Taufe des Herrn (2)

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Die Taufe des Herrn wird in der Kunst auf vielfältige Weise dargestellt. Im Mittelpunkt steht der Herr, der nackt in die Fluten des Jordan steigt. Ganz Mensch ist er hier, der Sohn Gottes. Er, der frei ist von jeder Sünde und der Umkehr nicht bedarf, nimmt die Taufe des Johannes auf sich, der die Menschen zur Umkehr ruft. Er, der stärker ist als Johannes und mit Heiligem Geist und Feuer taufen wird, taucht in Demut in die Wasser des Jordans.

Rechts sehen wir Johannes den Täufer. Er überragt Jesus, den er tauft. Zu beiden Seiten des Jordan stehen Gestalten, auf der einen Seite sind es oft Engel, sie tragen die Gewänder Jesu in den Händen, um ihn zu bekleiden, wenn er aus dem Wasser steigt. Hinter Johannes sehen wir dessen Jünger, einige von ihnen werden bald Jesu Jünger sein.

Dann geht der Blick nach oben. Von dort kommt der Heilige Geist in Gestalt einer Taube auf Jesus herab. Ein alter Mann oder eine Hand aus der Wolke stellen Gottvater dar, der zu Jesus Christus spricht: „Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Gefallen gefunden.“ Die Taufe des Herrn wird so zu einem innertrinitarischen, ganz von Gott gewirkten Geschehen. In der Taufe offenbart sich die Gottheit Jesu Christi. Der als Mensch im Jordan steht, ist Gottes geliebter Sohn seit Ewigkeit. Er bedarf der Taufe nicht, weil er schon immer eins ist mit dem Vater und dem Heiligen Geist, und doch nimmt er sie auf sich, weil sich so die Gerechtigkeit, der Wille des Vaters erfüllt.

Johannes der Täufer wirkt mit an diesem Geschehen. Obwohl Gott, der in sich vollkommen ist, des Menschen nicht bedarf, muss dennoch Johannes der Täufer mitwirken am Werk Gottes, indem er Jesus tauft. Obwohl Gott des Menschen nicht bedarf, hat er ihn geschaffen, aus reiner Liebe. Weil Gott den Menschen liebt, kam der Sohn Gottes in die Welt, um den Willen des Vaters zu tun. Gott will das Heil und die Erlösung des Menschen. Nur, wenn auch der Mensch Ja sagt zu Gottes Plan, kann sein Heil Wirklichkeit werden.

Gott will jeden Menschen hineinnehmen in das Wirken seiner Liebe. Der Vater spricht: Du bist mein geliebter Sohn. Dieses Wort Gottes gilt uns allen, wenn wir bereit sind, in Gottes Liebe einzutreten, wenn wir bereit sind, Ja zu sagen zu seinem Willen. Der erste Schritt dazu ist die Taufe, in der Gott uns von unseren Sünden reinigt und uns annimmt als seine geliebten Kinder. Was wir in der Taufe begonnen haben, gilt es in unserem Leben immer mehr zu verwirklichen.

Gottes Liebe zu uns Menschen offenbart sich in der Taufe Jesu. Folgen wir diesem Ruf der Liebe Gottes. Sagen wir Ja zu seinem Willen, geben wir ihm unsere Stimme, unsere Hände, uns selber ganz und gar.

 

Taufe des Herrn (1)

Taufe_Himmel

Jesus reiht sich ein in die Schar der Täuflinge des Johannes. Unscheinbar steht er in der Menge, wartet geduldig, bis er an der Reihe ist. Jesus drängt sich nicht vor. Er zeigt sich als Mensch wie alle anderen. Seine Göttlichkeit ist verborgen und doch wird sie deutlich. Als Johannes ihn tauft und Jesus dabei betet, tut sich der Himmel auf und der Vater offenbart die Göttlichkeit des Sohnes. Doch der offene Himmel bedeutet mehr: nun steht jedem, der wie Jesus die Wasser der Taufe empfängt, der Himmel offen. Beda Venerabilis sagt:

Nicht für ihn, dessen Augen das Innere des Himmels schauen, tat sich der Himmel auf. Vielmehr wurde die Kraft der Taufe offenbar, denn wer aus ihr heraussteigt, dem öffnet sich das Reich der Himmel.

Taufe ist die lebendige Begegnung mit Gottes Kraft. Taufe ist mehr als ein Ritual. Der Getaufte begegnet Christus. Diese Begegnung ist kein einmaliges Geschehen, sondern von nun an ist er ganz mit Christus verbunden. Wie der Bräutigam mit der Braut so geht der Getaufte mit Christus eine lebendige Beziehung ein.

Vielleicht ist uns das etwas fremd, weil wir meist als Neugeborene getauft wurden und uns daran nicht mehr erinnern können. Schön kommt das aber in den Worten zum Ausdruck, die Johannes Chrysostomus den erwachsenen Taufbewerbern wenige Tage vor der Taufe sagt:

Ich verkünde euch, dass in drei Tagen der Bräutigam kommt. So erhebt euch, zündet die Lampen an, und empfangt mit ihrem hellen Licht den König des Himmels. Erhebt euch und wacht! Denn nicht am Tag, sondern mitten in der Nacht kommt der Bräutigam zu euch.

Wenn ihr den Ruf hört: Der Bräutigam kommt!, dann überhört seine Bedeutung nicht! Denn er ist wirklich bedeutsam und ist erfüllt von großer Menschenfreundlichkeit. Der Herr verlangte nicht, dass die Menschen zu ihm kämen, sondern er kam selbst zu uns.

Von diesem Kommen des Herrn haben wir in den vorangegangen Abschnitten des Evangeliums gehört. Lukas hat uns Gottes segensreiches und mächtiges Wirken in den Erzählungen aus der Kindheit Jesu geschildert. Nun sind etwa 30 Jahre vergangen. Ob es damals wohl jemanden gab, der sich an den Stall von Betlehem und an den Besuch der Weisen aus dem Morgenland erinnert hat, als er Jesus in das Wasser des Jordan steigen sah und miterlebte, wie er von Johannes getauft wurde?