Weihnachten 2015

Weihnachten_11

Weihnachten lässt uns staunen. Wir denken an die glänzenden Augen der Kinder, die sich über den Weihnachtsbaum und die Geschenke darunter freuen, wenn es nach langem Warten endlich Zeit für die Bescherung ist.
Das Staunen gilt aber ganz besonders dem Kind in der Krippe. Engel und Menschen drängen sich um den Stall von Bethlehem, und sie stauen darüber, was dort geschehen ist.
Unscheinbar liegt da ein Kind in einer Krippe und neben ihm ruht seine Mutter Maria. Meist etwas abseits sieht der heilige Josef dem ungewöhnlichen Ereignis zu. Seine Rolle spielt am Rand und doch ist er es, der das Kind und dessen Mutter beschützt.
Wir staunen über die Schönheit des Kindes in der Krippe. Woher kommt diese Schönheit? Es ist der Glanz des Göttlichen, der hier aus dem Menschenkind leuchtet. Leo der Große sagt:

Durch diese wunderbare Geburt hat die gottgeweihte Jungfrau in ihrem Kinde die eine wahrhaft göttliche und zugleich wahrhaft menschliche Person zur Welt gebracht.

In Jesus Christus sind Gottheit und Menschheit eins. Das kleine Kind in der Krippe ist Gottes Sohn. So unscheinbar, und doch ist es das größte Wunder, das jemals auf Erden geschehen ist. Johannes Chrysostomus zeigt uns ein Beispiel, das uns hilft, die Größe dieses Wunder besser zu verstehen:

Denn wie würde es uns vorkommen, sähen wir die Sonne vom Himmel herabsteigen, auf der Erde umher wandeln und von hier aus allen Menschen ihre Strahlen zusenden? Würde nicht dieses Ereignis alle Zuschauer mit Staunen erfüllen?

Ja, würde die Sonne plötzlich ihre Position verändern, das würde uns zum Staunen bringen. Aber was hier geschieht, ist ein noch größeres Wunder. Gott, der größer ist als alle Sonnen, kommt auf unsere Erde. Was zeichnet diesen Glanz des Göttlichen aus? Ephräm der Syrer zeigt sein Staunen in folgenden Worten:

Wie demütig bist du und wie gewaltig zugleich, o Kindlein! Dein Gericht ist gewaltig, deine Liebe hold, wer vermag dir zu widerstehen? Dein Vater wohnt im Himmel, deine Mutter auf der Erde, wer kann dein Wesen erklären? … Wir sind gekommen, dich als Gott zu schauen, und siehe, du bist ein Mensch! Wir kamen, dich als Mensch zu sehen; da schimmerte hell das Licht deiner Gottheit hervor.

Der Glanz göttlicher Schönheit kommt von der absoluten Reinheit. Was Gottes Sohn von den Menschen unterscheidet, ist sein Freisein von der Sünde. Sünde ist Hässlichkeit. Die Sünde trübt den Glanz, den jeder Mensch in sich trägt. Gottes Sohn ist gekommen, um uns göttlichen Glanz zu schenken. Wenn wir im göttlichen Kind den Glanz der Schönheit Gottes erblicken, soll dieser Glanz auch unsere Schönheit leuchtend erstrahlen lassen.

Denn erschienen ist der Herr Jesus Christus, um von uns alle Befleckung zu nehmen, nicht um sich beflecken zu lassen, nicht um unseren Gebrechen zu unterliegen, sondern um sie zu heilen.
Die von der alten Befleckung gereinigte menschliche Natur gewinnt ihre frühere Würde wieder, der Tod wird durch den Tod bezwungen, die Geburt durch die Geburt erneuert; denn gleichzeitig wird durch die Erlösung die Knechtschaft aufgehoben, durch die Wiedergeburt die Geburt geändert und durch den Glauben der Sünder gerechtfertigt.

Diese Worte Leos des Großen zeigen uns, warum Gott Mensch geworden ist. Gott will uns unsere Schönheit wieder geben. Das Kind in der Krippe will uns zu sich ziehen. Es will die Scheu von uns nehmen, dass wir uns bloßstellen könnten, wenn wir uns klein machen vor ihm. Wenn Erwachsene mit Kindern spielen, so werden sie selbst oft lockerer, kindlicher, machen Dinge, die sie sonst nie tun würden. Gottes Sohn verlangt danach, dass wir so mit ihm spielend unsere Schönheit wieder erlangen. Ephräm der Syrer sagt:

Wie bist du, o Kind, so liebevoll munter! Allen überlässt du dich freundlich, lächelst jedem zu, der zu dir kommt, nach jedem, der dich ansieht, verlangst du liebreich. Deine Liebe sehnt sich nach den Menschen. Du unterscheidest deine Eltern nicht von den Fremden. Bringt dies deine kindliche Heiterkeit mit sich oder deine Liebe, o Allliebender? Was regt dich so an, jedem, der dich sieht, frei dich hinzugeben, Reichen sowohl als Armen? Es zieht dich zu ihnen, ohne dass sie dich riefen. Woher kommt es, dass du so nach den Menschen verlangst?
Wer sah je ein Kind, das nach den Nahen sehnsüchtig verlangt und vom Mutterschoß aus den Entfernten sich entgegenstreckt? Lieblicher Anblick: ein Kind, das sinnend so ganz nach jedem hinstrebt, dass alle es sähen! Wen irgendeine Sorge drückt, von dem entflieht, wenn er kommt und dich sieht, seine Sorge. Wer kummervoll nachsinnt, vergisst bei dir seinen Kummer.
Werde ruhig und still, und entlass die Menschen zu ihren Geschäften! Du bist ja ein Sohn von Armen; du weißt, wie den Armen zu Mute ist, die da feiernd kommen! O liebevoller Menschenfreund! Durch deine anziehende Heiterkeit hast du die Menschen zahlreich an dich gezogen.

Verweilen auch wir an der Krippe, Jesu Schönheit betrachtend, lassen wir uns verwandeln und gehen wir so als neue Menschen hinaus in unser Leben. Ich wünsche uns allen, dass wir immer mehr vom Glanz der Schönheit Gottes in uns tragen.

Ihnen allen ein frohes und gesegnetes Weihnachtsfest!

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