Der Prophet Amos (3)

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Weh den Sorglosen auf dem Zion und den Selbstsicheren auf dem Berg von Samaria. Ihr liegt auf Betten aus Elfenbein und faulenzt auf euren Polstern. Zum Essen holt ihr euch Lämmer aus der Herde und Mastkälber aus dem Stall. (Am 6,1.4)

Trinken und Schmausen, dass sich die Tische biegen. Anschaulich schildert der Prophet Amos hier das Treiben der Oberschicht von Samaria und gibt uns damit zugleich eine Vorlage für das heutige Evangeliumvom reichen Mann und dem armen Lazarus (Lk 16). Dabei geht es nicht um eine Kritik des fröhlichen Feierns an sich. Das wollen weder Jesus noch der Prophet verbieten, vergleicht doch Jesus selbst oft das Reich Gottes mit einem Festmahl.

Der Prophet Amos und Jesus im Gleichnis, beide kritisieren die Ungerechtigkeit, die daraus resultiert, dass Menschen nur für sich Reichtümer anhäufen und nicht bereit sind, mit anderen zu teilen. Genau an diesem Punkt sind wir in unserer Gesellschaft auch heute wieder angekommen, und daher sind diese Worte, obwohl sie aus ferner Zeit stammen (der Prophet Amos lebte etwa vor 2750 Jahren), heute genau so aktuell wie damals.

Nicht jede Armut ist heilig, und nicht jeder Reichtum verbrecherisch. Luxus und Verschwendung aber machen den Reichtum verwerflich, ebenso wie Heiligkeit die Armut adelt. (Johannes Chrysostomus)

Es geht hier um die Gier, für sich möglichst viel herauszuholen, ohne Rücksicht auf andere. Das totale Streben nach absolutem Profit ohne Rücksicht auf Nachhaltigkeit und Folgeschäden. Wir erleben das heute wieder katastrophal in unserem allein auf Wachstum ausgelegten Wirtschaftssystem. Die Zahlen müssen stimmen, egal, ob dabei anderen Menschen, den entlassenen Arbeitnehmern hier oder den Armen in fernen Ländern, ihre Existenzgrundlage geraubt wird. Menschen werden von ihrem Land vertrieben, müssen unter menschenunwürdigen Bedingungen arbeiten und verdienen nicht einmal das zum Leben notwendige.

In diesen Kreislauf der Ungerechtigkeit sind wir alle verstrickt. Unsere Kleidung, unsere Nahrung, unsere technischen Geräte, es gibt kaum etwas, das ohne soziale Ungerechtigkeit produziert wird. Denken wir daran, dass unsere von der Werbung angetriebene Schnäppchenjagd und der Wunsch, immer mehr immer billiger zu kaufen nur zu Lasten anderer Menschen gehen kann?

Bei uns heute sind es nicht die Tische, die sich unter den feinen Speisen biegen, die Symbol für unseren Reichtum sind. Vielleicht kennen sie den modernen Begriff des ökologischen Fußabdrucks, der anzeigt, wie stark wir die Erde zertrampeln und anderen den Platz zum Leben rauben.

Wenn auch der arme Lazarus heute nicht mehr sichtbar vor unserer Türe liegt, so gibt es ihn doch, in Afrika, Asien oder sonst wo. Wir alle sind der Reiche im Evangelium. Da hilft es nicht viel, wenn wir nur das eine oder andere Produkt bio oder fair kaufen oder einige Euro spenden. Als Christen müssen wir anfangen, uns radikal gegen das sich immer stärker etablierende System globaler Ausbeutung zu stellen. Der Prophet Amos und Jesus stellen uns klar vor Augen was geschieht, wenn wir hier unserer Verantwortung nicht gerecht werden.

Der Prophet Amos (2)

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Wir wollen mit Geld die Hilflosen kaufen, für ein paar Sandalen die Armen. Sogar den Abfall des Getreides machen wir zu Geld. (Am 8,6)

Sind die Worte des Propheten Amos nicht heute genauso aktuell wie damals? Meint man nicht auch heute, aus allem Geld machen zu müssen? Was keinen Profit einbringt, zählt nichts. Und billig muss es sein. Unsere Kleidung und andere Güter werden in fernen Ländern für einen Hungerlohn produziert. Menschen und Umwelt werden gnadenlos ausgebeutet.
Doch wir vergessen die Folgen unseres Tuns. Damals wurde wenige Jahre nach dem Auftreten des Amos das Nordreich von den Assyrern erobert und verschwand für immer von der Landkarte. Bei uns merken wir nun langsam, aber mit deutlich zunehmender Geschwindigkeit, dass die Probleme, die wir weit in der Ferne wähnten, plötzlich bis an unsere Haustüre gekommen sind.
Doch Panikmache und Stammtischparolen nützen hier wenig. Es gibt positive Ansätze, die weiterverfolgt werden müssen. Es gilt, mit Vertrauen in die Zukunft zu blicken und die nötigen Schritte zu erkennen und dann auch bereit zu sein, diese zu tun. Das Buch Amos endet nicht mit düsteren Weissagungen, sondern mit einem Heilswort. Vertrauen wir darauf, dass dieses Heil auch unserem Haus Europa gilt, wenn wir unser Verhalten ändern und wieder mehr auf das Wohl von Mensch und Umwelt achten, auf Recht und Gerechtigkeit sehen, anstatt auf Reichtum und Profit.

An jenem Tag richte ich die zerfallene Hütte Davids wieder auf und bessere ihre Risse aus, ich richte ihre Trümmer auf und stelle alles wieder her wie in den Tagen der Vorzeit. Seht, es kommen Tage – Spruch des Herrn -, da folgt der Pflüger dem Schnitter auf dem Fuß und der Keltertreter dem Sämann; da triefen die Berge von Wein und alle Hügel fließen über. Und ich pflanze sie ein in ihrem Land und nie mehr werden sie ausgerissen aus ihrem Land, das ich ihnen gegeben habe, spricht der Herr, dein Gott. (Am 9,11.13.15)

Der Prophet Amos (1)

Amos

Die Worte, die Amos, ein Schafzüchter aus Tekoa, in Visionen über Israel gehört hat, in der Zeit, als Usija König von Juda und Jerobeam, der Sohn des Joasch, König von Israel waren, zwei Jahre vor dem Erdbeben. (Am 1,1)

Der Prophet Amos wirkte um das Jahr 750 im Nordreich Israel und ist der älteste Prophet, von dem uns ein eigenes Buch überliefert ist. Von seiner Herkunft her stammt Amos aber aus dem Südreich Juda. Er bezeichnet sich als Schafzüchter aus Tekoa, also nicht als Propheten. Dennoch weiß er sich von Gott von Gott berufen, sein Wort zu verkünden.

Ich bin kein Prophet und kein Prophetenschüler, sondern ich bin ein Viehzüchter und ich ziehe Maulbeerfeigen. Aber der Herr hat mich von meiner Herde weggeholt und zu mir gesagt: Geh und rede als Prophet zu meinem Volk Israel! (Am 7,14-15)

Amos tritt als Kritiker an einer Gesellschaft auf, in der es an Gerechtigkeit fehlt, das Recht des Stärkeren zählt und die Reichen die Armen unterdrücken. Nach dem Tod König Salomos wurde Israel in das Südreich Juda und das Nordreich Israel geteilt. Beide litten unter den Angriffen ihrer Nachbarvölker. Unter Jerobeam II. aber kam es im Nordreich nach einer langen Periode kriegerischer Auseinandersetzungen wieder zu Ruhe, Frieden und wirtschaftlichem Aufschwung. Doch davon profitierte nur eine kleine Oberschicht. Die einfache Bevölkerung geriet immer mehr in Armut und Abhängigkeit. Die Reichen verstanden es, sich durch ungerechte Machenschaften immer mehr zu bereichern.
Gott wird in den Reichsheiligtümern, allen voran Bet-El, mit einem pompösen Kult verehrt. Doch feiert die Oberschicht nicht einfach nur sich selbst durch diesen Kult? Die staatlich angestellten Hofpropheten tun ihr Übriges dazu, dass sich die Reichen im Recht sehen und ob ihres Reichtums in besonderem Maße als von Gott auserwählt wähnen. Aber sie denken nicht an die Verantwortung, die der Reichtum mit sich bringt, und streben nur danach, sich immer mehr zu bereichern.
Da tritt der Prophet Amos als Störenfried auf. Er ruft seine Worte einer Gesellschaft zu, die meint in höchster Blüte zu stehen und nicht merkt, dass sie fast tot ist. Einer seiner markantesten Sprüche lautet:

Sucht das Gute, dann werdet ihr leben! (Am 5,14)

Aber wir leben doch und das nicht schlecht, werden viele bei diesen Worten gedacht haben. Und überhaupt: was will dieser Fremde aus dem Südreich Juda hier bei uns? Er soll doch wieder nach Hause gehen.
Doch Amos bleibt. Er weiß sich von Gott als Prophet berufen. Er hat seine Heimat, seine Herde und seine Maulbeerfeigen verlassen. Er folgt dem Auftrag Gottes: „Geh und rede als Prophet zu meinem Volk Israel!“ Er ist frei und braucht in seinen Reden auf niemand Rücksicht zu nehmen. Er gehört nicht zu den Hofpropheten, die nur gefällige Sprüche sprechen dürfen, weil sie sonst um ihr Einkommen fürchten müssten.
Er verkündet den Ruf Gottes nach Gerechtigkeit. Gott verabscheut die pompösen Gottesdienste, die fetten Opfer und den Lärm der Lieder, weil er nicht mit dem Leben zusammengeht. Es nützt nichts, auf der einen Seite Gottesdienst zu feiern und dann hinauszugehen und Unrecht zu begehen. Leben und Gottesdienst müssen in Einklang zueinander stehen. Das Unrecht macht das Land kaputt. Mag es auch Reichtum bringen, am Ende bringt es den Tod. Nur die Gerechtigkeit bringt Leben.

Prophet Sacharja (2)

Sacharja_Durchbohrt

War im ersten Teil des Buches Sacharia euphorisch von der Rettung Judas und Jerusalems unter der Führung der beiden Heilsgestalten, dem Hohenpriester Jeschua und dem Davidspross Serubbabel, die Rede, die treu den Willen Gottes erfüllen, so ist nun eine andere Zeit angebrochen. Es sind Herrscher aufgetreten, die sich nicht um das Wohl des Volkes kümmern, sondern wie schlechte Hirten sich nur am Fleisch der Herde sattessen wollen.

Zugleich aber verheißt Sacharja in Sach 9,9 das Kommen eines Friedenskönigs. Doch erst einmal herrscht Krieg. Wir erkennen die Ursache dieses Krieges in der Verwerfung Gottes durch die treulosen Hirten. Jerusalem aber wird siegreich aus diesem Kampf hervorgehen. Im Volk werden Helden erstehen, die siegreich kämpfen. Dann spricht der Prophet mitten in dieses Bild des Gemetzels die Worte:

An jenem Tag werde ich danach trachten, alle Völker zu vernichten, die gegen Jerusalem anrücken. Doch über das Haus David und über die Einwohner Jerusalems werde ich den Geist des Mitleids und des Gebets ausgießen. Und sie werden auf den blicken, den sie durchbohrt haben. Sie werden um ihn klagen, wie man um den einzigen Sohn klagt; sie werden bitter um ihn weinen, wie man um den Erstgeborenen weint. (Sach 12,9-10)

Es ist, als würde plötzlich der Kriegslärm schweigen und Stille das geschundene Land überziehen. Gottes Geist, der einst über den Wassern der Urflut schwebte, kommt über das Land. Den Menschen wird ihr Trug und ihre Eitelkeit bewusst und sie blicken auf das Zeichen des Durchbohrten, das mitten unter ihnen steht.

Sie werden auf den schauen, den sie durchbohrt haben.

Im Johannesevangelium (Joh 19,37) und in der Offenbarung des Johannes (Offb 1,7) wird dieses Wort eindeutig auf Jesus Christus bezogen, der am Kreuz gestorben ist. Das Volk Gottes hat in seiner Verblendung seinen Gott gekreuzigt, der gekommen ist, ihm das Heil zu bringen. Sie aber wollten mit ihren eigenen Waffen kämpfen und siegreich sein. Ihr falscher Eifer für das Gesetz, ihr falscher Stolz auf ihren Glauben hat sie blind gemacht. Nun aber weht Gottes Geist über das Todesfeld der Geschlagenen und öffnet ihnen die Augen.

Sie klagen und weinen und Gott vergibt ihnen die Schuld. Sie kehren um, schaffen alles Unreine und alle Lüge weg aus ihrer Mitte. Doch es gilt auch jedes Wort des Propheten:

 

„Sie werden auf den schauen, den sie durchbohrt haben“ – mit diesen Worten beschließt der Evangelist Johannes seine Darstellung der Passion des Herrn; mit diesen Worten eröffnet er die Christusvision im letzten Buch des Neuen Testamens, das wir „Geheime Offenbarung“ zu benennen pflegen. Zwischen der zweimaligen Anführung dieses prophetischen Wortes aus dem Alten Bund liegt die ganze Geschichte ausgespannt: zwischen Kreuzigung und Wiederkunft des Herrn; in diesem Wort ist ebenso die Rede von der Erniedrigung dessen, der wie ein Verbrecher am Galgen starb, wie von der Macht dessen, der kommen wird, die Welt zu richten – auch unser Richter.

„Sie werden auf den schauen, den sie durchbohrt haben“ – das ganze Johannesevangelium ist im Grunde nichts anderes als der Vollzug dieses Wortes, nichts anderes als das Bemühen, unsere Augen und unser Herz zu sammeln in den Blick auf ihn hin. Und die ganze Liturgie der Kirche ist nichts anderes als das Schauen auf den Durchbohrten, dessen verhülltes Antlitz der Priester auf dem Höhepunkt des Kirchenjahres, in der gottesdienstlichen Feier des Karfreitags, den Augen der Kirche und der Welt enthüllt: „Seht, das Holz des Kreuzes, an dem das Heil der Welt gehangen!“

„Sie werden auf den schauen, den sie durchbohrt haben“ – Herr, gibt uns, in dieser Stunde auf dich zu schauen, in der Stunde deiner Verborgenheit und Erniedrigung durch eine Welt, die das Kreuz als ärgerlichen Unfall übergehen will, die sich deinem Blick entzieht, ihn als unnütze Zeitvergeudung ansieht und nicht weiß, dass sie eben darin deiner Stunde entgegengeht, in der sich niemand deinem Blick wird entziehen können. (Benedikt XVI.)

An jenem Tag wird für das Haus David und für die Einwohner Jerusalems eine Quelle fließen zur Reinigung von Sünde und Unreinheit. (Sach 13,1)

Trauer und Schmerzen – das Herz ist verwundet, zerrissen. Jeder Mensch sehnt sich nach Liebe, doch wie oft wird diese Sehnsucht enttäuscht, zerbricht der kostbare Schatz in unseren Händen oder wird gar achtlos beiseite geworfen.

Die Sehnsucht nach Liebe durchzieht die Generationen des Menschengeschlechtes. Der Schrei nach Liebe hallt wider auf allen Plätzen dieser Erde und Schmerzensblut tropft auf unsere Straßen.

Woher kommt Rettung, woher Heilung für die gebrochenen Herzen, die so oft enttäuscht worden sind, und von einer Bitternis durch eine kurze Freude in die nächste Bitternis fallen? Ist es das Los des Menschengeschlechts, dass der Ruf nach Liebe ungehört verhallt?

Es gibt eine Quelle des Trostes, es gibt Heilung für die wunden Herzen. Kein einfaches Pflaster, keine schnellwirkende Medizin, keine billigen Pillen, aber etwas, das doch bei kontinuierlicher Anwendung heilsam wirkt.

Wir können unsere Herzen heilen im Licht der Liebe Gottes. Jesus Christus hat selbst den Schmerz in seinem Herzen empfunden. Aus Liebe hat er sein Herz durchbohren lassen. Aus seinem geöffneten Herzen fließt der Strom der göttlichen Liebe in diese Welt.

Blicken wir auf das aus Liebe durchbohrte Herz des Herrn. Lassen wir uns füllen von Gottes grenzenloser Liebe. Sie ist reichlich für alle da. Treten wir hinzu zum Quell der Liebe und tanken wir diese Liebe in unseren Herzen, damit unsere Wunden heilen und wir mit einem Herzen voller Liebe durch diese Welt gehen.

Indem wir auf Christus schauen, wissen wir uns zugleich von ihm selbst angeschaut. Er, den wir mit unserer Schuld durchbohrt haben, wird nicht müde, über uns den unerschöpflichen Strom seiner barmherzigen Liebe auszugießen. Möge die Menschheit erfassen, dass nur von dieser Quelle aus es möglich ist, die notwendige spirituelle Energie zu erlangen, um jenen Frieden und jenes Glück zu bauen, die Ziel der Sehnsucht aller Menschen sind. (Benedikt XVI.)

Prophet Sacharja (1)

Sacharja_Prophet

Im zweiten Jahr des Darius erging im achten Monat das Wort des Herrn an den Propheten Sacharja, den Sohn Berechjas, des Sohnes Iddos. (Sach 1,1)

Der Prophet Sacharja („JHWH hat sich erinnert“) hat in der Zeit um 518 v.Chr. gewirkt, nur wenig später als der Prophet Haggai. Er wird auch in anderen biblischen Büchern erwähnt (vgl. Esra 5,1; Neh 12,16). Nach Nehemia 12,16 war Sacharja Priester. Er wurde in Babylon geboren und war mit seinem Großvater Iddo in der ersten Gruppe der Exilanten, die nach dem Befreiungsedikt des Perserkönigs Kyros unter der Führung von Serubbabel und Jeschua nach Jerusalem zurückkehrten.

Das Buch Sacharja ist Teil des Zwölfprophetenbuches. Es lässt sich in zwei Teile gliedern, wobei wohl nur der erste Teil, der die Kapitel 1 bis 8 umfasst, direkt auf den Propheten zurückgeht. Der zweite Teil, der die Kapitel 9 bis 14 umfasst, ist später (wahrscheinlich im 4. Jhd. v.Chr.) entstanden und wurde im Nachhinein dem Propheten zugeschrieben.

Die Zeit des Propheten ist geprägt vom Wiederaufbau der jüdischen Herrschaft im Land Israel nach der Rückkehr aus dem babylonischen Exil. Das Volk ist bedroht von äußeren Feinden, aber auch von inneren Auseinandersetzungen, die Worte des Propheten sollen Mut machen. In der Gestalt des Hohenpriesters Jeschua und des davidischen Herrschers Serubbabel sieht er die Heilsgestalten seiner Zeit, die für ihn zugleich Endzeit ist. Das Eintreffen von Gottes Heil steht nahe bevor. Serubbabel ist der letzte im Alten Testament erwähnte Herrscher aus dem Haus David.

Das Buch Sacharja enthält zahlreiche Hinweise auf den Messias, die in den Evangelien auf Christus gedeutet werden. Sach 9,9 prophezeit den Einzug Jesu in Jerusalem auf einem Esel, Sach 11,12-13 den Verrat durch Judas für 30 Silberstücke, Sach 12,10 die Durchbohrung der Seite des am Kreuz erhöhten Messias, Sach 13,7 die Zerstreuung der Jünger nach der Verhaftung Jesu, Sach 14,6-7 die Sonnenfinsternis in der Todesstunde Jesu. Der letzte Vers des Buches, Sach 14,21, wird auf die Tempelreinigung hin gedeutet. Die endzeitliche Schlacht in Harmagedon (Offb 16,16) leitet sich ab von der in Sach 12,11 erwähnten Totenklage in der Ebene von Megiddo.

Die Visionen erhält Sacharja nicht immer unmittelbar von Gott, sondern es tritt ein Engel auf, der ihm das Geschaute deutet. Damit kündigt sich die Wende von der Prophetie zur Apokalyptik an und wir können Ähnlichkeiten zum Buch Daniel und zur Offenbarung des Johannes feststellen. Die Texte im zweiten Teil des Buches sehen das Heil erst nach einer Eroberung Jerusalems durch die Feinde. Vor der Heilszeit steht die Notwendigkeit des Leidens. Am Ende des Buches steht die Vision vom Tag des Herrn.