Zeugen der Auferstehung – 1Kor 15,1-11

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Ich erinnere euch, Brüder, an das Evangelium, das ich euch verkündet habe. Ihr habt es angenommen; es ist der Grund, auf dem ihr steht. Durch dieses Evangelium werdet ihr gerettet, wenn ihr an dem Wortlaut festhaltet, den ich euch verkündet habe. Oder habt ihr den Glauben vielleicht unüberlegt angenommen? Denn vor allem habe ich euch überliefert, was auch ich empfangen habe:

Christus ist für unsere Sünden gestorben, gemäß der Schrift, und ist begraben worden. Er ist am dritten Tag auferweckt worden, gemäß der Schrift, und erschien dem Kephas, dann den Zwölf. Danach erschien er mehr als fünfhundert Brüdern zugleich; die meisten von ihnen sind noch am Leben, einige sind entschlafen. Danach erschien er dem Jakobus, dann allen Aposteln. Als letztem von allen erschien er auch mir, dem Unerwarteten, der “Missgeburt”.

Denn ich bin der geringste von den Aposteln; ich bin nicht wert, Apostel genannt zu werden, weil ich die Kirche Gottes verfolgt habe. Doch durch Gottes Gnade bin ich, was ich bin, und sein gnädiges Handeln an mir ist nicht ohne Wirkung geblieben. Mehr als sie alle habe ich mich abgemüht – nicht ich, sondern die Gnade Gottes zusammen mit mir. Ob nun ich verkündige oder die anderen: das ist unsere Botschaft, und das ist der Glaube, den ihr angenommen habt.

Paulus erinnert die Korinther an das Evangelium, das er ihnen verkündet hat. Evangelium, das ist die Frohe Botschaft, aber auch die Richtschnur des Glaubens. Evangelium, das ist etwas, das eine feste Gestalt hat, auch wenn es immer neu hinein gesprochen wird in die Welt. Das Evangelium kann man sich nicht aussuchen, sondern es ist von Gott gegeben.

Das Evangelium ist das Fundament, auf den der Glaube aufbaut. Christlicher Glaube ist mehr als eine Lebensphilosophie. Es gibt ja heute eine Fülle an Ratgebern, wie man zu sich selbst findet und gesund, erfolgreich und glücklich leben kann. Man kann sich hier auf dem Markt das aussuchen, was am besten zu einem passt, was am hilfreichsten ist.

Das Evangelium kann man zunächst einmal nur annehmen oder ablehnen. Wenn man es aber annimmt, dann kann man es selbst mit Leben füllen. Dazu muss man aber genau wissen, was die Botschaft des Evangeliums ist. Hier kann sich nicht jeder sein eigenes Evangelium zusammenbasteln, sondern der einzelne tritt ein in eine lange Tradition.

Paulus formuliert hier ein erstes Glaubensbekenntnis. Dieses hat er nicht aus sich, sondern er hat es selbst bei seiner Bekehrung zu Jesus Christus empfangen. Wahrscheinlich geht dieses Glaubensbekenntnis auf die Urgemeinde in Jerusalem und die Apostel selbst zurück. Diese Worte bilden den Kern unseres Glaubensbekenntnisses bis heute.

Im Laufe der Zeit wurde dieses kurze Glaubensbekenntnis ergänzt. Grund dafür waren meistens Fehlinterpretationen des Glaubens. Es hat immer wieder große Streitigkeiten in der Kirche gegeben, was genau das Fundament des Glaubens ist. Wenn einer davon abgewichen ist, hat die Kirche versucht zu korrigieren. Oft ist es zu Spaltungen gekommen. Wir sehen ja heute, dass es nicht nur eine christliche Kirche gibt, sondern mehrere Konfessionen und auch christliche Sekten.

Die Kernbotschaft des Christentums ist, dass Jesus Christus für unsere Sünden gestorben ist. Er hat uns erlöst, uns befreit von der Macht der Sünde und des Todes. Er hat selbst den Tod auf sich genommen, ist begraben worden, dann aber auferstanden.

Dass es einen charismatischen Führer gibt, der die Menschen begeistert, der dann aber irgendwann einmal stirbt, ist nichts Besonderes. Das Einzigartige an Jesus Christus ist seine Auferstehung. Nur diese ist auch die Grundlage dafür, dass er uns erlösen konnte. Weil er sich selbst aus der Macht des Todes befreit hat, kann er auch uns davon befreien und mit hinein nehmen in das neue Leben der Auferstehung.

Nun könnte diese Auferstehung ja etwas sein, das sich die Jünger Jesu ausgedacht haben. Dann wäre der Glaube eine Täuschung, kein wirkliches Fundament und dann würde die Kirche einstürzen wie ein Kartenhaus und jeder, der sich auf den christlichen Glauben verlassen hat, würde enttäuscht werden. Es braucht Zeugen der Auferstehung, um deutlich zu machen, dass sich das Christentum nicht auf Täuschung sondern auf Tatsachen aufbaut.

Paulus führt die Zeugen der Auferstehung an. Zunächst einmal steht die Auferstehung in der großen Tradition der Schriften des Alten Testamentes. Schon dort wird bezeugt, dass der Messias von Gott auferweckt wird. Es würde zu weit führen, hier die einzelnen Textstellen anzuführen, die dies belegen. Wichtig ist die Tatsache, dass die Auferstehung Jesu Christi schon lange prophezeit worden ist.

Wichtigster und erster Zeuge der Auferstehung ist Petrus, Kephas, der Fels, auf den Jesus Christus seine Kirche baut, dann der Kreis der Zwölf. Ihnen ist Jesus als der Auferstandene erschienen. Wir fragen uns, wo hier die Frauen sind. Diese waren doch die ersten Zeugen der Auferstehung. In der Zeit, als Paulus seinen Brief geschrieben hat, galt aber vor Gericht nur das Zeugnis von Männern. Paulus will den Beweis für die Auferstehung hieb und stichfest erbringen, unangreifbar. Daher nennt er nur männliche Zeugen.

Doch allein die Zwölf wären aber zu wenig als Zeugen. Jesus Christus ist auch noch mehr als fünfhundert Männern erschienen. Zudem sind viele von diesen noch am Leben, könnten also befragt werden. Ein solches Zeugnis wäre vor jedem Gericht als wahrheitsgemäß angenommen worden. Die Auferstehung Jesu Christi ist somit eine historische Tatsache, die eindeutig belegt ist und die Grundlage für den Glauben jedes einzelnen bilden kann.

Dann erschien Jesus dem Jakobus, der eine wichtige Funktion in der Urgemeinde von Jerusalem innehatte und allen Aposteln. Paulus zählt also mehr als nur die Zwölf zu den Aposteln, womit er auch rechtfertigen kann, sich selbst Apostel zu nennen. Auch er hat den Auferstandenen gesehen, damals vor Damaskus. Das Licht seiner Herrlichkeit hat ihn geblendet und umgeworfen.

Paulus begegnet hier Vorwürfen, die andere gegen ihn erhoben haben. Wahrscheinlich wurde sein Apostelamt angezweifelt. Er sei kein wirklicher Apostel, sondern eine „Missgeburt“, ein Nachzügler, der sich etwas anmaßt, das ihm nicht zukommt. Doch Paulus sieht sich von Gott legitimiert, der ihn mit seiner Gnade von einem Verfolger der Kirche zu einem ihrer wichtigsten Verkünder und Apostel gemacht hat.

Die Worte des Apostels Paulus machen und Mut. Wir können uns auf sein Zeugnis verlassen, wir können auf den Glauben an Jesus Christus bauen. Wenn wir auf ihn vertrauen, werden wir nicht enttäuscht. Jesus Christus lebt. Er ist auch heute mitten unter uns und geht mit uns. Wir sind gerufen als seine Zeugen in der Welt.

 

Psalm 32 (2) Freude über die Vergebung

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Da bekannte ich dir meine Sünde / und verbarg nicht länger meine Schuld vor dir. Ich sagte: Ich will dem Herrn meine Frevel bekennen. / Und du hast mir die Schuld vergeben.

Darum soll jeder Fromme in der Not zu dir beten; / fluten hohe Wasser heran, ihn werden sie nicht erreichen.

Du bist mein Schutz, bewahrst mich vor Not; / du rettest mich und hüllst mich in Jubel.

“Ich unterweise dich und zeige dir den Weg, den du gehen sollst. / Ich will dir raten; über dir wacht mein Auge.”

Werdet nicht wie Ross und Maultier, / die ohne Verstand sind. Mit Zaum und Zügel muss man ihr Ungestüm bändigen, / sonst folgen sie dir nicht.

Der Frevler leidet viele Schmerzen, / doch wer dem Herrn vertraut, den wird er mit seiner Huld umgeben.

Freut euch am Herrn und jauchzt, ihr Gerechten, / jubelt alle, ihr Menschen mit redlichem Herzen!

Psalm 32 zeigt die befreiende Wirkung der Vergebung. Wer die Sünde verbergen will, sich ständig rechtfertigt, die Tatsachen verdreht, der verfängt sich immer mehr in ihrem Geflecht, er stöhnt, ist ermattet und verdorrt, wie eine Pflanze im heißen Sommerwind, der das Wasser fehlt.

Wir kennen sicher das befreiende Gefühl, „wenn es endlich raus ist“, wenn wir den Mut hatten, etwas zu sagen, was uns schwer fiel, wenn wir endlich vor jemanden getreten sind, und ihn um Verzeihung gebeten haben. Die Last fällt von unserer Schulter und wir fühlen uns erleichtert.

Jetzt kann es weiter gehen. Wir sind im Leben einen Schritt vorangekommen, eine neue Perspektive öffnet sich. Das Leben fällt uns leichter. Wir fühlen uns plötzlich beschützt und geborgen. Was uns vorher Angst machte, kann uns nicht mehr erschüttern. Wie auf Flügeln gelangen wir durch die Schwierigkeiten, die sich uns in den Weg stellen wollen.

Nun spricht Gott im Psalm. Er selbst ist es, der uns führt uns leitet. Er zeigt uns den Weg. Sein Auge wacht über uns. Gottes Wacht – zu unserem Schutz. Er sieht auch unsere Fehler, wenn wir den Weg verlassen, den er uns zeigt. Dann gilt es wieder umzukehren, Kurskorrektur, immer wieder.

Vergebung ist kein einmaliges Geschehen im Leben, sondern etwas, dessen wir immer wieder bedürfen. Immer wieder werden Prüfungen auf uns zukommen, Ereignisse, die uns zeigen, ob wir schon aus unseren Fehlern gelernt haben und bereit sind für den nächsten Schritt.

Nicht zügellos durchs Leben laufen. Wenn Ross und Maultier keinen Herren haben, dann nutzen sie dem Menschen nichts. Wer sie aber zügelt, der gelangt mit ihnen dorthin, wohin er will. Ziele erreicht man nur durch Zielstrebigkeit, Disziplin.

Welches Ziel habe ich? Was nützen Zaum und Zügel, wenn wir nicht wissen, wohin es gehen soll. Ziellosigkeit ist die Ursache vieler Übel. Vielleicht ist es heute für viele Menschen das Wichtigste, erst einmal ein Ziel zu finden. Wohin soll mein Leben gehen? Was will ich erreichen?

Ich werde still uns schaue in mich hinein. Schaue auf meine wunden Punkte, auf das, was Heilung braucht. Aber nicht nur unsere Fehler verstecken wir. Allzu oft verbergen wir auch unsere Wünsche und Sehnsüchte. Wir haben die Hoffnung aufgegeben, dass sie erfüllt werden könnten, weil wir so oft enttäuscht wurden und gescheitert sind.

Ich schaue in die Tiefen meines Herzens, dort, wo ich meine Wünsche und Sehnsüchte vergraben habe, und hole sie hervor, halte sie in Gottes Licht. Im Anschauen meiner Wünsche und Sehnsüchte erkenne ich mein Ziel. Gott wird mir den Weg zeigen, auf dem ich es erreichen kann.

Nun kann ich mich freuen, jauchzen und jubeln und mit neuer Kraft durchs Leben gehen.

 

Psalm 32 (1) – Last der Schuld

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Wohl dem, dessen Frevel vergeben / und dessen Sünde bedeckt ist.

Wohl dem Menschen, dem der Herr die Schuld nicht zur Last legt / und dessen Herz keine Falschheit kennt.

Solang ich es verschwieg, waren meine Glieder matt, / den ganzen Tag musste ich stöhnen.

Denn deine Hand lag schwer auf mir bei Tag und bei Nacht; meine Lebenskraft war verdorrt wie durch die Glut des Sommers.

Psalm 32 beginnt mit einem Glückwunsch, einem Glückwunsch der bereits im Aussprechen in Erfüllung gegangen ist. Zu beglückwünschen ist derjenige, dem Sünde und Schuld vergeben ist. Vergeben und bedeckt, das meint sicher nicht unter dem Teppich gekehrt, sondern wirklich weggenommen.

Das Bild, das mir bei diesem Psalm in den Sinn kommt, ist das eines Menschen, dem eine große Last bedrückt, von der er schließlich befreit wird und nun wieder leben kann in Glück und Freude.

Viele Lasten legen wir uns selbst auf, oder wir haben sie plötzlich auf dem Rücken, ehe wir uns versehen. Das Leben ist voll von Ereignissen, die oft unvorbereitet auf uns zukommen. Wir müssen lernen, mit diesen Ereignissen richtig umzugehen. Oft sind schnelle Entscheidungen gefragt, und manchmal sind es die falschen.

Ein Augenblick kann das Leben grundlegend verändern. Ein böses Wort kann Beziehungen vergiften. Es war vielleicht nicht so gemeint, aber ich war eben schlecht drauf und da ist es mir über die Lippen gekommen, scharf wie ein Messer, verletzend für den, den es traf.

Wir alle kennen solche Ereignisse, wissen, wie Schuld entsteht, wie wir uns darin immer mehr verstricken, weil wir zu stolz sind, um Vergebung zu bitten oder es einfach nicht können. Wir wollen uns rechtfertigen oder wir schämen uns und gehen dem anderen aus dem Weg.

Nun liegt die Last auf unserer Schulter. Auch wenn wir sie aus unserem Gedächtnis verdrängen, bohrt sie in uns oft unbewusst weiter, zerfrisst uns innerlich. Wir wissen vielleicht selbst nicht, was da mit uns geschieht, kennen nicht die Ursache, weil wir unsere Schuld verdrängt haben. Da gilt es, ehrlich zu sein, in uns hinein zu hören, heraufzuholen, was wir tief unten eingelagert haben.

Wir dürfen unsere Schuld vor Gott hinhalten. Wir dürfen unsere Dunkelheit in sein Licht stellen. Nur so kann sich unsere Schuld verwandeln. Alles, was wir unseren Mitmenschen antun, betrifft auch unsere Beziehung mit Gott. Ich kann nicht andere Menschen verletzen und dann vor Gott mit reinem Herzen stehen. Ich kann meine Sünde nicht vor Gott verbergen. Er kennt mich durch und durch.

Gott will, dass wir ehrlich sind. Er weiß, dass kein Mensch perfekt ist. Gott will auch nicht, dass wir aus Angst vor Fehlern uns gar nicht mehr unter Menschen wagen. Gott will, dass wir leben, und dazu gehört es auch, Fehler zu machen. Sie sind die Schule, durch die wir gehen müssen. Aber wir müssen auch den richtigen Umgang mit diesen Fehlern lernen, damit wir weiter kommen.

Wenn wir zu unseren Fehlern stehen, dann werden sie für uns zu einer Leiter, die uns immer weiter nach oben führt. Gott will uns vergeben, aber das kann er nur, wenn wir ihn offen darum bitten und unsere Fehler auch formulieren. Ein bloßes: ja ich habe viel falsch gemacht im Leben – hilft da nicht weiter und nützt uns nichts. Was habe ich konkret falsch gemacht? Nur wenn ich eine Situation gezielt anschaue, kann ich es das nächste Mal besser machen.

Wenn wir die Steine auf unserem Weg nicht erkennen, wundern wir uns immer wieder, warum wir darüber stolpern.

 

1.Korintherbrief – Gnadengaben 1Kor 12,4-11

Gnadengaben

4 Es gibt verschiedene Gnadengaben, aber nur den einen Geist.

5 Es gibt verschiedene Dienste, aber nur den einen Herrn.

6 Es gibt verschiedene Kräfte, die wirken, aber nur den einen Gott: Er bewirkt alles in allen.

Paulus macht deutlich, dass alle Befähigungen in ihrer Vielzahl einen gemeinsamen Ursprung haben: den dreifaltigen Gott. Gottes Kraft wirkt durch den Herrn Jesus Christus im heiligen Geist. Auf den ersten Blick unscheinbar, kommt in diesen drei Sätzen deutlich der trinitarische Charakter der Charismen zum Ausdruck.

Gottes Wirken setzt sich fort in der Zeit durch Menschen, die seinen Willen tun. Ob es sich aber bei dem, was Menschen tun, um eine Gabe Gottes oder allein um menschliches Profilierungsstreben handelt, lässt sich an einem Aspekt messen:

7 Jedem aber wird die Offenbarung des Geistes geschenkt, damit sie anderen nützt.

Ist das, was ein Christ tut, förderlich zum Aufbau der Gemeinde, oder führt es zu Streit und Spaltung? Wenn einer sich selbst in den Mittelpunkt stellt, dann bringt er Spaltung in die Gemeinde, weil sie sich formiert in Anhänger und Gegner seiner Person. Wem es aber um den Aufbau der Gemeinde geht, der stellt sich selbst in den Hintergrund. Nicht sein Licht in den Schatten, das ist hier nicht gemeint. Jeder darf mutig seine Gabe zum Einsatz bringen. Die Geschichte der Heiligen zeigt jedoch, dass eine besondere Gabe oft zu einer Bürde wird. Sie bringt nichts Herausragendes im irdischen Sinn, sondern ist eher eine Herausforderung, die dem Begabten oft unter seiner Begabung leiden lässt.

8 Dem einen wird vom Geist die Gabe geschenkt, Weisheit mitzuteilen, dem andern durch den gleichen Geist die Gabe, Erkenntnis zu vermitteln,

9 dem dritten im gleichen Geist Glaubenskraft, einem andern – immer in dem einen Geist – die Gabe, Krankheiten zu heilen,

10 einem andern Wunderkräfte, einem andern prophetisches Reden, einem andern die Fähigkeit, die Geister zu unterscheiden, wieder einem andern verschiedene Arten von Zungenrede, einem andern schließlich die Gabe, sie zu deuten.

Paulus gibt hier einen kurzen Überblick über die verschiedenen Gnadengaben. Wir verstehen das, was hier gemeint ist, leichter, wenn wir auf Christus blicken. In ihm wirkte Gottes Kraft in ihrer ganzen Fülle und er hat alle Gnadengaben in ihrer Fülle in sich vereinigt. Er besaß Gottes Weisheit und hat diese den Menschen verkündet. Er besaß die Kraft, Krankheiten zu heilen, ja sogar Tote zum Leben zu erwecken. Kein Geheimnis war ihm fremd, alles war ihm offenbar und davon hat er Kunde gebracht. Schließlich hat er sein Leben gering geachtet und sich für uns alle hingegeben.

Die Menschen, die in der Nachfolge Christi leben, teilen sich diese Kräfte. Der Geist teilt jedem seine Gabe zu, so wie es Gott gefällt. Kein einzelner Mensch kann in seiner Fülle das wirken, was Christus getan hat, aber die Gemeinde in ihrer Ganzheit, die Christi Leib in seiner bleibenden Gegenwart darstellt, kann durch die Summe ihrer Glieder, der einzelnen Christen, das Wirken Christi durch die Zeiten fortführen.

Die Gemeinde als Ganzes tut das, was Christus getan hat. Da gib es Christen, die in besonderer Weise Einblick in die Geheimnisse Gottes haben und den Menschen Weisheit vermitteln können. Andere verstehen die Zusammenhänge dieser Welt in besonderer Weise und können Erkenntnis vermitteln. Andere besitzen Glaubenskraft, die Berge versetzen kann. Mit ihrem Gebet können sie Großes bewirken. Andere können wie Christus Kranke heilen, können Menschen befreien von den Leiden und Zwängen, in denen sie lieben.

Wieder anderen ist die Gabe der Prophetie geschenkt. Sie erkennen tiefe Zusammenhänge und sehen voraus, was geschehen wird. Eine wichtige Gabe ist die Unterscheidung der Geister. Wenn es viele Stimmen in der Gemeinde gibt, welche ist die Stimme Gottes? Woran kann man sich orientieren? Anderen ist die Gabe der Zungenrede gegeben. Diese ist nicht unumstritten. Für manche ist es ein unverständliches Lallen, andere aber sehen darin eine Schau unergründlicher Geheimnisse, die andere zu deuten wissen.

11 Das alles bewirkt ein und derselbe Geist; einem jeden teilt er seine besondere Gabe zu, wie er will. (1Kor 12,4-11)

Noch einmal macht Paulus deutlich, dass alle diese Gnadengaben ihren Ursprung haben in dem einen Geist, der diese schenkt. Alle diese Gnadengaben sind wichtig für die Gemeinde und eine Gemeinde kann nur leben, wenn sie diese Gaben in sich vereinigt. Nur so stellt sie den Leib Christi dar, dessen Bild auf Erden sie ist. Dieses Bild von der Gemeinde als Leib Christi führt Paulus im folgenden Abschnitt noch deutlicher aus.

Beten wir darum, dass auch heute in unseren Gemeinden die Gnadengaben wirksam sind. Nur so können wir Gottes Wirken auf Erden fortsetzen in einer Zeit, die dieser Hilfe so sehr bedarf.

Gott. Du hast uns verschiedene Gaben geschenkt.

Keinem gabst du alles – und keinem nichts.

Jedem gibst du einen Teil.

Hilf uns, dass wir uns nicht zerstreiten,

sondern einander dienen mit dem,

was du einem jeden zum Nutzen aller gibst.

Erster Korintherbrief – Einführung

An den ersten Sonntagen im Jahreskreis hören wir verschiedene Abschnitte aus den Briefen des Apostels Paulus an die Korinther. Das gibt uns Gelegenheit, einen Blick auf diese Stadt und die Hintergründe zu den Themen der Briefe zu werfen.

Paulus, durch Gottes Willen berufener Apostel Christi Jesu, und der Bruder Sosthenes an die Kirche Gottes, die in Korinth ist. (1Kor 1,1-2a)

Der erste und zweite Korintherbrief sind Teil einer umfangreichen Korrespondenz, die Paulus mit der Gemeinde dieser Stadt führte. Korinth war damals eine bedeutende Handelsstadt. An der Meerenge zwischen dem griechischen Festland und der Halbinsel Peloponnes gelegen, hatte sie Zugang sowohl zur Ägäis im Osten als auch zum Ionischen Meer im Westen und verfügte über zwei Häfen. Das alte Korinth war von den Römern im Jahr 146 v.Chr. dem Erdboden gleich gemacht worden. Erst im Jahr 27 v.Chr. erfolgte unter Julius Caesar die Neugründung der Stadt als römische Kolonie.

Die Bevölkerung der Stadt bestand zu einem großen Teil aus römischen Veteranen. Der blühende Handel zog aber Menschen aus allen Teilen des Reiches an, so dass wir von einer bunt gemischten Bevölkerung ausgehen müssen, in der neben dem römischen Götterkult auch eine Vielzahl orientalischer Kulte gepflegt wurde. Ebenso gab es in der Stadt eine große jüdische Gemeinde, die in Folge des Judenedikts des Kaiser Claudius, durch welches um das Jahr 49 alle Juden aus Rom ausgewiesen wurden, noch weiter gewachsen ist.

Die Apostelgeschichte (Apg 18) berichtet davon, dass Paulus die christliche Gemeinde von Korinth auf seiner zweiten Missionsreise gegründet hat. Nachdem er den ersten Schritt von Asien nach Europa gemacht hat, wandert er über Philippi, Thessalonich und Athen nach Korinth. Von dort fährt er mit dem Schiff zurück nach Ephesus in Kleinasien. In Korinth begegnet Paulus den jüdischen Eheleuten Priszilla und Aquila, die nach ihrer Ausweisung aus Rom in Korinth eine neue Bleibe gefunden haben. Sie üben ebenso wie Paulus das Handwerk eines Zelttuchmachers aus, nehmen Paulus in ihr Haus auf und werden zu wichtigen Mitarbeitern, die Paulus auch in seinen Briefen erwähnt.

Paulus bleibt verhältnismäßig lange in Korinth, wohl etwa anderthalb Jahre. Dieser Aufenthalt ist in die Zeit zwischen den Jahren 49 und 52 zu datieren. Bald wird die Wohnung von Priszilla und Aquila zu klein für die Versammlungen der stetig wachsenden Gemeinde. Paulus zieht daher in das Haus des Titus Justus um, der wahrscheinlich ein vornehmer Römer war, der als Gottesfürchtiger dem Judentum nahe stand. Die kulturelle, religiöse und soziale Vielfalt der Stadt spiegelt sich auch in der christlichen Gemeinde wider. Neben ehemaligen Heiden gab es auch Judenchristen. Ein großer Teil der Gemeinde gehörte den sozial niedrigen Schichten an, es gab aber auch eine gewisse Anzahl von Angehörigen der Oberschicht.

Diese inhomogene Zusammensetzung der Gemeinde führt zu zahlreichen Spannungen, die in den Briefen des Paulus ihren Niederschlag finden. Nach dem Weggang des Paulus ist es zu Spaltungen gekommen. Es gab verschiedene Gruppierungen. Die einen sahen sich als Anhänger des Paulus, andere als Anhänger des Apollos, eines weiteren christlichen Missionars. Zudem kam es zu sittlichen Verfehlungen, die Paulus aufs schärfste verurteilt. Es gab zudem Mitglieder, die das soziale Ungleichgewicht in der Gemeinde auch im Gottesdienst sichtbar werden ließen, indem sie sozial niedriger gestellten Gemeindemitgliedern einen untergeordneten Platz zuwiesen. Sind die Worte des Paulus im Ersten Korintherbrief noch gemäßigt, so wird sein Ton im zweiten Brief schärfer, da sich die Missstände wohl eher ausgeweitet als gemindert haben. Zudem scheint sich die Opposition gegen Paulus verstärkt zu haben.

Neben der Kritik von Missständen, die Paulus durch Leute aus der Gemeinde zu Ohren gekommen sind, nimmt Paulus im Ersten Korintherbrief auch Bezug auf Anfragen aus der Gemeinde, die ihm übersandt wurden. Diese betreffen hauptsächlich die im Brief behandelten Themen Ehe und Ehelosigkeit, Jungfrauen, Essen von Götzenopferfleisch, Geistesgaben, die Kollekte für Jerusalem und des Missionar Apollos. Entstanden ist der der Erste Korintherbrief wahrscheinlich im Jahr 54 in Ephesus.

Epiphanie (2) Freude am Licht

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Auf, werde Licht, denn es kommt dein Licht, und die Herrlichkeit des Herrn geht leuchtend auf über dir. Völker wandern zu deinem Licht und Könige zu deinem strahlenden Glanz. Du wirst es sehen, und du wirst strahlen, dein Herz bebt vor Freude und öffnet sich weit. (Jes 60, 1.3.5)

Wir dürfen uns die Worte des Propheten Jesaja auf der Zunge zergehen lassen, sie immer und immer wieder lesen. Sie sind eine unvergängliche Zusage an uns, dass das Licht mächtiger ist als die Finsternis und das Helle kraftvoller als die Schatten. Wir haben keinen Gott, der uns fesselt und niederdrückt, sondern einen Gott, der uns aufrichtet und unseren Blick zum Licht lenkt. Er hat sich selbst klein gemacht, um uns groß herauskommen zu lassen.

Stauend dürfen wir das Geheimnis betrachten, das Gottes Liebe uns schenkt. Im Dunkeln geht ein Licht auf und in der Nacht leuchtet ein heller Stern. Schon dem Volk Israel galt diese Verheißung und es durfte immer wieder Gottes Licht im Dunkel seiner Geschichte erfahren. Seit der Wende der Weltgeschichte spricht Gott diese Verheißung allen Völkern zu. Dafür sind die Magier, von denen wir heute im Evangelium hören, sichtbare Zeugen. Sie führen den Zug der Völker zum göttlichen Kind an, den Jesaja stauend vorausgesagt hat. Sie kommen von weit her mit ihren Gaben, um dem göttlichen Kind ihre Gaben zu bringen.

Sicher war ihr Weg manchmal beschwerlich und gefährdet, führte über hohe Berge und durch die endlosen Weiten der Wüste und als sie fast schon am Ziel sind, verlieren sie plötzlich die Orientierung und landen bei einem grausamen König, der versucht, sie zu manipulieren. Aber sie geben nie die Hoffnung auf und dann sehen sie ihn plötzlich wieder, den Stern, der ihnen den Weg gezeigt hat und sie kommen zum Ziel ihrer langen Reise. 

Als sie den Stern sahen, wurden sie von sehr großer Freude erfüllt. (Mt 2,10)

Der Weg der Magier hin zum Kind von Betlehem, er kann ein Sinnbild sein für unseren Lebensweg. Vielleicht erscheint manchen Menschen heute die Rede von Gottes Sohn, der der Welt machtvoll erschienen ist, als fremd und fern ihrer Realität. Aber können wir uns nicht wiederfinden in diesen suchenden Menschen, die der Sehnsucht ihres Herzens gefolgt sind, fernab aller ausgetretenen Pfade und Konventionen? Menschen, die aus der Bahn geworfen wurden und am Rande des Scheiterns waren, die aber ihrer Sehnsucht treu geblieben sind und so zum Ziel gefunden haben.

Lasst auch uns auf die abenteuerliche Reise des Herzens zu Gott gehen! Lasst uns laufen! Lasst uns vergessen, was hinter uns liegt. Es ist noch alles Zukunft. Es sind noch alle Möglichkeiten des Lebens offen, weil wir Gott noch finden, noch mehr finden können. Nichts ist vorbei und dem verloren, der Gott entgegenläuft, dessen kleinste Wirklichkeit größer ist als unsere kühnsten Illusionen, dem Gott, der die ewige Jugend ist, in deren Land keine Resignation wohnt. (Karl Rahner)

Ich wünsche Ihnen die Kraft und den Mut, Ihren ganz persönlichen Weg der Sehnsucht zu gehen. Möge der Stern allezeit hell über Ihrem Leben leuchten.

Neujahr – Segen

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Im Buch lässt Gott den Priester Aaron im Auftrag des Mose den Segen über die Versammlung des Volkes sprechen (Num 6,22-27) :

Der Herr sprach zu Mose:

Sag zu Aaron und seinen Söhnen: So sollt ihr die Israeliten segnen; sprecht zu ihnen:

Der Herr segne dich und behüte dich.

Der Herr lasse sein Angesicht über dich leuchten und sei dir gnädig.

Der Herr wende sein Angesicht dir zu und schenke dir Heil.

So sollen sie meinen Namen auf die Israeliten legen, und ich werde sie segnen.

Seither wurden diese Segensworte unzählige Male gesprochen. Sie waren fester Bestandteil des Tempelkults und gehören bis heute zum Synagogengottesdienst. Das Christentum übernahm diese Segensworte in der Liturgie zunächst nicht, erst die Reformatoren empfahlen sie als Segensspruch zum Abschluss des Gottesdienstes und seit der Liturgiereform des II. Vatikanums sind sie auch in der katholischen Liturgie als Variante des Schlusssegens möglich. Als Lesungstext am Neujahrstag stellt die Kirche diese Segensworte an den Anfang eines jeden neuen Jahres.

Menschen sehnen sich nach dem Zuspruch des Segens, der ihr Leben vor gefährlichen Ereignissen und Schicksalsschlägen schützen soll. Viele scheuen hier nicht vor Aberglauben und Scharlatanerie zurück, in der Astrologie erhofft man sich durch günstige Interpretation der Sternbilder Sicherheit. Kann es aber überhaupt so etwas wie Segen geben? Stehen nicht alle in gleicher Weise den Launen des Schicksals gegenüber, das dem einen günstig, dem anderen übel gesonnen ist? Oder kommt es allein darauf an, positiv zu denken, womit positive oder negative Ereignisse dann allein die Folge unserer inneren Einstellung wären?

Leben bleibt immer eine Herausforderung für jeden Menschen. Es wird Zeiten geben, in denen es uns gut geht und uns alles leicht fällt, und Zeiten, in denen manches schwer fällt. Unser Leben ist eingebettet in globale, ja kosmische Zusammenhänge, die wir als einzelne kaum beeinflussen und oft nicht einmal durchschauen können. Der Ort, an dem wir leben, trägt viel zu den Chancen bei, die wir im Leben haben. Aber es gibt immer unendliche Möglichkeiten, die wir verpassen können, die wir aber auch Wirklichkeit werden lassen können.

Ich brauche aber noch etwas anderes in meinem Leben. Ich brauche den Zuspruch von Menschen und die Erfahrung, dass ich angenommen und geliebt bin. Menschen, die diese Erfahrung in ihrer Kindheit nicht machen konnten, leiden oft ihr ganzes Leben lang darunter. So viel Unheil geschieht in der Welt, weil Menschen einander verachten und verstoßen. Menschen irren ziellos umher, weil sie nirgendwo den Zuspruch erfahren, wirklich angenommen und geliebt zu sein.

Segen bedeutet die feste Zusage: du bist angenommen, du bist geliebt. Im Segen ist diese Zusage nicht zeitlich oder räumlich begrenzt, sondern sie wird absolut, weil sie sich von den Menschen löst, die diese Zusage geben, und rückgebunden wird an Gott. Menschen sind veränderlich. Sie können die Zusage ihrer Liebe begrenzen. Sie können ihre Liebe an Bedingungen knüpfen. Im Streit kann Liebe zerbrechen, oder wir verlieren einen geliebten Menschen durch Trennung oder durch den Tod. Gott bleibt und mit ihm seine Zusage an jeden Menschen: du bist angenommen, du bist geliebt.

Segen ist nicht nur ein frommes Wünschen, sondern ein Geschehen in Gottes Namen, hinter dem Gott selbst steht. Gottes Segen trägt uns durch unser ganzes Leben, richtet uns auf, wenn wir fallen und hält uns, wenn wir nach oben steigen. Gottes Zusage an uns ist an keine Bedingungen geknüpft. Nur wir selbst können Gott von uns weisen, wenn wir ihn nicht in unser Leben lassen. Aber seine Hand bleibt stets ausgestreckt, um uns zu halten, wenn wir danach greifen.

Der Herr segne dich und behüte dich.

Der Herr lasse sein Angesicht über dich leuchten und sei dir gnädig.

Der Herr wende sein Angesicht dir zu und schenke dir Heil.

Der Aaronsegen besteht aus drei Teilen. Jeder Teil bedeutet eine Steigerung des vorangegangenen. Das wir im Urtext auch in der Struktur deutlich. Der erste Teil besteht aus drei Worten, der zweite aus fünf und der dritte aus sieben Worten.

Der Herr segne dich und behüte dich.

Im ersten Teil des Segens wird dem Menschen im Namen Gottes Glück und Heil zugesprochen, die Bewahrung vor allem Übel und allem Unheil. Gottes Segen behütet den Menschen vor allem Bösen, und allem, was ihm schadet. Gott bereitet mit seinem Segen so die Grundlage, dass Leben möglich ist. Doch Leben bedeutet mehr. Wir sind keine Maschinen, die nur Treibstoff benötigen.

Der Herr lasse sein Angesicht über dich leuchten und sei dir gnädig.

Gottes Segen ist wie die Sonne an schönen Tagen. Wir können auch gut leben, wenn die Sonne einmal nicht scheint, natürlich. Aber jeder weiß, wie das Leben an einem Sonnentag schöner ist. So sagt uns der erste Teil des Segens das zu, was wir zum Leben brauchen, der zweite Teil aber, was unser Leben noch schöner macht.

Gottes liebende Wärme strahlt auf mich. Wie die Sonne, die uns mit ihren Strahlen wärmt, spüre ich Gottes Liebe, die mich durchdringt. Wie gesund und wohltuend sind die Strahlen der Sonne (im rechten Maß genossen). Sie scheint für alle. Wir müssen uns nur den richtigen Platz suchen ohne Schatten, wenn wir sie empfangen wollen. So strahlt Gottes Segen von seinem Antlitz auf uns, in grenzenloser Fülle.

Gottes Angesicht leuchtet. Kein Mensch vermag Gottes Angesicht zu sehen, das war eine Überzeugung der Menschen des Alten Testaments. Und doch ist Gottes Antlitz Garant für die Nähe Gottes bei seinem Volk. Gott ist für das Volk, was die Sonne für die Erde ist. Wenn sein Antlitz nicht über den Menschen leuchtet, vergeht das Volk, so wie auf der Erde ohne Sonne kein Leben möglich ist.

Gottes Liebe zeigt sich in seiner Gnade. Gnade, dieses in unserer modernen Sprache so fremde Wort meint ein unverdientes Geschenk. Gott gibt uns, was wir zum Leben brauchen, aber er gibt uns noch mehr. Das Leben besteht nicht nur im sättigen der materiellen Bedürfnisse. Klar, wir brauchen Essen, ein Dach über dem Kopf. Aber Leben ist mehr. Wir freuen uns über Musik, Bewegung, Schönheit. Gott schenkt uns geistige Schönheit, Lieder, die wir freudig singen, Bilder, die Glanz in unser Leben bringen. Gott gibt uns Anteil an seiner Schönheit.

Der Herr wende sein Angesicht dir zu und schenke dir Heil.

Was kann noch großer sein, als im Glanz von Gottes Gnade zu ruhen? Hier im Segen erfahren wir es. Gott wendet uns sein Antlitz zu. Gottes Liebe scheint nicht auf uns wie das Licht der Sonne, das sich unpersönlich in alle Richtungen ausbreitet. Gott wendet sich uns konkret zu. Gott ist kein diffuses Gebilde, Gott ist Person. Mit Gott ist Kommunikation möglich. Er schaut auf uns, auf jeden einzelnen.

Das den Menschen zugewandte Antlitz Gottes ist in Jesus Christus konkret geworden. In ihm hat Gott uns sein Antlitz gezeigt, ein menschliches Antlitz voll Güte und Liebe. Jesus schaut die Menschen an, sieht ihre äußeren und inneren Nöte und allein dieser Blick schon ist der erste Weg der Heilung. Wer diesen Blick zulässt, ist gerettet.

Gott will in eine persönliche Beziehung eintreten mit mir, in einen lebendigen Dialog. Oft ist das ein Dialog der Stille, wenn ich vor Gottes Blick ruhe, mich von allem löse, was mich umgibt und so vor ihm stehe, wie ich bin. Der Dialog mit Gott geht aber auch im Alltag weiter, wenn ich alles, was ich tue, versuche, in seinem Namen zu tun. Gott begleitet all mein tun. Er schaut auf mich in allen Situationen meines Lebens. Er will mich führen und leiten.

Das Leben vor Gottes Angesicht ist ein Leben in Heil und Frieden. Das letzte Wort des Segens ist Schalom. Was Schalom bedeutet, lässt sich nicht in einem deutschen Wort wiedergeben. Schalom meint Frieden und Heil in seiner ganzen Fülle, einen ganz und gar lebenswerten Zustand, das Ziel unserer Sehnsucht nach Leben in Fülle. Es ist ein Zustand, in dem alles an mir heil ist, wenn aller Hass – das Gegenteil von Segen – besiegt ist. Wenn ich mich bei Gott geborgen weiß. Schalom ist die höchste Gabe des Segens.

Viele Worte können das nicht erklären, was in dem kurzen Segenswort liegt. Lassen wir uns die Worte des Aaronsegens immer wieder zusprechen, sprechen wir sie uns selbst zu, betrachten wir sie und lassen sie an uns wirken. Lassen wir Gottes Segen an uns konkret werden.

Das wünsche ich Ihnen für das neue Jahr, dass Gottes Segen in Ihrem Leben immer mehr konkret wird.

 

Weihnachten 2015

Weihnachten_11

Weihnachten lässt uns staunen. Wir denken an die glänzenden Augen der Kinder, die sich über den Weihnachtsbaum und die Geschenke darunter freuen, wenn es nach langem Warten endlich Zeit für die Bescherung ist.
Das Staunen gilt aber ganz besonders dem Kind in der Krippe. Engel und Menschen drängen sich um den Stall von Bethlehem, und sie stauen darüber, was dort geschehen ist.
Unscheinbar liegt da ein Kind in einer Krippe und neben ihm ruht seine Mutter Maria. Meist etwas abseits sieht der heilige Josef dem ungewöhnlichen Ereignis zu. Seine Rolle spielt am Rand und doch ist er es, der das Kind und dessen Mutter beschützt.
Wir staunen über die Schönheit des Kindes in der Krippe. Woher kommt diese Schönheit? Es ist der Glanz des Göttlichen, der hier aus dem Menschenkind leuchtet. Leo der Große sagt:

Durch diese wunderbare Geburt hat die gottgeweihte Jungfrau in ihrem Kinde die eine wahrhaft göttliche und zugleich wahrhaft menschliche Person zur Welt gebracht.

In Jesus Christus sind Gottheit und Menschheit eins. Das kleine Kind in der Krippe ist Gottes Sohn. So unscheinbar, und doch ist es das größte Wunder, das jemals auf Erden geschehen ist. Johannes Chrysostomus zeigt uns ein Beispiel, das uns hilft, die Größe dieses Wunder besser zu verstehen:

Denn wie würde es uns vorkommen, sähen wir die Sonne vom Himmel herabsteigen, auf der Erde umher wandeln und von hier aus allen Menschen ihre Strahlen zusenden? Würde nicht dieses Ereignis alle Zuschauer mit Staunen erfüllen?

Ja, würde die Sonne plötzlich ihre Position verändern, das würde uns zum Staunen bringen. Aber was hier geschieht, ist ein noch größeres Wunder. Gott, der größer ist als alle Sonnen, kommt auf unsere Erde. Was zeichnet diesen Glanz des Göttlichen aus? Ephräm der Syrer zeigt sein Staunen in folgenden Worten:

Wie demütig bist du und wie gewaltig zugleich, o Kindlein! Dein Gericht ist gewaltig, deine Liebe hold, wer vermag dir zu widerstehen? Dein Vater wohnt im Himmel, deine Mutter auf der Erde, wer kann dein Wesen erklären? … Wir sind gekommen, dich als Gott zu schauen, und siehe, du bist ein Mensch! Wir kamen, dich als Mensch zu sehen; da schimmerte hell das Licht deiner Gottheit hervor.

Der Glanz göttlicher Schönheit kommt von der absoluten Reinheit. Was Gottes Sohn von den Menschen unterscheidet, ist sein Freisein von der Sünde. Sünde ist Hässlichkeit. Die Sünde trübt den Glanz, den jeder Mensch in sich trägt. Gottes Sohn ist gekommen, um uns göttlichen Glanz zu schenken. Wenn wir im göttlichen Kind den Glanz der Schönheit Gottes erblicken, soll dieser Glanz auch unsere Schönheit leuchtend erstrahlen lassen.

Denn erschienen ist der Herr Jesus Christus, um von uns alle Befleckung zu nehmen, nicht um sich beflecken zu lassen, nicht um unseren Gebrechen zu unterliegen, sondern um sie zu heilen.
Die von der alten Befleckung gereinigte menschliche Natur gewinnt ihre frühere Würde wieder, der Tod wird durch den Tod bezwungen, die Geburt durch die Geburt erneuert; denn gleichzeitig wird durch die Erlösung die Knechtschaft aufgehoben, durch die Wiedergeburt die Geburt geändert und durch den Glauben der Sünder gerechtfertigt.

Diese Worte Leos des Großen zeigen uns, warum Gott Mensch geworden ist. Gott will uns unsere Schönheit wieder geben. Das Kind in der Krippe will uns zu sich ziehen. Es will die Scheu von uns nehmen, dass wir uns bloßstellen könnten, wenn wir uns klein machen vor ihm. Wenn Erwachsene mit Kindern spielen, so werden sie selbst oft lockerer, kindlicher, machen Dinge, die sie sonst nie tun würden. Gottes Sohn verlangt danach, dass wir so mit ihm spielend unsere Schönheit wieder erlangen. Ephräm der Syrer sagt:

Wie bist du, o Kind, so liebevoll munter! Allen überlässt du dich freundlich, lächelst jedem zu, der zu dir kommt, nach jedem, der dich ansieht, verlangst du liebreich. Deine Liebe sehnt sich nach den Menschen. Du unterscheidest deine Eltern nicht von den Fremden. Bringt dies deine kindliche Heiterkeit mit sich oder deine Liebe, o Allliebender? Was regt dich so an, jedem, der dich sieht, frei dich hinzugeben, Reichen sowohl als Armen? Es zieht dich zu ihnen, ohne dass sie dich riefen. Woher kommt es, dass du so nach den Menschen verlangst?
Wer sah je ein Kind, das nach den Nahen sehnsüchtig verlangt und vom Mutterschoß aus den Entfernten sich entgegenstreckt? Lieblicher Anblick: ein Kind, das sinnend so ganz nach jedem hinstrebt, dass alle es sähen! Wen irgendeine Sorge drückt, von dem entflieht, wenn er kommt und dich sieht, seine Sorge. Wer kummervoll nachsinnt, vergisst bei dir seinen Kummer.
Werde ruhig und still, und entlass die Menschen zu ihren Geschäften! Du bist ja ein Sohn von Armen; du weißt, wie den Armen zu Mute ist, die da feiernd kommen! O liebevoller Menschenfreund! Durch deine anziehende Heiterkeit hast du die Menschen zahlreich an dich gezogen.

Verweilen auch wir an der Krippe, Jesu Schönheit betrachtend, lassen wir uns verwandeln und gehen wir so als neue Menschen hinaus in unser Leben. Ich wünsche uns allen, dass wir immer mehr vom Glanz der Schönheit Gottes in uns tragen.

Ihnen allen ein frohes und gesegnetes Weihnachtsfest!

4. Advent – Begegnung (2)

AC4_Heimsuchung

Nach Franz von Sales ist der Grund für den Besuch Marias bei Elisabeth ein zweifacher:

„Sie ging hin, um das große Wunder oder die große Gnade zu sehen, die Gott dieser betagten und unfruchtbaren Frau erwiesen hatte, dass sie trotz ihrer Unfruchtbarkeit einen Sohn empfing. Sie wusste ja sehr wohl, dass es im Alten Bund eine Schande war, unfruchtbar zu sein. Da aber die gute Frau alt war, ging sie auch hin, um ihr in ihrer Schwangerschaft zu dienen und ihr jede Erleichterung zu verschaffen, die ihr möglich war. Zweitens geschah es, um ihr das tiefe Geheimnis der Menschwerdung mitzuteilen, das sich in ihr verwirklicht hat.“

Nicht allein um ihrer selbst willen eilt Maria zu Elisabeth. Nicht nur wegen der großen Wunder, die mit den beiden Frauen geschehen sind. Franz von Sales holt die Begegnung zwischen den beiden Frauen auf den Boden des Alltags. Maria hat eben erst empfangen, Elisabeth aber ist im sechsten Monat. Und in Maria bleibt drei Monate bei Elisabeth, wie wir später erfahren (Lk 1,56). Maria bleibt bei Elisabeth für die letzten Monate der Schwangerschaft, die Zeit, in der Elisabeth besonders nötig Hilfe brauchte.
Heiligkeit ist kein Schweben auf den Wolken. Heiligkeit ist vollendeter Alltag. Sie bedeutet, „das Gewöhnliche außergewöhnlich tun“, wie Franz von Sales sagt. Über die drei Monate, die Maria bei Elisabeth war, schreibt Lukas nichts, aber wir können uns vorstellen, wie sie ausgesehen haben. Maria hat Elisabeth beim Haushalt geholfen, beim Kochen, Putzen, Waschen. Wir sehen die beiden in der Küche beisammen sitzen, mit der Hausarbeit beschäftigt. Zwei ganz normale schwangere Frauen.
Heiligkeit lernen wir, wenn wir die Geheimnisse des Alltags entdecken. Gott finden in allen Dingen. In jeder noch so kleinen Kleinigkeit können wir Gott entdecken, jedes noch so kleine Tun kann ein Dienst für Gott sein. Alles was geschieht, kann uns Gott näher bringen. Mit offenen Augen durchs Leben gehen. Das Große zu entdecken, das sich hinter dem Unscheinbaren verbirgt, schult meine Dankbarkeit. Ich werde sensibel dafür, dass es viel mehr Gutes in der Welt gibt, als ich wahrnehme. So werde ich dann auch fähig, selbst das Gewöhnliche so zu tun, als wäre es etwas Außergewöhnliches: mit Freude und Liebe.

“Begegnen wir lieben Menschen, so freuen wir uns, sie zu sehen. Wir können also über die Begegnung mit einem lieben Menschen gar nicht anders als erfreut und glücklich sein.”

So sagt Franz von Sales. Begegnungen gehören zu unserem Alltag. Sobald wir auf die Straße gehen, begegnen wir anderen Menschen. Ein Großteil von ihnen geht an uns vorüber, ohne dass es zu einer wirklichen Begegnung kommt. Über manche Menschen ärgern wir uns vielleicht, sie stören uns, wenn sie unseren Weg kreuzen. Aber manchmal bleibe ich vielleicht stehen und es kommt unerwartet zu einem Gespräch.
Kann ich achtsamer werden gegenüber den Menschen, denen ich begegne? Wenigstens ein Lächeln schenken, statt eines teilnahmslosen oder gar mürrischen Blicks? Es hängt von mir ab, wie sich Begegnung ereignet. Begegnung kann das Leben bereichern. Ein kurzer Austausch mit einem fremden Menschen kann Fragen beantworten, die ich mir schon lange stelle, kann mir eine neue Sichtweise eröffnen. „Alles wirkliche Leben ist Begegnung“, hat Martin Buber einmal gesagt.

Begegnungen können ganz unscheinbar sein, und doch tiefe Wirkungen hervorrufen. Ein Mensch kann sich ein Leben lang dankbar an eine kleine Hilfe erinnern. Vielleicht können wir im Gedränge des Alltags auch Gott begegnen, wenn wir die Menschen um uns herum bewusst wahrnehmen. Unser Leben mit Gott ist immer auch Begegnung. Wir können Gott nur erfahren, wenn wir ihm begegnen. Unser Alltag bietet dafür mehr Gelegenheiten, als wir für möglich halten.
Gerade der Evangelist Lukas berichtet uns immer wieder von Begegnung, der Begegnung von Menschen mit Jesus von Nazaret. Diese Begegnung verändert das Leben meist tiefgreifend. Auch bei der Begegnung zwischen Maria und Elisabeth ist Jesus schon dabei im Leib Mariens. Johannes im Schoß der Elisabeth hüpft vor Freude und auch Elisabeth erkennt das Geheimnis, das Maria birgt: „Gesegnet bist du mehr als alle anderen Frauen, und gesegnet ist die Frucht deines Leibes.“

Als Elisabet den Gruß Marias hörte, hüpfte das Kind in ihrem Leib. Da wurde Elisabet vom Heiligen Geist erfüllt und rief mit lauter Stimme: Gesegnet bist du mehr als alle anderen Frauen, und gesegnet ist die Frucht deines Leibes. Wer bin ich, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt? In dem Augenblick, als ich deinen Gruß hörte, hüpfte das Kind vor Freude in meinem Leib. Selig ist die, die geglaubt hat, dass sich erfüllt, was der Herr ihr sagen ließ. (Lk 1, 41-45)

Freude liegt in der Begegnung dieser beiden schwangeren Frauen. Es ist eine vollkommene Freude, die nur Menschen erfahren, die ihre Freude in Gott suchen. Meine Freude ist es, deinen Willen, Gott zu tun, sagt der Psalmist. Das Kind in Mariens Schoß ist die Frucht dieser Freude am Ja zu Gottes Willen. Diese Freude spürt auch das Kind im Schoße Elisabeths.
Als Maria bei Elisabeth eintritt, spricht diese als Gruß an Maria die Worte, die wir bis heute im Ave Maria beten: Du bist gebenedeit unter den Frauen und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes. Elisabeth preist Maria selig, weil sie geglaubt hat, dass sich erfüllt, was der Herr ihr durch den Engel sagen ließ. Diesen ihren Glauben besingt Maria unmittelbar nach der Begrüßung im Magnificat (Lk 1,46-55). Die Freude über das Leben, das Gott so wunderbar in ihrem Schoß gewirkt hat, das verbindet die beiden Frauen Maria und Elisabeth. Dieses Leben ist nicht der Besitz dieser Frauen. Sie stehen beide im großen Zusammenhang des göttlichen Heilswirkens an den Menschen. Durch die Kinder dieser beiden Frauen will Gott der ganzen Welt Heil und Leben schenken.
An Weihnachten feiern wir den Anbruch der Zeit des Heils durch die Geburt des Kindes in der Krippe von Betlehem. Dieses Kind ruft auch uns zur Begegnung mit ihm. Bereiten wir uns auf diese Begegnung vor. Nur noch wenige Tage und dann feiern wir das Fest der lebendigen Begegnung, wenn Gottes Sohn auf Erden kommt, um unter den Menschen zu sein. Er ist immer nahe, gerade da, wo Begegnung geschieht, wie er selbst gesagt hat:

„Wo zwei oder drei in meinem Namen beisammen sind, da bin ich mitten unter ihnen.“ (Mt 18,20)

Weihnachten – Fest der Begegnung. Finden wir in all dem Weihnachtstrubel Raum für echte Begegnung, mit unseren Familien, Freunden und Verwandten – und mit Gott.

Zweiter Advent

AC2_Liebe

Liebe kann wachsen. Es gibt ein mehr und weniger in der Liebe. Liebe wird auch in Verbindung gebracht mit Einsicht und Verständnis. Ich kann nur das wirklich verstehen, was ich auch liebe. Die Liebe treibt dazu, tiefer zu gehen. Die Liebe führt dazu, dass mich jemand oder etwas erst wirklich interessiert. Durch die Liebe holen wir Personen und Geschehnisse an uns heran, in uns hinein, wir verbinden uns mit dem Schicksal anderer und lernen größere Zusammenhänge zu verstehen. Ich kann etwas aus reinem Pflichtgefühl tun, auch das ist sicher oft notwendig, aber ich kann etwas auch aus Liebe tun. Erst, wenn etwas aus Liebe geschieht, wird es zu einer erfüllten und sinnstiftenden Handlung.

Fragen wir uns einmal ganz ehrlich, wen und was liebe ich? Wohin geht meine Sehnsucht?

Die Liebe weist uns den Weg. Lernen wir, auf unser Herz zu hören. Dann finden wir den Weg zu der Vollendung, die Paulus des Philippern wünscht. Dann können wir verstehen und beurteilen, worauf es ankommt, können uns richtig entscheiden und so gerecht handeln. Das ist keine Eigenschaft, die man mal hat und mal nicht, sondern dieses Verstehen, wenn es einmal erlangt ist, geht in Fleisch und Blut über. Es ist ein Geschenk, das wir nur mit Liebe ersehnen können.

Ein Weg, in der Liebe zu Gott zu wachsen, ist seine Nähe zu suchen. Gottes Nähe finden wir im Gebet und im Betrachten der heiligen Schrift. Mutter Theresa hat einmal gesagt:

„Aus dem Gebet wächst der Glaube, aus dem Glauben wächst die Liebe, aus der Liebe wächst der Dienst.“

Wer beten lernt, macht die Erfahrung, dass wir auf einem tragfähigen Grund, dass wir in einer lebendigen Beziehung stehen. Das ist Glaube. Gott hört auf, ein ferner Bezugspunkt zu sein, er wird zum Partner, wird Gegenüber, Hörender und Rufender. Gott wird erfahren als der, der schon immer Ja zu mir gesagt hat, der Ja sagt zum Menschen, zu jedem einzelnen. Diese Erfahrung der Geborgenheit in Gott lässt mich auf seine Liebe mit meinem Ja antworten. Auf meinem liebenden Weg mit Gott erfahre ich ihn immer tiefer. Diese innere Erfahrung der Liebe Gottes lässt mich nach außen gehen, auf meine Mitmenschen und die Dinge um mich herum zu. Ich kann ihnen nicht anders begegnen als in Liebe, weil ich mich von Gott unendlich geliebt weiß.

Herr, schenke mir die Erfahrung deiner unendlichen Liebe.

Schenke mir die Fähigkeit, zu lieben.

Lass mich lieben ohne Vorbehalte.

Lass mich in der Liebe wachsen

und mach mich so immer mehr zu deinem Bild

zu dem du mich geschaffen hast.

Amen.