Psalm 34 (1)

Von David. Als er sich vor Abimelech wahnsinnig stellte und dieser ihn wegtrieb und er ging. (Ps 34,1)

Psalm 34 wird in der Überschrift als Davidpsalm gekennzeichnet und wie viele dieser Psalmen mit einer Begebenheit aus dem Leben des großen Königs in Verbindung gebracht. Es wird Bezug genommen auf 1Sam 21. Wenn wir uns diese Stelle jedoch etwas genauer ansehen, treten einige Unklarheiten zutage. In 1Sam 21,1-10 ist nämlich von einem Priester Ahimelech die Rede, der David unterstützt hat und ihm und seinen Männern auf seiner Flucht vor Saul die heiligen Schaubrote zu essen gab (auf diese Stelle nimmt Jesus in Mk 2,25-26 Bezug). Dieser kann also nicht der genannte Abimelech sein

Die Stelle, auf die sich Psalm 34 bezieht, folgt im Anschluss an diese Begebenheit bei der weiteren Flucht Davids und wird in 1Sam 21,11-16 geschildert. David flieht vor Saul außer Landes zu den Philistern, zum König Achisch von Gat. Diesem aber ist der große Krieger Israels, der Goliat und viele andere Philister im Kampf besiegt hat, verdächtig. Als David merkt, dass er hier keine Unterstützung bekommt, stellt er sich verrückt, so dass die Philister ihn fortjagen und er sich anderswo in Sicherheit begeben kann.

Warum aber wird der Philisterkönig Achisch hier Abimelech genannt? Wahrscheinlich war Abimelech („mein Vater ist König“) eine allgemein gebräuchliche Bezeichnung der Philisterkönige. Der Name begegnet uns mehrmals im Buch Genesis (Gen 20,1-18; 21,22-34; 26,1-26). Abraham und später auch sein Sohn Isaak haben mit dem Philisterkönig Abimelech zu tun. Wir sehen hier ganz deutlich, wie über bestimmte Namen die verschiedenen Erzählungen der Bibel wie durch einen roten Faden miteinander verbunden werden, denn auch in Gen 20 und 26 ist von Rettung die Rede. Hier handelt es sich jeweils um die Rettung der Ahnfrau. Sowohl Abrahams Frau Sarah als auch Isaaks Frau Rebekka wurde von Abimelech in dessen Harem aufgenommen in der Annahme, dass sie nicht die Frau, sondern nur die Schwester von Abraham bzw. Isaak ist. Durch das Eingreifen Gottes wird dieses Missverständnis offenbar und die Frauen werden unversehrt und reich beschenkt zu ihren Männern zurückgeschickt.

Gott rettet, das ist die Grundaussage, die im Psalm 34 auf vielerlei Weise besungen wird. Ps 34,21 trifft dann noch eine weitere bedeutungsvolle Aussage. „Er behütet all seine Glieder, nicht eins von ihnen wird zerbrochen“, heißt es dort. Diese Stelle bezieht sich auf Exodus 12,46. Dort wird über das Paschalamm neben anderen Vorschriften angeordnet, dass die Israeliten bei dessen Verzehr „keinen seiner Knochen zerbrechen“ sollen. Diese Stelle wiederum wird vom Evangelisten Johannes aus Jesus am Kreuz bezogen (Joh 19,36) und zeigt im Sinne dieses Evangelisten Jesus als das wahre Lamm Gottes. Gott rettet, er rettet die erwählten Väter des Hauses Israel, er rettet den erwählten König und er rettet seinen auserwählten Sohn. Durch den Tod hindurch ersteht der gekreuzigte Christus zu neuem Leben und mit Christus werden alle gerettet die an ihn glauben, so wie Gott bereits sein Volk von Urzeit an immer wieder errettet hat.

Im deutschen Text nicht mehr erkennbar ist Psalm 34 als Akrostichon aufgebaut. Dies bedeutet, dass jeder Vers des Psalms mit einem Buchstaben in der Reihenfolge des Hebräischen Alphabets beginnt. Die lateinische Vulgata hat diesen Aufbau bewahrt, indem sie den entsprechenden hebräischen Buchstaben jeweils an den Anfang des Verses schreibt. Akrostichie ist oftmals Kennzeichen von Lehrgedichten, die sich durch diesen Aufbau besser im Gedächtnis einprägen. Auch Psalm 34 hat lehrhaften Charakter und beschreibt die Vorzüge eines Lebens in Gottesfurcht.

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