Warten auf den Herrn (1Kor 1)

Ich danke Gott jederzeit euretwegen für die Gnade Gottes, die euch in Christus Jesus geschenkt wurde, dass ihr an allem reich geworden seid in ihm, an aller Rede und aller Erkenntnis. Denn das Zeugnis über Christus wurde bei euch gefestigt, sodass euch keine Gnadengabe fehlt, während ihr auf die Offenbarung Jesu Christi, unseres Herrn, wartet. Er wird euch auch festigen bis ans Ende, sodass ihr schuldlos dasteht am Tag Jesu, unseres Herrn. Treu ist Gott, durch den ihr berufen worden seid zur Gemeinschaft mit seinem Sohn Jesus Christus, unserem Herrn. (1Kor 1,4-9)

Paulus bescheinigt der Gemeinde von Korinth, dass sie reich an Gnadengaben ist. Über diese wird er später im Brief (in den Kapiteln 12-14) noch ausführlich reden. Diese Gnadengaben zeigen die Kraft des Glaubens der Gemeinde. Ihr starker Glaube an Jesus Christus macht die Korinther auch stark im Leben. Diese Stärke ist notwendig, denn immer wieder wird ihr Glaube auf die Probe gestellt.

Wie in anderen Paulusbriefen wird auch hier die starke Betonung der erwarteten Wiederkunft des Herrn deutlich. Die Aussicht, beim Kommen des Herrn mit ihm in ein wunderbares himmlisches Reich erhoben zu werden, hat sicher viele begeistert. Wie eine Klammer umschließt diese Erwartung den ganzen Brief, der mit dem sehnsüchtigen Ruf endet: „Marana tha – Komm Herr Jesus“ (1Kor 16,22b).

Das Leben der Christen ist ein Leben in der Erwartung des wiederkommenden Herrn. Das macht uns besonders die Adventszeit deutlich. Sie ist nicht nur eine Vorbereitung auf das Weihnachtsfest, sondern eine jährliche Einübung in dieses beständige Warten. Warten können, das bedeutet auch Festigung und Treue. Warten ist keine verlorene Zeit, sondern eine erfüllte Zeit, in der das Ziel der Sehnsucht noch klarer wird. Wir warten schon fast 2000 Jahre auf das Kommen des Herrn, aber in dieser Zeit hat Jesus nichts an seiner Faszination verloren.

Auch der Glaube wird in der Zeit des Wartens klarer, nicht nur im Einzelnen, sondern auch in der Kirche. Wenn wir die Kirchengeschichte betrachten, so sehen wir, dass das Glaubensbekenntnis am Anfang noch sehr knapp gehalten war. Im Laufe der Jahrhunderte wurden dann viele neue Glaubenssätze formuliert, die diesen Glauben des Anfangs präzisiert haben. Die Menschen haben sich immer wieder gefragt, wer dieser Jesus Christus ist, wie sein Gott- und Mensch-Sein zusammen gehen, was Erlösung bedeutet. Jede Zeit verlangt auf diese Fragen ihre je eigenen Antworten, die auf dem Fundament des Glaubens der Apostel stehen, aber diesen Glauben mit Worten formulieren, die in der jeweiligen Zeit verständlich sind.

Wie das Glaubensbekenntnis der ganzen Kirche im Lauf der Jahrhunderte immer deutlicher wird, so muss sich auch der Glaube jedes einzelnen Menschen im Laufe seines Lebens wandeln und reifen. Aus einem Kinderglauben entwickelt sich ein erwachsener Glaube, auf manche Fragen des Glaubens findet man erst nach langer Zeit eine Antwort. Den Glauben zu festigen ist Aufgabe jedes Menschen. Der Heilige Geist führt hier den einzelnen und die ganze Kirche immer tiefer in die Wahrheit des Glaubens ein. Das zu erfahren ist ein Geschenk, eine Gnadengabe, um die wir auch immer bitten dürfen.
Warten bedeutet auch Treue. Nur der ist zum Warten bereit, dem etwas an dem liegt, worauf er wartet. In unserer schnelllebigen Zeit fällt es uns vielleicht schwerer, Warten zu können, als früheren Generationen. Wir können uns alles sofort kaufen, was wir wollen, die Shops im Internet haben 24 Stunden geöffnet, die Lieferung erfolgt schnellstmöglich, wenn das Geld nicht reicht, wird ein Kredit angeboten, Sparen und damit warten bis genug Geld da ist, das ist out und auch gar nicht mehr erwünscht. Auch in den Beziehungen mit anderen Menschen haben wir verlernt zu warten. Wenn wir etwas nicht sofort hier und jetzt bekommen, dann besorgen wir es uns eben woanders. Das Angebot ist immens.

Das Warten auf das Kommen des Herrn ist zu allen Zeiten eine Herausforderung. Mit der Zeit haben sich viele Christen daran gewöhnt, dass der Herr so schnell nicht wiederkommt, aber auch das ist keine Lösung. Die Evangelien ermahnen uns dazu, so zu leben, als würde der Herr heute wiederkommen, auch wenn dieses Heute nun seit fast 2000 Jahren nicht eingetreten ist. Aber das bedeutet nicht, dass es nicht heute oder morgen kommen kann. Wir sollen daher stets wachsam sein und bereit für das Kommen des Herrn.

Als Christen leben wir im ständigen Heute. Auch wenn der Herr noch nicht in Herrlichkeit gekommen ist, so ist er doch bleibend unter uns. An unseren Festtagen feiern wir keine vergangenen Ereignisse, sondern wir feiern das, was damals geschehen ist, im Heute. Wenn wir uns auf das Kommen des Herrn vorbereiten, dann soll uns das nicht nur für einen zukünftigen Tag bereit machen, sondern uns seine Gegenwart im Hier und Jetzt schon immer mehr erfahrbar werden lassen.

Jesus ist mitten unter uns, er ist bei jedem Gläubigen und besonders da, wo zwei oder drei in seinem Namen versammelt sind. Jesus ist da mit der Kraft seiner Gnadengaben. Alles, was wir an Gutem tun oder unterlassen, tun wir nicht nur für Menschen, sondern auch für ihn. Martin sieht im Himmel Jesus mit dem Mantel bekleidet, den er dem Bettler geschenkt hat. Jesus ist ihm im Bettler begegnet. In jedem anderen Menschen kann Jesus auch uns begegnen. In unseren guten Werken beschenken wir den Herrn. Was wir jetzt tun, tun wir für die Ewigkeit.

Das macht deutlich, dass der Tag des Herrn bereits da ist. Jetzt entscheidet sich für uns die Ewigkeit. Solange wir leben, haben wir noch die Chance, uns auf diese Ewigkeit vorzubereiten, Schätze zu sammeln für den Himmel. Es kommt der Tag, an dem es diese Möglichkeit nicht mehr gibt, das muss uns immer bewusst sein. Wer meint, es würde ja auch noch reichen, sich morgen zu ändern oder übermorgen … der spielt mit seinem Leben.

Herr, lass uns wachsam sein
und stets das Gute tun
das du für uns vorbereitet hat,
damit wir bereit sind
für den Tag, an dem du Kommst.
Amen.

Marana tha – Unser Herr, komm! (1Kor 16,22b)

Der Ruf „Marana tha“ stammt aus dem Aramäischen und hat sich ebenso wie das aramäische „Amen“ in seiner Grundform von Jerusalem ausgehend in der ganzen Welt verbreitet, ohne in die jeweilige Landessprache übersetzt zu werden. Es handelt sich dabei sowohl um einen sehnsüchtigen Ruf nach dem Kommen des Herrn (Unser Herr, komm!), hat aber auch affirmativen Charakter und bestätigt, dass der Herr kommt (Unser Herr kommt!). Wir begegnen diesem Ruf auch am Ende der Offenbarung des Johannes und spätere Quellen zeigen, dass er in der Liturgie verwendet wurde, wohl um die Gegenwart des Herrn in der Eucharistie anzuzeigen.

Unser Herr, komm! Unser Herr kommt! Unser Herr ist gekommen! Der Ruf birgt in sich die ganze Bandbreite der Gegenwart des Herrn. Jesus ist gekommen als Mensch und hat den Menschen die Liebe Gottes offenbart und in dieser Liebe ist er für das Heil der Menschen in den Tod gegangen. Mit seiner Auferstehung hat er den Weg zum Himmel geöffnet. Dorthin wird er die Seinen zu sich holen, wenn er wiederkommt. Doch Jesus ist auch bleibend gegenwärtig in seiner Kirche, in ganz besonderer Weise in der Eucharistie.

Die Erwartung des Kommens des Herrn und das Bewusstsein seiner bleibenden Gegenwart sind ein zentrale Aspekte christlichen Lebens. Darauf hat Paulus schon zu Beginn des Briefes hingewiesen. Ständig ereignet sich das Kommen des Herrn, ständig müssen wir dafür bereit sein und bei seinem Kommen in Herrlichkeit wird sich alles vollenden. Angesichts dieses Kommens des Herrn verliert alles menschliche Gerangel um Vorrang und Macht an Bedeutung. Wer auf den Herrn schaut, der lernt, in demütiger Liebe als Gottes Kind zu leben.

Was heißt aber: „Marana tha“? Unser Herr kommt. Aus welchem Grund sagt er nun das? Um die Lehre von der Menschwerdung zu bestätigen, worauf er die Lehre von der Auferstehung gegründet hat. Allein nicht bloß darum, sondern auch, um sie zu beschämen, so als wollte er sagen: Unser aller Herr hat sich gewürdigt, so tief herabzusteigen, und ihr bleibt immer dieselben und fahrt fort, zu sündigen! Erstaunt ihr nicht ob diesem Übermaß von Liebe? Bedenkt doch nur dies, will er, sagen, und ihr werdet in aller Tugend voranschreiten und alle Sünden austilgen können. (Johannes Chrysostomus)

Christus – Weltenherrscher (1Kor 15)

Nun aber ist Christus von den Toten auferweckt worden als der Erste der Entschlafenen. (1Kor 15,20)

Paulus macht den Korinthern deutlich, dass Tod und Auferweckung Jesu Christi die Grundlage des Glaubens und die Voraussetzung für das Heil der Menschen sind. Ohne die feste Überzeugung, dass dies geschehen ist, bleibt der Glaube sinn- und kraftlos, die Annahme dieser Tatsache aber verleiht die Kraft, die das Leben verändert. Gott hat die Macht, Tote zum Leben zu erwecken und ein Gott, der diese Macht hat, vermag auch alles andere und wird sich stets für das Heil derer sorgen, die zu ihm gehören.

Da nämlich durch einen Menschen der Tod gekommen ist, kommt durch einen Menschen auch die Auferstehung der Toten. Denn wie in Adam alle sterben, so werden in Christus alle lebendig gemacht werden. (1Kor 15,21-22)

Die biblische Erzählung von Adam als ersten Menschen und vom Sündenfall im Paradies ist allgemein bekannt. Der Sünde Adams folgte die Vertreibung aus dem Paradies mit all den negativen Folgen für den Menschen. Auch im Paradies wäre Adam sterblich gewesen, jedoch hätte der Tod nicht diese zerstörerische Macht gehabt, die ihm in Folge der Sünde zugeschrieben wird. Die Erzählung vom Sündenfall will eine Erklärung dafür geben, wie in einer Welt, die Gott sehr gut geschaffen hat, Sünde, Leid und Tod überhaupt entstehen konnten. Auch wenn wir die biblische Erzählung nicht als Tatsache akzeptieren können, so ist doch die Tatsache unübersehbar, dass der Mensch immer wieder in Sünde fällt und in einer Welt aufwächst, die vom sündigen Verhalten der Menschen gekennzeichnet ist.

Gibt es für den Menschen eine Möglichkeit, der Macht von Leid, Sünde und Tod zu entkommen? Religionen und Philosophien zu allen Zeiten versuchen, dem Menschen eine Antwort auf diese Frage und Wegweisung zu geben. Fernöstliche Religionen sehen in der Meditation einen Weg, sich aus dem Kreislauf der Wiedergeburt zu befreien und schließlich in ein erfülltes Nichts, das Nirwana, einzugehen. Die Juden haben das Gesetz, von dem sie hoffen, dass dessen wörtliche Befolgung sie zu gerechten Menschen macht.

Der Mensch sehnt sich nach Glück und ewigem Leben, aber er kann die Grenze, die der Tod ihm setzt, nicht aus eigener Kraft überwinden und sich nicht selbst aus der Verstrickung der Menschheit in die Sünde befreien. Der Mensch bedarf der Erlösung, er bedarf der Befreiung aus der Macht von Sünde und Tode. Christlicher Glaube bringt die frohe Botschaft, dass Gott in seinem Sohn Jesus Christus die Menschen von Sünde und Tod befreit hat. Gott verlangt keine großartigen spirituellen Leistungen des Menschen, sondern allein den Glauben daran, dass die Erlösung Wirklichkeit geworden ist. In der Taufe setzt der Mensch ein Bekenntnis zu dieser Wirklichkeit und wird zugleich zu einem neuen Menschen, der von Sünde und Tod befreit ist und bereit ist, in das ewige Leben bei Gott hinüberzugehen, wenn die Zeit dafür gekommen ist.

Es gibt aber eine bestimmte Reihenfolge: Erster ist Christus; dann folgen, wenn Christus kommt, alle, die zu ihm gehören. (1Kor 15,23)

Der Gläubige hat durch die Taufe schon Anteil am neuen Leben bei Gott, aber in seinem konkreten Leben bleibt er doch ein normaler Mensch. Er wird sterben, er kann wieder in Sünde fallen. Ist die Befreiung von Sünde und Tod tatsächlich Wirklichkeit geworden oder ist der christliche Glaube nur ein großer Bluff, der den Menschen etwas verspricht, das nicht real ist? Wer kann beweisen, dass das stimmt, was Paulus den Korinthern verkündet hat und was Apostel und Prediger zu allen Zeiten den Menschen verkünden?

Für die Auferstehung Jesu Christi gibt es Zeugen, Paulus selbst gehört zu diesen Zeugen. Paulus selbst hat erfahren, dass Jesus lebt, und auch jeder Gläubige kann diese Erfahrung machen. Wer den Glauben mit fester Überzeugung annimmt, wird erfahren, wie Jesus Christus sein Leben verwandelt. Bereits in dieser Welt gibt der Glaube Kraft und Hoffnung und hat die Macht, Tote lebendig und Kranke gesund zu machen. Das neue Leben Gottes wird also doch bereits in dieser Welt sichtbar.

Und doch gibt es eine gewisse Verzögerung. Die ersten Gläubigen hatten die Hoffnung, dass Jesus bald wiederkommen wird. Nun sind fast zweitausend Jahre vergangen und Jesus ist noch immer nicht gekommen. Das erfordert eine Bewährung des Glaubens, weil er immer wieder mit Zweifel und Anfechtung zu kämpfen hat. Nur Gott weiß, wann der Herr wiederkommen wird. Nur Gott weiß, warum er mit dem Kommen so lange zögert. Die Gläubigen aber sollen wachsam sein und stets bereit, dass dieser Tag überraschend kommen kann.

Wenn Jesus wiederkommt, wird er alle, die zu ihm gehören, in das neue Leben mit ihm führen und er wird der Welt seine Macht offenbaren.

Danach kommt das Ende, wenn er jede Macht, Gewalt und Kraft vernichtet hat und seine Herrschaft Gott, dem Vater, übergibt. Denn er muss herrschen, bis Gott ihm alle Feinde unter die Füße gelegt hat. (1Kor 15,24-25)

Nicht ohne Grund wurde gerade dieser Lesungstext für den Christkönigssonntag ausgewählt. Jesus wird mit Macht wiederkommen als Herrscher und König der Welt. Die Erfahrung des Alltags mag uns etwas anderes zeigen. Wir haben den Eindruck, dass so viele Mächte größer sind als Gott. Wir fühlen uns oft den Kräften dieser Welt schutzlos ausgeliefert. Heute sind es vor allem die bangen Fragen, wie es weitergeht mit dieser Welt angesichts der fortschreitenden Umweltzerstörung, des rapiden Anstiegs der Weltbevölkerung, der zunehmenden Globalisierung und der Bedrohung durch Terrorismus, um nur einige der großen Ängste unserer Zeit zu nennen. Es braucht Menschen, die sich einsetzten für diese Welt, für Gerechtigkeit und Frieden, die den Mächtigen entgegentreten und für die Schwachen eintreten. Es braucht Menschen, die furchtlos den Glauben an Jesus Christus verkünden, Menschen, die überzeugt davon sind, dass Jesus Christus allein Herr der Welt ist und dass er stärker ist als all die Mächte, die unsere Welt bedrohen.

Mit diesem Glauben können wir schon jetzt in der Welt etwas bewirken. Wir sind den Kräften dieser Welt nicht schutzlos ausgeliefert. Wir sind keine Sklaven des Marktes, der Medien, der gottlosen Konsumgesellschaft. Wir können an einer anderen Welt bauen, die diesen Kräften entgegenwirkt, einer Welt, in der Friede und Gerechtigkeit herrschen. Das meint Reich Gottes auf Erden und ist keine Utopie, sondern real möglich, weil Gott es ermöglicht. Vertrauen wir Gott, dass wir mit seiner Kraft schon jetzt den Mächten des Bösen wiederstehen können. Dann werden wir erfahren, wie sie schon jetzt gegen Gottes Macht erliegen, weil sie ihm unterlegen sind. Sie können jetzt noch ihre Macht unter den Menschen verbreiten, die sich ihnen anschließen, die nicht auf Gottes Macht vertrauen, aber sie werden einmal ganz von Gott unterworfen.

Das Bild, das Paulus hier zeichnet, zeigt Jesus Christus als Herrscher der Welt. Der Vater ist es, der ihm alles zu Füßen legt. Der Vater überlässt seinem Sohn die Herrschaft über die Welt. Der Weg zum Vater führt über den Sohn. Wir haben nur über Jesus Christus Zugang zum Vater. Jesus Christus ist es, der die Gläubigen eint und ihnen Kraft gibt. Er wirkt in denen, die ihm vertrauen, zu allen Zeiten seine Wunder und zeigt seine Macht. Jesus Christus ist der König des Gottesvolkes auf Erden. Unter ihm sind alle Gläubigen vereint.

Am Ende der Welt wird Jesus Christus dann alle, die zu ihm gehören, zum Vater führen. Mit Jesus Christus vereint gehen alle Gläubigen zum Vater und werden eins mit ihm. Das ewige Leben wird in Gott sein, eine ewige Schau Gottes, eine tiefe Vereinigung mit ihm. Dann wird allein Gott sein und alle Gläubigen mit ihm.

Der letzte Feind, der entmachtet wird, ist der Tod. Sonst hätte er ihm nicht alles zu Füßen gelegt. Wenn es aber heißt, alles sei unterworfen, ist offenbar der ausgenommen, der ihm alles unterwirft. Wenn ihm dann alles unterworfen ist, wird auch er, der Sohn, sich dem unterwerfen, der ihm alles unterworfen hat, damit Gott herrscht über alles und in allem. (1Kor 15,26-28)

Der Tod wird als letztes entmachtet. Hier auf Erden können die Gläubigen die Erfahrung machen, dass sie mit Jesus Christus alle Mächte des Bösen besiegen können, der Tod aber bleibt für alle hier auf Erden Lebenden eine Grenze. Erst wenn Jesus Christus in Herrlichkeit wiederkommt, wird auch der Tod entmachtet. Dann wird ewiges Leben sein für die, die zu diesem Zeitpunkt noch auf Erden sind und für alle, die bereits verstorben sind. Alle wird der Herr mit sich vereinen und mit ihnen sich mit dem Vater vereinen.

Herr Jesus Christus,
lass mich erkennen, wie du verborgen
regierst als Herrscher der Welt,
so wie du einst bei deinem Tod am Kreuz
über Sünde und Tod triumphiert hast.
Lass mich darauf vertrauen, dass deine Macht
stärker ist als die Mächte dieser Welt,
dass ich mich vor nichts fürchten muss
und du mir immer Kraft gibst.
Herr Jesus Christus,
zeige dich den Gläubigen als Herrscher der Welt
dass wir mutig für dich eintreten
und für die Menschen, die uns anvertraut sind.
Zeige uns, wie dein Name die Welt verändert.
Lass uns schon jetzt in dieser Welt
in deinem Namen siegreich sein
und bei deinem Kommen in Herrlichkeit
mit dir und dem Vater vereint sein in Ewigkeit.
Amen.

Gott als Hirte (Ez 34)

Das Wort des Herrn erging an mich: Menschensohn, sprich als Prophet gegen die Hirten Israels, sprich als Prophet und sag zu ihnen: So spricht Gott, der Herr: Weh den Hirten Israels, die nur sich selbst weiden. Müssen die Hirten nicht die Herde weiden? Ihr trinkt die Milch, nehmt die Wolle für eure Kleidung und schlachtet die fetten Tiere; aber die Herde führt ihr nicht auf die Weide. Die schwachen Tiere stärkt ihr nicht, die kranken heilt ihr nicht, die verletzten verbindet ihr nicht, die verscheuchten holt ihr nicht zurück, die verirrten sucht ihr nicht und die starken misshandelt ihr. (Ez 33,1-4)

Im vorangegangenen Kapitel wurde der Prophet Jesaja von Gott dem Volk Israel zum Wächter gegeben, um dem Volk das Wort Gottes mittzuteilen und die zu warnen, die in Sünde gefallen sind. Hier nun wird gezeigt, warum diese Wächterfunktion des Propheten notwendig geworden ist. Die Führer Israels kümmern sich nicht mehr um das Volk. Sie sehen nur noch auf den eigenen Vorteil. Sie bedienen sich am Vermögen des Volkes ohne für Gerechtigkeit zu sorgen und die Schwachen zu unterstützen.

Dieser Text aus Ezechiel wurde als Lesung am Christkönigssonntag im Lesejahr A gewählt. Im Evangelium hören wir vom Jesus, der als Weltenrichter erscheint. Als solcher wird er mit einem Hirten verglichen, der die Schafe von den Böcken trennt. Die Schafe sind die Auserwählten, die Böcke die Verworfenen. Grund für ihre Verwerfung sind ihre Vergehen, die sehr ähnlich lauten wie das, was Ezechiel hier den schlechten Hirten vorwirft:

Ich war hungrig, und ihr habt mir nichts zu essen gegeben;
ich war durstig, und ihr habt mir nichts zu trinken gegeben;
ich war fremd und obdachlos, und ihr habt mich nicht aufgenommen;
ich war nackt und ihr habt mir keine Kleidung gegeben;
ich war krank und im Gefängnis, und ihr habt mich nicht besucht. (Mt 25,42-44)

Die Hirten tun ihre Pflicht nicht, sie bedienen sich an Milch, Wolle und Fleisch der Herde aber führen sie nicht auf die Weide und geben ihr so keine Nahrung. Sie kümmern sich nicht um die schwachen, kranken und verletzten Tiere und suchen nicht die verirrten. Darum fordert Gott Rechenschaft von ihnen und entzieht ihnen Gott das Hirtenamt.

So spricht Gott, der Herr: Nun gehe ich gegen die Hirten vor und fordere meine Schafe von ihnen zurück. Ich setze sie ab, sie sollen nicht mehr die Hirten meiner Herde sein. (Ez 34,10)

Gott rettet die Schafe aus der Hand der schlechten Hirten. Mehr noch, er wird sich von nun an selbst um seine Schafe kümmern.

Denn so spricht Gott, der Herr: Jetzt will ich meine Schafe selber suchen und mich selber um sie kümmern. Wie ein Hirt sich um die Tiere seiner Herde kümmert an dem Tag, an dem er mitten unter den Schafen ist, die sich verirrt haben, so kümmere ich mich um meine Schafe. (Ez 7,11-12)

Gott kümmert sich um sein Volk, das sagt der Prophet dem Volk Israel zu und in Jesus Christus wird diese Hirtensorge Gottes um alle Menschen konkret. Jesus selbst sagt von sich, dass er der gute Hirte ist (Joh 10), im Gleichnis vom verlorenen Schaft zeigt er, wie wichtig ihm die Sorge auch um die verirrten Schafe ist. Der gute Hirte lässt die 99 Schafe auf der Weide zurück, um das verirrte Schaft zu suchen (Mt 18,12-14). Gott kümmert sich als der gute Hirte um sein Volk, damit auf den rechten Weg finden. Er heilt die Wunden und will alle auf eine fruchtbare Weide führen, damit sie sich stärken können und glücklich sind (vgl. Ps 23). Gott will, dass keiner verloren geht.

Mein Heiland trauert über meine Sünden. Mein Heiland kann sich nicht freuen, solange ich in Verkehrtheit bleibe. (Origenes)

So ist auch die Gemeinschaft der Heiligen nicht vollendet und die Freude der Gerechten nicht vollkommen, solange nicht alle Erwählten an ihr teilhaben. Diese Sorge Gottes müssen wir stets vor Augen haben, wenn wir vom Gericht Gottes reden. Ja, auch zum Gericht wird der Herr kommen wie ein Hirte.

Alle Völker werden von ihm zusammengerufen werden, und er wird sie voneinander scheiden, wie der Hirt die Schafe von den Böcken scheidet. (Mt 25,32)

Doch dieser endgültigen Trennung von Schafen und Böcken, von Guten und Bösen, geht die unermüdliche Hirtensorge Gottes voran, der ständig die verirrten sucht und nach ihnen ruft, der sich ständig um die verletzten kümmert und ihre Wunden heilt und der alle auf fruchtbare Weide führt, dass sie stark und kraftvoll bleiben. Nur wer diese Hirtensorge Gottes zurückweist, wer sich bewusst gegen sie entscheidet, die Stimme Gottes hört, aber ihr nicht folgt, und die liebende Hand, die sich ihm entgegenstreckt schroff abweist, und wer nicht bereit ist, seinen Mitmenschen auch nur den kleinsten Liebesdienst zu erweisen, der läuft in Gefahr, dass ihm diese ewige Verdammnis trifft.

Immer wieder neu versucht der Prophet Ezechiel deutlich zu machen, wie groß Gottes Fürsorge für sein Volk ist. Kann es da noch sein, dass jemand nicht gerettet werden kann?

Ich werde meine Schafe auf die Weide führen, ich werde sie ruhen lassen – Spruch Gottes, des Herrn. Die verloren gegangenen Tiere will ich suchen, die vertriebenen zurückbringen, die verletzten verbinden, die schwachen kräftigen, die fetten und starken behüten. Ich will ihr Hirt sein und für sie sorgen, wie es recht ist. (Ex 34,15-16)

Gott als Hirte – das ist eine Ergänzung zu dem Bild von Gott als Richter. Viele lehnen die Vorstellung eines richtenden Gottes ab. Gott als Richter, das ist doch Angstmache, das widerspricht doch dem Gott der Liebe, den uns das Neue Testament schildert. Vielleicht stellen wir uns das Gericht Gottes aber einfach nur zu menschlich vor. Wir erwarten, dass Gott wie ein Mensch richten wird. Dabei sollten wir doch wissen, dass Gott stets anders ist, als wir ihn uns vorstellen und dass er alle unsere Gedanken übersteigt. Was wissen wir Menschen schon davon, wie Gott, der ganz Liebe ist und der nichts anders kann als lieben, über eine Welt richten wird, die er aus Liebe geschaffen hat. Gott will die Rettung aller und es schmerzt ihn jeder Mensch, der sein Angebot der Liebe zurückweist.

Talente (Mt 25)

In dem Gleichnis, das Jesus seinen Jüngern erzählt, geht es nicht um Gewinnmaximierung und Erfolg im wirtschaftlichen Sinn. In seinen Gleichnissen gebraucht Jesus immer ein Bild aus der materiellen Welt, das den Menschen vertraut ist, um eine tiefergehende Wirklichkeit, die unseren Augen verborgen ist, auszudrücken.

Ein Talent war für die Menschen damals der Inbegriff einer riesigen Geldsumme. Keiner der Menschen, zu denen Jesus sprach, hatte wohl jemals so viel Geld gesehen und selbst die Reichen, denen Jesus begegnet ist, gehörten nicht zu den Superreichen, die ein so großes Vermögen hatten. Jeder seiner Zuhörer verstand sofort, dass das, was der Mann im Evangelium seinen Dienern anvertraute, alles übertraf, was sie sich vorstellen konnten.

Jesus will damit zeigen, wie sehr Gott jedem einzelnen Menschen vertraut und wie reich er jeden einzelnen beschenkt. Auch wenn es Unterschiede gibt und manche mehr bekommen als andere, so hat doch jeder sehr viel bekommen. Der Herr traut jedem seiner Diener etwas zu, so traut auch Gott jedem Menschen zu, aus dem, was er hat, etwas zu machen.

Wir sollen das, was wir bekommen haben, einsetzen zur Freude des Herrn. Gott freut sich über unseren Mut und Einfallsreichtum, auch wenn diese nicht immer von Erfolg gekennzeichnet sind. Gott will, dass wir mutig ins Leben gehen und uns an der Stelle, an der wir stehen, zu seiner Ehre und zum Wohl der Menschen einbringen. Das ist unsere Berufung. Das können ganz kleine und unscheinbare Dinge sein. Wir brauchen keine großen Prediger oder Wunderheiler zu werden. Es genügt schon, wenn sich Menschen in unserer Nähe wohl fühlen, weil wir freundlich und hilfsbereit sind.

Wer sich aber ängstlich versteckt und noch dazu sagt, dass er aus Angst vor Gottes Strafe nichts gewagt hat, der hat Gott nicht verstanden. Er zweifelt an Gott und seiner Güte und lehnt Gottes Geschenk ab. Solche Menschen will Jesus mit diesem Gleichnis wachrütteln. Sie sollen die Augen aufmachen und erkennen, wie sehr Gott auch sie beschenkt hat. Jesus will ihnen Mut machen, auch etwas zu wagen, nicht aus Furcht vor der Strafe, sondern weil sie erfahren haben, dass Gott jeden Menschen unfassbar liebt und immer, wirklich immer einen Weg öffnen kann zu einem befreiten und glücklichen Leben.

Lob der weisen Frau (Spr 31)

Im letzten Kapitel des Buches der Sprichwörter wird das Lob der weisen Frau ausgesprochen. Einige ihrer Eigenschaften wurden in den vorangehenden Kapiteln auf die Weisheit selbst bezogen wurden. Somit soll die hier beschriebene tatkräftige, weise und gottesfürchtige Frau als eine Verkörperung der Weisheit gekennzeichnet werden. Weisheit ist also nicht etwas, das nur Männern vorbehalten bliebe oder allein Menschen möglich ist, die sich in besonderer Weise dem Gottesdienst widmen. Die ideale Verkörperung der Weisheit ist die Frau, die zuhause in ihrem Alltag schlicht und einfach, aber sorgfältig ihre Arbeit tut.

Eine tüchtige Frau, wer findet sie? Sie übertrifft alle Perlen an Wert. (Spr 31,10)

Wer findet eine solche Frau, mit der die Weisheit in das eigene Haus Einzug nimmt und so das Haus selbst zum Haus der Weisheit (Spr 9,1) wird? Wir möchten sagen: Glücklich ist, wer sie findet! Sein Haus wird gesegnet sein! Sie ist unbezahlbar. Sie ist letztlich ein Geschenk Gottes, wie die Weisheit selbst. Auch von der Weisheit wird gesagt, dass sie alle Perlen an Wert übertrifft (Spr 3,15 und 8,11). Der Mann, der die Weisheit sucht, wird auch die passende Frau finden und mit dieser wird die Weisheit selbst in sein Haus einziehen.

Das Herz ihres Mannes vertraut auf sie, und es fehlt ihm nicht an Gewinn. Sie tut ihm Gutes und nichts Böses alle Tage ihres Lebens. (Spr 30,11-12)

Dieser Frau kann man vertrauen. Sie tut nur Gutes und hat nichts Böses im Sinn. Sie wird das Geld nicht leichtfertig ausgeben, vielmehr wird sie durch ihre Arbeit selbst dazu beitragen, das Vermögen der Familie zu vermehren. Vielfältig sind ihre Tätigkeiten, sie widmet sich der Hausarbeit, wozu auch die Herstellung von Stoffen und Kleidung gehört und sorgt dafür, dass alle zu essen haben, auch in Zeiten der Not, wenn Nahrung knapp wird.

Sie sorgt für Wolle und Flachs und schafft mit emsigen Händen. Sie gleicht den Schiffen des Kaufmanns: Aus der Ferne holt sie ihre Nahrung. Noch bei Nacht steht sie auf, um ihrem Haus Speise zu geben. (Spr 31,13-15)

Doch auch Tätigkeiten, die wir heute einer Frau aus dem alten Orient so gar nicht zutrauen würden, nimmt sie selbst in die Hand. Ihre Tätigkeit erstreckt sich nicht nur auf das Innere des Hauses, sondern auch auf öffentliche Geschäfte. Sie macht nicht nur „Frauenarbeit“, sondern verrichtet auch Tätigkeiten, die Kraft erfordern.

Sie überlegt es und kauft einen Acker, vom Ertrag ihrer Hände pflanzt sie einen Weinberg. Sie gürtet ihre Hüften mit Kraft und macht ihre Arme stark. (Spr 31,16-17)

Tag und Nacht ist sie beschäftigt und von dem Ertrag ihrer Arbeit kann sie auch noch an die Armen austeilen und so über ihr eigenes Haus hinaus Gutes wirken.

Sie spürt den Erfolg ihrer Arbeit, auch des Nachts erlischt ihre Lampe nicht. Nach dem Spinnrocken greift ihre Hand, ihre Finger fassen die Spindel. Sie öffnet ihre Hand für den Bedürftigen und reicht ihre Hände dem Armen. (Spr 31,18-20)

Sie sorgt vor, so dass es nie an etwas fehlen wird. Auch wenn es unerwartet kalt wird und Schnee gibt, hat sie für das ganze Haus die passende Kleidung zur Hand.

Ihr bangt nicht für ihr Haus vor dem Schnee; denn ihr ganzes Haus hat wollene Kleider. Sie hat sich Decken gefertigt, Leinen und Purpur sind ihr Gewand. (Spr 31,21-22)

Nicht die Frau wird wegen des Mannes geehrt, sondern der Mann wird geehrt, weil die Menschen ihn ob seiner weisen Frau achten!

Ihr Mann ist in den Torhallen geachtet, wenn er zu Rat sitzt mit den Ältesten des Landes. (Spr 31,23)

Es mutet fast schon wie ein kleines Familienunternehmen an, was die Frau alles leistet:

Sie webt Tücher und verkauft sie, Gürtel liefert sie dem Händler. (Spr 31,24)

Die Frau ist es, die alles in der Familie am Laufen hält. Dabei achtet sie auf alles genau und sorgt für Ordnung im Haus. Mit gesundem Optimismus blickt sie in die Zukunft.

Kraft und Würde sind ihr Gewand, sie spottet der drohenden Zukunft. Öffnet sie ihren Mund, dann redet sie klug und gütige Lehre ist auf ihrer Zunge. Sie achtet auf das, was vorgeht im Haus, und isst nicht träge ihr Brot. Ihre Söhne stehen auf und preisen sie glücklich, auch ihr Mann erhebt sich und rühmt sie: Viele Frauen erwiesen sich tüchtig, doch du übertriffst sie alle.
Trügerisch ist Anmut, vergänglich die Schönheit, nur eine gottesfürchtige Frau verdient Lob. Preist sie für den Ertrag ihrer Hände, ihre Werke soll man am Stadttor loben. (Spr 31,25-31)

Eine solche Frau wird von ihrer ganzen Familie gelobt, ja darüber hinaus in der ganzen Stadt und sogar Fremden gegenüber. Wenn von ihr am Stadttor geredet wird, so erfährt jeder, der dort hinein- und hinausgeht, sogleich von dieser Frau.

Der Mann soll bei einer Frau nicht allein auf das Äußere achten, vergänglich ist irdische Schönheit, was aber bleibt ist die Weisheit. Mit dieser Weisheit wird die Frau das Haus auch noch mit Licht und Schönheit erfüllen, wenn aller äußerliche Glanz verblasst ist.

Frauen sind nicht nur für Haus und Herd zuständig, wie das lange Zeit im männlichen Denken verwurzelt war, die Arbeit der Frauen erstreckt sich auch auf Tätigkeiten außerhalb des Hauses. Die Frau selbst kann das in ihrem Haus produzierte an Händler verkaufen, ja sogar Grundstücke kaufen und verwalten.

Hier wird auf der einen Seite ein nahezu modernes Frauenbild gezeichnet, jedoch wehren sich auch viele Frauen gegen die dann doch wieder erfolgte Einengung auf die Nützlichkeit. Wo bleibt da die Sinnlichkeit? Ist die Frau letztlich doch nur für die Arbeit zuständig?

Doch Weisheit ist mehr als umsichtige Geschäftigkeit. Sie bedeutet auch ein tiefes Verständnis der Zusammenhänge dieser Welt. Die weise Frau arbeitet nicht nur, sie versteht auch etwas vom Leben. Sie weiß um die Sinnlichkeit, aber auch um deren Grenzen. Sie versteht es, Menschen in ihren Bann zu ziehen, aber nicht, um sie zu verführen, sondern um sie zu tieferer Erkenntnis zu führen.

Herr schenke uns solch weise Frauen,
die ein Segen sind für unsere Familien,
unsere Gesellschaft und für die Kirche.
Lass in ihnen deine Weisheit unter uns wohnen,
dass wir durch sie deinen Rat
und deine Hilfe erfahren.

Sprichwörter

Sprichwörter Salomos, des Sohnes Davids, des Königs von Israel. (Spr 1,1)

Das Buch der Sprichwörter gehört wie das Hohelied, das Buch der Weisheit und das Buch Kohelet zu den Alttestamentlichen Weisheitsschriften, die dem König Salomo zugeschrieben werden. Salomo galt als Repräsentant des weisen Herrschers schlechthin. Dabei ist es durchaus möglich, dass Sprüche von Salomo über die Jahrhunderte hinweg mündlich überliefert und später schriftlich festgehalten wurden. Dies wird in einer Zwischenüberschrift in Spr 25,1 suggeriert: „Auch das sind Sprichwörter Salomos, die die Männer Hiskijas, des Königs von Juda, sammelten.“

Das Buch enthält neben den dem König Salomo zugeschriebenen Teilen auch Weisheitssprüche anderer Herkunft, so die Worte von Weisen (Spr 22,17-24,33), die Worte Agurs (Spr 30) und die Worte an Lemuel (Spr 31). Es ist von einer langen und komplexen Entstehungsgeschichte des Buches auszugehen, die sich möglicherweise von der Königszeit (9. Jhd. v.Chr.) bis zum 2. Jhd. v.Chr. erstreckt. Zudem weicht die Septuaginta in Umfang und Anordnung der Spräche vom hebräischen Text ab. Es ist nahezu unmöglich, Alter und Herkunft einzelner Sprüche festzustellen und auch für die Anordnung der Sprüche in der Endgestalt des Buches gibt es keine hinreichende exegetische Erklärung.

Der hebräische Titel „Misle“ (Pl. von „Maschal“, das man etwa mit Gleichniswort übersetzen kann) kann im Deutschen sowohl als „Sprichwörter“ oder allgemeiner nur als „Sprüche“ wiedergegeben werden. Die Septuaginta übersetzt den Titel mit paroimiai, in der Vulgata heißt das Buch Liber Proverbiorum Salomonis. Das Buch ist in sieben Teile unterschiedlicher Länge gegliedert, wobei die größeren Abschnitte nochmals in sich unterteilt sind. Die Überschriften zu den einzelnen Teilen finden sich jeweils im ersten Satz des bezeichneten Abschnitts:

Spr 1-9 Sammlung von Weisheitslehren („Sprichwörter Salomos, des Sohnes Davids, des Königs von Israel.“ Spr 1,1)
Spr 10,1-22,16 Erste Salomonische Spruchsammlung („Sprichwörter Salomos.“ Spr 10,1)
Spr 22,17-24,22 Erster Teil der Worte von Weisen („Worte von Weisen.“ Spr 22,17)
Spr 24,23-34 Zweiter Teil der Worte von Weisen („Auch folgende Sprichwörter stammen von Weisen.“ Spr 24,23)
Spr 25-29 Zweite Salomonische Spruchsammlung („Auch das sind Sprichwörter Salomos, die die Männer Hiskijas, des Königs von Juda, sammelten.“ Spr 25,1)
Spr 30 Worte Agurs („Worte Agurs, des Sohnes des Jake aus Massa.“ Spr 30,1)
Spr 31 Worte an Lemuel („Worte an Lemuel, den König von Massa, mit denen ihn seine Mutter ermahnt hat.“ Spr 31,1)

Die Siebenzahl ist sicher bewusst gewählt. Die Zahl sieben spielt in der Symbolik eine wichtige Rolle. In Spr 9,1 werden die „sieben Säulen der Weisheit“ genannt (vgl. z.B. auch die sieben Gaben des Heiligen Geistes).

Weisheit

Strahlend und unvergänglich ist die Weisheit; wer sie liebt, erblickt sie schnell, und wer sie sucht, findet sie. Denen, die nach ihr verlangen, gibt sie sich sogleich zu erkennen. (Weish 6,12-13)

Die Weisheitsliteratur des Alten Testaments erscheint uns oft fremd. Was ist das überhaupt, Weisheit? Die Weisheitsschriften stammen aus den ersten vorchristlichen Jahrhunderten, jener Zeit, in der in Griechenland die Philosophenschulen blühten und die griechische Kultur auf den Mittelmeerraum prägend gewirkt hat. Auch die Juden sind mit den griechischen Weisheitslehren in Kontakt gekommen. Sie waren sich sicher, dass es die Weisheit des Gottes Israels leicht mit der Weisheit der großen Philosophen aufnehmen kann.

Israel sah sich als ein weises Volk, weil gerade die Gebote Gottes, die Israel anvertraut sind, Ausdruck höchster Weisheit sind. In dieser Zeit hat man dann die Weisheit personalisiert zu einer von Gott gesandten Führerin seines Volkes.

Die Weisheit ist nicht verborgen. Sie zeigt sich, geht strahlend hervor wie die Sonne. Doch wer ihr begegnen will, muss dennoch nach ihr suchen. Wer der Weisheit begegnen will, muss ein tiefes Verlangen nach ihr haben, jedem, der sie sucht, wird sie sich zeigen. Wer am Morgen nach ihr sucht, der findet sie vor seine Tür, wer in der Nacht an sie denkt, den bewahrt sie vor sorgenvoller Schlaflosigkeit.

Wer sie am frühen Morgen sucht, braucht keine Mühe, er findet sie vor seiner Türe sitzen. Über sie nachzusinnen ist vollkommene Klugheit; wer ihretwegen wacht, wird schnell von Sorge frei. Sie geht selbst umher, um die zu suchen, die ihrer würdig sind; freundlich erscheint sie ihnen auf allen Wegen und kommt jenen entgegen, die an sie denken. (Weish 6,14-16)

Die Weisheit selbst kommt denen entgegen, die ihrer würdig sind. Jener, der Weisheit sucht und die Weisheit selbst machen sich gegenseitig auf dem Weg zueinander. Sie finden einander, weil sie einander suchen. Diese Worte sollen uns Mut machen. Ein Leben nach der Weisheit ist nicht schwer, jeder, der danach strebt, kann es erreichen.
Wie das konkret aussehen kann, zeigt uns Jesus im heutigen Gleichnis.

Zehn Jungfrauen (Mt 25)

Dann wird es mit dem Himmelreich sein wie mit zehn Jungfrauen, die ihre Lampen nahmen und dem Bräutigam entgegengingen. (Mt 25,1)

 

Jesus erzählt in einem Gleichnis von zehn Jungfrauen. Ihnen kam es zu, die Hochzeits-Prozession mit ihren Lichtern zu begleiten, eine ehrenvolle Aufgabe, auf die diese jungen Frauen sicher stolz gewesen sind. Doch die einen gehen anders an die Sache heran als die anderen. Normalerweise fand diese Prozession wohl am späten Abend, nach Einbruch der Dunkelheit, statt. Hier dauert es länger als erwartet, bis der Bräutigam erscheint. Die einen denken sich, es wird schon werden und machen sich keine großen Gedanken um das, was da kommen mag. Ein fataler Fehler. Die anderen haben bereits eine mögliche Verzögerung eingeplant und noch etwas Öl als Reserve mitgenommen. Diese Vorsichtsmaßnahme zahlt sich am Ende aus. Während den einen im entscheidenden Augenblick die Lampen ausgehen, haben die anderen noch genügend Öl, um dem Bräutigam zu leuchten.

Fünf von ihnen waren töricht und fünf waren klug. Die törichten nahmen ihre Lampen mit, aber kein Öl, die klugen aber nahmen außer den Lampen noch Öl in Krügen mit. Als nun der Bräutigam lange nicht kam, wurden sie alle müde und schliefen ein. Mitten in der Nacht aber hörte man plötzlich laute Rufe: Der Bräutigam kommt! Geht ihm entgegen! Da standen die Jungfrauen alle auf und machten ihre Lampen zurecht. (Mt 25,2-8)

Bis zu diesem Zeitpunkt kann man noch keinen Unterschied zwischen den Jungfrauen feststellen. Alle zehn warten auf den Bräutigam, werden dabei müde und schlafen ein. Als der Bräutigam dann kommt, stehen alle auf und machen ihre Lampen zurecht. Erst jetzt bemerken die unklugen Jungfrauen, dass sie zu wenig Öl dabei haben. Sie wollen von den klugen welches abhaben, doch diese geben ihnen nichts.

Die törichten aber sagten zu den klugen: Gebt uns von eurem Öl, sonst gehen unsere Lampen aus. Die klugen erwiderten ihnen: Dann reicht es weder für uns noch für euch; geht doch zu den Händlern und kauft, was ihr braucht. (Mt 25,8-9)

Kann man die klugen Jungfrauen als hartherzig bezeichnen? Jesus will doch, dass wir einander lieben und miteinander teilen. Wenn sie das Öl geteilt hätten, dann hätten wenigstens alle zusammen die halbe Prozession lang mit ihren Lichtern leuchten können, der Rest der Prozession hätte dann jedoch ohne Lichter stattgefunden, weil alle Lampen auf halbem Weg ausgegangen wären.

Jesus erzählt das Gleichnis nicht, um ein Beispiel zu geben, wie man teilen oder eben nicht teilen soll. Um ein Gleichnis zu verstehen, muss man immer den Hintergrund berücksichtigen, vor dem Jesus es sagt. Hier geht es um das Bereit-Sein für das Kommen des Herrn. Jesus ist der Bräutigam und er kommt zu einer Stunde, in der niemand es erwartet. Man muss nicht ständig wach sein, um sein Kommen nicht zu verpassen. Auch die klugen Jungfrauen haben geschlafen und werden dafür nicht getadelt. Wenn der Herr kommt, werden alle merken, dass es soweit ist. Vielmehr kommt es darauf an, die nötige Vorsorge getroffen zu haben.

Vielleicht ist ein anderes Beispiel unserer Zeit näher. Manche Leute nehmen, wenn sie einen Ausflug machen, nicht allzu viel mit. Wenn der Wetterbericht schönes Wetter vorhersagt, verzichten sie auf wetterfeste Kleidung und feste Schuhe. Andere hingegen packen vorsichtshalber etwas mehr ein. Wenn das Wetter gut bleibt, haben die einen zu viel mit sich herumgeschleppt, und die anderen sind ganz glücklich mit ihrer leichten Kleidung. Wenn aber unerwartet das Wetter umschlägt, sind die einen darauf vorbereitet, die mit der leichten Kleidung aber müssen sich schnell einen warmen Ort suchen, damit sie sich nicht verkühlen.

Was aber sollen wir einpacken, um für den Tag des Herrn vorbereitet zu sein? Öl und wetterfeste Kleidung werden uns da nichts nützen. Bereits früh wurde der Vorrat an Öl gedeutet als die guten Werke.

Es kommt auf das Leben an. Jesus gibt uns in den Evangelien viele Beispiele, wie wir leben sollen. Wer glaubt, kann sich nicht vor der Not seiner Mitmenschen verschließen. Aber Jesus weist auch darauf hin, wie wir diese Hilfe geben sollen, nicht von oben herab und so, dass wir dafür von anderen gelobt werden, sondern im Stillen und von Herzen freigebig, ohne dafür einen Lohn von Menschen zu erwarten. Das erklärt auch, warum die Klugen das Öl nicht teilen können. Man kann nicht für jemand anderen etwas Gutes tun, jeder muss es stets selbst tun.

Während sie noch unterwegs waren, um das Öl zu kaufen, kam der Bräutigam; die Jungfrauen, die bereit waren, gingen mit ihm in den Hochzeitssaal und die Tür wurde zugeschlossen. Später kamen auch die anderen Jungfrauen und riefen: Herr, Herr, mach uns auf! Er aber antwortete ihnen: Amen, ich sage euch: Ich kenne euch nicht. (Mt 25,10-12)

Die unklugen Jungfrauen kommen zu spät mit ihren Lampen, sie werden nicht mehr zur Feier eingelassen. Ein sehr hartes Wort, das den Ernst der Lage zeigt. Die klugen Jungfrauen aber dürfen das freudige Fest mitfeiern.

O wenn man es doch mit dem Gaumen des Herzens schmecken könnte, was es Wunderbares auf sich hat, wenn es heißt: „Der Bräutigam kommt!“ Was Schönes, wenn es heißt: „Sie gingen mit ihm in den Hochzeitssaal.“ Was Bitteres hingegen, wenn es heißt: „Und die Tür wurde zugeschlossen.“ (Gregor der Große)

Ignatius von Loyola empfiehlt in seinen Exerzitien, die Gleichnisse Jesu so auf sich wirken zu lassen, wie es Gregor der Große beschreibt. Ich versuche mich in die Lage der klugen Jungfrauen zu versetzen und mit ihnen die Freude zu spüren, an der Hochzeitsfeier teilnehmen zu dürfen. Ich versuche auch, mich in die Bitterkeit hineinzuversetzen, die die unklugen Jungfrauen empfunden haben, als man sie an der Tür zum Hochzeitssaal abgewiesen hat. So erlangt das Gleichnis für mich eine lebendige Bedeutung und diese Erfahrung wird mit helfen, mich dafür zu entscheiden, wie die klugen Jungfrauen bewusst zu leben und immer an die Mahnung Jesu zu denken:

Seid also wachsam! Denn ihr wisst weder den Tag noch die Stunde. (Mt 25,13)

Heiliger Martin

Der heilige Martin ist bekannt für seine Hilfsbereitschaft, als er mit einem armen Bettler seinen Mantel teilte. Doch dies war kein einmaliges Ereignis. Sein ganzes Leben war geprägt von der Liebe zu den Menschen. Die Kraft dieser Liebe kam aus seiner ständigen Verbindung mit Gott.

Erfahren Sie hier mehr über den Hl. Martin:

http://www.praedica.de/Heilige-Feste/1111_Martin.htm