Neuer Himmel, neue Erde (2Petr 3)

Das eine aber, liebe Brüder, dürft ihr nicht übersehen: dass beim Herrn ein Tag wie tausend Jahre und tausend Jahre wie ein Tag sind. Der Herr zögert nicht mit der Erfüllung der Verheißung, wie einige meinen, die von Verzögerung reden; er ist nur geduldig mit euch, weil er nicht will, dass jemand zugrunde geht, sondern dass alle sich bekehren. (2Petr 3,8-9)

Der zweite Petrusbrief beschäftigt sich mit der Erwartung des Kommens des Herrn. Diese Erwartung, dass Jesus Christus nach seiner Himmelfahrt zum Vater wiederkommen wird, um alle zu sich zu holen, die an ihn glauben, ist ein zentrales Thema christlicher Verkündigung. Jesus selbst hat den Jüngern von diesem Kommen erzählt, in den Paulusbriefen begegnen wir immer wieder dieser Erwartung. Aber die Zeit vergeht und es scheint sich nichts zu ändern, die Welt scheint zu bleiben, wie sie ist. Wenn es da nicht die Christen gäbe, könnte man sagen, dass sich mit dem Leben Jesu auf Erden praktisch nichts auf der Welt verändert hat.

Aber ist es nicht gerade die Existenz der Christen selbst, die die Welt verändert? Christen müssen das Salz der Erde sein, wie es Jesus einmal gesagt hat, sonst taugen sie zu nichts. Ein Christentum, das die Welt nicht verändert, taugt zu nichts. Wo den Christen der Glaube fehlt, der die Kraft gibt zu solcher Veränderung, da sind sie überflüssig und wertlos und da fällt die Welt in den bemitleidenswerten und verlorenen Zustand zurück, in dem sie vor dem Leben Jesu auf Erden war.

Der Brief bringt einige Argumente dafür, dass die bislang ausgebliebene Wiederkunft des Herrn eben nicht die Falschheit der Erwartung dieses Kommens bedeutet, sondern andere Gründe hat. Gott ist nicht an unsere Zeitvorstellung gebunden. Für uns sind tausend Jahre eine lange Zeitspanne, ja sogar fünfzig Jahre dauern vom Menschen her gesehen sehr lange. Gott aber steht über der Zeit. Auch wenn die Wiederkunft des Herrn erst nach mehreren hundert Jahren geschieht, ist das für Gott keine lange Zeit, auch wenn es für die Menschen eine sehr große Verzögerung bedeutet. Gott kann warten, er will warten, bis alle die Möglichkeit haben, sich zu bekehren. Das lange Warten auf das Kommen des Herrn ist also nicht ein Argument gegen die Erlösung, sondern vielmehr dafür, dass Gott Heil und Erlösung für alle Menschen will und nicht nur für die wenigen, die in den Jahren des Anfangs bereits zum Glauben gekommen sind.

Der Tag des Herrn wird aber kommen wie ein Dieb. Dann wird der Himmel prasselnd vergehen, die Elemente werden verbrannt und aufgelöst, die Erde und alles, was auf ihr ist, werden (nicht mehr) gefunden. (2Petr 3,10)

Trotzdem wird der Tag der Wiederkunft des Herrn überraschend kommen. Auch wenn er lange ausbleibt, kann er doch jederzeit eintreffen. Auch wenn die Christen seit Jahrzehnten und Jahrhunderten darauf warten, bedeutet das nicht, dass es noch weitere Jahrzehnte und Jahrhunderte dauern wird. Daher müssen die Christen jederzeit bereit sein für diesen Tag.

Wenn sich das alles in dieser Weise auflöst: wie heilig und fromm müsst ihr dann leben, den Tag Gottes erwarten und seine Ankunft beschleunigen! (1Petr 3,11-12a)

Die Verzögerung der Wiederkunft des Herrn soll nicht dazu führen, dass die Christen in ihrem Eifer nachlassen, weil ja noch genügend Zeit bleibt und man noch etwas warten kann, um seine Fehler zu ändern. Sie soll vielmehr zu noch größerem Eifer anspornen, um der Welt durch ein Leben aus der Kraft des Glaubens zu zeigen, dass Jesus lebt und dass er schon jetzt unter den Gläubigen gegenwärtig ist. Durch das heilige Leben der Gläubigen sollen immer mehr zum Glauben finden, so dass viele sich bekehren und so der Tag des Gerichts schneller eintrifft.
Wie aber dieser Tag aussehen wird, darüber gab es damals bereits konkrete Vorstellungen.

An jenem Tag wird sich der Himmel im Feuer auflösen und die Elemente werden im Brand zerschmelzen. Dann erwarten wir, seiner Verheißung gemäß, einen neuen Himmel und eine neue Erde, in denen die Gerechtigkeit wohnt. (2Petr 3,12-13)

Wenn der Herr kommt, wird sich alles in Feuer auflösen, alle Elemente werden schmelzen, so stellt es sich der zweite Petrusbrief vor. Ein unwahrscheinlich heißes Feuer, das sie Kraft hat, alles aufzulösen. Vielleicht stellte sich der Verfasser hier vor, wie Gold im Feuer geschmolzen wird. Das harte Gold wird durch die Kraft des Feuers flüssig und so kann man ihm eine neue Form geben. Dem ähnlich wird die ganze Welt eingeschmolzen und von Gott zu einem neuen Himmel und einer neuen Erde geformt. Alles Böse wird ausgebrannt, so wie das Feuer Gold und Silber läutert und von Fremdstoffen reinigt. Die neue Welt aber, die aus dem Feuer hervor geht, wird glänzen wie reinstes Gold und Silber. In ihr findet sich kein Schmutz mehr, sondern es wird eine Welt sein, in der es allein das Gute gibt und in der die Gerechtigkeit wohnt.

Weil ihr das erwartet, liebe Brüder, bemüht euch darum, von ihm ohne Makel und Fehler und in Frieden angetroffen zu werden. Seid überzeugt, dass die Geduld unseres Herrn eure Rettung ist. (2Petr 3,14-15a)

Als Christen leben wir in der Erwartung dieser neuen Welt Gottes. Natürlich wäre es schön, wenn sie schnell käme, und wir so von allen Mühsalen des Lebens befreit wären. Aber das Warten gibt auch die Möglichkeit, uns immer wieder neu darauf zu besinnen, ob wir wirklich so leben, wie es unserer Berufung als Christen entspricht. Es bietet uns die Möglichkeit, immer mehr das gute zu tun und immer mehr Menschen von Jesus Christus zu erzählen und von dem Heil, das er für alle Menschen bereithält.

Herr, wir warten auf deine Gerechtigkeit
und wollen schon jetzt für sie Zeugnis geben.
Wir warten darauf, dass du die Welt reinigst,
wir warten auf eine Welt ohne das Böse
eine Welt, in der das Gute triumphiert
und wir wollen schon jetzt mit dir
an dieser neuen Welt bauen.
Hilf uns, so zu leben, wie du es willst.
Hilf uns, stets das Gute zu tun.
Hilf uns, dem Bösen zu wiederstehen.
Lass uns deine Zeugen sein,
Zeugen für das Gute,
für Liebe und Gerechtigkeit in dieser Welt.
Amen.

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