Der Auferstandene in der Offenbarung

Als ich ihn sah, fiel ich wie tot vor seinen Füßen nieder. Er aber legte seine rechte Hand auf mich und sagte: Fürchte dich nicht! Ich bin der Erste und der Letzte und der Lebendige. Ich war tot, doch siehe, ich lebe in alle Ewigkeit und ich habe die Schlüssel zum Tod und zur Unterwelt. (Offb 1,17-18)

Es ist immer ein Zeichen für die Ergriffenheit des Sehers, wenn dieser wie tot zu Boden fällt. So mächtig ist die Erscheinung, so mächtig der Erscheinende, dass der Mensch aus eigener Kraft nicht davor bestehen kann. Doch Christus richtet ihn auf und offenbart sich ihm: Er ist der Erste und der Letzte, Anfang und Ende der ganzen Welt, er umfasst alles, was ist, Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Er ist der Lebendige, dem der Tod nichts anhaben kann. Selbst der sich vergöttlichende Kaiser muss sterben, wodurch deutlich wird, dass auch er nur ein Mensch und kein Gott ist. Allein Christus hat den Tod überwunden und so seine Göttlichkeit offenbart.

Wir sollten die Auferstehung nicht als selbstverständlich hinnehmen. Wir sind es gewohnt, jedes Jahr Ostern zu feiern. Jesus ist auferstanden, diese Botschaft rüttelt viele nicht mehr auf und wir können sogar das Halleluja sitzend auf den Kirchenbänken singen so wie jedes andere Lied auch. Wir horchen nicht mehr auf, wenn jemand zu uns sagt: Christus ist wahrhaft auferstanden! Wir verstehen nicht mehr, was das bedeutet.

Die Auferstehung Christi hat die Welt verändert, wie ein Erdbeben, das die Oberfläche der ganzen Erde aufreißt. Tote können nun auferstehen, der Tod ist nicht mehr das Ende des Lebens. Dasein ist nicht mehr auf den Tod hin, sondern auf die Auferstehung. Es gilt so zu leben, dass wir die Auferstehung erlangen. Aber das allein wäre wieder zu moralisch gedacht. Es gilt so zu leben, als wären wir schon auferstanden. Wir leben nicht nach den Geboten, damit wir im Gericht bestehen, sondern wir leben nach Christi Weisung, weil wir schon jetzt mit ihm ein neues Leben haben. Wenn wir Christus nachfolgen, sind wir schon jetzt mit ihm auferstanden, leben schon jetzt als Kinder Gottes, wir leben als Auferstandene auf der Erde und der Tod ist nur noch ein Hinübergang in eine andere Daseinsweise und nicht mehr die Zäsur unseres Lebens.

Mit dem Auferstandenen leben, das hört sich utopisch an, aber es ist möglich, auch wenn es unser ganzes Leben lang eine Herausforderung bleibt. Versuchen wir uns immer neu vom Geheimnis der Auferstehung ergreifen zu lassen, bis es uns ganz durchdringt. Werden wir Christus immer ähnlicher in unserem Leben. Die Erscheinung des Auferstandenen ist für Johannes furchteinflößend, aber nur im ersten Moment. Wir brauchen diese Erfahrung, die uns aus unserem Alltag herausreißt. Wenn wir den Auferstandenen dann immer mehr erkennen, werden wir immer mehr eins mit seinem Licht.

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