Simon, liebst du mich?

Nach dem Abstieg in das Totenreich und der Auferstehung von den Toten, kehrten die Jünger zu ihrer Tätigkeit zurück, zurück zu ihren Schiffen und Netzen. Sie waren traurig ob deines Weggehens, Christus, was verständlich ist. Doch sie taten keinen Fang. Du aber, Heiland, erscheinst als Gebieter des Alls und befiehlst, die Netze nach der rechten Seide auszuwerfen. Das Wort wurde befolgt und groß war die Menge der Fische, unerwartet aber das Mahl, das ihnen bereitet am Land. Wie die Jünger daran teilnahmen, so würdige auch uns jetzt teilzuhaben in geistlicher Freude, menschenliebender Herr!
Du zeigtest dich deinen Jüngern, Erlöser, nach Deiner Auferstehung, und hast den Simon beauftragt, deine Schafe zu weiden. Von seiner Liebe hast du die Sorge um die Herde gefordert. Deshalb sagtest du: Wenn du mich liebst, Petrus, weide meine Lämmer, weide meine Schafe! Dieser bewies sogleich seine Liebe und fragte wegen des anderen Jüngers. Auf ihre Fürbitten, Christus, bewahre Deine Herde vor den Wölfen, die sie verderben wollen.
Gebet der Ostkirche

Judas Barsabbas

Von Judas Barsabbas berichtet uns Lukas in der Apostelgeschichte im Zusammenhang mit dem Apostelkonzil in Jerusalem (Apg 15). Paulus hat auf seiner ersten Missionsreise das Evangelium sowohl Juden als auch Heiden verkündet und dabei von den Heiden nicht die für Juden verpflichtende Bescheidung verlangt. Auch die Befolgung der jüdischen Speisevorschriften und anderer jüdischer Gesetze sah er für Heidenchristen nicht als geboten an. Darüber kam es in nahezu allen Städten, in denen Paulus gepredigt hat, zum Streit mit den Juden.

Schon vor Paulus hat sich Petrus in seiner Verkündigung des Evangeliums bereits an Heiden gewandt. In der Jerusalemer Gemeinde, deren Vorsteher wahrscheinlich Jakobus war, herrschte aber noch eine strengere Beachtung jüdischer Gesetze vor, von der sich Petrus und die anderen Jerusalemer Christen nicht in gleicher Weise lösen konnten wie Paulus. In Jerusalem lebte die Kirche inmitten einer jüdischen Welt, während Paulus sich mit seiner Mission vor allem an Menschen in den multikulturell geprägten Großstädten des Römischen Reiches wandte.

Der Streit um die Befolgung jüdischer Gesetze bedurfte also einer gesamtkirchlichen Lösung. Daher bestellte man Paulus und seine Mitarbeiter nach Jerusalem, um diese Frage dort im Kreis der Apostel und anderer führender Männer der christlichen Gemeinde zu diskutieren. Nachdem Petrus als erster der Apostel das Wort ergriffen hat, dürfen Paulus uns Barnabas ihr Anliegen vortragen und anschließend ergreift Jakobus als Leiter der Jerusalemer Gemeinde das Wort. Auch für ihn ist es unstrittig, dass es Gottes Wille ist, den Heiden das Evangelium zu verkünden. Dabei soll von den Heiden nicht die Beachtung aller jüdischen Gesetze gefordert werden, sondern es genügen einige wenige gemeinsame Regeln:

Darum halte ich es für richtig, den Heiden, die sich zu Gott bekehren, keine Lasten aufzubürden; man weise sie nur an, Verunreinigung durch Götzen(opferfleisch) und Unzucht zu meiden und weder Ersticktes noch Blut zu essen. (Apg 15,19-20)

Der Vorschlag des Jakobus wird einstimmig angenommen, worin die Kirche bis heute das Wirken des Heiligen Geistes sieht, der stets in ihr gegenwärtig ist. Um diese Beschlüsse den Gemeinden außerhalb Jerusalems zu überbringen, werden aus der Jerusalemer Gemeinde zwei Männer ausgewählt, die Paulus und Barnabas begleiten sollen und so die Einheit zwischen der Jerusalemer Gemeinde und den beiden Glaubensboten zeigen sollen.

Da beschlossen die Apostel und die Ältesten zusammen mit der ganzen Gemeinde, Männer aus ihrer Mitte auszuwählen und sie zusammen mit Paulus und Barnabas nach Antiochia zu senden, nämlich Judas, genannt Barsabbas, und Silas, führende Männer unter den Brüdern. (Apg 15,22)

Judas Barsabbas und Silas werden als führende Männer aus der Jerusalemer Christengemeinde vorgestellt. In einem der folgenden Verse werden sie zudem als Propheten charakterisiert. Wahrscheinlich gehörten sie bereits vor Jesu Tod zum Kreis der Jünger Jesu. Silas wird auch an anderen Stellen mehrmals erwähnt. Er hat hier seine Berufung gefunden und sich Paulus angeschlossen und ihn auf seinen Missionsreisen begleitet.

Judas Barsabbas aber wird nur hier erwähnt. Zu Beginn der Apostelgeschichte hören wir von einem anderen Barsabbas, Jusef Barsabbas, der zusammen mit Matthias als Kandidat für die Nachwahl in den Kreis der Zwölf aufgestellt war. Das Los fiel auf Matthias, über Josef Barsabbas erfahren wir nichts mehr. Wir wissen aber aus dieser Episode, dass er von der Taufe Jesu an zum Jüngerkreis gehörte, zudem sagt sein Beiname Justus, der Gerechte, mehr als 1000 Worte über sein Leben aus.

Viele Kommentatoren gehen davon aus, dass Josef und Judas Barsabbas Brüder waren. Ähnlich wie die Brüderpaare Petrus und Andreas und Jakobus und Johannes gehörten sie vielleicht beide auch zu den Jüngern, die Jesus gleich nach seiner Taufe im Jordan berufen hat. Sie stammen also wahrscheinlich auch aus Galiläa, möglicherweise waren sie auch Fischer am See Gennesaret. Jesu Auftreten damals hat also nicht nur auf die in den Evangelien erwähnten Fischer eine große Wirkung ausgeübt. Wir können uns gut vorstellen, dass damals viele Fischer unterwegs waren und eine große Anzahl von ihnen von Jesus begeistert war.

In der Heiligen Schrift stehen nur wenige Menschen im Mittelpunkt. Selbst aus dem Kreis der Zwölf werden nur wenige ausführlich erwähnt und nicht von allen Aposteln wird uns ein Wort überliefert. Noch viel weniger wissen wir über die anderen Jünger, die Jesus nachgefolgt sind, etwa den Kreis der 72. Es sind viele Namenlose, die aber dennoch zu dem Kreis der ersten Zeugen von Jesu Leben und Auferstehung gehören. Aus diesem weiteren Kreis der Jünger Jesu werden dann doch einige namentlich erwähnt. Unter ihnen sind Josef und Judas Barsabbas. Damit ragen sie aus der Schar der Namenlosen heraus, werden für uns greifbar, auch wenn wir sonst nichts weiter über ihr Leben erfahren.

Wenn es schon damals, als der Kreis der Jünger noch klein war, so viele Namenlose gab, wieviel mehr dann erst später, als die Kirche sich immer weiter ausgebreitet hat. So ist es bis heute geblieben. Es gibt einige wenige große Heilige, die in der ganzen Kirche bekannt sind. Doch die Zahl der Heiligen ist viel größer. So viele wirken im kleinen Kreis, sind nur wenigen bekannt und doch haben sie eine nicht zu unterschätzende Wirkung für die ganze Kirche. Die Kirche braucht die großen Heiligen als leuchtende Vorbilder für alle, sie braucht aber genauso die die vielen unscheinbaren Heiligen, die mit ihrem Gebet und ihrem Tun Jesus Christus in ihrer Nähe erfahrbar werden lassen.

Jeder von uns kann ein solcher Heiliger sein. Die Heilige Schrift gibt uns die Anleitung zum Leben. Jeder Mensch hat seine Fähigkeiten und mit diesen kann er an seinem Ort den Willen Gottes verwirklichen. Keiner soll sagen, er sei zu unbedeutend, zu unerfahren, zu schwach. Schon eine kleine gute Tat kann eine große Wirkung haben, ein unscheinbares gutes Wort kann für einen anderen Anlass zur Bekehrung sein. Denken wir nicht zu klein von uns. Seien wir Zeugen des Auferstandenen und bringen wir Gottes Liebe und Gottes Licht in diese Welt.

Sie gaben ihnen folgendes Schreiben mit: Die Apostel und die Ältesten, eure Brüder, grüßen die Brüder aus dem Heidentum in Antiochia, in Syrien und Zilizien. Wir haben gehört, dass einige von uns, denen wir keinen Auftrag erteilt haben, euch mit ihren Reden beunruhigt und eure Gemüter erregt haben. Deshalb haben wir uns geeinigt und beschlossen, Männer auszuwählen und zusammen mit unseren lieben Brüdern Barnabas und Paulus zu euch zu schicken, die beide für den Namen Jesu Christi, unseres Herrn, ihr Leben eingesetzt haben. Wir haben Judas und Silas abgesandt, die euch das Gleiche auch mündlich mitteilen sollen.
Denn der Heilige Geist und wir haben beschlossen, euch keine weitere Last aufzuerlegen als diese notwendigen Dinge: Götzenopferfleisch, Blut, Ersticktes und Unzucht zu meiden. Wenn ihr euch davor hütet, handelt ihr richtig. Lebt wohl!

Man verabschiedete die Abgesandten und sie zogen hinab nach Antiochia, riefen die Gemeinde zusammen und übergaben ihr den Brief. Die Brüder lasen ihn und freuten sich über die Ermunterung. Judas und Silas, selbst Propheten, sprachen ihnen mit vielen Worten Mut zu und stärkten sie. Nach einiger Zeit wurden sie von den Brüdern in Frieden wieder zu denen entlassen, die sie abgesandt hatten. Paulus aber und Barnabas blieben in Antiochia und lehrten und verkündeten mit vielen anderen das Wort des Herrn. (Apg 15,22-35)

Silas und Judas Barsabbas hatten eine verantwortungsvolle Aufgabe. Sie sollten zusammen mit Paulus und Barnabas nach Antiochien und weiter nach Syrien und Zilizien reisen, um den Gemeinden die Beschlüsse der Apostel zu überbringen. Das Thema war heikel, die Stimmung aufgeheizt. Sicher gab es viele Judenchristen, die ihre Hoffnung darauf gesetzt hatten, dass die Apostel ihnen Recht geben würden, dass auch von Heiden die Beschneidung und die Einhaltung des gesamten jüdischen Gesetzes gefordert werden muss. Wie werden sie reagieren? Sicher gab es Hardliner, die nach diesem Ereignis auf Distanz zur christlichen Gemeinde gegangen sind.

Der Auftrag von Judas und Silas erforderte viel Fingerspitzengefühl. Lukas berichtet nichts von größeren Streitigkeiten nach dem Apostelkonzil, sicher ein Beweis dafür, dass die beiden ihre Aufgabe vorbildlich erfüllt haben. Doch es bleiben auch Unklarheiten. Paulus erwähnt nur im Galaterbrief das Apostelkonzil und auch dort unter einem etwas anderen Blickwinkel. Er hat in seinen Gemeinden oft mit Streitigkeiten zu tun, die im Zusammenhang mit dem jüdischen Gesetz stehen. Wäre es da nicht einfach gewesen, auf die Beschlüsse des Konzils hinzuweisen, und damit jede Diskussion im Keim zu ersticken?

Paulus hat sich seine eigene Argumentation erdacht, um seine Lehre von der gesetzesfreien Verkündigung des Evangeliums zu rechtfertigen. Er zeigt damit, dass es in der Kirche eben nicht allein darauf ankommt, kirchenintern Beschlüsse zu fassen und diese dann umzusetzen. Die kircheninternen Beschlüsse geben die Linie vor, die der Lehre der Apostel gemäß ist. Es erfordert aber die Kreativität der Verkünder vor Ort, diese Lehre auch so zu vermitteln, dass die Menschen sie verstehen können. Die Verkündigung der katholischen Lehre ist also nicht die Rezitation von Beschlüssen des kirchlichen Lehramtes, sondern die sinngemäße Auslegung und Anwendung dieser Lehrsätze vor Ort. Auch wenn wir nichts darüber wissen, wie genau Judas Barsabbas und Silas vor den Gemeinden aufgetreten sind, so scheinen sie doch gerade diese Anwendung der Beschlüsse beispielhaft vermittelt zu haben und so werden sie zu einem Vorbild für alle Verkünder des Evangeliums bis heute.

Herr Jesus Christus, Heiland und Erlöser,
Haupt deiner Kirche.
Du hast uns versprochen, bei uns zu bleiben
alle Tage bis ans Ende der Zeit.
Wir vertrauen auf deine Zusage.
Wir glauben: Du gehst mit uns, auch durch unsere Zeit.

Erfülle deine Kirche mit Wahrheit und mit Frieden
und bewahre sie vor Irrtum.
Reinige sie, wo sie verdorben ist,
richte sie auf, wo Kleinglauben sie niederdrückt.
Gib deiner Kirche, was ihr fehlt,
und heile den Riss, wo immer sie zerteilt und zerstreut ist.

Schenke uns deinen Heiligen Geist,
damit wir die Zeichen der Zeit erkennen.
Er öffne uns die Augen.
Er nehme weg, was uns voneinander trennt.
Er gebe uns Geduld, aufeinander zu hören,
und den Mut, uns auf Neues einzulassen.

Lass uns eine Gemeinschaft
des geschwisterlichen Miteinanders sein.
Lass uns gemeinsam deine Zeugen zu sein
in diesen unruhigen Zeiten.
Miteinander wollen wir Zeichen und Werkzeug
deiner frohen Botschaft sein.

Apg 2,37-47 Kirche beginnt

Sie hielten an der Lehre der Apostel fest und an der Gemeinschaft, am Brechen des Brotes und an den Gebeten. Alle wurden von Furcht ergriffen; denn durch die Apostel geschahen viele Wunder und Zeichen. Und alle, die gläubig geworden waren, bildeten eine Gemeinschaft und hatten alles gemeinsam. Sie verkauften Hab und Gut und gaben davon allen, jedem so viel, wie er nötig hatte. Tag für Tag verharrten sie einmütig im Tempel, brachen in ihren Häusern das Brot und hielten miteinander Mahl in Freude und Einfalt des Herzens. Sie lobten Gott und waren beim ganzen Volk beliebt. Und der Herr fügte täglich ihrer Gemeinschaft die hinzu, die gerettet werden sollten. (Apg 2,42-47)

Nach der Pfingstpredigt des Petrus kommt es zu vielen Bekehrungen. Die junge Kirche wächst. Lukas zeichnet hier ein Idealbild einer christlichen Gemeinde. Ihre Kennzeichen sind das Festhalten an der Lehre der Apostel, die Gemeinschaft, die gemeinsame Feier des Brotbrechens und das Gebet. Das sind bis heute die Grunddimensionen christlichen Lebens. Kirche bedeutet Einheit in der Lehre und der Hierarchie, Eucharistiegemeinschaft und Gottesbeziehung im Gebet.

Leider zeigen diese Punkte auch die großen Wunden des Christentums. Schon von Anfang an gibt es in der Kirche Irrlehrer, die nicht der Lehre der Apostel folgen, es gibt Machtmenschen, die ihre eigene Herrschaft aufbauen wollen, und aus der auf die Apostel gründenden Hierarchie ausbrechen. All dies führt zunächst zu Streit und wenn dieser nicht beigelegt werden kann zu Spaltungen. Aus der einen Kirche sind heute viele christliche Gemeinschaften geworden, die sich teilweise auch feindlich gegenüberstehen. Die gemeinsame Feier des Brotbrechens, der Eucharistie, ist nicht mehr möglich. Viele Christen pflegen auch nicht das Gebet und entfernen sich so immer mehr von der Gemeinschaft mit Gott.

Lukas zeichnet ein Idealbild, das selbst die ersten Christen nicht einhalten konnten, wie Lukas selbst nur wenige Kapitel weiter schildern wird. Eine Blutspur durchzieht die Kirchengeschichte. Aber dennoch ist das Bild, das Lukas zeichnet, kein Luftschloss. Es ist ein Ideal, an dem sich die Kirche immer wieder orientiert hat, das immer wieder Reformen angestoßen hat, ein Ideal, das auch immer wieder einzelne Menschen begeistert hat, die dann versucht haben, zumindest im Kleinen eine solche Gemeinschaft aufzubauen.

Das Ideal der Gütergemeinschaft scheint für die Vielzahl der Christen nicht praktikabel zu sein. Aber in Klöstern und klosterähnlichen Gemeinschaften wird es bis heute praktiziert. Wenn auch unter der Mehrheit der Christen keine Gütergemeinschaft herrscht, so soll es doch eine Solidarität untereinander geben, einen gewissen Ausgleich zwischen denen, die viel haben, und denen, die Mangel leiden, und das weltweit.

Die frühen Christen versammelten sich sowohl im Tempel als auch in den Häusern. Wir können heute sagen, dass Kirche einerseits die große Gemeinschaft der Pfarrei ist, aber Kirche ist auch Hauskirche. Sie braucht kleine Keimzellen, die der großen Gemeinschaft wertvolle Impulse geben.

Ein wesentliches Charakteristikum der Christen ist die Freude am Glauben. Jesus Christus ist für uns gestorben. Wir sind befreit von all unseren Sünden. Jesus ist aber nicht nur gestorben, sondern er ist auferstanden, er lebt, mitten unter der Gemeinschaft der Gläubigen. Die Freude darüber macht sich auch nach außen hin bemerkbar. Die Christen sind befreit von den Sorgen des Alltags, weil sie wissen, dass Gott für sie sorgt. Christen streiten nicht, sie sind liebevoll auch zu Menschen, die außerhalb ihrer Gemeinschaft stehen. Sie stehen auch bei Außenstehenden in hohem Ansehen, weil sie authentisch leben, weil sie das, wovon sie reden, auch tun.

Herr, schenke uns die Freude an dir und die Einheit in dir, dass durch unsere Freude und unseren Einsatz das Böse geringer werde und das Gute sich umso kräftiger erweist.

Lass durch unsere Freude die Traurigkeit schwinden und gib uns die Kraft und den Mut, einander anzunehmen und einander behilflich zu sein. Gib uns offene Hände, die freigebig schenken, und in die du deinen Segen legen kannst.

Lass uns Lösungen finden, damit die Streitigkeiten und Missverständnisse aufhören und die Enttäuschten Mut gewinnen.

Gib uns die Kraft zu heilen, damit die Kranken Trost finden und die Sterbenden deine Erbarmung. Lass und wohnen können auf Erden und die Ernten gerecht verteilen.

Hilf uns, Menschen zu sein, die deinen Frieden mächtig werden lassen, den Frieden im Herzen – rund um die Erde.

Amen.

Osterwoche (3)

Plötzlich kam ihnen Jesus entgegen und sagte: Seid gegrüßt! Sie gingen auf ihn zu, warfen sich vor ihm nieder und umfassten seine Füße. Da sagte Jesus zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Geht und sagt meinen Brüdern, sie sollen nach Galiläa gehen und dort werden sie mich sehen. (Mt 28,9-10)

Als sich die Frauen in aller Eile auf den Weg zu den Aposteln machen, kommt ihnen Jesus entgegen. Sie fallen ihm zu Füßen. Er wiederholt den Auftrag, den ihnen schon der Engel gegeben hat. Die Szene ist dem Bericht ähnlich, den wir bei Johannes über die Begegnung Jesu mit Maria Magdalena lesen. Dort ist Maria Magdalena allein mit Jesus, und als sie sich ihm zu Füßen wirft sagt Jesus zu ihr: Halte mich nicht fest.

Hier lässt Jesus sich von den Frauen berühren. Dar Auferstandene ist keine Fata Morgana, eine Sinnestäuschung oder Ähnliches. Er ist konkret gegenwärtig. Das wollen auch die Berichte der anderen Evangelisten zeigen, wenn Jesus dort mit den Jüngern isst oder Thomas die Hand in seine Seite legen lässt.

Matthäus will seinen Lesern deutlich machen, dass Jesus wirklich gestorben ist. Sein Tod am Kreuz ist sicher, ein Scheintod ausgeschlossen. Jesus konnte auch nicht heimlich aus dem Grab entkommen, es war mit einem Stein verschlossen und wurde bewacht. Jesu Auferstehung muss also ein reales, von Gott gewirktes Geschehen sein.

Jesus hat den Tod besiegt, aber nicht nur für sich, sondern für alle Menschen. Das wird bei Matthäus auch dadurch deutlich, dass er bei Jesu Kreuzigung davon berichtet, dass viele Verstorbene plötzlich in der Stadt erschienen sind. Diese Sichtbarkeit der Auferstehung verwundert uns. Ja, wir glauben an die Auferstehung, aber doch stellen wir es uns eher als ein verborgenes Ereignis vor, etwas, das mit dieser Welt nichts mehr zu tun hat, etwas Jenseitiges.

Aber gibt es diese strenge Trennung von Diesseits und Jenseits? Ist nicht das Reich Gottes mitten unter uns? Ist es nicht ein Reich, das sowohl aus den lebenden Gläubigen besteht als auch aus den Verstorbenen? Die Menschen früherer Zeiten wussten darum. Die Statuen der Heiligen in den Kirchen des Mittelalters sind keine toten Gestalten, sondern sie zeigen uns die konkrete Anwesenheit der Heiligen inmitten der versammelten Gemeinde.

Diesseits und Jenseits sind auf geheimnisvolle Weise miteinander verbunden und diese Verbindung ist konkret erfahrbar. So wie die Frauen Jesus berühren konnten, so kann auch für uns die jenseitige Welt konkret erfahrbar werden. Gewiss, das ist etwas Besonderes, aber es ist nichts Außergewöhnliches.

Die Himmel mögen sich freuen, die Erde jubeln

und feiern die ganze Welt,

die sichtbare und die unsichtbare,

denn Christus ist erwacht. Ewige Freude!

Christus erstand von den Toten!

(Gebet der Ostkirche)

Osterwoche (2)

Der Engel aber sagte zu den Frauen: Fürchtet euch nicht! Ich weiß, ihr sucht Jesus, den Gekreuzigten. Er ist nicht hier; denn er ist auferstanden, wie er gesagt hat. Kommt her und seht euch die Stelle an, wo er lag. Dann geht schnell zu seinen Jüngern und sagt ihnen: Er ist von den Toten auferstanden. Er geht euch voraus nach Galiläa, dort werdet ihr ihn sehen. Ich habe es euch gesagt. Sogleich verließen sie das Grab und eilten voll Furcht und großer Freude zu seinen Jüngern, um ihnen die Botschaft zu verkünden. (Mt 28,5-8)

Was der Engel sagt, ist unfassbar. Jesus ist nicht mehr da. Obwohl das Grab verschlossen und bewacht war, hat Jesus es verlassen. Er ist auferstanden. Noch wissen die Frauen nicht so recht, was das bedeutet. Die Frauen empfinden Furcht und Freude zugleich, ein heiliger Schauder hat sie ergriffen angesichts der Macht Gottes, die hier am Wirken ist. Doch der Engel nimmt ihnen die Furcht und sendet sie zu den Aposteln.

Obgleich du ins Grab hinabgestiegen bist, Unsterblicher, hast du doch der Unterwelt Kraft gebrochen und bist auferstanden als Sieger Christus, unser Gott, der du zu den Myronträgerinnen gesagt hast „Freuet euch!“ und deinen Aposteln Frieden gegeben hast, schenke den Gefallenen Auferstehung. (Gebet der Ostkirche)

Ja, es ist wahr, Jesus ist auferstanden, Jesus lebt, in ihm haben wir das Leben, als Lebende und als Verstorbene, es gibt keinen Unterschied mehr, alle leben in Christus.

Osterwoche (1)

Nach dem Sabbat in der Morgendämmerung des ersten Tages der Woche kamen Maria aus Magdala und die andere Maria, um nach dem Grab zu sehen. (Mt 28,1)

Bei Matthäus sind es nur zwei Frauen, die kommen, um nach dem Grab Jesu zu sehen. Bei Markus und Lukas sind sie zu dritt, neben Maria aus Magdala ist auch eine andere Maria (die Mutter des Jakobus) dabei und Salome (Markus) bzw. Johanna (Lukas). Bei Johannes kommt nur Maria Magdalena zum Grab. Auch haben die Frauen nur bei Markus und Lukas wohlriechende Öle bei sich. Matthäus folgt hier also mehr einer Vorlage, die auch Johannes verwendet haben könnte. Das wird auch in der späteren Erscheinung Jesu vor den Frauen deutlich. Diese Begegnung erweitert Johannes zu der bekannten Episode der Erscheinung Jesu vor Maria aus Magdala.

Maria aus Magdala und die andere Maria waren bereits bei der Beisetzung Jesu zugegen und haben beobachtet, wie Josef von Arimathäa das Grab mit einem Stein verschlossen hat. Dann kamen die von den Hohenpriestern bei Pilatus angeforderten Wachen. Als Maria von Magdala und die andere Maria am dritten Tag wieder zum Grab kommen, ist der Stein immer noch dort. Das Grab ist also äußerlich unversehrt. Es ist gänzlich ausgeschlossen, dass in der Zwischenzeit irgendjemand heimlich den Leichnam Jesu hätte stehlen können. Wahrscheinlich kursierten bereits damals Gerüchte, dass die Sache mit der Auferstehung ein gut ausgedachter Betrug der Jesusanhänger gewesen sein könnte. Doch es gibt Beweise, Augenzeugen. Die Auferstehung Jesu ist somit eine historisch belegbare Tatsache.

Plötzlich entstand ein gewaltiges Erdbeben; denn ein Engel des Herrn kam vom Himmel herab, trat an das Grab, wälzte den Stein weg und setzte sich darauf. Seine Gestalt leuchtete wie ein Blitz und sein Gewand war weiß wie Schnee. (Mt 28,2-3)

Der Stein lag also noch vor dem Grab, als die beiden Frauen gekommen sind. Doch dann geschah etwas Außergewöhnliches. Ein gewaltiges Erdbeben entstand und ein Engel mit einem himmlisch-weißen Gewand erschien und plötzlich war das Grab offen, der Stein weggewälzt. Ein Erdbeben gab es bereits bei Jesu Tod. Mit seinem Tod und seiner Auferstehung bringt Jesus die Unterwelt ins Wanken. Nach altem jüdischem und antikem Glauben war die Unterwelt der Ort der Toten, das Totenreich, aus dem es kein Entrinnen gab.

Auch Jesus geht den Weg aller Verstorbenen, den Weg, vor dem sich bis heute viele fürchten, weil er für uns Menschen ganz im Dunkeln liegt und noch keiner von ihm zurückgekehrt ist. Doch Jesu Eintritt erschüttert die Festung des Todes. Er reißt die Tore des Hades heraus, er öffnet einen Weg, auf dem die Gefangenen diesen schaurigen Ort verlassen können.

Von jetzt an ist der Weg der Verstorbenen keine Sackgasse mehr, die Unterwelt kann die Toten nicht länger gefangen halten. Es wird ein Durchgang frei in die lichte Weite der Auferstehung. Jesus ist als erster diesen Weg gegangen. Er nimmt alle mit, die hier so lange ausharren mussten. Ab sofort ist der Tod der Durchgang zu neuem Leben.

Osterfest

Wir sind mit Christus auferweckt, neues Leben ist uns allen geschenkt.

Auferstehung – das Leben Jesu geht weiter, im Leben jedes einzelnen Menschen.

Jesus Christus, Hoffnung der Welt, jeder Mensch der in Christus lebt, ein Hoffnungsträger.

Was Jesus einst getan hat, kann auch heute geschehen.

Wir sind mit Christus auferweckt, leben wir, wie er es getan hat.

Auferstehung – Sieg des Lebens, das Reich Gottes ist mitten unter uns.

Ostern, Fest der Freude!

Geht alle ein in die Freude unseres Herrn. Arme und Reiche – freut euch miteinander. Enthaltsame und Nachlässige – ehrt diesen Tag. Die ihr gefastet und nicht gefastet habt – freut euch. Der Tisch ist reichlich gedeckt, genießt alle davon.

Erquickt euch alle am Gastmahl des Glaubens. Empfangt alle vom Reichtum der Barmherzigkeit. Es klage niemand über seine Armut, denn das Reich ist für alle erschienen. Es beweine niemand seine Sünden, denn die Vergebung strahlt hervor aus dem Grabe. Es fürchte keiner den Tod, denn befreit hat uns der Tod des Erlösers.

Vernichtet hat den Tod, er, der von ihm umfangen. Abgenommen hat der Hölle die Beute, er, der zur Hölle hinabfuhr. Die Bitterkeit hat er sie spüren lassen, da sie von seinem Fleische genossen. …

Erstanden ist Christ, und der Tod ist gestürzt. Erstanden ist Christus und gefallen sind die Dämonen. Erstanden ist Christus und es freuen sich die Engel. Erstanden ist Christus und das Leben ist befreit. Erstanden ist Christus und von den Toten ist keiner mehr im Grab.

Denn Christ ist erstanden von den Toten und als Erstling der, die Entschlafenen. Ihm sei Ehre und Macht in Ewigkeit. Amen.

(Johannes Chrysostomus)

Ich wünsche Ihnen allen ein gesegnetes Osterfest und die Freude des Auferstandenen!

Karfreitag

Heute hängt am Kreuze,

der die Erde über den Wassern aufgehängt;

mit einem Kranz aus Dornen wird umwunden

der König der Engel;

zum Spotte wird in Purpur gehüllt,

der den Himmel mit Wolken umhüllt;

Backenstreiche erhält,

der im Jordan den Adam befreite;

mit Nägeln wird angeheftet

der Bräutigam der Kirche;

mit der Lanze wird durchbohrt

der Sohn der Jungfrau;

wir verehren Deine Leiden, o Christus;

zeige uns auch Deine glorreiche Auferstehung!

(Gebet der Ostkirche)

Getsemani

Nach dem Mahl geht Jesus mit seinen Jüngern zum Ölberg, zu einem Grundstück, das Getsemani heißt. Er hat eine Ahnung davon, was geschehen wird. Die ganze Erschütterung Jesu über das ihm bevorstehende Leiden wird nun deutlich. Jesus ist ganz Gott und ganz Mensch, daher schaudert er genau wie wir bei dem Gedanken an Schmerzen und Tod. Doch er nimmt sein Leiden an – um den Willen des Vaters zu erfüllen und um uns das Heil zu schenken.

Jesus ist an der Schwelle seiner Ganzhingabe angekommen, sich Opfer für das Heil der Welt hinzugeben. Er scheint allein, doch er befindet sich ganz in der Gegenwart des Vaters. Wie hätte es auch anders sein können, da sein heimlicher Dialog der Liebe mit dem Vater niemals aufgehört hatte? Und doch hat Jesus Angst davor, was nun geschehen wird. Von dieser Angst bleibt uns nichts verborgen. Aber in seiner äußersten Angst sucht Jesus im Gebet Trost beim Vater. Und Jesus wagt es ein letztes Mal, vor dem Vater der Beunruhigung Ausdruck zu geben, die ihn befällt:

Meine Seele ist zu Tode betrübt. Mein Vater, wenn es möglich ist, gehe dieser Kelch an mir vorüber. Aber nicht wie ich will, sondern wie du willst. (Mt 26,38-39)

Jesus betet zum Vater, doch seine Jünger schlafen. Jesus bittet sie zu wachen, doch sie schaffen es nicht, mit ihm zu beten. In seiner Not ist Jesus allein, allein mit seinem Vater im Himmel. Dreimal muss Jesus die Jünger wecken und sie darum bitten, mit ihm zu beten. Doch sie schlafen immer wieder ein. Erst als die Soldaten im Garten erscheinen, angeführt von Judas, merken die anderen Jünger, was los ist. Jesus wird verhaftet, die Jünger aber fliehen.

Nun wird Jesus vor Gericht gestellt, zuerst bei den Juden. Doch die Römer haben zu dieser Zeit in Israel das Sagen. Die Juden dürfen niemand zum Tod verurteilen und deshalb bringen sie Jesus zum römischen Statthalter Pontius Pilatus. Eine lange Verhandlung beginnt.

Petrus ist neugierig. Er will sehen, was mit Jesus geschieht. Doch er hat Angst. Als man ihn als einen Jünger Jesu erkennt, streitet er es ab. „Ihr müsst euch irren, ich gehöre nicht zu Jesus.“ Dreimal verleugnet er so Jesus, dann kräht ein Hahn. Petrus erkennt: Ich habe meinen besten Freund verleugnet. Es tut ihm leid, dass er aus Angst nicht zu Jesus gehalten hat. Er geht weg und weint.

Jesus ist ganz allein vor dem Richter. Ein Jünger hat ihn seinen Feinden ausgeliefert, der andere hat ihn verleugnet, alle anderen Jünger sind geflohen. Wo sind sie alle hin, die sonst zu ihm gehalten haben, all die Menschen die er geheilt, denen er geholfen hat?

Das Urteil lautet: Tod am Kreuz, die härteste Strafe, die die Römer zu bieten haben. So werden Schurken, Staatsfeinde, die schlimmsten Verbrecher bestraft. Wie es ihnen beliebt, dürfen die Soldaten nun ihren Spott mit Jesus treiben. Als er schon nicht mehr kann vor Schmerzen und Wunden muss er auch noch sein Kreuz durch die Stadt bis hinauf zum Hügel Golgota tragen. Sein einziger Trost: Seine Mutter und einige Frauen, die ihm gefolgt sind, haben ihn nicht verlassen sondern stehen an seinem Kreuzweg. Simon von Zyrene muss ihm helfen, das Kreuz zu tragen.

Gründonnerstag

Als es Abend wurde, begab er sich mit den zwölf Jüngern zu Tisch. Und während sie aßen, sprach er: Amen, ich sage euch: Einer von euch wird mich verraten und ausliefern. Da waren sie sehr betroffen und einer nach dem andern fragte ihn: Bin ich es etwa, Herr? Er antwortete: Der, der die Hand mit mir in die Schüssel getaucht hat, wird mich verraten. Der Menschensohn muss zwar seinen Weg gehen, wie die Schrift über ihn sagt. Doch weh dem Menschen, durch den der Menschensohn verraten wird. Für ihn wäre es besser, wenn er nie geboren wäre. Da fragte Judas, der ihn verriet: Bin ich es etwa, Rabbi? Jesus sagte zu ihm: Du sagst es. (Mt 26,20-25)

Deutlich weist Jesus auf seinen bevorstehenden Tod hin und zugleich auch auf den, der ihn verraten und ausliefern wird. Noch immer sind die Jünger ratlos, wen und was Jesus damit meint. Nur Judas weiß es. Sein ganzes Sinnen und Trachten ist bereits darauf hin gerichtet, Jesus so schnell wie möglich an die Juden auszuliefern und seinen Lohn dafür zu kassieren. Das muss geschehen. Aber trotzdem ist es keine gute Tat, die Judas leistet. Er hat sich dafür hergegeben, zum Erfüller des Bösen zu werden. Und er besitzt die Unverfrorenheit, weiterhin im vertrauten Kreis um Jesus zu verweilen. Nur Jesus weiß um die Abgründe, die sich in seinem Jünger auftun. Jesus liebt ihn, auch wenn er weiß, was geschehen wird. Er schließt ihn nicht vom Mahl aus. Judas hat noch die Möglichkeit, umzukehren. Aber er wird seine Chance nicht nutzen und stellt sich so gegen die Liebe seines Herrn.

Während des Mahls nahm Jesus das Brot und sprach den Lobpreis; dann brach er das Brot, reichte es den Jüngern und sagte: Nehmt und esst; das ist mein Leib. Dann nahm er den Kelch, sprach das Dankgebet und reichte ihn den Jüngern mit den Worten: Trinkt alle daraus; das ist mein Blut, das Blut des Bundes, das für viele vergossen wird zur Vergebung der Sünden. Ich sage euch: Von jetzt an werde ich nicht mehr von der Frucht des Weinstocks trinken bis zu dem Tag, an dem ich mit euch von neuem davon trinke im Reich meines Vaters. (Mt 26,26-29)

Nun ist alles gesagt. Jesus hat den Seinen das Gedächtnis seines Leidens und Sterbens hinterlassen. In seinem Tod wird er diese Worte erfüllen und fortan wird in jeder Feier der Eucharistie sein Opfer gegenwärtig gesetzt. Mein Leib, Brot des Lebens, mein Blut, für euch vergossen zur Vergebung der Sünden. Nehmt, esst und trinkt. So legt er sich selbst hinein – in das Zeichen von Brot und Wein. Er legt sich selbst hinein – und verschenkt sich an alle, die ihn empfangen. Der zerschlagene Leib im gebrochenen Brot, nehmt und esst: Das bin ich.

Nehmt und esst, das heißt auch: nehmt mich auf, nehmt mich hinein in euch. Wie Brot, das ihr teilt und esst euch ernährt und dabei in euch verwandelt wird, so nehmt mich auf. Wenn ihr mich aufnimmt habt ihr Gemeinschaft mit mir und ich nehme euch hinein in das, was an mir geschieht; so lasst es auch an euch geschehen: Das Geheimnis vom Leiden und Sterben und Auferstehen.

Aus voller Glaubensüberzeugung wollen wir also am Leib und Blut Christi teilhaben! In der Gestalt des Brotes wird dir der Leib gegeben, und in der Gestalt des Weines wird dir das Blut gereicht, damit du durch den Empfang des Leibes und Blutes Christi ein Leib und ein Blut mit ihm wirst. Durch diesen Empfang werden wir Christusträger; denn sein Fleisch und sein Blut kommt in unsere Glieder. Durch diesen Empfang werden wir der göttlichen Natur teilhaftig. …
Betrachte daher Brot und Wein nicht wie gewöhnliche Dinge! Denn nach der Aussage des Herrn sind sie Leib und Blut Christi. Wenn dich auch die Sinne hier im Stich lassen: der Glaube möge dir Festigkeit geben! Nicht nach dem Geschmack darfst du hier urteilen, der Glaube muss dir die zweifellose Sicherheit geben, dass du des Leibes und Blutes Christi gewürdigt wurdest. …
Wer zum Mahle kommt, der wird nicht eingeladen, Brot und Wein zu kosten, sondern die Wirklichkeit des Leibes und Blutes Christi. Kommst du nach vorn, tritt nicht mit ausgetreckten Händen und gespreizten Fingern hinzu, sondern mache die linke Hand zum Thron für die rechte, da diese den König empfangen soll. Forme die Hand zur Höhle, empfange den Leib Christi und antworte: Amen! Vorsichtig heilige nun deine Augen durch die Berührung mit dem heiligen Leib und dann genieße ihn, doch hab acht, dass dir nichts davon auf den Boden fällt! …
Nach der Kommunion des Leibes Christi tritt auch zum Kelch des Blutes hinzu. Strecke nicht die Hände aus, sondern verneige dich und in der Weise der Anbetung und Verehrung sprich das Amen. Dann empfange das Blut Christi und heilige dich. So lange noch Feuchtigkeit auf deinen Lippen ist, berühre sie mit den Fingern und heilige deine Augen, die Stirn und die übrigen Sinne. Dann warte das Gebet ab und danke Gott, der dich solcher Mysterien gewürdigt hat.
(Aus der Vierten Mystagogischen Katechese des hl. Cyrill von Jerusalem)

Jede Eucharistiefeier endet mit dem Dankgebet und dem Segen. Auch Jesus hat mit seinen Jüngern nach dem Mahl das Dankgebet gesprochen. Der jüdischen Feier entsprechend meint Matthäus damit wahrscheinlich die Lobpsalmen 113-118. Danach geht Jesus mit seinen Jüngern zum Ölberg und weist sie erneut auf die Bedeutung dessen hin, was nun geschehen wird.