Sendung (Lk 10,1-12)

Wir hören an diesem Sonntag das Evangelium von der Aussendung der Zweiundsiebzig. 72, das ist 6 mal 12. Zwölf ist die Zahl des Volkes. Das Volk Israel hat zwölf Stämme, das neue Volk Gottes baut Jesus auf die Grundsteine der zwölf Apostel. Zwölf ist aber auch die Zahl der Vollkommenheit. Die zwölf Monate machen den Jahreskreis aus, nach antiker Zeitrechnung haben Tag und Nacht jeweils zwölf Stunden. Das himmlische Jerusalem hat zwölf Tore.

Wir können in der Vollkommenheit, die durch die Zahl Zwölf symbolisiert wird, die kosmische bzw. himmlische Vollkommenheit sehen, im Gegensatz zur Welt, die nur von bedingter Vollkommenheit ist, da sie begrenzt und zeitlich ist. Die Symbolzahl für die irdische Vollkommenheit ist die Sechs, die Hälfte der Zwölf. Multipliziert man die Sechs als Zahl der irdischen Vollkommenheit mit der Zwölf, der Zahl für das Volk, so erhält man die Zweiundsiebzig als Zahl der Völker dieser Welt. Genau diese Anzahl von Völkern findet sich auch in der großen Völkertafel im 10. Kapitel des Buches Genesis. Nur nebenbei bemerkt: Die himmlische Zahl aller Völker wird dann wieder Zwölf mal Zwölf sein. Nicht umsonst werden 144-mal Tausend am Ende gerettet werden (was also symbolisch und nicht als konkrete Zahl zu verstehen ist).

Beda Venerabilis sagt:

Es ist ganz passend, dass zweiundsiebzig gesandt werden, denn genau so vielen Völkern musste das Evangelium verkündigt werden. Zuerst wurden die Zwölf erwählt wegen der zwölf Stämme Israels, dann die Zweiundsiebzig, um die übrigen Völker zu lehren.

Jesus Christus sendet seine Boten zu allen Völkern dieser Welt. Er selbst will der Herr aller Völker sein. Während seines Lebens ist er nur zum Volk Israel gesandt, doch nach dem Pfingstfest gehen die Boten hinaus zu allen Völkern der Erde.

Der Herr selbst ist es, der die Boten ruft in seinen Dienst. Nicht in ihrem Namen gehen sie, nicht sie hatten die Idee, zu gehen, sondern der Ruf des Herrn hat sie getroffen und sie sind ihm gefolgt. Die Boten lassen sich dorthin senden, wohin der Herr selbst gehen will. Im Gesandten ist der gegenwärtig, der sendet. Die Boten sind nicht nur zweiter oder dritter Rang gegenüber dem Herrn, sondern wenn sie kommen, bringen sie selbst den Herrn zu den Menschen. Dies bedeutet auch, dass sie so leben müssen wie er es will, damit er ihn ihnen sichtbar wird.

Er sandte sie zu zweien zur Predigt aus, weil es zwei Gebote der Liebe gibt: die Liebe zu Gott und zum Nächsten. Und es gibt keine Liebe, wo weniger sind als zwei. Ohne darüber zu sprechen, belehrt uns der Herr damit, dass jemand, der zum Nächsten keine Liebe hat, das Amt der Verkündigung nicht übernehmen darf. (Gregor der Große)

Auch die Apostel werden zu zweit berufen und in den Apostellisten in Zweiergruppen aufgeführt. Glaubensverkündiger sind keine Einzelkämpfer. Wir vergessen das heute oft. Ist das vielleicht ein Grund, der unsere Kirche heute so lähmt in ihrer Verkündigung, weil viele Priester allein sind in ihrem Dienst, allein oft auf weiter Flur, wenn sie ein immer größeres Pfarrgebiet „verwalten“ müssen?

Wo zwei oder drei in meinem Namen beisammen sind … Es gibt keine Liebe wo weniger sind als zwei … Herr, schenke uns Gefährten auf unserem Weg, damit wir wahrhaft zu Boten deiner Liebe werden können.

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