Das Herz an Jesus festmachen

Haltet in eurem Herzen Christus, den Herrn, heilig! (1Petr 3,15a)

Die Aufforderung, die der Erste Petrusbrief den bedrängten Christen Kleinasiens zuruft, hat bis heute nichts an ihrer Aktualität verloren. Nachdem die Christen in Europa über Jahrhunderte hinweg in christlichen Staaten gelebt haben, finden wir uns heute erneut in einer weitgehend unchristlichen Umgebung wieder.

Für viele bedeutet daher Christsein, nicht aufzufallen und so zu leben wie die anderen. Christliche Werte werden auf ein „Gut-Sein“ reduziert, das oft nichts anderes bedeutet, als dass jeder machen darf, was er will. Nur nicht auffallen, nur nicht die Stimme erheben, denn dann kommt sofort die Antwort der Gutmenschen: Ihr seid doch Christen, ihr dürft doch andere nicht verurteilen. Wo ist eure Nächstenliebe?

Bis ins tiefste Innere der Kirche hat man sich weitgehend unkritisch die Gedanken der liberalen Gesellschaft zu Eigen gemacht, nicht zuletzt deshalb, weil sie ja auf den ersten Blick so gut mit den christlichen Werten zusammen zu passen scheinen. Aber dadurch wurde das genuin christliche Profil, mit dem die Christen der Gesellschaft neue Impulse geben sollten, weitgehend verwässert und die Stimme der Kirche wird immer weniger gehört.

Das Zentrum christlichen Glaubens ist aber nicht das „gute Leben“, sondern Jesus Christus. Er ist die Mitte und das Ziel, von dem all unser Tun ausgeht und wohin es letztlich führt. Das „Gut-Sein“ der Christen ist Abbild der Güte Gottes, der allein „der Gute“ ist. Christliche Nächstenliebe erwächst also nicht allein aus „Menschenliebe“, sondern vor allem auch aus der Liebe Gottes.

Vielleicht mag einer fragen, was das für einen Unterschied macht, letztlich wollen doch alle das Gute für den anderen. Aber rein menschliche Liebe hat nur den Menschen als Ziel und da der Mensch stets begrenz ist, wird sie nie zur vollkommenen Erfüllung finden. Ihr haftet stets etwas Brüchiges und Stückwerkhaftes an.

Haltet in eurem Herzen Christus, den Herrn, heilig!

Wir müssen unsere Herzen fest machen in Jesus Christus. Die Mönche, ganz besonders jene der Ostkirche, aber auch viele andere Gläubige pflegen das Herzensgebet. Dieses Gebet hat verschiedene Formen, in allen aber geht es darum, das Herz fest zu machen in Jesus Christus. Unser Herz soll so stark mit ihm verbunden sein, dass er in uns präsent ist, egal ob wir bewusst an ihn denken oder nicht.

Viele haben die Zeiten des Gebetes, in denen sie sich bewusst in die Gegenwart Gottes zu versetzen suchen. Aber unser ganzes Leben muss ein Leben in der Gegenwart Gottes sein. Jeder unserer Schritte, jede unserer Handlungen, ja jeder Gedanke soll Ausdruck der Güte Gottes sein, der stets in uns am Wirken ist. Um so zu leben, ist eine ständige Einübung erforderlich, und wir werden dieses Ziel vielleicht nie vollkommen erreichen, aber unser ganzes Leben soll ein Weg sein, diesem Ziel, in der Gegenwart Gottes zu leben, näher zu kommen.

Helfen kann uns dabei ein Gebet des hl. Ignatius von Loyola:

Nimm hin, Herr, und empfange meine ganze Freiheit,
mein Gedächtnis, meinen Verstand und meinen ganzen Willen,
meine ganze Habe und meinen Besitz.
Du hast es mir gegeben, dir, Herr, gebe ich es zurück;
alles ist dein, verfüge nach deinem ganzen Willen.
Gib mir deine Liebe und Gnade, das ist mir genug.