wieder alles Neu und Schön im Glanz der aufgehenden Sonne erstrahlen lässt.