Ja oder Nein (Mt 21)

Was meint ihr? Ein Mann hatte zwei Söhne. Er ging zum ersten und sagte: Mein Sohn, geh und arbeite heute im Weinberg! Er antwortete: Ja, Herr!, ging aber nicht. Da wandte er sich an den zweiten Sohn und sagte zu ihm dasselbe. Dieser antwortete: Ich will nicht. Später aber reute es ihn und er ging doch. (Mt 21,28-30)

Heute ist es üblich geworden, alles zu bewerten. „Gefällt mir“ – „Gefällt mir nicht“, der entsprechende Button wartet unter Artikeln, Bildern und Videos darauf, einfach angeklickt zu werden. Personen sammeln „Likes“, scheinbar um so einen Indikator dafür zu haben, wie toll sie sind. Alles soll heute bewertet werden, das Hotel, das Restaurant und selbst die öffentliche Toilette. Wir gewöhnen uns daran, und geben unsere Bewertung ab, oft vielleicht, ohne viel darüber nachzudenken.

So haben es wohl auch die beiden Söhne im Gleichnis getan. Der erste Sohn sagt sofort Ja. Der Vater erwartet von mir, dass ich ihm helfe, wenn ich Nein sage, gibt es wieder endlose Diskussionen. Er gibt dem Vater gegenüber also seine Wertung ab: Arbeit im Weinberg, „Gefällt mir“, da geh ich hin. Aber diese Wertung war etwas voreilig. Der Vater ist zufrieden und geht schon mal voraus, Doch der Sohn überlegt es sich anders. Er bleibt zuhause, der Weinberg interessiert ihn nicht mehr.

Der zweite Sohn tut genau das Gegenteil. Er hat sofort gedacht: Arbeit im Weinberg, „Gefällt mir nicht“, da geh ich nicht hin. Kein Bock, zu anstrengend, hab Besseres zu tun, da kann der Vater sagen, was er will. Er bleibt zuhause, dann aber kommt er ins Nachdenken. Es ist der Weinberg der Familie, der Vater braucht Hilfe… Auch wenn es auf den ersten Blick keinen Spaß macht, wäre die Arbeit im Weinberg wohl doch sinnvoll und nützlich. Seine vorschnelle Ablehnung reut ihn und er geht doch hin und hilft dem Vater.

Welches Verhalten ist nun nachhaltiger? Das Verhalten dessen, der viele „Likes“ verteilt und dafür auch viele „Likes“ bekommt, der sich aber nicht darum schert, was dahinter steckt und dem die anderen letztlich egal sind? Oder das Verhalten dessen, der sich nicht einschleimt, sondern erstmal offen sagt, dass ihn etwas nicht interessiert, dann aber zum Nachdenken kommt und schließlich aktiv wird, der sein Interesse nicht durch einen seelenlosen Klick zum Ausdruck bringt, sondern sich wirklich engagiert?

Wer viele „Likes“ und „Freunde“ hat, ist nicht deshalb schon ein Mensch mit Charakter. Er weiß sich erst einmal gut zu verkaufen. Was wirklich dahinter steckt, erkennt man erst, wenn für das angegebene Interesse und die Freundschaft eine Aktion erforderlich wird. Dann erkennt man, wem wirklich an den anderen etwas gelegen ist, wer wirklich die Anliegen der anderen teilt, und bereit ist, dafür etwas zu tun.

Nur auf einen Button zu klicken ist zu wenig, wir müssen unserem Interesse auch Taten folgen lassen, und dazu gehört auch, dass wir uns wirklich entscheiden können, was wir wollen. Immer wieder gibt es Situationen, in denen wir „Ja“ oder „Nein“ sagen müssen, in denen ein „Vielleicht“ nicht zählt, weil es ein feiger Lückenbüßer wäre, der die Lücke füllt, bis die Entscheidung unausweichlich ansteht. Entscheidungen fällen, Entscheidungen durchtragen, beides ist wichtig, zu dem stehen, was ich gesagt habe und vor allem: verlässlich sein, andere nicht täuschen, nicht heuchlerisch sein und sich nicht bei anderen einschmeicheln.

Es gibt Menschen, die stellen sich gerne in den Vordergrund, die wollen allen klar machen, wie toll sie sind, was sie alles leisten, besonders auch, um so vor ihren Vorgesetzten gut dazustehen. Ja, mach ich, natürlich, ich bin doch immer für sie da … Doch sie sind oft nur dann aktiv, wenn sie auch gesehen werden und ihnen die Anerkennung für eine Arbeit sicher ist. Die unscheinbare Arbeit überlassen sie gern anderen.

Dann gibt es Menschen, die stellen sich nicht in den Vordergrund. Aber gerade weil sie auch dort gute Arbeit leisten, wo es niemand sieht, halten sie den Betrieb am Laufen. Und doch gehen sie oft leer aus, wenn es um Dank und Anerkennung geht, weil die Menschen eben zu sehr auf das Äußere sehen und die Prahler mehr auffallen als die stillen Treuen.

Wer von den beiden hat den Willen seines Vaters erfüllt? Sie antworteten: Der zweite. Da sagte Jesus zu ihnen: Amen, das sage ich euch: Zöllner und Dirnen gelangen eher in das Reich Gottes als ihr. Denn Johannes ist gekommen, um euch den Weg der Gerechtigkeit zu zeigen, und ihr habt ihm nicht geglaubt; aber die Zöllner und die Dirnen haben ihm geglaubt. Ihr habt es gesehen und doch habt ihr nicht bereut und ihm nicht geglaubt. (Mt 21,31-32)

Jesus erzählt dieses Gleichnis den Hohenpriestern und Ältesten und will ihnen damit sagen: Ihr seid wie der erste Sohn, ihr steht an erster Stelle, wenn es um die Religion geht, aber nur um selber gut dazustehen und nicht, weil es euch um Gott geht. Ihr tut oft nicht das, was Gott von euch will. Daher kommen Zöllner und Sünder eher in das Reich Gottes als ihr. Denn sie sagen zwar ganz unumwunden, dass sie mit der Religion nicht viel am Hut haben, aber innen drinnen können sie doch gute Menschen sein und das Gute tun, das Gott will.

Jesus meint mit diesem Gleichnis aber auch uns alle, die wir als Getaufte nicht Knechte, sondern Söhne und Kinder Gottes sind. Der uns gewährte vertraute Umgang mit Gott darf nicht dazu führen, dass wir träge werden in seinem Dienst, dass wir sagen, wir sind getauft und gehen in die Kirche, also sind wir doch schon gute Menschen. Wir müssen unserem Glauben Ausdruck geben in unserem Leben, in unserem Einsatz für andere und dadurch, dass wir Gott den ersten Platz in unserem Leben geben. Manchmal sind es gerade Leute, die Gott zunächst ablehnend gegenüberstehen, die nach einer bewussten Bekehrung mehr Eifer zeigen als mancher, der sein Leben lang Christ ist.

Gott kennt das Herz des Menschen. Er weiß genau, aus welchen Beweggründen einer etwas tut. Bei Gott kann sich niemand einschmeicheln. Er sieht, ob ein Mensch wirklich fromm ist, oder nur dann, wenn andere es sehen. Ja oder Nein. Was wollen wir wirklich? Gehe ich in Gottes Weinberg zur Arbeit, weil es mir um Jesus und um die Menschen geht? Oder ist mir mein eigenes Ansehen wichtiger als alles andere? Die Entscheidung liegt ganz bei mir.

Correctio Fraterna (Mt 18,15)

Es gibt auch immer wieder Situationen, in denen Menschen nicht mehr weiter wissen und Rat suchen. Manche Entscheidungen zu treffen, fällt schwer. Da ist es gut, Freunde zu haben, mit denen man sich besprechen kann, doch auch dann kommt es vor, dass ein Mensch den falschen Weg einschlägt. Es ist anders gekommen als erwartet, er hat hoch gespielt und alles verloren, hatte mehr den eigenen Vorteil im Auge als die Gerechtigkeit … Menschen machen Fehler und Menschen fallen in Sünde. Jede Sünde aber betrifft stets die ganze Gemeinschaft. Was also sollen wir tun, wenn wir sehen, dass ein Mensch dabei ist, den falschen Weg einzuschlagen?

Wie leicht ist es da doch, über andere zu reden. Schau mal, der da, was der wieder ausgefressen hat. So entstehen Gerüchte und Getuschel und schnell wird der andere ins soziale Abseits manövriert. Ist ihm damit geholfen? Sicher nicht.
Und ich selbst und die Menschen, die mit mir so sicher über den anderen geurteilt haben, sind wir wirklich so gut und machen alles richtig? In den Augen Jesu werden wir sicher als Heuchler dastehen. Was also tun?

Wenn dein Bruder sündigt, dann geh zu ihm und weise ihn unter vier Augen zurecht. Hört er auf dich, so hast du deinen Bruder zurückgewonnen. (Mt 18,15)

Es kostet Mut, direkt auf einen Menschen zuzugehen und ihm unter vier Augen zu sagen, wie ich über sein Verhalten denke. Genau das erwartet Jesus von mir, ein offenes und ehrliches Gespräch mit dem anderen, in dem ich nicht als besserwisserischer Ratgeber erscheine. Vielleicht hat der andere gar nicht gemerkt, wie sein Verhalten auf andere wirkt und ist nun selbst erschüttert darüber und will sich ändern. Vielleicht hatte er bisher nicht den Mut, es anders zu machen und bekommt so den Anstoß, sich zu ändern. Vielleicht kommt er ohne fremde Hilfe nicht aus einer Situation heraus und wir können zusammen nach einem Weg für ihn suchen. Wie es im Einzelfall auch sein mag, sicher ist ein offenes und ehrliches Gespräch in vielen Fällen hilfreich.

Wer mehr, als gut ist, schweigt, soll bedenken, dass er, wenn er den Nächsten liebt wie sich selbst, durchaus nicht schweigen soll gegenüber einem Unrecht, das er an einem anderen zurecht missbilligt. Das gesprochene Wort wird zum Medikament und leistet einen heilsamen Dienst. Diejenigen aber, die das heilende Wort zurückhalten und schweigen, verhalten sich gerade so wie Leute, die Krankheiten erkennen, aber sich heimlich dem Gebrauch der Heilmittel entziehen und so schließlich den Tod dadurch verursachen, weil sie die Heilmittel verweigern, die Heilung bringen konnten. (Gregor der Große)

Peter Claver (1580-1654)

Petrus Claver wurde 1580 in Spanien geboren. Während seines Theologiestudiums trat er 1602 in den Jesuitenorden ein. Ab 1605 studiere er an der Missionsschule in Palma de Mallorca und erlangte dort über die Berichte von Mitbrüdern Einblick in die Nöte der Schwarzen, die man als Sklaven nach Amerika verschiffte. Neben deren körperlichen Leiden beschäftigte ihn vor allem auch der Gedanke, dass sich niemand um das Seelenheil dieser Menschen kümmerte.

Im Jahr 1610 sandte ihn der Orden schließlich nach Cartagena, einem für den Handel mit Spanien wichtigen Hafen in Kolumbien. Dort wurde er 1616 zum Priester geweiht und diese Stadt bildete von nun an das Zentrum seines Wirkens. Cartagena war damals ein wichtiges Handelszentrum Spaniens in Amerika und als solches eine Drehscheibe für die Ausfuhr von Gold und Edelmetallen nach Spanien und die Einfuhr von Sklaven aus Afrika.

Petrus kümmerte sich in selbstloser Nächstenliebe um die Sklaven, die hier eintrafen und weiterverkauft wurden. Immer, wenn ein Sklavenschiff ankam, war er vor Ort. Für uns ist es wahrscheinlich unvorstellbar, wie es auf einem solchen Sklavenschiff zuging. Um den Sklavenhandel möglichst profitabel zu halten, wurden so viele Sklaven wie möglich (300 bis 500) auf dem Schiff im dunklen Unterdeck zusammengepfercht und ihnen wurde nur so viel Wasser und Nahrung gegeben, dass sie gerade so überleben konnten. Schon in Afrika wurden die Sklaven auf brutale Weise gefangen genommen, wenn sie dann in Amerika ankamen, waren sie von den Entbehrungen und Misshandlungen gezeichnet, viele waren krank. Petrus Claver brachte ihnen Lebensmittel und Kleidung und hatte im Jesuitenkolleg eine eigene Ambulanz für die Kranken eingerichtet.

Den Kranken galt die besondere Sorge des Heiligen. So besuchte er 14 Jahre lang täglich einen alten Afrikaner, der in einer elenden Hütte am Rande der Stadtmauer dahinsiechte. Oft sah man den Pater im Spital die demütigsten Dienste verrichten. Im Spital von St. Lazarus am Stadtrand widmete er sich den Leprakranken. Hier kannte seine Liebe keine Grenzen und keine Vorsicht. Er legte die Kranken auf seinen eigenen Mantel, so dass seine Begleiter den Gestank kaum ertragen konnten, und der Mantel oft bis zu viermal am Tag gewaschen werden musste. Es gibt Zeugen, die berichten, dass Petrus Claver die von den Handschellen und Ketten verursachten Wunden der Sklaven geküsst habe.

Die gesunden Sklaven verbrachten oft nur wenige Tage in Cartagena, weil sie so schnell wie möglich weiterverkauft wurden. Petrus Claver gab ihnen in dieser kurzen Zeit eine Einführung in den katholischen Glauben. Mehr als 300.000 Sklaven soll er getauft haben. Vor allem aber sollte ihnen das Vorbild christlicher Nächstenliebe im Gedächtnis bleiben. Die Hilfe für die Nöte der Sklaven stand bei ihm an erster Stelle. So sagten Sklaven später über ihn:

Er war für alle Schwarzen Zuflucht und Schutz. Zu ihm kamen sie mit ihren Nöten, um Trost und Hilfe zu erlangen, denn er tröstete sie nicht nur mit Worten, sondern trat auch bei ihren Herren dafür ein, dass sie nicht gequält und unnötig bestraft wurden.

Durch seine Anwesenheit konnte er zumindest etwas die Brutalität der Sklavenhändler zähmen, die die geschwächten Menschen vom Schiff zum Sklavenmarkt trieben. Auch den weißen Sklavenhaltern war er ein Stachel im Gewissen. Viele von ihnen begegneten ihm mit Feindschaft, einige aber unterstützen seine Tätigkeit. Er selbst führte ein asketisches Leben, fastete viel und schlief auf einer einfachen Matratze. Er nannte sich selbst stets den „Sklaven der Sklaven“ – im Volksmund wurde er der „Apostel der Schwarzen“ genannt. 38 Jahre lang verrichtete er diese Tätigkeit, das Ende seines Lebens ist gezeichnet von verschiedenen Krankheiten, die ihn ans Bett fesselten. Er starb 1654 im Jesuitenkolleg von Cartagena. Bei seiner Beerdigung war die ganze Stadt zugegen. Sein Leichnam ruht in einem Kristallsarg unter dem Altar der nach ihm benannten Jesuitenkirche.

Röm 12,2 – Hingabe an Gottes Willen

Gleicht euch nicht dieser Welt an, sondern wandelt euch und erneuert euer Denken, damit ihr prüfen und erkennen könnt, was der Wille Gottes ist: was ihm gefällt, was gut und vollkommen ist. (Röm 12,2)

Paulus fordert die Gläubigen dazu auf, anders zu denken, nicht im Sinn dieser Welt, sondern im Sinne Gottes. Das Denken dieser Welt beschäftigt sich damit, wie es möglich ist, den Reichtum zu vermehren, mehr Profit zu machen, eine bessere Stellung als andere zu erlangen, sich selbst groß zu machen. Christliches Denken aber muss demütig sein und sich darin vertiefen, wie es möglich ist, den Willen Gottes auf Erden immer mehr Wirklichkeit werden zu lassen.

Christliches Denken muss in die Tiefe gehen, muss hinter die äußeren Dinge blicken. Es darf sich nicht treiben lassen von diesem und jedem, von den blinkenden Anzeigen der Werbung oder dem äußeren Glanz. Christliches Denken muss still werden und versuchen, zum Zentrum zu gelangen, zu Gott, der unserem Denken zwar verborgen ist, der sich uns aber offenbart hat, vor allem in der Heiligen Schrift. Somit heißt christliches Denken vor allem auch, die Heilige Schrift zu meditieren, aus ihren Worten zu leben, und sich vom Heiligen Geist inspirieren zu lassen.

Wenn wir Gott zuerst denken und nicht uns selbst, verlieren wir nichts, denn was Gott will ist auch das, was für uns am besten ist. Nur wer sich dieser Tatsache bewusst geworden ist, kann auch sich wirklich ganz Gott hingeben.

Seien wir überzeugt, dass alles zu unserem Besten geschieht. Gott führt uns den Weg, der ihm gefällt, ihm gehören wir, nicht mehr uns selbst. Er erweist uns Gnade, indem er unseren Willen lenkt, in seinem Garten zu graben und in seiner Gegenwart zu bleiben.

Liebe besteht nicht im Streben nach größerem Glück, sondern in der größeren Entschlossenheit, Gott in allem erfreuen zu wollen, und sich mit ganzer Kraft darum zu bemühen, dass wir ihn nicht betrüben. (Teresa von Avila)

Römer 12,1 – Leben aus Gottes Erbarmen

Angesichts des Erbarmens Gottes ermahne ich euch, meine Brüder, euch selbst als lebendiges und heiliges Opfer darzubringen, das Gott gefällt; das ist für euch der wahre und angemessene Gottesdienst. (Röm 12,1)

Nach den langen theologischen Ausführungen über Gottes Gerechtmachung aus dem Glauben und über die Rettung Israels angesichts dessen Unglaubens kommt Paulus nun zum praktischen Teil des Römerbriefes. Die Gläubigen sind gerecht gemacht vor Gott, sind von der Sünde befreit und durch die Taufe zu Kindern Gottes geworden. Sie sind das neue Volk Gottes, das in der Gemeinde vor Ort erfahrbar wird.

„Angesichts des Erbarmens Gottes“, mit diesen Worten fasst Paulus alles vorher im Brief Gesagte zusammen. Gott hat sich der Menschen erbarmt und schenkt allen, die an Jesus Christus glauben und durch die Taufe in das neue Volk Gottes eintreten, Erlösung und Vergebung der Sünden. Was dieses Erbarmen bedeutet, bringt Teresa von Avila mit wenigen Worten auf den Punkt:

Der Herr muss uns keine großen Geschenke geben. Es genügt, dass er uns seinen Sohn gesandt hat, der uns den Weg weisen soll. (Teresa von Avila)

Somit wir Erlösung konkret durch ein Leben aus dem Glauben nach der Weisung des Herrn, indem sich der Gläubige „als lebendiges und heiliges Opfer darbringt, das Gott gefällt.“ Er stellt sich ganz, mit Leib und Seele, mit allem Denken und Tun, Gott zur Verfügung, um seinen Willen zu tun. Lebendig und heilig soll ein solches Opfer sein, nicht tot und verdorben. Die Werke dieser Welt, Unzucht, Heuchelei, Grausamkeit, führen zum Tod. Die Werke Gottes aber führen zum Leben. Wie diese Werke konkret aussehen, wird Paulus in diesem Kapitel noch näher darlegen: Liebe ohne Heuchelei, Hilfsbereitschaft, Gastfreundschaft, Einmütigkeit, Vergebung sind hier nur einige Schlagworte. Johannes Chrysostomus erklärt dieses Opfer folgendermaßen:

Das Auge schaue nichts Sündhaftes an, und es ist zum Opfer geworden; die Zunge rede nichts Schlimmes, und sie ist zur Opfergabe geworden; die Hand tue nichts Verbotenes, und sie ist zum Opfer geworden. Aber das genügt noch nicht, sondern es bedarf auch guter Taten. Die Hand gebe Almosen, der Mund spreche Segenswünsche gegen Widersacher aus, das Ohr sei stets zum Anhören von Reden über göttliche Dinge bereit. Denn das Opfer darf nichts Unreines an sich haben, das Opfer soll ein Erstling von allem sein. So lasst denn auch uns Gott die Erstlinge der Hände, der Füße, des Mundes und aller andern Glieder darbringen! Ein solches Opfer ist Gott wohlgefällig, … die Art, zu opfern aber ist dabei eine ganz neue, und darum ist auch die Art des Feuers eine ganz eigene. Es braucht nämlich kein Holz oder sonstigen Brennstoff, sondern unser Feuer hat seine Lebenskraft aus sich selbst. Es verzehrt auch nicht die Opfergabe, sondern gibt ihr vielmehr Leben. (Johannes Chrysostomus)

Wer das neue Leben im Glauben an Jesus Christus lebt, der unterscheidet sich grundlegend von einem Weltmenschen. Auch wenn das Leben der Weltmenschen auf den ersten Blick als gut erscheinen mag, wenn sich sogenannte Gutmenschen als die Retter der Welt fühlen mögen, so entdeckt man hinter der äußeren Fassade oft gewaltige Schwachpunkte. Viel Dünkel und Eigennutz stehen dahinter und was zunächst so selbstlos erscheint, kann sich schnell zu einer totalitären Forderung und der Ausgrenzung Andersdenkender entwickeln.

Doch auch im Christentum ist selbstlose Liebe nicht allgegenwärtig. Immer wieder treten in der Kirche Machtstreben und Selbstsucht in den Vordergrund. Paulus ruft die Gläubigen zur Heiligkeit auf. Nicht nur Gutes zu tun, sondern es auch selbstlos zu tun, nicht nur nach außen den Anschein der Güte zu wecken, sondern auch im Inneren gütig zu sein. Zu seiner eigenen Überzeugung stehen, aber auch den Andersdenkenden anerkennen und annehmen in seiner Andersheit. Christliche Liebe muss tiefer gehen und weiter blicken als das Gutmenschentum. Das heißt vor allem, sich stets dessen bewusst zu sein, dass Gott uns zuerst geliebt hat, dass er uns sein Erbarmen erwiesen hat, und daher all unser Tun in seinem Dienst steht.

Psalm 146 (2) – Gottes Treue

Verlasst euch nicht auf Fürsten, auf Menschen, bei denen es doch keine Hilfe gibt.

Haucht der Mensch sein Leben aus und kehrt er zurück zur Erde, dann ist es aus mit all seinen Plänen. (Ps 146,3-4)

Nun wechselt die Perspektive des Psalms. Nach dem Lob des unvergänglichen Gottes kommen vergängliche Menschen ins Blickfeld. Das kommt nicht von ungefähr. Auch Menschen, gerade die großen und mächtigen, die hier als Fürsten bezeichnet werden, lassen sich gerne loben. Sie erwarten, dass andere zu ihnen aufsehen, ja manchmal sogar, dass sie angebetet oder als Heilbringer verehrt werden.

Doch die Größe des Menschen ist nur Schein. Der Mensch ist vergänglich. Er folgt seinen eigenen Interessen. Daher führt es in die Irre, sich zu sehr auf andere zu verlassen. Und all die großen Pläne sind dahin, wenn es mit dem Menschen zu Ende geht. Gott allein hat Bestand, Gott allein bringt wirklich Hilfe und Heil.

Wohl dem, dessen Halt der Gott Jakobs ist und der seine Hoffnung auf den Herrn, seinen Gott, setzt.

Der Herr hat Himmel und Erde gemacht, das Meer und alle Geschöpfe; er hält ewig die Treue. (Ps 146,5-6)

Vertraut nicht auf Menschen – vertraut auf Gott, so könnte man die Aussage von Psalm 146 zusammenfassen. Nur Gott ist allen Lobes würdig. Die Menschen sollen sich darauf besinnen, dass sie sterblich, vergänglich, fehlerhaft sind. Es gibt gewiss große Menschen, es braucht Menschen, die die Führung übernehmen. Aber wenn sich diese Menschen überheben, sich selbst in den Mittelpunkt stellen, sich gar wie Götter gebaren und verehren lassen, dann läuft etwas gewaltig schief. Gott hat Himmel und Erde gemacht, das Meer und alle Geschöpfe. Wie klein ist doch selbst das größte Menschenwerk angesichts der Wundertaten Gottes.

Und noch etwas zeichnet Gott aus: er hält ewig die Treue. Menschliche Freundschaft ist vergänglich, menschliche Hilfe begrenzt. Es geschieht häufiger, dass Menschen einander ausnutzen, als dass wirklich uneigennützige Hilfe geschenkt wird. Die negativen Folgen menschlichen Eigennutzes kennen wir zur Genüge. Der Psalm setzt dieser Willkür der Menschen die Güte Gottes entgegen. Gott sorgt für die Durchsetzung dessen, was machgierige Menschen oft anderen rauben.

Recht verschafft er den Unterdrückten, den Hungernden gibt er Brot; der Herr befreit die Gefangenen.

Der Herr öffnet den Blinden die Augen, er richtet die Gebeugten auf.

Der Herr beschützt die Fremden und verhilft den Waisen und Witwen zu ihrem Recht.

Der Herr liebt die Gerechten, doch die Schritte der Frevler leitet er in die Irre. (Ps 146,7-9)

Was hier als Gottes Werk gepriesen wird, erinnert an die Werke der Barmherzigkeit, von denen Jesus spricht (vgl. Mt 25,35-36). Es sind die Taten, die Gott von den gerechten Menschen erwartet. Taten für andere Menschen, in denen der Mensch aber letztlich Gott ehrt.

Recht verschafft Gott denen, die von anderen um ihr Recht gebracht worden sind und er erwartet von uns, dass auch wir für Gerechtigkeit eintreten.

Gott gibt den Hungernden das Brot, das Notwendige zum Leben, das ihnen andere geraubt haben, die in ihrer Gier nach immer größerem Reichtum anderen die Lebensgrundlage entziehen. Millionen Menschen müssen hungern, damit einer Millionär werden kann. Gott gibt den Hungernden zurück, was ihnen geraubt wurde, und er will, dass wir uns nicht an der Gier nach Reichtum beteiligen, sondern mit anderen teilen.

Gott befreit diejenigen, die zu Unrecht gefangen gehalten werden, die verfolgt werden auf Grund ihres Glaubens und ihrer Überzeugungen. Gott setzt sich ein für die Durchsetzung der Menschenrechte und er will, dass auch wir anderen ihr Recht verschaffen, gerade dort, wo es keine Rechtssicherheit gibt.

Gott öffnet den Blinden die Augen. Die Blindenheilung ist nach der Totenerweckung eines der größten Wunder in der Bibel. Doch nicht nur die Blindheit der Augen, auch die Blindheit des Herzens muss geheilt werden. Und wenn wir es nicht vermögen, das Wunder der Blindenheilung zu vollbringen, so können wir doch denen, die im Herzen blind sind, ein Wort sagen, das sie aufhorchen lässt.

Gott richtet die Gebeugten auf, diejenigen, die niedergedrückt werden von der Last des Lebens, von den Sorgen um ihre Familie, die ausgebeutet werden und hart schuften müssen für einen kargen Lohn, die unterdrückt werden, weil sie nicht dazu gehören, die ausgegrenzt werden, wegen ihrer Andersheit. Gott will, dass wir anderen helfen, ihre Lasten zu tragen und die Ausgegrenzten aufnehmen.

Gott beschützt die Fremden. In der antiken Gesellschaft war ein Fremder rechtlos. Keiner kümmerte sich darum, wenn ihm Unrecht geschah. Ohne die Bande der Familie war er schutzlos. Heute leben viele Fremde unter uns. Wie begegne ich ihnen?

Gott verhilft Witwen und Waisen zu ihrem Recht. Sie waren ebenso schutzlos wie die Fremden, denn sie hatten niemand, der sich für sie einsetzte. Oft waren sie gezwungen zu betteln. Vor allem aber ist es die Einsamkeit, das Fehlen der Familienbande, was für Witwen und Waisen auch heute noch schmerzhaft ist. Gott will, dass wir ihnen einen Ort geben, an dem sie Nähe und Geborgenheit erfahren.

Wer so handelt, wie Gottes Handeln hier geschildert wird, der zählt zu den Gerechten, zu den von Gott Geliebten. Seinen Weg leitet Gott auf fruchtbaren Wegen, wie es schon Psalm 1 ausführlich beschrieben hat. Doch der Weg der Frevler geht in die Irre.

Der Herr ist König auf ewig, dein Gott, Zion, herrscht von Geschlecht zu Geschlecht. (Ps 146,10)

Der Psalm schließt mit einem Jubelruf auf Gott den ewigen König. Seine Herrschaft steht fest. Gerade angesichts der miserablen Könige, die kaum mehr an das große Vorbild Davids erinnerten, hat sich in Israel das Vertrauen auf das Königtum Gottes gefestigt. Gott steht über den irdischen Königen und er lässt sich von ihnen auch nicht instrumentalisieren. Auch wenn die Könige sich auf „Gottes Gnaden“ berufen, wird Gott nicht gutheißen, was sie an Unrecht tun.

Gott ist König auf ewig. Das ist die Hoffnung aller, die nicht bereit sind, einem irdischen Herrscher zuzujubeln, die vielmehr für Gerechtigkeit eintreten, auch wenn sie selbst dadurch Nachteile zu erwarten haben. Sie vertrauen darauf, dass Gott bei ihnen ist und sie durch alle Verfolgungen hindurch bewahrt. Daher singen sie Gottes Lob, gerade auch in Not und Bedrängnis. Gott ist König, in ihm allein ist das Heil der Welt.