Berufung

Bei Kafarnaum, am See von Galiläa, dem See Gennesaret, beruft Jesus seine ersten Jünger. Auch dadurch zeigt sich der Aufgang des neuen Lichtes, denn in der Jüngerberufung zeigt sich Jesus als der Sohn Gottes. Er beruft seine Jünger, wie Gott selbst im Alten Testament die Propheten berufen hat.

Kommt her, folgt mir nach! (Mt 4,19)

Sogleich lassen sie alles zurück und folgen Jesus. Sie haben erkannt, dass alles, was sie bisher hatten, nichts war im Vergleich zu dem, was Jesus ihnen schenken wird. Wenn wir die Berufung der Jünger betrachten, so sollten wir ins Staunen kommen. Wenn wir aus heutiger Sicht zurückblicken, dann erscheint uns alles vielleicht ganz einfach, dass sie alles verlassen haben und Jesus so ohne weiteres gefolgt sind. Wir hätten das genauso gemacht, denken wir. Klar, wenn Jesus kommt und ruft, lässt man alles stehen und liegen.
Wirklich? Kommt nicht auch Jesus zu uns und ruft uns? Ist es nicht immer eine Herausforderung, wenn Jesus ruft? Und was wussten die Fischer am See von Galiläa damals von Jesus? So gut wie nichts. Wir wissen, was die Jünger alles mit Jesus erlebt haben. Wir wissen, dass ihr Vertrauen auf Jesus nicht enttäuscht wurde. Aber damals war der Ruf Jesu ein Ruf ins Ungewisse. Johannes Chrysostomus schreibt:

Nun, gerade deswegen bewundere ich sie am meisten, weil sie an eine so große Verheißung glaubten, noch ehe sie irgendein Wunderzeichen von ihm gesehen hatten, und alles andere diesem Gehorsam nachsetzten.

Blicken wir auf uns. Wir haben so viele Beweise dafür, in den Jüngern, in den Heiligen, vielleicht auch in Menschen aus unserer Umgebung heute, dass Jesus die nicht im Stich lässt, die ihm folgen. Und doch halten wir so vieles für uns zurück, sind nicht bereit, aufzustehen, und alles liegen zu lassen, folgen dem Ruf Jesu nur halbherzig. Was macht es uns so schwer, Jesus zu vertrauen?

Das Reich Gottes beginnt damit, dass ein Mensch – vom Ruf des Herrn getroffen – in die Nachfolge eintritt. Und diese Nachfolge erwächst aus einer persönlichen Beziehung zu Jesus Christus. Wie wichtig sind auch in unserer Zeit solche Menschen, die Jesus folgen. Sie sind die Lichtbringer unserer Zeit.

Herr, schenke auch unserer Zeit Menschen, die sich ganz in deine Nachfolge stellen und die dein Licht in unserer finsteren Welt leuchten lassen. Mache auch mich zu einem solchen Menschen.

Umkehr

Am Anfang des Wirkens Jesu steht der Ruf zur Umkehr:

Kehrt um! Denn das Himmelreich ist nahe. (Mt 4,17)

Dieses Wort ist wie ein Zeichen. Halt inne. Stopp. So kann es nicht weiter gehen. Gib deinem Leben eine andere Richtung. Schau auf das, was wirklich zählt. Alles, was nun im Evangelium folgt, wird uns zeigen, wie dieser neue Weg, den Jesus uns weist, aussieht.

Umkehr.
Ich laufe. Immer geradeaus. Vielleicht auch im Kreis. Mir passieren immer wieder die gleichen Fehler, ich tappe immer wieder in dieselben Fettnäpfchen. Was habe ich schon alles versucht. Es hat sich nichts geändert.
Umkehr? Wohin? Gibt es einen Weg zurück aus Scheitern, Hass und Verletzung? Gibt es einen Weg, der Wunden heilt und Unrecht verzeiht? Gibt es einen Weg heraus aus der Abhängigkeit, in die ich mich verstrickt habe?
Es gibt immer einen Ausweg. Umkehr ist immer möglich. Gott reicht uns die Hand und hebt uns über die Mauer am Ende unserer Sackgasse, über die Gräben, die sich zwischen Menschen aufgetan haben.
Aber Umkehr ist kein billiges „das passt dann schon wieder“. Umkehr ist radikal. Ich muss dazu bereit sein, einen neuen Schritt zu tun – an Gottes Hand. Einen Schritt ins Ungewisse, aber gehalten von der Zuversicht, dass Gott mir stets mehr geben wird, als ich mir zu wünschen wage.

Das Gleichnis vom Sämann (Mk 4,1-20)

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Ein andermal lehrte er wieder am Ufer des Sees und sehr viele Menschen versammelten sich um ihn. Er stieg deshalb in ein Boot auf dem See und setzte sich; die Leute aber standen am Ufer. Und er sprach lange zu ihnen und lehrte sie in Form von Gleichnissen. Bei dieser Belehrung sagte er zu ihnen:

Hört! Ein Sämann ging aufs Feld, um zu säen. Als er säte, fiel ein Teil der Körner auf den Weg und die Vögel kamen und fraßen sie. Ein anderer Teil fiel auf felsigen Boden, wo es nur wenig Erde gab, und ging sofort auf, weil das Erdreich nicht tief war; als aber die Sonne hochstieg, wurde die Saat versengt und verdorrte, weil sie keine Wurzeln hatte. Wieder ein anderer Teil fiel in die Dornen und die Dornen wuchsen und erstickten die Saat und sie brachte keine Frucht. Ein anderer Teil schließlich fiel auf guten Boden und brachte Frucht; die Saat ging auf und wuchs empor und trug dreißigfach, ja sechzigfach und hundertfach.

Und Jesus sprach: Wer Ohren hat zum Hören, der höre! (Mk 4,1-9)

Jesus spricht dieses Gleichnis zu einer großen Menschenmenge. Als er dann aber mit seinen Jüngern allein ist, deutet er ihnen die Gleichnisse. Wir sehen Jesus als Lehrer, der öffentlich auftritt, aber auch seinen Schülern im engeren Kreis eine tiefergehende Belehrung zukommen lässt.

Als er mit seinen Begleitern und den Zwölf allein war, fragten sie ihn nach dem Sinn seiner Gleichnisse. Da sagte er zu ihnen: Euch ist das Geheimnis des Reiches Gottes anvertraut; denen aber, die draußen sind, wird alles in Gleichnissen gesagt; denn sehen sollen sie, sehen, aber nicht erkennen; hören sollen sie, hören, aber nicht verstehen, damit sie sich nicht bekehren und ihnen nicht vergeben wird. (Mk 4,10-12)

Die Grenze zwischen denen, die drinnen, und denen, die draußen sind, ist fließend. Jeder Mensch kann selbst wählen, wohin er gehören möchte. Zwar gibt es auch solche, die der Herr in besonderer Weise erwählt hat, aber diese Erwählung hat mehr Zeichencharakter und ist nicht gleichbedeutend mit besonderen Privilegien. Gerade in dem Kreis der Erwählten befindet sich der Verräter. Wer Jesu Lehre verstehen will, der muss bereit sein, sich in seine Nähe zu begeben, und seinem Wort zu lauschen.

Und er sagte zu ihnen: Wenn ihr schon dieses Gleichnis nicht versteht, wie wollt ihr dann all die anderen Gleichnisse verstehen?

Der Sämann sät das Wort. Auf den Weg fällt das Wort bei denen, die es zwar hören, aber sofort kommt der Satan und nimmt das Wort weg, das in sie gesät wurde. Ähnlich ist es bei den Menschen, bei denen das Wort auf felsigen Boden fällt: Sobald sie es hören, nehmen sie es freudig auf; aber sie haben keine Wurzeln, sondern sind unbeständig, und wenn sie dann um des Wortes willen bedrängt oder verfolgt werden, kommen sie sofort zu Fall. Bei anderen fällt das Wort in die Dornen: sie hören es zwar, aber die Sorgen der Welt, der trügerische Reichtum und die Gier nach all den anderen Dingen machen sich breit und ersticken es und es bringt keine Frucht. Auf guten Boden ist das Wort bei denen gesät, die es hören und aufnehmen und Frucht bringen, dreißigfach, ja sechzigfach und hundertfach. (Mk 4,13-20)

Es sind nur wenige, die ausdauernd den Willen Gottes tun. Das macht Jesus im Gleichnis vom Sämann deutlich. Hier und in den folgenden Gleichnissen zeigt Jesus, wie es um einen Menschen, der in das Reich Gottes gelangen möchte, bestellt sein muss. Doch trotz aller Schwierigkeiten wird es Menschen geben, denen dies gelingt und so wächst das Reich Gottes durch die Kraft, die Gottes Gnade schenkt.

Jesus verkündet den Menschen das Reich Gottes. Er ist der Sämann, der den Samen des Wortes Gottes aussät. Wir alle sind in den Dienst der Verkündigung gerufen, um diese Botschaft Jesu weiterzugeben. Wir wissen nicht, wo der Samen hinfällt. Wenn der Sämann das vorher wüsste, würde er den Samen ja nur auf den guten Boden werfen, von dem er für das wertvolle Saatgut auch reichen Ertrag erwarten kann. Alles andere wäre doch nur Verschwendung. „Der begreift das eh nicht, bei dem braucht man erst gar nicht anfangen, ihm etwas zu erklären.“ So haben wir sicher schon einmal gedacht. Jesus denkt anders. Er nimmt das Risiko in Kauf, dass nicht jeder Samen auf guten Boden fällt und gibt jedem die gleiche Chance sein Wort zu hören. Daher dürfen wir uns auch nicht nur an die wenden, von denen wir meinen, dass sie gut genug sind, uns zuzuhören. Wir wissen vorher nie, was das Wort Gottes in dem anderen bewirkt. Erst mit der Zeit wird sich zeigen, welche Frucht es bringt.