Apophthegmata – Makarius

Makarius_Anfang

Es ist das Kennzeichen des christlichen Lebens, dass ein Mensch, soviel er sich auch müht und soviel Rechtschaffenheit er auch leisten mag, sich dennoch so fühlt, als habe er nichts getan. Im Fasten zu sagen: Dies ist kein Fasten; beim Beten zu sagen: Das ist nicht Gebet; und bei der Beharrlichkeit im Gebet zu sagen: Ich habe keine Beharrlichkeit. Ich fange gerade erst an, den Glauben zu leben und Schmerzen auf mich zu nehmen. Und auch wenn der Mensch rechtschaffen lebt vor Gott, soll er stets sagen: Ich bin nicht rechtschaffen, nicht ich. Ich nehme keine Schmerzen auf mich, sondern ich mache nur jeden Tag einen Anfang.

 

1.Korintherbrief – Gnadengaben 1Kor 12,4-11

Gnadengaben

4 Es gibt verschiedene Gnadengaben, aber nur den einen Geist.

5 Es gibt verschiedene Dienste, aber nur den einen Herrn.

6 Es gibt verschiedene Kräfte, die wirken, aber nur den einen Gott: Er bewirkt alles in allen.

Paulus macht deutlich, dass alle Befähigungen in ihrer Vielzahl einen gemeinsamen Ursprung haben: den dreifaltigen Gott. Gottes Kraft wirkt durch den Herrn Jesus Christus im heiligen Geist. Auf den ersten Blick unscheinbar, kommt in diesen drei Sätzen deutlich der trinitarische Charakter der Charismen zum Ausdruck.

Gottes Wirken setzt sich fort in der Zeit durch Menschen, die seinen Willen tun. Ob es sich aber bei dem, was Menschen tun, um eine Gabe Gottes oder allein um menschliches Profilierungsstreben handelt, lässt sich an einem Aspekt messen:

7 Jedem aber wird die Offenbarung des Geistes geschenkt, damit sie anderen nützt.

Ist das, was ein Christ tut, förderlich zum Aufbau der Gemeinde, oder führt es zu Streit und Spaltung? Wenn einer sich selbst in den Mittelpunkt stellt, dann bringt er Spaltung in die Gemeinde, weil sie sich formiert in Anhänger und Gegner seiner Person. Wem es aber um den Aufbau der Gemeinde geht, der stellt sich selbst in den Hintergrund. Nicht sein Licht in den Schatten, das ist hier nicht gemeint. Jeder darf mutig seine Gabe zum Einsatz bringen. Die Geschichte der Heiligen zeigt jedoch, dass eine besondere Gabe oft zu einer Bürde wird. Sie bringt nichts Herausragendes im irdischen Sinn, sondern ist eher eine Herausforderung, die dem Begabten oft unter seiner Begabung leiden lässt.

8 Dem einen wird vom Geist die Gabe geschenkt, Weisheit mitzuteilen, dem andern durch den gleichen Geist die Gabe, Erkenntnis zu vermitteln,

9 dem dritten im gleichen Geist Glaubenskraft, einem andern – immer in dem einen Geist – die Gabe, Krankheiten zu heilen,

10 einem andern Wunderkräfte, einem andern prophetisches Reden, einem andern die Fähigkeit, die Geister zu unterscheiden, wieder einem andern verschiedene Arten von Zungenrede, einem andern schließlich die Gabe, sie zu deuten.

Paulus gibt hier einen kurzen Überblick über die verschiedenen Gnadengaben. Wir verstehen das, was hier gemeint ist, leichter, wenn wir auf Christus blicken. In ihm wirkte Gottes Kraft in ihrer ganzen Fülle und er hat alle Gnadengaben in ihrer Fülle in sich vereinigt. Er besaß Gottes Weisheit und hat diese den Menschen verkündet. Er besaß die Kraft, Krankheiten zu heilen, ja sogar Tote zum Leben zu erwecken. Kein Geheimnis war ihm fremd, alles war ihm offenbar und davon hat er Kunde gebracht. Schließlich hat er sein Leben gering geachtet und sich für uns alle hingegeben.

Die Menschen, die in der Nachfolge Christi leben, teilen sich diese Kräfte. Der Geist teilt jedem seine Gabe zu, so wie es Gott gefällt. Kein einzelner Mensch kann in seiner Fülle das wirken, was Christus getan hat, aber die Gemeinde in ihrer Ganzheit, die Christi Leib in seiner bleibenden Gegenwart darstellt, kann durch die Summe ihrer Glieder, der einzelnen Christen, das Wirken Christi durch die Zeiten fortführen.

Die Gemeinde als Ganzes tut das, was Christus getan hat. Da gib es Christen, die in besonderer Weise Einblick in die Geheimnisse Gottes haben und den Menschen Weisheit vermitteln können. Andere verstehen die Zusammenhänge dieser Welt in besonderer Weise und können Erkenntnis vermitteln. Andere besitzen Glaubenskraft, die Berge versetzen kann. Mit ihrem Gebet können sie Großes bewirken. Andere können wie Christus Kranke heilen, können Menschen befreien von den Leiden und Zwängen, in denen sie lieben.

Wieder anderen ist die Gabe der Prophetie geschenkt. Sie erkennen tiefe Zusammenhänge und sehen voraus, was geschehen wird. Eine wichtige Gabe ist die Unterscheidung der Geister. Wenn es viele Stimmen in der Gemeinde gibt, welche ist die Stimme Gottes? Woran kann man sich orientieren? Anderen ist die Gabe der Zungenrede gegeben. Diese ist nicht unumstritten. Für manche ist es ein unverständliches Lallen, andere aber sehen darin eine Schau unergründlicher Geheimnisse, die andere zu deuten wissen.

11 Das alles bewirkt ein und derselbe Geist; einem jeden teilt er seine besondere Gabe zu, wie er will. (1Kor 12,4-11)

Noch einmal macht Paulus deutlich, dass alle diese Gnadengaben ihren Ursprung haben in dem einen Geist, der diese schenkt. Alle diese Gnadengaben sind wichtig für die Gemeinde und eine Gemeinde kann nur leben, wenn sie diese Gaben in sich vereinigt. Nur so stellt sie den Leib Christi dar, dessen Bild auf Erden sie ist. Dieses Bild von der Gemeinde als Leib Christi führt Paulus im folgenden Abschnitt noch deutlicher aus.

Beten wir darum, dass auch heute in unseren Gemeinden die Gnadengaben wirksam sind. Nur so können wir Gottes Wirken auf Erden fortsetzen in einer Zeit, die dieser Hilfe so sehr bedarf.

Gott. Du hast uns verschiedene Gaben geschenkt.

Keinem gabst du alles – und keinem nichts.

Jedem gibst du einen Teil.

Hilf uns, dass wir uns nicht zerstreiten,

sondern einander dienen mit dem,

was du einem jeden zum Nutzen aller gibst.

12.1. Aelred von Rieval (1110 – 1167)

Aelred_Streben

Auch der Versuch, Großes zu erreichen, ist eine große Tat. – Magnarum rerum etiam ipse conatus magnus est. – Dem Tapferen ist es ein Bedürfnis, Erhabenes und Höchstes anzustreben. Er will das Gewünschte erhalten, oder wenigstens besser erkennen, was dessen Wert ist, und wie erstrebenswert das ist, was er noch nicht erhalten hat. Es ist kein geringer Fortschritt, wenn einer die Tugend kennenlernt und somit weiß, wie weit er von ihr noch entfernt ist. Übrigens darf der Christ nie verzweifeln und denken, irgendeine Tugend sei ihm unerreichbar. Denn täglich klingt ihm ins Ohr die Stimme Gottes im Evangelium: „Bittet und ihr werdet empfangen!“

Erster Korintherbrief – Einführung

An den ersten Sonntagen im Jahreskreis hören wir verschiedene Abschnitte aus den Briefen des Apostels Paulus an die Korinther. Das gibt uns Gelegenheit, einen Blick auf diese Stadt und die Hintergründe zu den Themen der Briefe zu werfen.

Paulus, durch Gottes Willen berufener Apostel Christi Jesu, und der Bruder Sosthenes an die Kirche Gottes, die in Korinth ist. (1Kor 1,1-2a)

Der erste und zweite Korintherbrief sind Teil einer umfangreichen Korrespondenz, die Paulus mit der Gemeinde dieser Stadt führte. Korinth war damals eine bedeutende Handelsstadt. An der Meerenge zwischen dem griechischen Festland und der Halbinsel Peloponnes gelegen, hatte sie Zugang sowohl zur Ägäis im Osten als auch zum Ionischen Meer im Westen und verfügte über zwei Häfen. Das alte Korinth war von den Römern im Jahr 146 v.Chr. dem Erdboden gleich gemacht worden. Erst im Jahr 27 v.Chr. erfolgte unter Julius Caesar die Neugründung der Stadt als römische Kolonie.

Die Bevölkerung der Stadt bestand zu einem großen Teil aus römischen Veteranen. Der blühende Handel zog aber Menschen aus allen Teilen des Reiches an, so dass wir von einer bunt gemischten Bevölkerung ausgehen müssen, in der neben dem römischen Götterkult auch eine Vielzahl orientalischer Kulte gepflegt wurde. Ebenso gab es in der Stadt eine große jüdische Gemeinde, die in Folge des Judenedikts des Kaiser Claudius, durch welches um das Jahr 49 alle Juden aus Rom ausgewiesen wurden, noch weiter gewachsen ist.

Die Apostelgeschichte (Apg 18) berichtet davon, dass Paulus die christliche Gemeinde von Korinth auf seiner zweiten Missionsreise gegründet hat. Nachdem er den ersten Schritt von Asien nach Europa gemacht hat, wandert er über Philippi, Thessalonich und Athen nach Korinth. Von dort fährt er mit dem Schiff zurück nach Ephesus in Kleinasien. In Korinth begegnet Paulus den jüdischen Eheleuten Priszilla und Aquila, die nach ihrer Ausweisung aus Rom in Korinth eine neue Bleibe gefunden haben. Sie üben ebenso wie Paulus das Handwerk eines Zelttuchmachers aus, nehmen Paulus in ihr Haus auf und werden zu wichtigen Mitarbeitern, die Paulus auch in seinen Briefen erwähnt.

Paulus bleibt verhältnismäßig lange in Korinth, wohl etwa anderthalb Jahre. Dieser Aufenthalt ist in die Zeit zwischen den Jahren 49 und 52 zu datieren. Bald wird die Wohnung von Priszilla und Aquila zu klein für die Versammlungen der stetig wachsenden Gemeinde. Paulus zieht daher in das Haus des Titus Justus um, der wahrscheinlich ein vornehmer Römer war, der als Gottesfürchtiger dem Judentum nahe stand. Die kulturelle, religiöse und soziale Vielfalt der Stadt spiegelt sich auch in der christlichen Gemeinde wider. Neben ehemaligen Heiden gab es auch Judenchristen. Ein großer Teil der Gemeinde gehörte den sozial niedrigen Schichten an, es gab aber auch eine gewisse Anzahl von Angehörigen der Oberschicht.

Diese inhomogene Zusammensetzung der Gemeinde führt zu zahlreichen Spannungen, die in den Briefen des Paulus ihren Niederschlag finden. Nach dem Weggang des Paulus ist es zu Spaltungen gekommen. Es gab verschiedene Gruppierungen. Die einen sahen sich als Anhänger des Paulus, andere als Anhänger des Apollos, eines weiteren christlichen Missionars. Zudem kam es zu sittlichen Verfehlungen, die Paulus aufs schärfste verurteilt. Es gab zudem Mitglieder, die das soziale Ungleichgewicht in der Gemeinde auch im Gottesdienst sichtbar werden ließen, indem sie sozial niedriger gestellten Gemeindemitgliedern einen untergeordneten Platz zuwiesen. Sind die Worte des Paulus im Ersten Korintherbrief noch gemäßigt, so wird sein Ton im zweiten Brief schärfer, da sich die Missstände wohl eher ausgeweitet als gemindert haben. Zudem scheint sich die Opposition gegen Paulus verstärkt zu haben.

Neben der Kritik von Missständen, die Paulus durch Leute aus der Gemeinde zu Ohren gekommen sind, nimmt Paulus im Ersten Korintherbrief auch Bezug auf Anfragen aus der Gemeinde, die ihm übersandt wurden. Diese betreffen hauptsächlich die im Brief behandelten Themen Ehe und Ehelosigkeit, Jungfrauen, Essen von Götzenopferfleisch, Geistesgaben, die Kollekte für Jerusalem und des Missionar Apollos. Entstanden ist der der Erste Korintherbrief wahrscheinlich im Jahr 54 in Ephesus.

Taufe des Herrn (2)

Taufe_2

Die Taufe des Herrn wird in der Kunst auf vielfältige Weise dargestellt. Im Mittelpunkt steht der Herr, der nackt in die Fluten des Jordan steigt. Ganz Mensch ist er hier, der Sohn Gottes. Er, der frei ist von jeder Sünde und der Umkehr nicht bedarf, nimmt die Taufe des Johannes auf sich, der die Menschen zur Umkehr ruft. Er, der stärker ist als Johannes und mit Heiligem Geist und Feuer taufen wird, taucht in Demut in die Wasser des Jordans.

Rechts sehen wir Johannes den Täufer. Er überragt Jesus, den er tauft. Zu beiden Seiten des Jordan stehen Gestalten, auf der einen Seite sind es oft Engel, sie tragen die Gewänder Jesu in den Händen, um ihn zu bekleiden, wenn er aus dem Wasser steigt. Hinter Johannes sehen wir dessen Jünger, einige von ihnen werden bald Jesu Jünger sein.

Dann geht der Blick nach oben. Von dort kommt der Heilige Geist in Gestalt einer Taube auf Jesus herab. Ein alter Mann oder eine Hand aus der Wolke stellen Gottvater dar, der zu Jesus Christus spricht: “Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Gefallen gefunden.” Die Taufe des Herrn wird so zu einem innertrinitarischen, ganz von Gott gewirkten Geschehen. In der Taufe offenbart sich die Gottheit Jesu Christi. Der als Mensch im Jordan steht, ist Gottes geliebter Sohn seit Ewigkeit. Er bedarf der Taufe nicht, weil er schon immer eins ist mit dem Vater und dem Heiligen Geist, und doch nimmt er sie auf sich, weil sich so die Gerechtigkeit, der Wille des Vaters erfüllt.

Johannes der Täufer wirkt mit an diesem Geschehen. Obwohl Gott, der in sich vollkommen ist, des Menschen nicht bedarf, muss dennoch Johannes der Täufer mitwirken am Werk Gottes, indem er Jesus tauft. Obwohl Gott des Menschen nicht bedarf, hat er ihn geschaffen, aus reiner Liebe. Weil Gott den Menschen liebt, kam der Sohn Gottes in die Welt, um den Willen des Vaters zu tun. Gott will das Heil und die Erlösung des Menschen. Nur, wenn auch der Mensch Ja sagt zu Gottes Plan, kann sein Heil Wirklichkeit werden.

Gott will jeden Menschen hineinnehmen in das Wirken seiner Liebe. Der Vater spricht: Du bist mein geliebter Sohn. Dieses Wort Gottes gilt uns allen, wenn wir bereit sind, in Gottes Liebe einzutreten, wenn wir bereit sind, Ja zu sagen zu seinem Willen. Der erste Schritt dazu ist die Taufe, in der Gott uns von unseren Sünden reinigt und uns annimmt als seine geliebten Kinder. Was wir in der Taufe begonnen haben, gilt es in unserem Leben immer mehr zu verwirklichen.

Gottes Liebe zu uns Menschen offenbart sich in der Taufe Jesu. Folgen wir diesem Ruf der Liebe Gottes. Sagen wir Ja zu seinem Willen, geben wir ihm unsere Stimme, unsere Hände, uns selber ganz und gar.

 

Taufe des Herrn (1)

Taufe_Himmel

Jesus reiht sich ein in die Schar der Täuflinge des Johannes. Unscheinbar steht er in der Menge, wartet geduldig, bis er an der Reihe ist. Jesus drängt sich nicht vor. Er zeigt sich als Mensch wie alle anderen. Seine Göttlichkeit ist verborgen und doch wird sie deutlich. Als Johannes ihn tauft und Jesus dabei betet, tut sich der Himmel auf und der Vater offenbart die Göttlichkeit des Sohnes. Doch der offene Himmel bedeutet mehr: nun steht jedem, der wie Jesus die Wasser der Taufe empfängt, der Himmel offen. Beda Venerabilis sagt:

Nicht für ihn, dessen Augen das Innere des Himmels schauen, tat sich der Himmel auf. Vielmehr wurde die Kraft der Taufe offenbar, denn wer aus ihr heraussteigt, dem öffnet sich das Reich der Himmel.

Taufe ist die lebendige Begegnung mit Gottes Kraft. Taufe ist mehr als ein Ritual. Der Getaufte begegnet Christus. Diese Begegnung ist kein einmaliges Geschehen, sondern von nun an ist er ganz mit Christus verbunden. Wie der Bräutigam mit der Braut so geht der Getaufte mit Christus eine lebendige Beziehung ein.

Vielleicht ist uns das etwas fremd, weil wir meist als Neugeborene getauft wurden und uns daran nicht mehr erinnern können. Schön kommt das aber in den Worten zum Ausdruck, die Johannes Chrysostomus den erwachsenen Taufbewerbern wenige Tage vor der Taufe sagt:

Ich verkünde euch, dass in drei Tagen der Bräutigam kommt. So erhebt euch, zündet die Lampen an, und empfangt mit ihrem hellen Licht den König des Himmels. Erhebt euch und wacht! Denn nicht am Tag, sondern mitten in der Nacht kommt der Bräutigam zu euch.

Wenn ihr den Ruf hört: Der Bräutigam kommt!, dann überhört seine Bedeutung nicht! Denn er ist wirklich bedeutsam und ist erfüllt von großer Menschenfreundlichkeit. Der Herr verlangte nicht, dass die Menschen zu ihm kämen, sondern er kam selbst zu uns.

Von diesem Kommen des Herrn haben wir in den vorangegangen Abschnitten des Evangeliums gehört. Lukas hat uns Gottes segensreiches und mächtiges Wirken in den Erzählungen aus der Kindheit Jesu geschildert. Nun sind etwa 30 Jahre vergangen. Ob es damals wohl jemanden gab, der sich an den Stall von Betlehem und an den Besuch der Weisen aus dem Morgenland erinnert hat, als er Jesus in das Wasser des Jordan steigen sah und miterlebte, wie er von Johannes getauft wurde?

 

7.1. Raimund von Penafort (um 1175-1275)

Raimund war adliger Herkunft und wurde um das Jahr 1175 auf dem westlich von Barcelona bei Villafranca del Penades gelegenen Schloss Penafort geboren. Er studierte an den damals sehr berühmten Universitäten von Barcelona und Bologna Philosophie und Rechtswissenschaften. In Bologna promovierte er zum Professor für Kirchenrecht. Er gilt als einer der bedeutendsten Rechtsgelehrten des Mittelalters.

In Bologna lernte er den Predigerorden des Hl. Dominikus kennen. Er beendete seine dortige Lehrtätigkeit und kehrte im Jahr 1220 nach Spanien zurück. Dort wurde er zunächst Kanoniker am Dom zu Barcelona. Er verfasste die Konstitutionen des damals entstandenen Mercedarier-Ordens. Dieser Orden, der in Deutschland auch „Orden der Gnade“ genannt wurde, bestand aus zölibatären Mönchsrittern und Mönchspriestern und setzte sich vor allem für den Loskauf von Gefangenen aus muslimischer Gefangenschaft ein.

Im Jahr 1222 trat Raimund von Penafort in den Dominikanerorden ein. Nach Abschluss des Noviziats lehrte er von 1223 bis 1229 an Schulen des Ordens. Im Jahr darauf wurde er von Papst Gregor IX., der ihn zu seinem Beichtvater ernannte, nach Rom gerufen. Auch hier wirkte er im Bereich des Kirchenrechts und erstellte eine Sammlung kirchlicher Gesetze, die vom Papst 1234 als „Corpus Iuris Canonici” in Kraft gesetzt wurde. Große Verbreitung erfuhr sein um das Jahr 1238 verfasstes Handbuch für Beichtväter (Summa de paenitentia et matrimonio).

Von 1238 bis 1240 war Raimund von Penafort als zweiter Nachfolger des Hl. Ordensgründers Dominikus Ordensgeneral der Dominikaner. Er erarbeitete die Kodifizierung der Ordensregeln, die weitgehend bis zur Reform in der Zeit des II. Vatikanums in Kraft blieben. Nach knapp drei Jahren legte er 1242 sein Amt nieder und ging nach Barcelona, wo er zum Berater König Jakobs. I. von Aragon, genannt Eroberer (1213-1276), wurde.

In dieser Zeit spielt die sogenannte Mantel-Legende. Raimund tadelte den König wegen seines unsittlichen Lebenswandels und wollte seine Beraterdienste beenden. Beide befanden sich damals auf der Insel Mallorca. Raimund wollte aufs Festland zurückkehren, jedoch verbot der König jedem bei Androhung der Todesstrafe, Raimund dabei behilflich zu sein. So fand er kein Schiff, das ihn übersetze. Daraufhin nahm er seinen Ordensmantel und fuhr auf diesem über das Meer. Der König, beeindruckt von diesem Wunder, besserte fortan seinen Lebenswandel.

Damals fielen immer mehr ehemals muslimische Gebiete an die Spanische Krone. Das stellte Kirche und Staat vor große Herausforderungen. Es ging vor allem darum, die fremde Kultur, Sprache und Religion der Muslime kennen zu lernen, und mit diesem Wissen die Mission unter den Muslimen voran zu treiben. Die intensive Begegnung mit der arabischen Kultur hat aber auch das geistige Leben in Europa befruchtet. Über die damals kulturell hochstehende muslimische Kultur kam man an bis dahin unbekannte Werke der Antike, wie vor allem die Schriften des Aristoteles.

Zusammen mit dem seligen Franziskaner-Terziaren Raimundus Lullus trat Raimund für die Mission unter den Muslimen, aber auch den in den neu eroberten Gebieten zahlreichen Juden ein. Der Missions-Erlass des aragonischen Königs von 1242 dürfte auf seine Anregung zurückgehen. Juden und Muslime wurden damit zu einer regelmäßigen Teilnahme an Predigten verpflichtet, die sie zum katholischen Glauben führten sollten. Bereits 1256 konnte Raimund von zehntausend getauften Muslimen berichten.

Durch Raimund wurde ein Arabisch- und Hebräisch-Unterricht in mehreren Klöstern des Dominikanerordens eingeführt. Die berühmte Summe gegen die Heiden (Summa contra gentiles) des Hl. Thomas von Aquin, der bekanntlich auch Dominikaner gewesen ist, ist auf Anregung Raimunds von Penafort entstanden. Mit ihr sollten durch Vernunftargumente nichtchristliche Glaubensauffassungen widerlegt und die Größe des christlichen Glaubens aufgezeigt werden. Raimundus Lullus und andere Theologen der damaligen Zeit haben Gespräche verfasst, in denen ein Jude, ein Muslim und ein Christ über ihre Religion diskutieren, wobei immer der Christ die überlegenen Argumente besitzt.

Raimund von Penafort war etwa einhundert Jahre alt und gezeichnet durch ein unermüdliches asketisches Leben, als er am 6. Januar 1275 zu Barcelona starb. Er wurde in der gotischen Kathedrale dieser Stadt beigesetzt. Viele Wunder ereigneten sich an seinem Grab. Im Jahr 1601 wurde er von Papst Clemens VIII. heiliggesprochen.

Epiphanie (2) Freude am Licht

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Auf, werde Licht, denn es kommt dein Licht, und die Herrlichkeit des Herrn geht leuchtend auf über dir. Völker wandern zu deinem Licht und Könige zu deinem strahlenden Glanz. Du wirst es sehen, und du wirst strahlen, dein Herz bebt vor Freude und öffnet sich weit. (Jes 60, 1.3.5)

Wir dürfen uns die Worte des Propheten Jesaja auf der Zunge zergehen lassen, sie immer und immer wieder lesen. Sie sind eine unvergängliche Zusage an uns, dass das Licht mächtiger ist als die Finsternis und das Helle kraftvoller als die Schatten. Wir haben keinen Gott, der uns fesselt und niederdrückt, sondern einen Gott, der uns aufrichtet und unseren Blick zum Licht lenkt. Er hat sich selbst klein gemacht, um uns groß herauskommen zu lassen.

Stauend dürfen wir das Geheimnis betrachten, das Gottes Liebe uns schenkt. Im Dunkeln geht ein Licht auf und in der Nacht leuchtet ein heller Stern. Schon dem Volk Israel galt diese Verheißung und es durfte immer wieder Gottes Licht im Dunkel seiner Geschichte erfahren. Seit der Wende der Weltgeschichte spricht Gott diese Verheißung allen Völkern zu. Dafür sind die Magier, von denen wir heute im Evangelium hören, sichtbare Zeugen. Sie führen den Zug der Völker zum göttlichen Kind an, den Jesaja stauend vorausgesagt hat. Sie kommen von weit her mit ihren Gaben, um dem göttlichen Kind ihre Gaben zu bringen.

Sicher war ihr Weg manchmal beschwerlich und gefährdet, führte über hohe Berge und durch die endlosen Weiten der Wüste und als sie fast schon am Ziel sind, verlieren sie plötzlich die Orientierung und landen bei einem grausamen König, der versucht, sie zu manipulieren. Aber sie geben nie die Hoffnung auf und dann sehen sie ihn plötzlich wieder, den Stern, der ihnen den Weg gezeigt hat und sie kommen zum Ziel ihrer langen Reise. 

Als sie den Stern sahen, wurden sie von sehr großer Freude erfüllt. (Mt 2,10)

Der Weg der Magier hin zum Kind von Betlehem, er kann ein Sinnbild sein für unseren Lebensweg. Vielleicht erscheint manchen Menschen heute die Rede von Gottes Sohn, der der Welt machtvoll erschienen ist, als fremd und fern ihrer Realität. Aber können wir uns nicht wiederfinden in diesen suchenden Menschen, die der Sehnsucht ihres Herzens gefolgt sind, fernab aller ausgetretenen Pfade und Konventionen? Menschen, die aus der Bahn geworfen wurden und am Rande des Scheiterns waren, die aber ihrer Sehnsucht treu geblieben sind und so zum Ziel gefunden haben.

Lasst auch uns auf die abenteuerliche Reise des Herzens zu Gott gehen! Lasst uns laufen! Lasst uns vergessen, was hinter uns liegt. Es ist noch alles Zukunft. Es sind noch alle Möglichkeiten des Lebens offen, weil wir Gott noch finden, noch mehr finden können. Nichts ist vorbei und dem verloren, der Gott entgegenläuft, dessen kleinste Wirklichkeit größer ist als unsere kühnsten Illusionen, dem Gott, der die ewige Jugend ist, in deren Land keine Resignation wohnt. (Karl Rahner)

Ich wünsche Ihnen die Kraft und den Mut, Ihren ganz persönlichen Weg der Sehnsucht zu gehen. Möge der Stern allezeit hell über Ihrem Leben leuchten.

Epiphanie (1) Das Fest

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Das Wort Epiphanie meint “Erscheinung, Offenbarwerden” und steht in Zusammenhang mit dem römischen Kaiserkult. Durch sein prunkvolles Auftreten in der Öffentlichkeit wird die Macht und Würde des Herrschers offenbar. Im christlichen Sinn meint dieses Fest, dass die göttliche Würde Jesu Christi den Menschen offenbar wird. Wir können sagen, dass an diesem Fest, anders als beim Weihnachtsfest, an dem die Menschheit des Sohnes Gottes betont wird, hier seine Gottheit im Mittelpunkt steht.

HEUTE wurde die Kirche dem himmlischen Bräutigam vermählt. Im Jordan wusch Christus sie rein von ihren Sünden. Die Weisen eilen mit Geschenken zur königlichen Hochzeit. Wasser wird in Wein gewandelt und erfreut die Gäste.

Diese Antiphon bringt die drei Geheimnisse von Epiphanie zum Ausdruck. Mit dem einleitenden „heute“ wird deutlich, dass wir mit diesem Fest nicht an vergangene Ereignisse erinnern, sondern dass immer wieder das geschieht, was wir feiern.

  • Durch die Anbetung der Weisen aus dem Morgenland wird die göttliche Würde des Kindes offenbar. Die Weisen sind dem Stern gefolgt, der sie zu dem neugeborenen König der Juden geführt hat, dem Messias, dem Sohn Gottes. Ihm bringen sie ihre Verehrung und ihre Gaben dar.
  • Sein öffentliches Wirken beginnt Jesus mit der Taufe im Jordan. Hier spricht die Stimme des Vaters aus dem Himmel: “Dieser ist mein geliebter Sohn, an dem ich Gefallen gefunden habe.” So offenbart der Vater der Welt die Göttlichkeit des Sohnes.
  • Nach dem Johannesevangelium hat Jesus sein erstes Wunder auf der Hochzeit zu Kana gewirkt, als er Wasser in Wein verwandelt hat. Bei Johannes heißt es dazu: “So tat Jesus sein erstes Zeichen und offenbarte seine Herrlichkeit.” (Joh 2,11)

Epiphanie, das Hochfest der Erscheinung des Herrn, ist das ursprüngliche Fest der Geburt Christi im Osten, wo es spätestens ab dem 4. Jahrhundert allgemein verbreitet ist. Neben dem Osterfest ist Epiphanie eines der ältesten Feste der Christen und das erste Fest überhaupt, das auf ein festes Datum gelegt wurde (Ostern ist ja wegen seiner Abhängigkeit vom Mondkalender ein variables Fest). Ähnlich dem ebenfalls im 4. Jahrhundert entstandenen römischen Weihnachtsfest am 25.12., das auf den heidnischen Festtag des unbesiegbaren Sonnengottes (sol invictus) am Tag der Wintersonnenwende gelegt wurde, ist auch das östliche Fest der Epiphanie von einem heidnischen Festtag beeinflusst.

Die Ursprünge von Epiphanie liegen in Ägypten. Dort feierte bereits Anfang des 3. Jahrhunderts die christliche Sekte der Basilidianer am 6. Januar das Fest der Taufe des Herrn, mit dem sie die Vorstellung verbanden, dass an diesem Tag Christus erst seine Göttlichkeit empfangen hätte. Im heidnischen Ägypten feierte man in der Nacht vom 5. auf den 6. Januar die Geburt des Sonnengottes Aion aus der Jungfrau Kore und am 6. Januar schöpfte man in einem feierlichen Zeremoniell Wasser aus dem Nil. Zu diesem Fest gehörte auch die Vorstellung, dass an diesem Tag die Quellen des Nil Wein statt Wasser fließen lassen.

Wasser und Taufe stellen von Anfang an ein zentrales Thema von Epiphanie dar. Im Osten wurde das Fest nach Ostern zu einem der zentralen Tauftermine. Bis heute wird an diesem Tag das Dreikönigswasser geweiht. Möglicherweise ist das Gedenken an die Hochzeit von Kana vom heidnischen Nilkult beeinflusst. Die Christen konnten zeigen, dass Jesus es wirklich vermocht hat, Wasser in Wein zu verwandeln, was bei den Heiden allein ein Mythos blieb.

Im Westen wurde das neben der Taufe Jesu und der Hochzeit zu Kana dritte Festgeheimnis, die Ankunft der Weisen beim göttlichen Kind in Betlehem, schließlich zum zentralen Inhalt des Festes, das man seit dem Mittelalter auch Dreikönigsfest nennt. Diese Entwicklung wurde vor allem durch die Übertragung der Gebeine der Heiligen Drei Könige in den Kölner Dom im Jahr 1164 beeinflusst. Aus den Magiern des Matthäusevangeliums wurden drei Könige, die man nun auch mit Namen kannte, Caspar, Melchior und Balthasar. Es entstanden das Brauchtum der Segnung der Wohnungen mit Dreikönigswasser und Weihrauch und die Sternsinger.