
Isidor von Sevilla (560-636)
Jesus, der Erlöser, bot uns das Vorbild des aktiven Lebens, wenn er sich tagsüber dem Wirken von Zeichen und Wundern in der Stadt hingab, aber er zeigte das kontemplative Leben, wenn er sich auf den Berg zurückzog und dort im Gebet die Nacht verbrachte.
Deshalb widme sich der Diener Gottes in Nachahmung Christi der Kontemplation, ohne dem aktiven Leben zu entsagen. Sich anders zu verhalten, wäre nicht recht. Denn wie man Gott mit der Kontemplation lieben muss, so muss man den Nächsten mit dem Handeln lieben.
Es ist also unmöglich, ohne das gleichzeitige Vorhandensein der einen und der anderen Lebensform zu leben, noch ist es möglich zu lieben, wenn man nicht die Erfahrung sowohl der einen wie der anderen macht.
Zu diesen Worten sagt uns Papst Benedikt XVI.:
Ich meine, dass dies die Synthese eines Lebens ist, das die Kontemplation Gottes, den Dialog mit Gott im Gebet und in der Lesung der Heiligen Schrift wie auch das Handeln im Dienst der menschlichen Gemeinschaft und des Nächsten sucht. Diese Synthese ist die Lehre, die der große Bischof von Sevilla uns Christen heute hinterlässt, die wir dazu berufen sind, zu Beginn eines neuen Jahrtausends von Christus Zeugnis zu geben.
Die Salbung in Betanien (Joh 12,1-11)
Maria von Betanien salbt Jesus die Füße. Es sind die letzten Tage Jesu mit seinen Jüngern und Freunden. Ein letzter Liebesdienst. Doch Maria tut mehr an Jesus, als sie selbst erahnt: Sie huldigt in spontaner Liebe Jesus als dem König, der in den Tod gehen wird, um sein Volk zu erlösen.
Die Salbung Jesu, eine Verschwendung? Einige hätten das kostbare Öl lieber verkauft und das Geld den Armen gegeben. Aber beides ist wichtig, der Dienst an den Armen und der Dienst an Jesus. Man darf beides nicht gegeneinander ausspielen.
Tätigkeit ohne Gebet kann unfruchtbar bleiben, weil sie nicht aus der Mitte lebt, die Jesus Christus ist. Daher müssen wir auch immer wieder im Gebet beim Herrn verweilen, denn er gibt uns Kraft und zeigt uns, wie wir handeln sollen.
Wenn das Gebet uns zu tieferer Einheit mit dem mitleidenden Christus führt, wird es immer konkretere Dienste nach sich ziehen. Und wenn konkrete Dienste uns wirklich enger mit den Armen, den Hungernden, den Kranken, den Sterbenden und Unterdrückten solidarisieren, werden sie immer ins Gebet einmünden. Betend begegnen wir Christus und in ihm allem menschlichen Leid. Dienend begegnen wir den Menschen und in ihnen dem leidenden Christus. (Henri Nouwen)
Lieben
Palmsonntag
Herr ist Jesus Christus (Phil 2,6-11)
Psalm 30 (4)
An Gottes Barmherzigkeit niemals verzweifeln
Das Leben mit Gott nicht nur ein Spaziergang. Der Glaube bewährt sich in der Prüfung. Das musste der Beter auf schmerzliche Weise erfahren und das ist auch unsere Erfahrung, wenn wir uns auf den Weg mit Gott einlassen. Wir werden immer mehr zum Tempel Gottes, geweiht, wenn wir uns einlassen auf die Liebesbeziehung mit Gott und diesem Gott durch Höhen und Tiefen hindurch treu bleiben. Die größte Prüfung dieser Liebe wird sein, wenn Gott sich scheinbar verbirgt und wir in seiner Verborgenheit seine Nähe erkennen müssen.
Doch nach der Prüfung kommt wieder die Freude. Gott lässt uns nicht in der Depression versinken. Gott will uns nicht niederdrücken, sondern er will uns immer mehr zur Freude führen. Auch wenn uns nach menschlichen Maßstäben der Weg, den Gott mit uns hat, unverständlich erscheint, dürfen wir doch darauf vertrauen, dass er besser weiß, was uns gut tut, als wir selbst.
30, 12-13 Da hast du mein Klagen in Tanzen verwandelt,
hast mir das Trauergewand ausgezogen und mich mit Freude umgürtet.
Darum singt dir mein Herz und will nicht verstummen.
Herr, mein Gott, ich will dir danken in Ewigkeit.
Mit Gott leben – auch wenn der Weg mit Gott beschwerlich wird, das ist die Kunst des Glaubens. Im vierten Kapitel seiner Regel beschreibt der Heilige Benedikt die Werkzeuge der christlichen Kunst. Am Ende einer langen Aufzählung steht der Satz: An Gottes Barmherzigkeit niemals verzweifeln.
Ähnlich hat auch Fridolin Stier gedacht, wenn er schreibt:
Liebe zu Gott – diese unglückliche Liebe!
Und das, obschon ich weiß (oder glaube),
dass sie erwidert wird – er hat uns zuerst geliebt.
Diese Liebe ist so unglücklich,
weil sie von dem Geliebten Schläge empfängt,
Unliebe erfährt, die menschliches Denken und Fühlen
als Gegenteil von Liebe empfindet.
Liebe zu Gott – nur Erfahrene wissen,
dass unglückliche Liebe die seligste ist.
Psalm 30 (3)
Der ferne Gott
Plötzlich verstummt der Beter. Sein Lobgesang bricht jäh ab. Sein Mut und seine Hoffnung schwinden. Er blickt fragend um sich. Wo ist dieser Gott, mit dem ich meinte, leichten Fußes über Höhen zu schreiten? Wo ist er, der mir Halt gegeben hat?
30, 7-11 Im sicheren Glück dachte ich einst: Ich werde niemals wanken.
Herr, in deiner Güte stelltest du mich auf den schützenden Berg.
Doch dann hast du dein Gesicht verborgen. Da bin ich erschrocken.
Zu dir, Herr, rief ich um Hilfe, ich flehte meinen Herrn um Gnade an.
Ich sagte: Was nützt dir mein Blut, wenn ich begraben bin?
Kann der Staub dich preisen, deine Treue verkünden?
Höre mich, Herr, sei mir gnädig! Herr, sei du mein Helfer!
Ich denke hier an die Stelle im Evangelium, als Jesus über das Wasser geht und er Petrus zuruft, es auch zu wagen (vgl. Mt 14,22-33). Petrus steigt aus dem Boot und geht über das Wasser auf Jesus zu, doch dann verlässt ihn der Mut, er bekam Angst und begann unterzugehen. Er schrie: Herr, rette mich!
Mit der Schwerkraft nach oben – so habe ich den Anfang des Psalms überschrieben – und dann zieht die Schwerkraft doch plötzlich wieder nach unten. Du Kleingläubiger – warum hast du gezweifelt? – fragt Jesus den Petrus. Gott stellt unseren Glauben immer wieder auf die Probe. Das soll uns zeigen, wie stark unser Vertrauen auf Gott schon ist.
Wenn alles gut geht, machen wir uns schnell etwas vor, kommen leicht in Versuchung, uns zu sagen, wie toll wir doch sind. In der Prüfung erkennen wir dann, wo wir wirklich stehen. Wie fest ist der Grund, auf den wir gebaut haben? Wo verlasse ich mich auf Gott und wo noch zu sehr auf mich selbst?
Gott prüft uns, aber er lässt uns nicht untergehen. Als Petrus um Hilfe rief, hat der Herr sofort die Hand ausgestreckt, um ihn zu retten. So dürfen auch wir darauf vertrauen, dass Gott uns zwar manchmal etwas zappeln, aber nie versinken lässt. Die Prüfung soll uns ja nicht schaden, sondern sie soll uns helfen, immer fester im Glauben zu stehen.
Herr, hilf mir! Lass mich immer mehr auf dich vertrauen. Zeige mir meine Angst und meinen Kleinglauben und schenke du mir, dass ich immer fester auf dem Grund des Glaubens stehe.
Psalm 30 (2)
und alles ist gut.
Der Beter freut sich an Gott und ruft auch andere zum Lobpreis auf:
30, 5-6 Singt und spielt dem Herrn, ihr seine Frommen, preist seinen heiligen Namen!
Denn sein Zorn dauert nur einen Augenblick, doch seine Güte ein Leben lang.
Wenn man am Abend auch weint, am Morgen herrscht wieder Jubel.
Das Leben mit Gott erscheint als Weg über sonnige Höhen, unbeschwerlich, mit weiter Fernsicht, kein Wölkchen am Horizont. Da lässt es sich fröhlich voranschreiten mit einem Lied auf den Lippen.
Selbst wenn einige Wolken auftauchen oder einige Steine im Weg liegen, so ist sich der Beter doch gewiss, dass die Sonne auch weiter scheint und der Weg bald wieder eben wird.
Schlaf mal drüber
Wer hat diesen Rat noch nicht gehört. Es ist eine bekannte Weisheit, dass vieles am nächsten Tag anders aussieht. Wenn wir es schaffen, vom Grübeln weg zu kommen und Ruhe finden, dann kommen wir manchmal im Schlaf zu einer Lösung.
Der Beter ruft uns auf, die Leichtigkeit des Seins auszukosten, positiv in die Zukunft zu blicken. Wir dürfen darauf vertrauen, dass Gott nicht kleinlich auf unsere Fehler schaut. Auch wenn wir etwas falsch gemacht haben, so ist Gott doch immer wieder bereit, uns zu verzeihen. Seine Barmherzigkeit ist grenzenlos, sein Zorn einen Augenblick – seine Güte ein Leben lang.
Wie ist mein Bild von Gott? Vertraue ich auf seine Barmherzigkeit? Bin ich bereit, auch anderen Barmherzigkeit zu erweisen? Kann ich anderen verzeihen und auch mal ein Auge zu drücken, oder bin ich kleinlich und mache so anderen das Leben zur Hölle?
Herr, hilf mir, auf deine Barmherzigkeit zu vertrauen und auch selbst barmherzig zu sein.
Psalm 30 (1)
Mit der Schwerkraft nach oben
30, 1 Ein Psalm, Ein Lied zur Tempelweihe. Von David.
In der Überschrift wird Psalm 30 ausgewiesen als ein Lied zur Weihe des Hauses (des Herrn), des Tempels. Der Tempel ist das Haus, in dem das Lob Gottes erschallt. Tempel Gottes aber sind alle, die nach seinem Willen leben. Der Apostel Paulus ruft den Korinthern zu (1Kor 3,16):
Wisst ihr denn nicht, dass ihr Gottes Tempel seid?
Der Mensch ist dazu fähig, Tempel Gottes zu sein. Durch den Menschen erschallt das Lob Gottes. Dieses Lob singt der Beter im ersten Teil des Psalmes.
30, 2-4 Ich will dich rühmen, Herr, denn du hast mich aus der Tiefe gezogen
und lässt meine Feinde nicht über mich triumphieren.
Herr, mein Gott, ich habe zu dir geschrien und du hast mich geheilt.
Herr, du hast mich herausgeholt aus dem Reich des Todes, aus der Schar der Todgeweihten mich zum Leben gerufen.
Der Beter fühlt sich von Gott nach oben gehoben. In seiner Erklärung zu Psalm 30 gebraucht der heilige Augustinus folgenden Vergleich:
Das Gewicht ist der Drang eines jeglichen Dings, das zu seinem Ort hin begehrt. Wenn du einen Stein in der Hand trägst, merkst du sein Gewicht, er drückt deine Hand, weil er seinen Ort sucht. Ziehst du die Hand weg, fällt er zur Erde und ruht auf der Erde – er hat seinen Ort gefunden. Andere Dinge suchen oben ihren Ort. Wenn Wasser und Öl zusammen gegossen werden, dann sucht das Wasser unter dem Öl seinen Ort, das Öl aber sucht ihn über dem Wasser.
Wo ist mein Ort, wohin strebe ich? Wonach ist mein Sehnen gerichtet? Nach den Dingen dieser Welt, nach Geld und verschiedenen Annehmlichkeiten? Oder bin ich bereit, mich von diesen Wünschen zu lösen und mein Sehnen nach oben zu richten, zu Gott hin?
Ich bin Gottes Tempel. Halte ich diesen Tempel rein und gebe Gott Raum darin, oder stelle ich ihn voll mit allem möglichen Krimskrams?
