Der Freudenbote

Die Kapitel 51 und 52 des Jesajabuches sind Worte des Trostes für ein Volk, das viel Leid erfahren musste. Jerusalem wurde erobert und zerstört, seine Bewohner in die Verbannung verschleppt. Was damals geschehen ist, musste geschehen. Aber Gott hat sein Volk nicht vergessen. Er macht einen Neuanfang. Er hat seine heilige Stadt nicht verlassen. Gott kehrt nach Zion zurück und mit ihm die Verbannten aus dem Exil in Babylon.

Es ist ein Tag des Jubels und des Sieges, als sich die Botschaft verbreitet, dass die Zeit des Exils zu Ende ist. Wie damals in der Wüste beim Auszug aus Ägypten geht Gott wieder seinem Volk voran und beschließt auch den Zug. Geordnet soll das Volk aufbrechen, wie in einer langen Prozession soll es von Babylon nach Jerusalem ziehen.

Gott ist da und Gott schafft Rettung. Wie befreiend muss diese Botschaft für die Menschen damals gewesen sein. Sie sind nicht verlassen und vergessen an den Strömen von Babel, sondern Gott denkt an sie und holt sie heim in das Land ihrer Väter, in das Land, das Gott selbst für sie erwählt hat.

Wir hören diese Worte des Propheten Jesaja in der Lesung am Weihnachtstag. Das Fest der Geburt Jesu Christi ist auch ein solches Hoffnungszeichen der Gegenwart Gottes. Gott will mitten unter uns Menschen sein, nicht mehr nur in seinem Volk Israel und in Jerusalem, sondern in allen Ländern der Welt und bei allen Menschen, die ihn aufnehmen.

Der Herr hat seinem Volk Erlösung geschaffen, an seinen Bund denkt er auf ewig.

So heißt es in einer Antiphon an Weihnachten. Gott denkt an uns, er hat uns nicht vergessen. Auch wenn wir täglich das Elend und Leid sehen, das Menschen einander zufügen, Kriege, Streit, Flucht und Vertreibung. Gott ist da. Er ist mitten unter den Menschen in den Ländern des Krieges, mitten unter den Flüchtlingen, mitten unter den Menschen, die in Armut und Elend leben.

Auf die Frage, warum Gott all das Leid zulässt, werden wir keine Antwort finden. Aber wir können die Botschaft der Hoffnung verbreiten, dass Gott mitten im Leid der Menschen gegenwärtig ist und wenn die Zeit dafür gekommen ist, einen Ausweg schafft. Wir können diese Hoffnung erfahrbar werden lassen, indem wir, soweit es uns möglich ist, selbst zu den Menschen gehen, die Hilfe brauchen, und für sie beten. Wir müssen uns die Strukturen der Ungerechtigkeit und Gewalt bewusst machen, die unsere Welt durchdringen, aus ihnen ausbrechen und gegen sie angehen, wo es uns möglich ist.

Mit jedem Produkt, das ich kaufe, mit jeder Mahlzeit, die ich esse, ja fast mit jedem Schritt, den ich auf der Straße gehe, kann ich eine Entscheidung für oder gegen die Gerechtigkeit, für oder gegen die Liebe tun. Ungerechtigkeit ist nicht etwas, das in fernen Ländern geschieht, sondern sie hat ihre Wurzel hier mitten unter uns. Ich kann die Ungerechtigkeit als solche nicht bezwingen, aber ich kann versuchen, so zu leben, dass ich sie nicht vergrößere. Ich kann Zeichen der Liebe setzen, je nachdem, wie ich mich anderen gegenüber verhalte.

Wenn immer mehr Menschen so leben, immer mehr Menschen den Weg der Gerechtigkeit und der Liebe gehen, dann durchzieht eine Kette der Hoffnung unsere Welt. Gott geht voran und am Ende des Zuges. Gottes Heil wird in der Welt lebendig und heilt die offenen Wunden und tröstet die trauerden Herzen. Dann strahlt das Licht von der Krippe auf und wärmt, was kalt ist und starr. Und dann kann Frieden sein.

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