Begegnung

Wenn du Gott nicht brauchst,

sei ganz ruhig:

Er wird dich in Ruhe lassen

und sich nicht aufdrängen.

Er respektiert deine „Zufriedenheit“ …

Aber ist es nicht schlimm,

sich mit dem Nichts zu begnügen?

Wenn du mehr willst,

wenn du auf der Suche bist und  

das Gespür hast, dass das Leben mehr ist

als Arbeit, Konsum und Vergnügen,

wenn du jemanden suchst

auf den du voll und ganz vertrauen kannst,

dann sage ich dir:

Ja, es gibt Gott.

Er ist dir ganz nahe,

er kennt dich und liebt dich

noch bevor du nach ihm zu fragen anfängst.

Wenn du es willst, führt er dich den Weg,

dass du zu ihm findest.

Und darin findet dein Leben

seine Erfüllung:

dass du jemandem begegnest,

der größer ist als du

und dem du dich ganz hingibst:

Gott.

Ist Gott für uns – wer ist dann gegen uns? (Röm 8,31)

Wir erfahren Gott oft als unscheinbar und fern,

bekommen kein deutliches Zeichen

für seine Gegenwart.

Wenn wir ihn brauchen,

scheint er manchmal gar nicht da zu sein.

Gott, wo bist du?

Der laute Schrei so vieler Generationen –

verhallt er ungehört?

Im Leben Jesu wird Gottes Macht erkennbar.

In der Verklärung verdichtet sich diese Erfahrung.

Jesus erscheint in überirdisches Licht gekleidet

und gewährt einen Blick auf seine himmlische Herrlichkeit. 

Die Verklärung ist ein Vorauszeichen für die Macht Gottes,

die sich in der Auferweckung Jesu zeigen wird.

Ist Gott für uns – wer ist dann gegen uns?

Die Apostel sahen Gottes Macht bereits in den Wundertaten Jesu.

Nun erfahren sie, dass Jesus mehr ist als ein Wunderheiler.

Die Stimme des Vaters sagt deutlich:

Jesus ist Gottes geliebter Sohn.

Keine Macht kann uns von seiner Gegenwart trennen.

Gott – wo bist du?

Auch wenn uns diese Frage oft drückend und qualvoll erscheint,

Gott ist da, mitten unter uns.

Er wirkt auch heute seine Wunder.

Auch wenn die Welt uns in Bedrängnis bringt,

Gott ist größer und er wird stets Sieger sein.

Wenn wir auf seiner Seite sind,

dann brauchen wir uns niemals zu fürchten.       

Ein unmögliches Opfer (Gen 22,1-18)

sacrifica_rembrandt.jpg„Nur der Götze will die Gabe, das Kind, das Tier – den geschlachteten Isaak. Gott aber will den Geber – und die Gabe nur, wenn sich in ihr der Geber gibt, sein ganzes Selbst, sein ganzes Herz. Und das ist mehr als Fleisch und Blut auf Schlachtaltären. Sich selber verlassend, im bloßen Verlaß auf Gottes Wort, verzichtend auf alle im Leben Isaaks liegende Gewähr der verheißenen Vaterschaft, errang Abraham die Gewährung: Ich segne dich und mehre deinen Samen wie die Sterne des Himmels und der Sand am Ufer des Meeres.“ (Fridolin Stier)

Hl. Agnes von Böhmen (1211-1282)

agnes_2.jpgAgnes wurde um das Jahr 1211 in Prag als jüngste Tochter des böhmischen Königs Ottokar I. Premysl und seiner Frau Konstanze von Ungarn geboren. Ihre Tante war die heilige Hedwig von Schlesien, die hl. Elisabeth von Thüringen ihre Cousine. Der ehrgeizige Vater hatte schon früh Heiratspläne für das Kind. Mit acht Jahren wurde sie dem Sohn des deutschen Kaisers Friedrich II., dem späteren König Heinrich VII., zur Frau versprochen und an den Wiener Hof geschickt. Der Kaiser überlegte es sich jedoch anders und Agnes wurde nach sechs Jahren wieder nach Böhmen zurück geschickt.

1230 verstarb der Vater von Agnes. Der neue König Wenzel II., ihr leiblicher Bruder, ließ seiner Schwester die Freiheit, ihre eigenen Pläne zu verwirklichen. Von nun an lehnte sie alle Heiratsanträge ab. Sie hatte sich mit einem größeren Bräutigam verlobt: Jesus Christus. Agnes hatte sich dazu entschlossen, einen geistlichen Lebensweg zu gehen und in ein Kloster einzutreten. Ihre großen Vorbilder waren Klara und Franziskus von Assisi, die ihr wohlbehütetes Leben in den reichen Häusern ihrer Eltern aufgaben, um in einfachen Verhältnissen Christus zu dienen.

Agnes war berühmt für ihre Bildung, ihre Nächstenliebe und ihre Barmherzigkeit und war gleichzeitig eine wichtige Persönlichkeit des politischen, kulturellen und gesellschaftlichen Lebens. 1232 gründete sie in Prag das Spital des Heiligen Franziskus für Arme und Kranke und in dessen Umfeld ein Männerkloster der Minoriten-Brüder des hl. Franziskus und ein Frauenkloster nach der Vorbild der hl. Klara. 1234 trat Agnes, gemeinsam mit sieben weiteren Frauen aus reichen, böhmischen Adelsfamilien, in das von ihr gegründete Kloster ein und leitete es 47 Jahre lang als Äbtissin.

1282 starb sie in ihrem Kloster, das nun den Namen St. Agnes Kloster erhielt. Schon zu Lebzeiten als Heilige verehrt, pilgerte das Volk zu ihrem Grab. Weder Hussitenzeit noch Dreißigjähriger Krieg, weder die Kräfte des Josephinismus und Liberalismus noch der Kommunismus konnten die tiefe Verehrung, die Agnes in den Herzen der Menschen Böhmens erfährt, unterbinden. Doch es hat lange gedauert, bis Agnes von der Kirche offiziell als Heilige anerkannt wurde. Erst 1874 kam es zur Seligsprechung und am 12. November 1989 zur Heiligsprechung durch Papst Johannes Paul II. in Rom.

Viele Tschechen litten unter dieser Jahrhunderte dauernden Verzögerung. “Wenn einmal die selige Agnes heiliggesprochen wird”, bedeutete soviel wie “am Sankt Nimmerleinstag“. Das Volk war überzeugt, dass glückliche Tage für Böhmen nach ihrer Heiligsprechung anbrechen würden. Wurde diese Hoffnung nicht erfüllt, als es nur fünf Tage nach den Feierlichkeiten ihrer Heiligsprechung zur “Samtenen Revolution” in Prag kam? Am 23. April 1990 konnte Johannes Paul II. den ersten Besuch in einem ehemals kommunistischem Land nach der Wende machen. Als ihn am Prager Flughafen Präsident Vaclav Havel begrüßte, sagte er: “Heiliger Vater, ich weiß nicht, was ein Wunder ist, aber Sie heute bei uns, das ist ein Wunder.”

(2) Ich lasse mich von Gott anschauen

Mit meinen Stärken und meinen Schwächen bin ich nicht allein. Gott sieht mein Leben. Er liebt mich, weil ich vor ihm unendlich kostbar und wertvoll bin.

Gott liebt mich so wie ich bin. Er kennt mich durch und durch, viel besser, als ich selbst mich kenne. Und doch möchte ich manches an mir vor Gott verstecken, weil ich denke, dass dieser Teil von mir nicht wert ist, von Gott gesehen zu werden.

Wir brauchen aber nichts vor Gott zu verstecken, nichts haben wir vor uns oder vor Gott zu verbergen. Schauen wir ehrlich auf uns selbst, lassen wir zu, dass Gott uns so sehen darf, wie wir wirklich sind.

Das kann schmerzhaft sein, aber nur so können wir wachsen. Haben wir Vertrauen in Gottes Barmherzigkeit. Durch sie vermehrt Gott die Liebe in uns. 

Fastenmeditation – (1) Ich schaue mich an

Die Fastenzeit soll uns helfen, dass wir zu einer neuen Beziehung finden zu Gott, zu unserem Nächsten und zu uns selbst.

Bevor wir aber anfangen, etwas an uns verändern zu wollen, müssen wir erst einmal darauf schauen, wie es jetzt ist. Ich schaue ehrlich mein Leben an. Dabei entdecke ich Stärken und Schwächen an mir. Ich bin weder perfekt noch ganz schlecht. Kein Mensch ist perfekt. Jeder darf auch seine schwachen Seiten haben. Oft braucht es Mut, diese Schwachpunkte anzusehen.

Ich darf stolz sein auf das, was ich schon erreicht habe. Jeder Mensch braucht aber auch immer ein Ziel, auf das hin er sich ausstrecken kann. Es ist eine große Gefahr, sich auf dem Erreichten auszuruhen und es sich gemütlich einzurichten.

Ich möchte mir am Beginn dieser Fastenzeit bewusst ein Ziel setzen, auf das hin ich mich ausstrecke. Das muss nichts Großes sein. Es kann auch eine Kleinigkeit sein, etwas, das ich schon lange einmal anpacken wollte.

Herr, gib mir den Mut, ehrlich auf mein Leben zu blicken.

Zeige mir, was ich anpacken muss,

damit ich in meinem Leben der Fülle der Freude näher komme,

die du mir schenken willst. 

Versuchung (Mt 1,12-25)

versuchung_duccio.jpgIm Evangelium (Mk 1,12-15) hören wir heute von der Versuchung Jesu. Bei Markus ist der Bericht sehr knapp. Vierzig Tage lebt Jesus in der Wüste bei den wilden Tieren und wird vom Satan in Versuchung geführt. Doch er ist dort nicht allein, Engel dienen ihm.

Es ist eine harte Prüfung, Tage der Einsamkeit zu überstehen. Das ist der ideale Angriffspunkt für Versuchungen: Lass es sein, es bringt ja doch nichts. Mach es dir bequem, du kannst es einfacher haben, wenn du willst. Hier auszuhalten ist schwer. Dabei nicht zu verzweifeln ist nur möglich, wenn der Mensch erkennt, dass er auch in der größten Einsamkeit nicht allein ist. Gott ist immer da. Die Zwiesprache mit Gott ist auch in der Einsamkeit möglich, vielleicht mehr als sonstwo. Gott ist da und sorgt sich überall um mich.

Die Stille der Einsamkeit kann helfen, die vielen Stimmen zu unterscheiden, die in unserem Inneren widerhallen. Sie kann uns helfen zu unterscheiden zwischen den Stimmen, die uns in Abhängigkeiten führen wollen, die nach Prestige, Erfolg, menschlichem Ansehen, Annehmlichkeiten, Macht und Einfluss rufen und der Stimme Gottes, die uns zur Freiheit ruft.

Viele Heilige sind zuerst in die Einsamkeit gegangen, bevor sie unter den Menschen wirkten. Die Einsamkeit – mit Gott durchlebt – macht frei. Sie macht frei von all den Bindungen und Anhänglichkeiten, in denen wir stehen. Die Erfahrung der Einsamkeit kann helfen, ganz neu auf andere zuzugehen und in einer neuen Freiheit dem anderen zu begegnen. Wer gelernt hat, für sich selbst zu stehen, der wird sich nicht so leicht von anderen vereinnahmen lassen und wird auch selbst nicht andere für sich vereinnahmen wollen.

Wie schön wäre es, wenn die Liebe zu Gott in unserem Leben den Vorrang hätte und die Liebe zum Nächsten hervorbrächte. Aber wir merken, wie oft wir hinter diesem Wunsch zurückbleiben. Daher brauchen wir Zeiten, in denen wir neu zur Besinnung kommen und unser Leben wieder auf das Wesentliche hin ausrichten. Die Fastenzeit vor Ostern ist eine solche uns geschenkte Zeit.

Um zu größerer Freiheit zu gelangen, nehmen uns vor, auf etwas zu verzichten, woran wir vielleicht zu sehr hängen. Wichtig ist dabei aber, dass wir den Verzicht nicht um des Verzichtes willen üben. Wir sollen unser Augenmerk nicht allein auf die Abkehr von den Dingen richten, sondern vielmehr darauf, dass wir uns zu Gott hinkehren. Nur so kann die Bekehrung des Herzens geschehen, die uns frei macht für die Begegnung mit Gott und den Menschen.