Abbas Pambo (um 303 – 374)

Altvater Pambo lebte als Einsiedler in der Nitrischen Wüste in Ägypten und war ein Zeitgenosse von Antonius dem Großen. Er ist bekannt für sein Schweigen. Als der Patriarch Theophilus von Alexandrien die Nitrische Wüste bereiste und dessen Begleiter Pambo um ein Wort für ihn baten, sagte er: „Wenn mein Schweigen ihm keine Hilfe ist, dann werden es auch meine Worte nicht sein.“ Im Alter strahlte sein Gesicht wie das Gesicht des Mose, so dass ihm keiner ins Angesicht blicken konnte. Vierzehn Apophthegmata sind von ihm erhalten, von denen ich vier hier vorstellen möchte:

Es war ein Altvater mit Namen Pambo, und von dem sagte man, dass er drei Jahre damit verbrachte, Gott zu bitten, dass er ihn nicht auf Erden verherrliche. Und Gott verherrlichte ihn so, dass niemand ihm ins Angesicht schauen konnte wegen des Glanzes, den sein Angesicht hatte.

Das hatte er vor vielen voraus, dass er, um ein Wort der Schrift oder einen geistlichen Gegenstand befragt, nicht auf der Stelle antwortete, sondern sagte, er verstehe die Stelle nicht, und wenn er weiter gefragt wurde, gab er überhaupt keine Antwort.

Athanasios, der Erzbischof von Alexandrien heiligen Angedenkens, lud den Altvater Pambo ein, aus der Wüste nach Alexandrien zu kommen. Er kam und sah dort eine Tänzerin und brach in Tränen aus. Die Anwesenden fragten ihn, warum er weine. „Zwei Dinge“, sagte er, „haben mich bewegt: das erste ist ihr Verderben, das zweite, dass ich nicht so großen Eifer entfalte, Gott zu gefallen, wie sie, schlechten Menschen zu gefallen.“

Als er im Sterben lag, sagte Pambo in der Todesstunde zu den heiligen Männern, die ihn umstanden: „Seitdem ich an diesen Ort in der Wüste gekommen bin und mir das Kellion erbaut habe, erinnere ich mich nicht, weder Brot gegessen zu haben, das ich nicht durch Handarbeit erworben hatte, noch empfinde ich Reue über ein Wort, das ich gesprochen habe, bis zu dieser Stunde. Und doch gehe ich zu Gott als einer, der nicht einmal angefangen hat, Gott zu dienen.

Sendung (Lk 10,1-12)

Wir hören an diesem Sonntag das Evangelium von der Aussendung der Zweiundsiebzig. 72, das ist 6 mal 12. Zwölf ist die Zahl des Volkes. Das Volk Israel hat zwölf Stämme, das neue Volk Gottes baut Jesus auf die Grundsteine der zwölf Apostel. Zwölf ist aber auch die Zahl der Vollkommenheit. Die zwölf Monate machen den Jahreskreis aus, nach antiker Zeitrechnung haben Tag und Nacht jeweils zwölf Stunden. Das himmlische Jerusalem hat zwölf Tore.

Wir können in der Vollkommenheit, die durch die Zahl Zwölf symbolisiert wird, die kosmische bzw. himmlische Vollkommenheit sehen, im Gegensatz zur Welt, die nur von bedingter Vollkommenheit ist, da sie begrenzt und zeitlich ist. Die Symbolzahl für die irdische Vollkommenheit ist die Sechs, die Hälfte der Zwölf. Multipliziert man die Sechs als Zahl der irdischen Vollkommenheit mit der Zwölf, der Zahl für das Volk, so erhält man die Zweiundsiebzig als Zahl der Völker dieser Welt. Genau diese Anzahl von Völkern findet sich auch in der großen Völkertafel im 10. Kapitel des Buches Genesis. Nur nebenbei bemerkt: Die himmlische Zahl aller Völker wird dann wieder Zwölf mal Zwölf sein. Nicht umsonst werden 144-mal Tausend am Ende gerettet werden (was also symbolisch und nicht als konkrete Zahl zu verstehen ist).

Beda Venerabilis sagt:

Es ist ganz passend, dass zweiundsiebzig gesandt werden, denn genau so vielen Völkern musste das Evangelium verkündigt werden. Zuerst wurden die Zwölf erwählt wegen der zwölf Stämme Israels, dann die Zweiundsiebzig, um die übrigen Völker zu lehren.

Jesus Christus sendet seine Boten zu allen Völkern dieser Welt. Er selbst will der Herr aller Völker sein. Während seines Lebens ist er nur zum Volk Israel gesandt, doch nach dem Pfingstfest gehen die Boten hinaus zu allen Völkern der Erde.

Der Herr selbst ist es, der die Boten ruft in seinen Dienst. Nicht in ihrem Namen gehen sie, nicht sie hatten die Idee, zu gehen, sondern der Ruf des Herrn hat sie getroffen und sie sind ihm gefolgt. Die Boten lassen sich dorthin senden, wohin der Herr selbst gehen will. Im Gesandten ist der gegenwärtig, der sendet. Die Boten sind nicht nur zweiter oder dritter Rang gegenüber dem Herrn, sondern wenn sie kommen, bringen sie selbst den Herrn zu den Menschen. Dies bedeutet auch, dass sie so leben müssen wie er es will, damit er ihn ihnen sichtbar wird.

Er sandte sie zu zweien zur Predigt aus, weil es zwei Gebote der Liebe gibt: die Liebe zu Gott und zum Nächsten. Und es gibt keine Liebe, wo weniger sind als zwei. Ohne darüber zu sprechen, belehrt uns der Herr damit, dass jemand, der zum Nächsten keine Liebe hat, das Amt der Verkündigung nicht übernehmen darf. (Gregor der Große)

Auch die Apostel werden zu zweit berufen und in den Apostellisten in Zweiergruppen aufgeführt. Glaubensverkündiger sind keine Einzelkämpfer. Wir vergessen das heute oft. Ist das vielleicht ein Grund, der unsere Kirche heute so lähmt in ihrer Verkündigung, weil viele Priester allein sind in ihrem Dienst, allein oft auf weiter Flur, wenn sie ein immer größeres Pfarrgebiet „verwalten“ müssen?

Wo zwei oder drei in meinem Namen beisammen sind … Es gibt keine Liebe wo weniger sind als zwei … Herr, schenke uns Gefährten auf unserem Weg, damit wir wahrhaft zu Boten deiner Liebe werden können.

Verbunden mit dem Strom des Lebens (Jes 66, 10-14)

Verbunden sein, das hat in Zeiten des Internet eine ganz neue Bedeutung gewonnen. Nahezu an jedem Ort besteht die Möglichkeit, in Sekundenschnelle mit Menschen aus aller Welt in Kontakt zu treten. Viele können sich ein Leben ohne Internet nicht mehr vorstellen. Wie war es bis vor wenigen Jahren überhaupt möglich, ohne Smartphone und Flatrate Kontakte zu pflegen?

Die Menschen zur Zeit des Propheten Jesaja hatten andere Sorgen. Das Land war zerrüttet von Krieg, Hunger und Krankheiten quälten die Menschen. Wie sollte es weitergehen? Das Leben war bestimmt vom nackten Kampf ums Überleben. Da sollen die Worte des Propheten Mut machen:

Wie einen Strom leite ich den Frieden zu ihr und den Reichtum der Völker wie einen rauschenden Bach.

Jerusalem im abgelegen Bergland Judäas soll nicht länger abgeschnitten sein von den großen Handelsströmen der weiten Welt, die Wohlstand und Macht versprechen. Die Stadt soll zu einem Zentrum werden, in dem sich Menschen aus allen Nationen versammeln. Doch was hat Jerusalem zu bieten? Nichts Geringeres als die Wohnung Gottes unter den Menschen, der im Allerheiligsten des Tempels gegenwärtig ist.

Gott wohnt unter den Menschen und erfüllt die Stadt, in der er wohnt, mit Segen. Bäche des Friedens und des Wohlstandes werden die Stadt tränken, die jetzt noch in der Trockenheit von Armut und Krieg dahinsiecht. Was vertrocknet ist, blüht auf, frisches Grün wächst. Wie Kinder auf dem Schoß der Mutter, so fühlen sich die Menschen in der Stadt Gottes geborgen. Es sind schöne Bilder von Glück und Frieden, die uns Gott durch den Propheten zeigt. Bilder, die auch für uns heute Realität werden können.

Fühlen nicht auch wir uns trotz Internet und Handy oftmals getrennt von den Menschen um uns? Wir haben Kontakte in die weite Welt, aber zum Menschen neben uns finden wir oft nicht den richtigen Draht. Und wie ist es mit unserem Kontakt nach oben, zu Gott?

Gott will den Kontakt zu uns herstellen, er will uns anbinden an den Strom des Lebens, will uns tränken mit den Wassern des Friedens und uns den Reichtum seiner Gnade schenken. Lassen wir Gott ein in unsere Herzen. Durchbrechen wir die Wälle des Hasses und der Gewalt, die uns vertrocknen lassen. Durchbrechen wir die Dämme unserer Ichsucht, dass Gottes Liebe in unsere Herzen fließen kann. Geben wir uns ganz in Gottes Arme. Er will uns umfangen, wie eine liebende Mutter ihr Kind.

Radikales Vertrauen

Im Evangelium (Lk 9,57-62) spricht Jesus vom Ernst der Nachfolge. Keinen Ort, um das Haupt hinzulegen, keine Zeit, die Toten zu begraben, keine Zeit, Abschied von der Familie zu nehmen, ja nicht einmal Zeit, sich nochmals umzusehen.

Ist das nicht ein Widerspruch zu dem, was wir in den beiden Lesungen gehört haben? Elischa verabschiedet sich noch von seiner Familie. Gott will uns Leben in Fülle schenken. Aber Jesus will, dass wir alles zurücklassen, was uns lieb und teuer ist, ohne jemals mehr einen Gedanken daran zu verschwenden.

Sicher gilt dieser Ruf nicht für alle Menschen. Er gilt für den engen Kreis der Jünger. Aber die Anhängerschaft Jesu beschränkt sich nicht auf diesen Kreis. In den Evangelien hören wir davon, dass es auch Jünger gibt, die in ihrer Heimat bleiben und dort an ihrem Ort das Evangelium verkünden.

Aber was sind das für Leute, die Jesus radikal nachfolgen? Im ersten Teil des Evangeliums treten Jakobus und Johannes auf, die Feuer vom Himmel auf ein Dort fallen lassen wollen, das sie und den Meister nicht aufnimmt. Kommt uns eine solche Einstellung nicht bekannt vor? Jesus weist sie zurecht. Aber haben nicht doch die Kritiker Recht, die den monotheistischen Religionen die Schuld geben für so manches Unheil in dieser Welt?

Viele verbinden mit radikalen Menschen negative Vorstellungen. Radikale Gruppen stören die Ordnung, zetteln Aufstände an, sind eine Bedrohung für den inneren Frieden. Das ist so, weil sich Radikalität oft gegen die anderen richtet, die nicht so denken.

Doch die Radikalität, die Jesus fordert, ist eine andere. Sie soll nicht nach Außen gerichtet sein, sondern nach Innen. Radikal soll jeder zu sich selbst sein in der Nachfolge des Herrn, nach außen aber soll er die Liebe leben.

Jesus zeigt den Jüngern durch drei Beispiele, wie er sich radikales Leben vorstellt. Wenn einer radikal sein möchte, dann soll er Jesus radikal folgen, er soll sein Haus verlassen, ohne damit rechnen zu können, ein Dach über dem Kopf zu haben, er soll sogar um Jesu Willen die höchste Pflicht eines Menschen, seine Eltern zu begraben, vernachlässigen und auch ein Abschied von der Familie wird verwehrt.

Wer in die radikale Nachfolge Jesu eintreten möchte, für den fängt damit ein ganz neues Leben an und jegliches Zurückblicken auf das frühere wird verwehrt: Wer die Hand an den Pflug gelegt hat und nochmals zurückblickt, taugt nicht für das Reich Gottes.

Wir fragen uns sicher: Wer kann so radikal Jesus nachfolgen? Wer Jesus folgen will, kann dies nicht unter Zwang tun, sondern nur aus einem grenzenlosen Vertrauen heraus in Gottes Güte und Barmherzigkeit. Nur wenn ich weiß, dass Gott mich keinen Mangel und keine Not leiden lassen wird, wenn ich ihm mein Leben schenke, kann ich das loslassen, was mich daran hindert, Jesus nachzufolgen.

Für jeden von uns gilt die Frage: Was hindert mich noch daran, Jesus ganz zu folgen, woran klammere ich mich und was kann ich loslassen, um zu einer größeren Freiheit zu finden? Bitten wir um den Mut, stets das zu tun, was Gott von uns möchte – im Vertrauen darauf, dass wir dadurch nichts verlieren, sondern umso mehr von Gott hinzu bekommen werden.

Berufung – Freiheit

13C_FreiheitZur Freiheit hat uns Christus befreit! (Gal 5,1)

Ja, wir wollen frei sein, wollen das Leben genießen, wollen uns entfalten. Wie ein Baum auf freiem Feld wollen wir uns überall hin ausbreiten können, so wie es uns gefällt, und am Ende groß und prächtig dastehen.

Wenn wir jung sind, werden wir vorsichtig unsere Triebe ausstrecken, um zu prüfen, wo das beste Licht ist. Mit unseren Wurzeln suchen wir nach Wasser, das uns leben lässt. Wir versuchen einen guten Stand zu gewinnen in der Welt, der uns trägt.

Wir breiten unsere Äste aus und schaffen damit einen Lebensraum für alle möglichen Geschöpfe Gottes. Unsere große Krone spendet Schutz und Schatten und strahlt Ruhe aus.

Im Laufe der Zeit werden Wind und Wetter und die Stürme der Zeit ihre Spuren hinterlassen. Jeder bekommt so sein eigenes individuelles Aussehen, das sich von anderen unterscheidet. Das Leben hinterlässt seine Spuren, aber dadurch werden wir reifer und immer mehr wir selbst.

So könnte man mit wenigen Worten im Bild des Baumes ein gelungenes Leben kennzeichnen. Und manche werden denken, was hat denn dies mit unserem Paulus-Zitat zu tun. Freilich, Paulus mahnt die Galater in seinem Brief zunächst, sich nicht in die Abhängigkeit eines falschen Gesetzesgehorsams zu begeben. Doch er mahnt auch von anderen Abhängigkeiten, vor Begierde und Feindschaft. Es gibt so vieles, mit dem wir unser Leben einschränken und uns selbst die Lebensfreude nehmen. Oft geben wir anderen dafür die Schuld. Aber letztlich liegt es an uns, aus diesen Kreisläufen der Unfreiheit auszubrechen.

Gott hat uns das Leben geschenkt und er schenkt uns alles, was wir dazu brauchen, um glücklich zu leben. Wir sehen das nur oft nicht, strecken uns nach dem Falschen aus und suchen das Glück nicht da, wo es zu finden ist. All dies lähmt uns, nimmt uns Kraft und kann im schlimmsten Fall ein Leben zerstören.

Zur Freiheit hat uns Christus befreit.

Wir können immer wieder neu und unbelastet unseren Weg beginnen. Es ist nie zu spät, die Richtung zu ändern, Gottes Führung in unserem Leben zuzulassen. Wagen wir es herauszufinden, dass Gott uns in seiner Liebe ein erfülltes Leben schenken möchte.

Berufung – Elischa

Für Elischa war es vielleicht ein Tag wie jeder andere. Wir erfahren nichts davon, was er vorher getan oder gedacht hat. Wir sehen ihn nur, wie er bei seiner Arbeit ist. Der Sohn eines reichen Gutsbesitzers – sicher konnten damals in Israel nicht viele Bauern zwölf Rindergespanne ihr Eigen nennen – packt bei der Arbeit mit an und sicher war diese Arbeit nicht leicht.

Da kommt Elija, ob Elischa ihn erkannt hat? Ob er ihm vorher schon näher begegnet ist? All das bedarf keiner Erwähnung. Wichtig ist, was jetzt geschieht: Elija wirft Elischa seinen Mantel über – den Prophetenmantel, Zeichen der Würde und Vollmacht seines Besitzers.

Elischa erfährt seine Berufung. Sie kommt über ihn, sie trifft ihn ganz plötzlich. Da gibt es kein Überlegen mehr, kein Abwägen eines Für- und Wider. Da gibt es nur eine Konsequenz – nachfolgen. Ähnlich wird es auch bei Jesus und seinen Jüngern sein, er ruft sie und sie folgen ihm.

Aber eines will Elischa noch tun: sich von seinen Eltern verabschieden. Er kann nicht ohne einen Gruß gehen. Und seine beiden Rinder bereitet er für die Leute aus dem Haus seines Vaters zu einem Abschiedsmahl zu.

Dann stand er auf, folgte Elija und trat in seinen Dienst.

Dieser Schritt verändert sein Leben. Elija wird sein Vater und als Elija im Feuersturm gen Himmel fährt, wird Elischa seinen Mantel auffangen und mit der Kraft Gottes das Prophetenamt in Israel weiterführen.

Elischa ist bereit, alles herzugeben. Er ist bereit, sein bisheriges Leben zu verlassen. Aber nicht durch Nachdenken kommt er zu diesem Entschluss. Er beruft sich nicht selbst, sondern er wird berufen, die Berufung  kommt über ihn. Mit dem Mantel des Elija ergreift ihn Gottes Geist und führt ihn, und Elischa ist bereit, sich führen zu lassen.

Mit all unserem eigenen Denken und Planen geraten wir leicht in Sackgassen und auf Holzwege. Uns fehlt oft das Gespür dafür, Gottes Stimme von den vielen Stimmen in und um uns zu unterscheiden. Nur selten wird Gottes Ruf so machtvoll in unser Leben dringen, wie es Elischa erfahren hat. Und doch, Gottes Stimme ist da, Gottes Geist will uns führen. Wir können es lernen, diese Stimme zu hören, in der Stille, im Gebet, im Betrachten des Wortes Gottes. Und dann wird es auch in unserem Leben den Moment geben, in dem uns klar wird, wozu Gott uns ruft. Haben wir dann den Mut, seinem Ruf zu folgen!

Aus Liebe durchbohrt

Sie werden auf den blicken, den sie durchbohrt haben. (Sach 12,10)

Trauer und Schmerzen – das Herz ist verwundet, zerrissen. Jeder Mensch sehnt sich nach Liebe, doch wie oft wird diese Sehnsucht enttäuscht, zerbricht der kostbare Schatz in unseren Händen oder wird gar achtlos beiseite geworfen.

Die Sehnsucht nach Liebe durchzieht die Generationen des Menschengeschlechtes. Der Schrei nach Liebe hallt wider auf allen Plätzen dieser Erde und Schmerzensblut tropft auf unsere Straßen.

Woher kommt Rettung, woher Heilung für die gebrochenen Herzen, die so oft enttäuscht worden sind, und von einer Bitternis durch eine kurze Freude in die nächste Bitternis fallen? Ist es das Los des Menschengeschlechts, dass der Ruf nach Liebe ungehört verhallt?

Es gibt eine Quelle des Trostes, es gibt Heilung für die wunden Herzen. Kein einfaches Pflaster, keine schnellwirkende Medizin, keine billigen Pillen, aber etwas, das doch bei kontinuierlicher Anwendung heilsam wirkt.

Wir können unsere Herzen heilen im Licht der Liebe Gottes. Jesus Christus hat selbst den Schmerz in seinem Herzen empfunden. Aus Liebe hat er sein Herz durchbohren lassen. Aus seinem geöffneten Herzen fließt der Strom der göttlichen Liebe in diese Welt.

Blicken wir auf das aus Liebe durchbohrte Herz des Herrn. Lassen wir uns füllen von Gottes grenzenloser Liebe. Sie ist reichlich für alle da. Treten wir hinzu zum Quell der Liebe und tanken wir diese Liebe in unseren Herzen, damit unsere Wunden heilen und wir mit einem Herzen voller Liebe durch diese Welt gehen.

Christus als Gewand anlegen

Der Apostel Paulus gebraucht in der Lesung aus dem Galaterbrief ein ganz besonderes Bild, um das zu beschreiben, was Nachfolge bedeutet:

„Ihr alle, die ihr auf Christus getauft seid, habt Christus als Gewand angelegt.“

Christus als Gewand anlegen, was meint Paulus damit? Wer „Gewand Christi“ bei Google eingibt, der stößt dabei schnell auf den heiligen Rock in Trier. Hier haben wir ein Gewand, das Christus selbst getragen haben könnte. Zu den großen Wallfahrten können wir dieses Gewand Christi ansehen und verehren. Aber doch meint Paulus mit seinen Worten etwas anderes, als dass wir dieses Gewand Christi auch selbst anziehen sollten.

Wenn wir über das Thema Kleidung nachdenken, so fällt uns auf, dass wir selbst in großen Menschenmassen selten zwei Menschen sehen, die gleiche Kleidung tragen. So vielfältig ist das Angebot an Kleidungsstücken, so groß ist unser Drang nach Individualität, dass wir uns von anderen unterscheiden wollen. Andererseits schafft das bewusste Tragen der gleichen Kleidung Gemeinsamkeit. Das sehen wir spielerisch, wenn zwei Menschen im „Partnerlook“ gehen. Manche autoritäre Staaten wollten alle ihre Bürger in Einheitskleidung stecken. Ähnliche Kleidung zeigt Zugehörigkeit zu einer gewissen Gruppe. Offizielle Anlässe verlangen nach einer angemessenen Kleidung, die Uniform der Soldaten macht die vielen zu einer Truppe. Im kirchlichen Bereich kennen wir das Ordensgewand, das die Zugehörigkeit zu einem bestimmten Orden zum Ausdruck, oder das Kollar, das einen Priester kenntlich macht.

All dies hilft uns, das Wort des Apostels Paulus besser zu verstehen. Wie es verschiedene Gruppen tun, so sollen auch wir als Christen unsere Ähnlichkeit mit Jesus Christus zum Ausdruck bringen und zugleich das, was uns als Christen untereinander vereint. Wir gehören Jesus Christus, wir sind dazu berufen, unser Leben seinem Leben ähnlich zu machen. Das tut jeder auf seine ganz eigene Weise und doch geht den Vielen der eine Herr voran, der in seine Nachfolge ruft.

Wir müssen als Christen nicht im Gleichschritt marschieren, uns nicht in Einheitskleidung pressen, Nachfolge ist individuell und vielfältig, aber doch gibt es einen gemeinsamen Ursprung, einen gemeinsamen Mittelpunkt, ein gemeinsames Ziel, wonach wir uns auszurichten haben. Blicken wir auf den Herrn, der uns vorangeht, und folgen wir ihm auf dem Weg, den er uns führen will.