Gebet um Weisheit

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Das Buch der Weisheit ist eine wahrscheinlich im 1. Jahrhundert vor Christus in der ägyptischen Großstadt Alexandria entstandene Spätschrift des Alten Testaments. Es will vor allem der Jugend, aber auch allen am Judentum Interessierten zeigen, dass sich der jüdische Glaube in Vergleich mit der hellenischen Kultur nicht zu verbergen braucht.

Die Griechen haben ihre Göttersagen, die großartigen Werke Homers und andere literarische Texte, die wir bis heute bewundern. Sie haben auch große Philosophen hervorgebracht, die bis heute berühmt sind, allen voran Sokrates, Platon und Aristoteles. Doch auch die jüdische Geschichte steckt voller Faszinationen und ist Zeichen dafür, wie Gottes Weisheit sich offenbart. Gottes Weisheit ist in der Geschichte am Werk und sie allein, nicht die vermeintlichen Segnungen der heidnisch-hellenischen Kultur, bringt der Welt das Heil.

Der dritte Teil des Buches der Weisheit beginnt mit einem Gebet. Hier finden wir starke Anklänge an das Gebet König Salomos um Weisheit in 1Kön 3. Es ist König Salomo, der für seine Weisheit berühmt war, der hier spricht und jeden einzelnen dazu ermuntert, es ihm nachzutun, nach Weisheit zu streben. Ohne Gottes Weisheit vermag der Mensch nichts. Allein die Weisheit Gottes vermag die Welt zu retten.

Der Mensch, der nach Weisheit strebt erkennt, wie begrenzt menschliche Erkenntnis ist. Wie oft meinen wir, über alles genau Bescheid zu wissen, fällen vermeintlich felsenfeste Urteile, und doch ist alles ganz anders. Wenn sie fünf Menschen fragen, die genau die gleiche Situation erlebt haben, werden ihnen diese fünf Menschen fünf verschiedene Versionen davon erzählen. Wir meinen, die Gesetze der Natur zu kennen, meinen die Natur durch unser Eingreifen zum Besseren verändern zu können. Aber wenn wir der Natur freien Lauf lassen und sie unvoreingenommen beobachten, merken wir, dass sie sich ganz anders verhält, als wir gedacht haben.

So ist es auch mit unserem Streben nach Profit. Viele meinen, dass dann alles besser wird, wenn der Gewinn steigt. Doch vom Reichtum profitieren nur wenige, während viele unter der Ausbeutung leiden. Viele meinen, dass der Sinn des Lebens darin besteht, immer mehr zu haben. Aber gerade wenn wir bereit sind, unsere Hände zu öffnen und zu schenken, erhalten wir die Fülle.

Nicht nur Wissen und Erkenntnis verleihen uns Einsicht in das Wesen der Dinge, sondern nur die Weisheit, die uns tiefer blicken lässt, die uns Zusammenhänge verstehen lässt und die uns vor allem neugierig darauf macht, immer mehr zu lernen und Neues zu erfahren. Die Weisheit verbindet uns mit Gott. Nur er kann sie uns schenken. Bitten wir ihn um diese Gabe.

Herr, schenke mir die Weisheit, die deine Werke kennt und die zugegen war, als du die Welt erschufst, die weiß, was dir gefällt und was recht ist nach deinen Geboten. Sende sie vom heiligen Himmel und schick sie vom Thron deiner Herrlichkeit, damit sie bei mir sei und alle Mühe mit mir teile und damit ich erkenne, was dir gefällt.

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