Weisheit

Strahlend und unvergänglich ist die Weisheit; wer sie liebt, erblickt sie schnell, und wer sie sucht, findet sie. Denen, die nach ihr verlangen, gibt sie sich sogleich zu erkennen. (Weish 6,12-13)

Die Weisheitsliteratur des Alten Testaments erscheint uns oft fremd. Was ist das überhaupt, Weisheit? Die Weisheitsschriften stammen aus den ersten vorchristlichen Jahrhunderten, jener Zeit, in der in Griechenland die Philosophenschulen blühten und die griechische Kultur auf den Mittelmeerraum prägend gewirkt hat. Auch die Juden sind mit den griechischen Weisheitslehren in Kontakt gekommen. Sie waren sich sicher, dass es die Weisheit des Gottes Israels leicht mit der Weisheit der großen Philosophen aufnehmen kann.

Israel sah sich als ein weises Volk, weil gerade die Gebote Gottes, die Israel anvertraut sind, Ausdruck höchster Weisheit sind. In dieser Zeit hat man dann die Weisheit personalisiert zu einer von Gott gesandten Führerin seines Volkes.

Die Weisheit ist nicht verborgen. Sie zeigt sich, geht strahlend hervor wie die Sonne. Doch wer ihr begegnen will, muss dennoch nach ihr suchen. Wer der Weisheit begegnen will, muss ein tiefes Verlangen nach ihr haben, jedem, der sie sucht, wird sie sich zeigen. Wer am Morgen nach ihr sucht, der findet sie vor seine Tür, wer in der Nacht an sie denkt, den bewahrt sie vor sorgenvoller Schlaflosigkeit.

Wer sie am frühen Morgen sucht, braucht keine Mühe, er findet sie vor seiner Türe sitzen. Über sie nachzusinnen ist vollkommene Klugheit; wer ihretwegen wacht, wird schnell von Sorge frei. Sie geht selbst umher, um die zu suchen, die ihrer würdig sind; freundlich erscheint sie ihnen auf allen Wegen und kommt jenen entgegen, die an sie denken. (Weish 6,14-16)

Die Weisheit selbst kommt denen entgegen, die ihrer würdig sind. Jener, der Weisheit sucht und die Weisheit selbst machen sich gegenseitig auf dem Weg zueinander. Sie finden einander, weil sie einander suchen. Diese Worte sollen uns Mut machen. Ein Leben nach der Weisheit ist nicht schwer, jeder, der danach strebt, kann es erreichen.
Wie das konkret aussehen kann, zeigt uns Jesus im heutigen Gleichnis.

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