Johannes im Gefängnis (Mt 11,2-11)

Hat Johannes der Täufer wirklich an Jesus gezweifelt? Wir haben uns am vergangenen Sonntag bereits Gedanken darüber gemacht, dass ein Unterschied festzustellen ist zwischen der strengen Gerichtsankündigung, die Johannes mit dem Messias verbunden hat, und dem tatsächlichen Auftreten Jesu als Verkünder der Barmherzigkeit Gottes. Mag Johannes auch gezweifelt haben, Jesus macht ihm deutlich, dass die Art seines Auftretens ebenso durch die Propheten des Alten Bundes legitimiert ist wie die Gerichtsandrohung des Täufers. Gericht und Rettung liegen näher beieinander, als wir oft vermuten mögen,. Das macht auch das Zitat aus dem Propheten Jesaja deutlich, das Jesus Johannes ins Gefängnis schickt und das wir heute in der ersten Lesung hören.

Was Jesus uns von Gott offenbart, ist aber zugleich auch etwas ganz Neues. Jesus zeigt uns, dass das Wesen Gottes Liebe ist. Nicht nur Güte, die aus ihrer Fülle die Menschen beschenkt, sondern wirkliche Liebe, die sich hingibt und sich dadurch auch verletzbar macht. Dazu sagt Romano Guardini:

„Wir kämen von uns aus nicht auf den Gedanken, dass Gottes Gesinnung Liebe sei, und zwar Liebe im Ernst. Also nicht bloß Wohlwollen, oder Fürsorge, oder spendender Reichtum, sondern jenes Ungeheure, von welchem der Glaube spricht: Er habe gewollt, die Welt solle Ihm selbst wichtig sein; so wichtig, dass Er ‚für sie seinen Sohn hingeben‘ (1 Joh 4,9) würde. Das ist aber die Herzenswahrheit der Guten Botschaft, die nicht verfehlt werden darf, weil sonst alles verfehlt wird. Sie wird uns erst aus Christi Reden und Tun und Schicksal deutlich.“

Jesus offenbart uns, dass Gott Liebe ist. Es gibt so viele Vorstellungen davon, wie Gott ist. Nicht nur in anderen Religionen, auch im Christentum gibt es hier große Unterschiede. Wir sehen auch heute Menschen, die Gottes Kommen wie Johannes der Täufer mit dem strengen Gericht verbinden. Auf der anderen Seite gibt es welche, die das Wort „Gericht Gottes“ am liebsten ganz aus dem kirchlichen Sprachgebrauch streichen würden.

„Selig ist, wer an mir keinen Anstoß nimmt.“

Dieses Wort Jesu gilt auch uns heute. Es mahnt uns, unser Gottesbild immer neu zu überprüfen und an der Heiligen Schrift und an der Verkündigung der Kirche auszurichten, immer neu im Gebet sich von Gott berühren zu lassen, um sein Wesen immer tiefer zu erfahren. Es geht darum, Gott eben Gott sein zu lassen und ihn nicht nach unseren eigenen Vorstellungen zurechtzuzimmern. Romano Guardini formuliert das als die Mahnung:

 „Hüte dich, dass du die Gestalt des Messias nicht dahin verstehst, wie es deiner Gemütsart gefällt, und dadurch für die hohe Wirklichkeit blind werdest, die sich nur durch sich selbst offenbart.“

Es gilt, die vielen, aus menschlicher Sicht oft widersprüchlichen Bilder von Gott zusammen zu sehen, uns wie es in den Zehn Geboten heißt, kein Bild von Gott zu machen, das heißt kein endgültig feststehendes Bild. Unser Bild von Gott muss stets offen sein für die je größere Wirklichkeit Gottes, die wir mit unserem menschlichen Denken nie ganz einfangen können. Gott ist immer anders, als wir ihn uns vorstellen. Diese Erfahrung musste Johannes der Täufer machen und diese Erfahrung wird jeder Mensch machen, der sich ernsthaft auf die Suche nach Gott begibt.

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