Prophet Maleachi (2)

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Die Frage der Menschen zu allen Zeiten lautet, was es bringt, Gott zu lieben. Sind Gottes Gebote, deren Erfüllung ein Ausdruck der Liebe des Menschen zu Gott ist, nicht eine Einschränkung des Lebens? Zeigt nicht die tägliche Erfahrung, dass die „frommen“ Menschen nicht unbedingt die erfolgreichsten sind? Bringt man es nicht viel weiter im Leben, wenn man Gottes Gebote außer Acht lässt und das tut, was man selbst für richtig hält?

Das Buch Maleachi macht deutlich, dass das Halten von Gottes Geboten irdischen Lohn bringt. Dies setzt aber eine wahre Umkehr des Menschen zu Gott voraus, nicht nur eine halbherzige und oberflächliche. Maleachi macht dies am Zehntgebot deutlich und fordert die Menschen dazu auf, Gott auf die Probe zu stellen, ob er dann wirklich Gutes wirkt, wenn sie umkehren. Sie sollen es ausprobieren, wenn sie den im Gesetz geforderten Zehnten von ihrer Ernte abgeben, wird Gott ihnen eine reiche Ernte schenken.

Bringt den ganzen Zehnten ins Vorratshaus. Ja, stellt mich auf die Probe damit, spricht der Herr der Heere, und wartet, ob ich euch dann nicht die Schleusen des Himmels öffne und Segen im Übermaß auf euch herabschütte. Dann werden alle Völker euch glücklich preisen, denn ihr seid ein glückliches Land. (Mal 3,10.12)

Der Unterschied zwischen dem Gerechten, der Gottes Gebote achtet und damit seine Liebe erwidert, und dem Ungerechten wird in seiner ganzen Schärfe deutlich werden am Tag des Gerichts. In einem Buch werden die Taten der Gerechten festgehalten, so dass sie für immer Bestand haben. Die bösen Taten aber werden nicht verzeichnet. Bei Gottes Gericht wird nur Bestand haben, wer in diesem Buch eingetragen ist. Alle anderen werden verbrennen wie Spreu. Die Gerechten aber empfangen ewigen Lohn.

Dann werdet ihr wieder den Unterschied sehen zwischen dem Gerechten und dem, der Unrecht tut, zwischen dem, der Gott dient, und dem, der ihm nicht dient. Denn seht, der Tag kommt, er brennt wie ein Ofen: Da werden alle Überheblichen und Frevler zu Spreu und der Tag, der kommt, wird sie verbrennen, spricht der Herr der Heere. Weder Wurzel noch Zweig wird ihnen bleiben. Für euch aber, die ihr meinen Namen fürchtet, wird die Sonne der Gerechtigkeit aufgehen und ihre Flügel bringen Heilung. Ihr werdet hinausgehen und Freudensprünge machen, wie Kälber, die aus dem Stall kommen. (Mal 3,18-20)

Die Sonne der Gerechtigkeit wird leuchten über den Gerechten und mit ihren sanften Strahlen Heilung bringen für alle Wunden, die sie im Leben erdulden mussten. Dann herrscht ewiges Glück und unvergängliche Freude.

Herr Jesus Christus, du Sonne der Gerechtigkeit,
erleuchte und entzünde mein Herz,
damit meine Schritte wie das Morgenlicht werden,
das kommt und hineinwächst in die Fülle des Tages.
Lass mich brennen in großer Liebe zu dir
und gib mir die Gabe, alle anzustecken mit deiner Liebe.
Nimm mein Gebet und alles, was ich habe.
Hier bin ich, sende mich.

 

Mehr zum Propheten maleachi finden Sie hier:

http://www.bibleworld.de/AT/Propheten/Maleachi_0.htm

Prophet Maleachi (1)

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Von einem Propheten Namens Maleachi hören wir in der Heiligen Schrift nur in der Überschrift seines Buches. Maleachi bedeutet „mein Bote“. Einige Exegeten vertreten daher die Ansicht, dass es sich bei Maleachi nicht um eine Person handelt, sondern dass der Name in seiner Bedeutung verstanden werden muss. Das Buch Maleachi wäre demnach eine Fortschreibung des Buches Sacharja und erst später unter dem Namen Maleachi als eigenständige Prophetenschrift von diesem getrennt worden.

Das Buch Maleachi steht am Ende des Zwölfprophetenbuches und ist somit in der Einheitsübersetzung das letzte Buch des Alten Testaments. Die meisten Bibelausgaben verwenden aber eine andere Anordnung. Die hebräische Bibel lässt den Prophetenbüchern die sogenannten Schriftwerke folgen, zu denen u.a. die Psalmen und das Buch Ijob gehören. Andere stellen an den Schluss des Alten Testamentes die Apokryphen Schriften, die nicht Teil der hebräischen Bibel sind, wie zum Beispiel die Makkabäerbücher und die Bücher Weisheit und Jesus Sirach. Diese liegen in ihrer Entstehungszeit auch nach dem Buch Maleachi.

Auch wenn das Buch Maleachi von seiner Entstehung her nicht das jüngste Buch des Alten Testamentes ist, so gilt der Prophet Maleachi in der Tradition dennoch als der letzte der Propheten im Alten Testament. Sein Auftreten wird in die nachexilische Zeit des Wiederaufbaus der Stadt Jerusalem und des Tempels unter Esra und Nehemia im 5. Jahrhundert v.Chr. datiert. Erst über 400 Jahre später wird mit Johannes dem Täufer wieder ein Prophet in Israel auftreten. Auch inhaltlich Stellt das Buch Maleachi vor allem durch die Ankündigung eines Boten in Mal 3,1 und den Hinweis auf die Wiederkunft des Elija in Mal 3,23 ein entscheidendes Bindeglied zwischen dem Alten und dem Neuen Testament dar.

Die Eigenart des Buches Maleachi besteht in seiner dialogischen Struktur. In sechs Redeeinheiten antwortet Gott auf die zweifelnden Fragen seines Volkes. Den Grundsatz göttlichen Handelns macht der erste Vers nach der Überschrift deutlich:

Ich liebe euch, spricht der Herr. (Mal 1,2)

Gottes Liebe ist die Grundlage seines Handelns. Doch was bedeutet Liebe? Heißt Liebe, dass der Liebende dem Geliebten alles durchgehen lässt? Gottes Liebe fordert vielmehr vom Menschen eine Antwort auf seine Liebe. Sie gibt dem Menschen die Grundlage dafür, dass er sie erwidern kann, setzt aber zugleich die Bereitschaft des Menschen voraus, dies zu tun. Das Buch kritisiert daher scharf, wo ein Mangel an Liebe beim Menschen deutlich wird.

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Die Bücher der Makkabäer (2)

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Ausführlicher als 1Makk schildert 2Makk die Zeit, als die jüdische Religion vor dem Eingreifen der Makkabäer in großer Gefahr war. Wer sich weiterhin zum jüdischen Gesetz bekannte, dem drohte der Tod. Als herausragende Beispiele für die Standhaftigkeit gesetzestreuer Juden schildert das Buch das Martyrium des Schriftgelehrten Eleasar und das der sieben Brüder und ihrer Mutter. Die Christen sahen später in diesen Martyrien ein Vorzeichen dessen, was die Christen unter den Verfolgungen durch den Römischen Staat zu leiden hatten.

Das Martyrium der sieben Brüder und ihrer Mutter schildert sehr anschaulich, was diese zu leiden hatten und wie sie unerschrocken zu ihrem Glauben standen. Vor den Augen der Mutter und der anderen Brüder wird einer nach dem anderen schwer misshandelt und schließlich getötet. Zunge, Nase, Ohren und alle Gliedmaßen werden ihnen nacheinander einzeln abgeschnitten. Jeder gibt während des tödlichen Martyriums ein lebendiges Zeugnis seines Glaubens. Dabei kommt vor allem die Hoffnung auf ein neues Leben nach dem Tod zum Ausdruck.

Du Unmensch! Du nimmst uns dieses Leben; aber der König der Welt wird uns zu einem neuen, ewigen Leben auferwecken, weil wir für seine Gesetze gestorben sind.

Nach ihm folterten sie den dritten. Als sie seine Zunge forderten, streckte er sie sofort heraus und hielt mutig die Hände hin. Dabei sagte er gefasst: Vom Himmel habe ich sie bekommen, und wegen seiner Gesetze achte ich nicht auf sie. Von ihm hoffe ich sie wiederzuerlangen.

Gott hat uns die Hoffnung gegeben, dass er uns wieder auferweckt. Darauf warten wir gern, wenn wir von Menschenhand sterben. Für dich aber gibt es keine Auferstehung zum Leben. (2Makk 7,9-14)

Erst seit der hellenistischen Zeit findet sich diese Auferstehungsvorstellung im Judentum. Bis dahin galt weitgehend, dass irdisches Wohlergehen das Zeichen für ein gottgefälliges Leben ist. Armut und Krankheit wurden als Folgen falschen Verhaltens angesehen. Man glaubte nicht an ein ewiges Leben bei Gott, sondern alle Menschen kamen unterschiedslos nach ihrem Tod in das Schattenreich der Unterwelt.

Vielleicht war es gerade die Erfahrung der Bedrängnis der Gerechten, die schließlich im jenseitigen Lohn eine Antwort auf die Frage fanden, warum es sich überhaupt lohnt, in dieser Welt als Gerechter zu leben, ja sogar den Tod um der Befolgung des Gesetzes willen auf sich zu nehmen. Hier kommt zugleich auf radikale Weise der Gegensatz zwischen göttlicher und weltlicher Macht zum Ausdruck. Obwohl der König als weltlicher Herrscher die Gerechten töten kann, die die Befolgung der Tora höher halten als seine Befehle, und dadurch die Macht Gottes scheinbar zur Ohnmacht wird, lässt die Aussage von der Auferstehung der jüdischen Märtyrer die wirklichen Machtverhältnisse offenbar werden. Gott nimmt sich des Gerechten an. Auch wenn er in dieser Welt für seine Gerechtigkeit keinen Lohn findet, so wird doch Gott ihm in der jenseitigen Welt das geben, was er erhofft hat.

Im Neuen Testament sehen wir, dass sich zur Zeit Jesu der Glaube an eine Auferstehung im Judentum noch nicht allgemein durchgesetzt hat. Die Gruppe der Pharisäer glaubt an die Auferstehung, während die Sadduzäer sie leugnen. Erst die Auferstehung Jesu lässt den Glauben an die Auferstehung zum Durchbruch kommen und zeigt zugleich, wie Auferstehung möglich ist. Gottes Sohn ist den Weg vorangegangen, der nun für alle offen ist.

So dürfen auch wir für unsere Verstorbenen die Hoffnung haben, dass sie nicht verloren sind, dass sie nicht ins Nichts sinken und uns für immer fern sind. Die Verstorbenen dürfen vielmehr schon in jener Welt leben, die Christus für uns bereitet hat, in der es viele Wohnungen gibt. Sie sind uns bleibend nahe und wir dürfen uns auf ein Wiedersehen freuen. Leben auch wir so, dass Christus uns dereinst, wenn unser Tod gekommen ist, einlässt in seine Wohnungen.

Der Blick auf das Sterben der Gerechten und das Gedenken an die Toten soll uns Mut machen, immer wieder neu anzufangen, ein Leben nach dem Willen Gottes zu führen. Wir sollen nicht wollen, dass alles so bleibt wie es ist, sondern dass alles immer besser wird, dass wir alles in unserem Leben immer mehr aus Liebe zu Gott und zu den Menschen tun, damit wir bereit sind, wenn der Herr kommt. Seien wir wachsam, denn wir kennen weder den Tag noch die Stunde, wann er kommt. Bleibe bei uns, Herr, und gib uns Deinen Segen.

Die Bücher der Makkabäer (1)

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Die beiden Bücher der Makkabäer gehören nicht zum hebräischen Alten Testament. Sie sind nur griechisch überliefert und zählen daher zu den sogenannten deuterokanonischen Schriften. Die katholische Tradition reiht sie am Ende der Bücher der Geschichte ein. Sie berichten über Ereignisse aus dem 2. Jahrhundert v.Chr. und haben ihren Namen von Judas, der Hauptperson der Bücher. Dieser hat den Ehrennamen Makkabäus (von hebräisch „makkäbät“ = Hammer) erhalten, der später auch auf seine Brüder übertragen wurde. Das geschichtliche Umfeld, in dem es zu den Ereignissen kam, die die Bücher schildern, wird zu Beginn des ersten Buches der Makkabäer kurz skizziert.

Alexander der Große hatte binnen kürzester Zeit nach seinem Sieg über die Perser ein Weltreich von bisher nicht gekannter Größe erobert. Nach seinem überraschenden Tod im Jahr 323 v.Chr. teilten seine Generäle das Reich unter sich auf, wobei es auch zu kriegerischen Rivalitäten kam. Für unseren Zusammenhang sind nur die beiden Reiche im Osten relevant, das Reich der Seleukiden und das der Ptolemäer. Während das Reich der Ptolemäer hauptsächlich Ägypten umfasste, erstreckte sich das Reich der Seleukiden über Kleinasien, Syrien, Babylonien und Persien. Auch der jüdische Staat stand unter der Herrschaft der Seleukiden.

Antiochos IV. Epiphanes (175-164 v.Chr.) kämpfte gegen die Ptolemäer. Auf seinem Rückweg aus Ägypten plünderte er den Jerusalemer Tempel und ließ in der Stadt Besatzungssoldaten zurück. Er förderte die Verbreitung einer einheitlichen hellenistischen Kultur in seinem gesamten Reich und erließ ein Verbot zur Ausübung der jüdischen Religion. Der Tempel in Jerusalem wurde zu einem Tempel des Zeus umgewandelt. Viele Juden waren von der hellenistischen Kultur beeindruckt und wandten sich von den Bräuchen der Vorfahren und dem jüdischen Gesetz ab.

Es bildete sich aber um den Priester Mattatias eine starke Gruppe, die bereit war, für den jüdischen Glauben zu kämpfen. Viele gesetzestreue Juden schlossen sich ihnen an. Nach dem Tod des Mattatias übernahm dessen Sohn Judas, genannt der Makkabäer, zusammen mit seinen Brüdern die Führung. In harten Kämpfen konnten sie im sogenannten Makkabäeraufstand (167-160 v. Chr.) weite Teile des jüdischen Staates unter ihre Kontrolle bringen. Der Tempel wurde neu geweiht und die treuen Juden grenzten sich gegen die hellenistische Kultur ab. Das erste Buch der Makkabäer schildert die Kämpfe gegen Antiochos IV. Epiphanes und dessen Nachfolger. Den Seleukiden gelang es trotz mehrerer Feldzüge nicht, die jüdischen Freiheitskämpfer zu bezwingen.

Das zweite Makkabäerbuch stellt keine Fortsetzung des ersten dar, sondern erzählt die gleichen Ereignisse wie dieses, nur in anderer Auswahl und mit anderer Akzentuierung und Bewertung. Es will nicht eine Erzählung von Ereignissen sein, sondern zeigen, was das  Wesen Israels ausmacht. In beiden Büchern wird die Bedeutung des Tempels in Jerusalem als Zentrum des jüdischen Glaubens sichtbar. Bis heute feiern die Juden im fröhlichen achttägigen Chanukka-Fest Wiedereinweihung des Tempels im Jahr 164 v.Chr. unter Judas dem Makkabäer.

Gott liebt alles, was ist

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Gott, du liebst alles, was ist, und verabscheust nichts von allem, was du gemacht hast; denn hättest du etwas gehasst, so hättest du es nicht geschaffen. Wie könnte etwas ohne deinen Willen Bestand haben, oder wie könnte etwas erhalten bleiben, das nicht von dir ins Dasein gerufen wäre? Du schonst alles, weil es dein Eigentum ist, Herr, du Freund des Lebens. (Weish 11,24-26)

Das Buch der Weisheit lässt uns darüber nachdenken, in welcher Beziehung Gott und Welt zueinander stehen. Gott ist Schöpfer, die Welt seine Schöpfung. Dieses Bild war einfach, als man noch die Erde als Mittelpunkt der Welt sah und den Menschen als Krone der Schöpfung. Heute aber ist die Erde ein winziger Planet in den unendlichen Weiten des Universums und der Mensch, ist er wirklich das einzige Wesen mit höherer Intelligenz in dieser Welt?
Hat Gott also wirklich sein Augenmerk so sehr auf diese Erde und den Menschen gerichtet? Ist Gott nicht vielmehr doch eine Fiktion des Menschen? Was bedeutet Schöpfung angesichts der neuen Erkenntnisse, die wir in den vergangenen Jahrzehnten über das Universum gewonnen haben? Eine Antwort auf diese Frage ist nicht leicht. Wir wissen aber heute, dass die Naturwissenschaften allein die Welt nicht erklären können. Die Existenz einer geistigen Welt lässt sich durch die Naturwissenschaften genau so wenig widerlegen wie die Existenz Gottes. Auch wenn sich in den religiösen Gedanken über die Schöpfung oft zeitgemäße Vorstellungen früherer Zeiten wiederfinden, heißt das nicht, dass christlicher Schöpfungsglaube angesichts der Erkenntnisse der Naturwissenschaften obsolet geworden wäre.
Es gibt eine enge Verbindung zwischen geistiger und materieller Welt, auch wenn das Bestreben des Menschen darauf gerichtet ist, alles mit seinen eigenen Mitteln machbar zu machen. Wir erleben heute, wie der Mensch alles selbst in den Griff bekommen möchte. Selbst die allernatürlichsten Vorgänge wie Zeugung und Wachstum will man nicht länger der Natur überlassen. Mithilfe der Gentechnik versucht der Mensch, bis in die tiefsten Wurzeln der Natur einzudringen und diese zu beherrschen.
Können wir angesichts dieser nahezu überall vom Menschen gestalteten Natur noch die ursprüngliche Schönheit der Schöpfung entdecken? Es gibt heute viele Gruppen, die wieder ganz neu im Einklang mit der Natur zu leben versuchen und die Landwirtschaft nicht als Industrie betrachten, die Nahrungsmittel produziert, sondern als ein nachhaltiges Pflegen der Natur und Ernten von dem, was diese uns schenkt. Die Erde gibt uns viel, wenn wir nur dankbar und verständig sie zu nutzen verstehen. Und das Erstaunliche ist, dass dies oft produktiver ist, als der Einsatz vieler chemischer Mittel.
„O Gott, wie schön ist deine Welt!“ So singen wir in einem Kirchenlied aus dem Gotteslob. Indem wir Christen die ganze Natur, alles was auf dieser Welt ist, als Schöpfung Gottes sehen, erschaffen von ihm zu seinem Lob und zur Freude des Menschen, müssten wir eigentlich die besten Naturschützer sein. Wir sollen die Schöpfung lieben und sie bewahren, weil sie das Werk unseres Gottes ist.
Aber immer wieder erleben wir, dass so vieles in der Welt kaputt gemacht wird. Hinter all dieser Zerstörung steht im letzten die Sünde. Sünde bedeutet alles, was sich gegen Gott wendet und somit auch gegen alles, was Gott gemacht hat, gegen die Schöpfung Gottes und damit letztlich auch gegen den Menschen. Man will uns weiß machen, dass die Gebote Gottes den Menschen einengen und dass nur in der Befreiung von ihnen die Freiheit des Menschen liegt. Doch genau das Gegenteil ist der Fall. Die Gebote Gottes sind die Ordnung der Schöpfung und wer sich gegen sie stellt, stellt sich gegen Gott und seine Schöpfung und gelangt so nicht zu mehr Freiheit, sondern wird zum Sklave seiner selbst und der Sünde.
Gott als Schöpfer anzuerkennen bedeutet, in der Welt für Gerechtigkeit zu sorgen. Gottes Schöpfung bietet genug für alle. Aber einige wenige wollen alles für sich, und daher müssen andere Mangel leiden. Wenn wir heute wissen, dass wir die Schöpfungsberichte nicht wörtlich nehmen dürfen, so dürfen wir diese Texte doch dahingehend lesen, dass sie zeigen, wie Gott diese Welt gedacht hat, nämlich dass der Mensch in Einklang lebt mit der Natur, sie pflegt und sich von ihren Gaben beschenken lässt. Dass der Mensch vor allem lernt, dass alles für alle gemacht ist und nicht dafür, dass einige im Wohlstand leben und andere ausgebeutet werden. Christlicher Glaube drängt uns daher, für Gerechtigkeit einzutreten, und so dem Plan Gottes für seine Schöpfung immer wieder neu Wirklichkeit werden zu lassen.
Die Welt ist Gottes Eigentum, wir dürfen sie nicht auf zerstörerische Weise ausbeuten. Jeder Mensch ist in seiner Einmaligkeit von Gott geliebt. Wir dürfen nicht über andere Menschen herrschen und sie für unsere Zwecke missbrauchen. Versuchen wir, immer neu Zeichen der Liebe Gottes in der Schöpfung zu entdecken, indem wir andere Menschen achten und ihnen verzeihen und indem wir staunend die Wunder der Natur betrachten. In allem wohnt Gottes Geist. Wir sind Teil eines großen Ganzen, in dem alle voneinander abhängig sind. So hat Gott die Welt gewollt, dass jeder das hat, was er braucht und wir in Einklang leben mit dem, was Gott für uns geschaffen hat.

Gott als Richter

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Gott ist ja der Gott des Rechts, bei ihm gibt es keine Begünstigung. Der Herr ist der Gott des Rechts, bei ihm gibt es keine Begünstigung. Er ist nicht parteiisch gegen den Armen, das Flehen des Bedrängten hört er. Er missachtet nicht das Schreien der Waise und der Witwe, die viel zu klagen hat.

Rinnt nicht die Träne über die Wange und klagt nicht Seufzen gegen den, der sie verursacht? Denn von der Wange steigt sie zum Himmel empor, der Herr achtet darauf und es missfällt ihm. Die Nöte des Unterdrückten nehmen ein Ende, das Schreien des Elenden verstummt. Das Flehen des Armen dringt durch die Wolken, es ruht nicht, bis es am Ziel ist. Es weicht nicht, bis Gott eingreift und Recht schafft als gerechter Richter. (Sir 35,15-22)

Gott als Richter, dieses Bild war noch vor einigen Jahren viel stärker verbreitet als heute. Man möchte heute nicht mehr so gern vom Gericht Gottes reden in einer Gesellschaft, in der es kaum mehr Grenzen gibt. Ein Gott, der über alles hinweg sieht und alles verzeiht, erscheint da viel populärer.

Doch wo führt es hin, wenn es keine Grenzen mehr gibt? Werden dann nicht bald gewisse Menschen diese Freiheit missbrauchen, um ihren Vorteil daraus zu ziehen? Unmerklich schnürt sich auch heute das Netz um unsere ach so freie Gesellschaft und viele gehen freiwillig in den Käfig, der aus den Daten gesponnen wird, die sie so sorglos über sich preisgeben. Und dann ist es plötzlich wieder da, das Gericht, nun besetzt von selbsternannten Richtern, die sich ungefragt über das Tun ihrer Mitmenschen erheben.

Die Worte vom richtenden Gott, die Jesus Sirach schreibt, sollten den Menschen Trost geben. Die damalige Zeit kannte noch keine unabhängigen Gerichtsverfahren wie sie in unserem Rechtsstaat üblich sind. Oft waren die Richter bestechlich. Wer mehr zahlen konnte, bekam Recht, auch wenn er im Unrecht war. So war es für arme Menschen nahezu unmöglich, ihr Recht durchzusetzen.

Gott ist nicht bestechlich. Er lässt sich nicht davon beeinflussen, wie viel einer geben kann. Es war zu allen Zeiten üblich, Gott Opfer zu bringen, es gab den Zehnten, den jeder an den Tempel oder die Kirche zu entrichten hatte. Das gehörte zur Ordnung der Gesellschaft, in der auch die Priester ihren festen Platz hatten.

Aber wenn einer in Not ist, dann hilft Gott ohne Ansehen der Person. Er wird den Reichen nicht ungestraft lassen, der das Geld für seine zahlreiche Opfer durch die Ausbeutung anderer erworben hat. Gott schaut nicht auf das Opfer, sondern auf das Herz. Und wenn ein Armer mit reinem Herzen zu ihm ruft, so wird Gott dessen Ruf eher vernehmen als das Gebet eines Menschen, der Opfer anhäuft, dessen Herz aber nicht rein ist vor Gott.

Gottes Urteile sind gerecht, weil er die Menschen bis in ihr tiefstes Inneres kennt. Vor menschlichen Richtern kann manches verborgen bleiben. Gott aber weiß alles. Er ist unbestechlich, weil er selbst keinen Vorteil hat aus den Gaben, die Menschen ihm darbringen. Auch die Freundschaft mit Mächtigen vermehrt seine Größe nicht. Gott ist groß, auch wenn er nur der Gott der armen und einfachen Menschen ist. Geben wir uns vertrauensvoll in seine Hände

Barmherziger Gott, Richter der Welt,

du bist unbestechlich in deinem Maßstab,

doch voller Erbarmen in deinem Urteil.

Vergib uns,

dass wir aus Sorge um unseren Vorteil

das Unrecht oft nicht klar benennen,

und nicht so handeln, wie du es uns lehrst.

Wir nutzen unsere Möglichkeiten zu wenig,

um etwas zu ändern an unserem Leben

und an den Verhältnissen dieser Welt.

Gib, dass uns nicht die Macht blendet,

sondern dass wir für die Freiheit eintreten

und gegen Not und Unterdrückung kämpfen.

Gott, dir können wir nichts vormachen.

Sende dein Licht und deine Wahrheit,

dass sie uns leiten zu neuer Klarheit.

Schenke uns den Mut, ehrlich und

konsequent die Gerechtigkeit zu leben.

Das Gebet des Mose (Ex 17,8-13)

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Israel ist nach dem Auszug aus Ägypten bereits mehrere Monate in der Wüste unterwegs. Vieles ist seither geschehen. Das Volk hat mehrere Durststrecken hinter sich, auf denen Gott lebenspendendes Wasser geschenkt hat. Täglich findet das Volk Manna als Nahrung in der Wüste und ab und zu gibt es auch Fleisch durch vorüberfliegende Wachtelschwärme. Aber alles in allem ist es ein beschwerlicher Weg und mehr als einmal waren die Israeliten drauf und dran, lieber wieder in die Sklaverei nach Ägypten zurückzukehren, als den ungewissen Weg in ein neues Land zu suchen.

Bei all den Strapazen stellt sich dem Volk nun auch noch ein Feind in den Weg und sucht den Kampf mit Israel. Es handelt sich um die Amalekiter, die fortan als Erzfeind des Volkes Israel gelten. Über die Amalekiter lässt sich historisch wenig sagen, da sie in außerbiblischen Quellen bisher nicht eindeutig identifiziert werden konnten. Sie werden uns im Alten Testament als räuberisches Nomadenvolk vorgestellt, das in den Gegenden zwischen Ägypten und dem Gelobten Land lebt.

Die Amalekiter werden als Teil der Edomiter gesehen. Esau, der Bruder Jakobs, wird in den Geschlechterlisten des Alten Testaments als Stammvater der Edomiter genannt. Amalek ist ein Enkel Esaus und gehört zu den Häuptlingen Edoms. Der Krieg gegen die Amalekiter durchzieht als blutige Spur die Geschichte Israels bis in die Königszeit hinein und der Befehl zur Ausrottung der Amalekiter gilt als göttliches Gebot. Dies zeigt, wie tief der Hass zwischen den beiden Völkern ist. Psalm 83 nennt Amalek in einer Reihe anderer Völker als Repräsentant der feindlichen Völkerwelt, ja der Chaosmächte schlechthin, die Israel bedrohen und als Volk auslöschen wollen.

Die Erzählung in Ex 17,8-16 begründet die Erzfeindschaft zwischen Amalek und Israel und gilt zugleich als theologische Lehrerzählung die Kraft des Gebets. Auf Geheiß des Mose wählt Josua mehrere Männer als Krieger aus, um gegen Amalek in den Kampf zu ziehen. Doch das Kriegsglück Israels entscheidet nicht allein der Kampfgeist dieser Männer. Während Josua mit seinen Männern in den Kampf zieht, steigt Mose zusammen mit Aaron und Hur auf einen Berg, von dem aus er die Schlacht überblicken kann.

Das inständige Gebet des Mose entscheidet schließlich die Schlacht, denn solange Mose seine Hände mit dem Gottesstab, der schon den Weg durch das Rote Meer gebahnt hat, erhoben hat, ist Israel stärker. Verständlicherweise geht Mose nach einiger Zeit die Kraft aus, seine Hände drohen zu sinken, sobald er aber die Hände sinken lässt, gewinnt Amalek an Macht. Aaron und Hur bringen daraufhin einen Stein herbei, auf den Mose sich setzen kann und stützen seine Arme zu beiden Seiten. So geht Israel schließlich siegreich aus dem Kampf hervor.

Gott hat den Sieg gewirkt durch die Anführer Israels, die einander gegenseitig beigestanden sind. Josua mit seinen Männern hätte den Kampf nicht gewonnen, wenn Mose nicht inständig für den Sieg gebetet hätte. Mose hätte nicht die Kraft zu diesem Gebetsbeistand gehabt, wenn ihn nicht Aaron und Hur gestützt hätten. So sind alle aufeinander angewiesen und in dieser Solidarität wirkt Gottes Kraft. Israel soll erkennen, dass es gegen seine Feinde nur bestehen kann, wenn es diese Solidarität untereinander verbunden mit dem festen Glauben an Gott bewahrt.

Auch für uns heute ist diese Erzählung ein Beispiel für die Kraft des Gebetes. Gebet, das ist gegenseitiger Beistand. Gott will, dass wir seine Kraft durch unser Zusammenwirken erfahrbar werden lassen.

Gebet um Weisheit

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Das Buch der Weisheit ist eine wahrscheinlich im 1. Jahrhundert vor Christus in der ägyptischen Großstadt Alexandria entstandene Spätschrift des Alten Testaments. Es will vor allem der Jugend, aber auch allen am Judentum Interessierten zeigen, dass sich der jüdische Glaube in Vergleich mit der hellenischen Kultur nicht zu verbergen braucht.

Die Griechen haben ihre Göttersagen, die großartigen Werke Homers und andere literarische Texte, die wir bis heute bewundern. Sie haben auch große Philosophen hervorgebracht, die bis heute berühmt sind, allen voran Sokrates, Platon und Aristoteles. Doch auch die jüdische Geschichte steckt voller Faszinationen und ist Zeichen dafür, wie Gottes Weisheit sich offenbart. Gottes Weisheit ist in der Geschichte am Werk und sie allein, nicht die vermeintlichen Segnungen der heidnisch-hellenischen Kultur, bringt der Welt das Heil.

Der dritte Teil des Buches der Weisheit beginnt mit einem Gebet. Hier finden wir starke Anklänge an das Gebet König Salomos um Weisheit in 1Kön 3. Es ist König Salomo, der für seine Weisheit berühmt war, der hier spricht und jeden einzelnen dazu ermuntert, es ihm nachzutun, nach Weisheit zu streben. Ohne Gottes Weisheit vermag der Mensch nichts. Allein die Weisheit Gottes vermag die Welt zu retten.

Der Mensch, der nach Weisheit strebt erkennt, wie begrenzt menschliche Erkenntnis ist. Wie oft meinen wir, über alles genau Bescheid zu wissen, fällen vermeintlich felsenfeste Urteile, und doch ist alles ganz anders. Wenn sie fünf Menschen fragen, die genau die gleiche Situation erlebt haben, werden ihnen diese fünf Menschen fünf verschiedene Versionen davon erzählen. Wir meinen, die Gesetze der Natur zu kennen, meinen die Natur durch unser Eingreifen zum Besseren verändern zu können. Aber wenn wir der Natur freien Lauf lassen und sie unvoreingenommen beobachten, merken wir, dass sie sich ganz anders verhält, als wir gedacht haben.

So ist es auch mit unserem Streben nach Profit. Viele meinen, dass dann alles besser wird, wenn der Gewinn steigt. Doch vom Reichtum profitieren nur wenige, während viele unter der Ausbeutung leiden. Viele meinen, dass der Sinn des Lebens darin besteht, immer mehr zu haben. Aber gerade wenn wir bereit sind, unsere Hände zu öffnen und zu schenken, erhalten wir die Fülle.

Nicht nur Wissen und Erkenntnis verleihen uns Einsicht in das Wesen der Dinge, sondern nur die Weisheit, die uns tiefer blicken lässt, die uns Zusammenhänge verstehen lässt und die uns vor allem neugierig darauf macht, immer mehr zu lernen und Neues zu erfahren. Die Weisheit verbindet uns mit Gott. Nur er kann sie uns schenken. Bitten wir ihn um diese Gabe.

Herr, schenke mir die Weisheit, die deine Werke kennt und die zugegen war, als du die Welt erschufst, die weiß, was dir gefällt und was recht ist nach deinen Geboten. Sende sie vom heiligen Himmel und schick sie vom Thron deiner Herrlichkeit, damit sie bei mir sei und alle Mühe mit mir teile und damit ich erkenne, was dir gefällt.

Gottes Zeichen

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Am Ende des Jesajabuches kommt noch einmal die Sehnsucht nach einem Heil für die ganze Welt zum Ausdruck, das von Jerusalem ausgeht. In der Zeit des Rückkehrs aus dem Exil in Babylon, in die hinein der Prophet diese Worte spricht, liegt Jerusalem noch darnieder. Die Stadt ist zerstört, der Wiederaufbau mühsam und von allen Seiten bedroht. Der Prophet will den Leuten Mut machen: Was ihr jetzt mühsam aus Trümmern aufbaut, wird wieder eine große Stadt werden, ein leuchtendes Zeichen unter den Völkern.

Gott hat sein Zeichen aufgestellt, die Worte des Propheten sind in Erfüllung gegangen. In Jerusalem hat Gott das Zeichen des Kreuzes aufgestellt, an dem Jesus Christus, Gottes Sohn, gestorben ist. Fortan  leuchtet dieses Zeichen über die ganze Welt und ruft alle Völker in die Gemeinschaft des Heils mit Gott.