Offenbar mit Christus (Kol 3)

Wenn Christus, unser Leben, offenbar wird, dann werdet auch ihr mit ihm offenbar werden in Herrlichkeit. Darum tötet, was irdisch an euch ist: Unzucht, Unreinheit, Leidenschaft, böse Begierde und die Habsucht, die Götzendienst ist! (Kol 3,4-5)

Christus lebt! Das ist die zentrale Botschaft des Christentums. Wir haben uns wahrscheinlich schon zu sehr an diese Aussage gewöhnt, so dass sie kaum mehr Begeisterung in uns weckt. Aber wir müssen uns immer wieder neu lebendig vor Augen führen, was das bedeutet. Es gibt jemand, der durch den Tod in ein neues Leben hinüber gegangen ist, der uns dann von dieser Welt „jenseits“ des Todes begegnet ist und uns zweifelsfrei versichert hat, dass auch wir zu diesem neuen Leben gelangen können.

Das wird an einem Tag sein, an dem Christus wiederkommt. An dem er vor der Welt offenbar wird, sichtbar, wie er es eine gewisse Zeit lang für seine Jünger gewesen ist. Die ersten Christen haben geglaubt, dass dieser Tag bald sein wird. Jetzt sind schon etwa 2000 Jahre vergangen und noch immer ist dieser Tag nicht eingetreten. Wir wissen nicht, wann er kommen wird, aber wir glauben dennoch daran, dass Jesus uns die Wahrheit gesagt hat. Wenn dann jener Tag kommt, werden diejenigen, die dessen würdig sind, bei Jesus sein. Wie Christus dann vor aller Welt offenbar wird, so werden auch die Gläubigen mit ihm offenbar werden, so dass alle Welt sehen kann, wer zu ihm gehört.

Versuchen wir einmal uns vorzustellen und nachzufühlen, wie es ist, wenn wir plötzlich vor den Augen aller bei Christus stehen. Fühlen wir vielleicht, dass da in uns noch etwas ist, was dem widerspricht? Merken wir, dass jemand, der in Sünde lebt, dieses Platzes nicht würdig ist? Halten wir uns stets diesen Tag vor Augen, an dem wir vor den Augen aller Welt neben Christus stehen werden. Prüfen wir uns jeden Tag, ob wir leben, dass wir dessen würdig sind.

Dabei kommt es nicht allein auf uns an. Wollten wir aus eigener Kraft und Vollkommenheit auf diesen Platz gelangen, dann würden wir es nie erreichen. Christus hat uns rein gemacht und geheiligt. Weil er uns liebt, will er uns in sein Reich holen. Aber doch erwartet er von uns, dass wir unser Leben auf dieses Ereignis hin ausrichten. Jesus lässt sich nicht täuschen, er sieht unser Herz. Im Christentum kommt es nicht auf Äußerlichkeiten an. Heiligkeit beginnt im Herzen und von dort strahlt sie in die Welt.

Herr Jesus,

lass mich stets daran denken

dass du mich geheiligt hast.

Lass mich nie vergessen,

welche Würde du mir geschenkt hast.

Ich will stets so leben,

wie du es mir gezeigt hast.

Hilf du mir dabei

und verzeih mir,

wenn ich schwach geworden bin.

Lass mein Herz rein sein,

dass du darin wohnen kannst

und so durch mein Herz

deine Liebe in die Welt strahlt

als Zeichen deiner Herrlichkeit

sie jetzt schon in der Welt ist

und einmal in ihrer Fülle

offenbar werden wird.

Amen.

Christus auf Welle (Kol 3)

Das Wort Christi wohne mit seinem ganzen Reichtum bei euch. In aller Weisheit belehrt und ermahnt einander! Singt Gott Psalmen, Hymnen und geistliche Lieder in Dankbarkeit in euren Herzen! Alles, was ihr in Wort oder Werk tut, geschehe im Namen Jesu, des Herrn. Dankt Gott, dem Vater, durch ihn! (Kol 3,16-17)

Der Kolosserbrief im Ganzen ist eine Erinnerung der Christen daran, was es heißt, sich ganz auf Christus hin auszurichten und das im täglichen Leben umzusetzen, was mit der Taufe begonnen hat. Mir kam hier das Bild von einem Radio in den Sinn. Wenn ich einen bestimmten Sender suche, muss ich das Radio auf eine ganz bestimmte Frequenz einstellen. Heute geht das meist sehr einfach, weil das Radio per Knopfdruck selbst die Sender sucht. Aber bei manchen Modellen muss man auch heute noch wie früher an einem Knopf drehen und so die einzelnen Frequenzen nach dem gewünschten Sender absuchen. Dabei muss ich ganz genau sein, denn wenn ich nur ein klein wenig zu viel nach links oder rechts drehe ist der Empfang nicht mehr ganz klar und von Rauschen gestört.

Ähnlich will auch der Kolosserbrief, dass die Menschen den Empfang genau auf Jesus Christus einstellen, auf die Botschaft, das Wort, das ihnen verkündet wurde. Nur wenn sie den Sender richtig einstellen, können die Menschen den ganzen Reichtum und die ganze Fülle dieses Wortes empfangen. Haben sie nicht die richtige Frequenz, tritt Rauschen auf, vermischen sich Aberglaube und Irrlehre mit dem Glauben und die christliche Botschaft wird verzerrt. Mit dem Rauschen treten dann neben Jesus Christus andere Dinge. Wird der Empfang zu weit nach rechts gedreht, gewinnt ein immer stärkerer Formalismus an Bedeutung, dann sind Äußerlichkeiten, Riten und Regeln plötzlich wichtiger als der reine Glaube des Herzens. Dreht man zu weit nach links, dann wirft man leicht manche Regeln und Riten, die im Glauben weiterhelfen, über Bord und steuert auf einen allzu freizügigen Umgang mit überlieferten Geboten zu.

Die Mitte ist immer schwer zu finden, aber genau in der Mitte findet man Jesus Christus so wie er ist, findet man die wahre Weisheit, die er uns lehren will. Wir sollen einerseits auf dem Boden der Tradition stehen, andererseits aber auch den Mut haben, unseren ganz persönlichen Weg mit Jesus Christus zu gehen, im festen Vertrauen darauf, dass er uns führt und wir uns nicht an irgendwelche überholten Rituale halten müssen. Jesus schenkt uns die Freiheit des Herzens, die aber zugleich auch die Aufgabe in sich enthält, verantwortungsvoll mit dieser Freiheit umzugehen.

Ein schwieriger Weg, aber wer ihn findet, wir die Kraft des Glaubens spüren, wird befreit und von Gott getragen seinen Weg gehen und Gott aus ganzem Herzen Lob und Dank sagen. Gott will nicht, dass unser Loblied müde und gezwungen über unsere Lippen kommt. Er will, dass wir aus ganzem Herzen singen, weil wir befreit sind und unendlich beschenkt.

Leben aus Gottes Kraft (Kol 2)

Mit Christus wurdet ihr in der Taufe begraben, mit ihm auch auferweckt, durch den Glauben an die Kraft Gottes, der ihn von den Toten auferweckt hat. Ihr wart tot infolge eurer Sünden und euer Fleisch war unbeschnitten; Gott aber hat euch mit Christus zusammen lebendig gemacht und uns alle Sünden vergeben. Er hat den Schuldschein, der gegen uns sprach, durchgestrichen und seine Forderungen, die uns anklagten, aufgehoben. Er hat ihn dadurch getilgt, dass er ihn an das Kreuz geheftet hat. (Kol 2,12-14)

Der Brief an die Kolosser möchte die Gläubigen stärken im Vertrauen auf Jesus Christus. Es scheinen kurze Zeit nach der Entstehung der christlichen Gemeinde fremde Lehrer aufgetreten zu sein, die die Menschen verunsichert haben. Gibt uns der Glaube an Jesus Christus wirklich alles, was wir brauchen? Ist unser Leben „sicher“, wenn wir uns allein auf Christus verlassen?

Seit allen Zeiten suchen die Menschen nach etwas, das ihnen Halt gibt. Wir kennen Talismane, besondere Gebete und Opfer, Beschwörungsformeln und vieles mehr, das diesen Zweck erfüllen soll. Die Menschen wollen sich die Mächte des Schicksals wohlgesonnen machen, damit die im Leben Erfolg haben.

Das Christentum hat von Anfang an solche Praktiken abgelehnt. Sie bringen nichts, sie führen nur in Abhängigkeiten und Zwänge. Zwar mag der einzelne glauben, dass er gerade dann Erfolg hat, wenn er gewisse Praktiken befolgt oder dass Misserfolg auf der Vernachlässigung solcher Praktiken beruht, doch diese subjektive Wahrnehmung hält einer objektiven Überprüfung nicht stand. Es ist aber schwer, den Menschen dies plausibel zu machen. Aus diesem Grund haben selbsternannte Wunderheiler und Scharlatane immer wieder Erfolg und können andere überzeugen, meist mehr zu ihrem eigenen Vorteil als zum Nutzen der anderen.

Das Christentum hatte von Anfang an mit allen möglichen Formen von Aberglauben zu kämpfen. Oft behalten die Neubekehrten etwas von dem, was ihnen aus alter Zeit vertraut war. Solche Gegenstände und Gewohnheiten sind nicht immer so offensichtlich aus der Welt zu schaffen, wie es Bonifatius beispielsweise durch das Fällen der Donar-Eiche praktiziert hat. Vielerorts wurden alte mystische Orte einfach verchristlicht und leider hat man damit nicht immer das alte abergläubische Denken aus den Köpfen der Menschen vertrieben. Selbst manche frommen Christen glauben, dass sie durch eine bestimmte Zahl fester Gebete mehr Hilfe von Gott bekommen, als durch ein im gläubigen Vertrauen auf Gott gesprochenes kurzes persönliches und frei formuliertes Gebet.

Aberglaube ist allgegenwärtig, auch in unserer modernen Zeit. Der Mensch braucht etwas, woran er sich halten kann. Gerade das ist eine der großen Hürden für das Christentum zu allen Zeiten, denn es ist eine Religion, in der sich Gott von den Menschen nicht durch besondere Handlungen und Opfer manipulieren lässt, eine Religion, die sich nicht auf Äußerlichkeiten beschränkt, sondern vielmehr die Reinheit des Herzens fordert. Der Gott der Christen ist ein Gott, der erwartet, dass der Mensch alles vor ihm offenlegt und ganz auf ihn vertraut, weil er sich ganz dem Menschen schenken will und nicht weniger vom Menschen erwartet, als dass dieser sich ebenso vollkommen an ihn ausliefert.

Leider vergessen die meisten Christen diese radikale Seite des Christentums. Hier steht es aber ganz deutlich. In der Taufe werden wir mit Christus begraben, unser altes Leben wird gänzlich ausgelöscht und durch die Teilhabe an der Auferstehung Christi werden wir zu vollkommen neuen Menschen. Wir sind nun Christus ähnlich, sind mit ihm verbunden und dazu berufen, ihm immer ähnlicher zu werden. Wir brauchen keine äußerlichen Zeichen für diesen Glauben, weil wir selbst als Ganzes ein solches Zeichen sind. Das Christentum zeigt sich nicht in einzelnen Symbolen, sondern lebendig und leibhaftig in jedem einzelnen Gläubigen.

Herr Jesus,

lass mich begreifen,

dass ich durch dich zu einem

neuen Menschen geworden bin,

dir ähnlich

und dazu berufen,

dein Bild in der Welt zu sein.

Lass mich leben aus deiner Kraft

und hilf mir,

ganz auf dich zu vertrauen

und mir stets dessen gewiss sein,

dass ich außer dir nichts brauche

in meinem Leben,

dass du mir alles schenkst,

was notwendig ist.

Herr Jesus,

nimm mich mir

und gib mich ganz zu eigen dir.

Amen.

Reich des Lichtes und der Liebe (Kol 1)

Dankt dem Vater mit Freude! Er hat euch fähig gemacht, Anteil zu haben am Los der Heiligen, die im Licht sind. (Kol 1,12)

Was ist die Mitte christlichen Glauben, der Anlass zu höchster Freude und überschwänglichem Dank? Es ist nichts Geringeres als die Tatsache, dass wir schon jetzt zusammen mit den Heiligen leben. Als Gläubige sind wir verbunden mit der Welt des Lichts, in der es keine Schatten gibt, in der Gottes Herrlichkeit sichtbar leuchtet und alles erfüllt, in der alle durchdrungen sind von Gottes Licht und in diesem Licht eins sind mit dem Vater und dem Sohn im Heiligen Geist.

Als Gläubige sind wir bereits hier auf der Erde, wo es neben dem Licht auch Finsternis und Schatten gibt, mit Gottes Reich verbunden. Christus hat das Himmelreich auf die Erde gebracht und spricht davon in seinen Reden und Gleichnissen, um das Kommen dieses Reiches beten wir täglich im Vater Unser. Für dieses Rech lohnt es sich, alles aufzugeben, weil es bedeutungslos ist im Vergleich zu der Fülle, die wir von Gott empfangen.

Er hat uns der Macht der Finsternis entrissen und aufgenommen in das Reich seines geliebten Sohnes. (Kol 1,13)

Der Vater hat uns in das Reich seines Sohnes aufgenommen. Die Finsternis hat keine Macht mehr über uns, weil das Licht stärker ist als die Finsternis. Auch wenn, solange wir noch auf der Erde leben, es neben Gottes Licht auch Schatten gibt, herrscht doch keine vollkommene Finsternis mehr. Es gibt hier auf der Erde keinen Ost, den die Strahlen von Gottes Licht nicht erreichen könnten. An jedem Ort, und mag er uns noch so finster erscheinen, ist auch ein Strahl von Gottes Liebe, der stärker ist als die Finsternis. Seien wir uns stets dessen bewusst, was Gott uns geschenkt hat und danken ihm stets dafür. Wir brauchen nicht weiter zu suchen, wir haben bereits die Fülle empfangen.

Danke, Vater,

dass du dich uns zugewandt hast in deinem Sohn.

Danke Herr Jesus Christus,

dass du für uns Mensch geworden bist

und das Reich deines Vaters

auf die Erde gebracht hast.

Es ist dein Reich,

das Reich des Lichtes und der Liebe,

in dem alle leben,

die bereits vollkommen sind,

zusammen mit denen,

die dir immer ähnlicher werden wollen.

Amen.

Ist Gott für uns, wer ist dann gegen uns? (Röm 8,31)

 Ist Gott für uns, wer ist dann gegen uns? Er hat seinen eigenen Sohn nicht verschont, sondern ihn für uns alle hingegeben – wie sollte er uns mit ihm nicht alles schenken? Wer kann die Auserwählten Gottes anklagen? Gott ist es, der gerecht macht. Wer kann sie verurteilen? Christus Jesus, der gestorben ist, mehr noch: der auferweckt worden ist, sitzt zur Rechten Gottes und tritt für uns ein. Was kann uns scheiden von der Liebe Christi? Bedrängnis oder Not oder Verfolgung, Hunger oder Kälte, Gefahr oder Schwert? In der Schrift steht: Um deinetwillen sind wir den ganzen Tag dem Tod ausgesetzt; wir werden behandelt wie Schafe, die man zum Schlachten bestimmt hat. Doch all das überwinden wir durch den, der uns geliebt hat. (Röm 8,31-37)

Diese Worte des Paulus sind eine Fanfare der Zuversicht, des Vertrauens auf einen Gott, der die Menschen unbeschreiblich liebt. Wer an diesen Gott glaubt, wer sich auf ihn einlässt, sich auf ihn verlässt, ihm sein Leben anvertraut, dem kann nichts schaden. Das Leben mit diesem Gott wird zwar kein einfaches Leben, aber ein erfülltes Leben sein.

Zeichen der Hingabe an Gott sind für mich die geöffneten Hände, die ich diesem Gott entgegenstrecke. Nicht so sehr die gefalteten Hände. Wer seine Hände faltet und Gott entgegenstreckt, der bittet ihn um etwas, ja fordert vielleicht sogar von Gott etwas ein. Darin sehe ich einen gewissen Zwang, wenn ich Gott bestürme, um etwas Bestimmtes zu erhalten.

Die geöffneten Hände sind für mich ein Zeichen der Zuversicht. Ich vertraue mich Gott an, weil ich weiß, dass das, was er mir schenkt, besser für mich ist, als das, was ich selbst erhalten möchte. Ich will Gott nicht in eine bestimmte Richtung lenken, sondern lasse mich von ihm leiten, wohin er will, bin bereit für die Überraschungen, die er mir schickt.

Um zu dieser Zuversicht zu gelangen, muss ein Mensch erfahren haben, dass es diesen Gott wirklich gibt. Drei Jünger haben diese Erfahrung auf dem Berg der Verklärung gemacht, Paulus wurde diese Erfahrung in seinem Erlebnis auf dem Weg nach Damaskus zuteil. Wenn wir aber zweifeln, wenn wir uns fragen, ob dieser Gott vielleicht doch nur ein Produkt menschlicher Phantasie ist, werden wir nicht zu dieser Zuversicht fähig sein.

Gott ist. Gott existiert. Wer das wirklich ohne Zweifel glaubt, wird mit diesem Glauben nach Jesu Wort Berge versetzen können. Wenn ich jetzt diesen Glauben noch nicht habe, so möchte ich dennoch die Sehnsucht haben, diesen Glauben zu erlangen, die Erfahrung zu machen, dass Gott wirklich existiert, dass er kein Produkt menschlicher Phantasie ist, sondern dass Mensch und Welt die Schöpfung dieses Gottes sind.

Herr, mein Gott,

lass mich Deine Gegenwart erfahren.

Lass mich erkennen,

dass Du da bist,

dass Du lebst,

dass Du nicht das Produkt

der Phantasie des Menschen bist,

sondern dass Du

unser Schöpfer bist.

Ich will mich Dir ganz schenken,

mein Leben

ganz in Deine Hände legen.

Nimm mich Herr,

und mache mit mir

was Du willst.

Herr, denn ich weiß,

so wie Du es willst,

so ist es gut für mich

und weil du für mich bist

vermag nichts und niemand

gegen mich zu sein.

Lass mich stets leben

in dieser Zuversicht,

in der Gewissheit,

dass Du lebst

und mich liebst.

Amen.

Vorbild

Nehmt mich zum Vorbild, wie ich Christus zum Vorbild nehme. (1Kor 11,1)

Vorbilder, gibt es die heute noch?

Wenn wir Kinder und Jugendliche fragen, wen sie sich als Vorbild ausgesucht haben, welche Antworten werden wir bekommen?

Wie viele von ihnen werden einen bestimmten Heiligen nennen, den sie als Vorbild betrachten?

Wer ist für mich Vorbild?

Und eine andere Frage an jeden von uns: lebe ich selbst so, dass ich Vorbild bin?

Vorbilder müssen ansprechend sein.

Wer Vorbild sein will, muss sich selbst auch immer wieder hinterfragen.

Wenn wir Vorbild im Glauben sein wollen, müssen wir uns an dem einzigen Bild orientieren, das uns Gott gegeben hat: seinen Sohn. Er hat uns gezeigt, wie Gott ist.

Jesus Christus, wie ihn uns die Evangelien zeigen, wie ihn uns die Kirche verstehen lehrt, ist das Bild Gottes, an dem wir uns immer wieder neu orientieren müssen.

Das können wir, weil Jesus, der Sohn Gottes, zugleich das vollkommene Bild von einem Menschen ist, einem Menschen, der nach dem Bild Gottes geschaffen ist.

Wir tragen Gottes Bild in uns und sind berufen, dieses Bild rein und heilig zu halten.

Es ist ein hoher Anspruch, der in dem Satz des Paulus steckt. Prüfen wir uns selbst immer wieder und fragen wir in jeder Situation: Was hätte Christus getan? Ist mein Handeln so, dass es für andere nachahmenswert ist? Täuschen wir uns nicht: jede noch so unscheinbare Begebenheit in unserem Leben ist bedeutsam und es gilt immer aufmerksam zu sein. Doch wie oft denken wir: ach, es ist doch nicht so schlimm, wenn ich es mal nicht so wichtig mit diesem oder jenem nehme, das nächste Mal kann ich mir ja wieder mehr Mühe geben. Es erfordert ein ständiges Ringen mit unserer Trägheit, um nicht in eine unchristliche Lauheit zu verfallen, die unser Leben für niemanden nachahmenswert macht.

Darstellung des Herrn

Er, der heiligt, und sie, die geheiligt werden, stammen alle von Einem ab. (Hebr 2,12a)

Der Mensch ist Gott ähnlich, nach dem Abbild Gottes ist er geschaffen, wie es schon im Buch Genesis heißt. Darum KONNTE Gott Mensch werden, weil die Distanz zwischen Gott und Mensch nicht unüberwindbar ist, und darum WOLLTE Gott Mensch werden, weil er sein Bild im gefallenen Menschen wieder erneuern wollte.

Das Buch Genesis spricht von einer intimen Vertrautheit zwischen Gott und Mensch, bevor diese durch die Sünde zerstört wurde. Gott will dem Menschen diese Vertrautheit wieder ermöglichen, indem er selbst in seinem Sohn Mensch wird, um den Menschen zu erlösen.

Erlösung bedeutet die Überwindung der Distanz zwischen Gott und Mensch und die Ermöglichung einer tiefen Vertrautheit. Als Erlöste leben bedeutet, in Vertrautheit mit Gott zu leben und die Sünde zu meiden, die diese Vertrautheit stört. Je mehr wir lernen, in den Versuchungen standzuhalten, umso mehr kann diese Vertrautheit mit Gott wachsen.

Gott selbst hat uns in seinem Sohn diesen Weg gezeigt. Wir haben das Vorbild vieler Heiligen, die diesen Weg gegangen sind. Nur, wenn auch wir lernen, diesen Weg bewusst zu gehen, können wir zu Kindern Gottes werden.

Wir müssen der Versuchung widerstehen, das ist unser Beitrag, Gott selbst aber hat viel mehr getan, um diese Vertrautheit zu ermöglichen. Er ist in seinem Sohn Mensch geworden und hat sich am Kreuz für uns hingegeben. So hat er alles getan, was notwendig war, damit Erlösung möglich werden kann. Wir brauchen uns nur noch in seine Hände zu legen und so leben, wie er es uns gezeigt hat.

Wir hören diese Worte am Fest der Darstellung des Herrn. Lukas zeigt uns im Evangelium Simeon und Hanna, die beide sehnsüchtig das Heil erwartet haben, das nun Wirklichkeit geworden ist. Im göttlichen Kind sieht Simeon das Heil des Menschen. In diesem Kind wird sichtbar, wie Gott den Menschen gewollt hat. In diesem Kind strahlt die Heiligkeit, die Gott und Mensch verbindet.

Werden auch wir nie müde, auf Jesus Christus zu blicken, auf sein Leben und Wort, wie es uns die Heilige Schrift zeigt. Lassen wir uns verwandeln von diesem Blick und schreiten wir so von Heiligkeit zu Heiligkeit, dass Gotts Bild in uns immer mehr erneuert werde.

Die Gestalt dieser Welt vergeht. (1Kor 7,31)

Wenn wir die Texte des heutigen Sonntags hören, werden viele sagen: Ja, interessant, aber das ist doch nichts für mich. Wir leben unser Leben als „normale“ Menschen, gehen zur Schule, machen unsere Ausbildung, gehen unserer Arbeit nach, gründen eine Familie. Und, ja, dabei versuchen wir so gut es eben geht als Christen zu leben, gehen in die Kirche, wenigstens ab und zu, zumindest solange die Kinder noch jung sind, tun hier und da etwas Gutes, bringen uns vielleicht sogar im Gemeindeleben ein.

Aber das, was Jesus verlangt, alles stehen und liegen zu lassen und ein neues Leben anzufangen, das ist doch nur was für Menschen, die ins Kloster gehen, und davon gibt es bekanntlich immer weniger. Wen spricht Jesus mit seinem Ruf zur Nachfolge an? Sicher, er hat nur Zwölf zu Aposteln berufen, aber die Evangelien berichten immer wieder davon, dass es viele sind, die ihm nachfolgen.

Paulus will in seinem Brief an die Korinther die Menschen dafür sensibilisieren, was Nachfolge bedeutet. Dabei kommt er zu dem Schluss, dass es besonders die Beziehung zwischen Mann und Frau ist, die vom Weg der Nachfolge abhält. Wenn zwei Partner eine Familie gründen, dann geht es auch darum, für das Wohl dieser Familie zu sorgen, vielleicht sogar ein Haus zu bauen und die Grundlage dafür legen, dass die Kinder eine gute Zukunft haben.

Das alles erfordert Anstrengung. Für Paulus geht diese Anstrengung aber in die falsche Richtung. Denn das, wofür sich die Menschen da anstrengen, ist vergänglich. Besser wäre es, sich für das Bleibende zu engagieren und ehelos ganz für das Evangelium zu leben, so wie er selbst es getan hat. Aber der Mensch ist auf Beziehung hin angelegt. Wir brauchen einen Partner, mit dem wir unser Leben teilen, möchten Kinder haben und freuen uns daran, Leben weiterzugeben. Ohne Ehe und Kinder würde die Menschheit aussterben.

Ich denke, es kommt darauf an, einen gesunden Mittelweg zu finden. Wir dürfen uns nicht von den Zwängen dieser Welt abhängig machen. Oft kommt es vor, dass sich Menschen verschulden, weil sie ihrer Familie etwas bieten wollen und dann müssen sie umso mehr arbeiten, um diese Schulden wieder abzubezahlen. Sie sind gefangen von den Zwängen des Geldes und setzen damit das Glück ihrer Familie, das sie eigentlich erreichen wollen, aufs Spiel.

Einfach leben, aber überzeugt wäre hier eine Alternative, sich bewusst gegen den Markenkult und den Wettbewerb mit Prestigeobjekten stellen. Es gibt größere Ziele im Leben. Mit weniger materiellen Dingen glücklicher sein. Kein zwanghafter Verzicht, sondern sich freiwillig auf das Wesentliche beschränken. Loslassen können im Vertrauen darauf, dass Gott immer mehr schenkt, als wir selbst geben. Das Vergängliche vom Bleibenden unterscheiden und das letzte Ziel des Lebens nicht aus den Augen verlieren, nicht wegen des materiellen Erfolges die Sehnsucht nach dem wahren Glück vergessen.

Als Christen sollen wir nicht weltfremd sein, sondern das erkennen, worauf es wirklich ankommt. Der Sinn des Lebens besteht nicht darin, ein dickes Bankkonto zu haben, ein großes Haus und ein tolles Auto, christlich leben heißt aber auch nicht, auf alle Errungenschaften der Zivilisation zu verzichten. Christlich leben heißt, meinen Alltag zu meistern, im Beruf und in der Familie. Das zu tun, was notwendig ist, aber immer im Bewusstsein, dass der Gott Jesu Christi mein Leben trägt. Auch für diesen Gott soll es einen Platz geben in meinem Leben, in meinem Alltag, in meinem Beruf, in meiner Familie. Diesen Platz gilt es offen zu halten und dann wird Gott mir auch zeigen, was meine konkrete Berufung ist.

Warten auf den Herrn (1Kor 1)

Ich danke Gott jederzeit euretwegen für die Gnade Gottes, die euch in Christus Jesus geschenkt wurde, dass ihr an allem reich geworden seid in ihm, an aller Rede und aller Erkenntnis. Denn das Zeugnis über Christus wurde bei euch gefestigt, sodass euch keine Gnadengabe fehlt, während ihr auf die Offenbarung Jesu Christi, unseres Herrn, wartet. Er wird euch auch festigen bis ans Ende, sodass ihr schuldlos dasteht am Tag Jesu, unseres Herrn. Treu ist Gott, durch den ihr berufen worden seid zur Gemeinschaft mit seinem Sohn Jesus Christus, unserem Herrn. (1Kor 1,4-9)

Paulus bescheinigt der Gemeinde von Korinth, dass sie reich an Gnadengaben ist. Über diese wird er später im Brief (in den Kapiteln 12-14) noch ausführlich reden. Diese Gnadengaben zeigen die Kraft des Glaubens der Gemeinde. Ihr starker Glaube an Jesus Christus macht die Korinther auch stark im Leben. Diese Stärke ist notwendig, denn immer wieder wird ihr Glaube auf die Probe gestellt.

Wie in anderen Paulusbriefen wird auch hier die starke Betonung der erwarteten Wiederkunft des Herrn deutlich. Die Aussicht, beim Kommen des Herrn mit ihm in ein wunderbares himmlisches Reich erhoben zu werden, hat sicher viele begeistert. Wie eine Klammer umschließt diese Erwartung den ganzen Brief, der mit dem sehnsüchtigen Ruf endet: „Marana tha – Komm Herr Jesus“ (1Kor 16,22b).

Das Leben der Christen ist ein Leben in der Erwartung des wiederkommenden Herrn. Das macht uns besonders die Adventszeit deutlich. Sie ist nicht nur eine Vorbereitung auf das Weihnachtsfest, sondern eine jährliche Einübung in dieses beständige Warten. Warten können, das bedeutet auch Festigung und Treue. Warten ist keine verlorene Zeit, sondern eine erfüllte Zeit, in der das Ziel der Sehnsucht noch klarer wird. Wir warten schon fast 2000 Jahre auf das Kommen des Herrn, aber in dieser Zeit hat Jesus nichts an seiner Faszination verloren.

Auch der Glaube wird in der Zeit des Wartens klarer, nicht nur im Einzelnen, sondern auch in der Kirche. Wenn wir die Kirchengeschichte betrachten, so sehen wir, dass das Glaubensbekenntnis am Anfang noch sehr knapp gehalten war. Im Laufe der Jahrhunderte wurden dann viele neue Glaubenssätze formuliert, die diesen Glauben des Anfangs präzisiert haben. Die Menschen haben sich immer wieder gefragt, wer dieser Jesus Christus ist, wie sein Gott- und Mensch-Sein zusammen gehen, was Erlösung bedeutet. Jede Zeit verlangt auf diese Fragen ihre je eigenen Antworten, die auf dem Fundament des Glaubens der Apostel stehen, aber diesen Glauben mit Worten formulieren, die in der jeweiligen Zeit verständlich sind.

Wie das Glaubensbekenntnis der ganzen Kirche im Lauf der Jahrhunderte immer deutlicher wird, so muss sich auch der Glaube jedes einzelnen Menschen im Laufe seines Lebens wandeln und reifen. Aus einem Kinderglauben entwickelt sich ein erwachsener Glaube, auf manche Fragen des Glaubens findet man erst nach langer Zeit eine Antwort. Den Glauben zu festigen ist Aufgabe jedes Menschen. Der Heilige Geist führt hier den einzelnen und die ganze Kirche immer tiefer in die Wahrheit des Glaubens ein. Das zu erfahren ist ein Geschenk, eine Gnadengabe, um die wir auch immer bitten dürfen.
Warten bedeutet auch Treue. Nur der ist zum Warten bereit, dem etwas an dem liegt, worauf er wartet. In unserer schnelllebigen Zeit fällt es uns vielleicht schwerer, Warten zu können, als früheren Generationen. Wir können uns alles sofort kaufen, was wir wollen, die Shops im Internet haben 24 Stunden geöffnet, die Lieferung erfolgt schnellstmöglich, wenn das Geld nicht reicht, wird ein Kredit angeboten, Sparen und damit warten bis genug Geld da ist, das ist out und auch gar nicht mehr erwünscht. Auch in den Beziehungen mit anderen Menschen haben wir verlernt zu warten. Wenn wir etwas nicht sofort hier und jetzt bekommen, dann besorgen wir es uns eben woanders. Das Angebot ist immens.

Das Warten auf das Kommen des Herrn ist zu allen Zeiten eine Herausforderung. Mit der Zeit haben sich viele Christen daran gewöhnt, dass der Herr so schnell nicht wiederkommt, aber auch das ist keine Lösung. Die Evangelien ermahnen uns dazu, so zu leben, als würde der Herr heute wiederkommen, auch wenn dieses Heute nun seit fast 2000 Jahren nicht eingetreten ist. Aber das bedeutet nicht, dass es nicht heute oder morgen kommen kann. Wir sollen daher stets wachsam sein und bereit für das Kommen des Herrn.

Als Christen leben wir im ständigen Heute. Auch wenn der Herr noch nicht in Herrlichkeit gekommen ist, so ist er doch bleibend unter uns. An unseren Festtagen feiern wir keine vergangenen Ereignisse, sondern wir feiern das, was damals geschehen ist, im Heute. Wenn wir uns auf das Kommen des Herrn vorbereiten, dann soll uns das nicht nur für einen zukünftigen Tag bereit machen, sondern uns seine Gegenwart im Hier und Jetzt schon immer mehr erfahrbar werden lassen.

Jesus ist mitten unter uns, er ist bei jedem Gläubigen und besonders da, wo zwei oder drei in seinem Namen versammelt sind. Jesus ist da mit der Kraft seiner Gnadengaben. Alles, was wir an Gutem tun oder unterlassen, tun wir nicht nur für Menschen, sondern auch für ihn. Martin sieht im Himmel Jesus mit dem Mantel bekleidet, den er dem Bettler geschenkt hat. Jesus ist ihm im Bettler begegnet. In jedem anderen Menschen kann Jesus auch uns begegnen. In unseren guten Werken beschenken wir den Herrn. Was wir jetzt tun, tun wir für die Ewigkeit.

Das macht deutlich, dass der Tag des Herrn bereits da ist. Jetzt entscheidet sich für uns die Ewigkeit. Solange wir leben, haben wir noch die Chance, uns auf diese Ewigkeit vorzubereiten, Schätze zu sammeln für den Himmel. Es kommt der Tag, an dem es diese Möglichkeit nicht mehr gibt, das muss uns immer bewusst sein. Wer meint, es würde ja auch noch reichen, sich morgen zu ändern oder übermorgen … der spielt mit seinem Leben.

Herr, lass uns wachsam sein
und stets das Gute tun
das du für uns vorbereitet hat,
damit wir bereit sind
für den Tag, an dem du Kommst.
Amen.