Das Gleichnis vom klugen Verwalter (2)

25C_Christus_Herr

Am Ende des Gleichnisses steht die Warnung Jesu:

Kein Sklave kann zwei Herren dienen; er wird entweder den einen hassen und den andern lieben, oder er wird zu dem einen halten und den andern verachten. Ihr könnt nicht beiden dienen, Gott und dem Mammon. (Lk 16,13)

Wenn Christus die beiden Herren gegenüberstellt, Gott und Mammon, so bedeutet das nicht, dass er sie gleichwertig sieht. Nur Gott ist Herr. Es gibt keinen Herren außer ihm. Der Mammon wird Herr genannt, weil er den Menschen beherrscht. Gottes Herrschaft aber öffnet dem Menschen den Weg zu wahrer Freiheit und einen erfüllten Leben.

Siehst du, wie ganz allmählich der Herr die Zuhörer von den irdischen Dingen abzieht, indem er zum wiederholten Mal auf die Verachtung des Besitzes zu sprechen kommt, und so die Tyrannei der Habsucht bricht? … Wenn er aber sagt: „Kein Sklave kann zwei Herren dienen“, so sind unter den zweien hier solche zu verstehen, von denen der eine das Gegenteil des anderen befiehlt. Denn wäre dies nicht der Fall, so wären es auch nicht zwei. Jesus aber will zeigen, dass die Bekehrung zum Besseren ganz leicht ist. Damit du nämlich nicht sagst: Ich bin ein für allemal zum Sklaven des Mammon geworden, ich bin von der Geldgier beherrscht, so zeigt er, dass eine Umkehr möglich ist, und dass man, wie vom ersten zum zweiten, so auch vom zweiten zum ersten kommen kann. … Die Liebe zum Geld nimmt den Verstand ein wie eine Festung, sendet von da aus täglich ihre Befehle aus, die jeglicher Ungerechtigkeit voll sind, und es gibt keinen, der ihr den Gehorsam versagen würde. Grüble also nicht über nutzlose Ausflüchte nach. Gott hat einmal sein Urteil gefällt und gesagt, es sei nicht möglich, zugleich dem einen und dem anderen zu dienen. Behaupte also nicht du, es sei möglich. … „Herr“ aber nennt Christus hier den Mammon, nicht ob dessen besonderer Natur, sondern wegen der erbarmungswürdigen Lage derer, die sich unter sein Joch gebeugt haben. … Es ist in der Tat ein unaussprechliches Unheil, das diese trifft, Streit, Verwünschungen, Händel, Elend, Blindheit der Seele. Das Schlimmste von allem aber ist, dass ein solcher der höchsten Gnaden verlustig geht, nämlich der Dienstschaft Gott. So hat also der Herr auf jede Weise gezeigt, wie die Verachtung des Geldes so nützlich ist gerade zur Bewahrung des Geldes, sowie zum Glück der Seele, zur Erlangung wahrer Lebensweisheit und zur Sicherung der Frömmigkeit.
Johannes Chrysostomus

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