Gerechtigkeit (1Tim)

Mein Herr und mein Gott,
lass mich die Welt sehen mit dem Blick deiner Gerechtigkeit, der ein Blick der Liebe ist.
Heile mein Herz von Hass, Eigensucht und dem Streben, über andere Macht zu haben.
Nicht mein Bild will ich anderen aufdrücken, sondern jeden Menschen so sehen, wie er ist.
Ich will erkennen, dass jeder Mensch seine ganz besonderen Fähigkeiten hat, denn obwohl es Millionen Menschen auf der Erde gibt, ist doch jeder Mensch etwas ganz Besonderes.
Vielleicht bedeutet Gerechtigkeit, dass jeder Mensch die Möglichkeit bekommt, gemäß der Fähigkeiten zu leben, die du in ihm grundgelegt hast.
Berufe Menschen, die andere fördern und sie vor der Macht derer bewahren, die sie nur zu ihrem eigenen Vorteil benutzen wollen.
Lass deine Gerechtigkeit blühen in der Welt und in jedem Menschen, damit die Menschen nicht einander unterdrücken und bekämpfen, sondern dass die Welt hell und bunt bleibt von der Vielfalt, die du uns Menschen geschenkt hast.
Amen.

Gottes Licht (1Tim)

Das Licht der Herrlichkeit scheint mitten in der Nacht. Wer kann es sehen? Ein Herz, das Augen hat und wacht. (Angelus Silesius)

Mein Herr und mein Gott
du König der Könige
und Herr der Herren
lass mich dich erkennen
nicht nach Menschenart
sondern so, wie du bist,
zumindest so
wie ich es zu fassen vermag
Lass mich nie stehen bleiben
sondern immer tiefer in dich eindringen
dich immer mehr erkennen
denn du bist stets größer
und dein Licht ist stets heller
als ich zu erkennen vermag.

Treue im Glauben (2Tim)

Du aber bleibe bei dem, was du gelernt und wovon du dich überzeugt hast. Du weißt, von wem du es gelernt hast; denn du kennst von Kindheit an die Heiligen Schriften, die dich weise machen können zum Heil durch den Glauben an Christus Jesus. Jede Schrift ist, als von Gott eingegeben, auch nützlich zur Belehrung, zur Widerlegung, zur Besserung, zur Erziehung in der Gerechtigkeit, damit der Mensch Gottes gerüstet ist, ausgerüstet zu jedem guten Werk. (2Tim 3,14-17)

Diese Worte, die Paulus an Timotheus schreibt, lösen in mir positive und negative Empfindungen aus. Zum einen ist das „Bleiben“ bei dem Überlieferten und Gelernten gut und wichtig, zum anderen aber hat jede Zeit, und ich denke besonders auch die heutige mit ihren raschen globalen Veränderungen, ihre ganz eigenen neuen Herausforderungen und Fragen, die wir nicht allein mit den Argumenten aus früheren Zeiten beantworten können.
Die Heiligen Schriften, von denen hier die Rede ist, sind in erster Linie die Schriften des Alten Testaments. Sie weisen hin auf Jesus Christus. Für die ersten Christen war es besonders wichtig zu zeigen, dass Jesus Christus der Messias ist, in dem die Verheißungen der Propheten ihre Erfüllung finden. Wer die Heiligen Schriften studiert, findet in ihnen den Beleg dafür, dass das, was Paulus und die anderen Apostel über Jesus Christus lehren, der Wahrheit entspricht, und er findet in ihnen auch die Argumente dafür, dass die verschiedenen Irrlehrer, sei es aus dem Bereich des Judentums oder der Gnosis, nicht in der Tradition der Wahrheit stehen.
Somit muss das „Bleiben“ in der Tradition nicht unbedingt rückständig sein. Nur wer das Alte gelernt hat, kann dem Neuen begegnen. Es gibt eine Wahrheit, die durch alle Veränderungen der Geschichte hindurch feststeht. Sie zeigt uns den Menschen als von Gott geschaffenes und auf Gott hin ausgerichtetes Wesen und sie zeigt uns Gott als den Menschen zugewandt, so sehr, dass er in Jesus Christus Mensch wird, um uns zu begegnen und uns den Weg zum wahren Menschsein zu zeigen.
Aber wie können wir heute an einen Gott glauben, der den Menschen erschaffen hat? Wir wissen heute, dass die Schöpfungsberichte der Bibel nur Mythen sind. Wir wissen heute, dass die Welt nicht in sechs Tagen erschaffen worden ist, sondern dass es Milliarden von Jahren gedauert hat, bis die Erde zu einem bewohnbaren Planeten geworden ist. Wir wissen, dass die Erde im Universum keinerlei Sonderstellung hat. Wir sind nicht der Mittelpunkt der Welt, wie es bis vor nicht allzu langer Zeit allgemeiner Konsens war. Warum sollte gerade der Mensch, ein kleines Lebewesen auf einem im Nirgendwo eines riesigen Universums gelegenen Planeten solch eine Bedeutung haben, dass er Gottes Ebenbild ist? Und noch drängender die Frage: Gibt es überhaupt so etwas wie einen Gott im Universum?
Können wir solche Fragen einfach wegwischen mit dem Hinweis, dass die Heiligen Schriften es uns doch so lehren, dass es diesen Gott gibt? Nicht allein der Hinweis auf das Alter dieser Schriften ist Beleg für ihren Wahrheitsgehalt. Ich glaube vielmehr, dass es darauf ankommt, diese Schriften immer wieder neu mit Leben zu füllen. Wichtigstes Argument für Gott ist meiner Ansicht nach die Erfahrung jedes Menschen, der sich wirklich auf ein Leben mit Gott einlässt, dass dieser Gott zu allen Zeiten hält, was er verheißen hat. Gott schafft auch heute Leben, schenkt uns erfülltes Leben, wenn wir ihn zum Herrn unseres Lebens machen.
Die Heiligen Schriften, die Überlieferung der Kirche, das Zeugnis der Heiligen, all das zeigt uns den Weg, wie wir Gott finden, ihm begegnen können, wie es uns gelingt, mit ihm zu leben. Wir können glauben, dass Gott nicht existiert und so leben, als gäbe es ihm nicht. Aber wir können auch daran glauben, dass Gott existiert und so leben, dass er der Herr unseres Lebens ist. Nur wer sich auf das Abenteuer des Glaubens einlässt, kann Gott begegnen und die Erfahrung machen, dass es sich lohnt, den Weg mit ihm zu gehen.
Nur wer selbst lernt, Erfahrungen macht und so zu einer Überzeugung kommt, kann anderen Zeugnis geben. Verbinden wir das Alte mit dem Neuen, vor allem machen wir uns selbst auf den Weg mit diesem Gott, damit wir auch heute Zeugnis geben können vom Heil, das dieser Gott den Menschen schenken möchte. Die Zeit drängt und an jeden von uns ist der Aufruf aus dem Zweiten Timotheusbrief gerichtet:

Ich beschwöre dich bei Gott und bei Christus Jesus, dem kommenden Richter der Lebenden und der Toten, bei seinem Erscheinen und bei seinem Reich: Verkünde das Wort, tritt auf, ob gelegen oder ungelegen, überführe, weise zurecht, ermahne, in aller Geduld und Belehrung! (2Tim 4,1-2)

Verloren im Universum
oder geborgen bei Gott?
Für alles offen
oder auf der Suche nach dem einen Weg?
Verirrt
oder von Gott gefunden?
Nur Menschenworte
oder Gottes Wort, das lebendig ist?
Ich will leben
um zu erfahren
ich will erfahren
um Zeugnis zu geben
für das Leben
und den Gott des Lebens.
Amen.

Offenbar mit Christus (Kol 3)

Wenn Christus, unser Leben, offenbar wird, dann werdet auch ihr mit ihm offenbar werden in Herrlichkeit. Darum tötet, was irdisch an euch ist: Unzucht, Unreinheit, Leidenschaft, böse Begierde und die Habsucht, die Götzendienst ist! (Kol 3,4-5)

Christus lebt! Das ist die zentrale Botschaft des Christentums. Wir haben uns wahrscheinlich schon zu sehr an diese Aussage gewöhnt, so dass sie kaum mehr Begeisterung in uns weckt. Aber wir müssen uns immer wieder neu lebendig vor Augen führen, was das bedeutet. Es gibt jemand, der durch den Tod in ein neues Leben hinüber gegangen ist, der uns dann von dieser Welt „jenseits“ des Todes begegnet ist und uns zweifelsfrei versichert hat, dass auch wir zu diesem neuen Leben gelangen können.

Das wird an einem Tag sein, an dem Christus wiederkommt. An dem er vor der Welt offenbar wird, sichtbar, wie er es eine gewisse Zeit lang für seine Jünger gewesen ist. Die ersten Christen haben geglaubt, dass dieser Tag bald sein wird. Jetzt sind schon etwa 2000 Jahre vergangen und noch immer ist dieser Tag nicht eingetreten. Wir wissen nicht, wann er kommen wird, aber wir glauben dennoch daran, dass Jesus uns die Wahrheit gesagt hat. Wenn dann jener Tag kommt, werden diejenigen, die dessen würdig sind, bei Jesus sein. Wie Christus dann vor aller Welt offenbar wird, so werden auch die Gläubigen mit ihm offenbar werden, so dass alle Welt sehen kann, wer zu ihm gehört.

Versuchen wir einmal uns vorzustellen und nachzufühlen, wie es ist, wenn wir plötzlich vor den Augen aller bei Christus stehen. Fühlen wir vielleicht, dass da in uns noch etwas ist, was dem widerspricht? Merken wir, dass jemand, der in Sünde lebt, dieses Platzes nicht würdig ist? Halten wir uns stets diesen Tag vor Augen, an dem wir vor den Augen aller Welt neben Christus stehen werden. Prüfen wir uns jeden Tag, ob wir leben, dass wir dessen würdig sind.

Dabei kommt es nicht allein auf uns an. Wollten wir aus eigener Kraft und Vollkommenheit auf diesen Platz gelangen, dann würden wir es nie erreichen. Christus hat uns rein gemacht und geheiligt. Weil er uns liebt, will er uns in sein Reich holen. Aber doch erwartet er von uns, dass wir unser Leben auf dieses Ereignis hin ausrichten. Jesus lässt sich nicht täuschen, er sieht unser Herz. Im Christentum kommt es nicht auf Äußerlichkeiten an. Heiligkeit beginnt im Herzen und von dort strahlt sie in die Welt.

Herr Jesus,

lass mich stets daran denken

dass du mich geheiligt hast.

Lass mich nie vergessen,

welche Würde du mir geschenkt hast.

Ich will stets so leben,

wie du es mir gezeigt hast.

Hilf du mir dabei

und verzeih mir,

wenn ich schwach geworden bin.

Lass mein Herz rein sein,

dass du darin wohnen kannst

und so durch mein Herz

deine Liebe in die Welt strahlt

als Zeichen deiner Herrlichkeit

sie jetzt schon in der Welt ist

und einmal in ihrer Fülle

offenbar werden wird.

Amen.

Christus auf Welle (Kol 3)

Das Wort Christi wohne mit seinem ganzen Reichtum bei euch. In aller Weisheit belehrt und ermahnt einander! Singt Gott Psalmen, Hymnen und geistliche Lieder in Dankbarkeit in euren Herzen! Alles, was ihr in Wort oder Werk tut, geschehe im Namen Jesu, des Herrn. Dankt Gott, dem Vater, durch ihn! (Kol 3,16-17)

Der Kolosserbrief im Ganzen ist eine Erinnerung der Christen daran, was es heißt, sich ganz auf Christus hin auszurichten und das im täglichen Leben umzusetzen, was mit der Taufe begonnen hat. Mir kam hier das Bild von einem Radio in den Sinn. Wenn ich einen bestimmten Sender suche, muss ich das Radio auf eine ganz bestimmte Frequenz einstellen. Heute geht das meist sehr einfach, weil das Radio per Knopfdruck selbst die Sender sucht. Aber bei manchen Modellen muss man auch heute noch wie früher an einem Knopf drehen und so die einzelnen Frequenzen nach dem gewünschten Sender absuchen. Dabei muss ich ganz genau sein, denn wenn ich nur ein klein wenig zu viel nach links oder rechts drehe ist der Empfang nicht mehr ganz klar und von Rauschen gestört.

Ähnlich will auch der Kolosserbrief, dass die Menschen den Empfang genau auf Jesus Christus einstellen, auf die Botschaft, das Wort, das ihnen verkündet wurde. Nur wenn sie den Sender richtig einstellen, können die Menschen den ganzen Reichtum und die ganze Fülle dieses Wortes empfangen. Haben sie nicht die richtige Frequenz, tritt Rauschen auf, vermischen sich Aberglaube und Irrlehre mit dem Glauben und die christliche Botschaft wird verzerrt. Mit dem Rauschen treten dann neben Jesus Christus andere Dinge. Wird der Empfang zu weit nach rechts gedreht, gewinnt ein immer stärkerer Formalismus an Bedeutung, dann sind Äußerlichkeiten, Riten und Regeln plötzlich wichtiger als der reine Glaube des Herzens. Dreht man zu weit nach links, dann wirft man leicht manche Regeln und Riten, die im Glauben weiterhelfen, über Bord und steuert auf einen allzu freizügigen Umgang mit überlieferten Geboten zu.

Die Mitte ist immer schwer zu finden, aber genau in der Mitte findet man Jesus Christus so wie er ist, findet man die wahre Weisheit, die er uns lehren will. Wir sollen einerseits auf dem Boden der Tradition stehen, andererseits aber auch den Mut haben, unseren ganz persönlichen Weg mit Jesus Christus zu gehen, im festen Vertrauen darauf, dass er uns führt und wir uns nicht an irgendwelche überholten Rituale halten müssen. Jesus schenkt uns die Freiheit des Herzens, die aber zugleich auch die Aufgabe in sich enthält, verantwortungsvoll mit dieser Freiheit umzugehen.

Ein schwieriger Weg, aber wer ihn findet, wir die Kraft des Glaubens spüren, wird befreit und von Gott getragen seinen Weg gehen und Gott aus ganzem Herzen Lob und Dank sagen. Gott will nicht, dass unser Loblied müde und gezwungen über unsere Lippen kommt. Er will, dass wir aus ganzem Herzen singen, weil wir befreit sind und unendlich beschenkt.

Leben aus Gottes Kraft (Kol 2)

Mit Christus wurdet ihr in der Taufe begraben, mit ihm auch auferweckt, durch den Glauben an die Kraft Gottes, der ihn von den Toten auferweckt hat. Ihr wart tot infolge eurer Sünden und euer Fleisch war unbeschnitten; Gott aber hat euch mit Christus zusammen lebendig gemacht und uns alle Sünden vergeben. Er hat den Schuldschein, der gegen uns sprach, durchgestrichen und seine Forderungen, die uns anklagten, aufgehoben. Er hat ihn dadurch getilgt, dass er ihn an das Kreuz geheftet hat. (Kol 2,12-14)

Der Brief an die Kolosser möchte die Gläubigen stärken im Vertrauen auf Jesus Christus. Es scheinen kurze Zeit nach der Entstehung der christlichen Gemeinde fremde Lehrer aufgetreten zu sein, die die Menschen verunsichert haben. Gibt uns der Glaube an Jesus Christus wirklich alles, was wir brauchen? Ist unser Leben „sicher“, wenn wir uns allein auf Christus verlassen?

Seit allen Zeiten suchen die Menschen nach etwas, das ihnen Halt gibt. Wir kennen Talismane, besondere Gebete und Opfer, Beschwörungsformeln und vieles mehr, das diesen Zweck erfüllen soll. Die Menschen wollen sich die Mächte des Schicksals wohlgesonnen machen, damit die im Leben Erfolg haben.

Das Christentum hat von Anfang an solche Praktiken abgelehnt. Sie bringen nichts, sie führen nur in Abhängigkeiten und Zwänge. Zwar mag der einzelne glauben, dass er gerade dann Erfolg hat, wenn er gewisse Praktiken befolgt oder dass Misserfolg auf der Vernachlässigung solcher Praktiken beruht, doch diese subjektive Wahrnehmung hält einer objektiven Überprüfung nicht stand. Es ist aber schwer, den Menschen dies plausibel zu machen. Aus diesem Grund haben selbsternannte Wunderheiler und Scharlatane immer wieder Erfolg und können andere überzeugen, meist mehr zu ihrem eigenen Vorteil als zum Nutzen der anderen.

Das Christentum hatte von Anfang an mit allen möglichen Formen von Aberglauben zu kämpfen. Oft behalten die Neubekehrten etwas von dem, was ihnen aus alter Zeit vertraut war. Solche Gegenstände und Gewohnheiten sind nicht immer so offensichtlich aus der Welt zu schaffen, wie es Bonifatius beispielsweise durch das Fällen der Donar-Eiche praktiziert hat. Vielerorts wurden alte mystische Orte einfach verchristlicht und leider hat man damit nicht immer das alte abergläubische Denken aus den Köpfen der Menschen vertrieben. Selbst manche frommen Christen glauben, dass sie durch eine bestimmte Zahl fester Gebete mehr Hilfe von Gott bekommen, als durch ein im gläubigen Vertrauen auf Gott gesprochenes kurzes persönliches und frei formuliertes Gebet.

Aberglaube ist allgegenwärtig, auch in unserer modernen Zeit. Der Mensch braucht etwas, woran er sich halten kann. Gerade das ist eine der großen Hürden für das Christentum zu allen Zeiten, denn es ist eine Religion, in der sich Gott von den Menschen nicht durch besondere Handlungen und Opfer manipulieren lässt, eine Religion, die sich nicht auf Äußerlichkeiten beschränkt, sondern vielmehr die Reinheit des Herzens fordert. Der Gott der Christen ist ein Gott, der erwartet, dass der Mensch alles vor ihm offenlegt und ganz auf ihn vertraut, weil er sich ganz dem Menschen schenken will und nicht weniger vom Menschen erwartet, als dass dieser sich ebenso vollkommen an ihn ausliefert.

Leider vergessen die meisten Christen diese radikale Seite des Christentums. Hier steht es aber ganz deutlich. In der Taufe werden wir mit Christus begraben, unser altes Leben wird gänzlich ausgelöscht und durch die Teilhabe an der Auferstehung Christi werden wir zu vollkommen neuen Menschen. Wir sind nun Christus ähnlich, sind mit ihm verbunden und dazu berufen, ihm immer ähnlicher zu werden. Wir brauchen keine äußerlichen Zeichen für diesen Glauben, weil wir selbst als Ganzes ein solches Zeichen sind. Das Christentum zeigt sich nicht in einzelnen Symbolen, sondern lebendig und leibhaftig in jedem einzelnen Gläubigen.

Herr Jesus,

lass mich begreifen,

dass ich durch dich zu einem

neuen Menschen geworden bin,

dir ähnlich

und dazu berufen,

dein Bild in der Welt zu sein.

Lass mich leben aus deiner Kraft

und hilf mir,

ganz auf dich zu vertrauen

und mir stets dessen gewiss sein,

dass ich außer dir nichts brauche

in meinem Leben,

dass du mir alles schenkst,

was notwendig ist.

Herr Jesus,

nimm mich mir

und gib mich ganz zu eigen dir.

Amen.

Reich des Lichtes und der Liebe (Kol 1)

Dankt dem Vater mit Freude! Er hat euch fähig gemacht, Anteil zu haben am Los der Heiligen, die im Licht sind. (Kol 1,12)

Was ist die Mitte christlichen Glauben, der Anlass zu höchster Freude und überschwänglichem Dank? Es ist nichts Geringeres als die Tatsache, dass wir schon jetzt zusammen mit den Heiligen leben. Als Gläubige sind wir verbunden mit der Welt des Lichts, in der es keine Schatten gibt, in der Gottes Herrlichkeit sichtbar leuchtet und alles erfüllt, in der alle durchdrungen sind von Gottes Licht und in diesem Licht eins sind mit dem Vater und dem Sohn im Heiligen Geist.

Als Gläubige sind wir bereits hier auf der Erde, wo es neben dem Licht auch Finsternis und Schatten gibt, mit Gottes Reich verbunden. Christus hat das Himmelreich auf die Erde gebracht und spricht davon in seinen Reden und Gleichnissen, um das Kommen dieses Reiches beten wir täglich im Vater Unser. Für dieses Rech lohnt es sich, alles aufzugeben, weil es bedeutungslos ist im Vergleich zu der Fülle, die wir von Gott empfangen.

Er hat uns der Macht der Finsternis entrissen und aufgenommen in das Reich seines geliebten Sohnes. (Kol 1,13)

Der Vater hat uns in das Reich seines Sohnes aufgenommen. Die Finsternis hat keine Macht mehr über uns, weil das Licht stärker ist als die Finsternis. Auch wenn, solange wir noch auf der Erde leben, es neben Gottes Licht auch Schatten gibt, herrscht doch keine vollkommene Finsternis mehr. Es gibt hier auf der Erde keinen Ost, den die Strahlen von Gottes Licht nicht erreichen könnten. An jedem Ort, und mag er uns noch so finster erscheinen, ist auch ein Strahl von Gottes Liebe, der stärker ist als die Finsternis. Seien wir uns stets dessen bewusst, was Gott uns geschenkt hat und danken ihm stets dafür. Wir brauchen nicht weiter zu suchen, wir haben bereits die Fülle empfangen.

Danke, Vater,

dass du dich uns zugewandt hast in deinem Sohn.

Danke Herr Jesus Christus,

dass du für uns Mensch geworden bist

und das Reich deines Vaters

auf die Erde gebracht hast.

Es ist dein Reich,

das Reich des Lichtes und der Liebe,

in dem alle leben,

die bereits vollkommen sind,

zusammen mit denen,

die dir immer ähnlicher werden wollen.

Amen.

Ist Gott für uns, wer ist dann gegen uns? (Röm 8,31)

 Ist Gott für uns, wer ist dann gegen uns? Er hat seinen eigenen Sohn nicht verschont, sondern ihn für uns alle hingegeben – wie sollte er uns mit ihm nicht alles schenken? Wer kann die Auserwählten Gottes anklagen? Gott ist es, der gerecht macht. Wer kann sie verurteilen? Christus Jesus, der gestorben ist, mehr noch: der auferweckt worden ist, sitzt zur Rechten Gottes und tritt für uns ein. Was kann uns scheiden von der Liebe Christi? Bedrängnis oder Not oder Verfolgung, Hunger oder Kälte, Gefahr oder Schwert? In der Schrift steht: Um deinetwillen sind wir den ganzen Tag dem Tod ausgesetzt; wir werden behandelt wie Schafe, die man zum Schlachten bestimmt hat. Doch all das überwinden wir durch den, der uns geliebt hat. (Röm 8,31-37)

Diese Worte des Paulus sind eine Fanfare der Zuversicht, des Vertrauens auf einen Gott, der die Menschen unbeschreiblich liebt. Wer an diesen Gott glaubt, wer sich auf ihn einlässt, sich auf ihn verlässt, ihm sein Leben anvertraut, dem kann nichts schaden. Das Leben mit diesem Gott wird zwar kein einfaches Leben, aber ein erfülltes Leben sein.

Zeichen der Hingabe an Gott sind für mich die geöffneten Hände, die ich diesem Gott entgegenstrecke. Nicht so sehr die gefalteten Hände. Wer seine Hände faltet und Gott entgegenstreckt, der bittet ihn um etwas, ja fordert vielleicht sogar von Gott etwas ein. Darin sehe ich einen gewissen Zwang, wenn ich Gott bestürme, um etwas Bestimmtes zu erhalten.

Die geöffneten Hände sind für mich ein Zeichen der Zuversicht. Ich vertraue mich Gott an, weil ich weiß, dass das, was er mir schenkt, besser für mich ist, als das, was ich selbst erhalten möchte. Ich will Gott nicht in eine bestimmte Richtung lenken, sondern lasse mich von ihm leiten, wohin er will, bin bereit für die Überraschungen, die er mir schickt.

Um zu dieser Zuversicht zu gelangen, muss ein Mensch erfahren haben, dass es diesen Gott wirklich gibt. Drei Jünger haben diese Erfahrung auf dem Berg der Verklärung gemacht, Paulus wurde diese Erfahrung in seinem Erlebnis auf dem Weg nach Damaskus zuteil. Wenn wir aber zweifeln, wenn wir uns fragen, ob dieser Gott vielleicht doch nur ein Produkt menschlicher Phantasie ist, werden wir nicht zu dieser Zuversicht fähig sein.

Gott ist. Gott existiert. Wer das wirklich ohne Zweifel glaubt, wird mit diesem Glauben nach Jesu Wort Berge versetzen können. Wenn ich jetzt diesen Glauben noch nicht habe, so möchte ich dennoch die Sehnsucht haben, diesen Glauben zu erlangen, die Erfahrung zu machen, dass Gott wirklich existiert, dass er kein Produkt menschlicher Phantasie ist, sondern dass Mensch und Welt die Schöpfung dieses Gottes sind.

Herr, mein Gott,

lass mich Deine Gegenwart erfahren.

Lass mich erkennen,

dass Du da bist,

dass Du lebst,

dass Du nicht das Produkt

der Phantasie des Menschen bist,

sondern dass Du

unser Schöpfer bist.

Ich will mich Dir ganz schenken,

mein Leben

ganz in Deine Hände legen.

Nimm mich Herr,

und mache mit mir

was Du willst.

Herr, denn ich weiß,

so wie Du es willst,

so ist es gut für mich

und weil du für mich bist

vermag nichts und niemand

gegen mich zu sein.

Lass mich stets leben

in dieser Zuversicht,

in der Gewissheit,

dass Du lebst

und mich liebst.

Amen.

Vorbild

Nehmt mich zum Vorbild, wie ich Christus zum Vorbild nehme. (1Kor 11,1)

Vorbilder, gibt es die heute noch?

Wenn wir Kinder und Jugendliche fragen, wen sie sich als Vorbild ausgesucht haben, welche Antworten werden wir bekommen?

Wie viele von ihnen werden einen bestimmten Heiligen nennen, den sie als Vorbild betrachten?

Wer ist für mich Vorbild?

Und eine andere Frage an jeden von uns: lebe ich selbst so, dass ich Vorbild bin?

Vorbilder müssen ansprechend sein.

Wer Vorbild sein will, muss sich selbst auch immer wieder hinterfragen.

Wenn wir Vorbild im Glauben sein wollen, müssen wir uns an dem einzigen Bild orientieren, das uns Gott gegeben hat: seinen Sohn. Er hat uns gezeigt, wie Gott ist.

Jesus Christus, wie ihn uns die Evangelien zeigen, wie ihn uns die Kirche verstehen lehrt, ist das Bild Gottes, an dem wir uns immer wieder neu orientieren müssen.

Das können wir, weil Jesus, der Sohn Gottes, zugleich das vollkommene Bild von einem Menschen ist, einem Menschen, der nach dem Bild Gottes geschaffen ist.

Wir tragen Gottes Bild in uns und sind berufen, dieses Bild rein und heilig zu halten.

Es ist ein hoher Anspruch, der in dem Satz des Paulus steckt. Prüfen wir uns selbst immer wieder und fragen wir in jeder Situation: Was hätte Christus getan? Ist mein Handeln so, dass es für andere nachahmenswert ist? Täuschen wir uns nicht: jede noch so unscheinbare Begebenheit in unserem Leben ist bedeutsam und es gilt immer aufmerksam zu sein. Doch wie oft denken wir: ach, es ist doch nicht so schlimm, wenn ich es mal nicht so wichtig mit diesem oder jenem nehme, das nächste Mal kann ich mir ja wieder mehr Mühe geben. Es erfordert ein ständiges Ringen mit unserer Trägheit, um nicht in eine unchristliche Lauheit zu verfallen, die unser Leben für niemanden nachahmenswert macht.

Darstellung des Herrn

Er, der heiligt, und sie, die geheiligt werden, stammen alle von Einem ab. (Hebr 2,12a)

Der Mensch ist Gott ähnlich, nach dem Abbild Gottes ist er geschaffen, wie es schon im Buch Genesis heißt. Darum KONNTE Gott Mensch werden, weil die Distanz zwischen Gott und Mensch nicht unüberwindbar ist, und darum WOLLTE Gott Mensch werden, weil er sein Bild im gefallenen Menschen wieder erneuern wollte.

Das Buch Genesis spricht von einer intimen Vertrautheit zwischen Gott und Mensch, bevor diese durch die Sünde zerstört wurde. Gott will dem Menschen diese Vertrautheit wieder ermöglichen, indem er selbst in seinem Sohn Mensch wird, um den Menschen zu erlösen.

Erlösung bedeutet die Überwindung der Distanz zwischen Gott und Mensch und die Ermöglichung einer tiefen Vertrautheit. Als Erlöste leben bedeutet, in Vertrautheit mit Gott zu leben und die Sünde zu meiden, die diese Vertrautheit stört. Je mehr wir lernen, in den Versuchungen standzuhalten, umso mehr kann diese Vertrautheit mit Gott wachsen.

Gott selbst hat uns in seinem Sohn diesen Weg gezeigt. Wir haben das Vorbild vieler Heiligen, die diesen Weg gegangen sind. Nur, wenn auch wir lernen, diesen Weg bewusst zu gehen, können wir zu Kindern Gottes werden.

Wir müssen der Versuchung widerstehen, das ist unser Beitrag, Gott selbst aber hat viel mehr getan, um diese Vertrautheit zu ermöglichen. Er ist in seinem Sohn Mensch geworden und hat sich am Kreuz für uns hingegeben. So hat er alles getan, was notwendig war, damit Erlösung möglich werden kann. Wir brauchen uns nur noch in seine Hände zu legen und so leben, wie er es uns gezeigt hat.

Wir hören diese Worte am Fest der Darstellung des Herrn. Lukas zeigt uns im Evangelium Simeon und Hanna, die beide sehnsüchtig das Heil erwartet haben, das nun Wirklichkeit geworden ist. Im göttlichen Kind sieht Simeon das Heil des Menschen. In diesem Kind wird sichtbar, wie Gott den Menschen gewollt hat. In diesem Kind strahlt die Heiligkeit, die Gott und Mensch verbindet.

Werden auch wir nie müde, auf Jesus Christus zu blicken, auf sein Leben und Wort, wie es uns die Heilige Schrift zeigt. Lassen wir uns verwandeln von diesem Blick und schreiten wir so von Heiligkeit zu Heiligkeit, dass Gotts Bild in uns immer mehr erneuert werde.