Lob der weisen Frau (Spr 31)

Im letzten Kapitel des Buches der Sprichwörter wird das Lob der weisen Frau ausgesprochen. Einige ihrer Eigenschaften wurden in den vorangehenden Kapiteln auf die Weisheit selbst bezogen wurden. Somit soll die hier beschriebene tatkräftige, weise und gottesfürchtige Frau als eine Verkörperung der Weisheit gekennzeichnet werden. Weisheit ist also nicht etwas, das nur Männern vorbehalten bliebe oder allein Menschen möglich ist, die sich in besonderer Weise dem Gottesdienst widmen. Die ideale Verkörperung der Weisheit ist die Frau, die zuhause in ihrem Alltag schlicht und einfach, aber sorgfältig ihre Arbeit tut.

Eine tüchtige Frau, wer findet sie? Sie übertrifft alle Perlen an Wert. (Spr 31,10)

Wer findet eine solche Frau, mit der die Weisheit in das eigene Haus Einzug nimmt und so das Haus selbst zum Haus der Weisheit (Spr 9,1) wird? Wir möchten sagen: Glücklich ist, wer sie findet! Sein Haus wird gesegnet sein! Sie ist unbezahlbar. Sie ist letztlich ein Geschenk Gottes, wie die Weisheit selbst. Auch von der Weisheit wird gesagt, dass sie alle Perlen an Wert übertrifft (Spr 3,15 und 8,11). Der Mann, der die Weisheit sucht, wird auch die passende Frau finden und mit dieser wird die Weisheit selbst in sein Haus einziehen.

Das Herz ihres Mannes vertraut auf sie, und es fehlt ihm nicht an Gewinn. Sie tut ihm Gutes und nichts Böses alle Tage ihres Lebens. (Spr 30,11-12)

Dieser Frau kann man vertrauen. Sie tut nur Gutes und hat nichts Böses im Sinn. Sie wird das Geld nicht leichtfertig ausgeben, vielmehr wird sie durch ihre Arbeit selbst dazu beitragen, das Vermögen der Familie zu vermehren. Vielfältig sind ihre Tätigkeiten, sie widmet sich der Hausarbeit, wozu auch die Herstellung von Stoffen und Kleidung gehört und sorgt dafür, dass alle zu essen haben, auch in Zeiten der Not, wenn Nahrung knapp wird.

Sie sorgt für Wolle und Flachs und schafft mit emsigen Händen. Sie gleicht den Schiffen des Kaufmanns: Aus der Ferne holt sie ihre Nahrung. Noch bei Nacht steht sie auf, um ihrem Haus Speise zu geben. (Spr 31,13-15)

Doch auch Tätigkeiten, die wir heute einer Frau aus dem alten Orient so gar nicht zutrauen würden, nimmt sie selbst in die Hand. Ihre Tätigkeit erstreckt sich nicht nur auf das Innere des Hauses, sondern auch auf öffentliche Geschäfte. Sie macht nicht nur „Frauenarbeit“, sondern verrichtet auch Tätigkeiten, die Kraft erfordern.

Sie überlegt es und kauft einen Acker, vom Ertrag ihrer Hände pflanzt sie einen Weinberg. Sie gürtet ihre Hüften mit Kraft und macht ihre Arme stark. (Spr 31,16-17)

Tag und Nacht ist sie beschäftigt und von dem Ertrag ihrer Arbeit kann sie auch noch an die Armen austeilen und so über ihr eigenes Haus hinaus Gutes wirken.

Sie spürt den Erfolg ihrer Arbeit, auch des Nachts erlischt ihre Lampe nicht. Nach dem Spinnrocken greift ihre Hand, ihre Finger fassen die Spindel. Sie öffnet ihre Hand für den Bedürftigen und reicht ihre Hände dem Armen. (Spr 31,18-20)

Sie sorgt vor, so dass es nie an etwas fehlen wird. Auch wenn es unerwartet kalt wird und Schnee gibt, hat sie für das ganze Haus die passende Kleidung zur Hand.

Ihr bangt nicht für ihr Haus vor dem Schnee; denn ihr ganzes Haus hat wollene Kleider. Sie hat sich Decken gefertigt, Leinen und Purpur sind ihr Gewand. (Spr 31,21-22)

Nicht die Frau wird wegen des Mannes geehrt, sondern der Mann wird geehrt, weil die Menschen ihn ob seiner weisen Frau achten!

Ihr Mann ist in den Torhallen geachtet, wenn er zu Rat sitzt mit den Ältesten des Landes. (Spr 31,23)

Es mutet fast schon wie ein kleines Familienunternehmen an, was die Frau alles leistet:

Sie webt Tücher und verkauft sie, Gürtel liefert sie dem Händler. (Spr 31,24)

Die Frau ist es, die alles in der Familie am Laufen hält. Dabei achtet sie auf alles genau und sorgt für Ordnung im Haus. Mit gesundem Optimismus blickt sie in die Zukunft.

Kraft und Würde sind ihr Gewand, sie spottet der drohenden Zukunft. Öffnet sie ihren Mund, dann redet sie klug und gütige Lehre ist auf ihrer Zunge. Sie achtet auf das, was vorgeht im Haus, und isst nicht träge ihr Brot. Ihre Söhne stehen auf und preisen sie glücklich, auch ihr Mann erhebt sich und rühmt sie: Viele Frauen erwiesen sich tüchtig, doch du übertriffst sie alle.
Trügerisch ist Anmut, vergänglich die Schönheit, nur eine gottesfürchtige Frau verdient Lob. Preist sie für den Ertrag ihrer Hände, ihre Werke soll man am Stadttor loben. (Spr 31,25-31)

Eine solche Frau wird von ihrer ganzen Familie gelobt, ja darüber hinaus in der ganzen Stadt und sogar Fremden gegenüber. Wenn von ihr am Stadttor geredet wird, so erfährt jeder, der dort hinein- und hinausgeht, sogleich von dieser Frau.

Der Mann soll bei einer Frau nicht allein auf das Äußere achten, vergänglich ist irdische Schönheit, was aber bleibt ist die Weisheit. Mit dieser Weisheit wird die Frau das Haus auch noch mit Licht und Schönheit erfüllen, wenn aller äußerliche Glanz verblasst ist.

Frauen sind nicht nur für Haus und Herd zuständig, wie das lange Zeit im männlichen Denken verwurzelt war, die Arbeit der Frauen erstreckt sich auch auf Tätigkeiten außerhalb des Hauses. Die Frau selbst kann das in ihrem Haus produzierte an Händler verkaufen, ja sogar Grundstücke kaufen und verwalten.

Hier wird auf der einen Seite ein nahezu modernes Frauenbild gezeichnet, jedoch wehren sich auch viele Frauen gegen die dann doch wieder erfolgte Einengung auf die Nützlichkeit. Wo bleibt da die Sinnlichkeit? Ist die Frau letztlich doch nur für die Arbeit zuständig?

Doch Weisheit ist mehr als umsichtige Geschäftigkeit. Sie bedeutet auch ein tiefes Verständnis der Zusammenhänge dieser Welt. Die weise Frau arbeitet nicht nur, sie versteht auch etwas vom Leben. Sie weiß um die Sinnlichkeit, aber auch um deren Grenzen. Sie versteht es, Menschen in ihren Bann zu ziehen, aber nicht, um sie zu verführen, sondern um sie zu tieferer Erkenntnis zu führen.

Herr schenke uns solch weise Frauen,
die ein Segen sind für unsere Familien,
unsere Gesellschaft und für die Kirche.
Lass in ihnen deine Weisheit unter uns wohnen,
dass wir durch sie deinen Rat
und deine Hilfe erfahren.

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