Osterbräuche – Osterhase

hasenfenster.jpgHeutzutage ist der Osterhase geradezu zum Symboltier für Ostern geworden. Bei den Kirchenvätern dagegen war der Hase verpönt. Seiner ausgedehnten Liebeswerbung und seiner Fruchtbarkeit wegen galt der Hase früher als Symbol der Sinnlichkeit.

Und doch kann man eine christliche Deutung des Osterhasen finden. Da der Hase keine Augenlider hat und mit offenen Augen schläft, ist er in der byzantinischen Tiersymbolik ein Symbol für Christus, der im Tod das Leben gebracht hat.

Im 17. Jahrhundert entstanden als Symbol für die Dreifaltigkeit Bilder, auf denen drei Hasen mit drei Ohren abgebildet sind, wobei jeweils zwei Hasen ein Ohr gemeinsam haben. Das bekannteste Beispiel für sein solches Dreihasenbild findet sich im Kreuzgang des Paderborner Doms.

Mehr aber ist der Hase wegen seiner starken Vermehrung mit bis zu 20 Jungen im Jahr ein Symbol der Fruchtbarkeit und der Zeugungskraft. Zudem verharren Hasen während der vorösterlichen Paarungszeit still auf einer Stelle, was zu der Vorstellung geführt haben könnte, dass sie dabei Eier legen. Allerdings hätte man solche Geschichten nie Landkindern erzählen können. Der Osterhase ist – ähnlich wie der Storch, der vermeintlich die Kinder bringt – eine städtische Erfindung.

Der Osterhasenbrauch entstand vor mehr als 300 Jahren in der Pfalz, dem Elsass und am Oberrhein. In einem Text aus dem Jahr 1682 heißt es: „In manchen Gegenden werden die Ostereier Haseneier genannt, nach der Fabel, die man den Naiveren und den Kindern einprägt, dass der Osterhase solche Eier lege und in den Gärten im Grase, in den Obststräuchern usw. verstecke, damit sie von den Knaben um so eifriger gesucht würden, zum Lachen und zur Freude der Älteren.”

Damit geht dieser Brauch auf den Erklärungsnotstand der Erwachsenen gegenüber den Kindern zurück. Denn die Hennen als Überbringer waren weniger glaubhaft als der Hase. Auch ist der Hase viel niedlicher als ein Huhn. So wurden die bunten Eier dem Osterhasen zugeschrieben, weil er viel flinker ist und die Hennen keine bunten, verzierten Eier legen konnten. Süßwarenindustrie, Kinderbücher und Postkarten machten den Kult des Osterhasen populär.

Während der Brauch des Osterhasen spätestens bis 1900 in den Städten verbreitet ist, ist er in den 1930er Jahren auch in alle ländlichen Gegenden gedrungen. Doch bei manchen Familien ist er bis heute verpönt. So heisst es in einem Spruch: „Die Mutter färbt die Eier, der Vater legt sie ins Gras. Dann meinen die dummen Kinder, das wär’ der Osterhas.” Mittlerweile gibt es, ähnlich der Aktion der „Weihnachtsmann freien Zone“, Bestrebungen, das christliche Symbol des Osterlammes gegenüber dem Osterhasen wieder stärker zur Geltung zu bringen. Was es mit dem Osterlamm auf sich hat, soll der nächste Artikel zeigen. 

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