Christi Himmelfahrt (3)

Dann führte er sie hinaus in die Nähe von Betanien. Dort erhob er seine Hände und segnete sie. Und während er sie segnete, verließ er sie und wurde zum Himmel emporgehoben; sie aber fielen vor ihm nieder. (Lk 24,50-52a)

Nachdem Jesus als der Auferstandene seinen Jüngern erschienen ist und ihnen alles gesagt hat, was zu sagen war, geht er mit ihnen hinaus zum Ölberg in Richtung Betanien. Diesen Weg sind sie oft gemeinsam gegangen. Nun ist es das letzte Mal, dass Jesus leiblich diesen Weg mit ihnen geht. Dort wird er ihren Blicken entzogen. In der Apostelgeschichte wird Lukas dieses Ereignis durch das Erscheinen von Engeln noch weiter ausschmücken.

Die letzte Geste Jesu ist die des Segens. Segnend hält er seine Hände über den Jüngern, als er zum Himmel erhoben wird. Dieser Segen Jesu wird ein Segen ohne Ende sein, denn seine Segenshände wird er nun von seinem Platz bei Vater im Himmel immer über seine Jünger halten.

Jesus wird vor den Augen der Jünger in den Himmel erhoben. Das bedeutet nicht, dass Jesus als eine Art Superman der Antike in die Lüfte geflogen ist. Sicher, die Jünger haben vor Staunen den Mund nicht mehr zubekommen und mussten erst wieder in die Realität zurückgeholt werden. Aber es ist nicht das Wunder eines fliegenden Jesus, das es heute zu bestaunen gilt.

Was uns an Christi Himmelfahrt auch heute noch zum Staunen bringen kann, ist die Ehre, die Gott dem Menschen erweist. In Jesus Christus ist Gott wirklich als Mensch geboren worden und hat als Mensch gelebt. Bei seiner Himmelfahrt nimmt Jesus nun auch dieses Menschsein von der Erde mit in den Himmel hinauf.

Jesus, Gottes Sohn und Bruder der Menschen, kehrt mit unserer menschlichen Natur in Gottes Herrlichkeit zurück! Nun ist Gott nicht mehr nur der Freund des Menschen aus der Ferne, sondern das Menschliche ist ihm ganz nah, ist direkt am „Herzen Gottes“, ist mit Christus in die Mitte der Göttlichkeit erhoben.

Es gibt jetzt keinen Gegensatz mehr zwischen Mensch und Gott. Nun hat Gott endgültig einen Weg geöffnet für die innige Gemeinschaft mit dem Menschen, nach der er sich schon seit der Schöpfung sehnt. Warum zögern wir noch? Staunen wir über die Wunder, die Gott uns bereitet und treten wir ein in die Gemeinschaft mit ihm!

Christus wurde zum Himmel emporgehoben (Lk 24,51). – Mancher wird vielleicht sagen: Was geht das mich an? Es geht dich an, weil auch du in ähnlicher Weise in die Wolken emporgehoben werden wirst, denn dein Leib ist von derselben Natur wie seiner. Es wird also auch dein Leib so beweglich werden, dass er durch die Lüfte gehen kann; denn wir das Haupt, so auch der Leib. Wie der Anfang, so auch das Ende. Sieh aber, wie sehr du geehrt bist durch diesen Anfang. Der Mensch war das niedrigste der geistigen Geschöpfe. Aber die Füße sind Haupt geworden, sie sind erhoben zu königlichem Sitz in ihrem Haupt. (Johannes Chrysostomus)