Wie lange noch? (Psalm 13,2-3)

„Wie lange noch, Herr, vergißt du mich ganz? Wie lange noch verbirgst du dein Gesicht vor mir? Wie lange noch muss ich Schmerzen ertragen in meiner Seele, in meinem Herzen Kummer Tag für Tag? Wie lange noch darf mein Feind über mich triumphieren?“

Über dem Beter erheben sich bedrohliche Wolken. Von Gott verlassen und vergessen schmerzt ihm die Seele. Er weiß nicht mehr ein noch aus. Herr, wie lange soll es noch so mit mir weiter gehen? Wo ist die Freude? Wo ist das Glück?

Wir kennen solche Situationen, in denen uns kein Ausweg mehr aufscheint. Warum geht es mir scheinbar so schlecht und anderen so gut?

Vielleicht steht auch eine besondere Prüfung an, oder wir haben etwas verbockt und wissen nicht, wie wir es wieder gut machen sollen. Es lief bisher alles so gut und auf einmal ist alles anders. Wir sehnen uns danach, endlich wieder Licht zu sehen, am Ende des Tunnels.

Aufbruch und Begegnung (Lk 1,39)

mariaheimsuchung2.jpg„Maria aber brach auf in jenen Tagen und ging mit Eile weg in das Bergland in eine Stadt Judäas und trat ein in das Haus des Zacharias und begrüßte Elisabeth.“

So kann man Lk 1,39 wörtlich übersetzen. Ich finde, so wird die Dynamik deutlicher, die in diesem Satz steckt. Im Lateinischen ist zudem das erste Wort des Satzes „aufbrechend“, was im Deutschen nicht so wörtlich wiedergegeben werden kann. An erster Stelle steht der Aufbruch.

Dann heißt es, dass Maria weg geht, in Eile, wie besonders hervorgehoben wird. Sie geht ins Bergland. Da geht man ja eher langsam, aber Maria nicht. Schon ist sie im Haus des Zacharias, sie tritt ein und begrüßt Elisabeth und es kommt zur Begegnung der beiden Frauen.

Es geht alles sehr schnell. Maria weiß, wo sie hin will, sie weiß, was sie will. Sie hält sich unterwegs nicht auf. Irgendwie zeigt uns dieser eine Satz Maria als eine Frau, die anpackt, voller Entschiedenheit und mit Durchsetzungskraft. Das ist ein ganz anderes Bild, als es uns oft vermittelt wird. Es ist aber ein Bild das anspricht, besonders heute.

Mit ganzem Herzen

Oft treffen wir unsere Entscheidungen unter dem Aspekt, was uns momentan gewinnbringender erscheint. Wir wollen das tun, was gerade „in“ ist, fragen bei der Berufswahl nach den Karrieremöglichkeiten und auch Freunde wählen wir manchmal danach aus, wer uns bessere Kontakte und mehr Ansehen verschaffen kann.

Doch hören wir auch auf das, was unser Herz sagt? Wagen wir es, das zu tun, was uns Freude macht, auch wenn uns andere dafür vielleicht belächeln? Wagen wir es, einen Beruf zu ergreifen, für den wir unser ganzes Herzblut geben möchten, der aber zunächst einmal nicht sehr gewinnbringend ist? Wagen wir es, eine Freundschaft mit einem Menschen zu schließen, der uns sympathisch ist, über den andere aber die Nase rümpfen würden?

Jesus hat sich für die Menschen hingegeben, ohne zu fragen, wer es „wert“ ist, dass er sich für ihn opfert. In Gottes Augen sind alle Menschen wertvoll. Jesus hat sein Herzblut dafür gegeben, dass allen Menschen der Weg zum Vater im Himmel offen steht, auch wenn er wusste, dass es viele gibt, die ihn ablehnen werden.

Auch heute noch gibt Jesus sein ganzes Herzblut und seine ganze Liebe dafür, dass Menschen den Weg zum Vater finden, den Weg zum Leben, der er selber ist. Der Weg mit Jesus ist der Weg, der wirkliche Erfüllung und wahres Leben bringt. Herr, gib mir den Mut, diesen Weg zu gehen.