Johannesprolog (3)

In ihm war das Leben und das Leben war das Licht der Menschen. Und das Licht leuchtet in der Finsternis und die Finsternis hat es nicht erfasst. (Joh 1,4-5)

Gott hat seiner Schöpfung Leben verliehen. Zu allen Zeiten fragen sich Menschen, was das bedeutet, „Leben“. Ein Organismus, Menschen, Tiere, Pflanzen, ja selbst kleinste Lebewesen und die kleinsten Zellen wachsen, vermehren sich, entwickeln sich weiter. Doch dieses Leben ist nicht selbstverständlich. Leben ist endlich, begrenzt. Mit dem Tod hört dieses Leben auf. Was kurz vorher noch ein blühender Organismus war mit Kraft und Willen und einer Ausstrahlung, wird nach dem Tod zu einer leblosen fleischlichen Hülle, die nur noch äußerlich an den lebenden Organismus erinnert und nach kurzer Zeit schließlich ganz zerfällt.

Damit Leben möglich ist, braucht es ganz besondere äußere Bedingungen, die sich auf unseren Planeten im Laufe von Jahrmillionen entwickelt haben, eine Atmosphäre, die vor kosmischer Strahlung schützt, relativ gleichbleibende, milde Temperaturen, Wasser, Sauerstoff, um nur einige zu nennen. Wie kommt es, dass sich diese Bedingungen gerade auf der Erde entwickelt haben und diese Vielfalt an Leben bis hin zum Menschen entstehen konnte? Gibt es noch andere Planeten in den Weiten des Universums, auf denen sich auch Leben, vielleicht sogar intelligentes Leben, entwickelt hat?

Gott hat allem Leben geschenkt, so sagt die Heilige Schrift. Jesus Christus, das Wort Gottes, der Schöpfungsmittler, ist zugleich der Lebensmittler. In Jesus Christus hat Gott seiner Schöpfung Leben verliehen. Die Schöpfung ist nicht nur ein Kunstwerk, ein Gebilde, sondern sie hat Leben in sich. Es ist dem Menschen schon vieles gelungen, aber bisher haben die Menschen es nicht geschafft, einem unbelebten Stoff Leben zu verleihen.

Vielleicht entsteht Leben auf natürliche Weise, wenn eine gewisse Konstellation der Umgebung vorhanden ist, wenn bestimmte chemische Elemente eine bestimmte für sie günstige Umgebung vorfinden. Vielleicht ist so Leben auch auf anderen Planeten entstanden. Vielleicht ist das Leben auf der Erde auch etwas Einmaliges. Viele moderne Wissenschaftler halten es jedoch für sehr wahrscheinlich, dass es auch auf anderen fernen Planeten Leben gibt. Was heißt das aber für unseren Glauben? Wie können wir vor diesem Hintergrund diesen Satz des Johannesprologs verstehen?

Die Menschen zur biblischen Zeit glaubten, dass die Erde der Mittelpunkt der Welt ist. Auch als man erkannte, dass die Sonne der Mittelpunkt ist, um den die Erde und die anderen Planeten kreisen, so war die Erde doch noch im Hinblick auf die Welt der Sterne irgendwie im Mittelpunkt. Jedenfalls musste die Erde für Gott im Mittelpunkt stehen, weil er auf ihr Leben geschaffen hat, er hat auf ihr Menschen geschaffen als sein Ebenbild, und selbst wenn diese Menschen durch irgendeine Art von Evolution entstanden sind, haben sie doch das Bewusstsein, das Gewissen, die Entscheidungsfreiheit zwischen Gut und Böse, die sie zu etwas Besonderem macht. Der Mensch steht für Gott im Mittelpunkt und um den Menschen zu retten, hat Gott seinen Sohn gesandt.

Was aber, wenn es auch noch auf anderen Planeten intelligentes Leben gibt? Kann es dann überhaupt einen Gott geben oder ist das Universum nicht doch aus sich selbst entstanden? Die moderne Wissenschaft kommt dem Geheimnis des Urknalls immer näher. Vielleicht braucht es keinen ersten unbewegten Beweger, der alles in Gang gesetzt hat, keinen lebendigen Gott, der Ursprung allen Lebens ist. Christlicher Glaube muss sich diesen Fragen stellen und vielleicht finden wir in den nächsten Jahrzehnten ganz neue Antworten darauf, an die heute noch niemand denkt.

Wir glauben, dass Gott der Schöpfer allen Lebens ist und dass er es erhält, dass er mit seinem Licht die Finsternis erleuchtet und so Leben möglich macht. Ohne Licht kein Leben. Licht ist aber auch der Ort des Guten. Das Wort Gottes ist das Licht der Menschen. Die Welt sehnt sich nach dem Licht Gottes. Gott hat es den Menschen geschenkt, sein Licht zu schauen. Das ist das Wunderbare. Wir haben einen Gott, der uns nahe ist, der uns liebt, der mit uns sein möchte. Wir leben in einer Welt, die nicht sich selbst überlassen ist, sondern in Gottes Hand ist, eine Welt, in der das Licht stärker ist als die Finsternis.

Diese Erfahrung wünsche ich Ihnen und Gottes Segen für das neue Jahr!

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