Brendan, der Reisende (2)

Eine der beeindruckendsten Szenen ist die Begegnung mit dem Meerungeheuer Jasconius. Dieses ist bereits in der antiken Mythologie bekannt. Es heißt, dass oft Seefahrer diesen riesigen Fisch für eine Insel halten, dort vor Anker gehen und auf dem vermeintlichen Strand ein Feuer machen, um Essen zu braten, wie es auch die Brüder des hl. Brendan gemacht haben. Die meisten Seefahrer bezahlen ihre Unvorsichtigkeit mit ihrem Leben, weil der Fisch, sobald er das Feuer spürt, die Seefahrer zusammen mit ihrem Schiff mit sich in die Tiefe reißt. Der hl. Brendan aber kannte die Gefahr und blieb auf dem Schiff. So konnte er die Brüder aus der Gefahr retten.

Einmal kamen sie zu einer Insel, und ihr Schiff kam zum Stehen, bevor sie einen Hafen erreichten. Der hl. Brendan gebot ihnen, an Land zu gehen, und sie zogen das Schiff mit Seilen bis zu einem geeigneten Ankerplatz. Die Insel war steinig und ohne alle Gewächse, nur etwas Wald gab es dort, am Ufer aber war nichts als Sand. Sie verbrachten die Nacht mit Gebeten und Nachtwachen, wobei die Brüder außerhalb des Schiffes waren, der Mann Gottes aber im Schiff blieb. Der hl. Brendan wusste nämlich, was es mit der Insel auf sich hatte, aber er wollte es den Brüdern nicht sagen, damit sie nicht ängstlich würden.

Als es Morgen wurde, gebot er den Priestern, dass sie einzeln ihre Messen lasen, und so geschah es. Als aber diese und der hl. Brendan im Schiff die Messen sangen, begannen die Brüder, frisches Fleisch vom Schiff nach draußen zu schaffen, um es mit Salz zuzubereiten, zusammen mit den Fischen, die sie bei sich hatten. Dafür machten sie ein Feuer und setzten die Bratpfanne darüber. Als sie aber Holz ins Feuer warfen und die Bratpfanne heiß wurde, begann die Insel sich zu bewegen wie eine Welle. Die Brüder begannen zum Schiff zu laufen und riefen den heiligen Vater um Hilfe an. Dieser aber zog jeden einzelnen mit der Hand ins Schiff. Sie ließen alles, was sie hinaus geschafft hatten, auf der Insel zurück und stachen in See, die Insel aber erhob sich ins Meer. Die Brüder konnten das darauf brennende Feuer zwei Meilen weit sehen.

Der hl. Brendan aber erklärte den Brüdern, was es damit auf sich hatte. Er sagte. „Brüder, wundert ihr euch, was diese Insel getan hat?“ Sie antworteten: „Wir wundern uns sehr und der Schrecken steckt uns noch in den Gliedern.“ Er sagte zu ihnen: „Meine Kinder, erschreckt euch nicht. Gott nämlich hat mir in der Nacht in einer Vision das Geheimnis dieser Sache enthüllt. Wir waren nicht auf einer Insel, sondern auf einem Fisch. Es ist der Oberste von allem, was im Meer schwimmt. Er sucht immer seinen Schwanz, damit er sein Maul mit ihm verbindet, aber er kann es nicht, weil er so lang ist. Sein Name ist Jasconius.“