Gott wohnt unter den Menschen

Joh_14_Wohnen

Wenn jemand mich liebt, wird er an meinem Wort festhalten; mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und bei ihm wohnen. (Joh 14,23)

Die Liebe zu Jesus lässt uns an seinem Wort und seinen Geboten festhalten. Das betont Jesus immer wieder. Wenn wir seine Gebote halten, wird er den Vater bitten, und er wird uns den Geist als Beistand senden, so hat Jesus einige Sätze vorher gesagt. Nun verheißt er noch mehr: Er selbst wird mit dem Vater kommen und in dem Menschen wohnen, der liebt. Die Liebe ist das Band zwischen Gott und Mensch, sie vereinigt den Himmel mit der Erde. Wer nicht liebt, der ist nur Welt, gedacht als Gottferne und Raum der Mühsal und Bedrängnis. Wer aber liebt, in dem ist Gottes Reich gegenwärtig.

Der Geliebte Sohn zu werden, das bedeutet, die Wahrheit Fleisch werden lassen, dass wir geliebt werden, und zwar in restlos allem, was wir denken, sagen oder tun. Das setzt einen langen und mühsamen Prozess der Aneignung oder besser: der Fleischwerdung voraus.

Diese Worte von Henry Nouwen, dem großen Schriftsteller, der immer wieder von diesem Einswerden als Geliebter mit dem liebenden Gott schreibt, zeigen, dass eine rein äußerliche Aufnahme dieser Worte Jesu noch nichts bringt. Wir müssen und von diesen Worten Jesu ganz durchdringen lassen, sie leben und in uns lebendig werden lassen. Das geht nur durch das Feuer des Heiligen Geistes. Er kommt zuerst und bereitet den Boden für das Kommen des Vaters und des Sohnes. Er gewöhnt uns an das Feuer, dass Gottes Liebe uns nicht verbrennt.

Frieden hinterlasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch; nicht einen Frieden, wie die Welt ihn gibt, gebe ich euch. Euer Herz beunruhige sich nicht und verzage nicht. (Joh 14,27)

Jesus verheißt seinen Jüngern den Frieden. Als der Auferstandene wird zuerst den Jüngern den Frieden zusprechen. In jeder Messe wird dieses Wort Jesu lebendig. Wir wünschen einander Frieden. Aber wo ist der Frieden in unserer Welt?

Aller Unfriede auf Erden, ob es Streitigkeiten in der Familie oder Kriege zwischen den Völkern sind, hat seinen tiefsten Ursprung in dem gestörten Verhältnis des Menschen zu seinem Schöpfer, in der Sünde. Der Mensch, der nicht Geschöpf, sondern selber Schöpfer sein will, lehnt sich nicht nur gegen seinen Schöpfer auf, er schafft zugleich Spaltung in der Menschheit, wird zum Anstifter des Unfriedens und damit verantwortlich für unsagbares Leid.

Wir erkennen die Wahrheit dieser Worte, wenn wir auf unsere Welt blicken. Ist es nicht eine falsche und krankhafte Form der Selbstverwirklichung des Menschen, die so viel Leid über die Erde bringt? Ist es nicht die Undankbarkeit dem Schöpfer gegenüber und die Gier nach Reichtum, die unsere Erde immer mehr an den Rand des Untergangs bringt? Ist es nicht die Machtgier einiger weniger, die ganze Völker in den Abgrund reißt?

Herr, gib und deinen Frieden! Gib der Welt deinen Frieden! Mach uns zu Werkzeugen deines Friedens, mach mich zu einem Werkzeug deines Friedens. Lass mich Frieden bringen in meiner Umgebung. Lass mich stets freundlich und hilfsbereit sein, schenke mir Geduld, dass ich nicht zornig werde wegen Kleinigkeiten.

Friede kommt von Gott. Das lehrt uns auch der große Friedensheilige, Bruder Klaus von der Flüe. Das Bild vom Rad wird für ihn ein Bild des göttlichen Friedens. Bei einem Rad gibt es die Nabe mit einem Punkt in der Mitte, den Reifen und sechs Speichen, die Nabe und Reifen verbinden. Dazu erklärt Bruder Klaus:

In dieser Figur sehe ich das Wesen Gottes, seine unendliche Lebensfülle. Im Mittelpunkt ist die ungeteilte Gottheit, umgeben von der Gemeinschaft der Heiligen. Von diesem Mittelpunkt gehen drei Personen aus, Vater, Sohn und Heiliger Geist. Sie umgreifen Himmel und Erde, Dinge und Menschen, durchdringen das All und halten es in ihrer Hand. Und wie sie vom innersten Geheimnis ausgehen, so kehren sie wieder dorthin zurück – in die ‚unteilbare Macht.’

Die Worte von Bruder Klaus sind kurz und bündig. Und doch lassen sie die Ergriffenheit durchscheinen, mit der er beim Geheimnis des Dreifaltigen Gottes verweilt. In der Zeichnung sieht er kein trockenes Schema, sondern erlebt die unfassbare Lebensfülle Gottes.

Friede ist allweg in Gott, denn Gott ist der Friede.

Bruder Klaus weiß um die Liebe Gottes, die aus dem innersten Geheimnis heraus bricht und die ganze Welt erfüllt. Er kennt das Wort „Gott ist die Liebe“. Aber Bruder Klaus macht noch eine weitere, persönliche Erfahrung: Der in drei Personen auseinandergefaltete Gott kehrt wieder zurück in die unteilbare Einheit. Wenn aber der ‚Dreifaltige’ Gott zum ‚Drei-einigen’ Gott wird, dann hat das mit Frieden zu tun. Bruder Klaus erlebt diese Wirklichkeit Gottes, den Gott des Friedens, ganz tief. Der Mystiker tut gewissermaßen einen Blick in den Himmel und sieht Gott als Urgrund des Friedens. Diesem Gott ist er begegnet.

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