Die Frau und der Drache (offb 12) – 2

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7 Da entbrannte im Himmel ein Kampf; Michael und seine Engel erhoben sich, um mit dem Drachen zu kämpfen. Der Drache und seine Engel kämpften, 8 aber sie konnten sich nicht halten und sie verloren ihren Platz im Himmel. 9 Er wurde gestürzt, der große Drache, die alte Schlange, die Teufel oder Satan heißt und die ganze Welt verführt; der Drache wurde auf die Erde gestürzt und mit ihm wurden seine Engel hinabgeworfen.

Der Blick geht wieder in den Himmel. Wir dürfen uns das geschehen nicht zeitlich vorstellen, dass zunächst der Kampf auf der Erde geführt wird und dann der im Himmel. Die Bilder, die Johannes und zeigt, überlappen sich und gehen ineinander über. Auch gibt es in der Ewigkeit des Himmels keine Zeit.

Wir haben bereits erfahren, dass der Satan ein Drittel der Sterne zur Erde geworfen hat. Ein Drittel der Engel hat sich mit ihm gegen Gott erhoben. Doch der Kampf im Himmel ist entschieden. Michael kämpft mit seinen Engeln siegreich gegen den Satan und seine Engel. Der Drache wird vom Himmel zur Erde geworfen.

Der Kampf im Himmel ist entschieden. Die endgültige Durchsetzung des Heils ist nur noch eine Frage der Zeit. Aber es wird eine schwere Zeit, denn der Satan weiß um das Ende seiner Macht und versucht alles, um so viel Schaden anzurichten wir möglich. Das sind die schauerhaften Bilder der Apokalypse und wir sehen sie jeden Tag konkret, wenn wir in den Fernseher oder die Zeitung blicken.

10 Da hörte ich eine laute Stimme im Himmel rufen: Jetzt ist er da, der rettende Sieg, die Macht und die Herrschaft unseres Gottes und die Vollmacht seines Gesalbten; denn gestürzt wurde der Ankläger unserer Brüder, der sie bei Tag und bei Nacht vor unserem Gott verklagte. 11 Sie haben ihn besiegt durch das Blut des Lammes und durch ihr Wort und Zeugnis; sie hielten ihr Leben nicht fest, bis hinein in den Tod. 12 Darum jubelt, ihr Himmel und alle, die darin wohnen. Weh aber euch, Land und Meer! Denn der Teufel ist zu euch hinabgekommen; seine Wut ist groß, weil er weiß, dass ihm nur noch eine kurze Frist bleibt.

Im Himmel ertönt Jubel über den Sturz des Drachens. Jubel über die siegreiche Heimkehr des Sohnes Gottes, der als Opferlamm sein Blut vergossen hat zum Heil der Menschen. Dieses Blut des Lammes gewährt den Sieg auch auf Erden. Zwar ist der Kampf noch nicht entschieden und die Gläubigen bleiben den Nachstellungen des Drachen und seines Gefolges ausgesetzt. Ihr Toben aber ist ein sinnloses Toben, das nichts mehr ändern wird an ihrer Niederlage.

Die Glaubenden aber müssen an der Heils- und Siegesgewissheit festhalten. Sie stehen noch im Kampf. Sie müssen standhaft bleiben. Noch können sie fallen. Das ist die Botschaft der Offenbarung des Johannes. Sie will die Glaubenden zur Standhaftigkeit ermutigen. Die Leiden der Glaubenden können groß sein. Das Toben des Teufels ist gewaltig. Aber er ist besiegt. Wer standhaft bleibt, hat Anteil an Gottes Sieg.

Der Satan wird hier genannt der Ankläger unserer Brüder. Als solcher tritt er auch an manchen Stellen im Alten Testament auf, besonders deutlich im Buch Ijob. Da hat er noch ganz selbstverständlich Zugang zu Gott, um immer wieder den gerechten Ijob anzuklagen. Vielleicht ist er doch nicht so gerecht, wie es scheint. So erlaubt Gott es ihm, Unheil über Ijob zu bringen, seinen gesamten Besitz, ja auch seine Familie zu vernichten. So versucht die Bibel zu erklären, warum das Unheil sowohl die Gerechten als auch die Ungerechten trifft.

Nun aber gibt es keinen mehr, der die Menschen vor Gott anklagt. Vielmehr haben wir jetzt Fürsprecher bei Gott. Unsere größte Fürsprecherin ist Maria. Sie wird uns im folgenden Abschnitt noch einmal als Schutzfrau in großer Bedrängnis vorgestellt.

13 Als der Drache erkannte, dass er auf die Erde gestürzt war, verfolgte er die Frau, die den Sohn geboren hatte. 14 Aber der Frau wurden die beiden Flügel des großen Adlers gegeben, damit sie in die Wüste an ihren Ort fliegen konnte. Dort ist sie vor der Schlange sicher und wird eine Zeit und zwei Zeiten und eine halbe Zeit lang ernährt. 15 Die Schlange spie einen Strom von Wasser aus ihrem Rachen hinter der Frau her, damit sie von den Fluten fortgerissen werde. 16 Aber die Erde kam der Frau zu Hilfe; sie öffnete sich und verschlang den Strom, den der Drache aus seinem Rachen gespien hatte. 17 Da geriet der Drache in Zorn über die Frau und er ging fort, um Krieg zu führen mit ihren übrigen Nachkommen, die den Geboten Gottes gehorchen und an dem Zeugnis für Jesus festhalten.

Die Frau tritt dem Drachen furchtlos gegenüber. Sie weiß, dass er ihr nichts anhaben kann. Himmel und Erde stehen ihr bei. Die Adlerflügel sind Symbol für Gottes Schutz. Auch die Erde tritt ein für die Frau, indem sie sich öffnet, um den verderblichen Wasserstrom des Drachen aufzufangen. Himmel und Erde kämpfen gegen die Macht des Bösen und der Kampf tobt immer heftiger, bis der Drache besiegt werden wird. Von diesem Sieg über den Drachen erfahren wir einige Kapitel später und dieser Sieg wird dann den Weg öffnen für Gottes neues Wohnen unter den Menschen.

Noch aber ist die Geschichte bestimmt vom Toben des Satans. Das ist die Weltdeutung der Offenbarung des Johannes. Der Drache zieht die Mächtigen der Erde auf seine Seite. Sie kämpfen mit ihm gegen die Gerechten. Doch Gottes Kinder, die Kinder der Mutter der Glaubenden, die Kinder Mariens brauchen nichts zu fürchten. Die Mutter hat ihnen gezeigt, wie sie im Kampf bestehen können. Die Mutter hilft ihren Kindern.

Als Glaubende sind wir Kinder Mariens und Maria ist unsere Mutter. Dieser Glaube ist zutiefst biblisch. Gott hat uns Maria zur Mutter gegeben. Maria war ein Mensch wie wir. Darum kann sie uns zeigen, wie wir als Gottes Kinder in dieser Welt leben können. Als Mutter kümmert sie sich um ihre Kinder. Wir vertrauen uns ihrer Fürsprache und ihrem Schutz an.

Maria, Mutter, schau auf die ganze Menschheit, auf unsere moderne Welt, in die uns Gottes Ratschluss hineingestellt hat! Es ist eine Welt, die Christus, dem wahren Licht, den Rücken kehrt. Nun zittert und stöhnt sie unter dem selbst geschaffenen, gefahrvollen Dunkel. Deine milde, mütterliche Stimme möge sie hinführen zum wahren Leben und Licht der Menschheit. Du schönste Jungfrau, du würdigste Mutter, du begnadete von allen Frauen! Sei ihnen Leitstern, der zu Christus führt, dem einzig höchsten Licht der Welt! Erflehe ihr das Wissen vom wahren Sinn des Daseins! Den Leidenden erflehe Trost, den Toten das ewige Leben! Zeige dich als Mutter! Lass uns alle erfahren, dass du uns Mutter bist! Darum bitten wir dich, du gütige, milde und liebe Jungfrau Maria. Amen

(Papst Paul VI.)

Die Frau und der Drache (Offb 12) – 1

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1 Dann erschien ein großes Zeichen am Himmel: eine Frau, mit der Sonne bekleidet; der Mond war unter ihren Füßen und ein Kranz von zwölf Sternen auf ihrem Haupt. 2 Sie war schwanger und schrie vor Schmerz in ihren Geburtswehen.

An den Sonntagen der Osterzeit hören wir im Lesejahr C mehrere Abschnitte aus der Offenbarung des Johannes. Das zwölfte Kapitel dieses Buches ist der Lesungstext an vielen Marienfesten. Ich möchte daher in diesem Jahr den Marienmonat Mai mit einer Betrachtung über diese Frau in der Offenbarung des Johannes beginnen.

Das zwölfte Kapitel bildet das Zentrum der Offenbarung des Johannes. Bisher hat Johannes in seinen Visionen geschaut, wie das Lamm im Himmel – Symbol für Jesus Christus – die sieben Siegel des Buches der Welt geöffnet und somit den tieferen Sinn des Weltgeschehens offenbar gemacht hat. Die sieben Posaunen sind erschallt und haben das Unheil gezeigt, das über die Bewohner der Erde hereinbricht. Mit dem Ertönen der siebten Posaune öffnet sich der Blick auf das messianische Geschehen der Endzeit.

Das Kind, mit dem die Frau schwanger ist, zeigt uns den Messias, Jesus Christus, Gottes Sohn. Die Frau ist Bild für das Volk Gottes. Die zwölf Sterne sind Symbol für die zwölf Stämme Israels, des auserwählten Gottesvolkes. Durch dieses Volk will Gott der Welt sein Heil vermitteln und aus diesem Volk geht der Messias hervor. Durch die Einsetzung der zwölf Apostel hat Jesus Christus das neue Gottesvolk errichtet, das aus dem Gottesvolk des Alten Bundes hervorgeht, nun aber die ganze Welt umgreift.

Die Frau ist zum einen Symbol für das Volk Gottes, sie ist aber auch ein ganz konkreter Mensch, Maria. In ihr verdichtet sich die Geschichte des Volkes Gottes. Aus ihr geht der Messias hervor und so wird sie zur Schnittstelle zwischen Altem und Neuem Bund.

Maria hat nicht nur als Person und Gestalt Bedeutung, sondern auch als Zeichen und Symbol. Dies aber nicht in einem äußerlichen, konventionellen Sinne verstanden, so wie man gewisse Dinge mit symbolischer Bedeutung ausstattet. Maria ist vielmehr als wirklichkeitserfüllendes personales Symbol zu erkennen, in welchem Zeichen und Wirklichkeit, Bedeutung und Tat, Sinn und Gestalt zusammengehören.

Diese Worte von Leo Kardinal Scheffczyk zeigen uns, wie wir die Stelle aus der Offenbarung deuten können. Die Frau ist konkret Maria und sie ist zugleich Symbol für das alte Gottesvolk, aus dem der Verheißung nach der Messias hervorgeht. Durch die Geburt des Messias wird Maria zur Mutter des neuen Gottesvolkes, das ihr Sohn auf Erden gegründet hat.

Gottes Geschichte mit den Menschen ist immer konkret. Sie geschieht durch bestimmte Personen, die Gottes Willen tun. Sie entsteht nicht durch Debatten und Verlautbarungen, sondern durch Taten. Durch ihr Ja zu Gott ist Maria zum Urbild aller Menschen zu allen Zeiten geworden, die ihr Ja sagen zum Willen Gottes. Dies rechtfertigt die Stellung, die ihr die Kirche zuweist, indem sie uns Maria als Mutter und Fürsprecherin zeigt.

Gott selbst zeigt uns Maria als Urbild des glaubenden Menschen. Johannes sieht Maria als Zeichen der neuen Heilszeit des Messias. Die zwölf Sterne zeigen die Universalität Mariens als Repräsentantin des Alten und Neuen Bundes. Sonne und Mond sind die Zeichen dieser Erdenzeit, die Sonne als Zeitmesser des Tages, der Mond als Nachtgestirn und Maß für Monate und Festzeiten. So wird deutlich, dass das folgende Geschehen, das Johannes als Vision im Himmel sieht, eine konkrete Entsprechung auf Erden hat. So wie Maria einerseits symbolisch für das Volk Gottes steht, andererseits aber ganz konkret auf Erden gelebt hat, so bleibt auch alles andere, das Johannes sieht, kein abstraktes Bild, sondern wird konkret geschehen.

3 Ein anderes Zeichen erschien am Himmel: ein Drache, groß und feuerrot, mit sieben Köpfen und zehn Hörnern und mit sieben Diademen auf seinen Köpfen. 4 Sein Schwanz fegte ein Drittel der Sterne vom Himmel und warf sie auf die Erde herab. Der Drache stand vor der Frau, die gebären sollte; er wollte ihr Kind verschlingen, sobald es geboren war.

Ein weiteres Zeichen sieht Johannes im Himmel, einen Drachen von unvorstellbarer Größe. Die sieben Köpfe zeigen seine universelle Macht über Himmel und Erde. Drei Köpfe haben je zwei Hörner und vier Köpfe je ein Horn, so gelangt man zur Zehnerzahl und sieht zugleich die Drei und die Vier, die für Himmel und Erde stehen, und die in der Sieben zur Universalität werden. Es ist eine Bedrohung, die selbst Gott gefährlich wird. So sieht die Tradition in Satan seit jeher Luzifer als des höchsten unter den Engeln, der sich gegen Gott erhoben hat.

Ein Drittel der Sterne fegt der Drache mit seinem Schwanz vom Himmel zur Erde. Man kann darin die Engel sehen, die Satan auf seine Seite gezogen hat. So kommt das Böse auf die Erde. Wir erfahren hier, dass die Kämpfe auf der Erde letztlich die Folge dieses einen Kampfes im Himmel sind. Wir erkennen den Ursprung des widergöttlichen Wirkens, das Gottes gute Schöpfung zerstören und den Menschen von Gott trennen will.

Doch auch Gott verlagert sozusagen seinen Kampfplatz auf die Erde. Er überlässt seine Schöpfung nicht den teuflischen Mächten. Die Frau und ihr Kind sind die Hoffnungsträger im Kampf gegen das Böse auf Erden. Eine Frau, schwach und doch mächtig durch ihren Glauben. Dies zeigt uns Maria als neue Eva. Eva ist den Verführungen Satans erlegen. Maria aber nimmt den Kampf wieder auf, der den Nachkommen Evas prophezeit wurde:

Feindschaft setze ich zwischen dich und die Frau, zwischen deinen Nachwuchs und ihren Nachwuchs. Er trifft dich am Kopf, und du triffst ihn an der Ferse. (Gen 3,15)

Der Drache weiß um die Macht des Kindes. Er weiß, dass seine Zeit zu Ende gehen wird, wenn es Gottes Sohn gelingt, sein Werk auf Erden zu vollbringen. Gott kommt als hilfloses Kind auf die Welt, geboren von einer einfachen Frau. Doch es gelingt dem Drachen nicht, die Frau und ihr Kind zu vernichten. Das ist ein Zeichen der Hoffnung. Was schwach scheint auf Erden, wird stark durch den Glauben.

5 Und sie gebar ein Kind, einen Sohn, der über alle Völker mit eisernem Zepter herrschen wird. Und ihr Kind wurde zu Gott und zu seinem Thron entrückt. 6 Die Frau aber floh in die Wüste, wo Gott ihr einen Zufluchtsort geschaffen hatte; dort wird man sie mit Nahrung versorgen, zwölfhundertsechzig Tage lang.

In einem Satz wird hier die ganze Heilsgeschichte zusammengefasst. Die Leser der Offenbarung wissen, was hier gemeint ist. Es steht im Evangelium. Gottes Sohn kam in die Welt und hat den Neuen Bund gestiftet mit seinem Blut. Der Drache konnte ihn nicht verschlingen, sondern Gottes Sohn ging aus dem Tod als Sieger hervor über den Tod und thront zur Rechten des Vaters.

Maria aber wird zur Mutter des neuen Gottesvolkes. Mit ihren Kindern, den Glaubenden, steht sie im Kampf gegen den Satan. Sie ist die Zuflucht der Glaubenden und sie breitet den Mantel aus über ihre Kinder, um sie vor aller Not zu schützen. Rufen wir Maria um ihre Hilfe an:

 

Jungfrau, Mutter Gottes mein

lass mich ganz Dein eigen sein

Dein im Leben, Dein im Tod

Dein in Unglück, Angst und Not

Dein in Kreuz und bittrem Leid

Dein für Zeit und Ewigkeit

Jungfrau, Mutter Gottes mein

lass mich ganz Dein eigen sein

Mutter auf Dich hoff und baue ich

Mutter zu Dir ruf und seufze ich

Mutter Du gütigste, steh mir bei

Mutter Du mächtigste, Schutz mir leih

O Mutter, so komm, hilf beten mir

O Mutter so komm, hilf streiten mir

O Mutter so komm hilf leiden mir

O Mutter so komm und bleib bei mir

Du kannst mir ja helfen, o Mächtigste

Du willst mir ja helfen o Gütigste

Du musst mir nun helfen o Treueste

Du wirst mir auch helfen Barmherzigste

O Mutter der Gnade, der Christen Hort

Du Zuflucht der Sünder, des Heiles Port

Du Hoffnung der Erde, des Himmels Zier

Du Trost der Betrübten, ihr Schutzpanier

Wer hat je umsonst Deine Hilf angefleht

Wann hast Du vergessen ein kindlich Gebet

Drum ruf ich beharrlich, in Kreuz und in Leid

Maria hilft immer, sie hilft jederzeit

Ich ruf voll Vertrauen im Leiden und Tod

Maria hilft immer, in jeglicher Not

So glaub‘ ich und lebe und sterbe darauf

Maria hilft mir in den Himmel hinauf

Amen.

Offenbarung des Johannes (5)

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Wasser ist lebensnotwendig. Wie einst die vier Ströme vom Paradies aus die ganze Erde bewässert haben, so war es später der Strom der Tempelquelle, der in der Vision des Ezechiel der Welt das Wasser des Lebens gebracht hat. Die Neue Welt Gottes zeichnet eine bisher nicht gekannte Gottesunmittelbarkeit aus. So geht auch das Wasser des Lebens unmittelbar von Gott aus. Es ist rein und klar. Es fließt durch die ganze Stadt und wohin es fließt, da erblüht das Leben.

Lebensbäume stehen in Hülle und Fülle am Ufer des Stroms und tragen überreich Früchte. Sie dienen zur Nahrung, nicht für ein vergängliches Leben, sondern für die Ewigkeit und ihre Blätter bringen Heilung. Dieses Bild macht deutlich, dass die neue Welt Gottes doch Ähnlichkeiten mit der bisherigen Welt aufweist. Die Menschen werden auch dort Wasser zu Leben und Nahrung brauchen, aber wie im Paradies wird alles wie von selbst da sein und muss nicht erst mühsam erarbeitet werden.

Hier finden wir auch eine Antwort auf die Frage, warum Gott in dieser Welt den Tod zulässt. Im Paradies gab es auch einen Lebensbaum. Seine Früchte hätten den Menschen schon damals Unsterblichkeit verliehen. Aber mit der Vertreibung aus dem Paradies, hat der Mensch auch den Zugang zu diesem Baum verloren. Nun gibt Gott den Menschen unbegrenzten Anteil am Baum des Lebens. Und wenn es doch eine Krankheit geben sollte, so schenken die Blätter des Lebensbaumes augenblicklich Heilung.

Nun wird es nichts mehr geben, was der Fluch Gottes trifft. Gott wird über die Stadt herrschen und alle werden ihm bereitwillig dienen. Es ist eine gerechte Herrschaft, die allen Bewohnern wahres Glück und unvergänglichen Wohlstand gewährt. Alle werden stehen im ewigen Licht Gottes, das auf alle segenspendend scheint ohne Nacht und Finsternis.

Komm, Herr Jesus!

Mit diesem sehnsüchtigen Ruf endet die Offenbarung des Johannes, nachdem der Seher uns den Blick geöffnet hat für die Geheimnisse der irdischen und der himmlischen Welt. Auch Paulus überliefert uns am Ende des Ersten Korintherbriefes diesen Gebetsruf der frühen Kirche:

Marana tha – Unser Herr, komm!

Sehnsüchtig erwartet die Kirche seit dem Fortgang des Herrn bei seiner Himmelfahrt seine Wiederkunft.

Erwarten auch wir den wiederkommenden Herrn, oder haben wir es uns in dieser Welt bequem eingerichtet, dass wir uns von ihm jetzt nicht unbedingt stören lassen möchten?

Bald sollte das Kommen des Herrn erfolgen, doch nun sind schon fast 2000 Jahre seit diesen Ereignissen vergangen. Wo bleibt der Herr? Sicher war seine Verheißung nicht Lug und Trug. Auch wenn sein endgültiges Kommen noch aussteht, so erfahren wir doch stets Zeichen seiner Gegenwart, die uns deutlich machen, dass der Herr schon jetzt mitten unter uns ist.

Wir vereinen uns mit der frühen Kirche im Gebet um den Heiligen Geist. Der Geist ist es, der in uns und durch uns ruft: Komm Herr Jesus. Er macht uns bereit, für das Kommen des Herrn. Wie einst der Geist bei jenem ersten Pfingsten die Zungen der Jünger löste und sie zum Zeugnis befreite, so ersehnen auch wir den Geist, dass er uns in alle Wahrheit einführt und zu Zeugen Jesu Christi macht.

Nicht erst jenes letzte Kommen des Herrn ist entscheidend, sondern stets ist sein Kommen in die Mitte der Kirche und in das Herz jedes Menschen von größter Bedeutung. Dafür wollen wir uns bereiten, darum wollen wir beten und dieses Kommen ersehnen.

Offenbarung des Johannes (4)

Offb_21_02_Neues-Jerusalem

In den beiden letzten Kapiteln der Offenbarung wird dem Seher Johannes die Schau der neuen Welt Gottes zuteil. Bisher waren seine Visionen geprägt vom Kampf zwischen Gut und Böse, zwischen Gott und seinen Getreuen und dem Tier und seinen Verbündeten. Die Gläubigen hatten vieles zu leiden. Doch immer wieder ist die Herrlichkeit Gottes zum Durchbruch gekommen, bis schließlich Gericht gehalten wurde über die gottfeindlichen Mächte.

Nun kommt etwas ganz Neues. Die alte Erde mit ihren Schauplätzen von Krieg, Gewalt und Katastrophen ist endgültig Vergangenheit. Es braucht sich keiner mehr an diese Zeit zu erinnern. Es wird kein Trauma bleiben. Alle Wunden werden geheilt, alle Tränen abgewischt. Auch das Meer als bedrohende Macht, aus dem das gotteslästerliche Tier hervorgegangen ist, als Wohnung von Seeungeheuern, wie es uns das Alte Testament vorstellt, ist nicht mehr.

2Ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott her aus dem Himmel herabkommen; sie war bereit wie eine Braut, die sich für ihren Mann geschmückt hat. 3Da hörte ich eine laute Stimme vom Thron her rufen: Seht, die Wohnung Gottes unter den Menschen! Er wird in ihrer Mitte wohnen, und sie werden sein Volk sein; und er, Gott, wird bei ihnen sein.

Die Stadt Gottes ist geschmückt wie eine Braut, die ihren Bräutigam empfängt. Kein Bild kann die neue innige Beziehung zwischen Gott und den Menschen besser zum Ausdruck bringen, als das Bild der Ehe. Im Alten Testament zeigten die Propheten Gott als Bräutigam, der um seine Braut wirbt, die ihm untreu wurde und anderen Göttern nachlief, die er aber mit unendlicher Liebe liebt. Nun erfüllt sich diese Liebe. Nun wird Gottes Liebe offenbar und kein Mensch wird sich je nach einer anderen Liebe sehnen, weil Gottes Liebe höchste und unendliche Erfüllung schenkt.

Gott wird mitten unter den Menschen wohnen. Schon im Judentum war die Einwohnung Gottes in seiner Schöpfung, die Schekhina, von großer Bedeutung. Zunächst hat Mose beim Auszug aus Ägypten auf Anordnung Gottes das Bundeszelt errichtet, als Ort der Begegnung mit Gott. Als die Israeliten im Heiligen Land sesshaft wurden, entstanden mehrere Heiligtümer. Zentrale Bedeutung hat der Tempel in Jerusalem erlangt. Das Allerheiligste im Tempel war aus Sicht der Juden der Ort der Einwohnung Gottes in dieser Welt.

Mit Christus ist Gott selbst in diese Welt gekommen. Christus ist der Beginn von etwas ganz Neuem. Nun ist das Reich Gottes gekommen, die Endzeit ist angebrochen und wir warten auf die Wiederkunft Christi. Christus hat nach seinem Tod und seiner Auferstehung die Welt nicht einfach wieder verlassen, sondern hat den Heiligen Geist gesandt und der Kirche die Sakramente geschenkt als Zeichen seiner Gegenwart. So bleibt Gott uns nahe in dieser Welt. Ganz besonders wird dies in der Eucharistie deutlich.
In der Offenbarung heißt es: Seht das Zelt Gottes unter den Menschen. Hier steht im lateinischen Text das Wort tabernaculum. Wenn es auch viele Orte der Gegenwart Gottes in dieser Welt gibt, so ist doch seine Gegenwart in den Tabernakeln unserer Kirchen ein ganz besonderes Zeichen dieses Wohnen Gottes mit den Menschen in seiner Schöpfung. Es zeigt uns, dass die Verheißung der Offenbarung sich nicht nur auf die Zukunft bezieht, sondern jetzt schon Wirklichkeit ist.

Liebe und Eucharistie gehören untrennbar zusammen, wie uns Jesus beim letzten Abendmahl deutlich gemacht hat. So wird das Wohnen Gottes in seiner Schöpfung da in ganz besonderer Weise Wirklichkeit, wo Menschen in Liebe vereint sind. Das ist geschieht, wenn die christliche Gemeinde zum Gottesdienst zusammenkommt, aber auch überall dort, wo sich Menschen im Alltag in Liebe begegnen. Durch unser christliches Dasein und Tun können wir überall Zeichen der Gegenwart Gottes setzen.

Offenbarung des Johannes (3)

Allerheiligen_11

In Gottes Hand befindet sich eine Buchrolle. Sie ist mit sieben Siegeln versehen und niemand vermag es, diese Siegel zu öffnen, bist Christus auftritt. Er erscheint als Lamm, wie geschlachtet und doch lebendig. Er ist es, der allein die sieben Siegel lösen kann, mit denen das Buch dieser Welt versiegelt ist. Alles, was sich nun in den folgenden Kapiteln bis zur Schau der Neuen Welt Gottes im 21. Kapitel abspielt, zeigt diese Entsiegelung der Geschichte in immer neuen Bildern, die auseinander hervor und ineinander übergehen.

Die Öffnung der ersten vier Siegel macht die Übel der Welt offenbar. Es erscheint ein Reiter, der auszieht, um zu siegen, doch sein Sieg ist nicht von Dauer, ein zweiter Reiter macht ihm den Sieg streitig und Krieg kommt über die ganze Erde und bringt in Gestalt zweier weiterer Reiter die Übel von Hungersnot und Tod mit sich. Das fünfte Sigel offenbart die Leidenden, die sehnsüchtig auf Erlösung hoffen, und die Öffnung des sechsten Siegels lässt die Ordnung der Welt zusammen brechen.

Hans Urs von Balthasar fasst dies mit folgender Deutung zusammen:

Wenn das Lamm die Siegel zu öffnen beginnt, dann enthüllt sich zuerst die Schöpfung, nicht wie sie in der Idee Gottes, sondern wie sie in sich selbst ist, mit ihrem ganzen, auch von der Freiheit des Menschen mitbestimmten Realismus. Auf eine einzige Formel ist dieser nicht zu bringen, daher erscheint er auch vierfach anvisiert in den vier nacheinander auftauchenden Reitern. Jeder für sich verkörpert einen Aspekt der Welt. …

Um die Vierzahl zur Siebenzahl zu ergänzen, bedarf es noch der Öffnung der letzten drei Siegel. Diese betreffen nicht mehr die Welt, sondern die konkrete Geschichte der Menschheit. Und diese Geschichte wird selber konkret erst durch die Konfrontation der Gewalttätigkeit und des Unrechts in ihr mit dem letzten Prinzip der Geschichte, dem Lamm, das seinem Wesen nach keinen Pakt und Vergleich mit Gewalt und Unrecht eingehen kann.

Als das Lamm das siebte Siegel öffnete, trat im Himmel Stille ein, etwa eine halbe Stunde lang. Und ich sah: Sieben Engel standen vor Gott; ihnen wurden sieben Posaunen gegeben. (Offb 8,1-2)

Stille herrscht, als das Lamm das siebte Siegel öffnet. Es ist die Stille der Vollendung, gleich dem siebten Schöpfungstag.

Es ist das Eigenartige, und für die Apokalypse Bezeichnende: das Siebte ist nicht Fortsetzung des Bisherigen, sondern wie der Sabbat nach sechs Schöpfungstagen ein Ende, das aus sich selbst die folgenden Sieben entlässt. Jetzt sind es die richtenden Strafen Gottes über die schuldige Welt. Wieder stehen die ersten vier für sich, sie wirken sich vorwiegend an der Natur aus. Die drei Übrigbleibenden werden als die drei Weh über die Menschheit ausgerufen.

(Hans Urs von Balthasar)

Die vier ersten Posaunen bringen Naturkatastrophen über die Erde, Hagel und Feuer, die Verseuchung des Meeres und der Flüsse und Quellen an Land, und schließlich eine Verdunkelung der Himmelslichter. Mit der fünften Posaune bringt ein gewaltiger Schwarm riesenhafter Heuschrecken Not und Verderben über die Menschen und mit der sechsten Posaune kommen Reiter auf tobenden Pferden hervor, die mit Feuer, Rauch und Schwefel den Tod bringen.

Im zehnten Kapitel tritt ein Engel an Johannes heran und gibt ihm ein Buch zu essen. Danach wird ihm aufgetragen, den Tempel zu vermessen und es werden zwei Zeugen gesandt, die auftreten, um die Menschen zu warnen. Nun ist die Zeit endgültig knapp geworden, denn in Kürze wird mit der dritten Posaune endgültig Gottes Herrschaft über die Erde anbrechen und alles vergehen, was sich gegen Gott entschieden hat.

Dann erschien ein großes Zeichen am Himmel: eine Frau, mit der Sonne bekleidet; der Mond war unter ihren Füßen und ein Kranz von zwölf Sternen auf ihrem Haupt. Sie war schwanger und schrie vor Schmerz in ihren Geburtswehen. Ein anderes Zeichen erschien am Himmel: ein Drache, groß und feuerrot, mit sieben Köpfen und zehn Hörnern und mit sieben Diademen auf seinen Köpfen. Sein Schwanz fegte ein Drittel der Sterne vom Himmel und warf sie auf die Erde herab. Der Drache stand vor der Frau, die gebären sollte; er wollte ihr Kind verschlingen, sobald es geboren war. Und sie gebar ein Kind, einen Sohn, der über alle Völker mit eisernem Zepter herrschen wird. Und ihr Kind wurde zu Gott und zu seinem Thron entrückt. Die Frau aber floh in die Wüste, wo Gott ihr einen Zufluchtsort geschaffen hatte; dort wird man sie mit Nahrung versorgen, zwölfhundertsechzig Tage lang. (Offb 12,1-6)

Mit dem Ertönen der dritten Posaune öffnet sich der Blick auf das messianische Geschehen der Endzeit. Die Frau, die gebären wird, ist zum einen Bild für das Volk Israel, das erwählte Volk, aus dem der Messias hervorgegangen ist. Es ist aber auch ein Bild für Maria, die als Vertreterin ganz Israels konkret den Messias geboren hat. Ihr Kind ist Christus, aber zugleich auch das neue Volk Gottes, das Christus gegründet hat, die Kirche. Maria ist so auch Mutter der Kirche.

Im Himmel aber entsteht ein Kampf, der auch Auswirkungen auf die Erde hat. Der Drache, der gegen die Frau und ihr Kind kämpft ist Satan, der sich gegen Gott erhoben hat und von Michael und seinem Engelsheer gestürzt und auf die Erde geworfen wurde. Hier führt er nun den Kampf weiter gegen die Kinder Gottes. Da er im Himmel nicht über Gott siegen konnte, so will er wenigstens auf Erden Gottes Diener vernichten.

Mit zwei Tieren, den Lügenpropheten, die aus der Urgewalt des Meeres aufsteigen (in Kapitel 21 werden wir sehen, dass in der neuen Welt Gottes kein Platz mehr sein wird für dieses bedrohliche Weltmeer), bringt der Satan seine gottwidrige Botschaft über die Menschheit. Viele lassen sich verführen. Aber auch Gott sammelt seine Getreuen unter der Führung des Lammes vom Zion her.

Gottes Engel schwärmen aus, um der Erde Gottes Botschaft zu bringen. Alle Menschen können sie hören. Alle haben noch einmal die Möglichkeit, sich zu bekehren. keiner wird sagen können, er habe nichts von Gott gewusst, wenn der Menschensohn kommt, um die Welt zu richten, um ihre Trauben zu ernten und die Kelter des Zornes Gottes zu treten.

Mit den sieben letzten Plagen kommt noch einmal eine große Not über die Welt. Doch die Menschen verstehen nicht den Sinn, dass Gott ihnen damit eine letzte Warnung zur Umkehr geben will.

In zwei Kapiteln (17 und 18) wird das Gericht über die Hure Babylon geschildert. Diese Stadt steht symbolisch für den Inbegriff des Bösen, für alle Unzucht und für alle Gräuel, die Menschen je begangen haben, für den Kampf gegen die Heiligen Gottes, von deren Blut sie trunken ist. Sie ist das Gegenbild der Frau, die den Messias geboren hat, der Mutter der Kinder Gottes. Die ganze Welt klagt über den Untergang Babylons, aber ihre Vernichtung bedeutet die Bezwingung der letzten Bastion der gottfeindlichen Mächte und macht den Weg frei für Gottes Sieg.

Jubel ertönt im Himmel und ein Kämpfer zieht vom Himmel aus, um gegen das Tier und seinen Propheten und gegen deren Verbündete zu kämpfen. Das Tier und sein Prophet werden in den See von brennendem Schwefel geworfen, alle aber, die sich mit ihm verbündet hatten, werden mit dem Schwert getötet und von den Vögeln gefressen.

Doch noch ist der Satan nicht endgültig vernichtet, er ist nur gebannt und es beginnt eine tausendjährige Herrschaft der Heiligen Gottes. Danach kommt es zu einem letzten Kampf, wenn sich noch einmal alle gottfeindlichen Mächte verbünden, um gegen die Heiligen Gottes zu Kämpfen. Doch er ist bald beendet und der Satan wird in den See von brennendem Schwefel geworfen. Dann wird Gericht gehalten über alle Toten. Wer nicht im Buch des Lebens eingetragen ist, wird in den Feuersee geworfen. Was aber die Heiligen Gottes erwartet, das schildern die letzten beiden Kapitel.

Offenbarung des Johannes (2)

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Die Offenbarung ist in Briefform verfasst und beginnt mit einem Sendschreiben an sieben Gemeinden in Asien. Diese Gemeinden stehen symbolisch für die ganze Kirche, worauf die Siebenzahl hinweist. Gott schenkt Frieden. Er ist es, der war und der ist und der kommen wird. Alle Zeit ist sein. Gottes Ewigkeit umspannt unsere Zeit. Er ist immer gegenwärtig.

Christus wird dargestellt als der Retter, der die Menschen aus Liebe mit seinem Blut erlöst hat, er ist das Wort Gottes, er hat uns Gott wahrhaft verkündet und thront als der Auferstandene zur Rechten des Vaters als Herrscher über die ganze Erde. Wir sind berufen, an seinem Amt teilzuhaben als Könige und Priester für Gott. Seine Wiederkunft erwarten wir. Sie wird allen sichtbar sein. Gott selbst spricht. Er ist Alpha und Omega, Anfang und Ende, Herrscher über Zeit und Ewigkeit.

Am Tag des Herrn, also am Sonntag, hat Johannes zunächst eine Audition. Er hört hinter sich eine laute Stimme, gleich einer Posaune. Es ist damit ein langgezogenes, metallenes Blasinstrument mit Mundstück und Schalltrichter gemeint. Als lautestes aller damaligen Instrumente wird es oft im Zusammenhang von apokalyptischen Schilderungen oder Theophanien, wie beispielsweise am Sinai, erwähnt.

Als er sich umwendet, sieht Johannes sieben Leuchter, Symbol für die sieben Adressatengemeinden der Offenbarung, aber auch für die gesamte Kirche. Die Leuchter sind aus Gold, dem damals reinsten und edelsten aller Metalle, ein Zeichen dafür, wie wertvoll die Gemeinde und jeder einzelne für Gott ist. Christus hat ja selbst gesagt: Ihr seid das Licht der Welt. Und Christus ist in seiner Kirche gegenwärtig. Johannes sieht zwischen den Leuchtern eine Gestalt gleich einem Menschensohn. Dieser Begriff stammt aus dem Buch Daniel und wurde schon früh zur Christusprädikation. Der kundige Leser weiß also sofort, dass es sich dabei um niemand anderen als Christus handeln kann, wenngleich sich Christus erst wenige Verse später selbst unmissverständlich durch sein Wort zu erkennen gibt.

Johannes beschreibt diesen Menschensohnähnlichen. Das lange Gewand und der goldene, durch die Achselhöhlen und über die Brust laufende Gürtel deuten auf eine vornehme Person, einen Herrscher oder Priester hin. Christus wird dargestellt als der wahre und endgültige Hohepriester.

Leuchtendweißes Haupt und Haare weisen hin auf alttestamentliche Gottesbilder und symbolisieren die Reinheit Gottes. Augen wie Feuerflammen durchdringen alles, ihnen bleibt nichts verborgen. Die Füße aus Golderz, einer Legierung, die als noch wertvoller galt als Gold, zeigen das Gewicht und die machtvolle Würde der Person. Der Klang der Stimme ist majestätisch, wie das Tosen von Wassermassen, wie die Stimme Gottes im Alten Testament.

Christus hält in seiner rechten Hand, der Herrscherhand, sieben Sterne, Symbol für die Engel der sieben Gemeinden, aber auch wieder für die gesamte Kirche. Die Gerechten sind in Gottes Hand und niemand kann sie seiner Macht entreißen, wie es im Alten Testament heißt. Christus nimmt die Gläubigen unter seinen Schutz, er ist mächtiger als alle anderen Mächte. Jedoch können die Gläubigen aus diesem Schutz herausfallen, wenn sie nicht mehr nach Gottes Willen leben und sein Wort missachten. In dieser Gefahr stehen die sieben Gemeinden. Christus ist zugleich auch Richter. Dies zeigt das Schwert aus seinem Mund, Christus richtet durch sein Wort.

Noch einmal kommt das leuchtende Antlitz Christi in den Blick. Es ist der Glanz der Gottheit, vor dem Mose schon sein Gesicht verbergen musste und den der Mensch nicht ertragen kann, ohne zu sterben. So sinkt auch Johannes nieder, wie tot. Doch die rechte Herrscherhand Christi ist zugleich auch seine Segenshand. Er richtet seinen Diener auf. Fürchte dich nicht. Nun gibt sich Christus durch sein Wort zu erkennen. Er ist der Erste und der Letzte und der Lebendige, alles alttestamentliche Gottesprädikationen, die bewusst auf Christus angewandt werden, um ihn als wahren Gott zu zeigen. Er ist der Auferstandene. Er hat durch seinen Tod und seine Auferstehung das dämonische Paar, Tod und Hades, besiegt und ihnen den Schlüssel zur Unterwelt entrissen. Nun herrscht Gott auch über den Ort, zu dem er nach alttestamentlichen Vorstellungen keinen Zutritt hatte.

Die Sendschreiben an die sieben kleinasiatischen Städte Ephesus, Smyrna, Pergamon, Thyatira, Sardes, Philadelphia und Laodizea stehen stellvertretend für die Kirche auf der ganzen Erde. Gott kennt die Nöte der Gläubigen, aber er weiß auch, was jeder tun könnte und wo er hinter dem zurück bleibt, was möglich wäre. Lauheit ist abscheulich. Entweder heiß oder kalt. Jeder muss sich entscheiden und wie es so oft in der Offenbarung deutlich wird, die Entscheidung drängt. Wer umkehrt, erlangt Verzeihung, wer sich aber selbst etwas vormacht und sich für perfekt hält, obwohl er es nicht ist, dem droht das Gericht. Gott kann man nichts vormachen.

Hans Urs von Balthasar bezeichnet die Sendschreiben als Beichte der Gemeinden:

Die sieben Schreiben an die Gemeinden bilden zusammen eine Beichte der Kirche, die der Herr der Kirche an ihr vornimmt und die wie jede christliche Beichte zugleich etwas unerbittlich Richtendes und etwas unendlich gnadenhaft Aufrichtendes hat. So ist auch diese vom Himmel her ergehende Bloßlegung des ganzen Zustandes der Kirche keine pauschale, sondern eine – wie es sich in der Beichte gehört – minutiös differenzierte, alle verborgenen Winkel auslotende Schau.

Das vierte und fünfte Kapitel der Offenbarung versetzen den Seher und mit ihm auch den Leser in die Welt des Himmels. Wir sehen Gott auf seinem Thron, umgeben von vierundzwanzig Ältesten. Blitze, Stimmen und Donner gehen vom Thron aus. Die sieben Geister Gottes stehen als lodernde Fackeln vor dem Thron und vier Lebewesen, die uns schon in den Visionen der Propheten Jesaja und Ezechiel begegnen, und zu Symbolen der vier Evangelisten geworden sind: Löwe, Stier, Mensch und Adler. Vor dem Thron Gottes ereignet sich eine ewige Liturgie, die vom Ruf des Dreimal-Heilig geprägt ist.

Offenbarung des Johannes (1)

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An den Sonntagen der Osterzeit hören wir im Lesejahr C verschiedene Stellen aus der Offenbarung des Johannes, ein guter Anlass dafür, dieses Buch und die betreffenden Stellen näher zu betrachten.

Der Titel Apokalypse oder Geheime Offenbarung geht auf das erste Wort des Buches zurück, das auf Griechisch Apokalypsis, zu Deutsch Offenbarung, heißt. Apokalyptische Visionen gab es bereits im Alten Testament und bis heute gibt es eine Flut apokalyptischer Literatur. Meist verbindet man mit dem Wort Apokalypse etwas Zerstörerisches, Visionen vom Weltuntergang. In seiner Grundbedeutung, in der es auch als Überschrift über diesem Buch steht, meint es einfach nur Offenbarung. Das Buch gibt Zeugnis von einer verborgenen Wirklichkeit, gibt Kunde von den Geheimnissen der Schöpfung.

Als Name des Autors wird Johannes angegeben. Ihm zeigt ein Engel die Offenbarung, die Christus von Gott empfangen hat. Es ist einer der sieben Engel, die vor dem Angesicht Gottes stehen. Der Engel ist der Mittler der Visionen an Johannes und ist auch der, der sie deutet. Im Bild, das ich zum ersten Vers der Offenbarung gewählt habe, wird dem Seher Johannes symbolisch das, was er erst in Visionen schauen wird, aus dem Himmel herab in einem Buch übergeben. Dies weist hin auf die Vision in Kapitel 10, in der Johannes vom Himmel ein Buch erhält, das zu essen er aufgefordert wird. Der Prophet verinnerlicht somit ganz das, was ihm offenbart wird.

Über die Person des Johannes gibt es verschiedene Auffassungen. Die griechische Sprache der Apokalypse und die vielen Anklänge an das Alte Testament weisen auf einen judenchristlichen Verfasser hin. Die frühkirchliche Tradition, darunter Justin der Märtyrer und Irenäus von Lyon, hat den Autor der Apokalypse mit dem Apostel und Evangelisten Johannes gleichgesetzt. Johannes soll ja ein sehr hohes Alter erreicht haben und noch unter dem zur Jahrhundertwende regierenden Kaiser Trajan der Gemeinde von Ephesus vorgestanden haben. Schon immer aber gibt es auch Zweifel an dieser Gleichsetzung.

Entstanden ist die Apokalypse der Tradition nach, wie es Vers 9 sagt, auf der Insel Patmos in Kleinasien, wohl um das Jahr 95, unter der Herrschaft des Kaisers Domitian (81-96). Dieser intensivierte den Kaiserkult und ließ sich seit dem Jahr 85 „dominus et deus noster“ (unser Herr und Gott) nennen, was unter den Gläubigen heftige Irritationen ausgelöst hat. Die aus christlicher Sicht unumgängliche Ablehnung eines derartigen Kaiserkultes führte zu Ausgrenzung und Verfolgung der Christen.

Jedoch dürfen wir die Offenbarung nicht nur als eine in diese Zeit hinein gesprochene Trostschrift verstehen, sondern sie ist zu allen Zeiten aktuell. Wie Lukas sein Evangelium mit der Apostelgeschichte bis in die Zeit der jungen Kirche erweitert hat, so können wir auch die Offenbarung des Johannes als Gegenwärtigsetzung seines Evangeliums in die Zeit der Kirche betrachten.

Wie schon im Evangelium, geht Johannes auch hier eigene Wege. Nicht chronologisch und historisch wie Lukas geht er vor, sondern mit einer Fülle von Bildern sprengt er die logische Folge von Zeit und Geschichte. Das verwirrt uns aufgeklärte Menschen, die wir alles mit der Logik des Verstandes durchdringen möchten. Doch das Geheimnis Gottes übersteigt menschliche Logik und genau zu diesem Punkt möchte uns Johannes führen, damit wir so Gottes Größe erkennen.

Die Bilder der Apokalypse wollen nicht in eine zeitliche Reihenfolge gepresst und historisch ausgedeutet werden. Sie zeigen das, was immer geschieht, auf verschiedene Weise, und gehen ineinander über und auseinander hervor. Die einzelnen Siebener-Reihen beispielsweise sind nicht in sich abgeschlossen, sondern untrennbar miteinander verwoben.

Der Kampf zwischen dem Reich des Tieres und den Getreuen des Lammes, von dem die Offenbarung berichtet, tobt zu allen Zeiten. Er ist kennzeichnend für den Zustand dieser Welt und wird erst enden, wenn Gottes neue Schöpfung Wirklichkeit geworden ist. Zwar ist Gottes neue Schöpfung schon verborgen in der Welt gegenwärtig, aber erst dann, wenn sie in ihrer Fülle offenbar werden wird, gibt es keinen Raum mehr für die Mächte des Bösen.

In alle Zeiten ergeht daher der mahnende Ruf des Sehers an die Gemeinden, treu in der Liebe zum Herrn zu stehen. Lassen auch Sie sich von seinen Bildern leiten und schmälern Sie nicht deren Kraft durch scheinbar logische und historische Deutungen. Versuchen Sie nicht zu verstehen, sondern tauchen Sie ein in die Vielfalt der Bilder, die in immer anderen Aspekten das deuten, was Sie im Hier und Jetzt erleben. Lassen Sie sich rufen vom Ruf zur Umkehr. Diese ist sicher nicht leicht, aber wird belohnt mit unvorstellbarem Glück.

Hans Urs von Balthasar gibt in „Das Buch des Lammes“ folgende Zusammenfassung des Inhalts der Offenbarung:

Die Offenbarung hat den Sinn der Weltgeschichte und damit der Schöpfung im Ganzen zum Inhalt, so wie dieser aus der Perspektive des einzig zuständigen Lammes aufgeht, ein Sinn aber, der nicht einfach abgelesen werden kann, sondern durch das Sich-Ereignen des Ganzen hindurch sich erschließt: durch das Handeln des Lammes zuerst, da es geschlachtet wurde und nun lebend dasteht, durch das Handeln der Menschen, die den Sinn dieses Handelns selber handelnd entweder für treu und zuverlässig halten oder sich ihm gegenüber ablehnend verhalten. Und da jedem die Freiheit zum Glauben und zum Nichtglauben bleibt, wird dieser Sinn nicht in einer platten Geschichtserzählung dessen, was kommen wird, dargelegt, sondern in Visionsbildern, die das Weltgeschehen, das sich zwischen Himmel und Erde vollzieht, in zugleich offenbarenden und Geheimnis bleibenden Gestalten vorzeigen.