Prophet Jeremia

Ich hörte das Flüstern der Vielen: Grauen ringsum! Zeigt ihn an! Wir wollen ihn anzeigen. Meine nächsten Bekannten warten alle darauf, dass ich stürze: Vielleicht lässt er sich betören, dass wir ihm beikommen können und uns an ihm rächen.
Doch der Herr steht mir bei wie ein gewaltiger Held. Darum straucheln meine Verfolger und kommen nicht auf. Sie werden schmählich zuschanden, da sie nichts erreichen, in ewiger, unvergesslicher Schmach. Aber der Herr der Heere prüft den Gerechten, er sieht Herz und Nieren. Ich werde deine Rache an ihnen erleben; denn dir habe ich meine Sache anvertraut. Singt dem Herrn, rühmt den Herrn; denn er rettet das Leben des Armen aus der Hand der Übeltäter. (Jer 20,10-13)

Es ist Krieg in Jerusalem, ein furchtbarer Krieg. Die Stadt wird von den Feinden eingeschlossen, das Elend ist groß, Hunger und Krankheiten fordern täglich mehr Opfer. Doch die Menschen verstehen nicht, was geschieht. Das Volk und seine Anführer glauben weiterhin daran, dass Gott sein auserwähltes Volk verschonen wird, dass die Stadt mit dem Tempel des Herrn niemals von Feinden eingenommen werden kann.

Doch sie täuschen sich. Längst hat der Herr schon durch die Propheten das Unheil der Stadt vorausgesagt, weil ihre Bewohner nicht mehr nach dem Willen des Herrn leben. Sie geben zwar noch vor, fromm zu sein, aber es ist äußerer Schein. In ihrem Inneren werden sie bestimmt von der Grier nach Reichtum und Genuss. Die Oberschicht bereichert sich auf Kosten der Armen und der Gottesdienst ist zu einem leeren Ritual geworden.

In dieser Zeit hält Jeremia den führenden Männern der Stadt ihr Unrecht vor, sagt ihnen deutlich, dass es die Folge ihrer Vergehen ist, was nun mit der Stadt geschieht, und er macht ihnen klar, dass Gott sie nicht retten wird. Gott hat einen Neuanfang beschlossen und damit dieser geschehen kann, muss erst die alte Stadt untergehen. Das bevorstehende Exil in Babylon wird das Denken Israels und seine Beziehung zu Gott entscheidend verändern.

Jeremia ist den führenden Männern lästig. Sie können es nicht ertragen, dass da einer die Wahrheit sagt und noch dazu, dass er im Namen Gottes den Untergang der Stadt prophezeit. Sie sperren Jeremia ein, er sitzt in einem finsteren Loch und ist kurz vor dem Verhungern. Er denkt an seinen Dienst für Gott und wohin ihn dieser Dienst nun geführt hat. Vielleicht zweifelt er auch an diesen Gott, in dessen Namen er aufgetreten ist. Behandelt Gott so seine Diener?

Doch der Prophet ist durch und durch von Gott ergriffen. Er kann Gott nicht verleugnen und kann nicht aufhören, von dem zu reden, was Gott ihm gezeigt hat. Er wird die Worte Gottes verkünden, egal was seine Gegner ihm antun mögen. Dabei ist er sich sicher, dass Gott ihn retten wird. Gott wird seinen Propheten nicht verlassen. Auch wenn er jetzt in der Dunkelheit des Kerkers dahinschmachtet, er kann das Licht der Rettung sehen und glaubt an die Größe Gottes, der sein Wort in Erfüllung gehen lässt.

Herr, ich habe dir meine Sache anvertraut.

Du wirst nicht säumen, Herr,
wenn ich hoffend auf dich warte.

(Hl. Johannes vom Kreuz)

Gott behütet euch

Verkauft man nicht zwei Spatzen für ein paar Cent? Und doch fällt keiner von ihnen zur Erde ohne den Willen eures Vaters. Bei euch aber sind sogar die Haare auf dem Kopf alle gezählt. Fürchtet euch also nicht! Ihr seid mehr wert als viele Spatzen. (Mt 10,29-31)

Jesus macht den Jüngern Mut zum furchtlosen Zeugnis. Sie brauchen sich nicht vor den Menschen zu fürchten. Egal, was geschieht, sie sind in Gottes Hand geborgen. Er kennt jeden Menschen, sogar die Haare auf den Kopf eines jeden hat Gott gezählt. Für ihn ist der Menschen nicht nur eine Nummer, sondern ein lebendiger Partner, mit dem Gott eine innige Beziehung eingehen möchte.

Jesus sagt uns immer wieder, wie wertvoll wir für Gott sind. Ihr seid mehr wert als viele Spatzen, ihr seid für Gott mehr wert als alles auf der Welt. Dies hat uns Gott konkret darin gezeigt, dass er in Jesus Christus selbst auf diese Erde gekommen und Mensch geworden ist, dass er sich für uns hingegeben hat am Kreuz.

Jeder Mensch ist wertvoll vor Gott. Jeder Mensch bedeutet Gott etwas und Gott hält jeden Menschen in seiner Hand geborgen. Wenn wir uns in unserem Leben auch oft fragen: Wo ist Gott? So dürfen wir dennoch nie verzweifeln. Gott ist immer nahe, auch wenn wir uns manchmal von ihm verlassen fühlen.

Guter Gott, lass uns zu jeder Zeit deine helfende Nähe und Gegenwart erfahren!

Fürchtet euch nicht (Mt 10)

Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, die Seele aber nicht töten können, sondern fürchtet euch vor dem, der Seele und Leib ins Verderben der Hölle stürzen kann. (Mt 10,28)

Fürchtet euch nicht! Wie oft sagt Jesus diese Worte zu seinen Jüngern und wie oft müssen wir uns diese Worte sagen lassen! Wie oft hindert uns Furcht daran, den Glauben zu verkünden, und für andere Menschen einzutreten. Wir wollen möglichst nicht auffallen, machen uns Gedanken darüber, was andere über uns reden könnten.

Fürchtet euch nicht! Nehmt keine falsche Rücksicht! Um aber furchtlos auftreten zu können, muss man selbst überzeugt sein von dem, was man tut, überzeugt von Gott, für den man Zeugnis gibt, von seiner Existenz und der Wahrheit seiner Offenbarung. Von allen Seiten hören wir, dass es mit Gott doch ganz anderes ist als wir glauben, wir können nicht sagen, dass es einen Gott gibt. Jesus Christus war einfach nur ein guter Mensch, der die Liebe verkündet hat. Darum sollen wird die Menschen doch einfach so lassen, wie sie sind, nicht versuchen, andere zu missionieren und von unserem Glauben zu überzeugen.

Doch wenn wir die Worte Jesu in den Evangelien lesen wird deutlich, dass er kein Freund von Beliebigkeit ist. Für ihn gibt es nur einen Gott, den Vater im Himmel, und dieser Vater liebt die Menschen. Und wer sich von Gottes Liebe überwältigen lässt, der wird das Heil erfahren. Von diesem Gott und seiner Liebe sollen wir anderen erzählen, ja mehr noch, wir sollen durch unser Leben die Existenz und die Liebe Gottes erfahrbar werden lassen.

Das erfordert Mut. Das bedeutet auch, dass wir anecken. Sobald wir ernsthaft von unserem Glauben an Jesus Christus reden, werden wir eine Großzahl unserer Zuhörer zu Gegnern haben. Wir können natürlich das Evangelium auch so verpacken, dass es seine Konturen verliert, dass wir einfach nur vom guten Menschen Jesus reden, dann wird sich kaum einer an unseren Worten stören. Wir werden so aber auch kaum jemand für Jesus Christus begeistern können. Das ist die Situation, in der wir heute stehen.

Was hindert uns daran, Mut zu haben, aufzustehen, und mit Begeisterung das Evangelium mit allen Ecken und Kanten zu verkünden? Die Botschaft, dass Jesus Christus nicht einfach nur ein guter Mensch war, sondern dass er Gott ist, dass er uns erlöst hat und dass er uns als seinen Jüngern den Auftrag gegeben hat, von ihm Zeugnis zu geben und andere Menschen zu ihm zu führen.

Allmächtiger Gott,
du berufst immer wieder Menschen,
Zeugnis zu geben von deiner Liebe.
Stärke uns durch die Kraft des Heiligen Geistes,
dass auch wir deinem Ruf folgen
und erkennen, wozu du uns erwählt hast.
Gib uns Mut, ohne Menschenfurcht
und falsche Rücksichtnahme für dich einzutreten,
dich, die Wahrheit die uns Leben schenkt.
Amen.

Herzenseigentum (Ex 19)

Nach dem Auszug aus Ägypten und dem triumphalten Durchzug durch das Schilfmeer ist Israel nun in der Wüste unterwegs. Nach drei Monaten Wüstenwanderung sind sie am Horeb, dem Gottesberg, angekommen. Hier wird Gott den Bund, den er einst mit Abraham und den Stammvätern Israels geschlossen hat, erneuern. Er wird dem Volk seine Gebote übermitteln und so den Weg zeigen, wie das Volk seine Erwählung sichtbar werden lassen kann.

Wenn ihr auf meine Stimme hört und meinen Bund haltet, werdet ihr unter allen Völkern mein Herzenseigentum sein. Mir gehört die ganze Erde, ihr aber sollt mir als ein Reich von Priestern und als ein heiliges Volk gehören. (Ex 19,5-6a)

Herzenseigentum – so nennt Gott sein auserwähltes Volk, das heilige Volk, das Gott in ganz besonderer Weise gehört und für das Gott auch in ganz besonderer Weise sorgt. Den Menschen früherer Zeiten war mehr als uns heute bewusst, was Heiligkeit bedeutet. Sie meint, dass eine Person oder ein Gegenstand dem alltäglichen weltlichen Gebrauch entzogen wird und in ganz besonderer Weise rein gehalten wird für den Dienst an Gott. So galten die Geräte des Tempels heilig, sie durften nur von bestimmten Menschen für bestimmte Handlungen verwendet werden und waren dabei mit höchster Sorgfalt zu behandeln.

Auch Menschen können heilig sein, das bedeutet nicht unbedingt, dass einer in ein Kloster geht oder Priester wird. Hier hören wir, dass Gott ein ganzes Volk erwählt hat, heilig zu sein. Auch die Briefe des Paulus reden alle Gläubigen als Heilige an. Es ist die Berufung und Erwählung von uns allen, solche Heilige zu werden.

Was ist der Sinn der Erwählung, welchen Sinn hat es für das Gottesvolk, sich an all die Gebote zu halten, die zum Bund zwischen Gott und seinem Volk gehören, und dadurch heilig zu sein? Das erwählte, heilige Volk soll ein Segen sein, ein Segen für die Welt. Das war der Sinn der Erwählung des Volkes Israel und das ist der Sinn der Heiligkeit zu allen Zeiten.

Menschen, die ein Segen sind, danach dürstet die Welt. Solche Menschen sind dazu bereit, Entbehrungen auf sich zu nehmen, sich an Regeln und Gebote zu halten. Sie suchen nicht ihren eigenen Vorteil, sondern sind darauf bedacht, dass sie durch ihre Entfaltung nicht das Leben anderer behindern, sondern fördern.

In einer Zeit, in der Gewinn und Wachstum an erster Stelle stehen, brauchen wir solche Menschen mehr denn je. Es ist nicht alles erlaubt, was möglich ist. Der Sinn des Lebens besteht nicht darin, den eigenen Reichtum so weit wie möglich zu maximieren, egal auf wessen Kosten. Regeln und Gebote sollen sicherstellen, dass alle genug zum Leben haben und den Raum, den sie zum Leben brauchen.

Wir müssen keine Angst haben, dass wir zu kurz kommen, wenn wir nicht mit unseren Ellenbogen uns den Weg erkämpfen. Gott sorgt für die Menschen, die um seinetwillen und um der Menschen willen Verzicht üben. Auch wenn sie in den Augen dieser Welt für dumm gehalten werden, ihr Licht, das Licht Gottes, das sie in sich tragen, leuchtet in der Finsternis.

Herzenseigentum – Gott kümmert sich um sein Volk, Gott ist nahe in allen Nöten und Leiden. Gott nimmt sich seines Volkes an. Das ist der Trost, der in diesen Worten liegt. Gott ist nicht ein Gott, der fern von allem lebt, sondern ein Gott, der mitten in seinem Volk gegenwärtig ist. Diese Gegenwart Gottes zeigt uns die Geschichte des Volkes Israel immer wieder und auch wir, als Gottesvolk des neuen Bundes, können diese Gegenwart Gottes erfahren.

Herr, lass uns ganz dein eigen sein.
Lass uns Heilige sein in dieser Welt,
Menschen, durch die dein Licht leuchtet.
Herr lass uns ganz dein eigen sein.
Lass uns Boten deines Segens sein,
zum Heil der Welt.

Berufung der Zwölf

Als er die vielen Menschen sah, hatte er Mitleid mit ihnen; denn sie waren müde und erschöpft wie Schafe, die keinen Hirten haben. Da sagte er zu seinen Jüngern: Die Ernte ist groß, aber es gibt nur wenig Arbeiter. Bittet also den Herrn der Ernte, Arbeiter für seine Ernte auszusenden. (Mt 9,36-38)

Hier beginnt ein neuer Abschnitt des Wirkens Jesu im Matthäus-Evangelium. Bisher hat Jesus selbst das Volk gelehrt und Heilungen gewirkt. Nun zieht er die Jünger, die er in dieser ersten Zeit berufen hat, stärker in die Verantwortung. Jesus kann nicht selbst zu allen Menschen gehen, dafür sind es zu viele. Überall warten Menschen auf das Wort Gottes und auf Heilung. Die Menschen irren umher, wie eine Herde ohne Hirten, sie warten auf jemand, der sie führen kann. Die Zeit ist reif für die Ernte, und dazu braucht es Arbeiter. So beruft Jesus die Zwölf als seine Boten und gründet auf sie zugleich das neue Gottesvolk. Wie einst das Volk Israel aus den zwölf Stammvätern hervor gegangen ist, so werden die zwölf Apostel zum Fundament des neuen Gottesvolkes.

Dann rief er seine zwölf Jünger zu sich und gab ihnen die Vollmacht, die unreinen Geister auszutreiben und alle Krankheiten und Leiden zu heilen. Die Namen der zwölf Apostel sind: an erster Stelle Simon, genannt Petrus, und sein Bruder Andreas, dann Jakobus, der Sohn des Zebedäus, und sein Bruder Johannes, Philippus und Bartholomäus, Thomas und Matthäus, der Zöllner, Jakobus, der Sohn des Alphäus, und Thaddäus, Simon Kananäus und Judas Iskariot, der ihn später verraten hat. (Mt 10,1-4)

Die Kirche ist auf die Apostel gegründet und durch die Bischöfe bleibt die Verbindung zu den Aposteln dauerhaft bestehen. Um sein Volk aus allen Bewohnern der Erde zu sammeln, braucht Gott Menschen, die sich in seinen Dienst stellen lassen. Das sind nicht Menschen, die sich aus eigenem Entschluss in den Dienst Gottes stellen oder von anderen Menschen dazu bestellt werden, Gott selbst ist es, der beruft und sendet. Menschen können sich nicht selbst berufen, sondern nur mit ihrem Ja auf den Ruf Gottes antworten. Menschen können nicht selbst Arbeiter in den Weinberg Gottes schicken, sondern sie müssen Gott darum bitten, er allein kann es tun.

Diese Zwölf sandte Jesus aus und gebot ihnen: Geht nicht zu den Heiden und betretet keine Stadt der Samariter, sondern geht zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel. (Mt 10,5-6)

Es muss unser größtes Anliegen sein, dass alle Menschen auf der Welt von Gottes Liebe erfahren. Es geht darum, allen Menschen auf der Erde die Botschaft zu bringen, dass es einen Gott gibt, der Liebe ist, einen Gott, der das Heil aller Menschen will. An erster Stelle steht daher der Auftrag Jesu zur Verkündigung des Himmelreiches und daraus folgt die Vollmacht zur Heilung:

Geht und verkündet: Das Himmelreich ist nahe. Heilt Kranke, weckt Tote auf, macht Aussätzige rein, treibt Dämonen aus! (Mt 10,7-8a)

Gott und sein Reich müssen im Mittelpunkt der Verkündigung stehen. Die Kirche ist dazu bestimmt, von Gott Zeugnis zu geben, und nicht nur eine Botschaft vom guten Menschen zu verkünden. Wenn aber Gott im Mittelpunkt der Verkündigung steht, dann steht auch der Mensch im Mittelpunkt. Das erkennt man an den Taten, die der Verkündigung folgen. Nur, wem es zuerst um Gott geht, der kann auch den Menschen helfen, denn die Menschen können Wunder nicht aus eigener Kraft wirken. Gott allein ist es, der die Krankheiten der Menschen heilt, Tote auferweckt, Aussätzige rein macht, Dämonen austreibt. Er tut es aber durch Menschen, die in seinem Namen handeln.

Gott kümmert sich um sein Volk, Gott ist nahe in allen Nöten und Leiden. Gott nimmt sich seines Volkes an. Das ist der Trost, der in diesen Worten liegt. Wie wichtig ist es da, dass Gott Menschen beruft, die in seinem Namen den Menschen diesen Trost bringen, Menschen, denen Gott selbst Vollmacht und Kraft gibt für ihren Dienst. Bitten wird Gott, dass er uns solche Menschen schenkt.

Fronleichnam

Brot vom Himmel hast du ihnen gegeben,
das alle Erquickung in sich birgt.

So beten wir am Ende des Tantum Ergo, des Lobgesangs auf die Eucharistie, nach dem der sakramentale Segen folgt. Diese Worte erinnern uns an das Manna, welches dem Volk Israel während der Wüstenwanderung als Nahrung diente und das als Vorausbild der Eucharistie gilt. In der ersten Lesung hören wir davon:

Du sollst an den ganzen Weg denken, den der Herr, dein Gott, dich während der vierzig Jahre in der Wüste geführt hat. Durch Hunger hat er dich gefügig gemacht und hat dich dann mit dem Manna gespeist. Er wollte dich erkennen lassen, dass der Mensch nicht nur von Brot lebt, sondern dass der Mensch von allem lebt, was der Mund des Herrn spricht.
Wenn der Herr, dein Gott, dich in ein prächtiges Land führt, ein Land mit Bächen, Quellen und Grundwasser, das im Tal und am Berg hervorquillt und wenn du dort isst und satt wirst und den Herrn, deinen Gott, für das prächtige Land, das er dir gegeben hat, preist, dann nimm dich in acht und vergiss den Herrn, deinen Gott, nicht, missachte nicht seine Gebote, Rechtsvorschriften und Gesetze. (Dtn 8,2.3.8.10.11)

Die Lesung aus dem Buch Deuteronomium schildert die Situation des Volkes Israels unmittelbar vor dem Überschreiten des Jordan, dem langersehnten Einzug in das Gelobte Land nach den entbehrungsreichen Jahren der Wüstenwanderung.

Gott hat sein Volk durch diese Zeit geführt. Auch wenn es eine mühevolle Zeit war, es fehlte nie am Lebensnotwendigen, immer hat Gott dafür gesorgt, dass alles da war, auch wenn das Volk oft ungeduldig wurde und das Vertrauen auf Gottes Sorge schwand.

Nun im Gelobten Land wartet der Überfluss, es wird alles, worauf das Volk bisher verzichten musste, in Überfülle da sein. Überfluss aber macht leichtsinnig, er lässt vergessen, dass die Güter der Erde nicht selbstverständlich sind, sondern ein Geschenk, für das wir stets dankbar sein müssen.

Sattsein lässt den Hunger vergessen, nicht nur den Hunger nach Nahrung. Es macht uns bequem und nimmt uns die Sehnsucht, nach Höherem zu streben. Darum dürfen wir nie vergessen, die Erinnerung an den Hunger in uns wach zu halten, die Erinnerung an unsere Sehnsucht und an ein Ziel, für das es sich lohnt, einen entbehrungsreichen Weg zu gehen.

Der Weg des Glaubens ist auch ein solcher entbehrungsreicher Weg zu einem Ziel, dem höchsten Glück, das Gott uns ewig schenken möchte. Wer den Glauben ernst nimmt, muss bereit sein, Entbehrungen auf sich zu nehmen, wie das Volk in der Wüste, um so die Erfahrung machen zu können, das Gott für uns sorgt und uns beschenken möchte.

Für diesen Weg hat Gott uns eine besondere Nahrung geschenkt, die Eucharistie, das Brot vom Himmel, Jesu Leib im Zeichen des Brotes. Ihn empfangen wir, wenn wir in der Heiligen Messe gläubig zum Altar treten. Die Eucharistie ist eine Speise, die uns stets sättigt, aber nie satt sein lässt, die unseren Hunger nach dem Höchsten nährt, uns aber stets auch nach mehr verlangen lässt.

Heute am Fest Fronleichnam feiern wir dieses Brot, in dem unser Herr Jesus Christus sich uns selbst zur Speise gibt. Eucharistie, Brot des Lebens, Speise zum ewigen Leben. Brot der Sehnsucht nach Leben. Brot, das uns Kraft gibt, nach dem Höheren zu streben.

Dreifaltigkeitssonntag

Am Sonntag nach Pfingsten feiern wir den Dreifaltigkeitssonntag. Das Geheimnis der Dreifaltigkeit gehört zu den Wesenswerkmalen des Christentums. Wie wir sehen werden, ist der Glaube an den dreifaltigen Gott bereits in den Worten Jesu in den Evangelien grundgelegt und keineswegs das Ergebnis späterer, vom hellenistischen Denken beeinflusster Spekulationen.

Als eigenständiger Festtag ist das Dreifaltigkeitsfest relativ neu. Lange sah die Kirche und allen voran der Papst in Rom keinen Grund dafür, ein solches Fest einzuführen, durchdringt doch die Feier des dreifaltigen Gottes alle Feste des Christentums. Gott offenbart sich als der Dreifaltige sowohl bei der Geburt seines Sohnes, als auch bei Jesu Tod und Auferstehen.

Im 8. Jahrhundert kam im Abendland eine besondere Verehrung der Dreifaltigkeit auf, Kirchen und Altäre wurden der Dreifaltigkeit geweiht und es gab eine eigene Votivmesse zu Ehren der heiligsten Dreifaltigkeit. Doch erst im Jahr 1334 nahm Papst Johannes XXII. den Dreifaltigkeitssonntag in den allgemeinen Kalender der römischen Kirche auf.

Die Feier am Sonntag nach Pfingsten kommt nicht von ungefähr. Pfingsten bildet den Abschluss der 50-tägigen Osterzeit. An Ostern feiern wir die Auferstehung Jesu Christi als zentrales Heilswerk Gottes zu unserer Erlösung. An Pfingsten tritt der Heilige Geist in den Mittelpunkt. Zwar wirkt er bei allen Heilsereignissen mit, aber hier feiert die Kirche ganz besonders seine Herabkunft auf die ersten Jünger und damit die Entstehung der Kirche. Die Sendung des Geistes an Pfingsten schließt somit das Heilswerk Christi ab.

Im Anschluss an das Pfingstfest feiert die Kirche dann die heiligste Dreifaltigkeit. Durch die Taufe auf den dreifaltigen Gott, im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, werden von nun an Menschen in die Kirche, die Gemeinschaft der Glaubenden aufgenommen. Somit stehen sowohl Pfingsten als auch der Dreifaltigkeitssonntag in engstem Zusammenhang zum Erlösungswerk Christi, das wir an Ostern feiern. Daher wird der Dreifaltigkeitssonntag auch, auf den ersten Blick verwunderlich, zu den Herrenfesten gezählt.

Wir feiern heute Gottes Heilswirken an uns Menschen. Die Dreifaltigkeit Gottes erschließt sich uns ja letztlich nur durch Gottes Wirken. Wir preisen Gott Vater, der alles erschaffen hat, wir preisen den Sohn, durch den alles geschaffen wurde und der in seine Schöpfung gekommen ist, um sie zu erlösen, wir preisen den Heiligen Geist, der in uns wirkt und uns hinein nimmt in Gottes Liebe.

Heiliger Gott, heiliger, starker Gott, heiliger, unsterblicher Gott, erbarme dich unser!
Dir sei Lob, dir sei Ehre, dir sei Dank in alle Ewigkeit, heilige Dreifaltigkeit!
Dich, Gott, den ungezeugten Vater, dich, den eingeborenen Sohn, und dich, den Heiligen Geist, den Tröster, die heilige, ungeteilte Dreifaltigkeit, bekennen wir mit ganzem Herzen und mit dem Munde, dich preisen und loben wir. Amen.

Der Heilige Geist in der Dreifaltigkeit

Die letzte Strophe des Hymnus „Veni Creator“ zeigt uns den Heiligen Geist in der Dreifaltigkeit. Der Heilige Geist führt uns ein in dieses für uns unergründbare Geheimnis. Er hilft uns, den Vater und den Sohn zu erkennen. Dieses Erkennen führt zu einer tieferen Beziehung. Der Heilige Geist führt uns hin zum Sohn und zum Vater. Im Hymnus rufen wir ihn an:

Durch dich mögen wir den Vater entdecken,

und auch den Sohn erkennen,

und an dich, den gemeinsamen Geist beider,

allezeit glauben.

Wie können wir an einen dreifaltigen Gott glauben, einen Gott, der Vater ist und Sohn und Heiliger Geist? Ist das alles nicht ein Konstrukt von antiken Philosophen und heute nicht mehr verständlich zu machen?

Der Glaube an die Dreifaltigkeit ist zutiefst biblisch. Jesus spricht oft vom Vater, von seinem Vater und unserem Vater, er spricht davon, dass er den Heiligen Geist vom Vater senden wird und er spricht davon, dass es der Heilige Geist ist, der uns zur Erkenntnis und so auch zum Glauben führt.

Nur, wenn wir Gott kennen, können wir auch an ihn glauben. Glaube bedeutet nicht, die Existenz von etwas gänzlich Ungewissem anzunehmen, sondern Glaube bedeutet das sichere Vertrauen auf einen Gott, von dessen Existenz wir wissen. Nun lässt sich Gott nicht mit naturwissenschaftlichen Mitteln erkennen. Doch es ist eine Engführung der Aufklärung, dass wir allein das für wahr halten, was die Naturwissenschaft erklären kann. Dadurch hat sich die Menschheit den Zugang zu einem Großteil der Wirklichkeit selbst versperrt.

Der Heilige Geist lässt uns den Vater entdecken und den Sohn erkennen, er zeigt uns, dass Gott existiert, dass wir uns auf Gott verlassen können, dass christlicher Glaube sich nicht auf irgendwelche Märchen stützt, sondern auf eine Gewissheit, die verlässlicher ist als alles, was wir mit unseren Augen sehen und mit unseren Händen greifen können.

Komm, Heiliger Geist, zeige uns den Vater, lass uns seine Liebe erfahren!

Komm, Heiliger Geist, zeige uns Jesus Christus, den Sohn, und lass uns alles verstehen, was er gesagt und getan hat.

Komm, Heiliger Geist, gib dich uns zu erkennen als einigendes Band der Liebe zwischen Vater und Sohn, und nimm uns hinein in diese Liebe.