10.6. Sel. Eustachius Kugler (1867–1946)

Kugler_1Josef Kugler wurde am 15. Januar 1867 in Neuhaus/Nittenau in der Oberpfalz geboren. Sein Vater war Landwirt und Hufschmied. Josef machte eine Lehre zum Bauschlosser in München. Dabei erlitt er eine Beinverletzung, an der er sein Leben lang zu leiden hatte. Er zog zu seiner Schwester nach Reichenbach und arbeitete dort in der Schmiedewerkstatt seines Schwagers. Da in der Reichenbacher Kirche nur unregelmäßig Gottesdienste gefeiert wurden, betete Josef Kugler am Sonntagnachmittag den Rosenkranz vor, weshalb er bald den Spitznamen „Klostersepp“ erhielt.

Als im Jahr 1890 die Barmherzigen Brüder das Kloster Reichenbach übernahmen und dort ein Pflegeheim für Menschen mit geistiger Behinderung einrichteten, war Josef Kugler zusammen mit anderen Handwerkern an den Renovierungsarbeiten beteiligt. Er hatte dabei auch Gelegenheit, den Orden näher kennenzulernen. Das Leben der Barmherzigen Brüder beeindruckte ihn und so trat er im Januar 1893 in die Ordensgemeinschaft ein und erhielt den Ordensnamen Eustachius.

Nach seiner Profess im Jahr 1898 war er in mehreren Häusern des Ordens tätig, bald auch in leitender Funktion. Im Jahr 1925 wurde er zum Provinzial der Bayerischen Ordensprovinz gewählt. Als seine größte Leistung kann der Bau des Krankenhauses der Barmherzigen Brüder in Regensburg bezeichnet werden. Mit unermüdlichem Eifer und unerschütterlichem Gottvertrauen gelang es ihm, die Finanzierung zu sichern und das Bauvorhaben durchzuführen.

Ich habe die Sache mit meinem Herrgott ausgemacht. Es wird nichts fehlen!

Im Jahr 1930 konnte das Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in Regensburg eingeweiht werden. Es galt damals als eines der modernsten Krankenhäuser Deutschlands und hat bis heute nichts an seiner Bedeutung verloren.

In der Zeit des Nationalsozialismus hatte die Gemeinschaft der Barmherzigen Brüder starke Repressalien zu erdulden und Eustachius Kugler wurde als Oberer schwer bedrängt. Die sogenannte „Vernichtung lebensunwerten Lebens“ durch die Nazis traf ins Herz des Ordens, der sich besonders der behinderten Menschen annahm und diese betreute. Eustachius Kugler half, wo er konnte und versuchte zu verhindern, was zu verhindern war. Er musste dreißig mehrstündige Verhöre durch die Gestapo über sich ergehen lassen, in denen er sich als „kraftvoller Zeuge Christi“ zeigte.

Nach dem Krieg wurde bei Eustachius Kugler ein schweres Krebsleiden sichtbar. Am 10. Juni 1946 starb er im Regensburger Krankenhaus der Barmherzigen Brüder. Seine Verehrung breitete sich rasch aus. Seit 1982 ruhen seine sterblichen Überreste in einer Seitenkapelle der Krankenhauskirche St. Pius in Regensburg. Am 4. Oktober 2009 wurde er im Hohen Dom zu Regensburg seliggesprochen.

Ephräm der Syrer (306-373)

Ephraem_Weg

Der hl. Ephräm wurde um 306 in Nisibis, dem heutigen Nusaybin geboren. Nisibis war damals eine Grenzstadt zwischen dem Römischen Reich und Persien, das heutige Nusaybin liegt in der Türkei direkt an der Grenze zu Syrien.

Über die Kindheit des hl. Ephräm ist wenig bekannt. Wahrscheinlich war seine Mutter Christin, sein Vater jedoch ein heidnischer Priester, der seinen Sohn, als dieser im Alter von 18 Jahren die Taufe empfing, aus dem Haus warf. Später soll sich der Vater bekehrt haben und als Märtyrer gestorben sein.

Ephräm fand Zuflucht beim hl. Bischof Jakobus von Nisibis, erhielt an dessen Schule eine fundierte Ausbildung und wurde schließlich zum Diakon geweiht. Aus Demut hat Ephräm keine höheren Weihen und Kirchenämter angestrebt. Er ist Zeit seines Lebens Diakon geblieben und hat nach den Evangelischen Räten der Armut und Ehelosigkeit gelebt. Man weiß nicht sicher, ob er auch Mönch gewesen ist. Er hat aber lange Zeit als Einsiedler gelebt.

Ephräm wurde Lehrer an der Schule des Bischofs Jakobus und übernahm schließlich deren Leitung. Es heißt, dass Ephräm mit Jakobus am Konzil von Nicäa teilgenommen habe. Auch unter den Nachfolgern des hl. Jakobus setzte Ephräm seine Lehrtätigkeit fort.

Als Nisibis im Jahr 363 an die Perser fiel, verließ ein Großteil der römischen Bevölkerung die Stadt. Ephräm ging zusammen mit den anderen Lehrern seiner Schule und der Mehrheit der Oberschicht nach Edessa, dem heutigen Urfa in der Türkei. Ephräm lebte in Edessa in einer Höhle und verbrachte die Nächte im Gebet und dem Studium der Heiligen Schrift, tagsüber aber unterrichtete er und stellte sich in den Dienst der Nächsten. Sein Zeitgenosse, der hl. Gregor von Nyssa, schreibt über ihn:

Ephräm ist ein Nacheiferer der ersten Apostel; er kann allen Mönchen und Eremiten als Vorbild dienen. Er lebte ohne Tasche, ohne Stock und hatte weder Silber noch Gold. Seine Nahrung war Haferbrot und Gemüse, sein Getränk bestand aus bloßem Wasser. Sein Leib glich einem Skelett aus Ton.

Als in Edessa die Pest ausbrach, half Ephräm bei der Pflege der Kranken und wurde dabei selbst infiziert. Er starb am 9. Juni 373. Über seinem Grab wurde ein Kloster errichtet. Kreuzritter brachten seine Gebeine im Jahr 1145 vor einfallenden Kurden in Sicherheit.

Ephräm hat ein umfangreiches Werk hinterlassen. Bekannt ist er vor allem als Dichter christlicher Hymnen. Er verstand es meisterhaft, den Glauben singend zu verkünden. Der Historiker Sosimus sagt, Ephräm habe ungefähr drei Millionen Verse verfasst. Ein anderer schreibt, dass Ephräm neben seinen Hymnen und Liedern mehr als tausend Reden und Predigten hinterlassen habe. Viele seiner Predigten sind Versform gehalten. Zu den Schriften in gewöhnlicher Prosa zählen vor allem Verteidigungsschriften des Christentums sowie zahlreiche Bibelkommentare.

Alle seine Hymnen schöpfen aus dem unendlichen Schatz der Heiligen Schrift. Über sie sagt er:

Die Bibel gleicht einem Acker, der nie abgeerntet werden kann und deshalb nie öde und leer daliegt. Sie gleicht einer Quelle die beständig fließt und umso reichlicher strömt, je mehr man daraus schöpft.

Die Ostkirche hat dem hl. Ephräm viele Titel verliehen, unter anderem wird er Sonne der Schulen, Meister der Meister, Haupt der Lehrer, Fürst der Poeten, Brunnen der Wissenschaft, Vorbild der Eremiten, göttlicher Philosoph und Harfe des Heiligen Geistes genannt. Im Westen wurde er im Jahr 1920 durch Papst Benedikt XV. zum Kirchenlehrer erhoben.

Eine besondere Liebe hatte der hl. Ephräm zur Muttergottes. Das ist ein Beleg dafür, wie tief ihre Verehrung bereits in der frühen Kirche verwurzelt war. Er sagt:

Du, Jesus, und deine Mutter, ihr habt höchste Schönheit; an dir gibt es keine Befleckung und an deiner Mutter ebenfalls nicht.

Gott, geheimnisvoll waltest du überall und überall bist du verborgen. Du bist gegenwärtig in der Höhe, aber die Höhe kann dich nicht fassen. Du bist in der Tiefe, aber sie umgreift dein Wesen nicht. Du bist ganz nur Wunder, wo immer wir dich suchen. Nah bist du und fern. Wer gelangt zu dir? Der forschende Geist, der sinnende, kann es nicht. Dir naht nur der Glaube, nur die Liebe, nur das Gebet. Amen.

Paulus – Galaterbrief

Petrus_Paulus_Gal

Ich erkläre euch, Brüder: Das Evangelium, das ich verkündigt habe, stammt nicht von Menschen; ich habe es ja nicht von einem Menschen übernommen oder gelernt, sondern durch die Offenbarung Jesu Christi empfangen. (Gal 1,10-12)

Das Missionswerk des Paulus in Galatien ist in seinem Kern bedroht durch Prediger, die von den heidnischen Galatern die Beschneidung und damit auch die Einhaltung der jüdischen Reinheitsvorschriften fordern. Paulus sieht sich als Apostel der Heiden, der die Kirche Christi unter den Heiden aufbaut, die zwar auf dem Fundament des Alten Bundes steht, aber nicht mehr an den alten Riten festhält. Das Christentum ist keine jüdische Sekte, sondern eine neue Religion.

Die Gegner des Paulus berufen sich darauf, nach der Lehre der Apostel zu handeln. Für sie ist Paulus kein richtiger Apostel, da er erst nach der Auferstehung Jesu zum Glauben gekommen ist. Daher erkennen sie seine Lehre nicht an. Sicher konnten sie auch viele andere mit ihren Argumenten überzeugen, denn auf den ersten Blick betrachtet sind die Apostel, die Jesus selbst berufen hat und die mit Jesus beisammen waren, bedeutender als Paulus, der Jesus nicht wirklich erlebt hat.

Daher ist es Paulus so wichtig zu betonen, dass er Jesus Christus gesehen hat. Der Auferstandene ist auch ihm erschienen und hat ihm den Auftrag zur Verkündigung des Evangeliums unter den Heiden anvertraut. Wie die anderen Apostel von Jesus zu seinen Lebzeiten gelernt haben, so hat Paulus von ihm durch eine Offenbarung gelernt. Paulus hat es daher nicht nötig, erst bei den anderen Aposteln in die Lehre zu gehen. Bevor er dies näher ausführt, zeigt er, wie die Offenbarung Christi sein eigenes Leben grundlegend verändert hat.

Ihr habt doch gehört, wie ich früher als gesetzestreuer Jude gelebt habe, und wisst, wie maßlos ich die Kirche Gottes verfolgte und zu vernichten suchte. In der Treue zum jüdischen Gesetz übertraf ich die meisten Altersgenossen in meinem Volk und mit dem größten Eifer setzte ich mich für die Überlieferungen meiner Väter ein. (Gal 1,13-14)

Paulus war vor seiner Bekehrung ein gesetzestreuer Jude, der in seiner Befolgung des jüdischen Gesetzes vorbildlich war und in seinem Eifer die meisten seiner Zeitgenossen übertraf. In diesem Eifer wollte er auch das Christentum, in dem er zunächst eine jüdische Sekte sah, die den Glauben der Väter verfälschte, im Keim ersticken. Alle Welt hat seiner Meinung nach davon gehört. Bis ins ferne Galatien ist der Ruf von ihm gedrungen. Dann aber ist etwas geschehen, das sein Leben und auch seine Überzeugungen grundlegend geändert hat. Er erkannte, dass dieser Christus, dessen Anhänger er verfolgte, wirklich der Sohn des Vaters war, des Gottes, für den er so eifernd kämpfte und dass Gott der Welt durch ihn eine neue Offenbarung geschenkt hat.

Als aber Gott, der mich schon im Mutterleib auserwählt und durch seine Gnade berufen hat, mir in seiner Güte seinen Sohn offenbarte, damit ich ihn unter den Heiden verkündige, da zog ich keinen Menschen zu Rate; ich ging auch nicht sogleich nach Jerusalem hinauf zu denen, die vor mir Apostel waren, sondern zog nach Arabien und kehrte dann wieder nach Damaskus zurück. (Gal 1,15-17)

Paulus weiß sich von Gott berufen, und das schon von Mutterleib an. Er stellt sich damit auf eine Stufe mit den Propheten und großen Gestalten des Alten Bundes. Oft gibt es über diese einen Bericht davon, dass schon bei ihrer Empfängnis und Geburt durch besondere Zeichen deren Erwählung deutlich wurde. So hören wir es ja auch im Lukasevangelium von Johannes dem Täufer. Oft sind es stilisierte Erzählungen, die einem gewissen Schema folgen, und somit zwar erbaulich sind, uns aber historisch als wertlos erscheinen. Von Paulus gibt es keinen Kindheitsbericht in der Heiligen Schrift. Wir lernen ihn nur als erwachsenen Mann kennen. Und doch gilt auch für ihn, dass seine Erwählung durch Gott bereits im Mutterschoß erfolgt ist.

Weil Paulus seine Offenbarung direkt von Gott erhalten hat, braucht er nicht erst zu Menschen in die Lehre zu gehen, bevor er selbst lehrt, auch nicht zu den Aposteln in Jerusalem. Die Offenbarung Gottes hat ihn in den gleichen Stand versetzt wie diese. Es ist daher nicht ein Zeichen von Überheblichkeit, dass er nicht zu den Aposteln geht, sondern Gottes Wille. Wenn er sich erst die Unterweisung und den Auftrag der Apostel für seine Verkündigung einholen müsste, würde er Gottes Auftrag nicht treu erfüllen.

Drei Jahre später ging ich nach Jerusalem hinauf, um Kephas kennen zu lernen, und blieb fünfzehn Tage bei ihm. Von den anderen Aposteln habe ich keinen gesehen, nur Jakobus, den Bruder des Herrn. (Gal 1,18-19)

Schließlich ist Paulus doch nach Jerusalem gegangen, aber erst nach drei Jahren, nachdem er in Arabien das Evangelium verkündet hat. Von dieser Missionstätigkeit des Paulus erfahren wir leider nichts Weiteres und auch in seinen Briefen geht es nicht mehr darauf ein. Seine Reise nach Jerusalem hatte allein den Zweck, Petrus den Fels (Kephas) kennenzulernen. Nicht, um von ihm zu lernen oder sich von ihm die oberhirtliche Bestätigung für seine Missionstätigkeit einzuholen, sondern allein aus Respekt und Freundschaft dem Petrus gegenüber ist Paulus nach Jerusalem gegangen. Er hat sonst keinen anderen der Apostel kennengelernt, außer Jakobus, den Bruder des Herrn, der damals wohl die Leitung der Jerusalemer Gemeinde innehatte.

Wir dürfen also aus dieser Stelle keinen Konflikt zwischen Paulus und Petrus herauslesen. Wenn auch in Gal 2,11 und anderen Stellen der Heiligen Schrift von einer Auseinandersetzung zwischen Petrus und Paulus die Rede ist, so handelt es sich dabei nur um die Klärung strittiger Punkte und nicht um eine grundsätzliche Differenz oder gar Feindschaft. Petrus war mit seinem Verhalten und seiner Lehre noch tiefer im Judentum verwurzelt als Paulus. Dem Fischer vom See Gennesaret ist es schwerer gefallen, seine von Kindheit an gelernte religiöse Praxis aufzugeben als dem gebildeten und weitgereisten Paulus.

Weil Petrus seine Verwurzelung im Judentum deutlich machte, konnten sich die Gegner des Paulus, die von den Heiden die Übernahme eben jener Bräuche forderten, auf ihn, den ersten der Apostel, berufen. Daher muss Paulus so deutlich machen, dass er selbst Petrus in nichts nachsteht und mit ihm in gegenseitigem Einvernehmen, ja sogar Freundschaft verbunden ist. Es ist ja auch tatsächlich so, dass sich die Apostel darauf geeinigt haben, von den Heidenchristen weder die Beschneidung noch die Einhaltung der jüdischen Reinheitsvorschriften einzufordern.

Vielleicht können wir hier Papst Benedikt XVI. und Papst Franziskus als Vergleich nehmen. Für Papst Benedikt XVI. sind die traditionellen Riten der katholischen Kirche besonders wichtig. Unter seinem Pontifikat kam es zu einer Stärkung traditioneller Gottesdienstformen. Papst Franziskus setzt andere Akzente. Und doch stehen beide fest auf dem Fundament des katholischen Glaubens. Jeder der beiden hat verschiedene Gruppen, die ihn besonders verehren, aber doch genießen beide als Papst das gleiche Ansehen. Ähnlich mag es auch mit Petrus und Paulus gewesen sein. Während Petrus mehr die Judenchristen angesprochen hat, war diesen Paulus stets verdächtig. Und doch sind beide von Christus berufen und stehen fest im Glauben an den Herrn. Die Kirche hat dies in ihrer Tradition auch immer betont, da sie die beiden Apostel am gleichen Tag (29.6.) gemeinsam feiert.

Was ich euch hier schreibe – Gott weiß, dass ich nicht lüge. Danach ging ich in das Gebiet von Syrien und Zilizien. Den Gemeinden Christi in Judäa aber blieb ich persönlich unbekannt, sie hörten nur: Er, der uns einst verfolgte, verkündigt jetzt den Glauben, den er früher vernichten wollte. Und sie lobten Gott um meinetwillen. (Gal 1,20-24)

Nach seinem Besuch in Jerusalem zieht Paulus weiter und missioniert in Syrien und Zilizien. Mit den Gemeinden in Judäa hatte er aber nichts zu tun. Diese gehörten zum Missionsfeld des Petrus und der anderen Apostel. Hier mischt sich Paulus nicht ein. Doch sein Ruf als Missionar dringt bis zu ihnen und sie freuen sich darüber, dass durch ihn Jesus Christus in der Welt bekannt gemacht wird. Dafür loben und danken sie Gott.

Herz Jesu

Herz_Jesu_Lk

Wenn einer von euch hundert Schafe hat und eins davon verliert, lässt er dann nicht die neunundneunzig in der Steppe zurück und geht dem verlorenen nach, bis er es findet? Und wenn er es gefunden hat, nimmt er es voll Freude auf die Schultern, und wenn er nach Hause kommt, ruft er seine Freunde und Nachbarn zusammen und sagt zu ihnen: Freut euch mit mir; ich habe mein Schaf wieder gefunden, das verloren war. Ich sage euch: Ebenso wird auch im Himmel mehr Freude herrschen über einen einzigen Sünder, der umkehrt, als über neunundneunzig Gerechte, die es nicht nötig haben umzukehren. (Lk 15,4-7)

Im Lesejahr C hören wir am Herz-Jesu-Fest im Evangelium das Gleichnis vom verlorenen Schaf. Jesus offenbart uns darin die Tiefe der Liebe des göttlichen Herzens. Bevor Jesus das Gleichnis erzählt, berichtet Lukas davon, dass alle Zöllner und Sünder zu Jesus kommen. Darüber empören sich die Pharisäer und Schriftgelehrten. Mit solchen Menschen darf ein Frommer keinen Umgang haben.

Die Welt ist klar geordnet. Auf der einen Seite die Guten, auf der anderen die Bösen. Jeder entscheidet selbst, wo er hingehören will. Wer sich für die böse Seite entscheidet, der ist verloren und abgeschrieben. Er ist selbst schuld an seinem Schicksal. Hätte er mal früher bedacht, was er tut. Soll er doch sehen, wohin er mit seiner Einstellung kommt.

Sind die Hirten wirklich so, wie Jesus sie beschreibt? Kann sich ein Hirte wirklich erlauben, dem einen verlorenen Schaft nachzugehen, und die anderen allein zurück zu lassen? Selbst wenn er es sucht, wird er es dann nicht viel mehr voller Zorn mit vielen Schlägen zur Herde zurück treiben, anstatt es auf den Schultern zu tragen?

Nur wer die Liebe kennt, kann sich vorstellen, was der Verlust eines geliebten Menschen bedeutet. Nur wer liebt, wird seine ganze Mühe daran setzen, den geliebten Menschen rastlos zu suchen. Und wenn er ihn gefunden hat, wird er alle Sorge um den Vermissten vergessen, aus lauter Freude über das Wiedersehen. Er denkt gar nicht daran, dem anderen Vorwürfe zu machen, sondern allein die Freude erfüllt nun sein Herz.

Diese Freude ist das zentrale Geheimnis des Gleichnisses. Nur wer diese Freude der Liebe kennt, weiß etwas vom Herzen Gottes. Gott geht dem Verlorenen nach und seine Arme sind weit ausgestreckt, um jeden zu umfassen, der sich ihm zuwendet. Wer Gottes Liebe kennt, wird keinen Menschen mehr verurteilen und über niemand mehr richten. Er wird erkennen, wie sehr er selbst ständig der göttlichen Liebe und Barmherzigkeit bedarf.

Wir alle sind wie verirrte Schafe. Nie werden wir vollkommen den Willen Gottes erfüllen. Immer werden wir unseren eigenen Weg gehen und brauchen den guten Hirten, der uns voller Liebe sucht und an sein Herz zurückholt. Gott wird nicht müde, sich an uns zu freuen, wenn er uns an sein Herz drücken kann.

Beten wir mit der Hl. Gertud von Helfta darum, dass unser Herz dem Herzen Gottes immer ähnlicher werde:

Ich grüße dich, Heiligstes Herz Jesu, du lebendige und lebendig machende Quelle des ewigen Lebens, du unendlicher Schatz der Gottheit und flammender Glutofen der göttlichen Liebe! Du bist mein Ruheplatz und mein Zufluchtsort. O mein göttlicher Erlöser, entflamme mein Herz mit der heißen Liebe, von der dein Herz ganz verzehrt wird! Gieße aus in mein Herz die großen Gnaden, deren Quelle du bist, und mach, dass mein Herz sich so mit dem deinen vereine, dass dein Wille der meine sei, und dass mein Wille auf ewig dem deinigen gleichförmig sei; denn ich wünsche fortan deinen heiligen Willen zur Richtschnur aller meiner Handlungen zu haben. Amen.

Barmherzigkeit

Lk_6_Barmherzig

Verlangt Jesus nicht etwas Unmögliches von uns? Zunächst verlangt er von uns die Feindesliebe. Was uns andere auch antun mögen, wir sollen stets gut zu ihnen sein. Ok, man kann seine Rachegelüste zähmen, versuchen, ruhig zu bleiben. Aber wenn im Herzen der Groll aufsteigt, dann wünscht man dem anderen doch leicht alles Mögliche nicht so gute. Stattdessen nicht nur im Stillen dem anderen nichts Böses wünschen, sondern etwas Gutes tun, übersteigt das nicht alle menschlichen Möglichkeiten? Und: wo kommen wir denn dann selbst hin, wenn alle auf uns rumtrampeln können, ohne dass wir uns wehren.

Genau hier müssen wir einlenken. Den Feinden Gutes tun ist eine aktive Handlung. Sie erfordert Größe. Das ist etwas ganz anderes, als auf sich herumtrampeln zu lassen. Wenn wir statt einem Blick voll Hass ein Geschenk der Liebe machen, dann ist der andere zunächst überrascht und vielleicht denkt er dann darüber nach, was er tut. Wer auf Feindschaft mit Hass antwortet, der vertieft den Graben zwischen den Menschen und wird selbst vom Sog des Hasses in die Tiefe gezogen. Wer aber mit einem Geschenk des Guten antwortet, nimmt dem Hass und der Feindschaft die Kraft und lässt die Möglichkeit des Friedens entstehen.

Jesus begründet seine Forderung nach Nächstenliebe und Feindesliebe mit der Barmherzigkeit des Vaters. Weil Gott an uns barmherzig gehandelt hat, sollen auch wir barmherzig sein. Gottes barmherziges Tun an uns geht all unserem Tun voraus. Gott handelt an uns barmherzig, noch bevor wir selbst etwas getan haben. Um Christ zu werden und das Heil zu empfangen, bedarf es keiner langen Jahre der Askese oder einer Reihe von Wiedergeburten durch mehrere Leben hindurch. Es braucht nur etwas Wasser und einen anderen Menschen, der die Taufformel spricht.

Wir sollen barmherzig sein, weil uns Barmherzigkeit zuteil wurde, nicht damit uns Barmherzigkeit zuteil wird. (Raniero Cantalamessa)

Gott bedarf unserer Barmherzigkeit nicht. Er handelt nicht gut an uns, damit wir uns ihm gegenüber als gut erweisen. Er lenkt unsere Barmherzigkeit hin auf unsere Mitmenschen. Ihnen gegenüber sollen wir das erfahrbar machen, was Gott uns hat erfahren lassen: dass wir bedingungslos geliebt und von Gott unendlich beschenkt sind.

Der Nächste, der Mitmensch, ist für mich das sichtbare Antlitz Gottes. (Raniero Cantalamessa)

Wir vergessen leicht, was Gott für uns getan hat, gerade in der heutigen Zeit, wo die Erlösungsbedürftigkeit des Menschen in den Hintergrund gedrängt wurde. Unsere Leistung steht im Vordergrund und wenn es einer zu etwas bringen will, so muss er sich über andere behaupten, besser sein als andere. Wer sich umwendet, um einem anderen zu helfen, bleibt oft selbst zurück.

Das oberste Ziel unserer kapitalistischen Welt ist der Profit und dabei sind es einige wenige, die wirklich großen Profit machen. Noch hat ein relativ großer Teil unserer Gesellschaft teil an diesem Profit und kann sich mit Konsum und Unterhaltung vergnügen, aber immer deutlicher wird das Ausmaß der Zerstörung, die das kapitalistische Denken anrichtet. Die Menschen, die davon nicht profitieren, drängen sich immer stärker in unser Bewusstsein. Immer deutlicher wird das Ausmaß der Zerstörung der Erde.

Nur die Barmherzigkeit, die Barmherzigkeit Gottes zu den Menschen und der Menschen untereinander, kann die Welt retten.

Himmlischer Vater, durch die Verdienste deines Sohnes, der sich am Kreuz für uns „zur Sünde machte“, lösche aus den Herzen der Menschen, der Familien und der Völker die Rachsucht und gib, dass wir uns in die Barmherzigkeit verlieben. Gib, dass der Absicht des Heiligen Vaters beim Ausrufen dieses Heiligen Jahres der Barmherzigkeit eine konkrete Antwort unserer Herzen folgt, und dass allen die Freude zuteil wird, sich mit dir versöhnen zu lassen. Amen. (Raniero Cantalamessa)

Der Galaterbrief

Paulus_2

Paulus, zum Apostel berufen, nicht von Menschen oder durch einen Menschen, sondern durch Jesus Christus und durch Gott, den Vater, der ihn von den Toten auferweckt hat, und alle Brüder, die bei mir sind, an die Gemeinden in Galatien. (Gal 1,1-2)

Bereits mit dem Eingangsgruß des Galaterbriefes macht Paulus die Autorität deutlich, auf der seine Verkündigung beruht. Er hat den Galatern das Evangelium gebracht, und nun sind diese im Begriff, anderen Missionaren zu folgen, die eine ganz andere Lehre vertreten als die des Paulus. Er aber ist nicht irgendein Missionar unter vielen, sondern von Gott berufener Apostel. Das, was er lehrt, stammt nicht von ihm selbst und er wurde nicht von Menschen in sein Amt eingesetzt. Seine Vollmacht stammt von Gott, von Jesus Christus und dem Vater, der Christus von den Toten auferweckt hat. Die Auferweckung Jesu Christi ist das entscheidende Ereignis, unter dem alles, was nun folgt, zu betrachten ist. Hier hat Gott etwas Neues gewirkt, das alles Vorhergehende in einem neuen Licht erscheinen lässt.

Der Brief an die Galater ist nicht, wie sonst üblich, an die Gemeinde einer bestimmten Stadt adressiert, sondern an eine ganze Region. Galatien ist eine Gegend im Zentrum Kleinasiens und zugleich Name einer römischen Provinz, wobei beide Gebiete nicht deckungsgleich sind. Bei den Galatern handelt es sich um ursprünglich aus Gallien kommende Volksstämme, die auf wechselvolle Weise in diese Gegend gelangt sind und sich dort angesiedelt und mit der einheimischen Bevölkerung vermischt haben.

Die am Rand des galatischen Gebietes gelegenen Städte Lystra und Ikonion hat Paulus bereits bei seiner ersten und zweiten Missionsreise besucht. Auf seiner dritten Missionsreise durchwandert er das Innere des Landes. Hier wird Paulus einem ganz anderen und einfacher gestrickten Menschenschlag begegnet sein, als in den dichtbevölkerten multikulturellen Küstenstädten, in denen er bisher missioniert hat.

Betrachtet man das oft in seinen Briefen zum Ausdruck kommende Selbstverständnis des Paulus als Apostel der Heiden, so kann man verstehen, warum er sich die Mühe machte, diese abgelegene und nur über anstrengende Bergpässe erreichbare Gegend zu besuchen. Irgendwo hier mag ihm auch der Gedanke gekommen sein, dass seine Missionsarbeit in der östlichen Reichshälfte erledigt ist und es an der Zeit war, in den ihm weitgehend unbekannten westlichen Teil des Reiches aufzubrechen, wie er es im Römerbrief deutlich macht.

Paulus hat den Brief an die Galater wahrscheinlich in der Zeit zwischen den Jahren 53 und 55 geschrieben. Anlass ist das dortige Wirken von Missionaren, die entgegen der Lehre des Paulus die Beschneidung der Heidenchristen fordern und diese so enger an das Judentum binden wollen, was auch die Einhaltung der jüdischen Reinheitsvorschriften zur Folge hat. Paulus dagegen vertritt die Eigenständigkeit des Christentums, das zwar seine Wurzeln im Judentum hat – Jesus Christus, die Apostel, die ersten Christen und auch Paulus selbst sind Juden – aber nicht die Übernahme jüdischer Gesetzte für Heidenchristen bedeutet.

Die Streitfrage, wie weit von Heidenchristen die Einhaltung jüdischer Vorschriften gefordert ist, war auf dem Apostelkonzil in Jerusalem dahingehend entschieden worden, dass von den Heidenchristen weder die Beschneidung noch die Einhaltung jüdischer Reinheitsvorschriften gefordert ist. Für die Juden war aber gerade die Beschneidung das Zeichen dafür, dass ein Mensch sich dem Bund anschließt, den Gott mit Abraham geschlossen hat, und die strenge Einhaltung der jüdischen Vorschriften sollte Gottes Reich auf Erden sichtbar werden lassen. Beides war daher aus jüdischer Sicht unabdingbar, um das Heil zu erlangen.

Paulus aber vertritt die Ansicht, dass ein Mensch nicht mehr durch diese äußeren Zeichen Anteil am Heil Gottes erhält, sondern allein durch den Glauben an Jesus Christus, der sichtbar wird in der Taufe und einem Leben nach dem Gebot der Liebe. Sicher hat Paulus, der früher selbst ein eifriger Verfechter des jüdischen Gesetzes war, hier lange um eine schlüssige Erklärung gerungen. Im Galaterbrief und ebenso im Römerbrief macht Paulus deutlich, was es heißt, Anteil zu haben am Heil, das Gott den Menschen durch Jesus Christus geschenkt hat.

Diese Lehre vom Heil und der den Menschen durch Gott geschenkten Freiheit sieht Paulus nun von Irrlehrern bedroht. Es geht nicht um die Auseinandersetzung um irgendwelche Streitfragen, sondern um den Kern des christlichen Glaubens. Daher muss Paulus seine Autorität als Apostel so deutlich herausstellen und seine Lehre, die letztlich von Gott stammt, entschieden gegen die Irrlehrer verteidigen, wobei er sich nicht scheut, seine Gegner aufs Heftigste anzugreifen.

Fronleichnam

Fronleichnam_5

Im Lesejahr C hören wir an Fronleichnam von der Speisung der Fünftausend aus dem Lukasevangelium. Eine große Menschenmenge folgt Jesus und seinen Jüngern. Am Abend sind die Menschen müde und hungrig. Doch Jesus will sie so nicht nach Hause schicken. Nachdem er ihnen durch sein Wort geistige Nahrung gegeben hat, will er sie auch leiblich stärken.

Gebt ihr ihnen zu essen!

So sagt es Jesus deutlich zu seinen Jüngern, aber sie wissen nicht, wie sie Jesu Auftrag umsetzen sollen. Sie haben weder einen ausreichenden Vorrat an Lebensmitteln bei sich, noch genügend Geld, um für alle etwas zu kaufen. Doch Jesus zeigt ihnen, dass es auch anders geht. Aus dem kleinen Vorrat von fünf Broten und zwei Fischen macht er alle satt.

Jesus lässt durch die Jünger die Menschenmenge ordnen, so dass alle in kleinen Gruppen beieinander sitzen. Dann spricht er ein Dankgebet zum Vater und verteilt durch die Jünger das Essen. Obwohl ihnen nur wenig zur Verfügung steht, werden ihre Hände nicht leer und alle werden satt. Und plötzlich leuchtet Gottes Gemeinschaft mit den Menschen auf. Die Fülle wird zum Zeichen des messianischen Mahls am Ende der Zeiten.

„Durch die Hände der Jünger gibt er das Brot. So ehrt er sie und lässt sie die Erinnerung an dieses Wunder besser bewahren. … Für die Kranken tat er ein besonderes Wunder, hier aber tut er eines für alle, indem er auch die, die an keiner Krankheit leiden, speist. Darum heißt es: Und alle aßen und wurden satt.“ (Johannes Chrysostomus)

Die wunderbare Speisung der Volksmenge ist ein Vorausbild der Eucharistie. Die leibliche Sättigung der Menschenmenge durch Jesus weist auf ein tieferes Geheimnis hin. Jesus will ganz bei den Seinen sein und sie mit einer noch viel tieferen Gegenwart erfüllen, als er es durch sein Wort allein vermag. Jesus will sich selbst den Menschen schenken.

In Kapitel 22,14-23 wird Lukas vom letzten Abendmahl berichten. Jesus spricht dabei über Brot und Wein die Worte: Das ist mein Leib, das ist mein Blut. Das Brot als Grundnahrungsmittel des Lebens wird in gewandelter Form zur Speise ewigen Lebens. Brot und Wein werden zum realen Zeichen seiner Gegenwart in dieser Welt.

Jesus verbirgt sich in den Gestalten von Brot und Wein, die in der Feier der Eucharistie in sein Fleisch und Blut gewandelt wurden. Daher gebührt der Eucharistie auch Verehrung und Anbetung. Wenn wir aus dieser Speise leben, können wir heute tun, was Jesus damals seinen Jüngern aufgetragen hat: Gebt ihr ihnen zu essen.

Jesus hat sich selbst zum Brot des Lebens gemacht, um uns Leben zu geben.

Nacht und Tag ist er da. Wenn du wirklich in der Liebe wachsen willst,

kehre zurück zur Eucharistie, kehre zurück zur Anbetung.

Mutter Teresa

Dreifaltigkeitssonntag

Dreifaltigkeit_6

In den Evangelien spricht Jesus von seinem Vater im Himmel und vom Heiligen Geist, den er den Jüngern senden wird. Bei der Taufe im Jordan kommt der Geist auf Jesus herab und die Stimme des Vaters ertönt aus den Wolken. Am Ende des Matthäusevangeliums trägt Jesus den Jüngern auf, in die Welt hinauszugehen und die Menschen zu taufen „auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“ (Mt 28,19).

Die Lehre vom dreifaltigen Gott hat ihre feste Grundlage in der Heiligen Schrift, aber es hat lange gedauert, bis sie auch theologisch ausformuliert wurde. Dies war nötig, nachdem verschiedene Irrlehrer, allen voran Arius, die Auffassung vertreten haben, dass Jesus Christus nicht Gott gleich ist. Wenn Menschen etwas nicht verstehen, dann versuchen sie oft, es verständlich zu machen. Anstatt Gottes Geheimnis stauend zu betrachten, versuchte man, Gott verstehbar zu machen. Gottes Sohn wurde degradiert zu einem Menschen, den Gott in besonderer Weise erwählt hat, sehr verständlich, aber eben total an der Wirklichkeit vorbei.

Die Dreifaltigkeit Gottes ist ein Geheimnis, das menschliches Denken übersteigt und das wir daher nur annähernd erfassen können. Es gibt viele Bilder, die uns helfen wollen zu verstehen, aber wir müssen dabei immer bedenken, dass es Bilder sind, die nicht absolut betrachtet werden dürfen, sondern nur Hinweise sind auf etwas Größeres. So werden vielfältige Dreiheiten genannt, die uns im alltäglichen Leben begegnen, wie die zeitliche Dreiheit von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, oder die Dreifaltigkeit der Liebe in den Gestalten von Liebendem, Geliebten und dem Band der Liebe, das beide verbindet.

Besonders im Mittelalter war der sogenannte Gnadenstuhl eine verbreitete Darstellung der Dreifaltigkeit. Gott Vater thront in der Mitte, vor ihm der Sohn am Kreuz und über beiden schwebt der Heilige Geist in Gestalt einer Taube. Man sieht hier deutlich die drei Personen der göttlichen Dreifaltigkeit, jedoch ist deren Einheit zu wenig erkennbar. Oder man stellt die Dreifaltigkeit dar als einen Kopf mit drei Gesichtern. Hier wird die Einheit deutlicher, aber das Ganze wirkt irgendwie unnatürlich.

Eine geniale Darstellung der Dreifaltigkeit ist die Ikone von Andrej Rublev. Im Besuch Gottes bei Abraham in Gestalt von drei Engeln sieht der christliche Glaube seit jeher ein Vorausbild der Dreifaltigkeit Gottes im Alten Testament. Mehr als bei anderen Darstellungen wird hier deutlich, dass sich das Geheimnis, das sich dahinter verbirgt, nur durch ständige Betrachtung erschließt und letztlich nie ganz ergründet werden kann.

Der Dreifaltigkeitssonntag als eigenständiger Festtag hat sich erst im 14. Jahrhundert durchgesetzt, jedoch ist das Festgeheimnis an sich schon seit frühesten Zeiten tief im Glauben der Kirche verwurzelt. So hat man von päpstlicher Seite her lange die Einführung eines speziellen Dreifaltigkeitssonntages blockiert, da letztlich jeder Sonntag im Zeichen des dreifaltigen Gottes steht. Seine Lage am Sonntag nach Pfingsten kommt nicht von ungefähr. Die Sendung des Geistes an Pfingsten schließt das Heilswerk Christi ab. Wie Christus es verheißen hat, werden die Getauften im Heiligen Geist hinein genommen in die Gemeinschaft des dreifaltigen Gottes.

Wir feiern am heutigen Festtag Gottes Heilswirken an uns Menschen. Die Dreifaltigkeit Gottes erschließt sich uns ja letztlich nur durch Gottes Wirken. Wir preisen Gott Vater, der alles erschaffen hat, wir preisen den Sohn, durch den alles geschaffen wurde und der in seine Schöpfung gekommen ist, um sie zu erlösen, wir preisen den Heiligen Geist, der in uns wirkt und uns hinein nimmt in Gottes Liebe.

Bernhardin von Siena

Bernhardin_1

Bernhardin von Siena wurde wahrscheinlich am 8. September 1380 in Massa-Marittima in der Toskana als Sohn der adligen Sieneser Familie der Albizzeschi geboren. Als er etwa sechs Jahre alt war, starben seine Eltern und er wurde in die Obhut seiner Verwandten gegeben. Bereits im Alter von elf Jahren begann er das Studium des kanonischen Rechts in Siena, das er jedoch ohne Abschluss abgebrochen hat. Als im Jahr 1397 in Siena die Pest ausbrach, entschloss er sich, in der Stadt zu bleiben und als Mitglied der Marienbruderschaft Kranke und Leidende zu pflegen. Dabei erkrankte er selbst schwer.

Sein ganzes Leben ist bestimmt von der Sorge um die Armen und Kranken. Er hat einmal gesagt:

Wer seine Hände nicht den Armen entgegenstreckt, um ihnen eine Gabe zu reichen, streckt sie umsonst zu Gott aus, um die Verzeihung seiner Sünden zu erlangen.

Im Jahr 1402 trat Bernhardin in den Franziskanerorden ein und schloss sich dem strengeren Ordenszweig der Observanten an. Im Jahr 1404 empfing er die Priesterweihe. Für zehn Jahre zog er sich in eine Einsiedelei zurück, 1413 übernahm er den Pförtnerdienst im Kloster in Fiesole. Ab 1417 zog Bernhardin als Bußprediger durch ganz Italien, verkündete auf öffentlichen Plätzen das Wort Gottes und rief die Menschen zur Umkehr auf. Er wirkte als Friedensstifter in italienischen Städtekriegen und wurde schon zu Lebzeiten als Heiliger verehrt. 1438 wurde er zum Generalvikar seines Ordens ernannt, er legte dieses Amt jedoch schon nach kurzer Zeit wieder nieder.

Bernhardins Predigten, von denen viele bis heute erhalten geblieben sind, zeigen seine große Liebe zu Jesus Christus, der Gottesmutter und dem Hl. Josef. In wenigen Worten macht er deutlich, was Jesus uns in seinen Abschiedsreden an die Jünger, aus denen wir am Ende der Osterzeit immer wieder an den Sonntagen im Evangelium hören, bis heute sagen will:

Freunde hinterlassen ein Zeichen, vielleicht einen Ring, aber Christus hinterlässt uns seinen Leib und sein Blut, seine Seele und seine Gottheit, sich selbst, ohne etwas zurückzubehalten.

Diese Gegenwart Jesu Christi, die zu allen Zeiten und an allen Orten erfahrbar ist, bringt Bernhardin besonders in der Verehrung des Heiligsten Namens Jesus Christus zum Ausdruck. Als Abschluss seiner Predigten pflegte er den Hörern eine Tafel zu zeigen, auf der in goldenen Buchstaben “IHS” zu lesen war. Diese drei Buchstaben als Abkürzung der griechischen Schreibweise des Namens Jesus Christus können auch als Anfangsbuchstaben des lateinischen Ausdrucks “Jesus Hominum Salvator”, zu Deutsch “Jesus Heiland Seligmacher” gelesen werden. Das Kürzel IHS wurde später zum Kennzeichen der von Ignatius von Loyola gegründeten Gesellschaft Jesu. Bernhardin sagt:

Der Name Jesus ist der Glanz der Prediger, weil er das Verkündigen und das Hören des Gotteswortes zum hellen Leuchten bringt. Woher, meinst du, kommt auf dem ganzen Erdkreis so schnell und glühend das Licht des Glaubens, wenn nicht dadurch, dass Jesus verkündigt wird? Hat Gott uns nicht durch die Lieblichkeit dieses Namens in sein wunderbares Licht gerufen? Wir sind erleuchtet, wir schauen das Licht in seinem Licht.

Daher muss dieser Name verkündet werden, damit er leuchtet und nicht verschwiegen wird. Aber der Name darf nicht mit einem unreinen und befleckten Mund ausgesprochen werden. Er muss in einem erlesenen Gefäß aufbewahrt und aus ihm heraus verkündet werden.

Manche fanden, dass diese Verehrung des Namens Jesus in Widerspruch zur kirchlichen Lehre steht und daher musste sich Bernhardin wegen des Vorwurfs der Häresie verantworten, wurde jedoch frei gesprochen. Er bekam mehrere hohe Kirchenämter angeboten, die er jedoch ablehnte. Er zog es vor, unermüdlich predigend und lehrend durch das Land zu ziehen. Auf einer seiner Missionsreisen starb er 1444 in L’Aquila. Dort befindet sich bis heute sein Grab in der Kirche San Bernardino.

18.5. Felix von Cantalice (1515-1587)

Felix_1Felix Porro wurde im Jahr 1515 als Sohn armer Bergbauern in dem kleinen umbrischen Dorf Cantalice, etwa 80 Kilometer nordöstlich von Rom, geboren. In den armen Verhältnissen war an eine Schulbildung nicht zu denken. Bereits im Alter von neun Jahren musste er auf einem Bauernhof arbeiten, zunächst als Hütejunge, dann als Landarbeiter. Von den Eltern hatte er eine tiefe Frömmigkeit mitbekommen. Kirchgang, Beichte und Kommunion waren für ihn selbstverständlich und immer wieder fand er trotz der harten Arbeit Zeit für das Gebet.

Besonders faszinierte ihn das Leben der Einsiedler in der Wüste und er trug lange die Frage im Herzen, ob er auch zum Ordensleben berufen war. Im Alter von 30 Jahren trat er schließlich bei den Kapuzinern ein. Den letzten Anstoß dazu hat ein Unfall gegeben, bei dem ihn ein Ochsenkarren überrollte, ohne ihn ernsthaft zu verletzten.

Der Orden sendet ihn nach Rom, um dort als Almosensammler zu arbeiten. Über 40 Jahre lang macht er Tag für Tag bei jedem Wetter seinen Gang durch die Straßen der Ewigen Stadt und erbettelt für seine Mitbrüder den Lebensunterhalt. Dabei traf er mit Menschen aus allen Schichten und Rängen zusammen. Nicht immer wurde er mit Wohlwollen empfangen, auch Spott und Schelte gehörten zum täglichen Brot. Doch Bruder Felix fiel durch seine Liebenswürdigkeit und tiefe Innerlichkeit auf, so dass er bald von vielen sehr geschätzt wurde.

Für alles, was er bekam, war seine Antwort: “Deo Gratias”, und so nannten ihn die Römer bald nicht mehr Bruder Felix, sondern Bruder “Deo Gratias”.

Auch die Kinder liebten ihn sehr. Oft sang er mit ihnen selbstkomponierte Lieder und lehrte sie dabei das rechte Leben und die Liebe zu Gott. Viele Menschen erzählten ihm von ihren Nöten. Bruder Felix verstand es in ausgezeichneter Weise, zuzuhören. Er besaß zudem die Gabe, Krankheiten zu heilen und die Gabe der Prophetie.

Nicht nur das einfache Volk schätzte ihn sehr, auch vornehme Römer, Papst und Kardinäle bewunderten ihn. Große heilige Kirchenmänner Roms wie Karl Borromäus und Philipp Neri gehörten zu seinen Freunden. Obwohl er selbst weder lesen noch schreiben konnte, konsultierten ihn gelehrte Theologen wegen seines Wissens in der Heiligen Schrift und im geistlichen Leben.

Die Nächte verbachte er im stillen Gebet vor dem Allerheiligsten. Er schlief schließlich nur noch zwei Stunden in der Nacht. Aus der innigen Verbindung mit dem leidenden Herrn schöpfte er die Kraft für sein Wirken. Durch Werke der Buße wollte er dem leidenden Christus ähnlich sein und für seine Mitmenschen eintreten.

Eines Nachts sieht er sich während des Gebets plötzlich vor den Altar hingetragen, fällt vor dem Tabernakel nieder und bittet die Heilige Jungfrau Maria, ihm einen Augenblick das Christuskind anzuvertrauen. Und sie erscheint und legt ihm das Kind in die Arme. So sehen wir ihn bis heute auf Bildern meist mit dem Jesuskind in den Armen dargestellt.

Als seine Kräfte zu schwinden begannen und Erkrankungen ihn heimsuchten, nahm er diese mit Gleichmut als Gabe Gottes an und leistete weiter seinen Dienst. Die letzten Tage verbachte er betend in seiner Zelle. Am 18. Mai 1587 stirbt Bruder Felix nach einem erfüllten Leben. Ganz Rom war auf den Beinen, um von ihm Abschied zu nehmen. An seinem Sarg trauerte nicht nur das Volk von Rom, sondern auch Papst und Kardinäle.

Papst Urban II. sprach Felix im Jahre 1625 selig, Papst Clemens XI. im Jahre 1712 heilig. Seine Gebeine und seine Zelle werden bis heute in Rom im Kapuzinerkloster an der Via Veneto verehrt. Die Kapuziner trugen seine Verehrung weit über Rom hinaus in die Welt. In Bayern ist die Kirche St. Felix in Neustadt an der Waldnaab ein bekanntes Zeichen dieser Verehrung.