Verkündigung des Herrn

maria_verkuendigung_3.jpgDie Verkündigung des Engels an Maria, von der uns der Evangelist Lukas berichtet, ist ein unscheinbares, verborgenes Ereignis, etwas, das sich allein zwischen Gott und Maria – unter Vermittlung des Erzengels Gabriel – abgespielt hat. Und doch ist es ein Ereignis, das für die Geschichte der ganzen Menschheit entscheidend geworden ist: Gottes Sohn wird Mensch im Schoß einer Jungfrau.

Dreimal am Tag halten inne in unseren Alltag, um uns mit allen Betern auf der Welt zu einem gemeinsamen Gebet zu vereinen und der Menschwerdung Gottes zu gedenken. Dreimal am Tag, gewöhnlich morgens um 7 Uhr, mittags um 12 Uhr und abends um 19 Uhr läuten die Glocken, um uns zu diesem Gebet zu rufen:

Der Engel des Herrn brachte Maria die Botschaft, und sie empfing vom Heiligen Geist.

Gegrüßet seist du, Maria, voll der Gnade, der Herr ist mit dir. Du bist gebenedeit unter den Frauen, und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes, Jesus.

Heilige Maria, Mutter Gottes, bitte für uns Sünder jetzt und in der Stunde unseres Todes. Amen.

Maria sprach: Siehe, ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe nach deinem Wort.

Gegrüßet seist du, Maria …

Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt.

Gegrüßet seist du, Maria…

Bitte für uns, heilige Gottesmutter, auf dass wir würdig werden der Verheißungen Christi.

Lasset uns beten: Allmächtiger Gott, gieße deine Gnade in unsere Herzen ein. Durch die Botschaft des Engels haben wir die Menschwerdung Christi, deines Sohnes, erkannt. Lass uns durch sein Leiden und Kreuz zur Herrlichkeit der Auferstehung gelangen. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn. Amen.

Wir möchten Jesus sehen (Joh 12,21)

weizenkorn.jpgDer Weg zu Jesus beginnt mit der Sehnsucht, mit dem Wunsch, ihm zu begegnen.

Ich möchte Jesus sehen.

Auf der Suche nach Gott wollen wir entdecken, wie er ist. Wir suchen nicht die Weisheit und das Wissen dieser Welt, sondern wollen Jesus begegnen und mit ihm leben.

Es gibt einen Weg, auf dem die Menschen zu allen Zeiten Jesus begegnen können. Das ist der Weg der Nachfolge. Nachfolge bedeutet, sein Leben gering zu achten in dieser Welt. Wer bereit ist, sein Leben los zu lassen und es einem anderen zu übergeben, dem Vater, wie es Jesus getan hat, der kommt Jesus nahe und wird sein Leben bewahren bis ins ewige Leben.

Der „Test“ für unser geistliches Leben besteht darin, in welchem Maß in uns der Wunsch wächst, Gott zu sehen, zu kennen und zu lieben. Dieser Wunsch kann in uns entbrennen, wenn wir sein Wort hören und das bedenken, was er uns in der Heiligen Schrift sagt. Es sind Worte, die in jeder Zeit aktuell sind. Darin begegnet er uns selbst, das Wort, das Person ist, Jesus Christus.

Natürlich können uns Zweifel befallen, natürlich wird es in einem ernsthaften Gebetsleben auch Phasen der Dunkelheit geben, natürlich wird es Zeiten geben, in denen wir zu kämpfen haben. Wir leben nicht dauernd im Licht einer tiefen geistigen Freundschaft oder in der Wärme einer tiefen Verbundenheit des Herzens. Solches zu erfahren, ist ein Geschenk. Doch wir sollen nicht müde werden, um dieses Geschenk zu bitten und offen dafür zu sein.

Basil Hume

Herr,

öffne unser Herz für dich und dein Wort

und halte in uns die Sehnsucht wach,

dich und den Vater zu sehen.

Fasten – Zeichen der Umkehr

fasten_4.jpgFasten bedeutete schon immer auch Buße. Im Alten Testament hören wir öfter, dass die Menschen ein Fasten ausrufen, um Gott um Verzeihung für ihr böses Tun zu bitten und Gottes Zorn von ihnen abzuwenden.

Es ist nicht egal, wie wir leben. All unser Tun hat Auswirkungen auf die ganze Gemeinschaft, auch wenn dieser Zusammenhang nicht auf den ersten Blick ersichtlich ist. Gute Taten machen andere froh und können für andere ein Vorbild sein, auch Gutes zu tun. Wenn ich aber Böses tue, schade ich anderen und oft auch mir selbst.

Damit mein böses Tun nicht zum Vorbild für andere wird und immer mehr Böses geschieht, muss ich zeigen, dass mir das böse Tun leid tut und dass ich es wieder gut machen will, indem ich bewusst eine gute Tat entgegensetze.

Früher war die Fastenzeit besonders auch die Zeit, in der Menschen, die wegen ihrer Sünden aus der Gemeinschaft der Gläubigen ausgeschlossen wurden, wieder in die Gemeinschaft aufgenommen wurden. Dazu mussten sie verschiedene Zeichen öffentlicher Buße setzen.

Wenn dies aber besonders in der Fastenzeit geschah, in der alle Gläubigen fasten, so war dieses gemeinsame Fasten auch ein Zeichen der Solidarität mit den Sündern. Der eigene Verzicht und das gute Tun soll auch den Sündern zu gute kommen, dass sie dir Kraft haben, umzukehren.

Jeder Mensch hat es immer wieder nötig, umzukehren, jeder macht mal etwas falsch und braucht die Kraft und den Mut, dazu zu stehen und es wieder gut zu machen. Wenn wir gemeinsam fasten, zeigen wir, dass wir bereit sind, umzukehren und wir machen einander Mut, auf dem Weg mit Gott zu gehen.

Fasten – Teilen

fasten_3.JPGSchon seit dem frühen Christentum ist christliches Fasten verbunden mit der Solidarität mit den Armen. Fasten ist nicht etwas, das nur allein mich betrifft, es ist keine Leistung, die zeigen soll, wie toll ich doch bin. Fasten hat immer auch mit Gemeinschaft zu tun.

Fasten bedeutet immer auch Teilen. Wenn ich durch den Verzicht etwas einspare, kann ich dies mit anderen teilen, die es nötiger haben als ich. Etwas Geld für die Not in den armen Ländern, aber auch ein Lächeln oder eine gute Tat für die Menschen um mich herum, wenn ich etwas von meiner Zeit mit ihnen teile.

Papst Johannes XIII. hat einmal gesagt: 

„Nur für heute werde ich eine gute Tat vollbringen – und ich werde es niemandem erzählen.“

Wir können nicht die Welt verändern, aber wir können sie mit einer kleinen Tat doch ein wenig schöner machen.

Fasten – Nahrung für die Seele

fasten_2.jpgFasten bedeutet, für einen begrenzten Zeitraum ganz bewusst auf etwas zu verzichten. Wenn ich auf das Essen verzichte und dadurch Hunger verspüre, soll ich mich daran erinnern, dass mein Körper nicht aus sich selbst leben kann, sondern Nahrung benötigt. Es soll mir dabei aber auch bewusst werden, dass das Leben mehr ist als Essen und Trinken. Auch meine Seele kann nicht aus sich selbst leben. Ich habe das Bedürfnis, anerkannt, geachtet und geliebt zu werden. Eine solche Speise für die Seele können wir aus zwischenmenschlichen Beziehungen erlangen. Wir erlangen sie aber auch, indem wir uns Gott, unserem Schöpfer zuwenden.

Die Idee des Fastens ist also, für einen bestimmten Zeitraum ganz bewusst dem Körper Nahrung vorzuenthalten, um gleichzeitig der Seele besonders viel Nahrung zuzuführen. Dies kann dadurch geschehen, dass wir besonders auf unsere Beziehung zu anderen Menschen achten. Mit welchen Menschen hatte ich Streit – kann ich hier etwas tun, um den Frieden wieder herzustellen? Habe ich jemanden verletzt und kann es wieder gut machen? Wo bin ich verletzt worden? Kann ich den ersten Schritt zur Versöhnung tun? Beziehungen und Freundschaften leben davon, dass wir sie ständig pflegen – kann ich mir mehr Zeit dafür nehmen?

Auch unsere Freundschaft mit Gott sollten wir immer wieder pflegen. Will ich eine solche Freundschaft mit Gott? Was tue ich dafür? Wie oft am Tag denke ich an Gott? Habe ich eine Zeit am Tag, die ich ganz für Gott frei halte? Vielleicht weiß ich auch nicht so recht, wie ich diese Freundschaft mit Gott angehen soll – Gott wird es mir zeigen, wenn ich ihm dafür etwas Platz in meinem Leben gebe.

Fasten – Nahrung ist ein Geschenk

fasten_1.jpgDer Mensch ist so geschaffen, dass er Atmen und Nahrung aufnehmen muss, um leben zu können. Das Atmen geschieht normalerweise von selbst, die Nahrungsaufnahme aber ist eine bewusste Handlung. Zudem ist mit der Nahrungsaufnahme auch Genuss verbunden. Wir können unter so vielem das auswählen, was uns schmeckt. Das heißt aber auch, dass wir Verzicht üben können. 

Wir leben heute im Überfluß. Es ist erschreckend, wie viele Nahrungsmittel bei uns weggeworfen werden und vergammeln, während anderswo Menschen vor Hunger sterben. Wir meinen, wir hätten mit unserer Technik die Erde im Griff, dass sie immer genug Nahrung für uns her gibt. Es scheint unvorstellbar, dass einmal der Nachschub für die Lebensmittelindustrie ausbleibt und die Regale der Supermärkte nicht mehr randvoll gefüllt sind.

Aber doch sehen wir, wie das Klima Auswirkungen auf die Ernteerträge hat, wie Schädlinge die Ernte dezimieren oder wie der Mensch selbst durch Raubbau an der Natur die Fruchtbarkeit der Erde zerstört.

Es tut uns gut, einmal darüber nachzudenken, dass es nicht selbstverständlich ist, dass wir jeden Tag einen reich gedeckten Tisch haben. Einfach zu leben und bewusst auf etwas zu verzichten kann uns helfen, dankbar zu sein für das, was uns Gottes Schöpfung schenkt.

Hl. Joseph


Aufmerksam sein und
die Zeichen der Zeit
deuten können, im
entscheidenden Moment
das Rechte tun, das
war dein großes Verdienst,
Heiliger Joseph.
Als Maria auf
wunderbare Weise
schwanger wurde,
da hast du sie
nicht allein gelassen,
du hast für sie gesorg.
Als dann der
freudige Tag kam
und der Sohn Gottes
geboren wurde, als
die Hirten jubelten und
die Könige Geschenke
brachten, bist du doch
aufmerksam geblieben.
Du hast die Gefahr
erkannt, die vom Neid
des Herodes drohte.
Der mühsame Weg
nach Ägypten,
ein Leben in der Fremde,
du hast deine Familie
sicher hindurchgeführt.
Du hast deinen Sohn
liebevoll erzogen.
Dann erfahren wir
nichts mehr von dir.
Aber es bleibt uns
dein Beispiel,
aufmerksam zu sein,
wenn Gott uns anrührt
und in seinen Dienst ruft,
anzupacken,
wenn es Zeit ist
und aufzubrechen,
auch wenn der Weg
uns ungewiss erscheint.
Steh du uns bei,
Heiliger Joseph,
dass wir deinem
Beispiel folgen.

Jesus und Nikodemus (Joh 3,1-21)

nikodemus_3.jpg„Wenn jemand nicht aus Wasser und Geist neu geboren wird, kann er nicht in das Reich Gottes kommen.“ – Doch wie soll das geschehen?

„Da steht Christus mit dem Seinigen, strahlt die Fülle Gottes aus; hier stehe ich, eingefangen in mich selbst, festgeschmiedet in das, was ich bin – wie soll ich hinüberkommen können? Hinauskommen aus mir selbst? Anteil erhalten an dem, was Er ist? Jesus erwidert: Nicht von dir her. Nicht so, dass du aus eigener Kraft denkst, erkennst, weiterkommst und schließlich einsiehst. … Nein, du musst loslassen … musst es wagen und hinüberrufen: Du, Herr, hole mich! Du sende Deinen Geist, dass er mich umschaffe. Du gib mir den neuen Sinn, der imstande ist, das Deinige von Dir her zu denken. Du gib mir das neue Herz, aus Gottes Liebe geformt und fähig zu würdigen, was Gottes ist.“ (Romano Guardini)