Aloisius von Gonzaga (2)

Aloisius wird oft sehr süßlich dargestellt. Viele heute können mir solchen Bildern nichts mehr anfangen. Auch seine Frömmigkeit, die in Fasten und Beten bestand und seine Scheu vor dem weiblichen Geschlecht, die dazu führte, dass er keine Frau anblickte und mit keiner Frau – nicht einmal seiner Mutter – alleine in einem Zimmer sein wollte, sind vielen heute fremd. Und doch bietet sein Leben eine Alternative zu unserer freizügigen Gesellschaft heute. Und die Umgebung des Aloisius damals war unserer heutigen Spaßgesellschaft so unähnlich nicht. Wenn er gewollt hätte, so hätte Aloisius sich auf alle mögliche Weise vergnügen können, allein, er wollte es nicht. Nicht Schüchternheit oder eine psychische Störung standen hinter dieser Einstellung des Aloisius, sondern die klare Einsicht, dass es etwas Schöneres gibt als alle Vergnügungen der Welt zusammen: die Gemeinschaft mit Jesus Christus. Die Krönung seines Lebenswerkes ist die selbstlose Hingabe an die Pestkranken. Hier zeigt sich seine Liebe zu den Menschen, die uns letztlich die Liebe Jesu Christi offenbart. Darum dürfen wir uns auch heute vertrauensvoll an den heiligen Aloisius wenden und sicher sein, dass er uns versteht, auch wenn wir vielleicht in vielem nicht so konsequent leben können wie er. Dieses Vertrauen kommt sehr schön in einem Gebet eines Jesuiten zum Ausdruck, dass ich hier aus dem Englischen übersetzt habe.

Aloisius, du hast mich zu dir gezogen,

sanfter Lehrer, liebvoller Führer.

Ich bin voller Dankbarkeit zu dir, ich liebe dich.

Allein dich zu sehen, vor deinem Bild zu sitzen,

zeigt mir alle Einfachheit, alles Vertrauen,

alle Unschuld der Kinder des Himmelreichs.

Aloisius, lass mich den Menschen dienen,

lass mich sie lieben, wie du sie geliebt hast.

Lehre mich, die dunklen und zerstörerischen Kräfte

zu verlassen und mich hinzuwenden zu dem Licht

der Gegenwart unseres Erlösers Jesus Christus.

Aloisius, lehre mich unablässig zu beten,

bete mit mir, sitze bei mir,

knie neben mir, nimm meine Hand.

Und wenn mein Leben hier zu Ende geht,

komm und führe mich heim.

Amen.

Aloisius von Gonzaga (1)

Aloisius wurde am 9. März 1568 als ältester Sohn und Erbe des mächtigen Markgrafen von Castiglione geboren. Schon im Kindesalter wurde er von seinem Vater zu Truppeninspektionen mitgenommen und fand Gefallen am höfischen Leben. Doch eine schwere Malariaerkrankung machte den Jungen nachdenklich und er begann, sich mehr seiner Mutter und deren religiöser Erziehung zuzuwenden.

Aloisius reifte schnell heran und zeigte bereits als Kind eine große geistige Begabung. Im Alter von acht Jahren kam er zusammen mit seinem Bruder an den Hof der Medici von Florenz, damals einem der schillerndsten Fürstenhöfe Europas. Eine steile Karriere lag vor ihm. In Florenz und später am Hof Philipps II. in Madrid erlernte er die Kunst des höfischen Lebens, lernte aber auch dessen Schattenseiten kennen, die sich in Verrat und Intrigen zeigten.

Neben seiner weltlichen Erziehung bemühte sich Aloisius um ein reges geistliches Leben. 1578, im Alter von zehn Jahren, gelobte er ewige Keuschheit und versprach, dass er Gott niemals durch eine Sünde beleidigen werde. Mit zwölf Jahren begann er, verschiedene Heiligenleben und die “Summa doctrinae christianae” des Petrus Canisius zu studieren. Die täglichen Meditationen, die dieser Katechismus enthielt, sollte Aloisius fortan für seine Gebete verwenden. In dieser Zeit begegnete er Karl Borromäus, dem Erzbischof von Mailand, der ihn auf die Erstkommunion vorbereitete. Nun erwachte in dem jungen Mann eine starke eucharistische Frömmigkeit, er freute sich auf die damals übliche wöchentliche Kommunion, fastete drei Tage in der Woche, meditierte am Morgen und am Abend, und ging, wann immer möglich, täglich zur heiligen Messe.

Man bedenke, dass Aloisius weiterhin umgeben war von dem höfischen Treiben, das mit Prunk, Maskenbällen und rauschenden Festen zelebriert wurde. Inmitten dieser Welt lebt Aloisius seine keusche Frömmigkeit. Gott kann überall Heilige entstehen lassen, auch inmitten der höfischen Welt der Renaissance. Schließlich reifte in Aloisius der Entschluss, in den Jesuitenorden einzutreten. Sein Beichtvater forderte ihn auf, dafür die Zustimmung seines Vaters einzuholen. Das sollte sich als große Hürde erweisen.

Aloisius stieg in den weltlichen Ämtern immer weiter auf, sein Vater war stolz auf seinen talentierten Sohn und sah ihn schon als seinen Nachfolger. Er wollte nichts wissen von den geistlichen Plänen seines Sohnes, sah nicht dessen innere Zerrissenheit. Denn je höher Aloisius in seiner weltlichen Karriere aufstieg, desto mehr stieß ihn dieses Leben ab. Doch schließlich gab der Vater nach. 1585 verzichtete Aloisius zugunsten seines Bruders auf das Erbe und trat in das Noviziat der Gesellschaft Jesu ein.

„Es ist besser, Gott zu dienen, als die ganze Welt zu beherrschen.“

Als junger Jesuit kam Aloisius zum Studium nach Rom. Für eine gewisse Zeit kehrte er in sein Elternhaus zurück, um dort erfolgreich bei Familienstreitigkeiten zu schlichten. Als die Stadt Rom 1591 von Hungersnot und Pest heimgesucht wurde, widmete er sich aufopfernd der Pflege der Kranken. Er bettelte um Almosen für die Bedürftigen und sorgte persönlich für die Kranken, die er in den Straßen aufsammelte. Schließlich erkrankte er selbst an der Pest und starb nach Empfang der heiligen Kommunion am 21. Juni 1591 mit nur 23 Jahren.

Seine sterblichen Überreste ruhen in der Kirche St. Ignatius in Rom. Aloisius wurde 1726 von Papst Benedikt XIII. heiliggesprochen. Er ist der Patron der studierenden Jugend und in jüngster Zeit auch derjenigen, die AIDS-Kranke pflegen, sowie der AIDS-Kranken.

Gervasius und Protasius

In Paris, nahe dem Zentrum der Stadt, erhebt sich eine mächtige Kirche, die den Märtyrern Gervasius und Protasius geweiht ist und auch andernorts finden diese Heiligen bis heute Verehrung. Wenn wir aber nach historischen Fakten über ihr Leben suchen, stoßen wir bald an Grenzen, denn so richtig ans Licht der Öffentlichkeit kommen sie erst, als Ambrosius von Mailand am 17. Juni 386 ihre Gebeine findet.

Gervasius und Protasius waren Zwillingsbrüder und Kinder des heiligen Märtyrerehepaares Vitalis und Valeria. Sie stammten aus Mailand. Dort haben sie sich dem heiligen Nazarius angeschlossen, einem frühen Glaubensboten. Dessen Mutter war die heilige Felicitas, die selbst vom Apostel Petrus in Rom getauft worden war. Nazarius soll die Taufe von Linus, dem ersten Nachfolger Petri im Papstamt, empfangen haben.

Dieser Nazarius, der später selbst als Märtyrer gestorben ist, kam von Rom nach Mailand und ist später nach Trier weitergezogen, um den Glauben an Jesus Christus zu verkünden. Gervasius und Protasius verteilten ihr Vermögen an die Armen und schlossen sich dem Glaubensboten an.

Als die Römer gegen germanische Stämme in den Krieg zogen, sollten das Volk und die Soldaten den Göttern opfern. Als die Christen dieses Opfer verweigerten, sah man das Kriegsglück gefährdet. Nach der Legenda Aurea trat Protasius hervor und rechtfertigte das Verhalten der Christen. Ohne Furcht trat er dem römischen Beamten entgegen. Nicht die Christen hätten Furcht vor den Todesdrohungen, sondern vielmehr seien die Heiden von Furcht ergriffen:

„Ihr fürchtet uns, da ihr glaubt, es geschehe euch ein Leid, wenn wir euren Göttern nicht opfern. Wenn ihr nicht fürchten würdet, dass euch ein Unheil von uns droht, würdet ihr uns nicht zwingen, euren Göttern zu opfern.“

Ist es nicht zu allen Zeiten diese Furcht, dass Abweichler die Macht der Götter schwächen würden, die zu blutigen Verfolgungen führt? Wenn aber die Macht der Götter von der Kraft der Menschen abhängig gemacht wird, so wird dadurch umso mehr ihre Machtlosigkeit offenbar. Protasius sagt mit Recht zu dem heidnischen Beamten:

„Ich zürne nicht wieder dich, Fürst, sondern ich sehe, wie du so blind bist in deinem Herzen, und du tust mir leid, weil du nicht weißt, was du tust. Doch ich bitte dich, vollbringe an mir, was du angefangen hast, damit mir heute zusammen mit meinem Bruder die Gnade des Herrn zu teil werde.“

Die heiligen Märtyrer wissen um die Macht Gottes, die stärker ist als menschliche Gewalt. Sie folgen ihrem Heiland, der von Menschenhand gemartert den Tod erlitt und der als erster vorangegangen ist zum Leben der ewigen Seligkeit. Unter Kaiser Nero um das Jahr 60 erlitten Gervasius und Protasius, wie zuvor schon ihre Eltern Vitalis und Valeria, das Martyrium.

Soweit der Versuch einer kurzen Lebensbeschreibung. Verwirrung kommt aber auf, wenn man aus späteren Berichten vernimmt, dass Gervasius und Protasius ebenso wie Nazarius erst um das Jahr 300 unter Kaiser Diokletian das Martyrium erlitten haben sollen. Gestützt werden diese Berichte noch dadurch, dass ihr Martyrium bei der Suche nach ihren Gebeinen im Jahr 386 noch in lebhafter Erinnerung beim christlichen Volk gewesen sein soll.

Wie dem auch sei, als Ambrosius auf Grund einer Vision nach den Leibern der Heiligen suchen ließ, fand man sie „obgleich mehr denn dreihundert Jahre verflossen waren, noch so frisch, als ob sie zur selbigen Stunde erst in den Sarg gelegt worden wären, und ein wunderbar edler Geruch verbreitete sich aus ihrem Grab“ (Legenda Aurea). Ambrosius selbst schreibt darüber:

„Es wurden zwei Männer von wunderbarer Größe gefunden gemäß dem Kraftmaß früherer Zeiten. Alle Körperteile waren noch vollständig erhalten; dazu viel Blut. Da hielten wir Nachtwache bis an den Morgen und legten vielen die Hände auf. Am folgenden Tag überführten wir die Gebeine in die neue Kirche, und als wir sie überführten, wurde ein Blinder geheilt.“

Die Auffindung und Übertragung der Gebeine der beiden Märtyrer war ein Triumph nicht nur für den katholischen Glauben, sondern auch für Ambrosius, der damals in seiner Bischofsstadt arg bedrängt wurde. Die Arianer, eine christliche Glaubensgemeinschaft, die damals im Kaiserhaus einen starken Rückhalt hatte, beanspruchte die christlichen Kirchen für sich und Ambrosius hatte sie nur mit großer Mühe verteidigen können. Nun konnte Ambrosius dem Volk zeigen, welche christliche Glaubensrichtung die richtige ist.

Für Mailand war es ein großes Ereignis, dass dort nun die Gebeine eigener Märtyrer verehrt werden konnten. Mit der Übertragung ihrer Gebeine in die von Athanasius neu errichtete Märtyrerbasilika wurde diese Verehrung in geordnete kirchliche Bahnen gelenkt. Mit Märtyrern aus der Zeit der ersten Christenverfolgung unter Kaiser Nero konnte man zudem auf eine ebenso lange Tradition des Christentums in Mailand hinweisen, wie sie die Stadt Rom für sich beanspruchte.

Hören wir zum Abschluss den Bericht des heiligen Augustinus über diese Ereignisse, der sich damals in Mailand aufhielt und später in seinen „Confessiones“ davon schreibt:

„Damals hast du demselben Bischof (Ambrosius) in einer Vision kundgetan, an welcher Stätte die Leiber der Blutzeugen Protasius und Gervasius verborgen sind. So lange Jahre hattest Du sie unversehrt aufbewahrt in einer Schatzkammer, die dein Geheimnis war, um sie daraus zur rechten Zeit hervorzuholen, damit dem Wüten eines Weibes, das aber Kaiserin war, Einhalt geschähe. Denn als sie nach ihrer Entdeckung und Ausgrabung mit gebührenden Ehren in die Basilika des Ambrosius übertragen wurden, geschahen an Menschen, die von unreinen Geistern gequält waren, Heilungen, die von diesen Dämonen selbst zugegeben wurden, aber auch ein in der ganzen Stadt bekannter Bürger, seit Jahren blind, der die Ursache des stürmischen Jubels im Volk erfragt hatte, sprang auf und bat seine Führer, ihn dorthin zu bringen. Das geschah, und er setzte es durch, dass er mit einem Schweißtuch den heiligen Schatz berühren durfte, den Leib deiner Heiligen, deren Tod so kostbar ist in deinen Augen. So tat er, brachte das Tuch an seine Augen, und alsbald wurden sie sehend. Das sprach sich weit herum, das erweckte dir feurige, strahlende Lobgesänge, das brachte die Seele jenes feindseligen Weibes zwar nicht zum Heil des Glaubens, aber es bändigte doch ihre Wut, uns zu verfolgen. Dank sei Dir, mein Gott! Woher und wohin nun hast du mein Erinnern geleitet, dass ich auch dieses dir bekenne, so Großes, das ich doch vergessen und achtlos übergangen hatte?“

Dankbarkeit

Liebe erweisen, das bedeutet auch dankbar sein für das, was wir geschenkt bekommen, von Gott und den Menschen. Es ist nicht selbstverständlich, dass uns so vieles oft ganz unverdient zu Teil wird. Es war auch ein Zeichen der Dankbarkeit, dass die Frau Jesus die Füße gewaschen hat, da sie wusste, dass er ihr Vergebung schenken wird, obwohl sie es nicht verdient hatte und es sich mit nichts auf der Welt hätte erwerben können. Über die Dankbarkeit sagt Thomas Merton:

„Unsere Gotteserkenntnis vollendet sich in der Danksagung: Unser Herz ist mit Dank erfüllt und wir frohlocken im Bewusstsein der Wahrheit, dass er die Liebe ist.

Zwischen Dankbarkeit und Undankbarkeit gibt es keine neutrale Zone. Wer nicht dankbar ist, findet bald Gelegenheit, sich über alles zu beklagen. Wer nicht liebt, hasst. Im geistlichen Leben gibt es so etwas wie Gleichgültigkeit gegenüber Liebe und Hass nicht. Deshalb erregt die Lauheit, die sich als Gleichgültigkeit gibt, solchen Abscheu. Im Grunde handelt es sich hier um Hass, der die Maske der Liebe trägt.

Die Lauheit, in der das Herz weder „heiß noch kalt“ ist – in der das Herz weder offen liebt noch hasst -, ist ein Zustand, in dem der Mensch Gott und seinen Willen weit von sich weist, während er die Täuschung einer äußerlichen Fassade, Gott zu lieben, noch aufrecht hält, um allen Komplikationen aus dem Weg zu gehen und die Achtung vor sich selbst nicht zu verlieren.

Es handelt sich hier um einen Zustand, dem vor allem diejenigen leicht zum Opfer fallen, die Gottes Gnaden für eine Selbstverständlichkeit halten und als lauter Gewohnheit undankbar sind. Ein Mensch, der wirklich auf Gottes Gutsein eingeht und sich für alles, was er empfängt, dankbar erweist, kann unmöglich ein lauer Christ sein.

Dankbarkeit bedeutet mehr als eine reine Gedächtnisstütze, mehr als eine bloße Floskel. Wir dürfen uns nicht damit zufrieden geben, das, was Gott uns getan hat, leichthin in unserem Gedächtnis zu „registrieren“, um ihm dann einmal so nebenbei für die Güte, die er uns erwiesen hat, zu danken!

Dankbar sein bedeutet, Gottes Liebe in allem, was er uns gegeben hat, zu erkennen – und er hat uns wahrlich alles gegeben. Jeder Atemzug, den wir tun, ist ein Geschenk seiner Liebe; jede Sekunde unseres Menschseins ist eine Gnade; denn sie birgt eine Fülle kostbarer Gnaden.

Aus diesem Grund findet die Dankbarkeit nichts selbstverständlich. Deshalb lässt sie auch die Gnaden nicht ohne Antwort und erwacht immer wieder zu neuem Staunen und Lobpreis im Anblick des göttlichen Gutseins. Der dankbare Mensch weiß nicht vom Hörensagen, sondern aus eigener Erfahrung, dass Gott gut ist. Das macht den wesentlichen Unterschied aus.“

Erfahre ich mich von Gott unendlich reich beschenkt? Was sind solche Geschenke von Gott – ganz konkret? Wo zeige ich Gott meine Dankbarkeit, wo erweise ich viel Liebe, weil mir viel vergeben, viel geschenkt wurde?

Das Beispiel des Abbas Agathon

Von Abbas Agathon sind zwei Apophthegmata überliefert, die mich sehr beeindruckt haben, und die uns eine gute Hilfe dabei sein können, darüber nachzudenken, wie Liebe konkret werden kann.

Altvater Agathon aber sagte: „Wenn es sich machen ließe, dass ich einen Aussätzigen fände und ihm meinen Leib geben könnte, um dafür den seinen zu erhalten, ich täte es gern. Das nämlich ist vollendete Liebe.”

Abbas Agathon sollte eine Gelegenheit bekommen, um zu zeigen, dass dies nicht nur fromme Worte sind, sondern dass er sie durchaus auch bereit war, in die Tat umzusetzen:

Als einmal der Altvater Agathon in eine Stadt kam, um kleine Gefäße zu verkaufen, fand er neben dem Weg einen Aussätzigen. Der frage ihn, wohin er gehe. Altvater Agathon antwortete: „In die Stadt, um Gefäße zu verkaufen.“ Da sprach er zu ihm: „Tu mir die Liebe und bring mich dorthin.“ So nahm er ihn auf und trug ihn in die Stadt.

Der Aussätzige sagte: „Da, wo du deine Gefäße verkaufst, da lege mich hin.“ Und Agathon tat so. Nachdem er ein Gefäß verkauft hatte, fragte ihn der Leprose: „Um wieviel hast du es verkauft?“ Er antwortete: „Um soundsoviel …“ Und der Leprose bat ihn: „Kaufe mir einen Kuchen!“ Er kaufte ihn. Und wiederum verkaufte Agathon ein Gefäß, und der andere fragte: „Um wieviel das?“ – „Um soviel …“ Und er sprach zu ihm: „Kaufe mir das …“ Und er kaufte es.

Nachdem er alle Gefäße verkauft hatte und heimkehren wollte, sagte der Kranke zu ihm: „Du gehst?“ Er antwortete: „Ja.“ Da sprach er zu ihm: „Tu mir den Gefallen und bringe mich wieder dahin, wo du mich fandest.“ Agathon nahm ihn auf die Schulter und brachte ihn an seinen Ort. Der Aussätzige aber sprach: „Gesegnet bist du, Agathon, vom Herrn im Himmel und auf Erden.“ Als Agathon seine Augen erhob, sah er niemanden. Denn es war ein Engel des Herrn, der gekommen war, ihn zu prüfen.

Die Begegnung Jesu mit der Sünderin (Lk 7,36-50)

11C_WaageAm vergangenen Sonntag haben wir im Evangelium von der Witwe von Nain gehört. Sie trug ihren einzigen Sohn zu Grabe – und Jesus hat den Jungen zum Leben erweckt und damit zugleich auch seiner Mutter die Lebensfreude wiedergeschenkt. Heute hören wir von einer anderen Frau, die sicher ebenso verzweifelt war wie die Witwe von Nain, wenn auch aus einem anderen Grund. Sie ist eine Sünderin, eine, mit der man nichts zu tun haben will, ein Schandfleck in der Stadt. Mit ihrem Tun hat sie sich an den Rand der Gesellschaft gebracht und nun findet sie keinen Weg zurück. Jesus wird auch ihr das Leben neu schenken.

Den Rahmen für die Geschichte bildet ein Gastmahl, zu dem Jesus eingeladen ist. Es findet im Haus eines Pharisäers statt, Simon heißt er, und der ist ein vornehmer und durchaus auch frommer Mann. Simon war sicher auf der Suche nach dem rechten Weg zu Gott. Treu hält er die Gebote, die das Gesetz vorschreibt. Jesus erkennt diesen Weg zu Gott an, doch er wird zeigen, dass ihm etwas Entscheidendes fehlt: die Liebe.

Plötzlich ist da eine Frau, die die familiäre Atmosphäre des Gastmahls durchbricht. Ungebeten hat sie sich eingeschlichen, von hinten tritt sie an Jesus heran, und dann kniet sie plötzlich zu seinen Füßen und mit liebender Hingabe wäscht sie die Füße des Herrn mit ihren Tränen, trocknet sie mit ihrem Haar und salbt sie mit wohlriechendem Öl.

Die Reaktion des Pharisäers gleicht zu allen Zeiten hindurch der Reaktion aller gesetzestreuen Menschen: So etwas gehört sich nicht! Wie kann ein Mann Gottes sich so auf eine Sünderin einlassen und sich sogar von ihr berühren lassen? – Wenn Jesus nicht dagewesen wäre, hätte er die Frau wohl sofort hinauswerfen lassen, aber er war doch gespannt darauf, was Jesus zu seinem Verhalten zu sagen hat. Jesus rückt die Angelegenheit in das rechte Licht und wird dem Pharisäer deutlich machen, dass er mit all seiner Frömmigkeit nicht viel besser dasteht als diese Frau.

Jesus erzählt ein Gleichnis. Zwei Männer haben Schulden, einer sagen wir mal etwa fünftausend Euro, der andere fünfzigtausend. Beiden wird die Schuld erlassen. Der Pharisäer versteht. Wir sind alle schuldig vor Gott, kein Mensch kann sagen, dass er vor Gott vollkommen gerecht ist. Das wussten auch die Pharisäer. Bei all ihrer Gesetzestreue war ihnen doch bewusst, dass sie es nie schaffen werden, alle Gebote vollkommen zu erfüllen.

Mir fällt hier eine ähnliche Situation aus dem Johannesevangelium ein. Als eine Ehebrecherin gesteinigt werden soll, bringt Jesus die Menge mit dem Satz zum Nachdenken: „Wer von euch ohne Sünde ist, der werfe als erster seinen Stein.“ – Und einer nach dem anderen ging fort, zuerst die Ältesten (vgl. Joh 8,7-9).

Auch wenn nun also der Pharisäer Simon von seiner Gerechtigkeit überzeugt ist, so weiß er doch auch um seine eigenen Sünden und Fehler. Auch er steht bei Gott in der Schuld und hofft darauf, dass Gott ihm diese erlassen wird. Aber er hat dabei eine andere Methode als die Frau. Simon wird sich denken, wenn ich vor Gott trete, dann kann ich zumindest all das aufzählen, was ich Gutes getan habe, dann wird Gott vielleicht über die kleinen Fehler hinwegsehen.

Jesus aber zeigt, wie Gott will, dass wir vor ihn hintreten: mit einem demütigen und liebenden Herzen. Nicht das Hervorheben unserer eigenen Gerechtigkeit lässt Gott unsere Sünden vergeben, sondern das Tun der Liebe. Unsere ganze Gerechtigkeit kann die Schwere unserer Schuld nicht aufwiegen, nur die Liebe hat Gewicht.

Simon ist Jesus als vornehmer Hausherr gegenübergetreten, der seinen Gast zwar freundlich, aber doch distanziert empfangen hat. Die Frau aber erweist Jesus große Liebe. Sie ist sich nicht zu schade, vor Jesus niederzuknien, sie ist sich nicht zu schade, den Schmutz von seinen Füßen mit ihrem Haar abzuwischen.

Ihr sind ihre vielen Sünden vergeben, weil sie mir so viel Liebe gezeigt hat.

Was heißt das für uns heute konkret? Wir kennen die Beispiele großer Heiliger, die sich mit ihrer Liebe den Menschen zugewandt haben, die die Wunden der Aussätzigen berührt haben, vor denen sich die anderen voll Ekel abgewandt haben, die zu denen gegangen sind, die von allen anderen gemieden wurden. Es muss nicht immer so spektakulär ablaufen, es können auch auf den ersten Blick ganz unscheinbare Begegnungen sein, die doch große Wirkung haben können. Wenn wir aufmerksam durchs Leben gehen, werden sicher auch wir Menschen sehen, die unsere liebende Zuwendung brauchen.

Vitus / Veit (+304)

Der hl. Veit gehört zu den Vierzehn Nothelfern und war besonders im Mittelalter ein sehr beliebter Heiliger. Davon zeugen heute noch viele Ortsnamen. Bedeutende Kirchen wie der Prager Veitsdom sind ihm geweiht. Um sein Leben ranken sich zahlreiche Legenden.

Veit wurde um das Jahr 292 in Mazzara, dem heutigen Mazara del Vallo, auf Sizilien geboren. Sein Vater war ein hoher römischer Beamter. Von seiner Amme Creszentia und seinem Lehrer Modestus wurde Veit christlich erzogen, was dem heidnischen Vater missfiel. Doch so sehr er den Sohn deswegen schimpfen und schlagen mochte, Veit blieb, obwohl noch ein Kind, seinem Glauben treu.

Während der Christenverfolgungen wurde Veit gefangengenommen. Als der Richter ihn schlagen wollte, verdorrten ihm die Arme. Durch sein Gebet machte Veit ihn wieder gesund, doch das vermochte diesen nicht vom christlichen Glauben zu überzeugen. Der Vater versuchte weiterhin, Veit vom Glauben abzubringen, doch womit er es auch versuchte, er hatte keinen Erfolg. Durch einen Engel ließ Christus dem bedrängten jungen Mann die Botschaft bringen:

„Habe Mut, ich bin bei dir und werde dein Beschützer sein alle Tage deines Lebens.“

Eines Tages roch der Vater aus dem Zimmer des Sohnes Weihrauchduft. Neugierig geworden schaute er hinein und sah sieben Engel um den jungen Mann stehen. Wer so mit Gott und den heiligen Engeln in Beziehung steht, den vermögen keine irdischen Verlockungen zu verführen.

Der Vater aber wurde blind und die heidnische Heilkunst konnte ihm das Augenlicht nicht wiedergeben, wohl aber das Gebet seines Sohnes. Doch auch dies vermochte den Vater nicht zum christlichen Glauben zu bekehren. Daraufhin flüchtete Veit zusammen mit Modestus und Creszentia nach Unteritalien. Sie wurden jedoch entdeckt und vor Kaiser Diocletian geführt. Dieser bat Veit, seinen besessenen Sohn zu heilen.

Nachdem Veit den Sohn des Kaisers geheilt hatte, wollte dieser die drei dazu bringen, den Göttern zu opfern. Als sie dies ablehnten, ließ er sie ins Gefängnis werfen. Veit wurde in einem Kessel mit siedendem Öl gemartert. Als ihm dies nichts anhaben konnte, wurde er den Löwen vorgeworfen, doch auch diese taten ihm kein Leid. Daraufhin ließ der Kaiser Veit zusammen mit Modestus uns Creszentia enthaupten. Veit war etwa zwölf Jahre alt, als er das Martyrium erlitt.

Die Verehrung des hl. Veit ist schon früh belegt. Papst Gelasius I. weihte ihm eine Kirche und Papst Gregor I. berichtet von Klöstern auf Sizilien und Sardinien, die seinen Namen tragen. Seine Reliquien kamen von Sizilien aus über Unteritalien nach Frankreich in das Kloster St-Denis und in die berühmte Abtei Corvey an der Weser. Von den Mönchen wurde die Verehrung des Heiligen in ganz Europa verbreitet. Das Volk rief Veit besonders bei Geisteskrankheiten an, für die man damals kein Heilmittel kannte. Als Veitstanz wird eine Form der Epilepsie bezeichnet, bei der es auf Grund der Schädigung des Nervensystems zu unkontrollierbaren spastischen Bewegungen des gesamten Körpers kommt.