3. Lied vom Gottesknecht

Verspottung

Gott, der Herr, gab mir die Zunge eines Jüngers, damit ich verstehe, die Müden zu stärken durch ein aufmunterndes Wort. Jeden Morgen weckt er mein Ohr, damit ich auf ihn höre wie ein Jünger.

Gott, der Herr, hat mir das Ohr geöffnet. Ich aber wehrte mich nicht und wich nicht zurück. Ich hielt meinen Rücken denen hin, die mich schlugen, und denen, die mir den Bart ausrissen, meine Wangen. Mein Gesicht verbarg ich nicht vor Schmähungen und Speichel.

Doch Gott, der Herr, wird mir helfen; darum werde ich nicht in Schande enden. Deshalb mache ich mein Gesicht hart wie einen Kiesel; ich weiß, dass ich nicht in Schande gerate.  (Jes 50,4-7)

Die vier Gottesknechtslieder schildern in poetischen Worten das Schicksal des Propheten Deuterojesaja unter den verschleppten Israeliten im babylonischen Exil. Sie wurden aber zugleich zum Bild für das leidende Gottesvolk und zum Vorausbild für Christus. Gerade die Leiden des Propheten im Dienst Gottes für das Volk erfüllte Christus auf einzigartige Weise durch seinen Kreuzestod zum Heil der Menschen. Daher haben das dritte und vierte Gottesknechtslied einen festen Platz in der Liturgie der Passionszeit, das dritte Gottesknechtslied wird am Palmsonntag, das vierte am Karfreitag gelesen.

Knecht Gottes meint den von Gott in besonderer Weise in Dienst Gerufenen. Durch das Hören auf Gottes Botschaft gleicht dieser einem Schüler oder Jünger, der die Worte des Meisters hört, diese betrachtend verinnerlicht und in der Tat erfüllt. Wenn auch Christus in seiner göttlichen Natur weit mehr war als ein Schüler Gottes, so hat er doch als Mensch immer wieder die betende Zwiesprache mit seinem Vater im Himmel gesucht. Wenn wir Christus nachfolgen, bekommen die Worte des Propheten auch für uns eine drängende Aktualität.

Gottes Wort ist Zuspruch für die Menschen. Es dient nicht der inneren Erbauung des Jüngers, sondern er soll es verkünden zur Stärkung des Volkes. Der Knecht Gottes, auch wenn er selbst geschlagen wird, übt keinerlei Unterdrückung aus, sondern stärkt und baut seine Mitmenschen auf. Woher nimmt er aber die Kraft? Allein aus seiner Verbindung zu Gott.

Der Diener Gottes muss immer wieder in lebendige Zwiesprache mit Gott treten. Das ist das unerschütterliche Fundament seines Lebens. Am Beginn jedes Tages, vor jedem Tun und auch am Ende des Tages versetzt er sich in die Gegenwart Gottes. Was will Gott heute von mir? Was will er jetzt in dieser konkreten Situation von mir? Er verliert sich nicht in falschem Aktionismus und richtungslosen Irrwegen. Die Konzentration auf Gott gibt ihm Richtung und Entschiedenheit.

Gott ist es, der ihm das Ohr geöffnet hat. Gott hat ihn gerufen. Ein interessantes Bild. Wenn Gott ruft, dann öffnet er die Verbindung zwischen sich und uns. Gott ergreift die Initiative, der Mensch aber entscheidet, ob er Gottes Ruf zu sich dringen lässt oder ignoriert. Gott ruft, aber er zwingt nicht. Er wartet, ob wir bereit sind, die Verbindung aufrecht zu erhalten. Wer aber als von Gott Gerufener das verkündet, was Gott zu ihm gesprochen hat, tritt mit einer unüberbietbaren Autorität auf.

Immer aber sind es nur wenige, die auf den Knecht Gottes hören. Etliche mögen gleichgültig sein, manche aber treten in Opposition zum ihm. Gerade die Mächtigen sind oft nicht bereit, sich der Autorität seines Auftretens unterzuordnen. So ergeht es den Boten Gottes zu allen Zeiten. Auch Christus führte sein Auftreten in göttlicher Vollmacht zur Anklage wegen Gotteslästerung und Hochverrat.

Christus ist das perfekte Abbild des leidenden Gottesknechts. Die Evangelien schildern die Verspottung und Folter, die Jesus angetan wurden. Er wurde verhöhnt, bespuckt und gegeißelt. Dabei blieb er stumm, wie ein Lamm angesichts des Scheerers, wie ein Lamm, das zur Schlachtbank geführt wird. Er wehrte sich nicht vor den Schlägen, gab keine Beleidigung zurück. Wer selbst einmal zu Unrecht beschuldigt und verhöhnt wurde, der weiß, dass es viel mehr Kraft erfordert, hier ruhig zu bleiben, als sich zu wehren. Das Schweigen Jesu ist also nicht Zeichen von Schwäche, sondern von innerer Größe.

Und doch wahrt er sein Gesicht. Wir sehen es auch bei den Märtyrern. Erhobenen Hauptes gehen sie stolz in den Tod. Der Gerechte lässt sich nicht unterkriegen. Er weiß, dass er für die Gerechtigkeit einsteht und dass diese letztlich siegen wird, auch wenn er für sie in den Tod geht. Gott wird für seine Sache eintreten. Wenn es hart auf hart kommt, können wir die Gerechtigkeit nicht mehr mit Worten verteidigen, sondern nur noch durch Standhaftigkeit bis in den Tod. Doch die Gerechtigkeit wird nicht untergehen, sondern Gott wird immer neu seine Knechte rufen.

Cyrill von Jerusalem (315-386)

Cyrill_1Cyrill stammte aus einer christlichen Familie und empfing eine ausgezeichnete Ausbildung sowohl in christlicher als auch in griechisch-heidnischer Literatur. Diese bildete die Grundlage für seine auf das Studium der Bibel konzentrierte kirchliche Kultur. Maximus von Jerusalem weihte ihn um das Jahr 348 zum Priester und Cyrill wurde sein Nachfolger als Bischof dieser Stadt. Nach Rom, Konstantinopel, Alexandrien und Antiochien gehörte Jerusalem zu den fünf bedeutendsten Bischofssitzen.

Schon zu Beginn seiner Amtszeit wurde er in zwei massive Streitfälle verwickelt. Der eine betraf die Bedeutung des Ehrenprimats, der dem Bischof von Jerusalem zukam und der andere wohl weit gewichtigere die Auseinandersetzung mit dem Arianismus. Sein direkter Gegner war in beiden Fällen Bischof Acacius von Cäsarea, durch den Cyrill zum Bischof geweiht worden war.

Acacius war Arianer, wie viele Christen in der damaligen Zeit. Zwar wurde auf dem I. Ökumenischen Konzil von Nicäa im Jahre 325 die Lehre von der Gottgleichheit des Sohnes mit dem Vater als kirchliche Lehre festgeschrieben, aber es kam später immer wieder zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen den Anhängern dieser Lehre und den Arianern, die Jesus Christus nur eine Ähnlichkeit mit Gott zugestehen wollten. Viele Kaiser unterstützten die Lehre des Arianismus und lange Zeit waren die rechtgläubigen Christen im Osten des Römischen Reiches eine Minderheit, während der Westen weitgehend an der Lehre von Nicäa festhielt. Es bedurfte mehrerer Synoden und heftiger Kämpfe über Jahrzehnte hinweg, bis dieser Streit entschieden war.

Ähnlich wie Athanasius von Alexandrien und andere Bischöfe hatte auch Cyrill wegen seines rechtgläubigen Bekenntnisses zu leiden. Von den 38 Jahren seines Episkopats verbrachte er 16 in der Verbannung. Die erste war im Jahr 357, dieser folgte 360 eine zweite Verbannung, beide veranlasst durch Acacius, und schließlich eine dritte, die längste, für eine Dauer von elf Jahren, im Jahr 367 auf Veranlassung des arianischen Kaisers Valens. Erst nach dessen Tod im Jahr 378 konnte Cyrill endgültig von seinem Bischofsstuhl Besitz ergreifen und unter den Gläubigen Einheit und Frieden wiederherstellen. Auf dem II. Ökumenischen Konzil von Konstantinopel im Jahr 381, an dem Cyrill selbst teilnahm, wurde schließlich die Lehre des Konzils von Nicäa auf gesamtkirchlicher Ebene bestätigt und der Arianismus verurteilt.

Es war keine leichte Aufgabe, die durch die innerkirchlichen Wirren entstandenen Streitigkeiten zu schlichten. Vieles war in Unordnung geraten und die Versöhnung der bisher bis aufs Blut verfeindeten Lager kostete alle Mühe. Dabei hatte Cyrill auch gegen persönliche Verunglimpfungen zu kämpfen. Doch bis zu seinem Tod am 18. März 386 arbeitete Cyrill unermüdlich daran, den Frieden wiederherzustellen.

Von Cyrill sind 24 Katechesen erhalten, die er um das Jahr 350 gehalten hat. Die ersten 18 davon richten sich an die Taufbewerber und wurden in der Grabeskirche gehalten. Diese war unter Kaiser Konstantin errichtet worden, als das Grab Christi unter einem heidnischen Venustempel gefunden wurde, der nach der römischen Neugründung der Stadt nach deren Zerstörung im Jüdischen Krieg errichtet worden war. Der Ort der Kreuzigung Christi ist für Cyrill der Mittelpunkt der Welt:

Gott breitet am Kreuz seine Hände aus, um die äußersten Enden des Universums zu umarmen. So wurde der Berg Golgatha zum Angelpunkt der Welt.

In seinen Katechesen weist Cyrill die Taufbewerber zunächst auf die Notwendigkeit eines sittlichen Lebens nach christlichen Maßstäben hin, das die Abkehr von den heidnischen Bräuchen erfordert. Es folgt eine Einführung in die im Glaubensbekenntnis enthaltenen Wahrheiten. Die letzten fünf, die so genannten mystagogischen Katechesen, führen in die christlichen Riten ein, sie handeln von der Bedeutung des Chrisamöls, des Leibes und Blutes Christi, der eucharistischen Liturgie und vom Vaterunser. Im Ritus erfährt der Mensch eine Verwandlung. Diese Erfahrung muss der Erklärung voran gehen, weshalb einige zentrale christliche Wahrheiten den Außenstehenden verborgen bleiben und auch den Taufbewerbern erst nach der Erfahrung der Taufe erklärt werden. Im folgenden Text erläutert Cyrill das Geheimnis der Taufe:

Dreimal seid ihr ins Wasser getaucht worden, und nach jedem der drei Male seid ihr wieder aufgetaucht, um die drei Tage der Grablegung Christi zu versinnbildlichen, das heißt: um mit diesem Ritus unseren Heiland nachzuahmen, der drei Tage und drei Nächte im Schoß der Erde verbrachte. … Wie der, der in der Nacht ist, nicht sieht, und wie der, der am Tage ist, das Licht genießt, so auch ihr. Während ihr in die Nacht eingetaucht ward und nichts saht, so habt ihr euch dagegen nach dem Auftauchen im hellen Tag vorgefunden. Geheimnis des Todes und der Geburt, dieses Wasser des Heils ist für euch Grab und Mutter gewesen.

Cyrill ist ein wichtiger historischer Zeuge für die altkirchliche Eucharistielehre und war wohl der Erste, der den Begriff der „Wandlung“ für das Geschehen der Transsubstantiation von Brot und Wein in Christi Leib und Blut gebrauchte. Die von ihm in der Jerusalemer Grabeskirche gefeierte Liturgie hatte großen Einfluss auf die Entwicklung des Messritus.

 

Christus ergreifen

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Christus will ich erkennen und die Macht seiner Auferstehung und die Gemeinschaft mit seinen Leiden; sein Tod soll mich prägen. So hoffe ich, auch zur Auferstehung von den Toten zu gelangen. Nicht dass ich es schon erreicht hätte oder dass ich schon vollendet wäre. Aber ich strebe danach, es zu ergreifen, weil auch ich von Christus Jesus ergriffen worden bin. (Phil 3,10-12)

Jesus Christus ist für Paulus die Mitte des Glaubens. Er, der die Menschen durch seinen Tod und seine Auferstehung gerecht macht vor Gott. Durch ihn sind wir hinein genommen in Gottes liebendes Herz. Das bedeutet Friede und Freude, im Herzen Gottes zu ruhen. Aus dieser Liebe und der Gerechtigkeit des Glaubens heraus sollen wir leben in der Freiheit der Kinder Gottes, die nicht ängstlich auf irdische Regeln bedacht sind, sondern sich als Menschen wissen, die von Gottes Fülle beschenkt sind.
Paulus wird hier sehr persönlich. Er sagt der Gemeinde, dass selbst er als Apostel nicht vollkommen ist. Kein Mensch ist vollkommen. Aber darauf kommt es auch nicht an. Die Vollkommenheit wird uns erst noch geschenkt, wenn wir einmal mit Christus beim Vater sind. Hier auf Erden sind wir Suchende, die sich nach der Vollendung sehnen. So werden wir mehr und mehr Christus ähnlich.

Dass wir noch fern vom Ziel sind und uns des Siegespreises nicht gewiss sein können, soll für uns Ansporn sein zu noch größerem Eifer. Auch wenn der Siegespreis ein reines Geschenk von Gottes Gnade ist, so ist er doch nicht ohne unsere Anstrengung erreichbar. Hier wird das Geheimnis von Gottes Gnade deutlich. Wenn wir nur die eine oder nur die andere Seite betrachten, gehen wir in die Irre. Das Heil erwerben wir nicht allein durch unsere Anstrengung, aber ohne unsere Anstrengung werden wir es verlieren. Es wird uns ganz von Gott geschenkt, aber wir müssen so leben, dass wir uns des Geschenkes Gottes würdig erweisen.

Wir können uns auch nicht auf vergangenen Lorbeeren ausruhen. Der Siegespreis kommt am Ende. Jetzt stehen wir im Wettkampf in immer neuen Runden. Wir sammeln Punkte, aber doch können wir immer wieder neu beginnen. Sieger wird nicht, wer am meisten Punkte hat, sondern wer bis zum Ziel durchhält. Dieses Bild ist tröstlich, aber es rüttelt uns auch auf. Es stellt uns vor eine ständige Herausforderung, aber es ist auch ein Bild großer Hoffnung.
Wir können jeden Tag neu mit dem Training beginnen. Auf das, was hinter uns liegt, brauchen wir nicht zu schauen. Natürlich, wir sind auch geprägt von unserer Vergangenheit und wenn wir großen Mist gebaut haben, sollten wir das auch irgendwie in Ordnung bringen, aber solange wir leben wird es nie einen Punkt geben, an dem wir nicht neu anfangen können.
Vergessen, das heißt nicht: sich nicht mehr erinnern, die Vergangenheit auslöschen wollen, sondern: nicht mehr darin verhaftet sein, loslassen können, damit auch: frei werden können, Raum schaffen für etwas Neues, für Gottes schöpferisches Handeln in meinem Leben. Es kann auch heißen: sich versöhnen mit der eigenen Lebensgeschichte. Alles beginnt mit dieser bewussten Entscheidung der Kehrtwendung und Hinwendung auf Neues hin.

Wenn dein Herz wandert oder leidet,
bringe es behutsam an seinen Platz zurück,
und versetze es sanft
in die Gegenwart deines Herrn.
Und selbst wenn du in deinem Leben
nichts getan hast,
außer dein Herz zurückzubringen
und wieder in die Gegenwart Gottes zu versetzen,
obwohl es jedes Mal wieder fortlief,
nachdem du es zurückgeholt hattest,
dann hast du dein Leben wohl erfüllt.

Franz von Sales

Die heiligen 40 Märtyrer von Sebaste (+ um 320)

40Martyrer_SebasteZu Beginn des 4. Jahrhunderts war der christliche Glaube im Römischen Reich schon weit verbreitet, auch viele vornehme Römer und Soldaten gehörten zu den Gläubigen. Doch auch kurz nach der offiziellen Anerkennung des Christentums unter Kaiser Konstantin im Jahr 313 kam es zu weiteren Verfolgungen. Es herrschte Streit zwischen Konstantin und dessen einstigem Mitregenten und späteren Erzfeind Licinius. Erst im Jahr 324 konnte Konstantin ihn endgültig besiegen und die Alleinherrschaft antreten. Bis dahin bekamen die Christen in den von Licinius beherrschten Teilen des römischen Reiches den Zorn des Regenten zu spüren.

Wenn man die militärischen Auseinandersetzungen der beiden Herrscher bedenkt, ist es nicht verwunderlich, dass der Zorn des Licinius gerade römische Soldaten traf. Vierzig christliche Soldaten der „Legio fulminata” („Legion Donner”) wurden bei Sebaste in Unterarmenien, dem heutigen Sivas in der Türkei, zum Tod durch Erfrieren auf einem See verurteilt. Sie hatten sich nach einem christenfeindlichen Befehl des Licinius offen zu ihrem Glauben bekannt. Die Androhung der unehrenhaften Entlassung aus der Armee und schließlich das Todesurteil konnten sie nicht von ihrem Entschluss abbringen, Christus treu zu dienen.

Nimm nicht nur unseren militärischen Rang hinweg, sondern auch unsere Leiber. Niemanden lieben wir mehr und nichts ist ehrenwerter für uns, als unser Herr Jesus Christus.

Haben wir so viel Ungemach ausgestanden im Dienst des Kaisers und für das Heil des Vaterlandes, warum sollen wir nicht dasselbe tun im Dienst des höchsten Kaisers des Himmels und der Erde zu unserem eigenen Heil?

Während die vierzig nackt auf dem Eis standen und froren, entzündeten andere Soldaten am Ufer Lagerfeuer und heizten warme Bäder, um sie zu verführen und zum Abfall vom Glauben zu bewegen. Doch sie blieben standhaft:

Grimmig ist der Winter, doch süß ist das Paradies.

Schon sah man vom Himmel her vierzig Kronen auf die Leidenden herab schweben, ein römischer Hauptmann soll diese auch gesehen haben. Doch nur 39 ließen sich auf die Männer auf dem See nieder. Die frierenden Männer lobten Gott und baten ihn um seinen Beistand:

Vierzig an der Zahl sind wir auf den See gegangen, Herr! Gib, dass wir vierzig auch gekrönt, und keiner aus uns seiner Krone beraubt werde. Diese Zahl ist eine Ehrenzahl, welche du durch dein vierzigtägiges Fasten geheiligt hast.

Einer jedoch hielt es nicht mehr aus, er verließ das Eis und sprang in ein warmes Bad, das bereit stand. Sein Körper verkraftete aber den schnellen Temperaturwechsel nicht und er starb. Die 39 Bekenner waren sehr betrübt, dass einer aus ihrer Mitte der Versuchung erlegen war. Jedoch sollte die heilige Zahl vierzig durch einen Neubekehrten wieder ergänzt werden. Einer der Wächter, der bereits zuvor die Kronen vom Himmel her herabkommen sah, war so begeistert vom Heldenmut der Christen, dass er sich zu ihnen auf das Eis gesellte und allen zurief:

Auch ich bin ein Christ und will mit den Christen leben und sterben.

Während der grimmig kalten Nacht starben die meisten der vierzig auf dem Eis. Die am Morgen noch am Leben waren, wurden im See ertränkt. Die toten Leiber warf man in den See. Nach drei Tagen ließ der Bischof den See nach den Gebeinen der Märtyrer absuchen. Ihre Reliquien wurden geborgen und an einen heiligen Ort bestattet.

Die Namen der 40 Märtyrer sind: Cyrion (Quirion), Candidus, diese beiden waren die vornehmsten unter ihnen, sodann Domnus, Meliton, Domitianus, Eunoicus, Sisinius, Heraclius, Alexander, Johannes, Claudius, Athanasius, Valens, Helianus, Ecditius, Acacius, Vibianus, Helias, Theodulus, Cyrillus, Flavius, Severianus, Valerius, Chudion, Sacerdon, Priscus, Eutychius, Eutyches, Smaragdus, Philoctimon, Aetius, Nicolaus (Micallius), Lysimachus, Theophilus, Xantheas, Angias, Leontius, Hesychius, Caius und Gorgonius.

Durch die Leiden der Heiligen, die sie für Dich ertrugen, bitten wir Dich Herr, Menschenfreundlicher Du, all unsere Leiden zu heilen.

 

Psalm 24

Ps24_1

Dem Herrn gehört die Erde und was sie erfüllt, / der Erdkreis und seine Bewohner.

Denn er hat ihn auf Meere gegründet, / ihn über Strömen befestigt.

Der Beginn des Psalms benennt eine Tatsache: Die Erde gehört dem Herrn. Gott hat die Welt geschaffen. Sie ist in seiner Hand. Gott ist Herr des Universums. Alles, was auf der Erde lebt, gehört Gott. Er hat Meer und Land getrennt, hat den fruchtbaren Boden und die Pflanzen und Tiere darauf geschaffen. Er hat dem Menschen, den er mit Geist und Freiheit ausgestattet hat, die Erde anvertraut, sie zu nutzen und zu verwalten.

Er ist der Gott der Ordnung … der das Ich aus dem gestaltlosen Urgrund herausruft und über ihm befestigt. Darum ist auch … nur die Lebensweise des Menschen göttlich, die in einem spezifischen Sinne menschlich, gottebenbildlich ist, eine vernunftgeleitete, verantwortliche Lebensweise, die ihrerseits das Erdreich über den Wassern befestigt, ohne deshalb das Wasser, den unersetzlichen Urgrund des Lebens, auszutrocknen. (Robert Spaemann)

In den folgenden Versen schildert der Psalmist die Zutrittsbedingungen für das Heiligtum:

Wer darf hinaufziehn zum Berg des Herrn, / wer darf stehn an seiner heiligen Stätte?

Der reine Hände hat und ein lauteres Herz, / der nicht betrügt und keinen Meineid schwört.

Unschuldige Hände und ein reines Herz heißt es wörtlich übersetzt. Hände, an denen kein Blut klebt und die nicht gierig zusammenraffen, sondern Hände, die sich dem anderen helfend entgegen strecken, die selbstlos schenken und zum Gebet zu Gott erhoben sind.

Ein Herz, das nicht zur Mördergrube geworden ist und voll ist von Hass und bösen Gedanken, sondern ein Herz, das voller Liebe ist, ehrlich und wahrhaftig. Diesen Menschen spricht der Psalmist den Segen Gottes zu.

Er wird Segen empfangen vom Herrn / und Heil von Gott, seinem Helfer.

Das sind die Menschen, die nach ihm fragen, / die dein Antlitz suchen, Gott Jakobs. [Sela]

Menschen mit reinen Händen und lauterem Herzen empfangen Gottes Segen und werden so zu Menschen, die Gott suchen. Ist diese Reihenfolge nicht unlogisch? Steht nicht am Anfang die Suche nach Gott, unser Bemühen, ihn zu finden? Müssen wir uns nicht zuerst um das reine Herz mühen, damit Gott zu uns kommen kann?

Wenn es so wäre, bliebe Gott den Menschen fremd. Kein Mensch kann aus eigener Anstrengung so rein und heilig werden, dass er Gott gleich wäre. Es ist vielmehr Gott, der die Initiative ergreift und uns rein und heilig macht durch seine Gnade. Gott kommt dem Menschen entgegen, um ihn zu sich zu führen. Wenn ein Mensch von Gottes Gnade angerührt wurde, dann ist er bereit, sich auf dem Weg zu Gott zu machen. Doch viele Menschen nutzen das Geschenk Gottes nicht und bleiben lieber in ihrer kleinen Welt, als sich auf den Weg zu machen zum Tempel Gottes – sie bleiben lieber armselige Menschen, als ihre Leib zum Tempel Gottes zu machen.

Nachdem der Psalmist den Weg des Menschen zum Heiligtum gezeigt hat, schildert er mit machtvollen Worten den Weg Gottes zu seinem Heiligtum, dem Ort, wo Gott und Mensch sich begegnen. Für Israel war es der Tempel in Jerusalem, in dem die Lade Gottes – Zeichen der Gegenwart Gottes während der Wanderjahre – nun ihren festen Ort bekommt.

Ihr Tore, hebt euch nach oben, / hebt euch, ihr uralten Pforten; / denn es kommt der König der Herrlichkeit.

Wer ist der König der Herrlichkeit? / Der Herr, stark und gewaltig, / der Herr, mächtig im Kampf.

Ihr Tore, hebt euch nach oben, / hebt euch, ihr uralten Pforten; / denn es kommt der König der Herrlichkeit.

Wer ist der König der Herrlichkeit? / Der Herr der Heerscharen, / er ist der König der Herrlichkeit. [Sela]

Als Christen hören wir hier den Ruf des Trishagion:

Heiliger Gott, heiliger Starker, heiliger Unsterblicher, erbarm dich unser.

Gott ist der Heilige, der Starke und Gewaltige, der Unsterbliche, der Allerbarmer. Er, der so erhaben ist über die Welt und die Menschen, er kommt den Menschen entgegen, wird selbst Mensch, nimmt Wohnung unter den Menschen, nicht mehr in einem Tempel, sondern als Mensch unter Menschen und bleibt in den Zeichen von Brot und Wein mitten unter uns, bis er einst wiederkommen wird, um das Vergängliche in Unvergängliches zu verwandeln.

Er kommt uns entgegen, um uns zu sich zu führen. Er schenkt uns seine Gnade. Erkennen wir das Geschenk, das er in uns gelegt hat, stehen wir auf, machen wir uns auf den Weg, nicht in die Ferne, sondern in unsere Mitte, wo Gott den Kern unserer Heiligkeit gelegt hat. Werden wir das, wozu Gott uns geschaffen hat. Werden wir zum Heiligtum, durch das Gottes Gegenwart in dieser Welt erfahrbar wird.

1. Korintherbrief 10,1-13 – Warnung

Ihr sollt wissen, Brüder, dass unsere Väter alle unter der Wolke waren, alle durch das Meer zogen und alle auf Mose getauft wurden in der Wolke und im Meer. Alle aßen auch die gleiche gottgeschenkte Speise und alle tranken den gleichen gottgeschenkten Trank; denn sie tranken aus dem Leben spendenden Felsen, der mit ihnen zog. Und dieser Fels war Christus. (1Kor 10,1-4)

Paulus mahnt die Korinther dazu, sich nicht in falscher Selbstsicherheit zu wiegen. Als mahnendes Beispiel führt er die Geschichte Israels an. Der Exodus, der Auszug aus Ägypten, ist das Schlüsselerlebnis in der Geschichte Israels. Das ganze Volk machte dir Erfahrung von Gottes rettender Tat der Befreiung aus der Sklaverei Ägyptens.

Paulus sieht den Exodus als Vorausbild dessen, was die christliche Gemeinde heute erfährt. Wie Gott durch Mose das Volk durch das Rote Meer in die Freiheit führte, so sind die Christen durch die Taufe von der Sklaverei der Sünde befreit worden. Wie Gott das Volk Israel in der Wüste wunderbar versorgt hat, durch Wasser aus dem Felsen und Manna, so ist die Eucharistie die wunderbare Speise des neuen Gottesvolkes. Alle Christen haben Teil an Christi Leib und Blut, der Speise ewigen Lebens.

Und doch ist die Erfahrung dieser Wohltaten keine Garantie für das ewige Heil. Im Volk gab es solche, die aus Gier mehr Manna sammelten, als sie benötigten, und dafür bestraft wurden. Als Mose am Sinai war, machte sich das Volk ein Goldenes Kalb und trieb Götzendienst. Viele murrten und wollten lieber wieder in die Sklaverei zurück, als den beschwerlichen Weg durch die Wüste zu gehen. Nicht das große Ziel war ihnen wichtig, sondern einfach nur die Bequemlichkeit des Alltags. Auf dem Zug durch die Wüste kamen viele um, Mose musste immer wieder den Herrn um Verzeihung für das Volk anrufen. Diejenigen, die aus Ägypten ausgezogen waren, durften das gelobte Land nicht sehen, sondern erst der folgenden Generation wurde der Einzug gewährt.

So dürfen sich auch die Christen angesichts der Sakramente nicht in falscher Sicherheit wiegen. Gott will das Heil aller Menschen, er schenkt seine Gnade umsonst, aber der Mensch kann sein Heil auch verwirken. Gott sorgt sich um uns, wie der Gärtner im Gleichnis, der den fruchtlosen Baum nicht umhaut, sondern jahrelang weiter pflegt, dass er doch noch Früchte trägt. Aber es gibt keine Garantie für das Heil. Das sollen wir immer wieder bedenken.

Wer also zu stehen meint, der gebe Acht, dass er nicht fällt. (1Kor 10,12)

Hochmut kommt vor dem Fall, so lautet ein bekanntes Sprichwort. Wer meint, der beste zu sein, alles richtig zu machen und über den anderen zu stehen, für den kommt oft ein böses Erwachen. Selbst wenn wir etwas Tolles gemacht haben und viel Lob erhalten, kann uns im nächsten Augenblick ein Missgeschick passieren und alles ist dahin.

Das bedeutet nicht, dass wir mit negativen Gedanken durchs Leben gehen sollen und uns über nichts mehr freuen dürfen. Aber wir sollen wachsam sein. Wir dürfen dankbar sein für das, was uns gelingt, sicher auch ein wenig stolz, aber wir sollen das immer auch als ein Geschenk sehen und nicht übermütig werden.

Wir dürfen stolz darauf sein, Christen zu sein. Heute machen wir eher die andere Erfahrung, dass Christsein eben nichts Besonderes ist, dass wir die Sakramente nicht mehr Wunder des Heils erfahren, wie beispielsweise Israel den Exodus. Auch das ist eine Versuchung, die Versuchung zur Gleichgültigkeit. Machen wir uns immer neu bewusst, welche Großtaten Gott an uns erwiesen hat. Wir sind Kinder Gotts. Gott ist unser Vater, der auf uns schaut und für uns Sorge trägt.

Wir dürfen und sollen ein gesundes Selbstbewusstsein haben, müssen uns aber auch vor falscher Selbstsicherheit in Acht nehmen. In den Beispielen, die Paulus aufgezählt hat, zeigt sich, wie verhängnisvoll diese sein kann. Johannes Chrysostomus sagt:

„Wenn nämlich jene, die so große Wohltaten genossen, solches leiden mussten, wenn andere, bloß weil sie gemurrt haben, und wieder andere, weil sie Gott versucht haben, so hart gestraft wurden, und wenn jenes Volk nach so großen Dingen Gott nicht fürchtete, so wird uns dieses Schicksal, wenn wir nicht vorsichtig wandeln, umso mehr treffen. Paulus sagt treffend: „Wer zu stehen meint“, denn ein solches Stehen ist nicht das rechte, sondern es ist ein Vertrauen auf die eigene Kraft und wer so steht, wird bald fallen.“

Johannes Chrysostomus sieht die Menschen aber in einer ganz anderen Situation. Vielen sind gefallen und liegen am Boden, auch in der Kirche. Viele mögen zwar nach außen hin kraftvoll wirken, „könnte man aber die Seelen nackt schauen, wie man in einem Heer nach der Schlacht die einen tot, die andern schwer verwundet erblickt, so würde man dasselbe auch hier in der Kirche erblicken.“ Er ruft daher dazu auf, einander die Hand zu reichen und einander zu helfen, aufzustehen:

„Darum ermahne ich nicht nur dazu, dass wir uns vor dem Fall hüten, sondern den Gefallenen rufe ich zu, dass sie aufzustehen vermögen. Lasst uns also, Geliebte, wiewohl spät, erheben! Lasst uns aufstehen und tapfer dastehen! Wie lange wollen wir liegen bleiben? Wie lange wollen wir berauscht und von irdischen Begierden betäubt so fortleben? Ich bitte und ermahne: reichen wir einander die Hand und stehen wir auf!“

Haben wir den Mut, ehrlich zu unseren Fehlern zu stehen und unsere Sünden zu bekennen. Haben wir die Demut, um Verzeihung und Hilfe zu bitten. Greifen wir nach der Hand, die uns entgegengestreckt ist, um uns aufzuhelfen. Der Heilige Johannes Chrysostomus sagt:

„Auch ich gehöre zu den Verwundeten, die des heilenden Arztes bedürfen, aber darum sollt ihr den Mut nicht verlieren; denn sind die Wunden auch schwer, so sind sie doch heilbar. Wir haben nämlich einen Arzt, der uns, mag auch das Übel den äußersten Grad erreicht haben, viele Wege zur Besserung zeigt.“

Christus ist unser Arzt, er kann uns Heilung verschaffen. Er zeigt uns verschiedene Therapien, wie wir Heilung erlangen können. Wenn wir anderen verzeihen, so wird auch uns verziehen, durch Gebet und Almosen werden Sünden getilgt.

„Lasst uns also die Größe seiner Erbarmung erwägen und ihn versöhnen und vor ihm unsere Schuld bekennen, damit wir nicht beim Hinscheiden aus diesem Leben ohne Nachsicht der äußersten Strafe verfallen!“

Chrysostomus mahnt aber auch, nicht mit Gottes Barmherzigkeit zu spielen. Es muss uns ernst sein mit unserer Umkehr. Gerade auch das Geld birgt eine Versuchung, die uns immer wieder blind werden lässt:

„Wir vernachlässigen das Seelenheil aus Liebe zum Geld. Wie darfst du nun Gott bitten, dass er dich verschone, da du dich selbst nicht verschonst und das Geld der Seele vorziehst? Ich staune über den Zauber, der in dem Geld oder besser gesagt, in den Herzen der Verblendeten liegt. Doch gibt es auch sicherlich Menschen, welche dieses Blendwerk herzlich verlachen, denn was liegt wohl darin, das unsere Augen bezaubern könnte? Ist es nicht ein lebloses Wesen? Ist es nicht vergänglich? Ist sein Besitz nicht unsicher, verbunden mit Furcht und Gefahr, Mord und Nachstellungen, mit Feindschaft und Hass, mit Trägheit und allerlei Bosheit? Ist es nicht Staub und Asche? Welcher Wahnsinn! Welche Krankheit!“

Wir können dieser Versuchung dadurch begegnen, dass wir uns Gott viel größer und Herrlicher vorstellen als alle Pracht dieser Welt und alles, was wir uns mit Geld kaufen können. Machen wir uns die Wunder bewusst, die Gott an uns gewirkt hat. Wir sind neu durch seine Gnade. Lassen wir uns immer wieder erneuern, lassen wir Gott an uns wirken, dass wir durch seine Gnade wachsen zu wahrer Größe.

 

27.2. P. Johann Schwingshackl (1887-1945)

SchwingshacklJohann Schwingshackl wurde am 4. Mai 1887 in Welsberg/Südtirol geboren und wuchs in einer religiös geprägten Bergbauernfamilie auf. Acht der zwölf Kinder ergriffen geistliche Berufe. Als Zehnjähriger bat er den Vater, studieren gehen zu dürfen, doch dieser soll seinen Wunsch abgelehnt haben mit den Worten: „Aus dir wird doch nur ein Lump!“ Später sieht Schwingshackl darin das Eingreifen der göttlichen Vorsehung: „Ich glaube nämlich nicht, dass ich am Priesterberuf festgehalten hätte, wenn ich damals als Knabe die Studien begonnen hätte.“ So arbeitete er als Knecht auf dem Hof der Eltern, bis er endlich als 22-jähriger das Mittelschulstudium beginnen konnte.

Im Ersten Weltkrieg kämpfte er bei den Tiroler Kaiserjägern und gelangte nach seiner Verwundung vier Jahre in russische Kriegsgefangenschaft. Diese harte Zeit in sibirischen Lagern sollte seine Gesundheit ruinieren. Er lernte dort aber auch den Juden Aaron Eisen kennen, mit dem er viele religiöse Gespräche führte, was ihn im Umgang mit Andersgläubigen viel toleranter und einsichtsvoller machte. Er sagt später selbst: „Das war für mich ein großer Nutzen. Ich war zu eng.“

Nach seiner Heimkehr trat er Anfang 1919 in St. Andrä im Lavanttal bei den Jesuiten ein. Sein Vater war davon nicht begeistert: „Ausgerechnet bei den Jesuiten, die immer eine Zielscheibe der Verfolgung sind“, sagte er. Doch Johann entgegnete: „Gerade deshalb!“ Nach Studien in Innsbruck und Krakau und wurde er 1924 zum Priester geweiht. Um seine Lungenerkrankung auszukurieren, musste er längere Zeit zuhause verbringen, war dann zunächst am Canisianum in Innsbruck tätig, wurde 1931 Novizenmeister, 1933 nach seinem sehnlichsten Wunsch Volksmissionar, 1936 aber als Novizenmeister zu den Missionsschwestern von „Regina Apostolorum” in Straßhof in Niederösterreich versetzt.

Aus seinem Widerwillen dem Nazi-Regime gegenüber machte er von Anfang an keinen Hehl. „Kein Wort zu viel, aber auch keines zu wenig!“, lautete seine Devise. Er wollte angesichts der Zeitumstände „recht handeln – nie unklug, aber ja nie feige!“ Als er 1938 Kirchenrektor an St. Martin in Wien wurde, begann er mit seinen unerschrockenen Predigten gegenüber dem Nationalsozialismus. Aus Furcht vor den Übergriffen der Nazis versetzte ihn der Orden 1941 nach Bad Schallerbach bei Wels. Der Provinzial der Jesuiten ermahnte ihn „alle unangebrachte Kritik, auch die Kritik an weltlichen und kirchlichen Personen, auf der Kanzel und im Privatgespräch zu unterlassen“. Doch P. Schwingshackl konnte nicht schweigen. „Ich will kein stummer Hund gewesen sein in heutiger Zeit“, sagte er.

Im Februar 1944 wurde P. Schwingshackl verhaftet. Er sieht es als Ehre an, denn „man muss heute schon fast ein schlechtes Gewissen haben, wenn man bei diesem Regime noch nicht eingesperrt ist.“ Bei der Verhaftung fiel der Gestapo auch ein Brief an den Provinzial in die Hände, in dem P. Schwingshackl das Nazi-Regime scharf kritisiert. Dieser gab den Ausschlag dafür, dass der Volksgerichtshofpräsident Roland Freisler schließlich am 16. Dezember 1944 das Todesurteil wegen „Wehrkraftzersetzung“ verhängte. In seinem Abschiedsbrief schreibt er:

„Klar hat die Untersuchung, besonders aber die Art der Verurteilung gezeigt, dass ich nur für die Sache Christi sterbe… Den Priestersegen gebe ich Euch täglich, oft mit gefesselten Händen.“

Noch vor der Vollstreckung des Todesurteils starb P. Johann Schwingshackl in der Nacht vom 27. auf den 28. Februar 1945 in seiner Gefängniszelle in München-Stadelheim. Johann Schwingshackl wurde zunächst auf dem Perlacher Friedhof in München bestattet, 1946 wurde er auf den Jesuiten-Friedhof in München-Pullach überführt. Seit dem 13. Juni 1985 befindet sich sein Grab in der Gruft der Jesuitenkirche in Innsbruck.

22.02. Papias von Hierapolis (um 60-um 135)

PapiasPapias war Bischof von Hierapolis in Phrygien, einer damals sehr bedeutenden Stadt, deren Ruinen heute im türkischen Landkreis Pamukkale zu finden sind. Irenäus nennt Papias „einen Hörer des Johannes, Freund des Polykarp und Mann aus alter Zeit“. Seine um 130 verfasste „Darstellung der Herrenworte” in fünf Büchern ist uns nicht erhalten. Eusebius von Caesarea, der um das Jahr 325 seine Kirchengeschichte schreibt, hatte das Werk offenbar noch vorliegen und geht im 39. Kapitel des dritten Buches ausführlich darauf ein.

Aus dem Zitat des Irenäus darf man nicht schließen, dass Papias ein direkter Schüler der Apostel war. Er hat deren Lehren von den Presbytern übernommen, wie in einem Zitat aus dem Werk des Papias bei Eusebius deutlich wird:

Nicht an denen, die viele Worte machen, sondern an denen, welche die Wahrheit lehren, hatte ich meine Freude. Ich folgte auch nicht denen, welche die fremden Gebote anführen, sondern denen, welche die vom Herrn dem Glauben gegebenen und aus dem Glauben entspringenden Gebote der Wahrheit lehren. Kam einer, der den Presbytern gefolgt war, dann erkundigte ich mich nach den Lehren der Presbyter und fragte: Was sagte Andreas, was Petrus, was Philippus, was Thomas oder Jakobus, was Johannes oder Matthäus oder irgendein anderer von den Jüngern des Herrn? Und was sagen Aristion und der Presbyter Johannes, die Jünger des Herrn?

Bereits Eusebius bemerkt, dass Papias hier zweimal einen Johannes erwähnt, einmal in Zusammenhang mit den Aposteln, einmal mit den Presbytern. Somit wird deutlich, dass in der frühen Kirche Kleinasiens neben dem Apostel Johannes auch ein Presbyter namens Johannes eine herausragende Stellung eingenommen hat. Von letzterem stammen wahrscheinlich die Johannesbriefe und die Offenbarung oder wurden zumindest in seinem Namen geschrieben.

Durch das Hören der Augenzeugen Jesu wird für Papias das Evangelium lebendig,

denn die aus Büchern geschöpften Berichte können für mich nicht denselben Wert haben wie die Worte frischer, noch lebender Stimmen.

Auch uns führen die wenigen Zeilen, die Eusebius uns aus dem Werk des Papias übermittelt, näher an die Zeit der frühen Kirche heran. Papias berichtet vom Apostel Philippus und Justus Barsabas, den wir aus der Apostelgeschichte (Apg 1,23) kennen. Philippus hatte zwei Töchter, die Papias in Hierapolis kennen gelernt hat und die ihm eine wunderbare Geschichte von einer Totenerweckung durch den Apostel berichteten. Von Justus Barsabas erwähnt Papias, dass er tödliches Gift getrunken habe, ohne dass es ihn geschadet hat. Eusebius schreibt weiter:

Papias bietet auf Grund mündlicher Überlieferung auch noch andere Erzählungen, nämlich unbekannte Gleichnisse und Lehren des Erlösers und außerdem noch einige sonderbare Berichte. Zu diesen gehört seine Behauptung, dass nach der Auferstehung der Toten tausend Jahre kommen werden, in denen das Reich Christi sichtbar auf Erden bestehen werde.

Eusebius kritisiert diese Anschauung über die tausendjährige Herrschaft Christi, jedoch finden wir diese Prophezeiung auch im 20. Kapitel der Offenbarung des Johannes, was wiederum die enge Verbindung von Johannes und Papias, von der Irenäus berichtet, bestätigt. Gerne würden wir mehr über das erfahren, was die beiden miteinander geredet haben. Das würde uns auch helfen, die Offenbarung des Johannes besser zu verstehen. Wenn man die Offenbarung liest, kann man daraus schließen, dass die Christen zur Zeit des Papias große Not und Bedrängnisse erfahren haben. Die Kirche hat sich nicht in einer ihr wohlgesonnenen Umgebung ausgebreitet. Sie hat auch nicht den Leuten nach dem Mund geredet und in das Horn des Zeitgeistes geblasen. Vielmehr war es die Standhaftigkeit zum Zeugnis des Glaubens in der Bedrängnis bis zum Tod, was die Christen attraktiv machte.

Nach einem Zitat bei Eusebius berichtet uns Papias über die Evangelisten Markus und Matthäus mit folgenden Worten:

Markus hat die Worte und Taten des Herrn, an die er sich als Dolmetscher des Petrus erinnerte, genau aufgeschrieben. Zwar hatte er nicht selbst den Herrn gehört und begleitet, wohl aber folgte er später dem Petrus, welcher seine Lehrvorträge nach den jeweiligen Bedürfnissen einrichtete, nicht aber so, dass er eine zusammenhängende Darstellung der Reden des Herrn gegeben hätte. Markus trug dafür Sorge, nichts von dem, was er gehört hatte, auszulassen. … Matthäus hat in hebräischer Sprache die Reden zusammengestellt, ein jeder aber übersetzte dieselben so gut er konnte.

Über das Leben des Papias haben wir keine Berichte. Späteren Legenden zu Folge soll er als Märtyrer gestorben sein.