Unser Beten

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Du Glanz der Herrlichkeit des Vaters, du Licht vom wahren Licht und du Quelle allen Glanzes, du Tag, der den Erdentag erleuchtet, du wahre Sonne, sende dein Licht auf uns herab, mit deiner urewigen Herrlichkeit und offenbare unseren menschlichen Sinnen das Feuer des Allheiligen Geistes! Darum bitten wir dich von ganzem Herzen, du Vater der ewigen Herrlichkeit, du Vater der mächtigen Gnade.
Beschütze uns vor den Angriffen des Bösen! Erfülle uns mit deiner Stärke und beschütze uns vor unseren Hassern! Schenke uns Halt in unseren Nöten und schenke uns allen eine hilfreiche Hand. Erleuchte und lenke unser Denken in einem gereinigten Leib, der dir dein Diener ist. Lass unseren Glauben stark werden und besiege allen Irrtum.

Hl. Ambrosius von Mailand

O Christus, unser Gott, der du zu jeder Zeit und zu jeder Stunde im Himmel und auf Erden angebetet und verherrlicht wirst, du Langmütiger, du Barmherziger und du Huldvoller, der du die Gerechten liebst und dich über die Sünder erbarmst, der du alle zur Errettung rufst durch die Verheißung der zukünftigen Güter, du selbst, o Herr, nimm die Gebete an, die wir dir in dieser Stunde darbringen, und wende unser Leben deinen Geboten zu. Heilige unsere Seelen, reinige unsere Leiber, bringe unser Denken in Ordnung, mache unsere Gesinnungen rein und erlöse uns von aller Trübsal, Bosheit und Qual. Beschirme uns durch deine heiligen Engel, damit wir, durch ihre Schar bewacht und geführt, zur Einigung im Glauben und zur Erkenntnis deiner unaussprechlichen Herrlichkeit gelangen. Denn du bist gepriesen in die Ewigkeiten der Ewigkeiten. Amen.

Hl. Basilius der Große

Das Flehen der Witwe (Lk 18,1-8)

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Jesus will den Glauben und den Mut der Jünger stärken. Es scheint manchmal so hoffnungslos zu sein, eine Welt, in der statt Gerechtigkeit das Recht des Stärkeren regiert, eine Gesellschaft, die nicht nach Gott fragt, Menschen, die den Jüngern ablehnend gegenüberstehen. Wie soll das weiter gehen? Wer kann gerettet werden? Wie können wir Zeugen für Gottes Liebe sein und Glaube und Gerechtigkeit unter den Menschen stärken?

Gott wird Hilfe bringen. Jesus sagt den Jüngern: Schaut her, da in ein gottloser Richter, der nur auf seinen Vorteil bedacht ist, der bei den Reichen ein und aus geht und selbst ein großes Vermögen hat. Und da ist eine arme Witwe. Jemand hat ihr wohl zu Unrecht auch noch das wenige weggenommen, das sie besaß. Vielleicht war es ein kleines Vermögen ihres verstorbenen Mannes, auch das ein anderer Anspruch erhoben hat. In einem Gerichtsverfahren hätte die Witwe Aussicht auf Erfolg. Aber ein solches Verfahren kostet Geld. Vielleicht gehört ihr Gegner auch zu den Reichen und Mächtigen, so dass keiner sich mit ihm anlegen möchte. Wen kümmert schon das Schicksal einer armen Witwe.

Doch sie gibt nicht auf. Jeden Tag läuft sie auf der Straße hinter dem Richter her, um ihn anzuflehen. Er wendet ihr keinen Blick zu, seine Diener halten die Frau zurück, aber doch wird ihm die Sache langsam lästig. Irgendwann erwischt ihn die Frau doch und sie könnte ihm ins Gesicht schlagen. Das wäre eine Schande vor allen Leuten. Daher gibt er eines Tages nach. Nicht, weil er Gott fürchten würde oder der Frau etwas Gutes tun wollte, einfach nur aus eigenem Interesse, damit er endlich Ruhe vor ihr hat.

Wenn schon der gottlose Richter der Frau hilft, sagt Jesus seinen Jüngern, wie viel mehr wird Gott denen helfen, die ihn bitten! Gott liebt die Menschen. Er will uns Gutes tun. Vielleicht liegt es eher an unserem Kleinglauben, dass Gott nicht hilft? Jesu Warnung am Ende des Gleichnisses sollte uns zu denken geben. Nicht Gott verlässt die Menschen, Gott kann nichts Gutes tun, wenn die Menschen nicht an seine Hilfe glauben.

Du bist erhört worden? Danke deswegen Gott, weil du erhört worden bist. Du bist nicht erhört worden? Bleibe in Gottes Nähe, um erhört zu werden.

Hl. Johannes Chrysotomus

Prophet Elischa (2)

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Naaman ist ein erfolgreicher Feldherr des Königs von Damaskus. Er hat schon so manche Schlacht gewonnen und reiche Beute gemacht. Als Kriegsbeute ist auch ein junges Mädchen aus Israel in sein Haus gekommen. Doch nun ist Naaman krank. Er ist von einer Hautkrankheit befallen und muss sich schämen, in die Öffentlichkeit zu treten. Ein Feldherr, der sich nicht mehr vor seinen Soldaten zeigen kann, wird nicht mehr lange in der Gunst des Königs stehen. Er wird vieles versucht haben, um gesund zu werden, jedoch ohne Erfolg. Da erzählt das Mädchen aus Israel der Frau des Naaman von einem Propheten in Israel, der Wunder wirken kann. Es ist schon sonderbar, dass ein Ausländer, dessen Land mit Israel in Feindschaft lebt und der nichts mit dem Gott Israels zu tun hat, ausgerechnet in Israel Heilung sucht. Aber es ist Naamans letzte Hoffnung.

Naaman holt sich zunächst von seinem König die offizielle Erlaubnis, nach Israel reisen zu dürfen. Zudem nimmt er wertvolle Geschenke mit. Doch wohin soll er in Israel gehen? Er kannte das Land bisher nur von seinen Kriegszügen. Als hoher Beamter geht er zunächst in die Hauptstadt und bittet um eine Audienz beim König. Es gibt Könige, die zugleich Propheten sind und heilen können, wie die großen Könige David und Salomo. Der König Joram aber, der nun auf Davids Thron sitzt, ist ein Stümper. Hier zeigt sich deutlich die Kritik des Geschichtsschreibers am verkommenen Königtum in Israel. Er will auch gar nicht als Prophet gelten, was seine Empörung über das Ansinnen des Naaman beweist.

Der Prophet Elischa steht in engem Kontakt zum Königshaus und hat bemerkt, dass hier etwas Eigenartiges vorgefallen ist. Er lässt daher zum König schicken. Ja, es gibt einen Propheten in Israel. Auch wenn der König ein Stümper ist und nichts vom Gott Israels hält, so ist doch Gott in seinem Volk machtvoll am Wirken. Er lässt Naaman zu sich an den Jordan kommen, geht ihm aber nicht selbst entgegen. Über einen Diener schickt er Naaman die Nachricht, wie er gesund werden kann: er soll siebenmal im Jordan untertauchen.

Nun wird Naaman unwillig. Was soll das. Zunächst wird er vom König enttäuscht. Dann macht er sich auf den beschwerlichen Weg weiter ins Landesinnere zum Jordan, um dem großen Propheten zu begegnen, und dann hält es dieser Prophet nicht einmal für nötig, ihn persönlich zu begrüßen, ihn, den großen Feldherren aus Damaskus, der sich eigens auf den Weg gemacht hat in dieses armselige Land, um dem Propheten seine Aufwartung zu machen. Und überhaupt, er soll sich im Jordan waschen, in diesem schmutzigen Rinnsal, das man im Vergleich zu den großen Strömen von Damaskus gar nicht als Fluss bezeichnen kann. Warum ist er nur hierhergekommen. Sein Stolz macht ihn blind, doch seine Begleiter reden ihm zu und schließlich macht er doch, was der Prophet im gesagt hat.

Wer Heilung sucht, muss bereit sein, über seinen Schatten zu springen. Heilung kann ganz einfach sein, und gerade daher ist sie so schwer. Lieber hätte Naaman sein ganzes Vermögen ausgegeben und alle möglichen harten Übungen vollzogen, hätte lieber qualvolle Operationen über sich ergehen lassen, als diese primitive Handlung, einfach in den Jordan zu tauchen. Aber er tut es doch und findet Heilung.

Als Naaman merkt, dass er geheilt ist, kehrt er zum Propheten Elischa zurück. Nun erst kommt es zur Begegnung zwischen den beiden. Erst die Bereitschaft des Naaman, dem Wort Elischas zu folgen, macht diese Begegnung möglich. Naaman hat erfahren, dass es einen Gott gibt in Israel. Er ist bereit, diesem Gott zu dienen. Die Heilung hat sein Leben verändert.

Naaman will Gott dienen. Damals war die Überzeugung verbreitet, dass man einem Gott nur in seinem Land dienen kann. Mit der Erde nimmt Naaman einen Teil des Heiligen Landes mit in seine Heimat. Hier kann auch er dann den Gott Israels verehren.Wem Heilung geschenkt wird, der muss auch dankbar sein. Dankbar für das Wunder, das sich ereignet hat. Naaman will Elischa all seine Schätze schenken. Doch Elischa lehnt ab. Die Schätze des Naaman haben für ihn keine Bedeutung. Was zählt ist der Glaube an Gott, den Naaman erfahren hat.

Heilung ist ein Geschenk, das wir nicht kaufen können. Viele machen ein Geschäft mit der Angst der Menschen. Viele Menschen geben lieber Unsummen aus, als sich beschenken zu lassen. Beschenkt werden, wie geht das? Natürlich würde jeder sagen, dass er lieber beschenkt wird, als zu bezahlen. Aber im konkreten Leben verhalten wir uns dann ganz anders. Wir wollen lieber selbst etwas machen, als zuzulassen, dass etwas an uns geschieht. Das könnte uns ja wirklich verändern. Nein, das wollen wir nicht. Nur wer bereit ist für einen möglichen Neuanfang, kann sich auch beschenken lassen.

Dankbarkeit ist demütig genug, sich etwas schenken zu lassen. Der Stolze nimmt nur, was ihm zukommt. Er weigert sich, ein Geschenk zu empfangen. (Dietrich Bonhoeffer)

Die Heilung des Naaman ist auch ein Vorausbild auf die Taufe. In der Taufe müssen wir nichts tun. Wir müssen einfach nur bereit sein für das Wasser, das über uns ausgegossen wird. Dieses Wasser und die Anrufung des dreifaltigen Gottes waschen uns rein von allen Sünden. Wir werden zu einem neuen Menschen, der nun ganz zu Gott gehört.
Das Geschenk des Glaubens ist umsonst. Es fordert ein Leben in Gerechtigkeit. Zu leicht versuchen sich die Menschen von dieser Forderung des Glaubens loszukaufen, indem sie Geschenke machen. Ich habe dem Haus Gottes dies und jenes gespendet. Das ist mein Zeichen des Glaubens. Bin ich nicht gut? Ist das nicht mehr wert, als ein Leben in Gerechtigkeit? So aber geht die Kraft des Glaubens verloren.

Herr, lass uns den Glauben treu zu bewahren. Hilf uns, in der Kraft des Glaubens zu leben. Lass unser Leben ein Zeugnis deiner Liebe und deiner machtvollen Gegenwart unter den Menschen sein. Lass uns Menschen sein, die Heilung erfahren und selbst Heilung schenken in der Kraft des Glaubens an dich, den einen Herrn.

Prophet Elischa (1)

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Elischa nahm den Mantel, der Elija entfallen war, schlug mit ihm auf das Wasser und rief: Wo ist der Herr, der Gott des Elija? Als er auf das Wasser schlug, teilte es sich nach beiden Seiten und Elischa ging hinüber. (2Kön 2,14)

Unmittelbar nach der Entrückung des Elija (2Kön 2) berichtet uns das zweite Buch der Könige von dem Propheten Elischa. Bereits in 1Kön 19 haben wir von seiner Berufung durch Elija gehört. Dort wird Elischa als junger Mann aus vornehmem Haus vorgestellt, was aus den zwölf Rindergespannen deutlich wird, mit denen Elischa auf dem Feld arbeitet. Elischa tritt in den Dienst des Elija und wird von diesem zu seinem Nachfolger erwählt. Zwei Drittel des Geistes des Elija gehen auf Elischa über, was dem Anteil entspricht, den der Erstgeborene vom väterlichen Erbe erhält. Zudem hinterlässt Elija ihm seinen Mantel als Zeichen der Prophetenwürde.

Wenn auch von Elischa mehr Wundertaten berichtet werden als von Elija, so ist doch die Nachwirkung des Elija weit größer als die des Elischa. Elija wird dreißig Mal im Neuen Testament erwähnt, Elischa nur ein einziges Mal (Lk 4,27). Doch werden die Taten des Elischa, vor allem sein Brotwunder, die Totenerweckung und die Heilung des an Aussatz erkrankten Naaman, als Vorausbilder der Wunder Jesu gesehen.

Elischa trat im Nordreich Israel vor allem unter König Joram (851-845 v.Chr.) aus der Omridendynastie auf. Neben seinen Wundertaten im Volk nahm er auch starken Einfluss auf die Politik. Er ließ durch einen seiner Schüler einen Mann namens Jehu zum König salben (Jehu von Israel 841-813). Dieser bereitete der Dynastie der Omriden ein blutiges Ende, indem er König Joram von Israel und seinen Neffen Ahasja, der König von Juda war, töten ließ, und zudem das ganze Haus Ahab auslöschte zusammen mit Isebel, die als Frau des Ahab den Baalskult förderte und so in Israel zum sprichwörtlichen Zeichen des Götzenkultes geworden war. Jehu löschte auch den Baalskult aus, was ihm im deuteronomistischen Geschichtswerk viel Lob eingebracht hat. Der Prophet Hosea jedoch kritisiert sein brutales Vorgehen gegen das Haus Ahab (Hos 1,4). Von Elischa hören wir erst wieder unter König Joasch von Israel (797-782). Dieser besucht den Propheten, als er im Sterben liegt.

Elischa war auch außerhalb Israels bekannt. In 2Kön 3 wird davon berichtet, wie Elischa die Könige Joram von Israel und Joschafat von Juda in ihrem Kampf gegen die Moabiter unterstützt. Auch das nördlich von Israel gelegene Aramäerreich mit der Hauptstadt Damaskus war mit Israel verfeindet. Dennoch kommt Naaman, ein hoher Beamter des Königs von Damaskus, nach Israel, um sich dort heilen zu lassen (2Kön 5). In 2Kön 6 ist davon die Rede, dass Elischa auf Grund seiner prophetischen Schau dem König von Israel Hinweise auf einen Hinterhalt der Aramäer gibt. Diese wollen Elischa daraufhin gefangen nehmen, was ihnen aber nicht gelingt. Später geht Elischa selbst nach Damaskus, um den kranken König Ben-Hadad zu besuchen. Dort begegnet er auch Hasael. Er verheißt diesem, dass er König von Damaskus werden wird und Israel viel Schaden zufügen wird. Kurz darauf ermordet Hasael den König Ben-Hadad und tritt dessen Nachfolge an.

Der Prophet Habakuk

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Über den Propheten Habakuk wissen wir nicht viel. Die moderne Forschung geht davon aus, dass der Prophet Habakuk um das Jahr 600 v.Chr. in Jerusalem aufgetreten ist. In seinem Worten spiegelt sich die unruhige Zeit vom Beginn der Eroberungen des neubabylonischen Reiches im Vorderen Orient bis kurz vor dem Untergang Jerusalems wieder. Nach der Schlacht bei Karkemisch im Jahr 605 v.Chr. fiel Nebukadnezzar der ganze Vordere Orient zu und seine Vormachtstellung war nun gesichert. Im Jahr 597 v.Chr. kam es dann zur ersten Belagerung Jerusalems.

In dieser Zeit ist das Ende der alten Ordnung deutlich erkennbar und die Menschen blicken auf eine ungewisse Zukunft, von der man nicht weiß, ob sie das Ende alten Unrechts oder noch größeres Unrecht bringen wird. Während der König und die Oberschicht in Jerusalem noch relativ sorglos leben und sich durch Ausbeutung des Volkes bereichern, kommt der Untergang immer näher. Die Rufe des Propheten nach Recht und Gerechtigkeit verhallen ins Leere.

Der Prophet stellt sich die Frage nach dem Warum. Warum muss Jerusalem, Gottes geliebte Stadt, so leiden, warum lässt Gott ihren Untergang zu. Warum dürfen die Feinde mit solch gewaltiger Macht und Brutalität gegen Gottes Volk vorgehen? Gott lässt das Strafgericht zu, doch auch die Neubabylonier als Vollstrecker dieses Gerichts werden bestraft werden.

“Bis wann noch, DU!” habe ich gefleht und du hörst nicht, ich schreie zu dir: “Gewalt !” und du befreist nicht.

So klingt Hab 1,2 eindrücklich in den Worten Martin Bubers. Was als Klage an Gott gerichtet ist, ist eine Klage über das Tun der Menschen. Nicht Gott übt Gewalt. Die Menschen tun einander Gewalt an. Das Böse hat die Macht und drückt mit gnadenloser Grausamkeit die Hilflosen und Schwachen nieder. Warum lässt Gott das zu? Warum lässt er in seinem Volk das zu? Warum lässt er zu, dass die Gerechtigkeit, für die Gottes Gesetz steht, unwirksam, ja machtlos ist?

Der Prophet versucht zu verstehen. Nur, wenn Gott Herr ist über alle Völker, ergibt das alles einen Sinn. Dann hat er die Macht, fremde Völker zu rufen, um das Strafgericht über sein Volk auszuführen, aber er hat auch die Macht, die fremden Völker in ihre Schranken zu weisen und sein Volk wieder aufzurichten.

Es bleibt die Mahnung, es mit der Gerechtigkeit ernst zu nehmen. Gott steht für Gerechtigkeit ein. Auch wenn zunächst die Mächte der Gewalt erfolgreich zu sein scheinen, wenn der ungerechte Reichtum immer mehr wächst, so geht das nicht endlos so weiter. Es wird eine Zeit kommen, in der ein gerechter Zustand wiederhergestellt wird, auch wenn es dazu zunächst einer Phase noch größerer Gewalt bedarf. Gottes Zusage an den Gerechten bleibt unerschütterlich bestehen.

Es kommt und bleibt nicht aus: Wer nicht rechtschaffen ist, schwindet dahin, der Gerechte aber bleibt wegen seiner Treue am Leben. (Hab 2,2-4)

Das Gleichnis vom reichen Mann und dem armen Lazarus

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Es war einmal ein reicher Mann, der sich in Purpur und feines Leinen kleidete und Tag für Tag herrlich und in Freuden lebte. Vor der Tür des Reichen aber lag ein armer Mann namens Lazarus, dessen Leib voller Geschwüre war. Er hätte gern seinen Hunger mit dem gestillt, was vom Tisch des Reichen herunterfiel. Stattdessen kamen die Hunde und leckten an seinen Geschwüren. (Lk 16,19-21)

Da liegt ein armer Bettler vor der Tür eines reichen Mannes, zur Zeit Jesu und auch zu anderen Zeiten ein vertrautes Bild. Normalerweise kann ein Bettler darauf hoffen, von dem, was im Haushalt eines Reichen übrig bleibt, etwas abzubekommen und davon satt zu werden. Doch der reiche Prasser im Evangelium gewährt dem armen Schlucker nicht einmal diese kleine Gunst. Im Evangelium hat der Arme sogar einen Namen – Lazarus. Der Reiche bleibt namenlos und das sicher nicht ohne Grund. Gregor der Große sagt dazu:

Bemerke wohl, dass die Leute gewöhnlich viel eher die Namen der Reichen wissen als die der Armen. Der Herr aber nennt den Namen des Armen – und den des Reichen nicht. Denn Gott kennt und anerkennt die Niedrigen, und die Stolzen kennt er nicht.

Als nun der Arme starb, wurde er von den Engeln in Abrahams Schoß getragen. Auch der Reiche starb und wurde begraben. In der Unterwelt, wo er qualvolle Schmerzen litt, blickte er auf und sah von weitem Abraham, und Lazarus in seinem Schoß. (Lk 16,22-23)

Lazarus stirbt und ebenso der reiche Mann. Lazarus wird in Abrahams Schoß getragen, der Reiche jedoch leidet Qualen in der Unterwelt. Wir wollen nicht darüber nachdenken, ob Jenseitsvorstellungen wie diese der Wirklichkeit entsprechen oder nicht. Ich wehre mich auch gegen eine Deutung, die nur auf eine Vertröstung auf das Jenseits ausgerichtet ist. Sicher will uns Jesus mit diesem Gleichnis nicht sagen, dass wir uns um die Armen keine Sorgen machen müssten, weil sie ja für ihr Elend auf Erden im Himmel umso mehr mit Glück beschenkt werden.

Die kritische Person im Evangelium ist der reiche Prasser. Er hat keinen Namen und wird so zu einer Mahnung an uns alle, dass wir nicht werden wie er! Aus den Worten des Evangeliums entnehmen wir deutlich, dass er seine Chance auf ein gelungenes Leben vertan hat. Seinen ganzen Luxus kann er nicht mit ins Grab nehmen. Hätte er nur ein klein wenig mehr auf seine Mitmenschen geachtet, würde es ihm jetzt nicht so schlimm ergehen. Ich denke, Jesus will uns darauf hinweisen, dass wir unser Leben bewusst leben und unsere Augen und Herzen offen halten sollen, um im entscheidenden Moment richtig – das heißt barmherzig – zu handeln.

Lazarus wird nach seinem Tod direkt in Abrahams Schoß getragen. Die Juden verbanden damit die Vorstellung von einem Ort der größten Sicherheit und Geborgenheit, von einem Ort des höchsten Glücks. Dies darf nun der genießen, der in seinem Leben nichts Gutes erfahren hat.

Der Prophet Amos (3)

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Weh den Sorglosen auf dem Zion und den Selbstsicheren auf dem Berg von Samaria. Ihr liegt auf Betten aus Elfenbein und faulenzt auf euren Polstern. Zum Essen holt ihr euch Lämmer aus der Herde und Mastkälber aus dem Stall. (Am 6,1.4)

Trinken und Schmausen, dass sich die Tische biegen. Anschaulich schildert der Prophet Amos hier das Treiben der Oberschicht von Samaria und gibt uns damit zugleich eine Vorlage für das heutige Evangeliumvom reichen Mann und dem armen Lazarus (Lk 16). Dabei geht es nicht um eine Kritik des fröhlichen Feierns an sich. Das wollen weder Jesus noch der Prophet verbieten, vergleicht doch Jesus selbst oft das Reich Gottes mit einem Festmahl.

Der Prophet Amos und Jesus im Gleichnis, beide kritisieren die Ungerechtigkeit, die daraus resultiert, dass Menschen nur für sich Reichtümer anhäufen und nicht bereit sind, mit anderen zu teilen. Genau an diesem Punkt sind wir in unserer Gesellschaft auch heute wieder angekommen, und daher sind diese Worte, obwohl sie aus ferner Zeit stammen (der Prophet Amos lebte etwa vor 2750 Jahren), heute genau so aktuell wie damals.

Nicht jede Armut ist heilig, und nicht jeder Reichtum verbrecherisch. Luxus und Verschwendung aber machen den Reichtum verwerflich, ebenso wie Heiligkeit die Armut adelt. (Johannes Chrysostomus)

Es geht hier um die Gier, für sich möglichst viel herauszuholen, ohne Rücksicht auf andere. Das totale Streben nach absolutem Profit ohne Rücksicht auf Nachhaltigkeit und Folgeschäden. Wir erleben das heute wieder katastrophal in unserem allein auf Wachstum ausgelegten Wirtschaftssystem. Die Zahlen müssen stimmen, egal, ob dabei anderen Menschen, den entlassenen Arbeitnehmern hier oder den Armen in fernen Ländern, ihre Existenzgrundlage geraubt wird. Menschen werden von ihrem Land vertrieben, müssen unter menschenunwürdigen Bedingungen arbeiten und verdienen nicht einmal das zum Leben notwendige.

In diesen Kreislauf der Ungerechtigkeit sind wir alle verstrickt. Unsere Kleidung, unsere Nahrung, unsere technischen Geräte, es gibt kaum etwas, das ohne soziale Ungerechtigkeit produziert wird. Denken wir daran, dass unsere von der Werbung angetriebene Schnäppchenjagd und der Wunsch, immer mehr immer billiger zu kaufen nur zu Lasten anderer Menschen gehen kann?

Bei uns heute sind es nicht die Tische, die sich unter den feinen Speisen biegen, die Symbol für unseren Reichtum sind. Vielleicht kennen sie den modernen Begriff des ökologischen Fußabdrucks, der anzeigt, wie stark wir die Erde zertrampeln und anderen den Platz zum Leben rauben.

Wenn auch der arme Lazarus heute nicht mehr sichtbar vor unserer Türe liegt, so gibt es ihn doch, in Afrika, Asien oder sonst wo. Wir alle sind der Reiche im Evangelium. Da hilft es nicht viel, wenn wir nur das eine oder andere Produkt bio oder fair kaufen oder einige Euro spenden. Als Christen müssen wir anfangen, uns radikal gegen das sich immer stärker etablierende System globaler Ausbeutung zu stellen. Der Prophet Amos und Jesus stellen uns klar vor Augen was geschieht, wenn wir hier unserer Verantwortung nicht gerecht werden.

Der Prophet Amos (2)

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Wir wollen mit Geld die Hilflosen kaufen, für ein paar Sandalen die Armen. Sogar den Abfall des Getreides machen wir zu Geld. (Am 8,6)

Sind die Worte des Propheten Amos nicht heute genauso aktuell wie damals? Meint man nicht auch heute, aus allem Geld machen zu müssen? Was keinen Profit einbringt, zählt nichts. Und billig muss es sein. Unsere Kleidung und andere Güter werden in fernen Ländern für einen Hungerlohn produziert. Menschen und Umwelt werden gnadenlos ausgebeutet.
Doch wir vergessen die Folgen unseres Tuns. Damals wurde wenige Jahre nach dem Auftreten des Amos das Nordreich von den Assyrern erobert und verschwand für immer von der Landkarte. Bei uns merken wir nun langsam, aber mit deutlich zunehmender Geschwindigkeit, dass die Probleme, die wir weit in der Ferne wähnten, plötzlich bis an unsere Haustüre gekommen sind.
Doch Panikmache und Stammtischparolen nützen hier wenig. Es gibt positive Ansätze, die weiterverfolgt werden müssen. Es gilt, mit Vertrauen in die Zukunft zu blicken und die nötigen Schritte zu erkennen und dann auch bereit zu sein, diese zu tun. Das Buch Amos endet nicht mit düsteren Weissagungen, sondern mit einem Heilswort. Vertrauen wir darauf, dass dieses Heil auch unserem Haus Europa gilt, wenn wir unser Verhalten ändern und wieder mehr auf das Wohl von Mensch und Umwelt achten, auf Recht und Gerechtigkeit sehen, anstatt auf Reichtum und Profit.

An jenem Tag richte ich die zerfallene Hütte Davids wieder auf und bessere ihre Risse aus, ich richte ihre Trümmer auf und stelle alles wieder her wie in den Tagen der Vorzeit. Seht, es kommen Tage – Spruch des Herrn -, da folgt der Pflüger dem Schnitter auf dem Fuß und der Keltertreter dem Sämann; da triefen die Berge von Wein und alle Hügel fließen über. Und ich pflanze sie ein in ihrem Land und nie mehr werden sie ausgerissen aus ihrem Land, das ich ihnen gegeben habe, spricht der Herr, dein Gott. (Am 9,11.13.15)