Römer 8 – Hoffnung

Ich bin überzeugt, dass die Leiden der gegenwärtigen Zeit nichts bedeuten im Vergleich zu der Herrlichkeit, die an uns offenbar werden soll. (Röm 8,18)

Die Worte, die Paulus hier schreibt, sind Hoffnungsworte. Wir wissen, dass wir auch als erlöste Christen nicht frei sind von den Leiden dieser Welt. Auch viele fromme Menschen werden von Schicksalsschlägen getroffen, sie leiden unter Krankheiten, den plötzlichen Verlust eines lieben Menschen, Kriegen und Verfolgungen. Oft wird hier die Frage nach dem “Warum?” gestellt. Leid ist keine Strafe für Sünde. Diese ach so leichte Erklärung konnte noch nie eine befriedigende Antwort auf die Frage nach dem Leid geben. Kein Mensch wird diese Frage beantworten können.

Wir können dem Leid nur mit der Hoffnung begegnen. Der Hoffnung, dass Gott auch im Leid für uns sorgt, dass er eine schwere Krankheit heilen kann, die Hoffnung, dass auch sinnlos erscheinendes Leid nicht sinnlos ist, die Hoffnung, dass es immer einen Weg durch das Leid hindurch gibt, und dass Gott diesen Weg mit uns geht. Und nicht zuletzt auch die Hoffnung, dass ein neues Leben bei Gott auf uns wartet, in dem es kein Leid mehr geben wird.

Denn die ganze Schöpfung wartet sehnsüchtig auf das Offenbarwerden der Söhne Gottes. Die Schöpfung ist der Vergänglichkeit unterworfen, nicht aus eigenem Willen, sondern durch den, der sie unterworfen hat; aber zugleich gab er ihr Hoffnung: Auch die Schöpfung soll von der Sklaverei und Verlorenheit befreit werden zur Freiheit und Herrlichkeit der Kinder Gottes. Denn wir wissen, dass die gesamte Schöpfung bis zum heutigen Tag seufzt und in Geburtswehen liegt. Aber auch wir, obwohl wir als Erstlingsgabe den Geist haben, seufzen in unserem Herzen und warten darauf, dass wir mit der Erlösung unseres Leibes als Söhne offenbar werden. (Röm 8,19-23)

Zusammen mit uns Menschen wartet die gesamte Schöpfung auf die Zeit des Heils. Überall in der Schöpfung stoßen wir auf Leid. Die Natur ist kein Ort der Harmonie, sondern es tobt auf allen Ebenen ein Kampf ums Überleben. Auch hier wissen wir keine Antwort auf die Frage nach dem “Warum?”. Gott hat alles gut, ja sehr gut geschaffen. Kommt das Leid in der Schöpfung durch das Wirken des Menschen zustande? Oder ist eine Kraft am Werk, die Gottes Schöpfung stören und zerstören will?

Paulus gibt uns keine Antwort auf diese Frage. Für ihn ist das Leid eine Tatsache, die wir annehmen müssen. Zugleich aber gibt es Hoffnung für den Menschen und die gesamte Schöpfung. Gott lässt seine Schöpfung nicht allein. Er hört das Seufzen und Stöhnen der Schöpfung und der Menschen in ihr. Gott will den Menschen und die gesamte Schöpfung befreien von der Macht der Sünde und des Todes und er will die ganze Schöpfung mit sich vereinen.

Paulus spricht hier von Wehen, unter denen die Schöpfung seufzt. Wehen gehen der Geburt voraus. Durch den Schmerz der Wehen hindurch wird neues Leben geboren. Wenn das Kind dann auf der Welt ist, sind die Schmerzen der Wehen bald vergessen und es überwiegt die Freude über die Geburt des Kindes.

So ist auch die Zeit zwischen Jesu Auferstehung und seinem Kommen in Herrlichkeit eine Zeit der Wehen. Durch die Taufe werden Menschen neu geboren zu Kindern Gottes, aber sie leben weiterhin in einem irdischen Leib, der an die irdischen Umstände gebunden ist. Ihr Offenbarwerden als Kinder Gottes steht noch bevor. Wir leben in der Spannung zwischen dem “Schon” und “Noch nicht”. Wir sind bereits erlöst, unser Leib ist neu geboren aus dem Wasser der Taufe, wir sind Kinder Gottes, aber wir leben noch nicht bei Gott, wir leben noch auf der Erde.

Aber es gib Hoffnung, Hoffnung dass Gott bereits hier seinen Kindern einen Geschmack der Ewigkeit gibt, indem er das Leid mitträgt und seine Gaben schenkt. Hoffnung, dass die ganze Schöpfung wieder zu dem Paradies werden kann, das Gott geschaffen hat. Wir sind berufen, diese Hoffnung mir Gottes Hilfe Wirklichkeit werden zu lassen. Gott braucht Menschen, die seine Hoffnung in sich tragen und sie anderen weiter schenken.

Jesus, Lehrer der Weisheit Gottes (Mt 11)

In jener Zeit sprach Jesus: Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, weil du all das den Weisen und Klugen verborgen, den Unmündigen aber offenbart hast. (Mt 11,25)

Nach seiner Unterweisung der Jünger wendet sich Jesus nun wieder an alle, die zu ihm gekommen sind, um seine Worte zu hören. Jesus wird dargestellt wie ein Weisheitslehrer, der Schüler und interessierte Zuhörer um sich schart. Bei ihm finden die Menschen das, wonach sie sich im Innersten sehnen. Doch es gibt zwei grundlegende Unterschiede zwischen der Lehre Jesu und der anderer Weisheitslehrer.

Weisheitslehrer wie beispielsweise die antiken Philosophen sammelten in ihren Schulen eine Elite von Gelehrten um sich, die durch immer tiefgründigere Gedanken zu immer komplexeren Erkenntnissen gelangen sollten. Vom Denken schloss man damals auf die Natur und erst langsam schlugen die Gelehrten den anderen Weg ein, von Naturbeobachtung zu Erkenntnissen zu gelangen.

Doch Jesus will uns nicht solches Wissen über die Welt vermitteln und auch keine Philosophie, die auf tiefgründigen Gedanken beruht. Jesus richtet sich nicht an die Philosophen, sondern gerade an einfache, unmündige Menschen. Ihnen eröffnet er Geheimnisse über Gott, die menschliches Denken allein nicht in der Lage ist zu ergründen. Wenn nämlich schon die Wirklichkeit der Welt weit größer ist, als wir sie mit unserem Wissen erfassen können, um wie viel mehr gilt das dann für die Wirklichkeit Gottes. Von Gott versteht mehr, wer mit demütigem und gläubigem Herzen seine Offenbarung annimmt, als wer ihn mit seinem Verstand zu ergründen sucht.

Mir ist von meinem Vater alles übergeben worden; niemand kennt den Sohn, nur der Vater, und niemand kennt den Vater, nur der Sohn und der, dem es der Sohn offenbaren will. (Mt 11,27)

Ein zweites unterscheidet Jesus grundlegend von anderen Weisheitslehrern. Jesus hat seine Weisheit und Lehre sich nicht wie diese durch Nachdenken erarbeitet, sondern er selbst ist diese Wahrheit und Lehre. Er bringt mit seiner Lehre nicht etwas, das er erworben hat, sondern er bringt sich selbst. Er selbst ist die Wahrheit, von der er spricht und diese Wahrheit hat er von seinem Vater empfangen, mit dem er untrennbar verbunden ist.

Denn dadurch, dass er allein den Vater kennt, deutet er verborgen an, dass er gleichen Wesens mit ihm ist, so als wenn er sagen würde: Was ist es verwunderlich, wenn ich Herr über alles bin, da ich etwas anderes Größeres besitze, nämlich den Vater zu kennen und gleichen Wesens mit ihm zu sein?

(Johannes Chrysostomus)

Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt. Ich werde euch Ruhe verschaffen. (Mt 11,28)

Jesus Christus, der Sohn des Vaters, ist von Ewigkeit her mit dem Vater und dem Heiligen Geist eines Wesens. Er ist gekommen, um die Menschen in die Gemeinschaft zu rufen, in der er mit dem Vater lebt. Sie ist der Ort, an dem wir Ruhe finden, ewiges Leben, das unvergänglich in Gott geborgen ist.

Jesus, in dem die Fülle der Gottheit wohnt, ist unsere Wohnung geworden. Indem er in uns Wohnung nimmt, können auch wir in ihm Wohnung nehmen. Indem er sich in unserem Innersten niederlässt, eröffnet er uns die Möglichkeit, an seiner eigenen Nähe zu Gott teilzuhaben. Indem er uns als seinen bevorzugten Wohnort wählt, lädt er uns ein, ihn als unseren bevorzugten Wohnort zu wählen. Das ist das Geheimnis der Inkarnation, der Menschwerdung Gottes.

(Henri Nouwen)

Der Friedenskönig (Sach 9)

Juble laut, Tochter Zion! Jauchze, Tochter Jerusalem! Sieh, dein König kommt zu dir. Er ist gerecht und hilft. (Sach 9,9a)

Viele Exegeten gehen davon aus, dass der zweite Teil des Buches Sacharja, aus dem dieser Ausspruch stammt, im 4. Jahrhundert v.Chr. entstanden ist, jener Zeit, in der Alexander der Große mit der Eroberung seines Weltreichs die ganze Welt des Nahen Ostens erschüttert und für alle Völker einschneidende Veränderungen gebracht hat. Seine Nachfolger teilten dann in zahlreichen Kriegen das Erbe unter sich auf. Es war eine Zeit der Globalisierung. Noch nie gab es ein Reich, das einen so weiten Raum umspannt und so viele Völker unter einer Herrschaft vereinigt hat. Man ist noch heute fasziniert vom Mut Alexanders des Großen, aber zugleich auch abgeschreckt von der Brutalität seiner Nachfolger. Sicher hat man sich damals bereits viele Geschichten über diese Ereignisse erzählt.

Der Friedenskönig, von dem der Prophet hier spricht und der auf dem Berg Zion in Jerusalem regiert, ist ein Gegenpol zu diesen Herrschern. Doch egal auf welche Zeit und Ereignisse der Spruch des Propheten zurückgeht, es gibt zu allen Zeiten Herrscher, die Krieg über die Erde bringen und Menschen unterdrücken. Jeder Herrscher steht in der Versuchung, sich zu überheben, und sich von der Gier nach immer größerer Macht blenden zu lassen. Somit ist die Sehnsucht nach einem Friedenskönig zu allen Zeiten lebendig. Was sind die Kennzeichen eines solchen Königs?

An erster Stelle steht die Gerechtigkeit. Der Friedenskönig sucht nicht seinen eigenen Vorteil und den seiner Getreuen, er entscheidet nicht blind zugunsten der Reichen, sondern er will Gerechtigkeit für alle. Er prüft auch die Klagen der einfachen Leute und schützt sie vor Ausbeutung und den Übergriffen der Mächtigen. Er hilft, oder besser gesagt er bringt das Heil. Viele Herrscher ließen sich als Heilsbringer verehren, aber brachten großes Unheil über die Völker. Die Sehnsucht der Menschen nach Heil wurde so oft enttäuscht.

Heilig und Heil sind Worte, die uns heute weitgehend fremd geworden sind und die im öffentlichen Wortschatz kaum mehr zu finden sind, sicher auch deshalb, weil sie zu oft missbraucht wurden. Heil ist aber ein wesentliches Produkt christlichen Lebens, das wir aufgrund unserer Berufung zur Heiligkeit mit Gottes Hilfe in der Welt konkret werden lassen sollen. Ein Heiliger ist ein Mensch, der Heil wirkt, in dessen Umgebung Wunden heilen, körperliche und geistige. Der Friedenskönig schafft die Voraussetzungen dafür, dass dieses Heil allen zuteilwerden kann.

Er ist demütig und reitet auf einem Esel, auf einem Fohlen, dem Jungen einer Eselin. Ich vernichte die Streitwagen aus Efraim und die Rosse aus Jerusalem, vernichtet wird der Kriegsbogen. Er verkündet für die Völker den Frieden; seine Herrschaft reicht von Meer zu Meer und vom Eufrat bis an die Enden der Erde. (Sach 9,9b-10)

Der Friedenskönig ist demütig, was dadurch zum Ausdruck kommt, dass er auf einem Esel reitet. Der Esel ist damals im Nahen Osten ein seit vielen Jahrhunderten bewährtes Lasttier, das sich auch einfache Leute leisten konnten. Im Gegensatz zum Pferd, das als Streitross und Zugtier für die schnellen Streitwagen diente und auf dem die Herrscher sich in allem Stolz präsentieren konnten, ist der Esel ein Bild für Bescheidenheit und Friedfertigkeit. Im Krieg kann der Esel allenfalls das für den Tross nötige transportieren, kommt aber sicher nicht im Kampf zum Einsatz.

Im Reich des Friedenskönigs gibt es keine Streitwagen und Kriegspferde und keine Bogenschützen. All das sind Kennzeichen der expandierenden Großmächte, die mit ihren Heeren einen schnellen Angriffskrieg führen. Doch nicht die Heere, die mit ihren Streitwagen die Erde verwüsten und Angst und Schrecken verbreiten, sind das Leitbild der Zivilisation. Das Reich des Friedenskönigs ist nicht auf Expansion ausgerichtet, sondern auf Stabilisierung im Innern. Der Friede, den er bringt, schafft die Voraussetzung dafür, dass sich eine Kultur des Friedens ausbreiten kann, dass Kunst, Kultur und Religion sich entwickeln können.

Was aber ist das für ein König, der statt auf einem Streitross auf einem Esel reitet? Wie setzt er sein Reich der Gerechtigkeit durch und kann dabei auf Streitwagen und Kriegsbogen vernichten? Welcher König bringt der Welt wirklich den Frieden? Die Heilige Schrift sieht diese Verheißung in Jesus Christus erfüllt, der am Palmsonntag als Friedenskönig auf einem Esel reitend in Jerusalem einzieht, und dem das Volk zujubelt. Jesus Christus als Friedenskönig hat keine andere Waffe als die Liebe Gottes zu seinem Volk. Daher wird er von den Mächtigen auch schnell aus dem Weg geräumt. Doch wir glauben, dass mit ihm das Friedensreich Gottes in dieser Welt angebrochen ist, über das er als der Auferstandene nun herrscht.

Oft wurde die Herrschaft Gottes falsch verstanden. Könige von Gottes Gnaden regierten im Namen Gottes mit der Gewalt des Schwertes. Aus Gottes Friedensreich wurde ein Reich wilder Krieger. Doch wer Gottes Herrschaft auf dieser Welt verteidigen will, muss den Weg Jesu gehen, in aller Demut und Heiligkeit, ohne Kriegswaffen, allein in der Liebe. Er muss dabei aber auch damit rechnen, dass ihn das gleiche Schicksal treffen kann wie Jesus Christus. Aber gerade in der Schwachheit erweist sich Gottes Kraft und wir dürfen darauf vertrauen, dass er selbst es ist, der seiner Liebe zum Sieg verhilft.

Leben in Christus

Wisst ihr denn nicht, dass wir alle, die wir auf Christus Jesus getauft wurden, auf seinen Tod getauft worden sind? Wir wurden mit ihm begraben durch die Taufe auf den Tod; und wie Christus durch die Herrlichkeit des Vaters von den Toten auferweckt wurde, so sollen auch wir als neue Menschen leben. (Röm 6,3-4)

Paulus will den Römern veranschaulichen, was Erlösung bedeutet. Im vorangehenden Kapitel hat er gezeigt, wie durch die Gnade Gottes die Sünde Adams getilgt wurde. Die Sünde ist durch die Verfehlung Adams in die Welt gekommen und gelangte so zur Herrschaft über alle Menschen. Durch die Gnade Gottes aber wird der sündige Mensch zu einem Gerechten. Die Gnade Gottes erweist sich umso mächtiger, je größer die Macht der Sünde ist. Das heißt aber nicht – wie vielleicht einige Paulus in den Mund gelegt haben – dass er damit lehrt, dass die Christen nun fleißig sündigen sollen, damit sich Gottes Gnade umso größer erweisen kann. Der Erweis der Gnade ist einmalig. Gott nimmt dem Menschen in der Taufe die Sünden hinweg. Von nun an ist der Mensch für die Sünde tot, das heißt, er lebt nicht mehr unter ihrer Herrschaft, sondern unter der Herrschaft Gottes.

Wie aber geschieht diese Verwandlung des Menschen? Jesus Christus ist am Kreuz gestorben und wurde begraben, ist aber aus dem Grab mit der Kraft neuen Lebens auferstanden. Ebenso stirbt der alte, von der Sünde beherrschte Mensch in der Taufe und der Getaufte bekommt ein neues Leben geschenkt, in dem er von der Macht der Sünde frei ist. Dies wird symbolisiert durch das Untertauchen in Wasser, wie es früher bei der Taufe praktiziert wurde und auch heute noch bei einigen christlichen Gemeinschaften üblich ist. Der alte Mensch verschwindet unter dem Wasser und taucht als neuer Mensch aus dem Wasser auf, rein gewaschen von der Sünde. Auch das weiße Taufgewand symbolisiert diese Reinheit, die aus der Taufe hervorgeht.

Wenn wir nämlich ihm gleich geworden sind in seinem Tod, dann werden wir mit ihm auch in seiner Auferstehung vereinigt sein. Wir wissen doch: Unser alter Mensch wurde mitgekreuzigt, damit der von der Sünde beherrschte Leib vernichtet werde und wir nicht Sklaven der Sünde bleiben. Denn wer gestorben ist, der ist frei geworden von der Sünde.
Sind wir nun mit Christus gestorben, so glauben wir, dass wir auch mit ihm leben werden. Wir wissen, dass Christus, von den Toten auferweckt, nicht mehr stirbt; der Tod hat keine Macht mehr über ihn. Denn durch sein Sterben ist er ein für allemal gestorben für die Sünde, sein Leben aber lebt er für Gott. So sollt auch ihr euch als Menschen begreifen, die für die Sünde tot sind, aber für Gott leben in Christus Jesus. (Röm 6,5-11)

Gottes Gnade schenkt dem Menschen in der Taufe ein neues Leben. Auch wenn sich der Mensch rein äußerlich dadurch nicht verändert hat, ist er doch in seinem Inneren vollkommen neu. Sünde und Tod haben keine Macht mehr über ihn. Er lebt ein neues Leben als Kind Gottes. Dies gilt es stets vor Augen zu haben. Gott schenkt dem Menschen diese Würde. Der Getaufte aber muss dieses neue Leben in Ehren halten. Er darf nicht wieder in die alte Sünde zurückfallen.

Am Wichtigsten ist, sich stets des kostbaren Guts bewusst zu sein, das Gott uns geschenkt hat. Wir heißen Kinder Gottes und wir sind es. Unser Leben leben wir für Gott. Dieses Bewusstsein müssen wir stets in uns wachhalten. Wir müssen immer mehr danach streben, diese Erfahrung zu machen, was es heißt, Kind Gottes zu sein.

Nimm mich Herr
und verwandle mich.
Lass mich durchdrungen sein
von deiner Gegenwart.
Lass mich ergriffen sein
von der Kraft des neuen Lebens
das du mir geschenkt hast.
Lehre mich beten,
lehre mich in seiner Gegenwart zu leben,
lehre mich so zu leben
dass ich der Ehre würdig bin
Kind Gottes zu sein.
Amen.

Elischa und die Frau aus Schunem

Eines Tages ging Elischa nach Schunem. Dort lebte eine vornehme Frau, die ihn dringend bat, bei ihr zu essen. Seither kehrte er zum Essen bei ihr ein, sooft er vorbeikam. (2Kön 4,8)

Schunem ist eine Stadt in Israel, etwa 30 km südlich des Sees Gennesaret zwischen dem Berg Tabor und Jesreel gelegen. Sie gehört zum Gebiet des Stammes Issachar. Wir wissen nicht, warum der Prophet Elischa hier regelmäßig vorbeikam. Möglicherweise lag der Ort an der wichtigen Handelsstraße, die von der Mittelmeerküste über Megiddo und Hazor weiter nach Damaskus verlief. Es wird berichtet, dass Elischa auch in Damaskus tätig war.

In Schunem lebte eine vornehme Frau, ihren Namen erfahren wir nicht. Ihr war aufgefallen, dass Elischa hier öfter auf der Durchreise ist. Der Prophet war kein Unbekannter und sicher sorgte sein Erscheinen überall für Aufregung und die Menschen kamen zusammen, um ihn zu sehen. Wir wissen um die Gastfreundschaft in orientalischen Ländern. So ist es nahezu eine Selbstverständlichkeit, dass Elischa auf der Reise mit Essen, Trinken und einem Nachtlager rechnen kann.

Die vornehme Frau aber tut noch mehr. Sie bittet ihren Mann, eines der Zimmer im Haus dauerhaft für den Propheten herzurichten. Die Erwähnung eines gemauerten Hauses mit Obergemächern zeigt, dass es sich wirklich um eine reiche Familie handelte, die wahrscheinlich das größte Haus im Ort besaß. Auch Bett, Stuhl, Tisch und Leuchter waren damals Einrichtungsgegenstände, die sich nur reiche Leute leisten konnten.

Als Elischa fragte seinen Diener Gehasi, was man für die Frau tun könne. Dieser sagte: Nun, sie hat keinen Sohn, und ihr Mann ist alt. Da befahl er: Ruf sie herein! Er rief sie, und sie blieb in der Tür stehen. Darauf versicherte ihr Elischa: Im nächsten Jahr um diese Zeit wirst du einen Sohn liebkosen. (2Kön 4,15-16)

Elischa will der Frau für ihre Gastfreundschaft etwas zurückgeben. Die Frau aber lehnt zunächst dankend ab. Sie hat alles, was sie braucht. Neben dem Reichtum ihres Mannes lebt sie zudem inmitten ihrer Verwandten, was ihr zusätzliche Sicherheit verleiht, wenn ihrem Mann einmal etwas zustoßen sollte. Familienbande waren im Alten Orient von größter Bedeutung und mehr wert, als eine Empfehlung beim König.

Doch Gehasi, der Diener Elischas, weiß um den Schwachpunkt der auf den ersten Blick so perfekten Familie. Die Frau ist kinderlos und das ließ sie trotz ihres Reichtums im Ansehen der Menschen sinken. Zudem gab es dadurch keinen Stammhalter, der den Reichtum und das Ansehen der Familie in der nächsten Generation hätte bewahren können.

Elischa gibt der Frau daher die Verheißung, dass sie im nächsten Jahr ein Kind, ja sogar einen Sohn, haben wird. Das ist der größte Lohn, den sie für ihre Gastfreundschaft erhalten kann. Die Frau ist zunächst skeptisch, eine verbreitete Reaktion auf solche Verheißungen, wie wir es bereits bei Abrahams Frau Sarah sehen. Umso größer erscheint dann das Wunder, dass die Frau tatsächlich schwanger wird und zur verheißenen Zeit einen Sohn zur Welt bringt.

Die Geschichte aber geht noch weiter. Als das Kind einige Jahre alt ist, stirbt es plötzlich. Wir können uns den Schmerz der Frau vorstellen und zudem ihre Verwirrung. Denn warum hat Gott ihr ein Kind geschenkt, wenn er es ihr wieder nimmt? Da wäre es besser gewesen, kinderlos zu bleiben, als diesen zusätzlichen Schmerz zu ertragen. Sie eilt zu Elischa, ihrer einzigen Hoffnung. Und der Prophet wirkt ein noch größeres Wunder, er erweckt den toten Sohn wieder zum Leben.

Die Erzählung zeigt uns die wundermächtige Kraft des Propheten Elischa und die Macht Gottes, der sich um sein Volk sorgt und den Schoß eine kinderlosen Frau öffnen, ja sogar Tote zum Leben erwecken kann. Sie zeigt aber auch den Lohn der Gastfreundschaft. Diese ist keine einseitige Zuwendung. Gastfreundschaft bedeutete die Pflicht, dem Gast das Kostbarste, das man bieten konnte, vorzusetzen, ja sogar die letzten Vorräte aufzutischen. Umso größer wird der Lohn für diejenigen sein, die dazu bereit sind.

Von diesem Lohn für die gastfreundliche Aufnahme der Jünger spricht auch Jesus im heutigen Evangelium.

Prophet Jeremia

Ich hörte das Flüstern der Vielen: Grauen ringsum! Zeigt ihn an! Wir wollen ihn anzeigen. Meine nächsten Bekannten warten alle darauf, dass ich stürze: Vielleicht lässt er sich betören, dass wir ihm beikommen können und uns an ihm rächen.
Doch der Herr steht mir bei wie ein gewaltiger Held. Darum straucheln meine Verfolger und kommen nicht auf. Sie werden schmählich zuschanden, da sie nichts erreichen, in ewiger, unvergesslicher Schmach. Aber der Herr der Heere prüft den Gerechten, er sieht Herz und Nieren. Ich werde deine Rache an ihnen erleben; denn dir habe ich meine Sache anvertraut. Singt dem Herrn, rühmt den Herrn; denn er rettet das Leben des Armen aus der Hand der Übeltäter. (Jer 20,10-13)

Es ist Krieg in Jerusalem, ein furchtbarer Krieg. Die Stadt wird von den Feinden eingeschlossen, das Elend ist groß, Hunger und Krankheiten fordern täglich mehr Opfer. Doch die Menschen verstehen nicht, was geschieht. Das Volk und seine Anführer glauben weiterhin daran, dass Gott sein auserwähltes Volk verschonen wird, dass die Stadt mit dem Tempel des Herrn niemals von Feinden eingenommen werden kann.

Doch sie täuschen sich. Längst hat der Herr schon durch die Propheten das Unheil der Stadt vorausgesagt, weil ihre Bewohner nicht mehr nach dem Willen des Herrn leben. Sie geben zwar noch vor, fromm zu sein, aber es ist äußerer Schein. In ihrem Inneren werden sie bestimmt von der Grier nach Reichtum und Genuss. Die Oberschicht bereichert sich auf Kosten der Armen und der Gottesdienst ist zu einem leeren Ritual geworden.

In dieser Zeit hält Jeremia den führenden Männern der Stadt ihr Unrecht vor, sagt ihnen deutlich, dass es die Folge ihrer Vergehen ist, was nun mit der Stadt geschieht, und er macht ihnen klar, dass Gott sie nicht retten wird. Gott hat einen Neuanfang beschlossen und damit dieser geschehen kann, muss erst die alte Stadt untergehen. Das bevorstehende Exil in Babylon wird das Denken Israels und seine Beziehung zu Gott entscheidend verändern.

Jeremia ist den führenden Männern lästig. Sie können es nicht ertragen, dass da einer die Wahrheit sagt und noch dazu, dass er im Namen Gottes den Untergang der Stadt prophezeit. Sie sperren Jeremia ein, er sitzt in einem finsteren Loch und ist kurz vor dem Verhungern. Er denkt an seinen Dienst für Gott und wohin ihn dieser Dienst nun geführt hat. Vielleicht zweifelt er auch an diesen Gott, in dessen Namen er aufgetreten ist. Behandelt Gott so seine Diener?

Doch der Prophet ist durch und durch von Gott ergriffen. Er kann Gott nicht verleugnen und kann nicht aufhören, von dem zu reden, was Gott ihm gezeigt hat. Er wird die Worte Gottes verkünden, egal was seine Gegner ihm antun mögen. Dabei ist er sich sicher, dass Gott ihn retten wird. Gott wird seinen Propheten nicht verlassen. Auch wenn er jetzt in der Dunkelheit des Kerkers dahinschmachtet, er kann das Licht der Rettung sehen und glaubt an die Größe Gottes, der sein Wort in Erfüllung gehen lässt.

Herr, ich habe dir meine Sache anvertraut.

Du wirst nicht säumen, Herr,
wenn ich hoffend auf dich warte.

(Hl. Johannes vom Kreuz)

Gott behütet euch

Verkauft man nicht zwei Spatzen für ein paar Cent? Und doch fällt keiner von ihnen zur Erde ohne den Willen eures Vaters. Bei euch aber sind sogar die Haare auf dem Kopf alle gezählt. Fürchtet euch also nicht! Ihr seid mehr wert als viele Spatzen. (Mt 10,29-31)

Jesus macht den Jüngern Mut zum furchtlosen Zeugnis. Sie brauchen sich nicht vor den Menschen zu fürchten. Egal, was geschieht, sie sind in Gottes Hand geborgen. Er kennt jeden Menschen, sogar die Haare auf den Kopf eines jeden hat Gott gezählt. Für ihn ist der Menschen nicht nur eine Nummer, sondern ein lebendiger Partner, mit dem Gott eine innige Beziehung eingehen möchte.

Jesus sagt uns immer wieder, wie wertvoll wir für Gott sind. Ihr seid mehr wert als viele Spatzen, ihr seid für Gott mehr wert als alles auf der Welt. Dies hat uns Gott konkret darin gezeigt, dass er in Jesus Christus selbst auf diese Erde gekommen und Mensch geworden ist, dass er sich für uns hingegeben hat am Kreuz.

Jeder Mensch ist wertvoll vor Gott. Jeder Mensch bedeutet Gott etwas und Gott hält jeden Menschen in seiner Hand geborgen. Wenn wir uns in unserem Leben auch oft fragen: Wo ist Gott? So dürfen wir dennoch nie verzweifeln. Gott ist immer nahe, auch wenn wir uns manchmal von ihm verlassen fühlen.

Guter Gott, lass uns zu jeder Zeit deine helfende Nähe und Gegenwart erfahren!

Fürchtet euch nicht (Mt 10)

Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, die Seele aber nicht töten können, sondern fürchtet euch vor dem, der Seele und Leib ins Verderben der Hölle stürzen kann. (Mt 10,28)

Fürchtet euch nicht! Wie oft sagt Jesus diese Worte zu seinen Jüngern und wie oft müssen wir uns diese Worte sagen lassen! Wie oft hindert uns Furcht daran, den Glauben zu verkünden, und für andere Menschen einzutreten. Wir wollen möglichst nicht auffallen, machen uns Gedanken darüber, was andere über uns reden könnten.

Fürchtet euch nicht! Nehmt keine falsche Rücksicht! Um aber furchtlos auftreten zu können, muss man selbst überzeugt sein von dem, was man tut, überzeugt von Gott, für den man Zeugnis gibt, von seiner Existenz und der Wahrheit seiner Offenbarung. Von allen Seiten hören wir, dass es mit Gott doch ganz anderes ist als wir glauben, wir können nicht sagen, dass es einen Gott gibt. Jesus Christus war einfach nur ein guter Mensch, der die Liebe verkündet hat. Darum sollen wird die Menschen doch einfach so lassen, wie sie sind, nicht versuchen, andere zu missionieren und von unserem Glauben zu überzeugen.

Doch wenn wir die Worte Jesu in den Evangelien lesen wird deutlich, dass er kein Freund von Beliebigkeit ist. Für ihn gibt es nur einen Gott, den Vater im Himmel, und dieser Vater liebt die Menschen. Und wer sich von Gottes Liebe überwältigen lässt, der wird das Heil erfahren. Von diesem Gott und seiner Liebe sollen wir anderen erzählen, ja mehr noch, wir sollen durch unser Leben die Existenz und die Liebe Gottes erfahrbar werden lassen.

Das erfordert Mut. Das bedeutet auch, dass wir anecken. Sobald wir ernsthaft von unserem Glauben an Jesus Christus reden, werden wir eine Großzahl unserer Zuhörer zu Gegnern haben. Wir können natürlich das Evangelium auch so verpacken, dass es seine Konturen verliert, dass wir einfach nur vom guten Menschen Jesus reden, dann wird sich kaum einer an unseren Worten stören. Wir werden so aber auch kaum jemand für Jesus Christus begeistern können. Das ist die Situation, in der wir heute stehen.

Was hindert uns daran, Mut zu haben, aufzustehen, und mit Begeisterung das Evangelium mit allen Ecken und Kanten zu verkünden? Die Botschaft, dass Jesus Christus nicht einfach nur ein guter Mensch war, sondern dass er Gott ist, dass er uns erlöst hat und dass er uns als seinen Jüngern den Auftrag gegeben hat, von ihm Zeugnis zu geben und andere Menschen zu ihm zu führen.

Allmächtiger Gott,
du berufst immer wieder Menschen,
Zeugnis zu geben von deiner Liebe.
Stärke uns durch die Kraft des Heiligen Geistes,
dass auch wir deinem Ruf folgen
und erkennen, wozu du uns erwählt hast.
Gib uns Mut, ohne Menschenfurcht
und falsche Rücksichtnahme für dich einzutreten,
dich, die Wahrheit die uns Leben schenkt.
Amen.

Herzenseigentum (Ex 19)

Nach dem Auszug aus Ägypten und dem triumphalten Durchzug durch das Schilfmeer ist Israel nun in der Wüste unterwegs. Nach drei Monaten Wüstenwanderung sind sie am Horeb, dem Gottesberg, angekommen. Hier wird Gott den Bund, den er einst mit Abraham und den Stammvätern Israels geschlossen hat, erneuern. Er wird dem Volk seine Gebote übermitteln und so den Weg zeigen, wie das Volk seine Erwählung sichtbar werden lassen kann.

Wenn ihr auf meine Stimme hört und meinen Bund haltet, werdet ihr unter allen Völkern mein Herzenseigentum sein. Mir gehört die ganze Erde, ihr aber sollt mir als ein Reich von Priestern und als ein heiliges Volk gehören. (Ex 19,5-6a)

Herzenseigentum – so nennt Gott sein auserwähltes Volk, das heilige Volk, das Gott in ganz besonderer Weise gehört und für das Gott auch in ganz besonderer Weise sorgt. Den Menschen früherer Zeiten war mehr als uns heute bewusst, was Heiligkeit bedeutet. Sie meint, dass eine Person oder ein Gegenstand dem alltäglichen weltlichen Gebrauch entzogen wird und in ganz besonderer Weise rein gehalten wird für den Dienst an Gott. So galten die Geräte des Tempels heilig, sie durften nur von bestimmten Menschen für bestimmte Handlungen verwendet werden und waren dabei mit höchster Sorgfalt zu behandeln.

Auch Menschen können heilig sein, das bedeutet nicht unbedingt, dass einer in ein Kloster geht oder Priester wird. Hier hören wir, dass Gott ein ganzes Volk erwählt hat, heilig zu sein. Auch die Briefe des Paulus reden alle Gläubigen als Heilige an. Es ist die Berufung und Erwählung von uns allen, solche Heilige zu werden.

Was ist der Sinn der Erwählung, welchen Sinn hat es für das Gottesvolk, sich an all die Gebote zu halten, die zum Bund zwischen Gott und seinem Volk gehören, und dadurch heilig zu sein? Das erwählte, heilige Volk soll ein Segen sein, ein Segen für die Welt. Das war der Sinn der Erwählung des Volkes Israel und das ist der Sinn der Heiligkeit zu allen Zeiten.

Menschen, die ein Segen sind, danach dürstet die Welt. Solche Menschen sind dazu bereit, Entbehrungen auf sich zu nehmen, sich an Regeln und Gebote zu halten. Sie suchen nicht ihren eigenen Vorteil, sondern sind darauf bedacht, dass sie durch ihre Entfaltung nicht das Leben anderer behindern, sondern fördern.

In einer Zeit, in der Gewinn und Wachstum an erster Stelle stehen, brauchen wir solche Menschen mehr denn je. Es ist nicht alles erlaubt, was möglich ist. Der Sinn des Lebens besteht nicht darin, den eigenen Reichtum so weit wie möglich zu maximieren, egal auf wessen Kosten. Regeln und Gebote sollen sicherstellen, dass alle genug zum Leben haben und den Raum, den sie zum Leben brauchen.

Wir müssen keine Angst haben, dass wir zu kurz kommen, wenn wir nicht mit unseren Ellenbogen uns den Weg erkämpfen. Gott sorgt für die Menschen, die um seinetwillen und um der Menschen willen Verzicht üben. Auch wenn sie in den Augen dieser Welt für dumm gehalten werden, ihr Licht, das Licht Gottes, das sie in sich tragen, leuchtet in der Finsternis.

Herzenseigentum – Gott kümmert sich um sein Volk, Gott ist nahe in allen Nöten und Leiden. Gott nimmt sich seines Volkes an. Das ist der Trost, der in diesen Worten liegt. Gott ist nicht ein Gott, der fern von allem lebt, sondern ein Gott, der mitten in seinem Volk gegenwärtig ist. Diese Gegenwart Gottes zeigt uns die Geschichte des Volkes Israel immer wieder und auch wir, als Gottesvolk des neuen Bundes, können diese Gegenwart Gottes erfahren.

Herr, lass uns ganz dein eigen sein.
Lass uns Heilige sein in dieser Welt,
Menschen, durch die dein Licht leuchtet.
Herr lass uns ganz dein eigen sein.
Lass uns Boten deines Segens sein,
zum Heil der Welt.

Berufung der Zwölf

Als er die vielen Menschen sah, hatte er Mitleid mit ihnen; denn sie waren müde und erschöpft wie Schafe, die keinen Hirten haben. Da sagte er zu seinen Jüngern: Die Ernte ist groß, aber es gibt nur wenig Arbeiter. Bittet also den Herrn der Ernte, Arbeiter für seine Ernte auszusenden. (Mt 9,36-38)

Hier beginnt ein neuer Abschnitt des Wirkens Jesu im Matthäus-Evangelium. Bisher hat Jesus selbst das Volk gelehrt und Heilungen gewirkt. Nun zieht er die Jünger, die er in dieser ersten Zeit berufen hat, stärker in die Verantwortung. Jesus kann nicht selbst zu allen Menschen gehen, dafür sind es zu viele. Überall warten Menschen auf das Wort Gottes und auf Heilung. Die Menschen irren umher, wie eine Herde ohne Hirten, sie warten auf jemand, der sie führen kann. Die Zeit ist reif für die Ernte, und dazu braucht es Arbeiter. So beruft Jesus die Zwölf als seine Boten und gründet auf sie zugleich das neue Gottesvolk. Wie einst das Volk Israel aus den zwölf Stammvätern hervor gegangen ist, so werden die zwölf Apostel zum Fundament des neuen Gottesvolkes.

Dann rief er seine zwölf Jünger zu sich und gab ihnen die Vollmacht, die unreinen Geister auszutreiben und alle Krankheiten und Leiden zu heilen. Die Namen der zwölf Apostel sind: an erster Stelle Simon, genannt Petrus, und sein Bruder Andreas, dann Jakobus, der Sohn des Zebedäus, und sein Bruder Johannes, Philippus und Bartholomäus, Thomas und Matthäus, der Zöllner, Jakobus, der Sohn des Alphäus, und Thaddäus, Simon Kananäus und Judas Iskariot, der ihn später verraten hat. (Mt 10,1-4)

Die Kirche ist auf die Apostel gegründet und durch die Bischöfe bleibt die Verbindung zu den Aposteln dauerhaft bestehen. Um sein Volk aus allen Bewohnern der Erde zu sammeln, braucht Gott Menschen, die sich in seinen Dienst stellen lassen. Das sind nicht Menschen, die sich aus eigenem Entschluss in den Dienst Gottes stellen oder von anderen Menschen dazu bestellt werden, Gott selbst ist es, der beruft und sendet. Menschen können sich nicht selbst berufen, sondern nur mit ihrem Ja auf den Ruf Gottes antworten. Menschen können nicht selbst Arbeiter in den Weinberg Gottes schicken, sondern sie müssen Gott darum bitten, er allein kann es tun.

Diese Zwölf sandte Jesus aus und gebot ihnen: Geht nicht zu den Heiden und betretet keine Stadt der Samariter, sondern geht zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel. (Mt 10,5-6)

Es muss unser größtes Anliegen sein, dass alle Menschen auf der Welt von Gottes Liebe erfahren. Es geht darum, allen Menschen auf der Erde die Botschaft zu bringen, dass es einen Gott gibt, der Liebe ist, einen Gott, der das Heil aller Menschen will. An erster Stelle steht daher der Auftrag Jesu zur Verkündigung des Himmelreiches und daraus folgt die Vollmacht zur Heilung:

Geht und verkündet: Das Himmelreich ist nahe. Heilt Kranke, weckt Tote auf, macht Aussätzige rein, treibt Dämonen aus! (Mt 10,7-8a)

Gott und sein Reich müssen im Mittelpunkt der Verkündigung stehen. Die Kirche ist dazu bestimmt, von Gott Zeugnis zu geben, und nicht nur eine Botschaft vom guten Menschen zu verkünden. Wenn aber Gott im Mittelpunkt der Verkündigung steht, dann steht auch der Mensch im Mittelpunkt. Das erkennt man an den Taten, die der Verkündigung folgen. Nur, wem es zuerst um Gott geht, der kann auch den Menschen helfen, denn die Menschen können Wunder nicht aus eigener Kraft wirken. Gott allein ist es, der die Krankheiten der Menschen heilt, Tote auferweckt, Aussätzige rein macht, Dämonen austreibt. Er tut es aber durch Menschen, die in seinem Namen handeln.

Gott kümmert sich um sein Volk, Gott ist nahe in allen Nöten und Leiden. Gott nimmt sich seines Volkes an. Das ist der Trost, der in diesen Worten liegt. Wie wichtig ist es da, dass Gott Menschen beruft, die in seinem Namen den Menschen diesen Trost bringen, Menschen, denen Gott selbst Vollmacht und Kraft gibt für ihren Dienst. Bitten wird Gott, dass er uns solche Menschen schenkt.