Ewiges Leben (Joh 17,3)

Dies sagte Jesus. Und er erhob seine Augen zum Himmel und sprach: (Joh 17,1a)

Zwischen die langen Abschiedsreden Jesu nach dem letzten Abendmahl und seiner Verhaftung, die den Beginn der Passion darstellt, setzt Johannes das Abschiedsgebet Jesu, auch hohepriesterliches Gebet genannt. Am Beginn des Kapitels steht eine klare Zäsur. Jesus hat zu seinen Jüngern geredet, hat sie gelehrt. Nun erhebt er die Augen zum Himmel und redet zu seinem Vater. Er redet nicht mehr zu den Menschen, sondern zu Gott. Ein solches Reden mit Gott nennen wir Gebet.

Auch die anderen Evangelien berichten uns von einem Gebet Jesu vor der Passion, am Ölberg, kurz vor seiner Verhaftung. Lukas spricht gar davon, dass dieses Gebet so inständig war, dass Jesu schweiß wie Blut zu Boden tropfte. Doch kein anderer Evangelist gibt uns so tiefen Einblick in das Beten Jesu wie Johannes.

Vater, die Stunde ist da. Verherrliche deinen Sohn, damit der Sohn dich verherrlicht. Denn du hast ihm Macht über alle Menschen gegeben, damit er allen, die du ihm gegeben hast, ewiges Leben schenkt. Das ist das ewige Leben: dich, den einzigen wahren Gott, zu erkennen und Jesus Christus, den du gesandt hast. (Joh 17,1b-3)

Jesus weiß, dass seine Stunde gekommen ist. Es ist die Stunde, von der schon oft im Evangelium die Rede war, die Stunde des Leidens. Die anderen Evangelisten sprechen vom Kelch, dem Kelch des Leidens, vor dem Jesus zurückschreckt, den er aber bereit ist, dem Willen des Vaters gehorsam, anzunehmen.

Jesus blickt zurück auf sein Wirken. Er hat alles getan, was der Vater ihm aufgetragen hat. Nun ist es Zeit, dass er sein Werk vollendet. Diese Vollendung geschieht in der Passion, im Leiden Jesu und seiner Auferstehung. Der Vater wird den Sohn glorreich durch diese Leiden führen und ihn verherrlichen und indem der Sohn den Willen des Vaters an sich geschehen lässt, wird der Sohn den Vater verherrlichen.

Was nun geschehen wird, dient der Verherrlichung Gottes, aber zugleich dem heil der Menschen. In seiner Macht schenkt Gott den Menschen neues, ewiges Leben. Gott wird verherrlicht durch die Rettung der Menschen. Die größte Verherrlichung Gottes geschieht dort, wo das Heil der Menschen entsteht. Es ist unbeschreiblich, wie wichtig für Gott der Mensch ist.

Jesus ist gekommen, um durch die Vollendung des Werkes des Vaters den Menschen ewiges Leben zu schenken. Aber dieses ewige Leben kann nur dort entstehen, wo Menschen bereit sind, sich auf Gottes machtvolles Wirken einzulassen. Das ewige Leben besteht darin, den einzigen wahren Gott zu erkennen und den Sohn, den er gesandt hat.

Das ewige Leben besteht also in der Gottes- und Christuserkenntnis. Im biblischen Sinn bedeutet Erkenntnis nicht nur das Wissen um Gott und Jesus, sondern vor allem das Vertrauen, die personale Beziehung und die Gemeinschaft mit Gott und Jesus. Das ewige Leben verwirklicht sich in Beziehung zu Gott und Jesus Christus. Wer in diese Beziehung eintritt, hat Teil am Leben Gottes.

Guter Gott, ich glaube und weiß, dass alle Dinge in dir leben. Was immer es an Sein gibt, an Leben, an Herrlichkeit, an Freude, an Glück in der ganzen Schöpfung, ist seinem Wesen nach einfachhin und absolut von dir. Was immer wir Gutes tun, geschieht nicht nur durch deine Hilfe, sondern ist eine Nachahmung jener Heiligkeit, die in ihrer Fülle in dir ist.

Oh mein Gott, werde ich dich eines Tages sehen? Werde ich die Quelle jener Gnade sehen, die mich erleuchtet, mich stärkt und mich tröstet? So wie ich von dir kam, so wie ich von dir gemacht wurde, so wie ich in dir lebe, so möge ich am Ende zu dir zurückkehren und bei dir sein für immer und ewig. Amen.

(Kardinal Newman)

Christi Himmelfahrt (3)

Dann führte er sie hinaus in die Nähe von Betanien. Dort erhob er seine Hände und segnete sie. Und während er sie segnete, verließ er sie und wurde zum Himmel emporgehoben; sie aber fielen vor ihm nieder. (Lk 24,50-52a)

Nachdem Jesus als der Auferstandene seinen Jüngern erschienen ist und ihnen alles gesagt hat, was zu sagen war, geht er mit ihnen hinaus zum Ölberg in Richtung Betanien. Diesen Weg sind sie oft gemeinsam gegangen. Nun ist es das letzte Mal, dass Jesus leiblich diesen Weg mit ihnen geht. Dort wird er ihren Blicken entzogen. In der Apostelgeschichte wird Lukas dieses Ereignis durch das Erscheinen von Engeln noch weiter ausschmücken.

Die letzte Geste Jesu ist die des Segens. Segnend hält er seine Hände über den Jüngern, als er zum Himmel erhoben wird. Dieser Segen Jesu wird ein Segen ohne Ende sein, denn seine Segenshände wird er nun von seinem Platz bei Vater im Himmel immer über seine Jünger halten.

Jesus wird vor den Augen der Jünger in den Himmel erhoben. Das bedeutet nicht, dass Jesus als eine Art Superman der Antike in die Lüfte geflogen ist. Sicher, die Jünger haben vor Staunen den Mund nicht mehr zubekommen und mussten erst wieder in die Realität zurückgeholt werden. Aber es ist nicht das Wunder eines fliegenden Jesus, das es heute zu bestaunen gilt.

Was uns an Christi Himmelfahrt auch heute noch zum Staunen bringen kann, ist die Ehre, die Gott dem Menschen erweist. In Jesus Christus ist Gott wirklich als Mensch geboren worden und hat als Mensch gelebt. Bei seiner Himmelfahrt nimmt Jesus nun auch dieses Menschsein von der Erde mit in den Himmel hinauf.

Jesus, Gottes Sohn und Bruder der Menschen, kehrt mit unserer menschlichen Natur in Gottes Herrlichkeit zurück! Nun ist Gott nicht mehr nur der Freund des Menschen aus der Ferne, sondern das Menschliche ist ihm ganz nah, ist direkt am „Herzen Gottes“, ist mit Christus in die Mitte der Göttlichkeit erhoben.

Es gibt jetzt keinen Gegensatz mehr zwischen Mensch und Gott. Nun hat Gott endgültig einen Weg geöffnet für die innige Gemeinschaft mit dem Menschen, nach der er sich schon seit der Schöpfung sehnt. Warum zögern wir noch? Staunen wir über die Wunder, die Gott uns bereitet und treten wir ein in die Gemeinschaft mit ihm!

Christus wurde zum Himmel emporgehoben (Lk 24,51). – Mancher wird vielleicht sagen: Was geht das mich an? Es geht dich an, weil auch du in ähnlicher Weise in die Wolken emporgehoben werden wirst, denn dein Leib ist von derselben Natur wie seiner. Es wird also auch dein Leib so beweglich werden, dass er durch die Lüfte gehen kann; denn wir das Haupt, so auch der Leib. Wie der Anfang, so auch das Ende. Sieh aber, wie sehr du geehrt bist durch diesen Anfang. Der Mensch war das niedrigste der geistigen Geschöpfe. Aber die Füße sind Haupt geworden, sie sind erhoben zu königlichem Sitz in ihrem Haupt. (Johannes Chrysostomus)

Christi Himmelfahrt (2)

Nachdem du für uns die Heilsordnung erfüllt

und das Irdische mit dem Himmlischen vereint hast,

bist du aufgefahren in Herrlichkeit, Christus, unser Gott.

Ohne uns zu verlassen, ungetrennt,

rufst du denen, die dich lieben zu:

Ich bin mit euch, und niemand kann gegen euch sein.

(Gebet der Ostkirche)

Seid gewiss: Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt. (Mt 28,20b)

Diese Zusage des Auferstandenen steht am Schluss des Matthäus-Evangeliums als zentrale Aussage des kurzen Berichtes dieses Evangeliums von der Himmelfahrt Jesu. Jesus kehrt zurück zum Vater, während seine Jünger auf der Erde bleiben, aber dennoch verlässt er sie nicht. Durch seine Auferstehung und Himmelfahrt wird eine neue Form seiner Gegenwart in dieser Welt möglich.

Jesus lebte zu einer bestimmten Zeit in einem ganz bestimmten Gebiet bei ganz bestimmten Menschen. Aber durch seinen Tod hindurch durchbrach er diese Grenzen von Zeit und Raum. Er wurde für alle Menschen der Jesus, der kam, um einen Bund mit der Menschheit zu schließen. Dieser Bundesschluss wurde durch seinen Tod sichtbar. … Das Geheimnis des Kreuzes und das Kreuz ist der Ort, von dem her alle Energie aufbricht und Jesus zum Liebhaber aller Menschen wird. (Henry Nouwen)

Von daher ist auch das Kreuz zum Kennzeichen der Christen geworden und nicht ein irgendwie geartetes Symbol der Auferstehung. Das Kreuz ist Zeichen des Lebens und Zeichen der bleibenden Gegenwart des Herrn, mit unserer Hand machen wir das Zeichen des Kreuzes über unserem Leib und bekennen so die Gegenwart des Auferstandenen. Das letzte Wort des Herrn aus dem Matthäus-Evangelium soll so zum Leitwort unseres Lebens werden:

Ich bin bei euch –  fürchtet euch nicht!

 

Christi Himmelfahrt (1)

Christi Himmelfahrt ist bei näherem Betrachten ein verwirrendes Fest. Diese Aussage mag viele verwundern. Lukas berichtet uns doch in der Apostelgeschichte davon, dass Jesus vierzig Tage nach seiner Auferstehung  in den Himmel aufgefahren ist. Doch bereits bei Lukas finden wir zwei verschiedene Darstellungen dieses Ereignisses, eine im Evangelium und eine in der Apostelgeschichte. Nur in der Apostelgeschichte berichtet er von Engeln, die den verdutzen Jüngern einen Zuspruch erteilen.

Bei Lukas findet die Himmelfahrt in nächster Umgebung zu Jerusalem statt, auf dem Weg nach Betanien, wie es im Evangelium heißt, bzw. am Ölberg nach der Schilderung der Apostelgeschichte. Das ist kein Widerspruch, der Weg nach Betanien führt über den Ölberg. Wenn wir genau hinsehen, erkennen wir, dass Lukas alle Ereignisse um die Auferstehung Jesu in Jerusalem und dessen nächster Umgebung ansiedelt. Hier ist Jesus gestorben und begraben worden, hier ist er auferstanden und den Jüngern erschienen. Lukas zeichnet eine kontinuierliche Linie, die vom Abendmahlssaal, in dem Jesus mit seinen Jüngern das letzte Abendendmahl gefeiert hat, hin zur Entstehung der Kirche führt. In eben diesem Abendmahlssaal versammeln sich die Jünger nach Jesu Tod und Auferstehung, hier beten sie gemeinsam mit Maria und bereiten sich auf die Sendung des Heiligen Geistes an Pfingsten vor.

Anders bei Matthäus. Hier erscheint Jesus den Jüngern in Galiläa. Dorthin sind sie nach Jesu Tod geflohen, bzw. auf ausdrücklichen Wunsch Jesu hingegangen. Er sagt zu den Frauen am leeren Grab, dass er den Jüngern vorausgeht nach Galiläa und sie ihn dort sehen werden. Auf einem Berg in Galiläa, der genau so wenig wie das nach Lukas bei Jerusalem gelegene Emmaus genau lokalisiert werden kann, findet dann die letzte Erscheinung des Auferstandenen statt. Johannes kennt beide Traditionen bezüglich der Erscheinungen des Auferstandenen. Er erscheint den Jüngern in Jerusalem und in Galiläa am See von Tiberias. Von einem Ereignis, das der Himmelfahrt Jesu entspricht, berichtet Johannes nicht.

Wir finden hier also mehrere Überlieferungslinien vor, mündliche Erzählungen, die die Evangelisten nicht eigenmächtig harmonisieren wollten. Da die Berichte des Lukas in seinem Evangelium und in der Apostelgeschichte ausführlicher sind, wird oft der Ölberg als Ort der Himmelfahrt Jesu genannt. Dorthin fanden im 4. Jahrhundert von Jerusalem aus auch Prozessionen statt, als man anfing, das Fest Christi Himmelfahrt als eigenständigen Festtag zu begehen.

Doch mit der eindeutigen Lokalisierung und historisierenden Feier dieses Tages traten auch erste Missverständnisse zutage. Hat man bis ins 4. Jahrhundert hinein der Himmelfahrt Jesu am Pfingsttag gedacht und sie in engem Zusammenhang mit der Sendung des Heiligen Geistes gesehen, so bildete die Feier von Christi Himmelfahrt am 40. Tag nach Ostern einen Einschnitt in die fünfzigtägige Feier der Osterzeit. Sollte diese Osterzeit ursprünglich wie ein festlicher Tag in der Freude über die Auferstehung des Herrn gefeiert werden, so wurde diese Feier der Auferstehung fortan auf vierzig Tage begrenzt und die Tage zwischen Himmelfahrt und Pfingsten wurden als Tage der Vorbereitung auf die Herabkunft des Heiligen Geistes am Pfingstfest gesehen.

Vor allem im Westen hat man das Fest Christi Himmelfahrt oft als Feier des Heimgangs Jesu zum Vater missverstanden. Jesus entzieht sich den Blicken der Jünger, wie die barocke Figur des Auferstandenen, die im Kirchendach verschwindet. Aber warum sollten die Jünger fröhlich sein, wenn Jesus sie verlässt? Nicht so sehr der Weggang Jesu steht also im Zentrum dieses Festes, sondern dessen bleibende Gegenwart, die er den Jüngern verheißen hat. Es ist auch das Fest der Erhöhung der menschlichen Natur, denn Jesus Christus kehrt anders zum Vater zurück, als er von dort ausgegangen ist. Er kehrt zurück als Gott und Mensch.

Was ist nun das für ein Fest? Es ist ein großes und herrliches Fest, meine Geliebten, das den menschlichen Verstand übersteigt, würdig der großen Freigebigkeit dessen, der es geschaffen hat. Denn heute ist das Menschengeschlecht mit Gott ausgesöhnt, heute die lange Feindschaft beendigt worden und der langwierige Krieg zum Abschluss gekommen; ein bewunderungswürdiger Friede, ein Friede, den wir früher nie zu hoffen gewagt, ist wiedergekehrt. Denn wer hätte wohl Hoffnung gehabt, dass sich Gott je mit dem Menschen wieder versöhne? … Unser Geschlecht wandelte früher so schlimm, dass es selbst die Erde zu verlieren in Gefahr stand; und dennoch wurden wir, die wir der Erde unwürdig waren, heute in den Himmel erhoben; die wir nicht einmal der Herrschaft hienieden wert sind, steigen heute zum Himmel empor, ja selbst über den Himmel hinauf und nehmen dort den Herrscherthron ein, und die Kreatur, um derentwillen die Cherubim das Paradies bewachten, sitzt heute über dem Cherubim. (Johannes Chrysostomus)

Das Herz an Jesus festmachen

Haltet in eurem Herzen Christus, den Herrn, heilig! (1Petr 3,15a)

Die Aufforderung, die der Erste Petrusbrief den bedrängten Christen Kleinasiens zuruft, hat bis heute nichts an ihrer Aktualität verloren. Nachdem die Christen in Europa über Jahrhunderte hinweg in christlichen Staaten gelebt haben, finden wir uns heute erneut in einer weitgehend unchristlichen Umgebung wieder.

Für viele bedeutet daher Christsein, nicht aufzufallen und so zu leben wie die anderen. Christliche Werte werden auf ein „Gut-Sein“ reduziert, das oft nichts anderes bedeutet, als dass jeder machen darf, was er will. Nur nicht auffallen, nur nicht die Stimme erheben, denn dann kommt sofort die Antwort der Gutmenschen: Ihr seid doch Christen, ihr dürft doch andere nicht verurteilen. Wo ist eure Nächstenliebe?

Bis ins tiefste Innere der Kirche hat man sich weitgehend unkritisch die Gedanken der liberalen Gesellschaft zu Eigen gemacht, nicht zuletzt deshalb, weil sie ja auf den ersten Blick so gut mit den christlichen Werten zusammen zu passen scheinen. Aber dadurch wurde das genuin christliche Profil, mit dem die Christen der Gesellschaft neue Impulse geben sollten, weitgehend verwässert und die Stimme der Kirche wird immer weniger gehört.

Das Zentrum christlichen Glaubens ist aber nicht das „gute Leben“, sondern Jesus Christus. Er ist die Mitte und das Ziel, von dem all unser Tun ausgeht und wohin es letztlich führt. Das „Gut-Sein“ der Christen ist Abbild der Güte Gottes, der allein „der Gute“ ist. Christliche Nächstenliebe erwächst also nicht allein aus „Menschenliebe“, sondern vor allem auch aus der Liebe Gottes.

Vielleicht mag einer fragen, was das für einen Unterschied macht, letztlich wollen doch alle das Gute für den anderen. Aber rein menschliche Liebe hat nur den Menschen als Ziel und da der Mensch stets begrenz ist, wird sie nie zur vollkommenen Erfüllung finden. Ihr haftet stets etwas Brüchiges und Stückwerkhaftes an.

Haltet in eurem Herzen Christus, den Herrn, heilig!

Wir müssen unsere Herzen fest machen in Jesus Christus. Die Mönche, ganz besonders jene der Ostkirche, aber auch viele andere Gläubige pflegen das Herzensgebet. Dieses Gebet hat verschiedene Formen, in allen aber geht es darum, das Herz fest zu machen in Jesus Christus. Unser Herz soll so stark mit ihm verbunden sein, dass er in uns präsent ist, egal ob wir bewusst an ihn denken oder nicht.

Viele haben die Zeiten des Gebetes, in denen sie sich bewusst in die Gegenwart Gottes zu versetzen suchen. Aber unser ganzes Leben muss ein Leben in der Gegenwart Gottes sein. Jeder unserer Schritte, jede unserer Handlungen, ja jeder Gedanke soll Ausdruck der Güte Gottes sein, der stets in uns am Wirken ist. Um so zu leben, ist eine ständige Einübung erforderlich, und wir werden dieses Ziel vielleicht nie vollkommen erreichen, aber unser ganzes Leben soll ein Weg sein, diesem Ziel, in der Gegenwart Gottes zu leben, näher zu kommen.

Helfen kann uns dabei ein Gebet des hl. Ignatius von Loyola:

Nimm hin, Herr, und empfange meine ganze Freiheit,
mein Gedächtnis, meinen Verstand und meinen ganzen Willen,
meine ganze Habe und meinen Besitz.
Du hast es mir gegeben, dir, Herr, gebe ich es zurück;
alles ist dein, verfüge nach deinem ganzen Willen.
Gib mir deine Liebe und Gnade, das ist mir genug.

Jesu Abschiedsreden

Euer Herz lasse sich nicht verwirren. Glaubt an Gott und glaubt an mich! (Joh 14,1)

Diesen Satz sagt Jesus zu seinen Jüngern, nachdem er beim letzten Abendmahl in der Fußwaschung ein Zeichen der Liebe Gottes gesetzt hat, aber auch, nachdem Judas der Verräter die Gemeinschaft der Jünger verlassen hat.

Euer Herz lasse sich nicht verwirren. Das Herz des Judas war verwirrt, er hat Jesu Liebeszeichen nicht verstanden. Judas ist ein Beispiel für die Vielen, die Gott nicht verstehen, die sich abwenden von Gott, ein Beispiel auch für die Vielen, die keine Heimat finden in der Gemeinschaft der Glaubenden und sie verlassen.

Jesus will seine Jünger ermutigen, zu ihm zu stehen, auch wenn sie ihn nicht verstehen können, auch wenn sie nicht verstehen, was nun mit ihm geschehen wird in seinen Leiden und seiner Kreuzigung. Er will aber auch alle Menschen ermutigen, die nicht verstehen können, was mit ihnen als Glaubenden geschieht. Warum müssen auch die Glaubenden leiden, werden verfolgt und bedrängt?

Jesus bereitet seine Jünger auf harte Zeiten vor. Die Worte Jesu sind aber zugleich auch ein Spiegel der Situation, in der die Christen in der zweiten Hälfte des ersten Jahrhunderts, als das Evangelium geschrieben wurde, stehen. Auch sie erfahren Bedrängnis, Ablehnung von außen und Streit im Innern der Gemeinden. Von dieser Bedrängnis geben auch ganz besonders der erste Petrusbrief und die Offenbarung des Johannes Zeugnis.

Was hilft, in der Bedrängnis auszuhalten ist allein der Glaube an den liebenden Gott, das vertrauen darauf, dass Gott immer da ist, auch wo wir ihn nicht erkennen können. Was hilft, ist das unerschütterliche Vertrauen auf die Liebe Gottes, der keinen Menschen zurückweist. Wir glauben an einen Gott, der Liebe ist. Gott ist nicht der strafende Gott, der den Menschen Angst macht, der Menschen durch Angst zum Glauben zwingen will.

Unser Gott, der Vater Jesu Christi, ist ein Gott der Liebe, der seine Arme offen hält für alle, die ihn suchen, der selbst dem Verlorenen nachgeht, um ihm auch in der größten Gottesferne, in die dieser sich begibt, nahe zu sein. Der Glaube, von dem Jesus redet, ist das feste Vertrauen auf diesen liebenden Gott, der mich nicht verstößt, egal was ich getan habe.

Mit diesem gläubigen Vertrauen darf ich Gott begegnen. Ich bin Gottes geliebtes Kind. Ich glaube an einen Gott, der mich kennt und liebt. Der Glaube an Gott ist eine lebendige Beziehung. Deshalb darf ich Gott auch nicht sehen wie einen Automat, der auf mein Gebet hin meine Wünsche erfüllt. Einen solchen Glauben dürfen Kinder haben, als Erwachsene aber müssen wir immer mehr nach der Begegnung mit Gott suchen.

Wie eine Beziehung mich verändert, so verwandelt mich auch dieser lebendige Glaube. Ich verstehe immer mehr Gottes Wege, finde Antworten auf meine Fragen abseits vom Schwarzweißdenken. Ich entdecke, dass die Frage nach dem warum? nicht die wichtigste Frage im Leid ist. Ich erkenne Gott immer mehr und seine Liebe, die sich mir offenbart.

Als Glaubender brauche ich nicht wie ein Sklave ängstlich umherschleichen in der ständigen Furcht davor, dass mich eine strafende Peitsche schlägt. Wie oft bringt der Glaube solch skrupelhafte Menschen hervor. Jesus Christus hat uns durch seinen Tod und seine Auferstehung befreit zu neuem Leben. Leben wir dieses neue Leben in seiner ganzen Fülle!

Jesus, Liebe aller Liebe, du warst stets in mir, und ich vergaß es. Du warst zutiefst in meinem Herzen, und ich suchte dich anderswo. Als ich fern von dir war, hast du mich erwartet. Und jetzt wage ich, zu dir zu sagen: Auferstandener, du bist mein Leben. (Gebet aus Taize)

Jesus der gute Hirte

Amen, amen, das sage ich euch: Wer in den Schafstall nicht durch die Tür hineingeht, sondern anderswo einsteigt, der ist ein Dieb und ein Räuber. (Joh 10,1)

Die Rede Jesu vom guten Hirten beginnt nicht mit einem melancholischen Bild verklärter Hirtenromantik. Sie zeigt vielmehr zunächst die Gefahr durch falsche Hirten auf. Diebe und Räuber brechen in den Schafstall ein, falsche Hirten suchen nur den schnellen eigenen Gewinn, indem sie die Herde schlachten und verschachern. Die Herde ist ständig in Gefahr, und der Schaden, der von innen, von falschen Hirten droht, scheint größer als die Gefahr von außen.

Johannes hat hier sicher die Situation der Gemeinden seiner Zeit vor Augen. Spaltungen und schlechte Vorsteher bedrohten ihren Bestand. Auch in den Johannesbriefen hören wir von diesen Gefahren. Der gute Hirte aber ist mit seinen Schafen vertraut. Er braucht nicht heimlich in den Schafstall einzudringen, sondern kann offen durch die Türe gehen. Diese Tür zu den Schafen ist Jesus Christus. Ihm gehört die Herde und jeder Hirte muss sie in seinem Namen führen.

Wer aber durch die Tür hineingeht, ist der Hirt der Schafe. (Joh 10,2)

Der Blick auf die Gefahren, die durch falsche Hirten entstehen, die negativen Erfahrungen mit Hirten, lassen bei vielen die Frage aufkommen, ob es denn überhaupt einen Hirten für die Herde braucht. Die Vollmacht des Hirten ist mit Macht verbunden. Macht aber hat für viele einen negativen Beigeschmack, weil sie auf der anderen Seite den Gehorsam fordert. Zudem erscheint eine Herde als eine gleichförmige Masse, die blind ihrem Hirten folgt. Die Herde, das sind doch die, die selber nicht nachdenken und einfach hinterher laufen. Das widerspricht dem Verlangen vieler Menschen nach Unabhängigkeit und Freiheit. Doch ist es wirklich das, was Jesus meint, wenn er vom guten Hirten spricht?

Uns Menschen heute ist ein Hirt mit seiner Herde bei weitem nicht mehr so vertraut, wie den Menschen zur Zeit Jesu. Würde man einen guten Hirten – und von solch einem spricht Jesus ja – fragen, was er von seinen Tieren hält, so wird er sie sicher nicht als eine dumme, blökende Masse bezeichnen. Der gute Hirt kennt jedes einzelne Tier aus seiner Herde. Er weiß, wieviel er jedem einzelnen zumuten kann. Er darf die Herde nie schneller und weiter führen, als es das schwächste Tier verkraftet. Er merkt sofort, wenn einem Tier etwas fehlt, er sucht das Verirrte.

Wenn er alle seine Schafe hinausgetrieben hat, geht er ihnen voraus, und die Schafe folgen ihm; denn sie kennen seine Stimme. (Joh 10,4)

Der gute Hirte ist vertraut mit jedem einzelnen Tier seiner Herde. Er weiß, dass jedes Tier anders ist und schon allein deshalb ist die Herde für ihn mehr als eine gleichförmige Masse. Auch die Schafe folgen nicht blind jedem Hirten. Sie sind vielmehr ebenso mit ihrem Hirten vertraut. Sie kennen genau seine Stimme. Sie mussten sich erst an ihn gewöhnen. Nun, da sie ihn kennen, folgen sie ihm, weil sie wissen, dass er sie stets den richtigen Weg zu grünen Weiden und frischem Wasser führt.

Der Dieb kommt nur, um zu stehlen, zu schlachten und zu vernichten. Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben. (Joh 10,10)

Nicht alle Hirten sind gut, manchmal erkennt man das erst auf den zweiten Blick. Es gibt Diebe, die durch die Hintertür in den Stall kommen, nicht durch die Tür, die Jesus Christus ist. Sie wollen die Schafe nur in ihrem eigenen Namen führen, auf einem Weg, der den Tod bedeutet, sei es durch materielle oder seelische Ausbeutung. Wir erleben es ja leider viel zu oft, dass Menschen sich von falschen Hirten verführen lassen, und dann verzweifelt zurück bleiben.

Jesus will, dass die Menschen das Leben haben und es in Fülle haben.  Leben in Fülle, das beginnt dort, wo Menschen erkennen, dass Leben mehr ist als materieller Reichtum und gesundheitliches Wohlergehen, es beginnt dort, wo ein Mensch Gott entdeckt und dadurch zu sich selbst findet, wo er beginnt, seinen Weg in der Freude des Herzens zu gehen, in der Freude darüber, ein Kind Gottes zu sein. Leben in Fülle beginnt dort, wo Menschen sich für andere einsetzen, die in Not sind.

Herr Jesus, du hast uns Leben in Fülle verheißen.

Dieses Leben kommt nicht, wenn wir warten und die Hände in den Schoß legen.

Rüttle du uns auf, dass wir aufstehen, und dem Leben entgegen gehen, dass du uns verheißen hast. Gib dass wir uns führen lassen von dir, dem guten Hirten, denn du kennst den Weg zum Leben, du weißt wo die Orte der Freude sind.

Schenke uns Menschen, die uns zu dir führen und lass auch uns Menschen sein, die andere führen, durch die Tür, die du selbst bist.

Petrusbrief (3)

Wenn ihr aber recht handelt und trotzdem Leiden erduldet, das ist eine Gnade in den Augen Gottes. Dazu seid ihr berufen worden; denn auch Christus hat für euch gelitten und euch ein Beispiel gegeben, damit ihr seinen Spuren folgt. (1Petr 2,20b-21)

Der Erste Petrusbrief zeigt auf, wie christliches Leben in der Situation der Bedrängnis gelingen kann. Es gibt Anfeindungen von außen und auch die Gefahr durch falsche Lehrer in den Gemeinden. Wer in der Bedrängnis standhaft bleiben will, muss daher auch bereit sein, Leiden zu ertragen. Aus Sicht des Ersten Petrusbriefes ist es Gnade, wenn ein Mensch recht handelt und trotzdem Leiden erdulden muss. Er wird dadurch Christus ähnlich, der wegen seiner Gerechtigkeit zum Tod am Kreuz verurteilt wurde.
Leiden als Nachfolge Christi, dieses Motiv scheint uns heute überholt. Wir wollen nicht Leiden, wir wollen Leben, und ist es nicht das Leben in Fülle, das Christus uns verheißen hat? Wo hat da das Leiden seinen Platz?

Um dieses Wort aus dem Ersten Petrusbrief besser zu verstehen, müssen wir auf den Zusammenhang sehen, in dem es steht. Die vorausgehenden Worte richten sich an Sklaven. Diese sollen ihren Herren gehorsam sein. Auch wenn bei den Christen damals Sklaven als vollwertige Gemeindemitglieder galten, wollte man nicht die Institution der Sklaverei an sich in Frage stellen. Die Sklaverei war eine der Grundlagen der Gesellschaft im Römischen Reich. Sklaven gab es in allen Gesellschaftsschichten. Sie waren nicht nur ausgebeutete Arbeitskräfte sondern auch vornehme Verwalter. In ihrem aber dennoch oft harten Leben sollen sie sich Christus zum Vorbild nehmen, der wie ein Sklave aller geworden ist.

Diese Sichtweise relativiert die auf den ersten Blick verklärten Worte über das Leid und das bedeutet auch, dass wir das Leid nicht suchen sollen, so wie es viele Asketen getan haben, die sich selbst Leiden zugefügt haben. Aber wir müssen uns auch davor hüten, zu verweichlichen. Gerade in unserer Zeit, die so viele Annehmlichkeiten bietet, ist das sehr leicht. So wie man im Sport nur durch hartes Training Fortschritte erzielen kann, so muss auch der Glaube trainiert werden.

Wir geraten immer wieder in Versuchungen. Ja, Gott ist barmherzig und er verzeiht uns immer wieder, wenn wir einen Fehler machen und ihn bereuen. Aber das berechtigt nicht zu der Einstellung, dass wir uns nicht gegen die Versuchungen zur Wehr zu setzen brauchen und uns von ihnen einfach treiben lassen. Gerade in unserer freizügigen Gesellschaft ist es ja eine große Gefahr, einfach mit dem Strom zu schwimmen und alles gut zu heißen, was Spaß macht.

Auch in Zeiten in denen es uns gut geht, gilt es, uns für das Leid zu wappnen. Wir wissen nie, was auf uns zukommt. Leid hat vielfältige Formen. Es gibt keinen Menschen, der nicht irgendwann im Leben Leid erfährt. Wir sollen das Leid nicht suchen, und wenn es kommt, gilt es so viel wie möglich dafür zu tun, das Leid zu lindern. Aber wenn es unvermeidbar neben uns steht – so wie es damals für einen ungerecht behandelten Sklaven unvermeidbar war -, dann gilt es, das Leid anzunehmen, es zu tragen. Dabei kann uns dann der Blick auf Jesus Christus helfen, der für uns gelitten hat und das Wort aus dem Ersten Petrusbrief: „Wenn ihr aber recht handelt und trotzdem Leiden erduldet, das ist eine Gnade in den Augen Gottes.“

Der Hinweis auf das Leiden Christi wird noch weiter ausgeführt durch einen Hymnus auf den leidenden Christus, der starke Anklänge an das vierte Lied vom Gottesknecht aus Jesaja 53 aufweist:

Er hat keine Sünde begangen und in seinem Mund war kein trügerisches Wort.
Er wurde geschmäht, schmähte aber nicht; er litt, drohte aber nicht, sondern überließ seine Sache dem gerechten Richter.
Er hat unsere Sünden mit seinem Leib auf das Holz des Kreuzes getragen, damit wir tot seien für die Sünden und für die Gerechtigkeit leben. Durch seine Wunden seid ihr geheilt. (1Petr 2,22-24)

Christus hat uns durch seinen Tod am Kreuz gerettet. Er, der Gerechte, ist wegen der Ungerechtigkeit der Menschen gestorben. Er hat sich nicht gewehrt gegen das, was die Menschen ihm angetan haben. In dieser Hingabe an den Willen des Vaters, der das Leid seines Sohnes nicht verhindern wollte, hat er uns das Heil gebracht. Die Wunden Jesu sind das Heilmittel für die Wunden unserer Seele.

Denn ihr hattet euch verirrt wie Schafe, jetzt aber seid ihr heimgekehrt zum Hirten und Bischof eurer Seelen. (1Petr 2,25)

Bei Jesus Christus haben wir unsere Heimat gefunden. Er ist unser Hirte. Er ist der gute Hirte, der selbst sein Leben riskiert, um seine Herde zu schützen, der sich dem Wolf entgegenwirft, der den Löwen besiegt. Das bedeutet das Leiden, das Jesus ertragen hat. Es war der Kampf mit dem Feind der Menschen. Er hat ihn besiegt, er hat die Menschen dem Tod entrissen und so ist aus dem Leid Jesu Christi neues Leben geworden für die Vielen.

Petrusbrief (2)

Und wenn ihr den als Vater anruft, der jeden ohne Ansehen der Person nach seinem Tun beurteilt, dann führt auch, solange ihr in der Fremde seid, ein Leben in Gottesfurcht. Ihr wisst, dass ihr aus eurer sinnlosen, von den Vätern ererbten Lebensweise nicht um einen vergänglichen Preis losgekauft wurdet, nicht um Silber oder Gold, sondern mit dem kostbaren Blut Christi, des Lammes ohne Fehl und Makel. Er war schon vor der Erschaffung der Welt dazu ausersehen und euretwegen ist er am Ende der Zeiten erschienen. Durch ihn seid ihr zum Glauben an Gott gekommen, der ihn von den Toten auferweckt und ihm die Herrlichkeit gegeben hat, sodass ihr an Gott glauben und auf ihn hoffen könnt. (1Petr 1,17-21)

Der Erste Petrusbrief möchte die Gläubigen dazu ermutigen, in der sie umgebenden Bedrängnis ein Leben aus der Freude der Auferstehung zu führen. Versuchen wir uns einmal, in diese Situation hineinzuversetzen. Es war für die Gläubigen damals ein großer Schritt, Christen zu werden. Was christliches Leben bedeutet, war damals dem Großteil der Bevölkerung ziemlich unbekannt. Zudem war der Zutritt zu den christlichen Gottesdiensten nur den Getauften gestattet. Wir können uns gut vorstellen, dass damals viele unschöne Gerüchte über die Christen im Umlauf waren.

Und dann schließt sich einer dieser verdächtigen Gemeinschaft an. Was hat die Menschen damals dazu bewogen, Christen zu werden? Christ werden, das bedeutete damals auch, Außenseiter zu sein, nicht mehr an den großen öffentlichen Festlichkeiten teilnehmen zu dürfen, ein weitgehend enthaltsames Leben zu führen. Wer möchte so etwas freiwillig tun?
Es war die Sehnsucht nach dem Heil, das viele dazu veranlasst hat, Christen zu werden.

Sie haben erkannt, dass irdischer Reichtum nicht glücklich macht, dass die heidnischen Götter und auch die modernen Kulte letztlich kein Heil bringen können. Sie waren enttäuscht von dem ausschweifenden Leben der Großstädte, von der Oberflächlichkeit und Verschwendung, aber auch von der Gier und der Brutalität, die dort herrschten.
Die Christen waren anders. Sie bildeten eine wirkliche Gemeinschaft, in der soziale Unterschiede nicht zählten, in der man sich aufeinander verlassen konnte und die vor allem auch eines kannte: einen Gott, der die Menschen liebt, der die Menschen von Schuld befreit, der dafür aber keine Opfer verlangt, wie andere Götter, sondern der sich selbst geopfert hat für das Heil der Menschen. Einen Gott, der sich „Vater“ nennen lässt, nicht ein Vater wie Zeus, der launisch und brutal ist, sondern ein liebender Vater, der für seine Kinder sorgt.

Und dieser Vater hat in seiner Liebe seinen Sohn auf die Erde gesandt, der sich geopfert hat für das Heil der Menschen, der sich geopfert hat, wie ein Lamm, nicht wie ein mächtiger Stier. Gottes Sohn kam friedlich wie ein Lamm auf die Welt, ein Lamm, das keinem etwas zuleide tut, ein Lamm, rein und ohne Makel, ein Lamm, das in seinem ganzen Sein die Liebe verkörpert, Liebe ohne Machtgelüste, ohne Falschheit, ohne Lüge. Die Heiligkeit und Liebe dieses Gottes hat die Menschen dazu veranlasst, sich denen anzuschließen, die an diesen Gott glauben und selbst ein neues Leben anzufangen, ein Leben, in dem sie selbst bereit sind, diese unverfälschte Liebe zu leben.

Der Wahrheit gehorsam, habt ihr euer Herz rein gemacht für eine aufrichtige Bruderliebe; darum hört nicht auf, einander von Herzen zu lieben. Ihr seid neu geboren worden, nicht aus vergänglichem, sondern aus unvergänglichem Samen: aus Gottes Wort, das lebt und das bleibt. Denn alles Sterbliche ist wie Gras und all seine Schönheit ist wie die Blume im Gras. Das Gras verdorrt und die Blume verwelkt, doch das Wort des Herrn bleibt in Ewigkeit. Dieses Wort ist das Evangelium, das euch verkündet worden ist. (1Petr 1,22-25)

Die unverfälschte Liebe soll das Kennzeichen der Christen sein. Das hat Jesus Christus verkündet. Die Liebe ist die Botschaft Gottes an uns Menschen und diese Liebe ist unvergänglich. Alles Irdische vergeht, wie Gras, das verdorrt. Irdischer Reichtum vergeht, irdische Freuden sind begrenzt. Worauf also kann ich mein Leben bauen? Was ist der Sinn des Lebens? Ist das Leben nicht doch letztlich sinnlos? Soll ich dann nicht doch die irdischen Freuden genießen, solange ich kann? Soll ich irdischen Reichtum anhäufen, soviel wie mir möglich ist?

Oder gib es diesen Gott, der das unvergängliche Glück für mich bereithält, ein Glück, das ich nie erreichen kann, selbst wenn ich alle irdischen Freuden maximal auskoste? Gibt es etwas Unvergängliches, für das es sich lohnt, auf das Vergängliche zu verzichten, eine unvergängliche Freude, um derentwillen ich die vergänglichen Freuden gering achte, ein ewiges Heil, für das ich jetzt sogar Bedrängnisse auf mich nehme?

Die Erfahrung, diesem Gott begegnet zu sein, ihn nicht nur von den Erzählungen anderer zu kennen, sondern selbst die Erfahrung zu machen: ja, es gibt diesen Gott, der mich liebt, der mich erlöst hat, der mir das Heil schenkt und mich in seine Nähe ruft, das war die Kraft, die die Menschen damals veranlasst hat, Christen zu werden und im Namen Jesu Christi auch Leiden und Bedrängnisse auf sich zu nehmen. Diese Erfahrung ist auch heute möglich.

Mein Vater,
ich überlasse mich dir,
mach mit mir, was dir gefällt.
Was du auch mit mir tun magst, ich danke dir.
Zu allem bin ich bereit, alles nehme ich an.
Wenn nur dein Wille sich an mir erfüllt
und an allen deinen Geschöpfen,
so ersehne ich weiter nichts, mein Gott.
In deine Hände lege ich meine Seele.
Ich gebe sie dir, mein Gott,
mit der ganze Liebe meines Herzens,
weil ich dich liebe,
und weil diese Liebe mich treibt,
mich dir hinzugeben,
mich in deine Hände zu legen,
ohne Maß,
mit einem grenzenlosen Vertrauen;
denn du bist mein Vater.
(Charles de Foucauld)

Petrusbrief (1)

Gepriesen sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus: Er hat uns in seinem großen Erbarmen neu geboren, damit wir durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten eine lebendige Hoffnung haben und das unzerstörbare, makellose und unvergängliche Erbe empfangen, das im Himmel für euch aufbewahrt ist. (1Petr 1,3-4)

Der Erste Petrusbrief, der uns im Lesejahr A durch die Osterzeit begleitet, beginnt mit einem Lobpreis an Gott. Gott hat uns in seinem großen Erbarmen neu geboren. Wie an vielen Stellen der Heiligen Schrift sehen wir auch hier das Grundcharakteristikum christlichen Glaubens: Jesus Christus ist Auferstanden, durch seinen Sieg über den Tod steht auch uns der Weg zum Leben, ewigen Leben, offen. Das ist unsere Hoffnung, aber keine unsichere Hoffnung, sondern eine Gewissheit, die uns Mut macht. Das Lob des Auferstandenen ist kein toter Buchstabe, sondern eine lebendige Wahrheit, die es gilt, uns immer wieder neu bewusst zu machen.

Jesus lebt. In ihm haben wir das Leben. Wir müssen zwar hindurch durch Drangsal und Bedrängnis, doch Gott behütet uns auf diesem Weg. Er gleicht dem Weg des Goldes durch den Schmelzofen. Das Gold wird dadurch nicht zerstört, sondern vielmehr reiner und wertvoller. So wie das Feuer des Schmelzofens für das Gold nicht zu heiß ist, so sind die Prüfungen dieser Zeit nicht zu schmerzhaft für uns. Wir können sie mit Gottes Hilfe bestehen und gehen daraus gestärkt und glänzend hervor und finden am Ende das Tor zur Herrlichkeit Gottes weit geöffnet.

Wir sehnen uns nach unserem Herrn Jesus Christus, der uns in seiner Barmherzigkeit das neue Leben geschenkt hat. Wir haben ihn nicht gesehen, aber wie lieben ihn, er ist uns nicht fern, wir stehen in einer Beziehung zu ihm. Auch wenn Jesus nicht mehr in irdischer Gestalt bei uns ist, auch wenn wir ihn nicht mehr in seinem Auferstehungsleib berühren können wie die ersten Zeugen seiner Auferstehung, er ist bei uns, er ist uns nahe. Er schenkt uns das Heil und hilft uns, dieses heil jeden Tag zu bewahren.

Jesus Heil! Jesus Leben! Jesus Hoffnung!
Herr, du schenkst uns Heil und Leben,
du bietest uns deine Freundschaft an.
Durch deine Gegenwart
schenkst du uns Freude in Fülle
und gibst uns Hoffnung.
Du hast uns in deiner Barmherzigkeit
befreit von Schuld und Sünde.
Durch die Taufe hast du uns
in deine Gemeinschaft gerufen.
Wir sind bereit, deine Zeugen zu sein.
Wir lassen uns senden im Vertrauen
auf deine Liebe und Barmherzigkeit
Stärke uns mit deinem Heiligen Geist!
Lass uns wahrhaft Liebende sein,
die dein Licht in der Welt leuchten lassen
und so ein Segen sind für andere,
damit dein Heil auch heute erfahrbar ist.
Amen.