Osterevangelium

Surrexit_1Die Frauen um Maria kamen dem Tagesanbruch zuvor, fanden den Stein vom Grabe weggewälzt, und sie hörten vom Engel: ihn, der wohnt in ewigem Lichte, was sucht ihr ihn bei den Toten wie einen Menschen? Seht doch die Leichentücher. Lauft und verkündet der Welt, dass erstanden ist der Herr, dass er getötet den Tod. Denn er ist der Sohn Gottes, der die Menschheit errettet.

Gebet der Ostkirche

Das Grab ist offen, leer, aber doch ist der Ort erfüllt von der frohen Botschaft: Christus lebt. Er ist auferstanden. Der Ort des Todes gibt Zeugnis vom Leben. Er, der tot ins Grab gelegt wurde, lebt wieder. Wie muss das damals gewesen sein. Nach der Verwirrung und Trauer des Karfreitags die neue Hoffnung des Ostermorgens! Den Frauen begegnet ein Engel – nach Lukas sind es sogar zwei, die den Frauen zurufen: „Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten!“ Dann begegnet ihnen auch Jesus selbst. So wird die Hoffnung zur Gewissheit, an der es keinen Zweifel mehr gibt. Jesus hat die Seinen nicht verlassen, sondern er bleibt bei ihnen, wie er es versprochen hat.

Frauen, deren Zeugnis in der damaligen Zeit praktisch nichts galt, macht der Herr zu den ersten Zeuginnen seiner Auferstehung. Wo aber sind die Zwölf? Schon sonderbar. Wenn wir in den Evangelien zwischen den Zeilen lesen, müssen wir wohl davon ausgehen, dass zumindest einige der Apostel aus Jerusalem geflohen sind in ihre Heimat Galiläa. Sie mussten damit rechnen, dass die jüdischen Anführer auch nach ihnen fahnden werden. Hätten sie sich in die Nähe des zudem noch bewachten Grabes begeben, hätte ihnen sicher eine Verhaftung gedroht.

Bei Lukas heißt es am Ende des Abschnitts über das leere Grab, dass Petrus nach dem Bericht der Frauen auch dorthin gegangen ist, aber außer dem leeren Grab nichts gesehen hat. Erst in Lk 24,24 sagt einer der Jünger: „Der Herr ist wirklich auferstanden und ist dem Simon erschienen.“ Bei Markus und Matthäus lesen wir, dass die Jünger nach Galiläa gehen sollen, wo sie den Auferstandenen sehen werden. Johannes berichtet von einer Erscheinung in Jerusalem, aber im Anhang zum Evangelium ist von einer Erscheinung am See von Tiberias die Rede. Gerhard Lohfink schreibt:

Wir können mit guten Gründen davon ausgehen: Petrus, der mit dem engeren Jüngerkreis nach Galiläa geflohen war, hatte dort eine Erscheinung des Auferstandenen. Diese zerstöre alle Zweifel und machte Petrus zu einem der ersten Osterzeugen. Offensichtlich gingen das hohe Ansehen und die führende Rolle des Petrus in der Urkirche unter anderem auf diese Erscheinung zurück. An die Erscheinung vor Petrus schlossen sich dann andere Erscheinungsphänomene an, auch in Jerusalem.

Warum aber verschweigt Lukas im Gegensatz zu seiner Vorlage bei Markus, die er sicher gekannt hat, die Erscheinung in Galiläa? Für ihn war Jerusalem von zentraler Bedeutung für Gottes Königsherrschaft. Jerusalem ist die Stadt der Könige und Propheten Israels und daher errichtet Gott hier seine Herrschaft durch die Inthronisation des Messias am Kreuz. Hier müssen sich alle wichtigen Ereignisse abspielen und wir werden dann ja auch sehen, wie nach der wohl sehr schnellen Rückkehr der Apostel hier an Pfingsten die Kirche als Volk Gottes entstanden ist.

Entscheidend ist, dass durch die Erscheinungen des Auferstandenen die Apostel in ihrem Glauben gefestigt wurden und durch die Kraft, die in diesen Begegnungen lag, bereit waren, zu Grundsteinen des neuen Gottesvolkes zu werden. Aus dieser Begegnung mit dem Auferstandenen haben seine Zeugen die Kraft, das Evangelium zu verkünden, bis heute. Paulus berichtet davon, wie sehr ihn die Begegnung mit dem Auferstandenen vor Damaskus verändert hat. Jesus begegnet den Menschen – auch heute!

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