Petrusbrief (3)

Wenn ihr aber recht handelt und trotzdem Leiden erduldet, das ist eine Gnade in den Augen Gottes. Dazu seid ihr berufen worden; denn auch Christus hat für euch gelitten und euch ein Beispiel gegeben, damit ihr seinen Spuren folgt. (1Petr 2,20b-21)

Der Erste Petrusbrief zeigt auf, wie christliches Leben in der Situation der Bedrängnis gelingen kann. Es gibt Anfeindungen von außen und auch die Gefahr durch falsche Lehrer in den Gemeinden. Wer in der Bedrängnis standhaft bleiben will, muss daher auch bereit sein, Leiden zu ertragen. Aus Sicht des Ersten Petrusbriefes ist es Gnade, wenn ein Mensch recht handelt und trotzdem Leiden erdulden muss. Er wird dadurch Christus ähnlich, der wegen seiner Gerechtigkeit zum Tod am Kreuz verurteilt wurde.
Leiden als Nachfolge Christi, dieses Motiv scheint uns heute überholt. Wir wollen nicht Leiden, wir wollen Leben, und ist es nicht das Leben in Fülle, das Christus uns verheißen hat? Wo hat da das Leiden seinen Platz?

Um dieses Wort aus dem Ersten Petrusbrief besser zu verstehen, müssen wir auf den Zusammenhang sehen, in dem es steht. Die vorausgehenden Worte richten sich an Sklaven. Diese sollen ihren Herren gehorsam sein. Auch wenn bei den Christen damals Sklaven als vollwertige Gemeindemitglieder galten, wollte man nicht die Institution der Sklaverei an sich in Frage stellen. Die Sklaverei war eine der Grundlagen der Gesellschaft im Römischen Reich. Sklaven gab es in allen Gesellschaftsschichten. Sie waren nicht nur ausgebeutete Arbeitskräfte sondern auch vornehme Verwalter. In ihrem aber dennoch oft harten Leben sollen sie sich Christus zum Vorbild nehmen, der wie ein Sklave aller geworden ist.

Diese Sichtweise relativiert die auf den ersten Blick verklärten Worte über das Leid und das bedeutet auch, dass wir das Leid nicht suchen sollen, so wie es viele Asketen getan haben, die sich selbst Leiden zugefügt haben. Aber wir müssen uns auch davor hüten, zu verweichlichen. Gerade in unserer Zeit, die so viele Annehmlichkeiten bietet, ist das sehr leicht. So wie man im Sport nur durch hartes Training Fortschritte erzielen kann, so muss auch der Glaube trainiert werden.

Wir geraten immer wieder in Versuchungen. Ja, Gott ist barmherzig und er verzeiht uns immer wieder, wenn wir einen Fehler machen und ihn bereuen. Aber das berechtigt nicht zu der Einstellung, dass wir uns nicht gegen die Versuchungen zur Wehr zu setzen brauchen und uns von ihnen einfach treiben lassen. Gerade in unserer freizügigen Gesellschaft ist es ja eine große Gefahr, einfach mit dem Strom zu schwimmen und alles gut zu heißen, was Spaß macht.

Auch in Zeiten in denen es uns gut geht, gilt es, uns für das Leid zu wappnen. Wir wissen nie, was auf uns zukommt. Leid hat vielfältige Formen. Es gibt keinen Menschen, der nicht irgendwann im Leben Leid erfährt. Wir sollen das Leid nicht suchen, und wenn es kommt, gilt es so viel wie möglich dafür zu tun, das Leid zu lindern. Aber wenn es unvermeidbar neben uns steht – so wie es damals für einen ungerecht behandelten Sklaven unvermeidbar war -, dann gilt es, das Leid anzunehmen, es zu tragen. Dabei kann uns dann der Blick auf Jesus Christus helfen, der für uns gelitten hat und das Wort aus dem Ersten Petrusbrief: „Wenn ihr aber recht handelt und trotzdem Leiden erduldet, das ist eine Gnade in den Augen Gottes.“

Der Hinweis auf das Leiden Christi wird noch weiter ausgeführt durch einen Hymnus auf den leidenden Christus, der starke Anklänge an das vierte Lied vom Gottesknecht aus Jesaja 53 aufweist:

Er hat keine Sünde begangen und in seinem Mund war kein trügerisches Wort.
Er wurde geschmäht, schmähte aber nicht; er litt, drohte aber nicht, sondern überließ seine Sache dem gerechten Richter.
Er hat unsere Sünden mit seinem Leib auf das Holz des Kreuzes getragen, damit wir tot seien für die Sünden und für die Gerechtigkeit leben. Durch seine Wunden seid ihr geheilt. (1Petr 2,22-24)

Christus hat uns durch seinen Tod am Kreuz gerettet. Er, der Gerechte, ist wegen der Ungerechtigkeit der Menschen gestorben. Er hat sich nicht gewehrt gegen das, was die Menschen ihm angetan haben. In dieser Hingabe an den Willen des Vaters, der das Leid seines Sohnes nicht verhindern wollte, hat er uns das Heil gebracht. Die Wunden Jesu sind das Heilmittel für die Wunden unserer Seele.

Denn ihr hattet euch verirrt wie Schafe, jetzt aber seid ihr heimgekehrt zum Hirten und Bischof eurer Seelen. (1Petr 2,25)

Bei Jesus Christus haben wir unsere Heimat gefunden. Er ist unser Hirte. Er ist der gute Hirte, der selbst sein Leben riskiert, um seine Herde zu schützen, der sich dem Wolf entgegenwirft, der den Löwen besiegt. Das bedeutet das Leiden, das Jesus ertragen hat. Es war der Kampf mit dem Feind der Menschen. Er hat ihn besiegt, er hat die Menschen dem Tod entrissen und so ist aus dem Leid Jesu Christi neues Leben geworden für die Vielen.