Station 4: Ölberg

Dann verließ Jesus die Stadt und ging, wie er es gewohnt war, zum Ölberg; seine Jünger folgten ihm.

Lk 22,39

Nach dem letzten Abendmahl mit dem Hinweis auf den Verräter und einem abschließenden Wort an Petrus und die anderen Jünger verlässt Jesus zusammen mit ihnen die Stadt. So hat er es auch bereits in den vergangenen Tagen, an denen er mit seinen Jüngern in Jerusalem war, gemacht. Sie haben ihr Übernachtungsquartier in Betanien, auf der anderen Seite des Ölbergs. Nun aber geht er nicht direkt dorthin, sondern macht bei einem Grundstück am Fuße des Ölbergs halt. Anders als Matthäus und Markus erwähnt Lukas den Namen Getsemani des Grundstücks nicht. Auch weist Jesus bei Lukas die Jünger nicht an, auf ihn zu warten, während er sich zum Gebet zurückzieht, sondern er fordert sie auf zum Gebet und geht dann selbst weg, um zu beten, allein, ohne Petrus, Jakobus und Johannes, wie es die anderen Evangelisten berichten.

Als er dort war, sagte er zu ihnen: Betet, dass ihr nicht in Versuchung geratet! Dann entfernte er sich von ihnen ungefähr einen Steinwurf weit, kniete nieder und betete.

Lk 22,40-41

Lukas ist sehr präzise, wenn er die Entfernung mit der Weite eines Steinwurfs angibt. Wahrscheinlich war das die Distanz, die sich Jesus gewöhnlich von seinen Jüngern entfernte, um in das vertraute Gespräch mit seinen Vater einzutreten. Die Jünger wussten um das Besondere dieser Beziehung Jesu zum Vater, auch wenn Sie es wahrscheinlich nicht vollkommen verstehen konnten. Alle drei Synoptiker berichten den Inhalt des Gebetes Jesu:

Vater, wenn du willst, nimm diesen Kelch von mir! Aber nicht mein, sondern dein Wille soll geschehen.

Da erschien ihm ein Engel vom Himmel und stärkte ihn. Und er betete in seiner Angst noch inständiger und sein Schweiß war wie Blut, das auf die Erde tropfte.

Lk 22,42-44

Jesus weiß um das, was ihm bevorsteht. Er hat Angst. Sein Schweiß tropft dick wie Blut auf den Boden. Aber er bekommt Kraft im Gebet. Vielleicht ist es nicht so sehr seine Angst um sein eigenes irdisches Leben, die ihn beschäftigt, sondern die Sorge um seine Jünger, die Sorge um das Reich Gottes. Wird das, was nun geschehen wird, den Aufbau des Reiches Gottes fördern? Sind die Jünger schon reif dafür, ohne seine irdische Anwesenheit das Reich Gottes aufzubauen, oder werden sie zerstreut und aufgerieben werden? Wie Jesus nach seinem Gebet die Jünger vorfindet, ist nicht gerade ermutigend.

Nach dem Gebet stand er auf, ging zu den Jüngern zurück und fand sie schlafend; denn sie waren vor Kummer erschöpft. Da sagte er zu ihnen: Wie könnt ihr schlafen? Steht auf und betet, damit ihr nicht in Versuchung geratet!

Lk 22,44-46

Betet, dass ihr nicht in Versuchung geratet! Dieses Wort Jesu ist aus meiner Sicht der zentrale Punkt des Gebetes Jesu am Ölberg. Es geht Jesus nicht um sich, nicht um seine eigenen Ängste, es geht Jesus um uns. Er weiß was ihm bevorsteht, er weiß, dass der Wille des Vaters für ihn gut ist. Aber was wird mit den Jüngern geschehen, wenn sie das erleben? Wenn sie ihn am Kreuz sterben sehen? Noch kennen sie nicht die Kraft der Auferstehung, noch kennen sie nicht den Sieg des Lebens über den Tod. Werden sie beisammen bleiben, bis die Kraft des Heiligen Geistes, den Jesus senden wird, ihnen die Kraft zum Zeugnis geben wird?

Werden die Jünger in der Versuchung standhalten? Judas Iskariot ist ihr bereits erlegen und wird in der nächsten Szene die Truppen anführen, die Jesus gefangen nehmen. Jesus weiß, mit welch hinterlistigen Argumenten der Versucher an die Menschen herantritt, um sie zu täuschen. Er findet Argumente, um das Böse gut erscheinen zu lassen und das Gute böse. Es erfordert viel Kraft und Ausdauer, um seinen Einflüsterungen zu widerstehen. Die wichtigste Waffe gegen ihn ist das Gebet.

Wenn wir uns am Gründonnerstag zur Ölbergstunde zum Gebet zusammenfinden, wollen wir besonders daran denken, wie wichtig es für uns ist, zu beten, dass wir nicht in Versuchung geraten, dass wir in der Versuchung standhaft sind und uns nicht von den scheinbar so einleuchtenden Argumenten des Versuchers verführen lassen. Jesus steht uns bei im Kampf gegen das Böse. Seine größte Sorge galt seinen Jüngern und damit auch uns, dass wir standhaft bleiben in der Versuchung und so zu aufrichtigen Zeugen des Reiches Gottes werden. Wie viele sind dem Versucher zum Opfer gefallen und haben die Kirche in Verruf gebracht. Beten wir auch für sie, verurteilen wir sie nicht. Wir wissen, dass auch wir selbst anfällig sind für die Versuchung. Wenn uns der Versucher bedrängt, denken wir an die Ölbergstunde Jesu und seine Sorge um uns. Schöpfen wir die Kraft, dem Versucher zu widerstehen, aus dem festen Vertrauen darauf, dass Jesus uns allezeit nahe ist.

Station 3: Der Messias

Da fragte er sie: Wie kann man behaupten, der Christus (Gesalbte/Messias) sei der Sohn Davids?

Lk 20,41

Christus ist die griechische Übersetzung für „Messias“, was zu Deutsch „der Gesalbte“ heißt. Gesalbte waren die Könige Israels, beginnend mit Saul bis hin zu König Zidkija. Das Haus Saul wurde aber von Gott verworfen und mit König David eine neue Dynastie eingesetzt, die bis zum babylonischen Exil Bestand hatte. Erst Nebukadnezzar führte mit der Gefangennahme Zidkijas und der Hinrichtung von dessen Söhnen das Ende des Hauses David herbei.

Bis dahin waren alle Könige Gesalbte und diese Salbung machte sie zu besonderen Mittlern zwischen Gott und den Menschen. Auch wenn viele von ihnen dieser besonderen Rolle nicht gerecht wurden, trug der König doch stets vor Gott die Verantwortung für sein Volk. Alle Könige wurden an dem Idealbild gemessen, nach dem die Heilige Schrift den König David beschrieben hat. An ihn ist auch die Verheißung des Propheten Natan ergangen:

Dein Haus und dein Königtum werden vor dir auf ewig bestehen bleiben; dein Thron wird auf ewig Bestand haben. (Sam 7,16)

Das bedeutet, dass es dem Haus David nie an einem Nachkommen fehlen wird. Nun aber war das davidische Königtum im babylonischen Exil untergegangen. Also musste dieses Wort der Schrift noch eine tiefere Bedeutung haben. Für viele gläubige Juden nach dem babylonischen Exil bis heute erwuchs daraus die Erwartung, dass Gott seinem Volk einen neuen Gesalbten senden wird, der das davidische Königtum erneuern und das Volk zu neuem Ruhm führen wird.

Es gab in den einzelnen jüdischen Gruppierungen ziemlich genaue Vorstellungen davon, wie das Kommen dieses Messias erfolgen würde. Sein Erscheinen wurde immer mehr mit dem Anbruch der Endzeit in Verbindung gebracht. Er sollte vom Ölberg her nach Jerusalem einziehen und dabei die Toten zu neuem Leben führen, weshalb der Ölberg bis heute der bevorzugte Begräbnisort vieler gläubiger Juden ist.

Jesus zog vom Ölberg her nach Jerusalem ein und vielen Menschen erschien Jesus als der Messias, der sein Volk retten wird. Die „Hosanna“-Rufe bei seinem Einzug in Jerusalem machen das deutlich. Doch viele haben sich den Messias anders vorgestellt. Er sollte kämpferischer sein, sein Volk von der Besatzungsmacht der Römer befreien, vor allem sollte er dem Tempelkult und den religiösen Führern der Juden mehr verbunden sein. Einen solchen Messias wie Jesus konnten sie nicht akzeptieren.

Vielleicht lag das auch daran, dass viele lieber einen „menschlichen“ Messias gehabt hätten, der wie viele Könige der alten Zeit sich auf die Seite der Mächtigen stellt und ihren Einfluss gegenüber der einfachen Bevölkerung noch vergrößert. Einen Messias, der sich der einfachen Menschen annimmt und dessen Gefolge aus Fischern und Handwerkern aus der Provinz Galiläa besteht, den wollte man in Jerusalem nicht.

Wo ist denn das Königliche an Jesus? Die religiösen Führer waren blind dafür. Die Evangelisten aber möchten uns die Augen dafür öffnen. Jesus stammt durch seinen Adoptivvater Josef aus dem Haus Davids, er erfüllt die Verheißungen, die in der Heiligen Schrift über den Messias gemacht werden und sein Weg ans Kreuz ist eine verborgene Krönungszeremonie.

Jesus, der Gesalbte, der Christus, der Messias, ist eben nicht deshalb Messias, weil er den Erwartungen der Mächtigen entspricht und wie ein weltlicher Herrscher mit seinen Stärken und Schwächen auftritt, sondern weil er mehr ist als ein König. Er ist nicht Sohn und Nachfolger Davids, sondern steht über David, ist dessen „Herr“, weil er der Sohn Gottes und Gott ist. Dies macht Jesus mit einem Zitat aus dem Königspsalm 110 deutlich:

Denn David selbst sagt im Buch der Psalmen: Der Herr sprach zu meinem Herrn: Setze dich mir zur Rechten, bis ich dir deine Feinde als Schemel unter die Füße lege! David nennt ihn also Herr. Wie kann er dann sein Sohn sein?

Lk 20,42-44

Der Messias ist anders, als ihr euch das vorstellt, das will Jesus den religiösen Führern deutlich machen. Doch auch wir müssen unsere Gottesbilder immer wieder überprüfen. Gestehen wir Gott zu, dass er anders ist? Dass er nicht dazu missbraucht werden will, den Einfluss der Mächtigen zu stärken? Dass er sich wirklich der Armen und Unterdrückten annimmt und sie nicht nur ruhig stellt durch Almosen, sondern dass er sie wirklich in die Freiheit und Unabhängigkeit führen will?

Hüten wir uns davor, Gottes Wort in die engen Schubladen unserer Kleinkrämerei zu packen. Geben wir ihm seine Sprengkraft wieder, mit der Jesus die Fesseln des Todes zerbrochen hat. Nur so können auch wir das neue Leben erfahren, das Jesus der ganzen Welt gebracht hat. Er allein ist König, er allein ist Herr, ihm allein wollen wie dienen und ihn allein anbeten.

Jesus, du Herr meines Lebens, sei du allein mein Herr.

Station 2: Einzug nach Jerusalem

Und es geschah: Er kam in die Nähe von Betfage und Betanien, an den Berg, der Ölberg heißt, da schickte er zwei seiner Jünger aus und sagte: Geht in das Dorf, das vor uns liegt! Wenn ihr hineinkommt, werdet ihr dort ein Fohlen angebunden finden, auf dem noch nie ein Mensch gesessen hat. Bindet es los und bringt es her! Und wenn euch jemand fragt: Warum bindet ihr es los?, dann antwortet: Der Herr braucht es.

Die Ausgesandten machten sich auf den Weg und fanden alles so, wie er es ihnen gesagt hatte. Als sie das Fohlen losbanden, sagten die Leute, denen es gehörte: Warum bindet ihr das Fohlen los? Sie antworteten: Weil der Herr es braucht.

Lk 19,29-34

Alle Evangelien berichten davon, dass Jesus auf einem Esel reitend in Jerusalem eingezogen ist. Es ist ein junger Esel, auf dem vorher noch niemand gesessen hat. Jesus beauftragt seine Jünger, diesen bei gewissen nicht näher genannten Leuten zu holen. Da die Evangelien von dem Esel und seiner Beschaffung doch relativ ausführlich berichten, liegt die Vermutung nahe, dass dieser Vorgang eine tiefere Bedeutung hat.

Jesus sagte voraus, dass niemand sie hindern werde, vielmehr auf ihre Worte hin alle zu diesem Tun schweigen würden. … Irrig wäre die Meinung, der Vorgang habe nicht viel zu bedeuten. Denn wie kamen diese Landleute, die wahrscheinlich arm waren, dazu, sich ohne Widerspruch ihr Eigentum entführen zu lassen? … Zwei sehr auffallende Umstände: sie sagten gar nichts dazu, dass man ihre Lasttiere wegführte und willigten noch ohne Widerrede ein, als sie hörten, der Herr bedürfe ihrer; und dabei sahen sie ihn selbst nicht einmal, sondern nur seine Jünger. (Johannes Chrysostomus)

Johannes Chrysostomus deutet dies zum einen als ein Zeichen dafür, dass Jesus auch leicht seinem Leiden hätte entgehen können, wenn er es gewollt hätte. Wie die Besitzer des Esels seinem Wunsch willig folgten, so hätte er sich auch die Gunst der Juden erwerben können. Doch nach Gottes Willen sollte es anders kommen.

Jesus wollte die Jünger, die über seinen bevorstehenden Tod betrübt waren, ermutigen und ihnen zeigen, dass er sich dem ganzen Leiden freiwillig unterzog. (Johannes Chrysostomus)

Der Esel, der so willig sich zum Herrn führen lässt und sich von ihm in Dienst stellen lässt, wird aber auch zu einem Bild der Kirche und jedes einzelnen Gläubigen.

Beachte dabei, wie fügsam das Füllen ist. Obwohl noch nicht zugeritten und noch an keine Zügel gewohnt, schreitet es doch ruhigen Schrittes dahin, ohne sich zu bäumen. Auch in diesem Umstand liegt eine Prophezeiung: es wird angedeutet, wie willig sich die Heiden zeigen und mit welcher Bereitwilligkeit sie sich in die neue Ordnung fügen werden. (Johannes Chrysostomus)

Wenn schon die Heiden sich so willig zu Christus hin bekehren, wie viel mehr müssen dann die Gläubigen ihm dienen. Jesus zeigt den Aposteln und uns allen, dass wir bereit sein sollen, ihm alles zu schenken. Dieses Schenken zeigt sich ganz besonders auch im Dienst an den Armen, dem Almosengeben, zu dem wir in der Fastenzeit besonders aufgerufen sind.

Christus verlangt nur, dass wir den Bedürftigen geben, und verheißt uns dafür das Himmelreich. … Seien wir also nicht so kleinlich, nicht so unmenschlich und grausam gegen uns selbst, sondern ergreifen und betreiben wir vielmehr dieses vorzügliche Geschäft, dann werden wir glücklich hinübergehen und es zugleich auch unseren Söhnen hinterlassen können; dann werden wir auch der ewigen Güter teilhaftig werden durch die Gnade und Liebe unseres Herrn Jesus Christus, dem mit dem Vater und dem Heiligen Geiste Ruhm, Macht und Ehre sei jetzt und allezeit und in alle Ewigkeit. Amen! (Johannes Chrysostomus)

Johannes Chrysostomus stellt uns also den Palmesel geradezu als Vorbild hin. Der Esel, der eigentlich ein störrisches Tier ist, fügt sich ganz dem Willen Jesu und als er dann auf dem Esel Platz genommen hat, kann der festliche Einzug in Jerusalem beginnen.

Dann führten sie es zu Jesus, legten ihre Kleider auf das Fohlen und halfen Jesus hinauf. Während er dahinritt, breiteten die Jünger ihre Kleider auf dem Weg aus. Als er sich schon dem Abhang des Ölbergs näherte, begann die Schar der Jünger freudig und mit lauter Stimme Gott zu loben wegen all der Machttaten, die sie gesehen hatten. Sie riefen: Gesegnet sei der König, der kommt im Namen des Herrn. Im Himmel Friede und Ehre in der Höhe!

Lk 19,35-38

Wie vor einem König breiten die Jünger vor Jesus ihre Kleider auf der Straße aus und zieren den Weg mit Palmzweigen. Wir kennen es heute noch, dass ein roter Teppich ausgelegt wird, wenn hohe Staatsgäste oder Prominente empfangen werden. Es ist ein wahrhaft königlicher Einzug, den Jesus in Jerusalem inszeniert, ganz anders als wir es von seinem bisherigen Auftreten gewohnt sind. Jesus erfüllt die Messias-Weissagung des Propheten Sacharja:

Juble laut, Tochter Zion! Jauchze, Tochter Jerusalem! Siehe, dein König kommt zu dir. Er ist gerecht und hilft; er ist demütig und reitet auf einem Esel, auf einem Fohlen, dem Jungen einer Eselin. (Sach 9,9)

So ist das Reiten Jesu auf einem Esel sicherlich zunächst ein Zeichen seiner Demut.

Er kommt also nicht auf einem Wagen, wie andere Könige, nicht um Steuern einzuheben, nicht mit Groß und Leibwache, sondern er bekundet auch hierin eine große Bescheidenheit. (Johannes Chrysostomus)

Wenn Jesus aber auf einem Esel in Jerusalem einzieht, so macht er damit zugleich seinen Anspruch deutlich, der Messias, der neue König von Israel zu sein. Die Menschen wissen dieses Zeichen zu deuten. Die einen hoffen nun auf den Anbruch der neuen Gottesherrschaft, die anderen versuchen diese mit allen Mittel zu verhindern. Womit aber wohl keiner rechnet, ist das, was in den nächsten Tagen in Jerusalem geschehen wird: Dass der Messias-König seine Herrschaft antritt als König am Kreuz.

Station 1: Vor Jerusalem

Weil Jesus schon nahe bei Jerusalem war, meinten die Menschen, die von alldem hörten, das Reich Gottes werde sofort erscheinen. Daher erzählte er ihnen ein weiteres Gleichnis. (Lk 19,11)

Lk 19,11

Als letzte Szene vor dem Einzug Jesu in Jerusalem schildern Matthäus und Markus die Heilung des Blinden bei Jericho. Es ist bei ihnen das letzte Wunder, das Jesus vollbringt, bevor er die Stadt betritt. Lukas aber fügt hier noch zwei weitere Ereignisse an. Während für Matthäus und Markus die Blindenheilung ein wichtiges Zeichen vor den Ereignissen in Jerusalem ist – nur, wem Jesus die Augen öffnet, kann den Sinn der folgenden Ereignisse in Jerusalem verstehen und so Jesus nachfolgen -, gewichtet Lukas anders. Er stellt nochmals die Bekehrung eines Zöllners in den Mittelpunkt und redet – wie so oft – vom Geld.

Schauen wir uns das Gleichnis vom anvertrauten Geld, das Jesus den Menschen unmittelbar vor seinem Einzug in Jerusalem erzählt, genauer an.

Er sagte: Ein Mann von vornehmer Herkunft wollte in ein fernes Land reisen, um die Königswürde für sich zu erlangen und dann zurückzukehren. Er rief zehn seiner Diener zu sich, verteilte unter sie zehn Minen und sagte: Macht Geschäfte damit, bis ich wiederkomme!

Lk 19,12-13

Wir können den Mann von vornehmer Herkunft mit Jesus gleich setzen. Er kam vom Vater im Himmel, zu ihm kehrt er nun auch wieder zurück. Das bevorstehende Leiden Jesu wird von Lukas in besonderer Weise als Inthronisation beschrieben. Am Kreuz erweist Jesus sich als König der ganzen Welt. Um diese Würde zu erlangen, muss Jesus sich von seinen Jüngern entfernen. Die vertraute Gemeinschaft mit ihnen endet mit dem letzten Abendmahl. Danach sind die Jünger zunächst auf sich gestellt, bis Jesus als der Auferstandene wieder unter ihnen ist.

Aber Jesus wird nicht mehr in menschlicher Weise bei seinen Jüngern sein. Bis zu seiner Rückkehr am Ende der Tage liegt es in der Verantwortung der Jüngerinnen und Jünger Jesu überall auf der Welt mit den ihnen anvertrauten Fähigkeiten am Aufbau des Reiches Gottes mitzuarbeiten. Und es ist sehr viel, das Jesus jedem einzelnen schenkt und anvertraut. Nach seiner Rückkehr erwartet der neue König Rechenschaft darüber, wie sie mit dem ihnen anvertrauten Geld umgegangen sind.

Der erste kam und sagte: Herr, deine Mine hat zehn Minen eingebracht. Da sagte der König zu ihm: Sehr gut, du bist ein guter Diener. Weil du im Kleinsten zuverlässig warst, sollst du Herr über zehn Städte werden.

Der zweite kam und sagte: Herr, deine Mine hat fünf Minen eingebracht. Zu ihm sagte der König: Du sollst über fünf Städte herrschen.

Nun kam ein anderer und sagte: Herr, siehe deine Mine. Ich habe sie in einem Schweißtuch aufbewahrt; denn ich hatte Angst vor dir, weil du ein strenger Mann bist: Du hebst ab, was du nicht eingezahlt hast, und erntest, was du nicht gesät hast.

Der König antwortete: Aus deinem eigenen Mund spreche ich dir das Urteil. Du bist ein schlechter Diener. Du hast gewusst, dass ich ein strenger Mann bin? Dass ich abhebe, was ich nicht eingezahlt habe, und ernte, was ich nicht gesät habe? Warum hast du dann mein Geld nicht auf die Bank gebracht? Dann hätte ich es bei der Rückkehr mit Zinsen abheben können.

Und zu denen, die dabeistanden, sagte er: Nehmt ihm die Mine weg und gebt sie dem, der die zehn Minen hat! Sie sagten zu ihm: Herr, er hat doch schon zehn. Ich sage euch: Wer hat, dem wird gegeben werden; wer aber nicht hat, dem wird auch noch weggenommen, was er hat.

Lk 19,16-26

Um den in unseren Ohren harten Schluss des Gleichnisses zu verstehen, müssen wir an dessen Anfang zurückblicken. Jesus erzählt das Gleichnis, weil viele denken, dass nun mit seinem unmittelbar bevorstehenden Einzug nach Jerusalem das Reich Gottes anbrechen wird. Aber Jesu Königsherrschaft wird nicht in dieser Weise sichtbar sein in der Welt, wie viele es sich vorstellen. Jesus wird fern sein, sein Reich verborgen. Seine Nähe und seine Macht werden nur denen offenbar, die ihm nachfolgen. Aber es wird der Tag kommen, an dem sich alles entscheiden wird und Jesus sich der ganzen Welt in all seiner Königsmacht zeigen wird.

Bis zu diesem Tag können seine Feinde es sich überlegen, ob sie ihn doch noch als König haben möchten. Bis zu diesem Tag sind die Dienerinnen und Diener des Königs aufgerufen, mit dem, was ihnen anvertraut worden ist, gute Gewinne zu machen, nicht ängstlich das, was sie bekommen haben, zu verstecken, sondern mutig und entschlossen damit zu handeln. Wer mit der – eigentlich recht überschaubaren – anvertrauten Summe gut gewirtschaftet hat, wird eine unbeschreibliche Belohnung bekommen, indem er die Herrschaft über mehrere Städte erhält.

Dabei kommt es nicht einmal so sehr auf die Leistung des einzelnen an. Die guten Diener sagen nicht: Schau her, so und so viel habe ich mit deiner Miene gemacht. Sondern vielmehr: „deine Mine hat zehn / fünf Minen eingebracht“, oder noch etwas genauer übersetzt: „deine Mine hat sich verzehnfacht / verfünffacht“. Es scheint also, dass sich das Geld ganz von selbst vermehrt hat. Allein weil sie im Vertrauen auf ihren Herrn gehandelt haben, wurde ihnen Erfolg zuteil.

Nicht wachsen konnte die Mine aber bei dem, der sie versteckt hat in seinem Tuch, aus Angst vor dem Herrn, vielleicht auch aus Angst vor anderen. Er wollte nicht, dass jemand anderer als er selbst sie sieht. Vielleicht hat er sie heimlich bei Nacht ausgepackt, und sich an ihrem Glanz im Kerzenschein erfreut. Aber der Herr gibt seine Gaben nicht, dass wir sie für uns selbst behalten, er will, dass wir davon an alle austeilen und so Gewinn machen. Nur wer schenkt, bekommt hinzu, nur wer gibt, kann auch empfangen.

Das ist das Geheimnis dieses Gleichnisses. Jeder, der dem Herrn nachfolgt, bekommt von ihm ein Geschenk. Dieses Geschenk aber ist dazu da, ausgepackt zu werden, damit jeder damit auch andere erfreut. Es ist dazu da, die Welt schöner und lebendiger zu machen.

Herr Jesus,

zeige mir, was du mir geschenkt hast.

Ich will dieses Geschenk öffnen

und voll Freude allen zeigen.

Ich will es nicht für mich behalten,

sondern mit anderen teilen,

damit alle sich freuen an deiner Güte,

und die ewige Freue erlangen,

wenn du einst wiederkommst.

Amen.

Wertvoll

Jetzt aber – so spricht der Herr, der dich erschaffen hat, Jakob, und der dich geformt hat, Israel: Fürchte dich nicht, denn ich habe dich ausgelöst, ich habe dich beim Namen gerufen, du gehörst mir! Wenn du durchs Wasser schreitest, bin ich bei dir, wenn durch Ströme, dann reißen sie dich nicht fort. Wenn du durchs Feuer gehst, wirst du nicht versengt, keine Flamme wird dich verbrennen.

Denn ich, der Herr, bin dein Gott, ich, der Heilige Israels, bin dein Retter. Ich habe Ägypten als Kaufpreis für dich gegeben, Kusch und Seba an deiner Stelle. Weil du in meinen Augen teuer und wertvoll bist und weil ich dich liebe, gebe ich Menschen für dich und für dein Leben ganze Völker.

Jes 43,1-4

„Jetzt aber!“ Mit diesen Worten beginnt etwas Neues, dieser Ruf des Propheten steckt voller freudiger Erwartung. Jetzt ist die Zeit vorbei, da sich die Menschen von Gott verlassen fühlten. Gott zeigt sich ganz neu als Vater und Beschützer der Seinen. Er sagt einem jeden von uns: Fürchte dich nicht, ich habe dich erschaffen und in die Welt gebracht, ich werde dich auch beschützen. Ich kenne deinen Namen, ich kenne den Namen jedes einzelnen Menschen. „Bei euch aber sind sogar die Haare auf dem Kopf alle gezählt“, (Mt 10,30) sagt Jesus einmal zu seinen Jüngern. Wie könnten wir da meinen, dass Gott sich nicht um uns sorgt und uns nicht kennt?

Selbst in den größten Gefahren ist Gott nahe, er leitet den Weg sicher durch reißende Ströme und loderndes Feuer, durch die Hitze der Wüste. Gott erweist sich als Retter. Er löst sein Volk aus der Gefangenschaft aus, ganze Völker gibt er als Kaufpreis für sein Volk, ja er selbst gibt sich für sie hin.

In Jesus Christus ist diese Zuwendung Gottes zu den Menschen selbst Mensch geworden. In allem, was er tut, zeigt Jesus, dass wir uns nicht zu fürchten brauchen. In Krankheit und Not schenkt er Rettung und Heil, ja er hat selbst die Kraft, Tote zum Leben zu erwecken. Die Gesetze des Verfalls scheinen nicht mehr zu gelten. Alles wird neu im Licht der Liebe Gottes.

Wir zweifeln oft daran, dass es eine Kraft geben kann, die alles erneuert. Schicksalsergeben fügen wir uns dem Lauf der Geschichte. Doch die Welt gehört denen, die den Mut haben, aufzustehen und die Zukunft selbst zu gestalten. Wir haben jederzeit die Möglichkeit, dieses „Jetzt aber!“, von dem der Prophet hier spricht, in unserem Alltag Wirklichkeit werden zu lassen.

Ostern ist für uns das beste Beispiel dafür. Alles läuft darauf hinaus, dass Jesus vernichtet wird. Scheinbar schicksalsergeben fügt Jesus sich dem, was geschieht. Aber wenn wir die Evangelien genau lesen, so entdecken wir, dass Jesus selbst das Geschehen lenkt. Er nimmt bewusst an, was seine Feinde ihm zufügen, weil er weiß, dass es zur Rettung der Menschen geschieht. Er wehrt sich nicht dagegen, sondern gestaltet die Ereignisse selbst mit. Somit wird aus der scheinbaren Erniedrigung Jesu die Inszenierung seiner Krönung zum König der ganzen Welt.

Vielleicht helfen uns die Worte des Propheten Jesaja, das Geschehen um Jesu Tod besser zu verstehen. Jesus Christus gibt sich für uns hin, weil er weiß, dass dies der Preis dafür ist, alle Menschen aus der Macht der Sünde und des Todes zu retten.

Wie leicht lassen wir uns von den Gegnern des Christentums treiben, indem wir versuchen, auf ihre Argumente einzugehen und nur reagieren, anstatt selbst zu agieren. Wir brauchen wieder neu die Flamme des Heiligen Geistes, die uns dazu fähig macht, den Gegnern das Heft aus der Hand zu nehmen und selbst Regie zu führen.

Denken wir stets daran: wir sind von Gott geliebt, alle Menschen sind von Gott geliebt. Gott ist Herr der ganzen Welt und er hat die Macht, alles zu bestimmen. Vertrauen wir uns dieser Macht Gottes an und lassen wir uns nicht von den Mächten der Welt gefangen nehmen. Haben wir den Mut, unser Leben von Gott bestimmen zu lassen und so stets getragen zu sein vom Strom seiner Liebe.

Gottes Worte, die uns Kraft geben und uns an seine Zusage erinnern, sollen wir nie vergessen:

Weil du in meinen Augen teuer und wertvoll, und weil ich dich liebe, geb‘ ich für dich alle Länder und Völker und für dein Leben mich selbst.

Gott – Herr der ganzen Erde

Singt dem Herrn ein neues Lied, seinen Ruhm vom Ende der Erde her, die ihr das Meer befahrt, seine Fülle, die Inseln und ihre Bewohner! Die Wüste und ihre Städte sollen sich freuen, die Dörfer, die Kedar bewohnt. Die Bewohner von Sela sollen singen vor Freude und jubeln auf den Gipfeln der Berge. Sie sollen dem Herrn die Ehre geben, sein Lob auf den Inseln verkünden.

Jes 42,10-12

Der Prophet ruft zu einem Loblied auf für Gott, das auf der ganzen Erde erschallen soll. Es ertönt auf dem Festland und über dem Meer, in der Ebene der Wüste mit ihren Städten und Dörfern und auf den Gipfeln der Berge, also einfach überall in der damals bekannten Welt, in der man noch nichts wusste von fernen Kontinenten, die man über das Meer erreicht, und von fernen Ländern, die sich hinter dem Horizont auftun.

Der Gott Israels ist Herr der ganzen Erde und das unscheinbare Volk Israel sah sich im Zentrum der Weltgeschichte. Die großen Mächte hatten es auf dieses kleine Volk abgesehen und Gott hatte erlaubt, dass sie es besiegen durften. Doch nun bedient sich Gott erneut der fremden Völker und zwar des größten aller Herrscher, um sein Volk zu retten. Er erwählt den mächtigen Perserkönig Kyros zum Retter, der sein Volk heimführen wird aus der Verbannung.

Warum soll da nicht die ganze Welt widerhallen vom Lob Gottes, ist er es doch, der die Geschicke aller Völker lenkt, der darüber bestimmt, welches Volk Erfolg hat im Krieg und mächtig wird und welches untergeht.

Der Herr zieht in den Kampf wie ein Held, er entfacht seine Leidenschaft wie ein Krieger. Er erhebt den Schlachtruf und schreit, er zeigt sich als Held gegenüber den Feinden. Ich hatte sehr lange geschwiegen, ich war still und hielt mich zurück. Wie eine Gebärende will ich nun schreien, ich stöhne und ringe um Luft. Die Berge und Hügel dörre ich aus und lasse ihr Gras völlig vertrocknen. Flüsse mache ich zu Inseln und Teiche lege ich trocken.

Jes 42,13-15

Gott hat lange wie ein unbeteiligter Zuschauer das Geschick seines Volkes mitverfolgt und zugelassen, dass es in die Verbannung geführt wird. Damit ist nun aber Schluss. Gott greift wieder aktiv in die Geschichte ein und zeigt damit, dass in seiner Hand das Geschick der ganzen Welt liegt. Sein Eingreifen ist unüberhörbar wie der Schrei einer Gebärenden und übersehbar ist das, was er tut.

Gott macht aus dem fruchtbaren grünen Land ein trockenes Ödland wegen der Schuld seiner Bewohner, ein Bild, das wir so öfter in der Heiligen Schrift finden, und das gerade heute wieder an Brisanz gewinnt. Auch die Menschen früherer Zeiten erlebten bereits Klimaveränderungen. Ganze Völker gingen unter, weil es plötzlich nicht mehr genug Regen gab, damit genügend Getreide geerntet werden konnte, um die Bevölkerung zu ernähren und den Wohlstand des Landes zu sichern.

Die Gier der Menschen und die Zerstörungen durch den Krieg vernichten immer wieder große Flächen an Kulturland. Sie vernichten Gottes Schöpfung, die ja wie ein üppig grüner Garten von Gott angelegt worden ist. Was bleibt ist dürres Land, dem die Menschen mit all ihrer Mühe kaum einen Grashalm entlocken können. Doch die Menschen fahren fort in ihrer Gier, versuchen mit immer aufwändigeren Methoden, Herr über die Natur zu werden, und erkennen nicht, wie einfach es wäre, die zerstörte Natur widerherzustellen, wenn sie im Einklang mit Gott und seiner Schöpfung leben würden.

Aber damit dies geschehen könnte, müsste ja jeder verzichten auf vieles, das ihm lieb ist, müssten alle lernen, bescheidener zu sein und verantwortungsvoller mit den Geschenken der Natur umzugehen. Vor allem müssten die Menschen erkennen, dass diese Geschenke für alle da sind und nicht nur der Bereicherung einiger weniger dienen, die sich dann noch untereinander bekämpfen.

Wie können wir es schaffen, in Frieden miteinander zu leben? Beten wir täglich für diesen Frieden. Beten wir täglich darum, dass die Menschen lernen, verantwortungsvoll mit Gottes Schöpfung umzugehen. Beten wir täglich darum, dass die Menschen lernen, miteinander zu teilen, anstatt sich auf Kosten anderer zu bereichern.

Fünfter Fastensonntag

Denkt nicht mehr an das, was früher war; auf das, was vergangen ist, achtet nicht mehr! Siehe, nun mache ich etwas Neues. Schon sprießt es, merkt ihr es nicht?

Jes 43,18-19a

Das ganze Kapitel 43 des Jesajabuches ist voll positiver Energie und schildert mit machtvollen Worten die Befreiung des Volkes aus dem Exil in Babylon durch seinen Gott. Das Volk war voller Trauer über den Verlust des Heiligen Landes, ja mehr noch, es fühlte sich von seinem Gott verlassen, denn eigentlich hätte es nie zu dieser Katastrophe kommen dürfen.

Doch Gott macht einen neuen Anfang mit seinem Volk. Durch die Worte des Propheten, der von der Bibelwissenschaft Deuterojesaja genannt wird, macht er seine Liebe zu seinem Volk deutlich. Nichts mehr wird dem Volk Gottes Schaden zufügen. Die Menschen können bald wieder in Frieden und Sicherheit in ihrem Land wohnen. Gott führt sie aus der Gefangenschaft, wie er einst das Volk aus Ägypten durch die Wüste geführt hat. Alles wird neu werden, und der Anfang dieses Neuen ist schon jetzt spürbar, wenn auch das Volk noch in Babylon lebt und die Heimkehr in scheinbar weiter Ferne liegt.

Die Liturgie präsentiert uns diesen Text am Fünften Fastensonntag, dem Passionssonntag. An diesem Tag werden die Kreuze verhüllt und bleiben es bis zum Karfreitag. Die Feier von Jesu Leiden und Auferstehung steht nahe bevor, die österliche Bußzeit neigt sich ihrem Ende zu und bald kommt die frohe Osterzeit. Auch in der Natur sprießt frisches Grün und wir erfreuen uns an den ersten warmen Frühlingstagen.

Gott macht alles neu, er schenkt Wärme nach dem eisigen Winter, schenkt Trost in der Trübsal und Freude nach einer Zeit der Schmerzen. Das Evangelium dieses Sonntags berichtet von der Rettung und Vergebung, die Jesus der zur Steinigung verurteilten Ehebrecherin schenkt.

Gottes neue Welt braucht aber auch Menschen, die sich dafür einsetzen, die dem Beispiel Jesu folgen und andere nicht verurteilen, sondern nach Wegen der Vergebung suchen, Menschen, die für andere da sind und einander annehmen, auch über die Gräben von Vorurteilen hinweg. Bei Deuterojesaja ist es der Gottesknecht, der die ihm von Gott zugedachte Aufgabe der Rettung seines Volkes ausführt. Die Exegeten sind sich nicht einig darüber, wer dieser Gottesknecht ist. Etwa der Prophet selbst? Oder der Perserkönig Kyros, der die Heimkehr des Volkes aus dem Exil ermöglicht und Mittel zum Wiederaufbau Jerusalems zur Verfügung stellt?

Der Gottesknecht aus dem Buch Jesaja ist auch Vorausbild für Jesus Christus. Er ist der Retter aus dem Gefängnis von Sünde und Tod, er öffnet den Weg zu neuem Leben in unüberbietbarer Weise. Es braucht aber zu jeder Zeit „Gottesknechte“, die Jesu Botschaft immer wieder neu lebendig werden lassen und für die Menschen das befreiende dieser Botschaft erfahrbar werden lassen, die andere hinführen zu einer lebendigen Begegnung mit Jesus Christus.

Die Worte des Propheten Jesaja sind also nicht nur für Menschen einer fernen Vergangenheit gesprochen. Sie wurden auch für uns heute aufgezeichnet. Sie sollen uns Mut machen und Kraft schenken, unser Leben in Gottes Licht zu stellen und mit ihm unser Leben zu gestalten, so dass Gottes Licht so auch auf andere übergeben kann.

Immer wieder einen neuen Anfang machen, das war ein Lebensmotto der frühen Wüstenväter. Wir machen immer wieder Fehler, aber es bringt nichts, wenn wir uns deswegen ständig Vorwürfe machen. Fehler sind dazu da, aus ihnen zu lernen und dann mit neuer Kraft weiter zu gehen. Es bringt auch nichts, einer schönen Vergangenheit nachzutrauern. Wir können sie nicht zurückholen. Es gilt vielmehr, in der Gegenwart zu leben und an einer Zukunft zu bauen, die noch schöner wird als die Vergangenheit.

Haben wir Mut, das Neue anzunehmen, das Gott uns schenken will. Lassen wir uns von ihm überraschen und sagen wir Ja zu dem was kommt, im festen Vertrauen darauf, dass alles, was Gott uns schenkt, das Beste für uns ist das uns passieren kann.

Vierter Fastensonntag

Wir sind also Gesandte an Christi statt und Gott ist es, der durch uns mahnt. Wir bitten an Christi statt: Lasst euch mit Gott versöhnen! Er hat den, der keine Sünde kannte, für uns zur Sünde gemacht, damit wir in ihm Gerechtigkeit Gottes würden.

2 Kor 5,20-21

Am vierten Fastensonntag im Lesejahr C, wenn als Evangelium das Gleichnis vom verlorenen Sohn, oder besser: vom barmherzigen Vater die Liturgie des Sonntags prägt, hören wir in der zweiten Lesung den leidenschaftlichen Aufruf des Apostels Paulus an die Korinther: Lasst euch mit Gott versöhnen!

Das ist der Dienst des Apostels, den er als Fortsetzung des Dienstes Christi ausführt. Jesus Christus ist gekommen, um uns die Liebe des Vaters zu zeigen. Im Dienst dieser Liebe ist er gestorben und hat durch seinen Tod und seine Auferstehung für alle, die glauben, den Weg zum Vater geöffnet.

Gott ist der liebende Vater des Gleichnisses, der den verlorenen Sohn, der zu ihm zurückkehrt, bedingungslos in die Arme nimmt. So will Gott jeden Menschen in seine Arme schließen und uns das größtmögliche Glück schenken.

Doch den Menschen scheinen andere Ziele wichtiger. Erfolg, Macht, vielleicht auch die Vergnügungen, mit denen der verlorene Sohn sein Geld verschwendet hat. Doch wohin führt das alles? Sicher will Gott nicht, dass wir in irdischen Dingen erfolglos sind und nichts vom Leben haben. Aber wir haben eine größere Freude, wenn wir uns mit Gott an allem freuen, ihn in unser Leben mit hineinnehmen und ihm Dank sagen.

Lasst euch mit Gott versöhnen, erkennt, wie sehr Gott euch liebt, erkennt, welche Freude Gott euch schenken möchte. Gott sehnt sich nach euch, Gott will euch in seine Arme schließen. Hört nicht auf die, die euch einreden wollen, dass Gott euch zu Sklaven machen möchte, Gott will eure Freiheit! Hört nicht auf die, die euch sagen, dass Gott nicht existiert. Jesus lebt beim Vater und ihr werdet mit ihm leben, wenn ihr an ihn glaubt. Sucht nicht erst nach Beweisen, probiert es einfach aus und ihr werdet erfahren, wie groß Gottes Liebe ist.