Das Lamm als guter Hirte

Sie werden keinen Hunger und keinen Durst mehr leiden und weder Sonnenglut noch irgendeine sengende Hitze wird auf ihnen lasten. Denn das Lamm in der Mitte vor dem Thron wird sie weiden und zu den Quellen führen, aus denen das Wasser des Lebens strömt, und Gott wird alle Tränen von ihren Augen abwischen. (Offb 7,16-17)

Der vierte Sonntag der Osterzeit ist der Sonntag vom Guten Hirten. Zu diesem Thema kommen uns vor allem die Texte aus dem Johannesevangelium in den Sinn, in denen sich Jesus als der gute Hirte beschreibt. Wir denken auch an Psalm 23, mit seinen ergreifenden Worten von der Hirtensorge Gottes. Aber an die Offenbarung des Johannes werden wir spontan wahrscheinlich nicht denken. Und doch wird wohl nirgendwo sonst so konkret beschrieben, wie sich Gottes Hirtensorge zum Ausdruck bringt.

Diese Welt ist für den Menschen kein Paradies. Krankheit und Not können allen widerfahren. Schon gleich an ihrem Beginn wird in der Bibel darüber nachgedacht, warum das so ist. Warum hat Gott die Erde nicht als Paradies erschaffen, in dem es allen Menschen gut geht? Die Antwort der Bibel lautet: wegen seiner Sünde wurde der Mensch aus dem Paradies vertrieben und muss im Schweiße seines Angesichts für seinen Lebensunterhalt sorgen. Die Frage nach dem „Warum?“ wird gerade an religiöse Menschen immer wieder herangetragen. Warum lässt Gott das Leid zu? Warum treffen harte Schicksalsschläge auch gute und fromme Menschen?

Wir werden keine befriedigende Antwort auf diese Fragen finden. Die Antwort Gottes ist das geschlachtete Lamm der Offenbarung. In seinem Sohn Jesus Christus hat Gott selbst alle Mühsal und alles Leid der Welt auf sich genommen. Freiwillig hat er sich dem Tod ausgeliefert, um zu zeigen, dass Leid und Tod nicht das Letzte sind. Nach jedem Schmerz wartet eine neue Freude, nach jedem Tod wartet das Leben. Es bleibt uns nicht erspart, durch diese dunklen Mauern hindurch zu gehen, aber Gott geht mit uns diesen Weg und nach dem Dunkel kommt das Licht, oft bereits in diesem Leben, immer im neuen Leben bei Gott.

Das Bild der Offenbarung, das dem Leiden unter Hunger, Durst und Sonnenglut einen paradiesischen Garten gegenüberstellt, in dem es frisches Wasser und Schatten gibt, ist nicht nur eine Vertröstung auf das Jenseits. Freilich, Johannes schreibt die Offenbarung zunächst an Christen in der Bedrängnis, die jederzeit damit rechnen müssen, für ihren Glauben ins Gefängnis oder gar in den Tod zu gehen. Er macht ihnen Mut und zeigt, dass Gottes Macht größer ist als die Mächte, die gegen Gott und seine Getreuen kämpfen. Aber es wird ein Ende der Verfolgung geben. Gott vergisst seine Getreuen nicht und wer standhaft ausharrt, wird auf unerdenkliche Weise belohnt werden.

Blicken wir auf das Lamm, es ist geschlachtet, wie tot, aber doch ist es voller Leben. Dieses Lamm ist Christus, der Sieger über Leiden und Tod. Im Blick auf ihn finden wir Antwort auf all unsere Fragen, im Vertrauen auf ihn werden wir alles überwinden, er gibt uns Kraft im Leiden und Mut in der Verzweiflung, er stillt unseren Durst nach Leben und schenkt uns Schatten in der Glut der Versuchung.

Herr Jesus,

Lamm Gottes,

für uns geopfert,

du Sieger über den Tod,

in dir triumphiert das Leben,

du zeigst uns

den Sinn des Lebens.

Du guter Hirte,

dir will ich folgen,

rufe mich beim Namen

und lass mich deine Stimme erkennen.

Lass mich mit dir

ein Zeuge des Lebens sein

und zusammen mit dir

hineingehen zum ewigen Leben.

Amen.