1.1. Hochfest der Gottesmutter (2)

Paulus, der seine Briefe weit vor den Evangelien schreibt, interessiert sich noch nicht für die genauen Ereignisse bei der Geburt Jesu Christi. Er weiß nichts von einem Stall in Betlehem, nennt nicht einmal den Namen der Mutter Jesu. Aber doch formuliert er das zentrale Geheimnis des Weihnachtsfestes. Gott selbst wird Mensch. Jesus Christus ist nicht ein besonders von Gott erwählter Mensch, wie es sie zu allen Zeiten gibt, ein großer Prophet oder Heiliger. Nein. Jesus Christus ist Gott und Gott kam in die Welt wie jeder Mensch, geboren von einer Frau.

Vielleicht können diese schlichten Worte des Paulus uns helfen, das, was an Weihnachten geschehen ist, tiefer zu erfassen. Jesus Christus, Gott, Sohn Gottes, geboren von einer Frau. Gott selbst wird Mensch. Gottes Sohn wird Mensch, damit wir zu Söhnen und Töchtern Gottes werden. Gottes Sohn wird Mensch, um uns zu sagen, dass wir mündig sind, das Erbe Abrahams anzutreten. Wir sind Söhne und Töchter Gottes und als solche keine unmündigen Kinder mehr, die unter einer Vormundschaft stehen, sondern erwachsene Söhne und Töchter Gottes, die mündig geworden sind, das Erbe anzutreten.

Erbe zu sein, das bedeutet auch Verantwortung. Es geht nicht darum, das Ererbte nun mit vollen Händen auszugeben und sich ein schönes Leben zu machen. Unser Erbe ist es, erwachsene Söhne und Töchter Gottes zu sein und als solche in der Welt zu leben. Ein Anteil am Erbe ist Gottes Geist, der in uns die Verbindung zum Vater aufrecht hält und der uns zeigt, was der Vater von uns als Erben erwartet.

Leben wir als erwachsene Söhne und Töchter Gottes in der Welt, im Herzen stets mit unserem Vater verbunden, als Zeugen dafür, dass Gott das Heil der Menschen will. Stellen sie sich einmal vor, ihr Vater wäre ein reicher Mann, mit einem großen Vermögen, einer Fabrik, Häusern, viel Land und was sonst noch alles. Und noch dazu wäre ihr Vater ein liebender Vater, kein Tyrann, sondern ein Vater, der sich trotz seines großen Besitzes auch liebevoll um seine Familie kümmert. Ich denke, als Sohn oder Tochter eines solchen Vaters würden sie stolz sein und ein gesundes Selbstbewusstsein haben. Irgendwann wird ihr Vater ihnen das Erbe übertragen und dann liegt die Verantwortung an ihnen, das Werk des Vaters in seinem Sinne weiterzuführen.

Hören wir auf den Geist, der in unserem Herzen ruft: Abba, Vater. Hören wir auf den Geist, der uns sagt: du bist nicht mehr Sklave, du bist kein unmündiges Kind, sondern du bist ein erwachsener Sohn, eine erwachsene Tochter Gottes, du bist mündig und würdig, das Erbe anzutreten. Du gehörst Gott und Gott ist allezeit bei dir.

1.1. Hochfest Gottesmutter (1)

Als aber die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einer Frau und dem Gesetz unterstellt, damit er die freikaufe, die unter dem Gesetz stehen, und damit wir die Sohnschaft erlangen.  (Gal 4,4-5)

Am Neujahrstag feiert die Kirche als Oktavtag von Weihnachten das Hochfest der Gottesmutter. An diesem Tag hören wir eine Lesung aus dem Galaterbrief. In diesem Brief beschäftigt sich Paulus besonders mit der Frage, welche Bedeutung das jüdische Gesetz für die Christen hat. Er ist davon überzeugt, dass die Menschen nicht durch Werke des Gesetzes gerettet werden, sondern allein durch den Glauben an Jesus Christus. Aber die Vorschriften des Gesetzes stehen in der Heiligen Schrift. Mit welchem Recht kann Paulus also eine Lehre verkünden, die dazu scheinbar im Widerspruch steht?

Paulus argumentiert damit, dass das Gesetz des Alten Bundes nur eine vorübergehende Bedeutung hatte. Abraham, der Stammvater Israels, hatte bereits wegen seines Glaubens das Heil von Gott erfahren, und nicht, weil er Werke des Gesetzes erfüllt hat. Gottes Verheißung des Heils ist damals bereits an alle ergangen, die wie Abraham den Glauben haben. Aber die Menschen waren von Abraham an bis zur Zeit des Paulus unmündigen Kindern gleich, denen zwar das Erbe des Abraham verheißen war, die aber noch nicht reif dafür waren, dieses Erbe anzutreten. Daher hat Gott das Gesetz gegeben, dem die Menschen bis zu ihrer Mündigkeit wie einem Vormund unterstellt sein sollten.

Als aber die Zeit erfüllt war, in der Gott die unmündigen Kinder zu mündigen Erben machen wollte, hat er seinen Sohn gesandt. Er hat das Vormundschaftsrecht des Gesetzes beendet und somit allen Menschen die Möglichkeit eröffnet, das Erbe anzutreten, das er einst Abraham verheißen hat, nämlich durch den Glauben zu Söhnen und Töchtern Gottes zu werden und so das Heil zu erlangen.

Wir wissen aus unserem Alltag, welche Bedeutung eine Testamentseröffnung hat, gerade bei wohlhabenden Leuten. Da geht es oft um viel Geld und Besitz. Eine Testamentseröffnung ist ein hochrichterlicher Akt. Daher hat Gott seine Testamentseröffnung auch nicht mal eben so erledigt, nicht durch einen Propheten oder einen noch so besonders auserwählten Menschen, sondern Gott kam selbst auf die Erde in seinem Sohn Jesus Christus.

Muttergottes vom Zeichen

Die Ikone der Muttergottes vom Zeichen („Znamenie“) ist eine der ältesten Mariendarstellungen. Wir sehen die Allheilige Gottesgebärerin mit zum Gebet erhobenen Händen und in einem Kreis (einer Aureole, welche die göttliche Macht symbolisiert) das segnende Kind, den göttlichen Erlöser. Sie zeigt Maria bei der Verkündigung durch den Engel. Es ist der Augenblick, in dem sie spricht: „Mir geschehe nach deinem Wort“, und dieses Wort in ihr Fleisch anzunehmen beginnt.

Hier erfüllt sich die Weissagung des Propheten Jesaja:

Darum wird euch der Herr von sich aus ein Zeichen geben: Seht, die Jungfrau wird ein Kind empfangen, sie wird einen Sohn gebären, und sie wird ihm den Namen Immanuel (Gott mit uns) geben.  (Jes 7,14)

Dieses Zeichen ist in seinem historischen Kontext zunächst dem zweifelnden König Ahas bestimmt, der den Heilsworten des Jesaja nicht glaubt. Sodann gilt es dem Volk Israel, das zur Zeit des Jesaja kurz vor der Eroberung durch die Babylonier steht und bald ins Exil nach Babylon geführt werden wird. In dieser schweren Zeit wird Gott sein Volk nicht verlassen und nach dem Untergang stets die Hoffnung auf einen Neuanfang lebendig halten.

Seine volle Erfüllung findet das von Jesaja angekündigte Zeichen aber in der Geburt des Gottessohnes aus der Jungfrau Maria. Gott schenkt allen Völkern sein Heil und erweist sich als der Gott mit uns für alle Menschen. Jeder Mensch kann Gottes rettende Gegenwart erfahren.

Er hat sein letztes, tiefstes und schönstes Wort Gestalt werden lassen. Und dieses Wort heißt: Ich liebe dich, du Welt, du Mensch. (Karl Rahner)

Die Gottesmutter wird in der Ostkirche manchmal als Platytera (größer als der Himmel) bezeichnet, weil sie den in ihrem Schoß getragen hat, den die Himmel nicht fassen können. Die drei Sterne auf dem Gewand symbolisieren ihre Jungfräulichkeit vor, während und nach der Geburt Jesu Christi. Die Ikone erinnert uns daran, dass sich hier noch im Leib seiner jungfräulichen Mutter, eingeschlossen in die Entsagung dieser Welt und gekleidet in die Erbärmlichkeit und Einfachheit des menschlichen Fleisches, der Hohepriester des neuen Bundes verbirgt: Christus, der König der Könige und Herr der Herren, Immanuel, Gott mit uns.

Gütige Mutter des gütigen Herrschers, allreine und gesegnete Gottesgebärerin Maria! Ergieße die Barmherzigkeit deines Sohnes und unseres Gottes in meine leidenschaftliche Seele und leite mich durch deine Gebete zu guten Werken, damit ich die verbleibende Zeit meines Lebens ohne Makel durchschreite und durch dich, Gottesgebärerin, das Paradies erlange, Du einzig Reine und Gesegnete.

Pfingsten

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Das Wort „Pfingsten“ kommt vom griechischen Wort „Pentekoste“, was auf Deutsch „der fünfzigste Tag“ bedeutet. Pfingsten wird 50 Tage (7×7+1, was der Zahlensymbolik nach Überfülle bedeutet) nach Ostern gefeiert und bildet den Abschluss der 50-tägigen Osterzeit. Die Juden feiern an diesem Tag, 50 Tage nach dem Pessach-Fest, das Schawuot oder Wochenfest, das ursprünglich ein Erntefest als Dank für die Erstlingsfrüchte war, später aber zu einem Fest des Gedenkens an die Offenbarung der Zehn Gebote Gottes am Sinai wurde.

Die Chronologie von Lukasevangelium und Apostelgeschichte verknüpft die beiden bedeutenden christlichen Heilsgeheimnisse des Todes Jesu Christi und der Geistsendung mit diesen beiden großen jüdischen Wallfahrtsfesten. Am Pessach-Fest wurde Jesus hingerichtet und am Schawuot-Fest kam der Geist auf die Jünger herab.

Die Christen feierten zunächst die heiligen fünfzig Tage der Osterzeit „wie einen einzigen Festtag“. Im 4. Jahrhundert bekam jedoch das Fest Christi Himmelfahrt eine immer eigenständigere Bedeutung, was zur Folge hatte, dass die Einheitlichkeit der fünfzig Tage durchbrochen wurde und auch das Pfingstfest nicht mehr als Abschluss der fünfzig Tage gesehen wurde, sondern zu einem eigenständigen Fest mit eigener Oktav wurde. Nach Wegfall der Pfingstoktav kommen heute wieder die fünfzig Tage der Osterzeit stärker zum Vorschein. Der Pfingstmontag als letzter Rest der Pfingstoktav und zweiter Feiertag des Pfingstfestes ähnlich dem Ostermontag bildet ein gewisses Kuriosum, da er liturgisch schon zur Zeit im Jahreskreis gehört.

Die neun Tage zwischen Christi Himmelfahrt und Pfingsten haben als Pfingstnovene eine besondere Bedeutung. Hier folgt die Kirche dem Vorbild der Apostelgeschichte, die uns die Jünger zusammen mit Maria und den anderen Frauen im Abendmahlssaal zum Gebet versammelt zeigt. Auch die Nachwahl des Matthias zum Apostel als Ersatz für Judas fällt in diese Tage. Wie die Jünger Jesu beten auch wir heute besonders um den Heiligen Geist.

Dann kehrten sie vom Ölberg, der nur einen Sabbatweg von Jerusalem entfernt ist, nach Jerusalem zurück. Als sie in die Stadt kamen, gingen sie in das Obergemach hinauf, wo sie nun ständig blieben: Petrus und Johannes, Jakobus und Andreas, Philippus und Thomas, Bartholomäus und Matthäus, Jakobus, der Sohn des Alphäus, und Simon, der Zelot, sowie Judas, der Sohn des Jakobus. Sie alle verharrten dort einmütig im Gebet, zusammen mit den Frauen und mit Maria, der Mutter Jesu, und mit seinen Brüdern. (Apg 1,12-14)

Wenn wir auf das Johannesevangelium blicken, aus dem der Text des Evangeliums am Pfingstsonntag stammt, so sehen wir hier eine andere Chronologie. Jesus wurde nach Johannes nicht am Pessach-Tag, sondern am Rüsttag vor dem Pessach-Fest gekreuzigt. Die Aussendung des Geistes über die Jünger erfolgte nicht erst nach fünfzig Tagen, sondern bereits am Osterabend mit der ersten Erscheinung des Auferstandenen.

Was uns zunächst widersprüchlich erscheinen mag, wird bei näherem Betrachten verständlich. Blicken wir zunächst auf den Text der Apostelgeschichte, der für uns zum Kerntext des Pfingstfestes geworden ist:

Als der Pfingsttag gekommen war, befanden sich alle am gleichen Ort. Da kam plötzlich vom Himmel her ein Brausen, wie wenn ein heftiger Sturm daher fährt, und erfüllte das ganze Haus, in dem sie waren. Und es erschienen ihnen Zungen wie von Feuer, die sich verteilten; auf jeden von ihnen ließ sich eine nieder. Alle wurden mit dem Heiligen Geist erfüllt und begannen, in fremden Sprachen zu reden, wie es der Geist ihnen eingab. (Apg 2,1-4)

Am Pfingsttag öffnet der Heilige Geist die Tore des Hauses und der Herzen. Nach Tagen des Rückzugs gehen die Apostel auf die Straße hinaus und verkündigen den Auferstandenen Herrn. Der Heilige Geist ist es, der ihnen Wort und Stimme gibt. Zugleich wird der Pfingsttag zum Geburtsfest der Kirche, an dem die Urgemeinde von Jerusalem zum ersten Mal nach dem Tod Jesu öffentlich in Erscheinung tritt und ihre ersten neuen Mitglieder gewinnt.

Lukas, der ein vortrefflicher Schriftsteller war, versteht es, die Ausbreitung der Kirche von der kleinen „Zelle“ der ersten Jünger in Jerusalem über die ganze Welt spannend zu schildern. Wir können bildlich vor uns sehen, wie das kleine Senfkorn aufgeht und zu einem großen Baum heranwächst. Der Pfingsttag ist der Tag, an dem der Keimling aus dem Korn hervorbricht – durch die Kraft des Heiligen Geistes.

Johannes liefert uns keine solche Geschichte der Kirche. Sein Evangelium endet mit der Auferstehung des Herrn. Wie es dann weiter geht, das erleben die Leser seines Evangeliums zu ihrer Zeit. Er will uns mit den Berichten von den Erscheinungen des Auferstandenen etwas Bleibendes vermitteln. Was die Apostel an Ostern erfahren haben, das kann jeder Mensch erfahren, der sich auf Jesus Christus einlässt.

Jesus tritt in die Mitte der versammelten Jünger. Johannes lässt bewusst offen, wer hier genau versammelt ist. Gehören Maria und die anderen Frauen auch dazu? Hier ist jeder versammelt, der an Jesus glaubt. Wichtig ist der Tag, an dem es geschieht. Es ist der achte Tag, der Sonntag. An ihm versammeln sich seither die Christen zum Gottesdienst. Was Johannes hier schildert, ist nichts anderes als der erste Sonntagsgottesdienst, der seit diesem Ostersonntag durch alle Zeiten hindurch gefeiert wird.

Jesus in der Mitte. Seither ist Jesus mitten unter den Gläubigen, die sich zum Gottesdienst versammeln. Der Friedenswunsch ist ein zentrales Element jeder Heiligen Messe. Gehet hin in Frieden! – Ite missa est! – Ich sende euch. Aus jeder Messe werden wir mit dieser Sendung als Boten des göttlichen Friedens entlassen.

Jesus hauchte sie an und sprach zu ihnen: Empfangt den Heiligen Geist! Wem ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben; wem ihr die Vergebung verweigert, dem ist sie verweigert. (Joh 20,22f)

Auch bei Johannes werden die Jünger auf die Straße hinaus gesandt. Wenn auch Johannes nicht so spektakulär wie Lukas in der Apostelgeschichte davon berichtet, welche Scharen von Menschen zu Zeugen des Pfingstwunders wurden, so ist doch das Ergebnis das gleiche. Die Jünger folgen dem Auftrag Jesu. Sie sind nun erfüllt von Gottes Heiligem Geist und wirken Gottes Heil unter den Menschen.

Das Pfingstfest soll uns wieder neu dazu ermuntern, täglich um den Heiligen Geist zu beten und uns auf sein Wirken einzulassen, damit sein Feuer ins uns stets lebendig bleibt. Das folgende Gebet hat Papst Johannes Paul II. täglich gebetet:

O Heiliger Geist, Du Liebe des Vaters und des Sohnes!

Gib mir immer ein, was ich denken soll, gib mir immer ein, was ich sagen soll, und wie ich es sagen soll. Gib mir immer ein, was ich verschweigen soll und wie ich mich dabei verhalten soll. Gib mir ein, was ich zur Ehre Gottes, zum Wohl der Seelen und zu meiner eigenen Heiligung tun soll.

Heiliger Geist, gib mir Verstand, um zu verstehen und zu erkennen, gib mir das Fassungsvermögen, um alles zu behalten. Lehre mich die Methoden und gib mir die Fähigkeit, um immer wieder zu lernen. Gib mir Scharfsinn, um richtig zu deuten und zu unterscheiden, gib mir die Gnade, um wirkungsvoll zu sprechen.

Heiliger Geist, gib mir Zuversicht und Treffsicherheit am Beginn, leite und führe mich bei der Ausführung, und schenke mir Vollkommenheit beim Beenden.

Amen.

13.5. Unsere Liebe Frau von Fatima

Fatima_4Vom 13. Mai bis zum 13. Oktober 1917 ist die Muttergottes bei Fatima in Portugal drei einfachen Hirtenkindern sechs Mal erschienen. Die Botschaften, die Lucia, Francisco und Jacinta damals empfangen haben, sind bis heute von größter Bedeutung für die ganze Welt. Betrachtet man die Marienerscheinungen der vergangenen Jahrzehnte, so nimmt das Geschehen von Fatima darin einen besonderen Rang ein, da das, was die Bedeutung der Marienerscheinungen in der neueren Zeit ausmacht, hier in besonderer Dichte und Prägnanz auftritt:

lebendige Verkündigung der biblischen Botschaft,

konzentrierte Darbietung wesentlicher Glaubenswahrheiten,

ernste Verpflichtung zu einem Leben nach den Geboten Gottes

Erhellung der Krisensituation der Menschheit.

Päpste sind nach Fatima gepilgert, zusammen mit Millionen von Gläubigen. Auf der ganzen Welt haben sich Fatima-Gebetskreise gebildet. Die Rettung der Seelen und der Friede der Welt, dafür zu beten ruft uns Maria in besonderer Weise auf:

Betet, betet viel, und bringt Opfer für die Sünder, denn so viele Seelen kommen in die Hölle, weil sich niemand für sie aufopfert und für sie betet.

Es ist der drängende Ruf Gottes an uns Menschen, den schon Jesus ausgerufen hat:

Kehrt um und glaubt an das Evangelium!

Nur durch die Umkehr können die Menschen gerettet werden. Das ist das Zeugnis der Heiligen Schrift. Ganz besonders in der Offenbarung des Johannes wird uns das Geschehen der Endzeit, die mit dem Kommen Jesu Christi angebrochen ist, als Kampf zwischen Gut und Böse vor Augen gestellt. Wer in der Bedrängnis standhaft bleibt im Glauben, der wird gerettet werden, und ewigen Frieden finden.

Friede entsteht nicht von selbst. Friede kommt allein von Gott, wenn Menschen seinen Willen tun. Fatima ist eine Botschaft des Friedens:

Wenn man tut, was ich euch sage, werden viele Seelen gerettet, und der Friede wird kommen.

Gott will uns seinen Frieden schenken. Jesus sagt zu seinen Jüngern:

Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch. (Joh 14,27)

Das erste Wort des Auferstandenen an die Jünger ist der Wunsch des Friedens. Gott ruft uns zum Frieden, er will der Welt seinen Frieden geben und den Menschen das Heil schenken.

Gott hat aus Liebe diesen drängenden Aufruf seiner Barmherzigkeit an uns gerichtet mit dem Ziel, uns zu helfen auf dem Weg unseres Heils. (Sr. Lucia)

Papst Johannes Paul II. hat es in besonderer Weise dem Schutz Mariens zugeschrieben, dass er das auf ihn verübte Attentat am 13. Mai 1981 überlebt hat. Unter der blauen Weltkugel der Statue der Muttergottes in der Erscheinungskapelle von Fatima wurde bei seinem Besuch am 13. Mai 1982 jene Kugel angebracht, welche nach dem Attentat auf dem Petersplatz aus seinem Körper herausoperiert wurde. Er hat die Botschaft von Fatima ernst genommen und die Weihe der Welt an das Unbefleckte Herz Mariens vollzogen. In einem von ihm verfassten Gebet heißt es:

O Mutter der Menschen und der Völker, Du kennst all ihre Leiden und Hoffnungen, Du fühlst mit mütterlicher Anteilnahme alles Kämpfen zwischen Gut und Böse, zwischen dem Licht und der Dunkelheit, von der die Welt befallen ist – erhöre unseren Ruf, den wir im Heiligen Geist unmittelbar an Dein Herz richten. Umfange mit der Liebe der Mutter und der Magd des Herrn jene, die diese liebende Zuneigung am meisten ersehnen, und zugleich auch diejenigen, auf deren Vertrauen Du besonders wartest! Nimm die ganze Menschheitsfamilie, die wir mit liebender Hingabe Dir, o Mutter, anvertrauen, unter Deinen mütterlichen Schutz. Mögen allen Menschen Zeiten des Friedens und der Freiheit, Zeiten der Wahrheit, der Gerechtigkeit und der Hoffnung beschieden sein!

Die Frau und der Drache (offb 12) – 2

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7 Da entbrannte im Himmel ein Kampf; Michael und seine Engel erhoben sich, um mit dem Drachen zu kämpfen. Der Drache und seine Engel kämpften, 8 aber sie konnten sich nicht halten und sie verloren ihren Platz im Himmel. 9 Er wurde gestürzt, der große Drache, die alte Schlange, die Teufel oder Satan heißt und die ganze Welt verführt; der Drache wurde auf die Erde gestürzt und mit ihm wurden seine Engel hinabgeworfen.

Der Blick geht wieder in den Himmel. Wir dürfen uns das geschehen nicht zeitlich vorstellen, dass zunächst der Kampf auf der Erde geführt wird und dann der im Himmel. Die Bilder, die Johannes und zeigt, überlappen sich und gehen ineinander über. Auch gibt es in der Ewigkeit des Himmels keine Zeit.

Wir haben bereits erfahren, dass der Satan ein Drittel der Sterne zur Erde geworfen hat. Ein Drittel der Engel hat sich mit ihm gegen Gott erhoben. Doch der Kampf im Himmel ist entschieden. Michael kämpft mit seinen Engeln siegreich gegen den Satan und seine Engel. Der Drache wird vom Himmel zur Erde geworfen.

Der Kampf im Himmel ist entschieden. Die endgültige Durchsetzung des Heils ist nur noch eine Frage der Zeit. Aber es wird eine schwere Zeit, denn der Satan weiß um das Ende seiner Macht und versucht alles, um so viel Schaden anzurichten wir möglich. Das sind die schauerhaften Bilder der Apokalypse und wir sehen sie jeden Tag konkret, wenn wir in den Fernseher oder die Zeitung blicken.

10 Da hörte ich eine laute Stimme im Himmel rufen: Jetzt ist er da, der rettende Sieg, die Macht und die Herrschaft unseres Gottes und die Vollmacht seines Gesalbten; denn gestürzt wurde der Ankläger unserer Brüder, der sie bei Tag und bei Nacht vor unserem Gott verklagte. 11 Sie haben ihn besiegt durch das Blut des Lammes und durch ihr Wort und Zeugnis; sie hielten ihr Leben nicht fest, bis hinein in den Tod. 12 Darum jubelt, ihr Himmel und alle, die darin wohnen. Weh aber euch, Land und Meer! Denn der Teufel ist zu euch hinabgekommen; seine Wut ist groß, weil er weiß, dass ihm nur noch eine kurze Frist bleibt.

Im Himmel ertönt Jubel über den Sturz des Drachens. Jubel über die siegreiche Heimkehr des Sohnes Gottes, der als Opferlamm sein Blut vergossen hat zum Heil der Menschen. Dieses Blut des Lammes gewährt den Sieg auch auf Erden. Zwar ist der Kampf noch nicht entschieden und die Gläubigen bleiben den Nachstellungen des Drachen und seines Gefolges ausgesetzt. Ihr Toben aber ist ein sinnloses Toben, das nichts mehr ändern wird an ihrer Niederlage.

Die Glaubenden aber müssen an der Heils- und Siegesgewissheit festhalten. Sie stehen noch im Kampf. Sie müssen standhaft bleiben. Noch können sie fallen. Das ist die Botschaft der Offenbarung des Johannes. Sie will die Glaubenden zur Standhaftigkeit ermutigen. Die Leiden der Glaubenden können groß sein. Das Toben des Teufels ist gewaltig. Aber er ist besiegt. Wer standhaft bleibt, hat Anteil an Gottes Sieg.

Der Satan wird hier genannt der Ankläger unserer Brüder. Als solcher tritt er auch an manchen Stellen im Alten Testament auf, besonders deutlich im Buch Ijob. Da hat er noch ganz selbstverständlich Zugang zu Gott, um immer wieder den gerechten Ijob anzuklagen. Vielleicht ist er doch nicht so gerecht, wie es scheint. So erlaubt Gott es ihm, Unheil über Ijob zu bringen, seinen gesamten Besitz, ja auch seine Familie zu vernichten. So versucht die Bibel zu erklären, warum das Unheil sowohl die Gerechten als auch die Ungerechten trifft.

Nun aber gibt es keinen mehr, der die Menschen vor Gott anklagt. Vielmehr haben wir jetzt Fürsprecher bei Gott. Unsere größte Fürsprecherin ist Maria. Sie wird uns im folgenden Abschnitt noch einmal als Schutzfrau in großer Bedrängnis vorgestellt.

13 Als der Drache erkannte, dass er auf die Erde gestürzt war, verfolgte er die Frau, die den Sohn geboren hatte. 14 Aber der Frau wurden die beiden Flügel des großen Adlers gegeben, damit sie in die Wüste an ihren Ort fliegen konnte. Dort ist sie vor der Schlange sicher und wird eine Zeit und zwei Zeiten und eine halbe Zeit lang ernährt. 15 Die Schlange spie einen Strom von Wasser aus ihrem Rachen hinter der Frau her, damit sie von den Fluten fortgerissen werde. 16 Aber die Erde kam der Frau zu Hilfe; sie öffnete sich und verschlang den Strom, den der Drache aus seinem Rachen gespien hatte. 17 Da geriet der Drache in Zorn über die Frau und er ging fort, um Krieg zu führen mit ihren übrigen Nachkommen, die den Geboten Gottes gehorchen und an dem Zeugnis für Jesus festhalten.

Die Frau tritt dem Drachen furchtlos gegenüber. Sie weiß, dass er ihr nichts anhaben kann. Himmel und Erde stehen ihr bei. Die Adlerflügel sind Symbol für Gottes Schutz. Auch die Erde tritt ein für die Frau, indem sie sich öffnet, um den verderblichen Wasserstrom des Drachen aufzufangen. Himmel und Erde kämpfen gegen die Macht des Bösen und der Kampf tobt immer heftiger, bis der Drache besiegt werden wird. Von diesem Sieg über den Drachen erfahren wir einige Kapitel später und dieser Sieg wird dann den Weg öffnen für Gottes neues Wohnen unter den Menschen.

Noch aber ist die Geschichte bestimmt vom Toben des Satans. Das ist die Weltdeutung der Offenbarung des Johannes. Der Drache zieht die Mächtigen der Erde auf seine Seite. Sie kämpfen mit ihm gegen die Gerechten. Doch Gottes Kinder, die Kinder der Mutter der Glaubenden, die Kinder Mariens brauchen nichts zu fürchten. Die Mutter hat ihnen gezeigt, wie sie im Kampf bestehen können. Die Mutter hilft ihren Kindern.

Als Glaubende sind wir Kinder Mariens und Maria ist unsere Mutter. Dieser Glaube ist zutiefst biblisch. Gott hat uns Maria zur Mutter gegeben. Maria war ein Mensch wie wir. Darum kann sie uns zeigen, wie wir als Gottes Kinder in dieser Welt leben können. Als Mutter kümmert sie sich um ihre Kinder. Wir vertrauen uns ihrer Fürsprache und ihrem Schutz an.

Maria, Mutter, schau auf die ganze Menschheit, auf unsere moderne Welt, in die uns Gottes Ratschluss hineingestellt hat! Es ist eine Welt, die Christus, dem wahren Licht, den Rücken kehrt. Nun zittert und stöhnt sie unter dem selbst geschaffenen, gefahrvollen Dunkel. Deine milde, mütterliche Stimme möge sie hinführen zum wahren Leben und Licht der Menschheit. Du schönste Jungfrau, du würdigste Mutter, du begnadete von allen Frauen! Sei ihnen Leitstern, der zu Christus führt, dem einzig höchsten Licht der Welt! Erflehe ihr das Wissen vom wahren Sinn des Daseins! Den Leidenden erflehe Trost, den Toten das ewige Leben! Zeige dich als Mutter! Lass uns alle erfahren, dass du uns Mutter bist! Darum bitten wir dich, du gütige, milde und liebe Jungfrau Maria. Amen

(Papst Paul VI.)

Die Frau und der Drache (Offb 12) – 1

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1 Dann erschien ein großes Zeichen am Himmel: eine Frau, mit der Sonne bekleidet; der Mond war unter ihren Füßen und ein Kranz von zwölf Sternen auf ihrem Haupt. 2 Sie war schwanger und schrie vor Schmerz in ihren Geburtswehen.

An den Sonntagen der Osterzeit hören wir im Lesejahr C mehrere Abschnitte aus der Offenbarung des Johannes. Das zwölfte Kapitel dieses Buches ist der Lesungstext an vielen Marienfesten. Ich möchte daher in diesem Jahr den Marienmonat Mai mit einer Betrachtung über diese Frau in der Offenbarung des Johannes beginnen.

Das zwölfte Kapitel bildet das Zentrum der Offenbarung des Johannes. Bisher hat Johannes in seinen Visionen geschaut, wie das Lamm im Himmel – Symbol für Jesus Christus – die sieben Siegel des Buches der Welt geöffnet und somit den tieferen Sinn des Weltgeschehens offenbar gemacht hat. Die sieben Posaunen sind erschallt und haben das Unheil gezeigt, das über die Bewohner der Erde hereinbricht. Mit dem Ertönen der siebten Posaune öffnet sich der Blick auf das messianische Geschehen der Endzeit.

Das Kind, mit dem die Frau schwanger ist, zeigt uns den Messias, Jesus Christus, Gottes Sohn. Die Frau ist Bild für das Volk Gottes. Die zwölf Sterne sind Symbol für die zwölf Stämme Israels, des auserwählten Gottesvolkes. Durch dieses Volk will Gott der Welt sein Heil vermitteln und aus diesem Volk geht der Messias hervor. Durch die Einsetzung der zwölf Apostel hat Jesus Christus das neue Gottesvolk errichtet, das aus dem Gottesvolk des Alten Bundes hervorgeht, nun aber die ganze Welt umgreift.

Die Frau ist zum einen Symbol für das Volk Gottes, sie ist aber auch ein ganz konkreter Mensch, Maria. In ihr verdichtet sich die Geschichte des Volkes Gottes. Aus ihr geht der Messias hervor und so wird sie zur Schnittstelle zwischen Altem und Neuem Bund.

Maria hat nicht nur als Person und Gestalt Bedeutung, sondern auch als Zeichen und Symbol. Dies aber nicht in einem äußerlichen, konventionellen Sinne verstanden, so wie man gewisse Dinge mit symbolischer Bedeutung ausstattet. Maria ist vielmehr als wirklichkeitserfüllendes personales Symbol zu erkennen, in welchem Zeichen und Wirklichkeit, Bedeutung und Tat, Sinn und Gestalt zusammengehören.

Diese Worte von Leo Kardinal Scheffczyk zeigen uns, wie wir die Stelle aus der Offenbarung deuten können. Die Frau ist konkret Maria und sie ist zugleich Symbol für das alte Gottesvolk, aus dem der Verheißung nach der Messias hervorgeht. Durch die Geburt des Messias wird Maria zur Mutter des neuen Gottesvolkes, das ihr Sohn auf Erden gegründet hat.

Gottes Geschichte mit den Menschen ist immer konkret. Sie geschieht durch bestimmte Personen, die Gottes Willen tun. Sie entsteht nicht durch Debatten und Verlautbarungen, sondern durch Taten. Durch ihr Ja zu Gott ist Maria zum Urbild aller Menschen zu allen Zeiten geworden, die ihr Ja sagen zum Willen Gottes. Dies rechtfertigt die Stellung, die ihr die Kirche zuweist, indem sie uns Maria als Mutter und Fürsprecherin zeigt.

Gott selbst zeigt uns Maria als Urbild des glaubenden Menschen. Johannes sieht Maria als Zeichen der neuen Heilszeit des Messias. Die zwölf Sterne zeigen die Universalität Mariens als Repräsentantin des Alten und Neuen Bundes. Sonne und Mond sind die Zeichen dieser Erdenzeit, die Sonne als Zeitmesser des Tages, der Mond als Nachtgestirn und Maß für Monate und Festzeiten. So wird deutlich, dass das folgende Geschehen, das Johannes als Vision im Himmel sieht, eine konkrete Entsprechung auf Erden hat. So wie Maria einerseits symbolisch für das Volk Gottes steht, andererseits aber ganz konkret auf Erden gelebt hat, so bleibt auch alles andere, das Johannes sieht, kein abstraktes Bild, sondern wird konkret geschehen.

3 Ein anderes Zeichen erschien am Himmel: ein Drache, groß und feuerrot, mit sieben Köpfen und zehn Hörnern und mit sieben Diademen auf seinen Köpfen. 4 Sein Schwanz fegte ein Drittel der Sterne vom Himmel und warf sie auf die Erde herab. Der Drache stand vor der Frau, die gebären sollte; er wollte ihr Kind verschlingen, sobald es geboren war.

Ein weiteres Zeichen sieht Johannes im Himmel, einen Drachen von unvorstellbarer Größe. Die sieben Köpfe zeigen seine universelle Macht über Himmel und Erde. Drei Köpfe haben je zwei Hörner und vier Köpfe je ein Horn, so gelangt man zur Zehnerzahl und sieht zugleich die Drei und die Vier, die für Himmel und Erde stehen, und die in der Sieben zur Universalität werden. Es ist eine Bedrohung, die selbst Gott gefährlich wird. So sieht die Tradition in Satan seit jeher Luzifer als des höchsten unter den Engeln, der sich gegen Gott erhoben hat.

Ein Drittel der Sterne fegt der Drache mit seinem Schwanz vom Himmel zur Erde. Man kann darin die Engel sehen, die Satan auf seine Seite gezogen hat. So kommt das Böse auf die Erde. Wir erfahren hier, dass die Kämpfe auf der Erde letztlich die Folge dieses einen Kampfes im Himmel sind. Wir erkennen den Ursprung des widergöttlichen Wirkens, das Gottes gute Schöpfung zerstören und den Menschen von Gott trennen will.

Doch auch Gott verlagert sozusagen seinen Kampfplatz auf die Erde. Er überlässt seine Schöpfung nicht den teuflischen Mächten. Die Frau und ihr Kind sind die Hoffnungsträger im Kampf gegen das Böse auf Erden. Eine Frau, schwach und doch mächtig durch ihren Glauben. Dies zeigt uns Maria als neue Eva. Eva ist den Verführungen Satans erlegen. Maria aber nimmt den Kampf wieder auf, der den Nachkommen Evas prophezeit wurde:

Feindschaft setze ich zwischen dich und die Frau, zwischen deinen Nachwuchs und ihren Nachwuchs. Er trifft dich am Kopf, und du triffst ihn an der Ferse. (Gen 3,15)

Der Drache weiß um die Macht des Kindes. Er weiß, dass seine Zeit zu Ende gehen wird, wenn es Gottes Sohn gelingt, sein Werk auf Erden zu vollbringen. Gott kommt als hilfloses Kind auf die Welt, geboren von einer einfachen Frau. Doch es gelingt dem Drachen nicht, die Frau und ihr Kind zu vernichten. Das ist ein Zeichen der Hoffnung. Was schwach scheint auf Erden, wird stark durch den Glauben.

5 Und sie gebar ein Kind, einen Sohn, der über alle Völker mit eisernem Zepter herrschen wird. Und ihr Kind wurde zu Gott und zu seinem Thron entrückt. 6 Die Frau aber floh in die Wüste, wo Gott ihr einen Zufluchtsort geschaffen hatte; dort wird man sie mit Nahrung versorgen, zwölfhundertsechzig Tage lang.

In einem Satz wird hier die ganze Heilsgeschichte zusammengefasst. Die Leser der Offenbarung wissen, was hier gemeint ist. Es steht im Evangelium. Gottes Sohn kam in die Welt und hat den Neuen Bund gestiftet mit seinem Blut. Der Drache konnte ihn nicht verschlingen, sondern Gottes Sohn ging aus dem Tod als Sieger hervor über den Tod und thront zur Rechten des Vaters.

Maria aber wird zur Mutter des neuen Gottesvolkes. Mit ihren Kindern, den Glaubenden, steht sie im Kampf gegen den Satan. Sie ist die Zuflucht der Glaubenden und sie breitet den Mantel aus über ihre Kinder, um sie vor aller Not zu schützen. Rufen wir Maria um ihre Hilfe an:

 

Jungfrau, Mutter Gottes mein

lass mich ganz Dein eigen sein

Dein im Leben, Dein im Tod

Dein in Unglück, Angst und Not

Dein in Kreuz und bittrem Leid

Dein für Zeit und Ewigkeit

Jungfrau, Mutter Gottes mein

lass mich ganz Dein eigen sein

Mutter auf Dich hoff und baue ich

Mutter zu Dir ruf und seufze ich

Mutter Du gütigste, steh mir bei

Mutter Du mächtigste, Schutz mir leih

O Mutter, so komm, hilf beten mir

O Mutter so komm, hilf streiten mir

O Mutter so komm hilf leiden mir

O Mutter so komm und bleib bei mir

Du kannst mir ja helfen, o Mächtigste

Du willst mir ja helfen o Gütigste

Du musst mir nun helfen o Treueste

Du wirst mir auch helfen Barmherzigste

O Mutter der Gnade, der Christen Hort

Du Zuflucht der Sünder, des Heiles Port

Du Hoffnung der Erde, des Himmels Zier

Du Trost der Betrübten, ihr Schutzpanier

Wer hat je umsonst Deine Hilf angefleht

Wann hast Du vergessen ein kindlich Gebet

Drum ruf ich beharrlich, in Kreuz und in Leid

Maria hilft immer, sie hilft jederzeit

Ich ruf voll Vertrauen im Leiden und Tod

Maria hilft immer, in jeglicher Not

So glaub‘ ich und lebe und sterbe darauf

Maria hilft mir in den Himmel hinauf

Amen.

4. Advent – Begegnung (2)

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Nach Franz von Sales ist der Grund für den Besuch Marias bei Elisabeth ein zweifacher:

„Sie ging hin, um das große Wunder oder die große Gnade zu sehen, die Gott dieser betagten und unfruchtbaren Frau erwiesen hatte, dass sie trotz ihrer Unfruchtbarkeit einen Sohn empfing. Sie wusste ja sehr wohl, dass es im Alten Bund eine Schande war, unfruchtbar zu sein. Da aber die gute Frau alt war, ging sie auch hin, um ihr in ihrer Schwangerschaft zu dienen und ihr jede Erleichterung zu verschaffen, die ihr möglich war. Zweitens geschah es, um ihr das tiefe Geheimnis der Menschwerdung mitzuteilen, das sich in ihr verwirklicht hat.“

Nicht allein um ihrer selbst willen eilt Maria zu Elisabeth. Nicht nur wegen der großen Wunder, die mit den beiden Frauen geschehen sind. Franz von Sales holt die Begegnung zwischen den beiden Frauen auf den Boden des Alltags. Maria hat eben erst empfangen, Elisabeth aber ist im sechsten Monat. Und in Maria bleibt drei Monate bei Elisabeth, wie wir später erfahren (Lk 1,56). Maria bleibt bei Elisabeth für die letzten Monate der Schwangerschaft, die Zeit, in der Elisabeth besonders nötig Hilfe brauchte.
Heiligkeit ist kein Schweben auf den Wolken. Heiligkeit ist vollendeter Alltag. Sie bedeutet, „das Gewöhnliche außergewöhnlich tun“, wie Franz von Sales sagt. Über die drei Monate, die Maria bei Elisabeth war, schreibt Lukas nichts, aber wir können uns vorstellen, wie sie ausgesehen haben. Maria hat Elisabeth beim Haushalt geholfen, beim Kochen, Putzen, Waschen. Wir sehen die beiden in der Küche beisammen sitzen, mit der Hausarbeit beschäftigt. Zwei ganz normale schwangere Frauen.
Heiligkeit lernen wir, wenn wir die Geheimnisse des Alltags entdecken. Gott finden in allen Dingen. In jeder noch so kleinen Kleinigkeit können wir Gott entdecken, jedes noch so kleine Tun kann ein Dienst für Gott sein. Alles was geschieht, kann uns Gott näher bringen. Mit offenen Augen durchs Leben gehen. Das Große zu entdecken, das sich hinter dem Unscheinbaren verbirgt, schult meine Dankbarkeit. Ich werde sensibel dafür, dass es viel mehr Gutes in der Welt gibt, als ich wahrnehme. So werde ich dann auch fähig, selbst das Gewöhnliche so zu tun, als wäre es etwas Außergewöhnliches: mit Freude und Liebe.

„Begegnen wir lieben Menschen, so freuen wir uns, sie zu sehen. Wir können also über die Begegnung mit einem lieben Menschen gar nicht anders als erfreut und glücklich sein.“

So sagt Franz von Sales. Begegnungen gehören zu unserem Alltag. Sobald wir auf die Straße gehen, begegnen wir anderen Menschen. Ein Großteil von ihnen geht an uns vorüber, ohne dass es zu einer wirklichen Begegnung kommt. Über manche Menschen ärgern wir uns vielleicht, sie stören uns, wenn sie unseren Weg kreuzen. Aber manchmal bleibe ich vielleicht stehen und es kommt unerwartet zu einem Gespräch.
Kann ich achtsamer werden gegenüber den Menschen, denen ich begegne? Wenigstens ein Lächeln schenken, statt eines teilnahmslosen oder gar mürrischen Blicks? Es hängt von mir ab, wie sich Begegnung ereignet. Begegnung kann das Leben bereichern. Ein kurzer Austausch mit einem fremden Menschen kann Fragen beantworten, die ich mir schon lange stelle, kann mir eine neue Sichtweise eröffnen. „Alles wirkliche Leben ist Begegnung“, hat Martin Buber einmal gesagt.

Begegnungen können ganz unscheinbar sein, und doch tiefe Wirkungen hervorrufen. Ein Mensch kann sich ein Leben lang dankbar an eine kleine Hilfe erinnern. Vielleicht können wir im Gedränge des Alltags auch Gott begegnen, wenn wir die Menschen um uns herum bewusst wahrnehmen. Unser Leben mit Gott ist immer auch Begegnung. Wir können Gott nur erfahren, wenn wir ihm begegnen. Unser Alltag bietet dafür mehr Gelegenheiten, als wir für möglich halten.
Gerade der Evangelist Lukas berichtet uns immer wieder von Begegnung, der Begegnung von Menschen mit Jesus von Nazaret. Diese Begegnung verändert das Leben meist tiefgreifend. Auch bei der Begegnung zwischen Maria und Elisabeth ist Jesus schon dabei im Leib Mariens. Johannes im Schoß der Elisabeth hüpft vor Freude und auch Elisabeth erkennt das Geheimnis, das Maria birgt: „Gesegnet bist du mehr als alle anderen Frauen, und gesegnet ist die Frucht deines Leibes.“

Als Elisabet den Gruß Marias hörte, hüpfte das Kind in ihrem Leib. Da wurde Elisabet vom Heiligen Geist erfüllt und rief mit lauter Stimme: Gesegnet bist du mehr als alle anderen Frauen, und gesegnet ist die Frucht deines Leibes. Wer bin ich, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt? In dem Augenblick, als ich deinen Gruß hörte, hüpfte das Kind vor Freude in meinem Leib. Selig ist die, die geglaubt hat, dass sich erfüllt, was der Herr ihr sagen ließ. (Lk 1, 41-45)

Freude liegt in der Begegnung dieser beiden schwangeren Frauen. Es ist eine vollkommene Freude, die nur Menschen erfahren, die ihre Freude in Gott suchen. Meine Freude ist es, deinen Willen, Gott zu tun, sagt der Psalmist. Das Kind in Mariens Schoß ist die Frucht dieser Freude am Ja zu Gottes Willen. Diese Freude spürt auch das Kind im Schoße Elisabeths.
Als Maria bei Elisabeth eintritt, spricht diese als Gruß an Maria die Worte, die wir bis heute im Ave Maria beten: Du bist gebenedeit unter den Frauen und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes. Elisabeth preist Maria selig, weil sie geglaubt hat, dass sich erfüllt, was der Herr ihr durch den Engel sagen ließ. Diesen ihren Glauben besingt Maria unmittelbar nach der Begrüßung im Magnificat (Lk 1,46-55). Die Freude über das Leben, das Gott so wunderbar in ihrem Schoß gewirkt hat, das verbindet die beiden Frauen Maria und Elisabeth. Dieses Leben ist nicht der Besitz dieser Frauen. Sie stehen beide im großen Zusammenhang des göttlichen Heilswirkens an den Menschen. Durch die Kinder dieser beiden Frauen will Gott der ganzen Welt Heil und Leben schenken.
An Weihnachten feiern wir den Anbruch der Zeit des Heils durch die Geburt des Kindes in der Krippe von Betlehem. Dieses Kind ruft auch uns zur Begegnung mit ihm. Bereiten wir uns auf diese Begegnung vor. Nur noch wenige Tage und dann feiern wir das Fest der lebendigen Begegnung, wenn Gottes Sohn auf Erden kommt, um unter den Menschen zu sein. Er ist immer nahe, gerade da, wo Begegnung geschieht, wie er selbst gesagt hat:

„Wo zwei oder drei in meinem Namen beisammen sind, da bin ich mitten unter ihnen.“ (Mt 18,20)

Weihnachten – Fest der Begegnung. Finden wir in all dem Weihnachtstrubel Raum für echte Begegnung, mit unseren Familien, Freunden und Verwandten – und mit Gott.

4. Advent – Begegnung (1)

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Beim Evangelist Lukas hören wir von der Begegnung Marias mit Elisabeth:

Nach einigen Tagen machte sich Maria auf den Weg und eilte in eine Stadt im Bergland von Judäa. Sie ging in das Haus des Zacharias und begrüßte Elisabet. (Lk 1,39-40)

Nur wenige Tage, nachdem der Engel bei Maria eingetreten war, und ihr verkündet hatte, dass sie den Sohn Gottes gebären werde, macht sie sich auf den Weg. Sie kann nicht still in ihrer Kammer sitzen. Dieses Ereignis hat sie aufgewühlt. Sie braucht jemand, mit dem sie teilen kann, was sie erlebt hat, jemanden, dem sie sich mit-teilen kann.

Die Dynamik, die in diesem Aufbruch steckt, wird in einer wörtlichen Übersetzung noch deutlicher. Im Originaltext ist zudem das erste Wort des Satzes „aufbrechend“, was im Deutschen so nicht wörtlich wiedergegeben werden kann.

Maria aber brach auf in jenen Tagen und ging mit Eile weg in das Bergland in eine Stadt Judäas und trat ein in das Haus des Zacharias und begrüßte Elisabeth.

An erster Stelle steht der Aufbruch, dann heißt es, dass Maria weg geht, in Eile, wie besonders hervorgehoben wird. Sie geht ins Bergland. Ein nicht unbeschwerlicher Weg mit manchen Steigungen. Da geht man ja eher langsam, aber Maria nicht. Schon ist sie im Haus des Zacharias, sie tritt ein und begrüßt Elisabeth und es kommt zur Begegnung der beiden Frauen.

Es geht alles sehr schnell. Maria weiß, wo sie hin will, sie weiß, was sie will. Sie hält sich unterwegs nicht auf. Irgendwie zeigt uns dieser eine Satz Maria als eine Frau, die anpackt, voller Entschiedenheit und mit Durchsetzungskraft. Das ist ein ganz anderes Bild, als es uns oft vermittelt wird. Es ist aber ein Bild das anspricht, besonders heute.

Maria drängt es zu ihrer Verwandten Elisabeth. Sie will ganz dringend zu ihr. Mit Elisabeth verband Maria eine so innige Freundschaft, dass sie sicher sein konnte, dass diese auch das Unbegreifliche, das an ihr geschehen ist, verstehen wird. Elisabeth selbst hatte ja sechs Monate zuvor in hohem Alter ihren Sohn empfangen, als nach menschlichem Ermessen eine Schwangerschaft bereits unmöglich war. Die Schwangerschaft Mariens aber übertrifft dieses Wunder bei weitem. Maria ist noch jung, aber ihr Kind nicht von einem Mann, sondern empfangen durch den Heiligen Geist.