Kategorie: Schriftzitate
Psalm 133 – 3
Erschöpft ziehen die Pilger durch die Hitze des Heiligen Landes. In der Ferne sehen sie den schneebedeckten Hermon. Sie denken an den erfrischenden Tau, der von seinen kühlen Höhen die sengende Hitze der Ebene mildern kann. Doch nicht der Hermon ist das Ziel der Pilger, sondern der Berg Zion, der heilige Berg, auf dem Gottes Tempel steht. Wie vom Hermon erfrischender Tau herab kommt, so kommt vom Zion göttlicher Segen auf das ganze Volk.
Auch wenn Gottes Nähe überall erfahrbar ist, gibt es doch besondere Orte, an denen seine Kraft intensiver spürbar werden kann. Wir kennen solche Wallfahrtsorte, die meist an den Gräbern bedeutender Heiliger errichtet wurden. Von Menschen, die in ganz besonderer Weise in der Nähe Gottes gelebt haben, wird Gottes Kraft und Segen an andere weiter gegeben. An solchen Orten fließt das Salböl Gottes verschwenderisch zu allen Zeiten. Lassen auch wir uns beschenken von Gottes Güte.
Psalm 133 – 2
Das Zusammenleben der Menschen in geschwisterlicher Eintracht vergleicht der Psalmist mit kostbarem Salböl. Zur Zeit der Bibel war das Öl sehr wichtig. Es diente zur Reinigung und Kräftigung. Gelebte Gemeinschaft gibt Kraft. Sie bietet uns einen Ort, an dem wir ausruhen können, einen Ort, der uns fördert durch das gemeinsame Gespräch.
Denken wir hier auch wieder an die ursprüngliche Bedeutung des Psalms als Wallfahrtslied. Der Weg ist mühsam. Verschwitzt, verstaubt sind die Pilger unterwegs. Das Öl stärkt den Pilger auf seinem Weg, wäscht den Schmutz ab und lässt ihn duften. Salbung ist auch ein Zeichen der Erwählung. Der Pilger kommt dem Ziel, Christus ähnlich zu sein, näher.
Salböl steht als Symbol für die Verleihung göttlicher Kraft. Könige, Priester und Propheten werden gesalbt. Die Salbung auch ein wichtiger Bestandteil der Sakramentenspendung. Aaron ist der erste Priester des Alten Bundes. Aus seinem Geschlecht stammen die Priester Israels. Die Priester gelten als Vermittler göttlichen Segens an das Volk. So deuten die Kirchenväter das Salböl als den Segen Gottes, der vom Haupt Christus über die Kirche auf die Menschen herab kommt. Diesen Segen erwarten die Pilger am Ziel ihres Weges.
Psalm 133 – 1
Der Psalm 133 gehört zu den Wallfahrtsliedern und aus der Situation der Wallfahrt heraus, finden wir leicht zu seiner Deutung. Wallfahrer sind in Gruppen unterwegs. Noch heute erfahren wir, dass in solchen Pilgergruppen oft ein besonderes Gemeinschaftsgefühl entsteht. Man wächst zusammen, der gemeinsame Glaube, der gemeinsame Weg, das gemeinsame Ziel verbindet.
Das ganze Leben ist ein solcher Pilgerweg. Nicht nur in der besonderen Situation einer Wallfahrt, sondern auch in unserem Alltag können wir die Erfahrung machen, dass wir nicht alleine unterwegs sind im Leben. Vielen fällt es schwer, die passenden Menschen zu finden, mit denen sie das Gefühl wahrer Gemeinschaft verbindet, die nicht nur oberflächlich ist, sondern aus dem Herzen kommt.
Die Kirche soll ein solcher Ort sein, an dem geschwisterliche Gemeinschaft in Eintracht möglich ist. Seit alters her deuten die Kirchenväter diesen Vers auf die Klöster. Nur hier, so meinen sie, wird christliche Gemeinschaft wirklich gelebt. Doch sollte nicht jede Gemeinde ein solcher Ort der Eintracht sein? Kann nicht jeder im Kleinen für sich und andere solch liebevolle Gemeinschaft Wirklichkeit werden lassen? So wird dieser Vers zu einer Herausforderung an uns alle, in unserer Umgebung Räume tiefen Friedens und inniger Nähe zu ermöglichen.









