Siegeszeichen Kreuz

Vexilla regis prodeunt,

Fulget crucis mysterium,

Quo carne carnis conditor

Suspensus est patibulo.

Der König siegt, sein Banner glänzt,

geheimnisvoll erstrahlt das Kreuz,

an dessen Balken ausgestreckt

im Fleisch des Fleisches Schöpfer hängt.

So beginnt ein alter Hymnus auf das Kreuz Christi. Er zeigt uns das Kreuz als Banner oder Standarte, die dem Kriegsheer vorangetragen wird, es leuchtet als geheimnisvolles Zeichen auf, wie einst dem Kaiser Konstantin vor der Schlacht an der Milvischen Brücke im Jahr 312. Kurz vor dieser Schlacht hatte Konstatin die Vision des Kreuzes, und sein Sieg, der ihn zum alleinigen Herrscher des Römischen Reiches machte, wird als Beginn der offiziellen Anerkennung des Christentums im Römischen Reich angesehen. Nur wenige Jahrzehnte später, im Jahr 380 unter Kaiser Theodosius, wurde dann die einst verfolgte Religion selbst zur Staatsreligion, die sich gegen Andersgläubige und interne Abweichler wandte.

Etwa 200 Jahre später verfasst Venantius Fortunatus (um 540 – um 600) diesen Hymnus auf das Kreuz. Die Zeit, in der er lebt, unterscheidet sich in Vielem von der Zeit des Konstantin und Theodosius, zumindest im Westen Europas. Dort hatte die Völkerwanderung das Römische Reich von der Landkarte hinweggefegt. Weitgehend noch unzivilisierte barbarische Stämme beginnen damit, dort neue Reiche zu gründen. Erobern und Erobertwerden wechseln einander ab, bis sich langsam die Ordnung Europas herausbildet, auf deren Grundstrukturen die Gesellschaften Westeuropas bis heute aufbauen.

Venantius Fortunatus hat noch die antike römische Bildung genossen. Er gilt als der letzte römische Dichter der Spätantike und zugleich als erster Dichter des Mittelalters. Der Ostteil des Reiches mit der Hautstadt Konstantinopel/Byzanz bestand nach dem Fall Roms noch etwa tausend Jahre weiter. Kaiser Justinian, während dessen Regierungszeit Venantius Fortunatus aufgewachsen ist, verteidigte Ostrom machtvoll gegen viele Angreifer, wenngleich sein großer Traum von der Eroberung der verlorenen westlichen Gebiete nicht Wirklichkeit wurde. Einzig Ravenna mit seinem Umland blieb den Kaisern noch als Stützpunkt im Westen und bildete einen Vorposten der Zivilisation inmitten der barbarischen Wirren.

Dort in Ravenna hat Venantius Fortunatus den ersten Teil seines Lebens verbracht. Im Jahr 565 brach er zu einer Pilgerreise nach Tours, zum Grab des heiligen Martin auf. In Gallien hat die Römische Kultur den Untergang der Römischen Herrschaft noch lange überdauert. In den Römerstädten Galliens blieb eine Römische Restbevölkerung zurück, zu der auch viele römische Adlige und Gebildete zählten. Ihr gelang es, was sicher nicht einfach war, sich mit den neuen Herrschern zu arrangieren. Auch christlicher Glaube und christliche Tradition blieben so erhalten. Einige der neuen Herrscher und mit ihnen deren Untergebene hatten ja bereits das Christentum angenommen, andere waren noch Heiden und bekehrten sich später. Aber es war ein langer Prozess, in dem das Christentum allmählich heidnisches Denken überlagerte.

Bei seiner Reise durch das merowingische Gallien begegnete Venantius Fortunatus einer anderen großen Persönlichkeit, der heiligen Radegund (um 520-587), die ich ebenfalls hier kurz vorstellen möchte. Radegund war die Tochter des Thüringerkönigs Berthachar. Nachdem der Frankenkönig Chlothar I. im Jahr 531 Thüringen erobert hatte, nahm er Radegund mit in sein Reich. In Athies an der Somme bekam Radegund eine christliche Erziehung. Gegen ihren Willen nahm Chlothar sie um das Jahr 540 zur Frau, um seinen Herrschaftsanspruch über Thüringen zu sichern. Es ist anzunehmen, dass Radegund im Alltagsleben ihren Ehemann nur selten begegnete. Die Ehe blieb Kinderlos. Radegund vertiefte sich immer mehr in den christlichen Glauben, verzichtete auf die Annehmlichkeiten einer Königin, lebte wie eine Nonne und übte sich in Werken der Barmherzigkeit.

Als Chlothar im Jahr 555 ihren Bruder ermorden ließ, floh Radegund nach Noyon. Ihr gelang es schließlich, dass ihre Ehe von der Kirche als ungültig angesehen wurde. So stand ihr der Weg frei, endlich das Leben einer Nonne zu führen. Im Jahr 558 gründete sie bei Portier ein Frauenkloster nach der Regel des hl. Caesarius von Arles und setze ihre Adoptivtochter Agnes zur ersten Äbtissin ein. Sie selbst lebte dort in aller Einfachheit und Demut und starb dort am 13. August 587 im Ruf der Heiligkeit.

Im Jahr 567 kam Venantius Fortunatus nach Portier und begegnete dort Radegund. Es entwickelte sich eine innige geistige Freundschaft. Venantius Fortunatus unterstütze das Kloster und schrieb dort Hymnen und Gedichte. Einen Höhepunkt stellte sicher das Eintreffen einer Reliquie des Hl. Kreuzes Christi dar, ein Geschenk des byzantinischen Kaisers Justin II. Anlässlich der feierlichen Überführung dieser Kreuzreliquie in das nun Sainte-Croix benannte Kloster am 19. November 569 erklang der von Venantius Fortunatus komponierte Hymnus zum ersten Mal.

Geschichte wird lebendig, ein gebildeter Römer, einer der letzten Repräsentanten einer vergangenen Epoche, eine Königstochter aus dem Haus germanischer Eroberer, eine der ersten Frauen aus dieser neuen Welt, über die wir gesicherte Überlieferungen besitzen, treffen sich in einem Kloster in Frankreich. Sie erhalten ein Geschenk des byzantinischen Kaisers, des damals wohl mächtigsten Mannes der Welt. Wir können heute noch die Lebensbeschreibung Radegunds lesen, die Venantius Fortunatus geschrieben hat, wir singen heute noch den Hymnus, der damals zum ersten Mal erklungen ist.

Uns Heutigen mag dieser Hymnus etwas zu pompös erscheinen. Militärische Standarten gehören weitgehend der Vergangenheit an, aber zur damaligen Zeit waren sie allgegenwärtig. Ständig zogen feindliche Heere durch das Land und der Sieger von heute wurde leicht zum Verlierer von morgen und wer andere mit dem Schwert tötete, musste auf der Hut sein, dass das Schwert nicht ihn selbst traf. Und doch gibt es ein Zeichen, das das Alte mit dem Neuen verbindet, das die ganze damals bekannte Welt umspannt, die letzten Reste des untergegangenen Römischen Reiches mit den neuen Herrschern und diese wiederum mit dem fernen Herrscher in Byzanz. Das Kreuz, das Zeichen des Sieges, das beständig sicher steht, auch wenn der Erdkreis sich dreht, Reiche entstehen und zerfallen, Menschen kommen und gehen.

Das Kreuz, an dem unser Schöpfer hing. Venantius Fortunatus dichtet eindrucksvoll: an dem im Fleisch des Fleisches Schöpfer hing, ausgestreckt an einem Balken. Der Schöpfer lässt sich von seinem Geschöpf kreuzigen. Wie groß ist die Brutalität der Menschen und wie groß ist die Barmherzigkeit des Schöpfers. Er antwortet dem Geschöpf nicht mit Vernichtung und Strafe, sondern mit grenzenlosem Verzeihen und mit der Macht der Auferstehung, mit der er alle in sein Reich führen will.

Wie groß ist die Brutalität der Menschen bis heute und diese wurde leider auch von Menschen ausgeübt, die mit dem Banner des Kreuzes vorangingen. Denken wir nur daran, wie viel Leid die Kreuzzüge, die dieses Banner missbraucht haben, gebracht haben, so viel Gewalt und nicht zuletzt die Trennung der Kirche in Ost und West. Können wir uns heute, wenn wir ehrlich sind, überhaupt noch unter das Banner des Kreuzes stellen?

Haben wir Mut, auch heute zum Kreuz zu stehen. Vertrauen wir seiner Kraft. Denken wir aber auch stets daran, dass es ein Zeichen der Einheit und des Friedens ist. Gemeinsam sollen wir hinter diesem Banner ziehen, Menschen aus Ost und West, Nord und Süd, Arme und Reiche, Starke und Schwache. Das Kreuz will alle Völker und Rassen vereinen. Wenn wir so dem Kreuz seine Ehre wiedergeben, dürfen wir es auch heute noch voll Stolz und Vertrauen tragen.

O crux, ave, spes unica,

Hoc passionis tempore,

Piis adauge gratiam

Reisque dona veniam.

O heil’ges Kreuz, sei uns gegrüßt,

du einz’ge Hoffnung dieser Welt.

Den Treuen schenke neue Kraft,

den Sündern tilge alle Schuld.

Wenn ihr fastet … (Mt 6)

Wenn ihr fastet, macht kein finsteres Gesicht wie die Heuchler! Sie geben sich ein trübseliges Aussehen, damit die Leute merken, dass sie fasten. Amen, ich sage euch: Sie haben ihren Lohn bereits erhalten. Du aber, wenn du fastest, salbe dein Haupt und wasche dein Gesicht, damit die Leute nicht merken, dass du fastest, sondern nur dein Vater, der im Verborgenen ist; und dein Vater, der das Verborgene sieht, wird es dir vergelten. (Mt 6,16-18)

In der Bergpredigt stellt Jesus die Zehn Gebote auf den Kopf. Diese beginnen ja bekanntlich mit der Bekräftigung, dass Gott, der Retter Israels, der einzige Gott für Israel ist, und dass es die Pflicht des Volkes ist, diese Einzigartigkeit Gottes zu bewahren. Erst danach folgen die Weisungen für den Umgang der Menschen miteinander. Jesus aber beginnt beim Menschen. Er preist die Armen und Unterdrückten selig. Dann zeigt er auf, wie die Menschen miteinander leben sollen, nicht so, dass jeder auf sein Recht pocht, sondern in Gerechtigkeit und Liebe, einer Liebe, die auch im Inneren des Herzens keinen Hass und keine Verachtung anderer zulässt, nicht einmal des schlimmsten Feindes.
Erst dann zeigt Jesus, wie aus diesem Leben gemäß der Liebe auch eine ganz neue Gottesbeziehung erwächst. Erst wenn der Mensch in der alltäglichen Einübung der Liebe seinen Mitmenschen gegenüber Fortschritte macht, kann er etwas von Gott verstehen, der selbst die Liebe ist. So wird der Mensch immer mehr Gott ähnlich und kann so in eine ganz neue Beziehung mit ihm eintreten.
Eine besondere Ausdrucksform der Beziehung des Menschen zu Gott ist das Gebet. Wir können mit Gott kommunizieren, auch wenn wir ihn nicht sehen und seine Stimme nicht hören. Im Gebet findet der Mensch einen ganz besonderen Draht zu Gott, der sich von den alltäglichen Kommunikationsformen unterscheidet. Daher ist Gebet mehr als das Aufsagen von abgelesenen oder auswendig gelernten Formeln. Ein solches Gebet bleibt im Äußerlichen verhaftet. Formeln und Rituale können aber eine Hilfe sein, um zum Zentrum des Betens zu gelangen.

Genauso wie das Beten, sollen auch andere religiöse Ausdrucksformen, insbesondere das Fasten, nicht bei Äußerlichkeiten stehen bleiben. Im Fasten verzichtet der Mensch freiwillig auf gewisse Annehmlichkeiten des Lebens, auf üppige Nahrung, Alkohol, Konsum, Unterhaltung. In unserer Wohlstandsgesellschaft heute gibt es so viele Dinge, auf die wir verzichten können. Verzicht schmerzt auch immer etwas, er fordert eine Willensanstrengung. Aber genau dadurch werden wir reifer. Der Verzicht lässt einen Freiraum entstehen, den Gott füllen kann.
Heute wird vor allem die gesundheitliche Form des Fastens betont. Nachdem die Kirche die Fastenregeln weitgehend abgeschafft hat, entdecken andere das Fasten neu. Es gibt unzählige Ratgeber für die verschiedensten Formen des Fastens. Manche zahlen Unsummen von Geld für professionelle Fastenkuren. Dabei kann Fasten so einfach sein, wenn wir uns einen konkreten Vorsatz nehmen, für welche Zeit wir auf was genau verzichten wollen. Dann brauchen wir nur noch die nötige Willensstärke, das auch durchzuhalten.
Die Kirche will uns mit den 40 Tagen der Österlichen Bußzeit eine Hilfe geben. Es bleibt jedem selbst überlassen, wie er diese Zeit nutzt. Wer Anfänger im Fasten ist, sollte sich nicht zu viel vornehmen, um nicht doch bald enttäuscht aufgeben zu müssen. Es kommt auch auf die Lebensumstände an und auf das konkrete Konsumverhalten des Einzelnen. Wer sich viele Annehmlichkeiten gönnt, findet sicher leicht etwas Überflüssiges, auf das er verzichten kann. Wer aber eh schon relativ enthaltsam lebt, muss sich schon etwas mehr Gedanken darüber machen, worauf er noch verzichten kann.
Allen modernen Fastenratgebern gemeinsam ist der Hinweis darauf, dass Fasten dem Einzelnen gut tut. Vielleicht ist das auch eine Hilfe dafür, das religiöse Fasten neu zu beleben. Es ist keine lästige Pflicht, nichts, das von oben verordnet wird, um die Menschen zu drangsalieren, sondern eine Hilfe, das eigene Leben bewusster und gesünder zu gestalten. Das Fasten tut dem Menschen gut. Es macht aber noch mehr als das. Durch den Verzicht entsteht Raum für Neues und dies kann auch eine ganz neue Gottesbegegnung sein.
Wenn wir all diese positiven Aspekte des Fastens betrachten, so erkennen wir, dass Fasten nichts damit zu tun hat, trübselig und ungewaschen auf der Straße herumzulaufen. Fasten ist kein Jammern über den Verzicht, sondern die Freude darüber, dass wir es schaffen können, uns von unnötigen Bindungen und Zwängen zu befreien. Fasten macht glücklich. Das ist für uns die rechte Motivation, heute damit zu beginnen.

Station 4: Ölberg

Dann verließ Jesus die Stadt und ging, wie er es gewohnt war, zum Ölberg; seine Jünger folgten ihm.

Lk 22,39

Nach dem letzten Abendmahl mit dem Hinweis auf den Verräter und einem abschließenden Wort an Petrus und die anderen Jünger verlässt Jesus zusammen mit ihnen die Stadt. So hat er es auch bereits in den vergangenen Tagen, an denen er mit seinen Jüngern in Jerusalem war, gemacht. Sie haben ihr Übernachtungsquartier in Betanien, auf der anderen Seite des Ölbergs. Nun aber geht er nicht direkt dorthin, sondern macht bei einem Grundstück am Fuße des Ölbergs halt. Anders als Matthäus und Markus erwähnt Lukas den Namen Getsemani des Grundstücks nicht. Auch weist Jesus bei Lukas die Jünger nicht an, auf ihn zu warten, während er sich zum Gebet zurückzieht, sondern er fordert sie auf zum Gebet und geht dann selbst weg, um zu beten, allein, ohne Petrus, Jakobus und Johannes, wie es die anderen Evangelisten berichten.

Als er dort war, sagte er zu ihnen: Betet, dass ihr nicht in Versuchung geratet! Dann entfernte er sich von ihnen ungefähr einen Steinwurf weit, kniete nieder und betete.

Lk 22,40-41

Lukas ist sehr präzise, wenn er die Entfernung mit der Weite eines Steinwurfs angibt. Wahrscheinlich war das die Distanz, die sich Jesus gewöhnlich von seinen Jüngern entfernte, um in das vertraute Gespräch mit seinen Vater einzutreten. Die Jünger wussten um das Besondere dieser Beziehung Jesu zum Vater, auch wenn Sie es wahrscheinlich nicht vollkommen verstehen konnten. Alle drei Synoptiker berichten den Inhalt des Gebetes Jesu:

Vater, wenn du willst, nimm diesen Kelch von mir! Aber nicht mein, sondern dein Wille soll geschehen.

Da erschien ihm ein Engel vom Himmel und stärkte ihn. Und er betete in seiner Angst noch inständiger und sein Schweiß war wie Blut, das auf die Erde tropfte.

Lk 22,42-44

Jesus weiß um das, was ihm bevorsteht. Er hat Angst. Sein Schweiß tropft dick wie Blut auf den Boden. Aber er bekommt Kraft im Gebet. Vielleicht ist es nicht so sehr seine Angst um sein eigenes irdisches Leben, die ihn beschäftigt, sondern die Sorge um seine Jünger, die Sorge um das Reich Gottes. Wird das, was nun geschehen wird, den Aufbau des Reiches Gottes fördern? Sind die Jünger schon reif dafür, ohne seine irdische Anwesenheit das Reich Gottes aufzubauen, oder werden sie zerstreut und aufgerieben werden? Wie Jesus nach seinem Gebet die Jünger vorfindet, ist nicht gerade ermutigend.

Nach dem Gebet stand er auf, ging zu den Jüngern zurück und fand sie schlafend; denn sie waren vor Kummer erschöpft. Da sagte er zu ihnen: Wie könnt ihr schlafen? Steht auf und betet, damit ihr nicht in Versuchung geratet!

Lk 22,44-46

Betet, dass ihr nicht in Versuchung geratet! Dieses Wort Jesu ist aus meiner Sicht der zentrale Punkt des Gebetes Jesu am Ölberg. Es geht Jesus nicht um sich, nicht um seine eigenen Ängste, es geht Jesus um uns. Er weiß was ihm bevorsteht, er weiß, dass der Wille des Vaters für ihn gut ist. Aber was wird mit den Jüngern geschehen, wenn sie das erleben? Wenn sie ihn am Kreuz sterben sehen? Noch kennen sie nicht die Kraft der Auferstehung, noch kennen sie nicht den Sieg des Lebens über den Tod. Werden sie beisammen bleiben, bis die Kraft des Heiligen Geistes, den Jesus senden wird, ihnen die Kraft zum Zeugnis geben wird?

Werden die Jünger in der Versuchung standhalten? Judas Iskariot ist ihr bereits erlegen und wird in der nächsten Szene die Truppen anführen, die Jesus gefangen nehmen. Jesus weiß, mit welch hinterlistigen Argumenten der Versucher an die Menschen herantritt, um sie zu täuschen. Er findet Argumente, um das Böse gut erscheinen zu lassen und das Gute böse. Es erfordert viel Kraft und Ausdauer, um seinen Einflüsterungen zu widerstehen. Die wichtigste Waffe gegen ihn ist das Gebet.

Wenn wir uns am Gründonnerstag zur Ölbergstunde zum Gebet zusammenfinden, wollen wir besonders daran denken, wie wichtig es für uns ist, zu beten, dass wir nicht in Versuchung geraten, dass wir in der Versuchung standhaft sind und uns nicht von den scheinbar so einleuchtenden Argumenten des Versuchers verführen lassen. Jesus steht uns bei im Kampf gegen das Böse. Seine größte Sorge galt seinen Jüngern und damit auch uns, dass wir standhaft bleiben in der Versuchung und so zu aufrichtigen Zeugen des Reiches Gottes werden. Wie viele sind dem Versucher zum Opfer gefallen und haben die Kirche in Verruf gebracht. Beten wir auch für sie, verurteilen wir sie nicht. Wir wissen, dass auch wir selbst anfällig sind für die Versuchung. Wenn uns der Versucher bedrängt, denken wir an die Ölbergstunde Jesu und seine Sorge um uns. Schöpfen wir die Kraft, dem Versucher zu widerstehen, aus dem festen Vertrauen darauf, dass Jesus uns allezeit nahe ist.

Station 3: Der Messias

Da fragte er sie: Wie kann man behaupten, der Christus (Gesalbte/Messias) sei der Sohn Davids?

Lk 20,41

Christus ist die griechische Übersetzung für „Messias“, was zu Deutsch „der Gesalbte“ heißt. Gesalbte waren die Könige Israels, beginnend mit Saul bis hin zu König Zidkija. Das Haus Saul wurde aber von Gott verworfen und mit König David eine neue Dynastie eingesetzt, die bis zum babylonischen Exil Bestand hatte. Erst Nebukadnezzar führte mit der Gefangennahme Zidkijas und der Hinrichtung von dessen Söhnen das Ende des Hauses David herbei.

Bis dahin waren alle Könige Gesalbte und diese Salbung machte sie zu besonderen Mittlern zwischen Gott und den Menschen. Auch wenn viele von ihnen dieser besonderen Rolle nicht gerecht wurden, trug der König doch stets vor Gott die Verantwortung für sein Volk. Alle Könige wurden an dem Idealbild gemessen, nach dem die Heilige Schrift den König David beschrieben hat. An ihn ist auch die Verheißung des Propheten Natan ergangen:

Dein Haus und dein Königtum werden vor dir auf ewig bestehen bleiben; dein Thron wird auf ewig Bestand haben. (Sam 7,16)

Das bedeutet, dass es dem Haus David nie an einem Nachkommen fehlen wird. Nun aber war das davidische Königtum im babylonischen Exil untergegangen. Also musste dieses Wort der Schrift noch eine tiefere Bedeutung haben. Für viele gläubige Juden nach dem babylonischen Exil bis heute erwuchs daraus die Erwartung, dass Gott seinem Volk einen neuen Gesalbten senden wird, der das davidische Königtum erneuern und das Volk zu neuem Ruhm führen wird.

Es gab in den einzelnen jüdischen Gruppierungen ziemlich genaue Vorstellungen davon, wie das Kommen dieses Messias erfolgen würde. Sein Erscheinen wurde immer mehr mit dem Anbruch der Endzeit in Verbindung gebracht. Er sollte vom Ölberg her nach Jerusalem einziehen und dabei die Toten zu neuem Leben führen, weshalb der Ölberg bis heute der bevorzugte Begräbnisort vieler gläubiger Juden ist.

Jesus zog vom Ölberg her nach Jerusalem ein und vielen Menschen erschien Jesus als der Messias, der sein Volk retten wird. Die „Hosanna“-Rufe bei seinem Einzug in Jerusalem machen das deutlich. Doch viele haben sich den Messias anders vorgestellt. Er sollte kämpferischer sein, sein Volk von der Besatzungsmacht der Römer befreien, vor allem sollte er dem Tempelkult und den religiösen Führern der Juden mehr verbunden sein. Einen solchen Messias wie Jesus konnten sie nicht akzeptieren.

Vielleicht lag das auch daran, dass viele lieber einen „menschlichen“ Messias gehabt hätten, der wie viele Könige der alten Zeit sich auf die Seite der Mächtigen stellt und ihren Einfluss gegenüber der einfachen Bevölkerung noch vergrößert. Einen Messias, der sich der einfachen Menschen annimmt und dessen Gefolge aus Fischern und Handwerkern aus der Provinz Galiläa besteht, den wollte man in Jerusalem nicht.

Wo ist denn das Königliche an Jesus? Die religiösen Führer waren blind dafür. Die Evangelisten aber möchten uns die Augen dafür öffnen. Jesus stammt durch seinen Adoptivvater Josef aus dem Haus Davids, er erfüllt die Verheißungen, die in der Heiligen Schrift über den Messias gemacht werden und sein Weg ans Kreuz ist eine verborgene Krönungszeremonie.

Jesus, der Gesalbte, der Christus, der Messias, ist eben nicht deshalb Messias, weil er den Erwartungen der Mächtigen entspricht und wie ein weltlicher Herrscher mit seinen Stärken und Schwächen auftritt, sondern weil er mehr ist als ein König. Er ist nicht Sohn und Nachfolger Davids, sondern steht über David, ist dessen „Herr“, weil er der Sohn Gottes und Gott ist. Dies macht Jesus mit einem Zitat aus dem Königspsalm 110 deutlich:

Denn David selbst sagt im Buch der Psalmen: Der Herr sprach zu meinem Herrn: Setze dich mir zur Rechten, bis ich dir deine Feinde als Schemel unter die Füße lege! David nennt ihn also Herr. Wie kann er dann sein Sohn sein?

Lk 20,42-44

Der Messias ist anders, als ihr euch das vorstellt, das will Jesus den religiösen Führern deutlich machen. Doch auch wir müssen unsere Gottesbilder immer wieder überprüfen. Gestehen wir Gott zu, dass er anders ist? Dass er nicht dazu missbraucht werden will, den Einfluss der Mächtigen zu stärken? Dass er sich wirklich der Armen und Unterdrückten annimmt und sie nicht nur ruhig stellt durch Almosen, sondern dass er sie wirklich in die Freiheit und Unabhängigkeit führen will?

Hüten wir uns davor, Gottes Wort in die engen Schubladen unserer Kleinkrämerei zu packen. Geben wir ihm seine Sprengkraft wieder, mit der Jesus die Fesseln des Todes zerbrochen hat. Nur so können auch wir das neue Leben erfahren, das Jesus der ganzen Welt gebracht hat. Er allein ist König, er allein ist Herr, ihm allein wollen wie dienen und ihn allein anbeten.

Jesus, du Herr meines Lebens, sei du allein mein Herr.

Station 1: Vor Jerusalem

Weil Jesus schon nahe bei Jerusalem war, meinten die Menschen, die von alldem hörten, das Reich Gottes werde sofort erscheinen. Daher erzählte er ihnen ein weiteres Gleichnis. (Lk 19,11)

Lk 19,11

Als letzte Szene vor dem Einzug Jesu in Jerusalem schildern Matthäus und Markus die Heilung des Blinden bei Jericho. Es ist bei ihnen das letzte Wunder, das Jesus vollbringt, bevor er die Stadt betritt. Lukas aber fügt hier noch zwei weitere Ereignisse an. Während für Matthäus und Markus die Blindenheilung ein wichtiges Zeichen vor den Ereignissen in Jerusalem ist – nur, wem Jesus die Augen öffnet, kann den Sinn der folgenden Ereignisse in Jerusalem verstehen und so Jesus nachfolgen -, gewichtet Lukas anders. Er stellt nochmals die Bekehrung eines Zöllners in den Mittelpunkt und redet – wie so oft – vom Geld.

Schauen wir uns das Gleichnis vom anvertrauten Geld, das Jesus den Menschen unmittelbar vor seinem Einzug in Jerusalem erzählt, genauer an.

Er sagte: Ein Mann von vornehmer Herkunft wollte in ein fernes Land reisen, um die Königswürde für sich zu erlangen und dann zurückzukehren. Er rief zehn seiner Diener zu sich, verteilte unter sie zehn Minen und sagte: Macht Geschäfte damit, bis ich wiederkomme!

Lk 19,12-13

Wir können den Mann von vornehmer Herkunft mit Jesus gleich setzen. Er kam vom Vater im Himmel, zu ihm kehrt er nun auch wieder zurück. Das bevorstehende Leiden Jesu wird von Lukas in besonderer Weise als Inthronisation beschrieben. Am Kreuz erweist Jesus sich als König der ganzen Welt. Um diese Würde zu erlangen, muss Jesus sich von seinen Jüngern entfernen. Die vertraute Gemeinschaft mit ihnen endet mit dem letzten Abendmahl. Danach sind die Jünger zunächst auf sich gestellt, bis Jesus als der Auferstandene wieder unter ihnen ist.

Aber Jesus wird nicht mehr in menschlicher Weise bei seinen Jüngern sein. Bis zu seiner Rückkehr am Ende der Tage liegt es in der Verantwortung der Jüngerinnen und Jünger Jesu überall auf der Welt mit den ihnen anvertrauten Fähigkeiten am Aufbau des Reiches Gottes mitzuarbeiten. Und es ist sehr viel, das Jesus jedem einzelnen schenkt und anvertraut. Nach seiner Rückkehr erwartet der neue König Rechenschaft darüber, wie sie mit dem ihnen anvertrauten Geld umgegangen sind.

Der erste kam und sagte: Herr, deine Mine hat zehn Minen eingebracht. Da sagte der König zu ihm: Sehr gut, du bist ein guter Diener. Weil du im Kleinsten zuverlässig warst, sollst du Herr über zehn Städte werden.

Der zweite kam und sagte: Herr, deine Mine hat fünf Minen eingebracht. Zu ihm sagte der König: Du sollst über fünf Städte herrschen.

Nun kam ein anderer und sagte: Herr, siehe deine Mine. Ich habe sie in einem Schweißtuch aufbewahrt; denn ich hatte Angst vor dir, weil du ein strenger Mann bist: Du hebst ab, was du nicht eingezahlt hast, und erntest, was du nicht gesät hast.

Der König antwortete: Aus deinem eigenen Mund spreche ich dir das Urteil. Du bist ein schlechter Diener. Du hast gewusst, dass ich ein strenger Mann bin? Dass ich abhebe, was ich nicht eingezahlt habe, und ernte, was ich nicht gesät habe? Warum hast du dann mein Geld nicht auf die Bank gebracht? Dann hätte ich es bei der Rückkehr mit Zinsen abheben können.

Und zu denen, die dabeistanden, sagte er: Nehmt ihm die Mine weg und gebt sie dem, der die zehn Minen hat! Sie sagten zu ihm: Herr, er hat doch schon zehn. Ich sage euch: Wer hat, dem wird gegeben werden; wer aber nicht hat, dem wird auch noch weggenommen, was er hat.

Lk 19,16-26

Um den in unseren Ohren harten Schluss des Gleichnisses zu verstehen, müssen wir an dessen Anfang zurückblicken. Jesus erzählt das Gleichnis, weil viele denken, dass nun mit seinem unmittelbar bevorstehenden Einzug nach Jerusalem das Reich Gottes anbrechen wird. Aber Jesu Königsherrschaft wird nicht in dieser Weise sichtbar sein in der Welt, wie viele es sich vorstellen. Jesus wird fern sein, sein Reich verborgen. Seine Nähe und seine Macht werden nur denen offenbar, die ihm nachfolgen. Aber es wird der Tag kommen, an dem sich alles entscheiden wird und Jesus sich der ganzen Welt in all seiner Königsmacht zeigen wird.

Bis zu diesem Tag können seine Feinde es sich überlegen, ob sie ihn doch noch als König haben möchten. Bis zu diesem Tag sind die Dienerinnen und Diener des Königs aufgerufen, mit dem, was ihnen anvertraut worden ist, gute Gewinne zu machen, nicht ängstlich das, was sie bekommen haben, zu verstecken, sondern mutig und entschlossen damit zu handeln. Wer mit der – eigentlich recht überschaubaren – anvertrauten Summe gut gewirtschaftet hat, wird eine unbeschreibliche Belohnung bekommen, indem er die Herrschaft über mehrere Städte erhält.

Dabei kommt es nicht einmal so sehr auf die Leistung des einzelnen an. Die guten Diener sagen nicht: Schau her, so und so viel habe ich mit deiner Miene gemacht. Sondern vielmehr: „deine Mine hat zehn / fünf Minen eingebracht“, oder noch etwas genauer übersetzt: „deine Mine hat sich verzehnfacht / verfünffacht“. Es scheint also, dass sich das Geld ganz von selbst vermehrt hat. Allein weil sie im Vertrauen auf ihren Herrn gehandelt haben, wurde ihnen Erfolg zuteil.

Nicht wachsen konnte die Mine aber bei dem, der sie versteckt hat in seinem Tuch, aus Angst vor dem Herrn, vielleicht auch aus Angst vor anderen. Er wollte nicht, dass jemand anderer als er selbst sie sieht. Vielleicht hat er sie heimlich bei Nacht ausgepackt, und sich an ihrem Glanz im Kerzenschein erfreut. Aber der Herr gibt seine Gaben nicht, dass wir sie für uns selbst behalten, er will, dass wir davon an alle austeilen und so Gewinn machen. Nur wer schenkt, bekommt hinzu, nur wer gibt, kann auch empfangen.

Das ist das Geheimnis dieses Gleichnisses. Jeder, der dem Herrn nachfolgt, bekommt von ihm ein Geschenk. Dieses Geschenk aber ist dazu da, ausgepackt zu werden, damit jeder damit auch andere erfreut. Es ist dazu da, die Welt schöner und lebendiger zu machen.

Herr Jesus,

zeige mir, was du mir geschenkt hast.

Ich will dieses Geschenk öffnen

und voll Freude allen zeigen.

Ich will es nicht für mich behalten,

sondern mit anderen teilen,

damit alle sich freuen an deiner Güte,

und die ewige Freue erlangen,

wenn du einst wiederkommst.

Amen.

Fünfter Fastensonntag

Denkt nicht mehr an das, was früher war; auf das, was vergangen ist, achtet nicht mehr! Siehe, nun mache ich etwas Neues. Schon sprießt es, merkt ihr es nicht?

Jes 43,18-19a

Das ganze Kapitel 43 des Jesajabuches ist voll positiver Energie und schildert mit machtvollen Worten die Befreiung des Volkes aus dem Exil in Babylon durch seinen Gott. Das Volk war voller Trauer über den Verlust des Heiligen Landes, ja mehr noch, es fühlte sich von seinem Gott verlassen, denn eigentlich hätte es nie zu dieser Katastrophe kommen dürfen.

Doch Gott macht einen neuen Anfang mit seinem Volk. Durch die Worte des Propheten, der von der Bibelwissenschaft Deuterojesaja genannt wird, macht er seine Liebe zu seinem Volk deutlich. Nichts mehr wird dem Volk Gottes Schaden zufügen. Die Menschen können bald wieder in Frieden und Sicherheit in ihrem Land wohnen. Gott führt sie aus der Gefangenschaft, wie er einst das Volk aus Ägypten durch die Wüste geführt hat. Alles wird neu werden, und der Anfang dieses Neuen ist schon jetzt spürbar, wenn auch das Volk noch in Babylon lebt und die Heimkehr in scheinbar weiter Ferne liegt.

Die Liturgie präsentiert uns diesen Text am Fünften Fastensonntag, dem Passionssonntag. An diesem Tag werden die Kreuze verhüllt und bleiben es bis zum Karfreitag. Die Feier von Jesu Leiden und Auferstehung steht nahe bevor, die österliche Bußzeit neigt sich ihrem Ende zu und bald kommt die frohe Osterzeit. Auch in der Natur sprießt frisches Grün und wir erfreuen uns an den ersten warmen Frühlingstagen.

Gott macht alles neu, er schenkt Wärme nach dem eisigen Winter, schenkt Trost in der Trübsal und Freude nach einer Zeit der Schmerzen. Das Evangelium dieses Sonntags berichtet von der Rettung und Vergebung, die Jesus der zur Steinigung verurteilten Ehebrecherin schenkt.

Gottes neue Welt braucht aber auch Menschen, die sich dafür einsetzen, die dem Beispiel Jesu folgen und andere nicht verurteilen, sondern nach Wegen der Vergebung suchen, Menschen, die für andere da sind und einander annehmen, auch über die Gräben von Vorurteilen hinweg. Bei Deuterojesaja ist es der Gottesknecht, der die ihm von Gott zugedachte Aufgabe der Rettung seines Volkes ausführt. Die Exegeten sind sich nicht einig darüber, wer dieser Gottesknecht ist. Etwa der Prophet selbst? Oder der Perserkönig Kyros, der die Heimkehr des Volkes aus dem Exil ermöglicht und Mittel zum Wiederaufbau Jerusalems zur Verfügung stellt?

Der Gottesknecht aus dem Buch Jesaja ist auch Vorausbild für Jesus Christus. Er ist der Retter aus dem Gefängnis von Sünde und Tod, er öffnet den Weg zu neuem Leben in unüberbietbarer Weise. Es braucht aber zu jeder Zeit „Gottesknechte“, die Jesu Botschaft immer wieder neu lebendig werden lassen und für die Menschen das befreiende dieser Botschaft erfahrbar werden lassen, die andere hinführen zu einer lebendigen Begegnung mit Jesus Christus.

Die Worte des Propheten Jesaja sind also nicht nur für Menschen einer fernen Vergangenheit gesprochen. Sie wurden auch für uns heute aufgezeichnet. Sie sollen uns Mut machen und Kraft schenken, unser Leben in Gottes Licht zu stellen und mit ihm unser Leben zu gestalten, so dass Gottes Licht so auch auf andere übergeben kann.

Immer wieder einen neuen Anfang machen, das war ein Lebensmotto der frühen Wüstenväter. Wir machen immer wieder Fehler, aber es bringt nichts, wenn wir uns deswegen ständig Vorwürfe machen. Fehler sind dazu da, aus ihnen zu lernen und dann mit neuer Kraft weiter zu gehen. Es bringt auch nichts, einer schönen Vergangenheit nachzutrauern. Wir können sie nicht zurückholen. Es gilt vielmehr, in der Gegenwart zu leben und an einer Zukunft zu bauen, die noch schöner wird als die Vergangenheit.

Haben wir Mut, das Neue anzunehmen, das Gott uns schenken will. Lassen wir uns von ihm überraschen und sagen wir Ja zu dem was kommt, im festen Vertrauen darauf, dass alles, was Gott uns schenkt, das Beste für uns ist das uns passieren kann.

Vierter Fastensonntag

Wir sind also Gesandte an Christi statt und Gott ist es, der durch uns mahnt. Wir bitten an Christi statt: Lasst euch mit Gott versöhnen! Er hat den, der keine Sünde kannte, für uns zur Sünde gemacht, damit wir in ihm Gerechtigkeit Gottes würden.

2 Kor 5,20-21

Am vierten Fastensonntag im Lesejahr C, wenn als Evangelium das Gleichnis vom verlorenen Sohn, oder besser: vom barmherzigen Vater die Liturgie des Sonntags prägt, hören wir in der zweiten Lesung den leidenschaftlichen Aufruf des Apostels Paulus an die Korinther: Lasst euch mit Gott versöhnen!

Das ist der Dienst des Apostels, den er als Fortsetzung des Dienstes Christi ausführt. Jesus Christus ist gekommen, um uns die Liebe des Vaters zu zeigen. Im Dienst dieser Liebe ist er gestorben und hat durch seinen Tod und seine Auferstehung für alle, die glauben, den Weg zum Vater geöffnet.

Gott ist der liebende Vater des Gleichnisses, der den verlorenen Sohn, der zu ihm zurückkehrt, bedingungslos in die Arme nimmt. So will Gott jeden Menschen in seine Arme schließen und uns das größtmögliche Glück schenken.

Doch den Menschen scheinen andere Ziele wichtiger. Erfolg, Macht, vielleicht auch die Vergnügungen, mit denen der verlorene Sohn sein Geld verschwendet hat. Doch wohin führt das alles? Sicher will Gott nicht, dass wir in irdischen Dingen erfolglos sind und nichts vom Leben haben. Aber wir haben eine größere Freude, wenn wir uns mit Gott an allem freuen, ihn in unser Leben mit hineinnehmen und ihm Dank sagen.

Lasst euch mit Gott versöhnen, erkennt, wie sehr Gott euch liebt, erkennt, welche Freude Gott euch schenken möchte. Gott sehnt sich nach euch, Gott will euch in seine Arme schließen. Hört nicht auf die, die euch einreden wollen, dass Gott euch zu Sklaven machen möchte, Gott will eure Freiheit! Hört nicht auf die, die euch sagen, dass Gott nicht existiert. Jesus lebt beim Vater und ihr werdet mit ihm leben, wenn ihr an ihn glaubt. Sucht nicht erst nach Beweisen, probiert es einfach aus und ihr werdet erfahren, wie groß Gottes Liebe ist.

Karsamstag

Da es Rüsttag war, der Tag vor dem Sabbat, und es schon Abend wurde, ging Josef von Arimathäa, ein vornehmes Mitglied es Hohen Rats, der auch auf das Reich Gottes wartete, zu Pilatus und wagte es, um den Leichnam Jesu zu bitten. Pilatus war überrascht, als er hörte, dass Jesus schon tot sei. Er ließ den Hauptmann kommen und fragte ihn, ob Jesus bereits gestorben sei. Als er es vom Hauptmann erfahren hatte, überließ er Josef den Leichnam. (Mk 15,42-45)

Ein römischer Hauptmann und einige Frauen wurden als Zeugen von Jesu Tod genannt. Dieser Hauptmann steht als Beispiel für all jene, die an Jesu Tod nicht irrewerden, sondern denen dieser Tod ein Zeichen ist für das neue Leben. Es mag ungewöhnlich erscheinen. Ein Prediger und Wunderheiler, als Gotteslästerer am Kreuz hingerichtet, der kann doch nur ein Betrüger gewesen sein. Doch bereits in Jesu Todesstunde ereignet sich Ungewöhnliches. Schon bei Jesu Tod wird spürbar, dass hier kein Betrüger und Gotteslästerer die vermeintlich gerechte Strafe erfährt, sondern dass hier der König der Welt und Herr über Leben und Tod selbst in den Tod geht.

Der Hauptmann erkennt das Besondere an dieser Situation. Für ihn ist Jesu Tod nicht Anlass zum Zweifel, sondern ein Zeichen für den Glauben. Auch für Pilatus war Jesu Hinrichtung kein gewöhnliches Ereignis, auch er hat das Besondere an Jesus gespürt, er wunderte sich, dass Jesus so schnell tot war, befragte dazu extra noch den Hauptmann als Zeugen, aber damit ist die Angelegenheit für ihn erledigt. Andere Themen stehen nun auf der Tagesordnung.

Pilatus und der Hauptmann, zwei Wege, um mit Jesu Tod umzugehen. Was beschäftigt mich, wenn ich an Jesu Tod denke? Kann ich dieses Ereignis einfach mit einem Schulterzucken abtun und zum Tagesgeschäft übergehen? Ach dieser Jesus, er mag ein besonderer Mensch gewesen sein, aber jetzt ist er tot, schade, aber was kümmert mich das weiter … Oder wird Jesu Tod für mich Anlass, mein Leben zu verändern, weil dieser Tod die Welt verändert hat?

Heute umschließt ein Grab den,

der mit seiner Hand die Schöpfung umschließt;

es bedeckt ein Stein den,

der die Himmel mit Glanz bedeckt,

es schläft das Leben und der Hades erbebt,

und Adam wird von den Fesseln befreit.

Ehre sei deiner Heilstat, durch die du alles vollendet

und die ewige Sabbatfeier und geschenkt hast,

da du Gott bist,

durch deine allheilige Auferstehung von den Toten.

(Gebet der Ostkirche)

Josef kaufte ein Leinentuch, nahm Jesus vom Kreuz, wickelte ihn in das Tuch und legte ihn in ein Grab, das in einen Felsen gehauen war. Dann wälzte er einen Stein vor den Eingang des Grabes. Maria aus Magdala aber und Maria, die Mutter des Joses, beobachteten, wohin er gelegt wurde. (Mk 15,46-47)

Durch das Zeugnis des Hauptmanns vor Pilatus wurde der Tod Jesu amtlich beglaubigt. Während die Jünger Jesu geflohen sind, ist Josef von Arimathäa der erste, der sich zu Jesu bekennt, indem er vor Pilatus um den Leichnam Jesu bittet. Das einzige, das er nun für Jesus tun kann, ist ihm ein würdiges Begräbnis zu bereiten. Die Frauen, die bereits unter dem Kreuz gestanden sind, beobachten was geschieht. Auch sie haben ihre Pläne, um Jesus ein würdiges Begräbnis zu bereiten, doch darauf müssen sie sich vorbereiten und dabei die vorgeschriebene Sabbatruhe abwarten. Nach Jesu Grablegung kommt es also erstmal zu einem Tag der Ruhe, bis die Ereignisse des Ostermorgens ein ganz anderes Licht auf dieses Ereignis werfen werden.

Palmsonntag

Und sie brachten das Fohlen zu Jesus, legten ihre Kleider auf das Tier und er setzte sich darauf. Und viele breiteten ihre Kleider auf dem Weg aus, andere aber Büschel, die sie von den Feldern abgerissen hatten. (Mk 11,7-8)

Ein auf einem Esel reitender Rabbi, dem seine Schüler zu Fuß folgen, ist zur Zeit Jesu kein ungewöhnliches Bild. Doch was hier geschieht hat eine ganz andere Dimension. Wahrscheinlich haben die Menschen in Jerusalem schon früh davon erfahren, dass Jesus kommt. Man hat sicher schon viel von diesem Wunderheiler aus Galiläa gehört. Nun ist er da und die Begeisterung der Menge ist groß. Und wenn es anfangs vielleicht nur einige wenige waren, die Jesus begrüßt haben, eilen sicher bald viele andere herbei, um zu sehen, was hier geschieht, und schließen sich den Jubelrufen an.

Auch gewöhnliche Pilger wurden mit Jubelrufen in Jerusalem empfangen, doch der Ruf, der hier erschallt, ist mehr als nur ein Begrüßungsruf für gewöhnliche Pilger. Einige haben verstanden, was hier geschieht. Die Verheißung der Propheten geht in Erfüllung, der Messias kommt in seine Stadt. Das Ausbreiten von Kleidern und Büscheln verstärkt als Gestus die Huldigung. Ebenso wurde der alttestamentliche König Jehu empfangen, nachdem von Elischa gesalbt worden war (2Kön 9,13).

Die Leute, die vor ihm hergingen und die und die ihm nachfolgten, riefen: Hosanna! Gesegnet sei er, der kommt im Namen des Herrn! Gesegnet sei das Reich unseres Vaters David, das nun kommt. Hosanna in der Höhe! (Mk 11,9-10)

Der Ruf „Hosanna“ hat sich in seiner Bedeutung gewandelt von einem ursprünglichen Flehruf („Hilf doch!“) zu einem Huldigungsruf an den, von dem Hilfe erwartet wird. Er findet sich in Psalm 118 („Hosanna! Gesegnet, der da kommt im Namen des Herrn!“ Ps 118,25-26). Die Menge jubelt Jesus mit diesem Ruf als dem ersehnten Messias zu. Gerecht, siegreich und demütig ist dieser Messias gemäß der Prophezeiung des Sacharja. Gerecht, weil er den Willen Gottes tut, siegreich, weil Gott ihm beisteht und rettet aus der Not, demütig, weil er sich nicht über andere erhebt, sondern sich mit den Armen und Schwachen solidarisiert.

Der Ruf der Menschen in Jerusalem wird auch der Jubelruf unserer Befreiung. Das, was in den nächsten Tagen dort geschehen wird, wird die Welt verändern und macht den Weg frei zum neuen, ewigen Leben.

Begraben mit Dir durch die Taufe, Christus unser Gott, sind wir des unsterblichen Lebens gewürdigt durch Deine Auferstehung, und singen und rufen Dir zu: „Hosanna in den Höhen! Gesegnet, der da kommt im Namen des Herrn!“ (Gebet der Ostkirche)

Die Hoffnung auf den Anbruch der Gottesherrschaft als Wiederherstellung des Königtums David wird durch den zweiten Teil des Rufes zum Ausdruck gebracht. Eine weit verbreitete Vorstellung sah den Messias als neuen König David, der für Israel das Reich wiederherstellt. Viele werden nun genau das von Jesus erwartet haben, als er in „seine“ Stadt Jerusalem einzieht. Jesus schweigt zu den Rufen der Menge. Er weiß, dass er als Messias jetzt nicht so die Herrschaft antreten wird, wie es die Menge erwartet. Der Thron, den er besteigen wird, ist das Kreuz. Hier zeigt sich seine Königsmacht. Doch das würden die Menschen jetzt nicht verstehen. So lässt er sie gewähren.