Ist Gott für uns, wer ist dann gegen uns? (Röm 8,31)

 Ist Gott für uns, wer ist dann gegen uns? Er hat seinen eigenen Sohn nicht verschont, sondern ihn für uns alle hingegeben – wie sollte er uns mit ihm nicht alles schenken? Wer kann die Auserwählten Gottes anklagen? Gott ist es, der gerecht macht. Wer kann sie verurteilen? Christus Jesus, der gestorben ist, mehr noch: der auferweckt worden ist, sitzt zur Rechten Gottes und tritt für uns ein. Was kann uns scheiden von der Liebe Christi? Bedrängnis oder Not oder Verfolgung, Hunger oder Kälte, Gefahr oder Schwert? In der Schrift steht: Um deinetwillen sind wir den ganzen Tag dem Tod ausgesetzt; wir werden behandelt wie Schafe, die man zum Schlachten bestimmt hat. Doch all das überwinden wir durch den, der uns geliebt hat. (Röm 8,31-37)

Diese Worte des Paulus sind eine Fanfare der Zuversicht, des Vertrauens auf einen Gott, der die Menschen unbeschreiblich liebt. Wer an diesen Gott glaubt, wer sich auf ihn einlässt, sich auf ihn verlässt, ihm sein Leben anvertraut, dem kann nichts schaden. Das Leben mit diesem Gott wird zwar kein einfaches Leben, aber ein erfülltes Leben sein.

Zeichen der Hingabe an Gott sind für mich die geöffneten Hände, die ich diesem Gott entgegenstrecke. Nicht so sehr die gefalteten Hände. Wer seine Hände faltet und Gott entgegenstreckt, der bittet ihn um etwas, ja fordert vielleicht sogar von Gott etwas ein. Darin sehe ich einen gewissen Zwang, wenn ich Gott bestürme, um etwas Bestimmtes zu erhalten.

Die geöffneten Hände sind für mich ein Zeichen der Zuversicht. Ich vertraue mich Gott an, weil ich weiß, dass das, was er mir schenkt, besser für mich ist, als das, was ich selbst erhalten möchte. Ich will Gott nicht in eine bestimmte Richtung lenken, sondern lasse mich von ihm leiten, wohin er will, bin bereit für die Überraschungen, die er mir schickt.

Um zu dieser Zuversicht zu gelangen, muss ein Mensch erfahren haben, dass es diesen Gott wirklich gibt. Drei Jünger haben diese Erfahrung auf dem Berg der Verklärung gemacht, Paulus wurde diese Erfahrung in seinem Erlebnis auf dem Weg nach Damaskus zuteil. Wenn wir aber zweifeln, wenn wir uns fragen, ob dieser Gott vielleicht doch nur ein Produkt menschlicher Phantasie ist, werden wir nicht zu dieser Zuversicht fähig sein.

Gott ist. Gott existiert. Wer das wirklich ohne Zweifel glaubt, wird mit diesem Glauben nach Jesu Wort Berge versetzen können. Wenn ich jetzt diesen Glauben noch nicht habe, so möchte ich dennoch die Sehnsucht haben, diesen Glauben zu erlangen, die Erfahrung zu machen, dass Gott wirklich existiert, dass er kein Produkt menschlicher Phantasie ist, sondern dass Mensch und Welt die Schöpfung dieses Gottes sind.

Herr, mein Gott,

lass mich Deine Gegenwart erfahren.

Lass mich erkennen,

dass Du da bist,

dass Du lebst,

dass Du nicht das Produkt

der Phantasie des Menschen bist,

sondern dass Du

unser Schöpfer bist.

Ich will mich Dir ganz schenken,

mein Leben

ganz in Deine Hände legen.

Nimm mich Herr,

und mache mit mir

was Du willst.

Herr, denn ich weiß,

so wie Du es willst,

so ist es gut für mich

und weil du für mich bist

vermag nichts und niemand

gegen mich zu sein.

Lass mich stets leben

in dieser Zuversicht,

in der Gewissheit,

dass Du lebst

und mich liebst.

Amen.

Vorbild

Nehmt mich zum Vorbild, wie ich Christus zum Vorbild nehme. (1Kor 11,1)

Vorbilder, gibt es die heute noch?

Wenn wir Kinder und Jugendliche fragen, wen sie sich als Vorbild ausgesucht haben, welche Antworten werden wir bekommen?

Wie viele von ihnen werden einen bestimmten Heiligen nennen, den sie als Vorbild betrachten?

Wer ist für mich Vorbild?

Und eine andere Frage an jeden von uns: lebe ich selbst so, dass ich Vorbild bin?

Vorbilder müssen ansprechend sein.

Wer Vorbild sein will, muss sich selbst auch immer wieder hinterfragen.

Wenn wir Vorbild im Glauben sein wollen, müssen wir uns an dem einzigen Bild orientieren, das uns Gott gegeben hat: seinen Sohn. Er hat uns gezeigt, wie Gott ist.

Jesus Christus, wie ihn uns die Evangelien zeigen, wie ihn uns die Kirche verstehen lehrt, ist das Bild Gottes, an dem wir uns immer wieder neu orientieren müssen.

Das können wir, weil Jesus, der Sohn Gottes, zugleich das vollkommene Bild von einem Menschen ist, einem Menschen, der nach dem Bild Gottes geschaffen ist.

Wir tragen Gottes Bild in uns und sind berufen, dieses Bild rein und heilig zu halten.

Es ist ein hoher Anspruch, der in dem Satz des Paulus steckt. Prüfen wir uns selbst immer wieder und fragen wir in jeder Situation: Was hätte Christus getan? Ist mein Handeln so, dass es für andere nachahmenswert ist? Täuschen wir uns nicht: jede noch so unscheinbare Begebenheit in unserem Leben ist bedeutsam und es gilt immer aufmerksam zu sein. Doch wie oft denken wir: ach, es ist doch nicht so schlimm, wenn ich es mal nicht so wichtig mit diesem oder jenem nehme, das nächste Mal kann ich mir ja wieder mehr Mühe geben. Es erfordert ein ständiges Ringen mit unserer Trägheit, um nicht in eine unchristliche Lauheit zu verfallen, die unser Leben für niemanden nachahmenswert macht.

Darstellung des Herrn

Er, der heiligt, und sie, die geheiligt werden, stammen alle von Einem ab. (Hebr 2,12a)

Der Mensch ist Gott ähnlich, nach dem Abbild Gottes ist er geschaffen, wie es schon im Buch Genesis heißt. Darum KONNTE Gott Mensch werden, weil die Distanz zwischen Gott und Mensch nicht unüberwindbar ist, und darum WOLLTE Gott Mensch werden, weil er sein Bild im gefallenen Menschen wieder erneuern wollte.

Das Buch Genesis spricht von einer intimen Vertrautheit zwischen Gott und Mensch, bevor diese durch die Sünde zerstört wurde. Gott will dem Menschen diese Vertrautheit wieder ermöglichen, indem er selbst in seinem Sohn Mensch wird, um den Menschen zu erlösen.

Erlösung bedeutet die Überwindung der Distanz zwischen Gott und Mensch und die Ermöglichung einer tiefen Vertrautheit. Als Erlöste leben bedeutet, in Vertrautheit mit Gott zu leben und die Sünde zu meiden, die diese Vertrautheit stört. Je mehr wir lernen, in den Versuchungen standzuhalten, umso mehr kann diese Vertrautheit mit Gott wachsen.

Gott selbst hat uns in seinem Sohn diesen Weg gezeigt. Wir haben das Vorbild vieler Heiligen, die diesen Weg gegangen sind. Nur, wenn auch wir lernen, diesen Weg bewusst zu gehen, können wir zu Kindern Gottes werden.

Wir müssen der Versuchung widerstehen, das ist unser Beitrag, Gott selbst aber hat viel mehr getan, um diese Vertrautheit zu ermöglichen. Er ist in seinem Sohn Mensch geworden und hat sich am Kreuz für uns hingegeben. So hat er alles getan, was notwendig war, damit Erlösung möglich werden kann. Wir brauchen uns nur noch in seine Hände zu legen und so leben, wie er es uns gezeigt hat.

Wir hören diese Worte am Fest der Darstellung des Herrn. Lukas zeigt uns im Evangelium Simeon und Hanna, die beide sehnsüchtig das Heil erwartet haben, das nun Wirklichkeit geworden ist. Im göttlichen Kind sieht Simeon das Heil des Menschen. In diesem Kind wird sichtbar, wie Gott den Menschen gewollt hat. In diesem Kind strahlt die Heiligkeit, die Gott und Mensch verbindet.

Werden auch wir nie müde, auf Jesus Christus zu blicken, auf sein Leben und Wort, wie es uns die Heilige Schrift zeigt. Lassen wir uns verwandeln von diesem Blick und schreiten wir so von Heiligkeit zu Heiligkeit, dass Gotts Bild in uns immer mehr erneuert werde.

Die Gestalt dieser Welt vergeht. (1Kor 7,31)

Wenn wir die Texte des heutigen Sonntags hören, werden viele sagen: Ja, interessant, aber das ist doch nichts für mich. Wir leben unser Leben als „normale“ Menschen, gehen zur Schule, machen unsere Ausbildung, gehen unserer Arbeit nach, gründen eine Familie. Und, ja, dabei versuchen wir so gut es eben geht als Christen zu leben, gehen in die Kirche, wenigstens ab und zu, zumindest solange die Kinder noch jung sind, tun hier und da etwas Gutes, bringen uns vielleicht sogar im Gemeindeleben ein.

Aber das, was Jesus verlangt, alles stehen und liegen zu lassen und ein neues Leben anzufangen, das ist doch nur was für Menschen, die ins Kloster gehen, und davon gibt es bekanntlich immer weniger. Wen spricht Jesus mit seinem Ruf zur Nachfolge an? Sicher, er hat nur Zwölf zu Aposteln berufen, aber die Evangelien berichten immer wieder davon, dass es viele sind, die ihm nachfolgen.

Paulus will in seinem Brief an die Korinther die Menschen dafür sensibilisieren, was Nachfolge bedeutet. Dabei kommt er zu dem Schluss, dass es besonders die Beziehung zwischen Mann und Frau ist, die vom Weg der Nachfolge abhält. Wenn zwei Partner eine Familie gründen, dann geht es auch darum, für das Wohl dieser Familie zu sorgen, vielleicht sogar ein Haus zu bauen und die Grundlage dafür legen, dass die Kinder eine gute Zukunft haben.

Das alles erfordert Anstrengung. Für Paulus geht diese Anstrengung aber in die falsche Richtung. Denn das, wofür sich die Menschen da anstrengen, ist vergänglich. Besser wäre es, sich für das Bleibende zu engagieren und ehelos ganz für das Evangelium zu leben, so wie er selbst es getan hat. Aber der Mensch ist auf Beziehung hin angelegt. Wir brauchen einen Partner, mit dem wir unser Leben teilen, möchten Kinder haben und freuen uns daran, Leben weiterzugeben. Ohne Ehe und Kinder würde die Menschheit aussterben.

Ich denke, es kommt darauf an, einen gesunden Mittelweg zu finden. Wir dürfen uns nicht von den Zwängen dieser Welt abhängig machen. Oft kommt es vor, dass sich Menschen verschulden, weil sie ihrer Familie etwas bieten wollen und dann müssen sie umso mehr arbeiten, um diese Schulden wieder abzubezahlen. Sie sind gefangen von den Zwängen des Geldes und setzen damit das Glück ihrer Familie, das sie eigentlich erreichen wollen, aufs Spiel.

Einfach leben, aber überzeugt wäre hier eine Alternative, sich bewusst gegen den Markenkult und den Wettbewerb mit Prestigeobjekten stellen. Es gibt größere Ziele im Leben. Mit weniger materiellen Dingen glücklicher sein. Kein zwanghafter Verzicht, sondern sich freiwillig auf das Wesentliche beschränken. Loslassen können im Vertrauen darauf, dass Gott immer mehr schenkt, als wir selbst geben. Das Vergängliche vom Bleibenden unterscheiden und das letzte Ziel des Lebens nicht aus den Augen verlieren, nicht wegen des materiellen Erfolges die Sehnsucht nach dem wahren Glück vergessen.

Als Christen sollen wir nicht weltfremd sein, sondern das erkennen, worauf es wirklich ankommt. Der Sinn des Lebens besteht nicht darin, ein dickes Bankkonto zu haben, ein großes Haus und ein tolles Auto, christlich leben heißt aber auch nicht, auf alle Errungenschaften der Zivilisation zu verzichten. Christlich leben heißt, meinen Alltag zu meistern, im Beruf und in der Familie. Das zu tun, was notwendig ist, aber immer im Bewusstsein, dass der Gott Jesu Christi mein Leben trägt. Auch für diesen Gott soll es einen Platz geben in meinem Leben, in meinem Alltag, in meinem Beruf, in meiner Familie. Diesen Platz gilt es offen zu halten und dann wird Gott mir auch zeigen, was meine konkrete Berufung ist.

Warten auf den Herrn (1Kor 1)

Ich danke Gott jederzeit euretwegen für die Gnade Gottes, die euch in Christus Jesus geschenkt wurde, dass ihr an allem reich geworden seid in ihm, an aller Rede und aller Erkenntnis. Denn das Zeugnis über Christus wurde bei euch gefestigt, sodass euch keine Gnadengabe fehlt, während ihr auf die Offenbarung Jesu Christi, unseres Herrn, wartet. Er wird euch auch festigen bis ans Ende, sodass ihr schuldlos dasteht am Tag Jesu, unseres Herrn. Treu ist Gott, durch den ihr berufen worden seid zur Gemeinschaft mit seinem Sohn Jesus Christus, unserem Herrn. (1Kor 1,4-9)

Paulus bescheinigt der Gemeinde von Korinth, dass sie reich an Gnadengaben ist. Über diese wird er später im Brief (in den Kapiteln 12-14) noch ausführlich reden. Diese Gnadengaben zeigen die Kraft des Glaubens der Gemeinde. Ihr starker Glaube an Jesus Christus macht die Korinther auch stark im Leben. Diese Stärke ist notwendig, denn immer wieder wird ihr Glaube auf die Probe gestellt.

Wie in anderen Paulusbriefen wird auch hier die starke Betonung der erwarteten Wiederkunft des Herrn deutlich. Die Aussicht, beim Kommen des Herrn mit ihm in ein wunderbares himmlisches Reich erhoben zu werden, hat sicher viele begeistert. Wie eine Klammer umschließt diese Erwartung den ganzen Brief, der mit dem sehnsüchtigen Ruf endet: „Marana tha – Komm Herr Jesus“ (1Kor 16,22b).

Das Leben der Christen ist ein Leben in der Erwartung des wiederkommenden Herrn. Das macht uns besonders die Adventszeit deutlich. Sie ist nicht nur eine Vorbereitung auf das Weihnachtsfest, sondern eine jährliche Einübung in dieses beständige Warten. Warten können, das bedeutet auch Festigung und Treue. Warten ist keine verlorene Zeit, sondern eine erfüllte Zeit, in der das Ziel der Sehnsucht noch klarer wird. Wir warten schon fast 2000 Jahre auf das Kommen des Herrn, aber in dieser Zeit hat Jesus nichts an seiner Faszination verloren.

Auch der Glaube wird in der Zeit des Wartens klarer, nicht nur im Einzelnen, sondern auch in der Kirche. Wenn wir die Kirchengeschichte betrachten, so sehen wir, dass das Glaubensbekenntnis am Anfang noch sehr knapp gehalten war. Im Laufe der Jahrhunderte wurden dann viele neue Glaubenssätze formuliert, die diesen Glauben des Anfangs präzisiert haben. Die Menschen haben sich immer wieder gefragt, wer dieser Jesus Christus ist, wie sein Gott- und Mensch-Sein zusammen gehen, was Erlösung bedeutet. Jede Zeit verlangt auf diese Fragen ihre je eigenen Antworten, die auf dem Fundament des Glaubens der Apostel stehen, aber diesen Glauben mit Worten formulieren, die in der jeweiligen Zeit verständlich sind.

Wie das Glaubensbekenntnis der ganzen Kirche im Lauf der Jahrhunderte immer deutlicher wird, so muss sich auch der Glaube jedes einzelnen Menschen im Laufe seines Lebens wandeln und reifen. Aus einem Kinderglauben entwickelt sich ein erwachsener Glaube, auf manche Fragen des Glaubens findet man erst nach langer Zeit eine Antwort. Den Glauben zu festigen ist Aufgabe jedes Menschen. Der Heilige Geist führt hier den einzelnen und die ganze Kirche immer tiefer in die Wahrheit des Glaubens ein. Das zu erfahren ist ein Geschenk, eine Gnadengabe, um die wir auch immer bitten dürfen.
Warten bedeutet auch Treue. Nur der ist zum Warten bereit, dem etwas an dem liegt, worauf er wartet. In unserer schnelllebigen Zeit fällt es uns vielleicht schwerer, Warten zu können, als früheren Generationen. Wir können uns alles sofort kaufen, was wir wollen, die Shops im Internet haben 24 Stunden geöffnet, die Lieferung erfolgt schnellstmöglich, wenn das Geld nicht reicht, wird ein Kredit angeboten, Sparen und damit warten bis genug Geld da ist, das ist out und auch gar nicht mehr erwünscht. Auch in den Beziehungen mit anderen Menschen haben wir verlernt zu warten. Wenn wir etwas nicht sofort hier und jetzt bekommen, dann besorgen wir es uns eben woanders. Das Angebot ist immens.

Das Warten auf das Kommen des Herrn ist zu allen Zeiten eine Herausforderung. Mit der Zeit haben sich viele Christen daran gewöhnt, dass der Herr so schnell nicht wiederkommt, aber auch das ist keine Lösung. Die Evangelien ermahnen uns dazu, so zu leben, als würde der Herr heute wiederkommen, auch wenn dieses Heute nun seit fast 2000 Jahren nicht eingetreten ist. Aber das bedeutet nicht, dass es nicht heute oder morgen kommen kann. Wir sollen daher stets wachsam sein und bereit für das Kommen des Herrn.

Als Christen leben wir im ständigen Heute. Auch wenn der Herr noch nicht in Herrlichkeit gekommen ist, so ist er doch bleibend unter uns. An unseren Festtagen feiern wir keine vergangenen Ereignisse, sondern wir feiern das, was damals geschehen ist, im Heute. Wenn wir uns auf das Kommen des Herrn vorbereiten, dann soll uns das nicht nur für einen zukünftigen Tag bereit machen, sondern uns seine Gegenwart im Hier und Jetzt schon immer mehr erfahrbar werden lassen.

Jesus ist mitten unter uns, er ist bei jedem Gläubigen und besonders da, wo zwei oder drei in seinem Namen versammelt sind. Jesus ist da mit der Kraft seiner Gnadengaben. Alles, was wir an Gutem tun oder unterlassen, tun wir nicht nur für Menschen, sondern auch für ihn. Martin sieht im Himmel Jesus mit dem Mantel bekleidet, den er dem Bettler geschenkt hat. Jesus ist ihm im Bettler begegnet. In jedem anderen Menschen kann Jesus auch uns begegnen. In unseren guten Werken beschenken wir den Herrn. Was wir jetzt tun, tun wir für die Ewigkeit.

Das macht deutlich, dass der Tag des Herrn bereits da ist. Jetzt entscheidet sich für uns die Ewigkeit. Solange wir leben, haben wir noch die Chance, uns auf diese Ewigkeit vorzubereiten, Schätze zu sammeln für den Himmel. Es kommt der Tag, an dem es diese Möglichkeit nicht mehr gibt, das muss uns immer bewusst sein. Wer meint, es würde ja auch noch reichen, sich morgen zu ändern oder übermorgen … der spielt mit seinem Leben.

Herr, lass uns wachsam sein
und stets das Gute tun
das du für uns vorbereitet hat,
damit wir bereit sind
für den Tag, an dem du Kommst.
Amen.

Marana tha – Unser Herr, komm! (1Kor 16,22b)

Der Ruf „Marana tha“ stammt aus dem Aramäischen und hat sich ebenso wie das aramäische „Amen“ in seiner Grundform von Jerusalem ausgehend in der ganzen Welt verbreitet, ohne in die jeweilige Landessprache übersetzt zu werden. Es handelt sich dabei sowohl um einen sehnsüchtigen Ruf nach dem Kommen des Herrn (Unser Herr, komm!), hat aber auch affirmativen Charakter und bestätigt, dass der Herr kommt (Unser Herr kommt!). Wir begegnen diesem Ruf auch am Ende der Offenbarung des Johannes und spätere Quellen zeigen, dass er in der Liturgie verwendet wurde, wohl um die Gegenwart des Herrn in der Eucharistie anzuzeigen.

Unser Herr, komm! Unser Herr kommt! Unser Herr ist gekommen! Der Ruf birgt in sich die ganze Bandbreite der Gegenwart des Herrn. Jesus ist gekommen als Mensch und hat den Menschen die Liebe Gottes offenbart und in dieser Liebe ist er für das Heil der Menschen in den Tod gegangen. Mit seiner Auferstehung hat er den Weg zum Himmel geöffnet. Dorthin wird er die Seinen zu sich holen, wenn er wiederkommt. Doch Jesus ist auch bleibend gegenwärtig in seiner Kirche, in ganz besonderer Weise in der Eucharistie.

Die Erwartung des Kommens des Herrn und das Bewusstsein seiner bleibenden Gegenwart sind ein zentrale Aspekte christlichen Lebens. Darauf hat Paulus schon zu Beginn des Briefes hingewiesen. Ständig ereignet sich das Kommen des Herrn, ständig müssen wir dafür bereit sein und bei seinem Kommen in Herrlichkeit wird sich alles vollenden. Angesichts dieses Kommens des Herrn verliert alles menschliche Gerangel um Vorrang und Macht an Bedeutung. Wer auf den Herrn schaut, der lernt, in demütiger Liebe als Gottes Kind zu leben.

Was heißt aber: „Marana tha“? Unser Herr kommt. Aus welchem Grund sagt er nun das? Um die Lehre von der Menschwerdung zu bestätigen, worauf er die Lehre von der Auferstehung gegründet hat. Allein nicht bloß darum, sondern auch, um sie zu beschämen, so als wollte er sagen: Unser aller Herr hat sich gewürdigt, so tief herabzusteigen, und ihr bleibt immer dieselben und fahrt fort, zu sündigen! Erstaunt ihr nicht ob diesem Übermaß von Liebe? Bedenkt doch nur dies, will er, sagen, und ihr werdet in aller Tugend voranschreiten und alle Sünden austilgen können. (Johannes Chrysostomus)

Christus – Weltenherrscher (1Kor 15)

Nun aber ist Christus von den Toten auferweckt worden als der Erste der Entschlafenen. (1Kor 15,20)

Paulus macht den Korinthern deutlich, dass Tod und Auferweckung Jesu Christi die Grundlage des Glaubens und die Voraussetzung für das Heil der Menschen sind. Ohne die feste Überzeugung, dass dies geschehen ist, bleibt der Glaube sinn- und kraftlos, die Annahme dieser Tatsache aber verleiht die Kraft, die das Leben verändert. Gott hat die Macht, Tote zum Leben zu erwecken und ein Gott, der diese Macht hat, vermag auch alles andere und wird sich stets für das Heil derer sorgen, die zu ihm gehören.

Da nämlich durch einen Menschen der Tod gekommen ist, kommt durch einen Menschen auch die Auferstehung der Toten. Denn wie in Adam alle sterben, so werden in Christus alle lebendig gemacht werden. (1Kor 15,21-22)

Die biblische Erzählung von Adam als ersten Menschen und vom Sündenfall im Paradies ist allgemein bekannt. Der Sünde Adams folgte die Vertreibung aus dem Paradies mit all den negativen Folgen für den Menschen. Auch im Paradies wäre Adam sterblich gewesen, jedoch hätte der Tod nicht diese zerstörerische Macht gehabt, die ihm in Folge der Sünde zugeschrieben wird. Die Erzählung vom Sündenfall will eine Erklärung dafür geben, wie in einer Welt, die Gott sehr gut geschaffen hat, Sünde, Leid und Tod überhaupt entstehen konnten. Auch wenn wir die biblische Erzählung nicht als Tatsache akzeptieren können, so ist doch die Tatsache unübersehbar, dass der Mensch immer wieder in Sünde fällt und in einer Welt aufwächst, die vom sündigen Verhalten der Menschen gekennzeichnet ist.

Gibt es für den Menschen eine Möglichkeit, der Macht von Leid, Sünde und Tod zu entkommen? Religionen und Philosophien zu allen Zeiten versuchen, dem Menschen eine Antwort auf diese Frage und Wegweisung zu geben. Fernöstliche Religionen sehen in der Meditation einen Weg, sich aus dem Kreislauf der Wiedergeburt zu befreien und schließlich in ein erfülltes Nichts, das Nirwana, einzugehen. Die Juden haben das Gesetz, von dem sie hoffen, dass dessen wörtliche Befolgung sie zu gerechten Menschen macht.

Der Mensch sehnt sich nach Glück und ewigem Leben, aber er kann die Grenze, die der Tod ihm setzt, nicht aus eigener Kraft überwinden und sich nicht selbst aus der Verstrickung der Menschheit in die Sünde befreien. Der Mensch bedarf der Erlösung, er bedarf der Befreiung aus der Macht von Sünde und Tode. Christlicher Glaube bringt die frohe Botschaft, dass Gott in seinem Sohn Jesus Christus die Menschen von Sünde und Tod befreit hat. Gott verlangt keine großartigen spirituellen Leistungen des Menschen, sondern allein den Glauben daran, dass die Erlösung Wirklichkeit geworden ist. In der Taufe setzt der Mensch ein Bekenntnis zu dieser Wirklichkeit und wird zugleich zu einem neuen Menschen, der von Sünde und Tod befreit ist und bereit ist, in das ewige Leben bei Gott hinüberzugehen, wenn die Zeit dafür gekommen ist.

Es gibt aber eine bestimmte Reihenfolge: Erster ist Christus; dann folgen, wenn Christus kommt, alle, die zu ihm gehören. (1Kor 15,23)

Der Gläubige hat durch die Taufe schon Anteil am neuen Leben bei Gott, aber in seinem konkreten Leben bleibt er doch ein normaler Mensch. Er wird sterben, er kann wieder in Sünde fallen. Ist die Befreiung von Sünde und Tod tatsächlich Wirklichkeit geworden oder ist der christliche Glaube nur ein großer Bluff, der den Menschen etwas verspricht, das nicht real ist? Wer kann beweisen, dass das stimmt, was Paulus den Korinthern verkündet hat und was Apostel und Prediger zu allen Zeiten den Menschen verkünden?

Für die Auferstehung Jesu Christi gibt es Zeugen, Paulus selbst gehört zu diesen Zeugen. Paulus selbst hat erfahren, dass Jesus lebt, und auch jeder Gläubige kann diese Erfahrung machen. Wer den Glauben mit fester Überzeugung annimmt, wird erfahren, wie Jesus Christus sein Leben verwandelt. Bereits in dieser Welt gibt der Glaube Kraft und Hoffnung und hat die Macht, Tote lebendig und Kranke gesund zu machen. Das neue Leben Gottes wird also doch bereits in dieser Welt sichtbar.

Und doch gibt es eine gewisse Verzögerung. Die ersten Gläubigen hatten die Hoffnung, dass Jesus bald wiederkommen wird. Nun sind fast zweitausend Jahre vergangen und Jesus ist noch immer nicht gekommen. Das erfordert eine Bewährung des Glaubens, weil er immer wieder mit Zweifel und Anfechtung zu kämpfen hat. Nur Gott weiß, wann der Herr wiederkommen wird. Nur Gott weiß, warum er mit dem Kommen so lange zögert. Die Gläubigen aber sollen wachsam sein und stets bereit, dass dieser Tag überraschend kommen kann.

Wenn Jesus wiederkommt, wird er alle, die zu ihm gehören, in das neue Leben mit ihm führen und er wird der Welt seine Macht offenbaren.

Danach kommt das Ende, wenn er jede Macht, Gewalt und Kraft vernichtet hat und seine Herrschaft Gott, dem Vater, übergibt. Denn er muss herrschen, bis Gott ihm alle Feinde unter die Füße gelegt hat. (1Kor 15,24-25)

Nicht ohne Grund wurde gerade dieser Lesungstext für den Christkönigssonntag ausgewählt. Jesus wird mit Macht wiederkommen als Herrscher und König der Welt. Die Erfahrung des Alltags mag uns etwas anderes zeigen. Wir haben den Eindruck, dass so viele Mächte größer sind als Gott. Wir fühlen uns oft den Kräften dieser Welt schutzlos ausgeliefert. Heute sind es vor allem die bangen Fragen, wie es weitergeht mit dieser Welt angesichts der fortschreitenden Umweltzerstörung, des rapiden Anstiegs der Weltbevölkerung, der zunehmenden Globalisierung und der Bedrohung durch Terrorismus, um nur einige der großen Ängste unserer Zeit zu nennen. Es braucht Menschen, die sich einsetzten für diese Welt, für Gerechtigkeit und Frieden, die den Mächtigen entgegentreten und für die Schwachen eintreten. Es braucht Menschen, die furchtlos den Glauben an Jesus Christus verkünden, Menschen, die überzeugt davon sind, dass Jesus Christus allein Herr der Welt ist und dass er stärker ist als all die Mächte, die unsere Welt bedrohen.

Mit diesem Glauben können wir schon jetzt in der Welt etwas bewirken. Wir sind den Kräften dieser Welt nicht schutzlos ausgeliefert. Wir sind keine Sklaven des Marktes, der Medien, der gottlosen Konsumgesellschaft. Wir können an einer anderen Welt bauen, die diesen Kräften entgegenwirkt, einer Welt, in der Friede und Gerechtigkeit herrschen. Das meint Reich Gottes auf Erden und ist keine Utopie, sondern real möglich, weil Gott es ermöglicht. Vertrauen wir Gott, dass wir mit seiner Kraft schon jetzt den Mächten des Bösen wiederstehen können. Dann werden wir erfahren, wie sie schon jetzt gegen Gottes Macht erliegen, weil sie ihm unterlegen sind. Sie können jetzt noch ihre Macht unter den Menschen verbreiten, die sich ihnen anschließen, die nicht auf Gottes Macht vertrauen, aber sie werden einmal ganz von Gott unterworfen.

Das Bild, das Paulus hier zeichnet, zeigt Jesus Christus als Herrscher der Welt. Der Vater ist es, der ihm alles zu Füßen legt. Der Vater überlässt seinem Sohn die Herrschaft über die Welt. Der Weg zum Vater führt über den Sohn. Wir haben nur über Jesus Christus Zugang zum Vater. Jesus Christus ist es, der die Gläubigen eint und ihnen Kraft gibt. Er wirkt in denen, die ihm vertrauen, zu allen Zeiten seine Wunder und zeigt seine Macht. Jesus Christus ist der König des Gottesvolkes auf Erden. Unter ihm sind alle Gläubigen vereint.

Am Ende der Welt wird Jesus Christus dann alle, die zu ihm gehören, zum Vater führen. Mit Jesus Christus vereint gehen alle Gläubigen zum Vater und werden eins mit ihm. Das ewige Leben wird in Gott sein, eine ewige Schau Gottes, eine tiefe Vereinigung mit ihm. Dann wird allein Gott sein und alle Gläubigen mit ihm.

Der letzte Feind, der entmachtet wird, ist der Tod. Sonst hätte er ihm nicht alles zu Füßen gelegt. Wenn es aber heißt, alles sei unterworfen, ist offenbar der ausgenommen, der ihm alles unterwirft. Wenn ihm dann alles unterworfen ist, wird auch er, der Sohn, sich dem unterwerfen, der ihm alles unterworfen hat, damit Gott herrscht über alles und in allem. (1Kor 15,26-28)

Der Tod wird als letztes entmachtet. Hier auf Erden können die Gläubigen die Erfahrung machen, dass sie mit Jesus Christus alle Mächte des Bösen besiegen können, der Tod aber bleibt für alle hier auf Erden Lebenden eine Grenze. Erst wenn Jesus Christus in Herrlichkeit wiederkommt, wird auch der Tod entmachtet. Dann wird ewiges Leben sein für die, die zu diesem Zeitpunkt noch auf Erden sind und für alle, die bereits verstorben sind. Alle wird der Herr mit sich vereinen und mit ihnen sich mit dem Vater vereinen.

Herr Jesus Christus,
lass mich erkennen, wie du verborgen
regierst als Herrscher der Welt,
so wie du einst bei deinem Tod am Kreuz
über Sünde und Tod triumphiert hast.
Lass mich darauf vertrauen, dass deine Macht
stärker ist als die Mächte dieser Welt,
dass ich mich vor nichts fürchten muss
und du mir immer Kraft gibst.
Herr Jesus Christus,
zeige dich den Gläubigen als Herrscher der Welt
dass wir mutig für dich eintreten
und für die Menschen, die uns anvertraut sind.
Zeige uns, wie dein Name die Welt verändert.
Lass uns schon jetzt in dieser Welt
in deinem Namen siegreich sein
und bei deinem Kommen in Herrlichkeit
mit dir und dem Vater vereint sein in Ewigkeit.
Amen.

Freude im Glauben (1Thess)

Denn wir haben euch das Evangelium nicht nur mit Worten verkündet, sondern auch mit Macht und mit dem Heiligen Geist und mit voller Gewissheit; ihr wisst selbst, wie wir bei euch aufgetreten sind, um euch zu gewinnen. (1Thess 1,5)

Können wir den Worten des Paulus wirklich glauben? So haben sicher einige in Thessalonich gefragt. Was ist der Beweis dafür, dass er von der Wahrheit Zeugnis gibt? Wenn Paulus nur mit Worten den Glauben verkündet hätte, dann wäre sein Zeugnis angreifbar gewesen. Er aber hat den Glauben auch mit Macht und Heiligen Geist verkündet. So wurde die Kraft des Glaubens erfahrbar und was das bedeutet, ist den Thessalonichern sicher noch lebhaft in Erinnerung. Paulus wird hier nicht konkret, aber wir können uns vorstellen, dass Paulus vielleicht ein Heilungswunder gewirkt hat, einen Besessenen befreit hat oder einem verzweifelten Menschen Mut gemacht hat.

Glaube bedeutet mehr als fromme Worte. Wer mit voller Gewissheit glaubt, vermag alles, wie es Jesus verheißen hat. Wir staunen heute über die vielen Wunder, die Jesus gewirkt hat. Wir stellen uns immer vor, dass ein Wunder etwas besonders Außergewöhnliches wäre. Vielleicht haben wir verlernt, die kleinen Wunder zu sehen. Auch heute geschehen Heilungen, wenn Menschen auf überraschende Weise physisch und psychisch wieder gesund werden. Ein kleines Wunder ist es auch, wenn jemand in einer ausweglos scheinenden Situation unerwartet Hilfe erfährt oder plötzlich das geschenkt bekommt, was gerade besonders wichtig ist.

Glaube zeigt sich darin, dass wir mit der Zuversicht der Kinder Gottes in die Zukunft blicken, im festen Vertrauen darauf, dass Gott stets für uns sorgt und uns alles schenkt, was notwendig ist. Das sind Kraft und Freude des Glaubens, von denen Paulus schreibt. Menschen, die aus einem solchen Glauben leben, können auch andere begeistern. Es spricht sich herum, wenn jemand auf Grund seiner Zuversicht auch anderen eine Perspektive eröffnet hat. Solche Menschen sind auch heute gefragt, Menschen, die nicht um sich selbst kreisen, sondern offen sind für Gott und die so Gottes Segen an andere weiterleiten, Menschen, die anderen Mut machen, nicht nur mit Worten, sondern gerade dadurch, dass sie Gottes Gegenwart erfahrbar werden lassen.

Und ihr seid unserem Beispiel gefolgt und dem des Herrn; ihr habt das Wort trotz großer Bedrängnis mit der Freude aufgenommen, die der Heilige Geist gibt. (1Thess 1,6)

Die Thessalonicher haben diese Freude im Glauben, die allein der Heilige Geist schenken kann. Sie sind erst vor kurzem zum Glauben gekommen, aber schon redet man darüber, wie lebendig sich ihr Glaube erweist. Sie bleiben ihrem Glauben treu, auch in der Bedrängnis. Sie bleiben stark, auch wenn sie bei ihren Mitbürgern auf Unverständnis und Ablehnung stoßen. Sie haben eine Kraft entdeckt, die ihr Leben verändert hat und die sie nicht mehr aufgeben wollen.

Von außen betrachtet mögen sie ihren Mitbürgern wie weltfremde Phantasten erschienen sein, ihre Freude wie ein Luftgespinst. Doch wer bereit war, tiefer zu blicken, konnte das feste Fundament entdecken, auf dem sie stehen. Wer sich ihnen anschloss, konnte selbst erfahren, dass der Glaube an diesen Jesus trägt, und die unerschütterliche Zuversicht der Gläubigen wirklich auf festem Grund steht.

Komm Heiliger Geist,
du Geist der Freude und der Zuversicht.
Herr, lass mich Licht sehen,
wo andere nur Finsternis erblicken.
Lass mich den Mut finden zu reden,
wo andere angstvoll schweigen.
Lass mich Freude bringen,
wo andere betrübt sind.
Lass mich voll Zuversicht sein,
wo andere verzweifeln.
Zeige mir den Weg,
wo alles ausweglos erscheint.
Komm Heiliger Geist,
wirke du in mir,
dass du durch mich für andere erfahrbar wirst,
dass die Welt deine Kraft entdeckt
und immer mehr Menschen erfüllt werden
von der Freude und Zuversicht, die du schenkst.
Amen.

Von Gott erwählt (1Thess)

Wir wissen, von Gott geliebte Brüder, dass ihr erwählt seid. (1Thess 1,4)

Dieser Satz ist eine Erklärung des Status der Thessalonicher. Sie sind von Gott Geliebte und Erwählte. Es ist eine Zusage, die den Glauben der Gemeinde festigen soll. Sie haben voller Begeisterung auf die Predigt des Paulus hin den Glauben an Jesus Christus angenommen. Doch Paulus musste Thessalonich überstürzt verlassen und das zarte Pflänzchen der jungen Gemeinde sich selbst überlassen. Die jungen Christen blieben allein mit ihren Fragen und vielleicht auch Zweifeln, ob man den Worten des Paulus wirklich Glauben schenken kann und ob das wirklich zuverlässig ist, was er über diesen Jesus erzählt hat. Sie blieben allein inmitten einer Umwelt, die die neue Religion und das veränderte Verhalten ihrer Mitbürger zunehmend kritisch betrachtete.

Wir wissen, dass ihr erwählt seid.

Die jungen Christen in Thessalonich haben sich Paulus angeschlossen, weil sie auf der Suche waren, auf der Suche nach dem Sinn des Lebens, nach Glück, nach Erfüllung, die sie in der bestehenden Gesellschaft und ihren Religionen nicht fanden. Sie gleichen damit vielen Menschen unserer Zeit, die auch auf der Suche sind. Heute wenden sich dabei viele alternativen Strömungen oder fernöstlichen Lehren zu, die versprechen, anders zu sein als der Mainstream, die Anleitungen geben zu einem bewussten und verantwortungsvollen Leben in einer Welt, in der scheinbar niemand eine Verantwortung übernehmen will für das, was geschieht, für Umweltzerstörung und soziale Ungerechtigkeit, für Kriege und Ausbeutung.

Zur Zeit des Paulus war das Christentum in der vielgestaltigen Gesellschaft des Römischen Reiches so etwas wie eine Alternative zum Mainstream. Auch damals war die Gesellschaft gekennzeichnet von Konsumgenuss und Profitstreben, von sozialer Ungerechtigkeit und dem Wettstreit verschiedener Kulturen und Weltanschauungen. Das Christentum zeigte dabei im Glauben an Jesus Christus einen Sinn auf, der dem Leben Erfüllung versprach in dieser Welt und in einer zukünftigen das ewige Leben. Auch die gelebte Gerechtigkeit, die in der Gemeinde soziale Schranken überwand und den Armen und Schwachen Unterstützung bot, war für viele attraktiv. Wer damals Christ wurde, musste aber auch damit rechnen, von anderen angefeindet zu werden, eben weil die Christen sich vom Mainstream unterschieden haben.

Wir wissen, dass ihr erwählt seid.

Der Glaube an Jesus Christus verspricht Erlösung, die Befreiung von Sünden, ein ewiges Leben bei Gott. Gott, der die Welt erschaffen hat, hat seinen Sohn gesandt, um alle Menschen zur Gemeinschaft mit sich zu rufen. Wer an Jesus Christus glaubt und durch die Taufe der Gemeinde beitritt, hat ein neues Leben, ein Leben, das geprägt ist von der Gemeinschaft mit dem Gott, der die Welt erschaffen hat und sie in seinen Händen hält und der will, dass die Menschen voll Liebe zueinander in Frieden und Gerechtigkeit auf dieser Welt leben. Die christliche Gemeinde soll daher eine Gemeinschaft sein, in der alle füreinander Sorge tragen und soziale Unterschiede keine Geltung mehr haben.

Diese Vision begeistert. Ich bin von Gott geliebt. Ich bin von Gott erwählt. Das kann jeder Getaufte von sich sagen. Aber wo finden wir heute diese Begeisterung? Die Kirche scheint oft alt und verstaubt zu sein, ein Relikt früherer Zeiten, ihre Gebäude ein Kulturgut, aber kein Zeugnis mehr für Lebendigkeit und Hoffnung. Und vor allem auch keine Alternative, die in der heutigen Gesellschaft attraktiv wäre. Man kann viele Gründe suchen, warum das so ist. Doch es ist müßig, früheren Generationen oder der „Amtskirche“ die Schuld daran zu geben. Es kommt darauf an, was wir heute aus der Kirche machen. Jeder von uns Getauften ist ein von Gott Geliebter, von Gott Erwählter und dazu berufen, Zeugnis zu geben von Gottes Liebe und von der Erwählung, die Gott schenkt.

Wir wissen, dass ihr erwählt seid.

Eines sollte uns dabei immer bewusst bleiben: Wir brauchen nicht woanders zu suchen, nicht bei moderner Esoterik, fernöstlichen Religionen oder alternativen Lehren. Wir sind vielmehr dazu berufen, die Fülle neu zu entdecken, die im Glauben an Jesus Christus verborgen ist, die Schätze zu heben, die über die Jahrhunderte verloren gegangen sind, den Staub der Geschichte zu entfernen und neu den Kern der Botschaft Jesu Christi zum Glänzen zu bringen. Der Glaube an Jesus Christus muss in jeder Generation neu mit Leben erfüllt werden. die Ausdrucksweisen früherer Zeiten taugen nicht immer auch für die Gegenwart. Die Mitte des Glaubens, Jesus Christus und sein Wort, bleiben, seine Kirche bleibt, aber wir dürfen immer wieder neue Formen finden, wie wir Kirche leben, wie wir Jesu Worte verkünden.

Wenn wir sagen, dass wir erwählt sind und dies auch mit unserem Leben glaubhaft zeigen, so ist das Ausdruck einer tiefen Überzeugung, die nicht verwechselt werden darf mit einem blinden religiösen Fanatismus. Gelebter Glaube ist immer machtvoll, aber nie gewalttätig. Glaube erweist sich machtvoll, wenn es darum geht, für die Schwachen einzutreten und sich dem Bösen in den Weg zu stellen. Dabei stellt sich aber nicht der Einzelne in den Vordergrund, sondern er lässt Raum für Gottes Wirken. Jesus selbst hat gezeigt, wie das Bewusstsein der Erwählung ohne Überheblichkeit zu leben ist. Er hat sein Wort deutlich verkündet und hat Menschen geheilt, auch auf das Risiko hin, dafür in den Tod zu gehen.

Jesus ist kein Mann ferner Zeiten, er ist Gottes Sohn, der zu allen Zeiten seiner Kirche nahe ist. Er ist immer da, wo Menschen in seinem Namen den Glauben verkünden und für andere eintreten. er wirkt seine Wunder auch heute noch durch Menschen, die fest und unerschrocken an ihn glauben, die sich ihrer Erwählung bewusst sind und den Mut haben, von Jesus Christus Zeugnis zu geben. Wir dürfen darauf vertrauen, dass er uns auch heute leitet, wenn wir bereit sind, seinen Willen zu tun.